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Full text of "Zeitschrift Für Physikalische Und Diätetische Therapie 18.1914"

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UNIVERSITY OF MICHIGAN 



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ZEITSCHRIFT 

^ FÜR 

PHYSIKALISCHE um DIÄTETISCHE 

THERAPIE 

(Begründet von E. von Leyden und A. Goldscheider.) 


Mitarbeiter: 

V. v. BABES (Bukarest), C. A. BIER (Berlin), A. BUM (Wien), B. BUXBAUM (Wien), C. COLOMBO 
(Rom), A. CZERNY (Berlin), P. EHRLICH (Frankfurt a. M.), H. EICHHORST (Zürich), M. EINHORN 
<$ew York), W. H. ERB (Heidelberg), C. A. EWALD (Berlin), A. FRÄNKEL (Berlin), F. FRANKEN¬ 
HÄUSER (Baden-Baden), K. FRANZ (Berlin), P. W. FÜRBRINGER (Berlin), J. GAD (Königstein i. T.), 
J. 0. L. HEUBNER (Losehwitz), W. HIS (Berlin), F. A. HOFFMANN (Leipzig), R. v. JAKSCH (Prag), 
M. IMMELMANN (Berlin), G. KLEMPERER (Berlin), F. KRAUS (Berlin), L. KUTTNER (Berlin), 
A. LAQÜEUR (Berlin), P. LAZARUS (Berlin), M. LEVY-DORN (Berlin), H. LÜTHJE (Kiel), L. MANN 
(Breslan), J. MARCUSE (Ebenhauaen), G. MARINESCU (Bukarest), F. MARTIUS (Rostock), M.MATTHES 
(Marburg), F. MORITZ (Köln), FR. v. MÜLLER (München), K. v. NOORDEN (Frankfurt a. M.), P. K. PEL 
(Amsterdam), H. PRIBRAM (Prag), H. J. QUINCKE (Frankfurt a. M.), TH. ROSENHEIM (Berlin), 
M. RUBNER (Berlin), H. SAHLI (Bern), AD. SCHMIDT (Halle a. S.), J. SCHREIBER (Königsberg i. Pr.), 
V. SEMON (London), H. STRAUSS (Berlin), AD. v. STRÜMPELL (Leipzig), H. WEBER (London), 
W. WINTERNITZ (Wien), E. ZANDER (Stockholm), N. ZUNTZ (Berlin). 


Herausgeber: 

A. G-OLDSCHEIDER. L. BRIEGER. A. STRASSER. 

Redaktion: 

Dr. W. ALEXANDER, Berlin W., Friedrich-Wilhelmstraße 18 . 


Achtzehnter Band. 


Mit 53 Abbildungen. 


LEIPZIG 1914 

Verlag von GEORG THIEME, Antonstr. 15. 


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Preis des Jahrgangs M. 12.—. 

Manuskripte, Referate und Sonderabdrücke werden an Herrn Dr. W. Alexander, Berlin W.. 
Friedrich-Wilhelm8tr. 18, portofrei erbeten. 

Die Herren Mitarbeiter werden gebeten, die gewünschte Anzahl von Sonderahzügen ihrer 
Arbeiten auf der Korrektur zu vermerken; 40 Sonderabzüge werden den Verfassern von Original- 
Arbeiten unentgeltlich geliefert 

Die zu den Arbeiten gehörigen Abbildungen müssen auf besonderen Blättern (nicht in das 
Manuskript eingezeichnet) und in reproduktionsfähiger Ausführung eingesandt werden. 


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Verzeichnis der Originalarbeiten. 


S«ite 


Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate? Von Dr. S. A. Arany in Karlsbad-London . . . 153 
Die Behandlung der chronisch-rheumatischen Gelenkerkrankungen nach den Gesetzen der 

Funktion und der Statik. Von Dr. W. Becker und Dr. E. Papendieck in Bremen 449 

Über Mineralstoffwechsel. Von Ragnar Berg, Weißer Hirsch.33 

Znt Behandlung innerer Krankheiten mit Thorium X. Von Stabsarzt Dr. G. Brückner 

in Berlin.26 

Mineralphysiologie, Eiweiß und natürliche Immunität. Von Dr. Cornelius in Oldenburg i. Gr. 545 
Die lokale manuelle Nervenbehandlung in Beziehung zu atonischen Zuständen des Mastdarms. 

Von Edgar F. Cyriax in London.75 

Ober das Wüstenklima. Von Prof. Dr. H. Determann in St. Blasien .... 332, 393, 461 
Die Heilerfolge der konservativen Behandlung der Spontangangrän und ihr verwandter 

Erkrankungen im Lichte der Theorie und Praxis. Von Dr. J. Deutsch in Kiew 193 

Zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit. Von Dr. Erich Ebstein in Leipzig.164 

Eine unbekannte Schrift von Joh. L. Schönlein gegen den Fürsten Alexander von Hohenlohe 

aus dem Jahre 1821. Von Dr. Erich Ebstein in Leipzig.587 

Ober chronische Stuhlverstopfung und ihre Behandlung. Von Dr. M. Einhorn in New York 257 
Zur röntgenologischen Bestimmung der Verweildauer von vegetabiler und Kuhmilch im Magen 
nebst einer Kritik der Kapselmethode. Von Dr. A. Fischer in St. Gallen und Dr. L.Katz 

in Berlin.. 385, 479 

Zur Obungsbehandlung der Paralysis agitans. Von San.-Rat Dr. Friedländer in Wiesbaden 65 
Die Abderhaldenschen Methoden des Nachweises proteolytischer Serumfermente in ihrer 

klinischen Anwendung. Von Dr. H. Guggenheimer in Berlin.39 

Klimatotherapie im Kindesalter. Von Prof. Dr. Hecker in München. 1 

Das Ganzkornbrot. Von M. Hindhede in Kopenhagen.287 

Untersuchungen über die Wirkung des Herzschlauches. Von Dr. Arthur Hirschfeld 

und Dr. Hans Lewin in Berlin. 6 

Ober das Prinzip und die therapeutische Verwendung zweier neuer elektrischer Apparate 

der Oscillodors und des Undostaten. Von Dr. Erwin Hoehl in Chemnitz .... 81 

Zur mechanischen Sicherung der Diagnose und mechanischen Behandlung von Herzfehlern. 

Von Geh. San.-Rat Dr. J. Jacob in Bad Kudowa.83 

Die Kürbisbehandlung der Ödeme. Von Dr. A. Kakowski in Kiew. 352, 407 

Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. Von Dr. H. V. Klein in Wien 17 

Abhärtung im Kindesalter. Von Dr. M. Klotz in Schwerin i. M.615 

Zur Neuropathie des kindlichen Alters. Von Dr. M. Kretschmer in Berlin.206 

Ober die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur und den Blutdruck des Menschen. 

Von Dr. V. Kuiera in Prag. 139 

Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage nach Thure Brandt- 

Ziegenspeck. Von Dr. A. Landeker in Berlin. 9 t 

Die Wiedererziehung des Gehörs. Von Dr. A. Maurice in Paris.619 

Die Brotnot unserer Zeit Von Med.-Rat Dr. Meitzer in Groß-Hennersdorf i. S. 577 

Uber therapeutische Seereisen. Mit der Woermann-Linie nach Kamerun. Von Dr. H. Pauli 

in Karlsruhe..228 


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IV Verzeichnis der Originalarbeiten. 


Seite 

Eine Grundursache der Harnsäureübersättigung beim Menschen. Von Hofrat Dr. C. Rose 

in Erfurt.513 


Weitere Forschungsergebnisse auf dem Gebiete der Massage und Bäderwirkung. Von 

San.-Rat Dr. C. Rosenthal in Berlin.265 

Bauchkonfiguration und Abdominalkrankheiten. Von Dr. F. Schilling in Leipzig . . . 592 

Einiges über meinen „Degressator“ und seine praktische Anwendung. Von Dr. Adolf 

Schnee in Frankfurt a. M.68, 169 

Bergonisation als passive Muskelgymnastik bei Kreislaufinsuffizienz. Von Dr. P. Schuster 

in Frankfurt a. M.609 

Über den Schweiß und das Schwitzen. Von Prof. Dr. A. Strass er in Wien . . . 129, 214 
Zur Frage der Diätform in den Krankenhäusern. Von Prof. Dr. H. Strauß in Berlin . . 321 
Ober Blaulichtbehandlung tuberkulöser Hautgeschwüre. Von Dr. The de ring in Oldenburg i. Gr. 38 
Zur Methodik der Röntgen-Härtebestimmung. Von Dr. Thedering in Oldenburg i. Gr. 160 
Über periphere Ursachen des neuralgischen Zustandes. Von Dr. F. Turan in Franzensbad 223, 278 
Bemerkungen zu der Arbeit von Schnöe „Einiges über meinen Degressator“. Von 

Dr. Ad. Veith in Nürnberg.168 

Ein Vergleich der Ataxiebehandlung nach Frenkel und Malonev. Von Dr. H. F. Wolf 

in New York.476 


Vortragszyklus über Balneologie und Balneotherapie in Karlsbad am 28. September bis 


4. Oktober 1913.102 

42. Schlesischer Bädertag am 5. und 6. Dezember 1913 in Breslau.170 

35. Balneologenkongreß am 11.—16. März 1914 in Hamburg.291 

10. Kongreß der Deutschen Röntgengesellschaft am 19.—21. April 1914 in Berlin 362, 428, 485 
31. Kongreß für innere Medizin am 20.—24. April 1914 in Wiesbaden. 525, 562 


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Sachregister 


Abbau von Kohlehydraten und Fetten in der 
isolierten diabetischen Leber 532. 

Abblendung der Körperstrahlung 485. 

Abbotts Skoliosebehandlung 55, 308. 

Abderhaldens Dialysierverfahren 531, —, Kar¬ 
zinomdiagnose mittels desselben 531, —, 
klinische Anwendung 89. 

Abdominalkrankheiten, Bauchkonfiguration und 
587. 

Abdominalorgane, Hilfsmittel für Röntgenunter¬ 
suchung der 486. 

Abhärtung 305, — im Kindesalter 615« 

Abktthlung, Einfluß derselben auf die Anaphy¬ 
laxie 123. 

Abortivheilungen und Neurorezidive bei der 
modernen Syphilisbehandlung 603. 

Abwehrferraente, Spezifität der 531, —, Über¬ 
tragung (passive) der 634. 

Achvlia pancreatica, Diagnose und Therapie 
der funktionellen 173. 

Adams, W. Curtis, Übungsbehandlung bei Vis- 
zeroptose 572. 

Adaptometer 486. 

Aderlaß und Kochsalzsuprareninlösung bei 
pneumonischer Herzschwäche 180, — und 
Normalseruminfusion bei schwersterSepsis 60. 

Adhäsionen, peritonitische, Behandlung 496, —, 
Prophylaxe und Therapie 314. 

Adipositas dolorosa, Galvanisation bei 378, —, 
ischiasähnliche Schmerzen bei 63. 

Adrenalin und Koronarkreislauf 124, —, Mor¬ 
phium und sein Antagonismus gegen 445, 
— bei Osteomalacierezidiven 251, -, Reaktion 
des menschlichen Herzens auf 540. 

Adrenalingehalt des Blutes 540, — der Neben¬ 
nieren bei Thorium X-Intoxikation 247. 

Adrenalinglykosurie beim Menschen 316. 

Aknebehandlung mit Vakzinen 123. 

Akroasphyxie, Heißluftbehandlung 307. 

Aktinomykose, Radiumbehandlung 442, —, 

Röntgenbehandlung 441, 602. 

Aktivierung (Radio-) beliebiger Flüssigkeiten 
118. 

Albuminurien, transitorische, Auslösung der¬ 
selben beim Menschen 607. 


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Aleukozytäres Tier, Entzündungszellen an dem¬ 
selben 565. 

Alkalitherapie des Diabetes mellitus 624. 

Alkoholbehandlung bei Verbrennungen 308. 

Alkoholeinwirkung bei Psychopathen 320. 

Alkoholiker, Blutdruckmessungen bei denselben 
319. 

Alkoholinjektionen bei Trigeminusneuralgie 55. 

Alkoholismus, Resistenz der Erythrozyten bei 
565. 

Altersthyreoidismus 567. 

Alveolarpyorrhoe. Radiumbehandlung 573. 

Amerikanische Balneotherapie 305. 

Amylazeenkur, gemischte, bei Diabetes 596. 

Amylolytische Fermente, Wirkung auf Nähr 
und Nahrungsmittel 303. 

Anaemia gravis acuta, Behandlung 320, — 
perniciosa, Thorium-X bei 376. 

Anämien, Klinik der (Ehrlich und Lazarus) 61. 

Anaphylaxie, Beeinflußbarkeit der, durch Ab¬ 
kühlung 123. 

Anaphylaxie, primäre, bei wiederholter Diph¬ 
therieseruminjektion 574. 

Anaphylaxiegefahr und ihre Verhütung bei An¬ 
wendung von Diphtherieserum 504. 

Anästhesie nach Kuhlenkampf bei Brach ial- 
plexusneuralgie 55. 

Anazidität und Hautkrankheiten 238, —, Thera¬ 
pie der chronischen 111. 

Angestelltenversicherung, Tuberkulosebekäm¬ 
pfung und 446. 

Anorexie der Säuglinge, Behandlung 368. 

Anspannungszeit und Austreibungszeit am 
Herzen, Experimentelles 523. 

Anstrengung, Herzvolumen und 372. 

Antithyreoidin, Wirkung desselben bei Morbus 
Basedowii 639. 

Antitrypsin in Blut und Geweben nach Pan¬ 
kreasexstirpation 445. 

^Antitryptische Wirkung von Blutserum 60, — 
von Hühnereiweiß 112. 

Aorta descendens, Diagnose der beginnenden 
Dilatation derselben, 430. 

Aortendilatationen, beginnende, Diagnose 430. 

Aphrodisiaca in der Gynäkologie 252. 


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VI 


Sachregister. 


Apoplexie, Behandlung 256. 

Appendicitis chronica, Röntgendiagnostik 312. 

Appendizitismortalität in graviditate 127. 

Arachnoideale Injektion mit Serum von Syphi¬ 
litikern bei Tabes und Paralyse 507. 

Arbeitsleistung, Eiweißzerfall bei 607. 

Arcus Aortae, Diagnose der beginnenden Dila¬ 
tation des 430. 

Arhythmia perpetua, elektrographische Unter¬ 
suchungen der Digitaliswirkung bei 529, —, 
Entstehung der 5^9. 

Arhythmie, respiratorische, und Vagusprüfung 
529. 

Armee, Plattfußbeschwerden in der, Behand¬ 
lungsvorschlag 536. 

Arsensolbäder, Dürkheimer, bei Blutanomalien 
494. 

Arsenvergiftung, Salvarsantodesfall bei einer 
Nichtluetischen durch akute 631. 

Arterien, funktionelle Hypertension der 319. 

Arterienmuskulatur, funktionelle Bedeutung der 
637. 

Arteriosklerose, Einfluß von Gemütsbewegungen 
und geistige Überanstrengung auf Entstehung 
von 383, —, Gicht und 298, - , Jodtherapie 
der 54?, —. Trunecek-Serum bei 504. 

Arthritis defonnans, Ätiologie und Therapie 535. 

Arthropathien, tabische, Röntgenbilder 488. 

Asthma und Bronchialkatarrhe, Erkennung und 
Heilung 242, —, Glyzirenanbehandlung mit 
dem Spieß-Vernebler bei 511, —, Nordsee 
und 369, —, Physiotherapie 192, —, Supra- 
renin bei 251. 

Aszites, Kapillarpunktion bei 627. 

Ataxie, tabische, Mechanotherapie 309, —, ortho¬ 
pädische Behandlung der 529. 

Ataxiebehandlung nach Frenkel und Maloney 476. 

Aethylhydrocuprein und Pneumokokkenserum 
bei Pneumonie 189. 

Atmung bei Herzkranken 127, —, Hypophysen- 
präparatc und 125, —, künstliche, neue Me¬ 
thode der 567, —, Thoraxbewegung bei der 
180. 

Atmungsapparat, Pituglandol bei Blutungen im 
Bereich desselben 61. 

Atmungsbewegungen des Brustkorbs und der 
Interkostalräume bei Pleuraerkrankungen372. 

Atmungsinsuffizienz, dauernde und zeitweilige 
511. 

Atmungsluft, Eiweiß- und Kohlehydratstoff¬ 
wechsel unter Einwirkung der 491. 

Atmungsorgane, Erkrankungen der, medikamen¬ 
töse Sauerstoffinhalation bei denselben 371. 

Atonie des Mastdarms, lokale Nervenbeliand- 
lung bei 75. 


Auge, Messung der Adaption desselben an die 
Dunkelheit 486. 

Austreibungszeit und Anspannungszeit am 
Herzen, Experimentelles 530. 

Autoserotherapie bei hartnäckigen Dermatosen 
504. 

Azidose, diabetische, quantitative Bestimmungen 
49. 

Azidosebestimmung bei Diabetes 492. 

Azidotest-Kapselverfahren 365. 

Badanlagen, Normal- 626. 

Badeärzte, Krankenkassen und 54. 

Badeorte (s. a. Kurorte), Anzeigepflicht in den¬ 
selben, bei Typhusverdacht 114, —, deutsche, 
Fremdenverkehr in denselben 53, — und 
Kurorte, Begriff derselben gegenüber freien 
Erholungsstätten, Folgerungen 113, —, 

Syphilisbehandlung in denselben unter Ein¬ 
fluß der modernen Syphilisforschung 438. 

Bäder, Bewegungs-, bei Ischias 369, —, Heil¬ 
wirkung derselben bei Herzschwäche 297, 
—, heiße, bei Bronchitis acuta, Bronchiolitis 
und Bronchopneumonie im Säuglings- und 
Kindesalter 113, —, Herzfunktion und 296, 
—, mechanische, bei Nervenkrankheiten 369, 
—, warme, Körpertemperatur und Blutdruck 
des Menschen unter Einwirkung derselben 
139, —, Wirkung der Massage und der 265, 
—, Wirkung natürlicher und künstlicher 
298. 

Bäderalbum 493,-behandlung bei Sterilität 

des Weibes 53,-buch, österreichisches 

(Diem) 598. 

Bakterien und Blutstoffderivate 566, — der 
Paratyphus-Enteritisgruppe, Fischfleischver¬ 
giftung durch 434. 

Bakterium lactis aerogenes als Erreger von 
Pyelitis, Vakzinebebandlung 381. 

Balneologen Österreichs, Programm des VIII. 
Kongresses derselben in Baden bei Wien 
(1914) 511, — -kongreß, 35., in Hamburg 64, 
192. 

Balneologie, amerikanische 305, — und Balneo¬ 
therapie (Ganz) 570, — und G^samtmedizin 
102, —, Karlsbader Vortragszyklus über 
Balneotherapie und 102. 

Baineologische Nachbehandlung der chirurgi¬ 
schen Erkrankungen und Verletzungen 103, 
— Versammlung in Baden bei Wien 447. 

Balneotherapie der Bronchektasien 292, — des 
Diabetes 437, — bei Frauenleiden 102, —, 
Grundlage der 493, — und Hautkrankheiten 
493, —, Hydro-, und, in Theorie und Praxis 
305, — im Kindesalter 103, 298, — der 
Nephritis chronica 297. 


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Sachregister. 


VII 


ßariumsulfat als Kontrastmittel in der Röntgen¬ 
diagnostik des Magendarmtraktus 600. 

Basedowsche Krankheit, Antithyreoidinwirkung 
bei derselben 639, —, Behandlung 248, 567, 
—, Behandlung mit Milch einer thyreoidek- 
tomierten Frau, Besserung 316, —, Chirurgie 
derselben und ihre Indikationen 567, —, 
Galaktosurie (alimentäre) bei derselben 625, 
—, zur Kenntnis derselbe® 567, — als Kontra¬ 
indikation gegen gynäkologische Röntgen¬ 
therapie 440, —, Myxödem, Kretinismus und 
Gebirgskropf 507, — mit Utero - Ovarial¬ 
tumor und spastischem Syndrom im linken 
Knie, Röntgenbehandlung 497. 

Bauchhöhle, Hypophysenpräparate nach Ope¬ 
rationen in der507, —, Stickstoffeinblasungen 
in die, Heilung der Peritonitis tuberculosa 
durch dieselben 372. 

Bauchkonfiguration und Abdominalkrankheiten 
687. 

Bauchmassage, instrumenteile 371. 

Banchmuskellähmung, partielle, ischiasähnliche 
Schmerzen bei derselben 63. 

Bayntonscher Verband mit der Klebrobinde bei 
Ulcus cruris 494. 

Bazillenträger mit Typhusbazillen in der Mund¬ 
höhle 576. 

Bechterewsche Krankheit 599. 

Beckenmessungen, röntgenologische 488. 

Becquerelstrahlen, chemische Wirkungen der 121. 

Behrings Diphthcrieschutzmittel 188, 379. 

v. Behrings Immunisierung gegen Diphtherie 
mit Toxin-Antitoxingemischen 122. 

Belichtung, künstliche, bei chirurgischer Tuber¬ 
kulose 538. 

Bergoniös Behandlung bei Ernährungsstörungen 
814, — Behandlung der Fettsucht 292, 495, 
502, — Diathermierung und Vierzellenbad¬ 
behandlung 58, — Behandlung bei Kreis¬ 
laufinsuffizienz 609. 

Beriberi und lipoidfreie Ernährung 534. 

Bestrahlung und Operation bei Karzinom 599. 

Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlen, Absorption 
derselben im Gewebe 499. 

Bewegungsbäder bei Ischias 369. 

Biersche Hyperämiebehandlung 115. 

Biochemie der Haut (Unna) 62. 

Blasennarbe, Heilung durch Fulguration 501. 

ßlaulichtbehandlung tuberkulöser Haut¬ 
geschwüre 88. 

Blindschleichenvakzine bei Tuberkulose des 
Menschen 567. 

Blut, Adrenalingehalt desselben 540, —, fermen¬ 
tative Tätigkeit desselben sowie der Gewebe 
nach Pankreasexstirpation 445, —, Flüssig¬ 


keitszufuhr und 565, —, Harnsäure desselben 
bei Gicht und anderen Krankheiten 564, —, 
Höhenklima in seiner Wirkung auf das, und 
ihre Deutupg 241, —, Pflanzenphosphor und 
491, —, Röntgenstrahlenwirkung auf 374, 
—,Transfusion mit serumhaltigemundserum¬ 
freiem 506, —, Tuberkelbazillen in strömen¬ 
dem 367, —, virulente Tuberkelbazillen in 
demselben nach diagnostischen Tuberkulin¬ 
injektionen 444. 

Blutanomalien, DttrkheimerMaxquelleund Arsen- 
stlbäder bei 494. 

Blutbefunde bei Epilepsie 529. 

Blutbildende Organe bei Röntgentiefenbestrah¬ 
lung 312. 

Blutdruck bei Duschemassage 293, —, Körper¬ 
temperatur und, des Menschen unter Ein¬ 
wirkung warmer Bäder 189, — bei Nephritis 
acuta (experimenteller) des Kaninchens, Be¬ 
einflussung desselben durch Pankreasexträkt 
603, — bei Pneumothoraxtherapie 309, —, 
Schrumpfnierc und 297, — nach Thorium X- 
Injektionen 247, — -messungen bei Alko¬ 
holikern und funktionellen Neurosen 319, 

— -Steigerung und Nierenkrankheit 383, 
- Steigerung, vegetabilische Diät bei 240, 

— -Untersuchung und Encrgometerstudien 
im Hochgebirge bei Herz- und Kreislauf¬ 
störungen 370. 

Blutentnahme und intravenöse Infusion, Technik 
derselben 496. 

Blutfarbstoff, Abbau desselben bei inneren 
Krankheiten 299. 

Blutgefäße des Frosches unter Einwirkung von 
Hypophysenpräparaten 125, —, Verhalten 
der, in natürlichen kohlensäurehaltigen Sol¬ 
bädern 530. 

Blutgerinnung nach parenteraler Eiweißzufuhr 
569. 

Blutharnsäure bei Gicht, Verschwinden nach 
Behandlung mit radioaktiven Substanzen 246. 

Blutimmunisierung gegen Sepsis 189. 

Blutkrankheiten, Diagnose und Behandlung 383, 
—, Radium- und Thoriumbehandlung 313. 

Blutkreislauf, extrakardialer, Physiologie, Pa¬ 
thologie, Therapie 317. 

Blutserum, antitryptische Wirkung von 60, —, 
mikroskopische Beobachtung fermentativer 
Vorgänge im 531. 

Blutstoffderivate, Bakterien und 566. 

Bluttransfusion, s. Transfusion. 

Blutungen im Bereich des Atmungsapparates, 
Pituglandol bei denselben 61, —, gynäko¬ 
logische, Corpus luteum-Extraktbehandlung 
derselben 604. 


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VIII 


Sachregister. 


Blutuntersuchungen bei Sandbädern (heißen) 52. 

Blutverschiebung bei der Arbeit und funktionelle 
Diagnostik der Herzkrankheiten 297. 

Blutverteilung, physikalische und Chemotherapie 
in ihren Beziehungen zur 297. 

Blutzirkulation, mechanische Beeinflussung der¬ 
selben durch Luftdruckemiedrigungim Höhen- 
klima 598. 

Blutzucker, Diätkuren bei Diabetes und 492, — 
bei Gesunden, Diabetikern und Schwangeren 
unter Einfluß der Ernährung 304, — bei 
Kohlehydratkuren, Bestimmung desselben 
und ihr Wert für die Diabetesbehandlung 493, 
— undWärmeregulation 175, —bestimmung 
236. 

Boassche extraanale Behandlung der Hämor¬ 
rhoiden 599. 

Bonner Universitätskliniken, Therapie an 446. 

Bömerscher Reichsmedizinalkalender 1915 606. 

Brachialplexusneuralgie, Kuhlenkampfs An¬ 
ästhesie bei 55. 

Brandt - Ziegenspeck, gynäkologische Massage 
nach, Fortschritte und Erfolge 91. 

Brechdurchfall des Säuglings, Behandlung 490. 

Brightsche Nierenkrankheit (s. auch Nephritis, 
Nieren . . .) 294. 

Brock-Stiftung, Preisaufgabe der 384. 

Brombehandlung der Epilepsie und ihre Technik 
638. 

Bronchektasien, Balneotherapie 292, — Behand¬ 
lung 636. 

Bronchialasthma, Summtherapie bei 598. 

Bronchialkatarrhe und Asthma, Erkennung und 
Heilung 242, —, Glyzirenanbehandlung mit 
dem Spieß-Vernebler 511. 

Bronchitis acuta, Bronchiolitis und Broncho¬ 
pneumonie bei Säuglingen und jungen Kindern, 
Bäderbehandlung 113, — chronica, Behand¬ 
lung 636. 

Brotnot unserer Zeit 577. 

Brustkinder, mangelnde Gewichtszunahme 368. 

Brustkorb, Atmungsbewegungen desselben und 
der Interkostalräume bei Pleuraerkrankungen 
372,-bewegung bei der Atmung 180. 

Bubo, Röntgenbestrahlung des 245. 

Cellon-Stützkorsett 495. 

Chemotherapie der Lungentuberkulose 567, — 
der Pneumokokkeninfektion 567, — und 
Strahlentherapie bei Uteruskarzinom 56. 

Chinin-Kollargoltherapie bei kruppöser Pneu¬ 
monie 566. 

Chirurgie, Ergebnisse der Funktionsprüfung 
des Herzens für die 576, — und Radio¬ 
therapie maligner Tumoren 185, —, Radium¬ 
therapie in der 183. 


Chirurgische Eingriffe bei Lungentuberkulose 
181, — Krankheiten, baineologische Nach¬ 
behandlung 103, — Krankheiten, Diabetes 
und 366, — Krankheiten, Diathermie bei 
denselben 247, — Tuberkulose, s. Tuber¬ 
kulose. 

Chlor, festgebundener, in Magensaft, besonders 
bei Magenkarzinom 365. 

Chlorarme Ernährung (Strauß) 109. 

Chlorkalzium und Diurese bei Nephritis chronica 
303. 

Chlorretention 302, — und Nierenfunktion bei 
fieberhaften Krankheiten 51. 

Cholelithiasis, Pathogenese der 299. 

Cholesterinämie, Hypertension und 191. 

Chorea Sydenhami, Diagnose, Prognose und 
Behandlung 308. 

Choreabehandlung 126. 

Chylus, Leukozytengehalt desselben und Er 
nährung 525. 

Chylusgefäße, Fettresorption nach Unterbindung 
der 236. 

Colon, Interpositio bepato-diaphragmatica des¬ 
selben 430. 

Coma diabeticum, Klinik und Therapie 176, — 
diabeticum, Säure Vergiftung bei 366. 

Coolidgeröhre der A. E. G. 487, 630. 

Corpus luteum-Extrakt bei Blutungen in der 
Gynäkologie 604. 

I>arm, Intoxikationen vom — aus 174, — 
-geschwtire, Behandlung 103, 104, —katarrh 
der Säuglinge, Ätiologie 489, — -kranke 
Säuglinge, enterale Resorption von genuinem 
Eiweiß bei denselben als Funktionsprüfungs- 
methode 490, — -krankheiten, chronische, 
katarrhalisch-entzündliche 300, — Röntgen¬ 
diagnostik 311, — -lähmung, Hormonal¬ 
therapie bei akuter 124. 

Dauerbäder bei Psychosen und Neurosen 297, 
-bestrahlung, Intensivbestrahlung und 373, 
-Pneumothorax, künstlicher 243. 

Degrassator Schn6e und seine Anwendung 58, 
68 , 168, 573, 600. 

Dention und innere Sekretion 445. 

Dermatosen, toxämische 434. 

Desinfektionsordnung, staatliche, bei Anstalten, 
Hotels und Logierhäusern in Kurorten 53. 

Deutsche Badeorte, Fremdenverkehr in den¬ 
selben 53, — Meere in ärztlicher Beleuchtung 
306, — Röntgengesellschaft, 10. Kongreß in 
Berlin 362, 428. 

Deyke-Much, anderthalb Jahre Tuberkulose¬ 
behandlung nach 188. 

Diabetes insipidus, Hypophyse und 380, — 
insipidus, Pathologie und Therapie 315. 


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Sachregister. 


IX 


Diabetes mellitus, Alkalitherapie desselben 624, 
—, Amylazeenkur, gemischte, bei 596, —, 
Azidosebestimmung bei 492, —, Balneo¬ 
therapie 107, 437, —, Blutzucker unter Ein¬ 
fluß der Ernährung bei 804, —, Blutzucker 
bei Kohlehydratkuren, seine Bestimmung 
und ihr Wert für die Therapie desselben 
493, — und chirurgische Erkrankung 366, 
—, Diätkuren bei, und Blutzucker 492, —, 
Gemüsekuren bei 436, —, Glykosurie in der 
Gravidität und echter 174, —, Karamel¬ 
kuren bei 624, —, Klinik und Therapie des 
Coma 176, —-, Kohlehydratbedarf bei 158, 
—, Kohlehydratkuren, gemischte, bei 531, —, 
Kohlehydrattoleranz bei 238, —, „magerer“, 
Behandlung 48, —, Natrium- und Kalzium- 
atoffwechsel bei 173, — und Neuenahrer 
Quellen 534, —, Theorie des 173, —, Therapie 
531, —, Therapie desselben bei gleichzeitig 
bestehender Gicht 608, —, Typhusvakzine¬ 
injektion in ihrer Wirkung auf die Zucker¬ 
ausscheidung bei 381, —, Zuckerklistiere bei 
174, —, Zucker-Überproduktion, primäre und 
sekundäre bei 367. 

Diabetikergebäcke des Handels 237. 

Diabetische Azidose, quantitative Bestimmungen 
49, — Leber, isolierte, Abbau von Fetten 
und Kohlehydraten in derselben 532. 

Diät, fleischfreie 303, — in Kurorten, Umfrage 
291, —, vegetabilische, bei Blutdruck- 
Steigerung 240, — -behandlung innerer 

Krankheiten 47, 301, — -behandlung in 
Krankenhäusern 597, — -behandlung der 
Schlaflosigkeit der Dyspeptiker 526,-be¬ 

handlung vom Standpunkt der Vitaminlehre 
302. 

Diätetik der Stoffwechselkrankheiten 172. 

Diätetische Küche 47, 596, — — für Klinik, ! 
Sanatorium und Haus 48, — Rolle des Jod i 
51. | 

Diätkuren bei Diabetes und Blutzucker 492, — 
-refomi in Krankenhäusern 821, — -ver- | 
Ordnungen, Nahrungsmitteltabelle für 596. ! 

Dialysierverfahren s. Abderhalden. 

Diapositive, Demonstration verschiedener 489. 

Diarrhoe, chronische, und Obstipation 434. 

Diathermie 297, 538, —, Applikationstechnik 
378, — nach Bergoniö und im Vierzellenbad 
58, — bei chirurgischen Krankheiten 247, 

—, Lehrbuch (NagelSchmidt) 120, — bei 
Lepra 186, — bei Ohrenkrankheiten 378. 

Diathermische Ströme, Elektroden für, in der 
Gynäkologie 502. 

Diathesen, Grundlage der 320. j 

Dickdarmdiagnostik, röntgenologische 429. 


Digitaliswirkung bei Arythmia perpetua, elektro- 
graphische Untersuchungen 529, —, Theorie 
der 529. 

Diphtherie, Immunisierung gegen, mit Toxin- 
Antitoxingemischen 122, —, Serumbehand¬ 
lung 122, —, Wandlungen in der spezifischen 
Bekämpfung der 504, — -bazillenträger, 
Elektrophorese der Tonsillen bei denselben 
600, — -bazillenträger, Staphylokokken¬ 
behandlung 315, — -Schutzmittel „T A“ 188, 

379, 574, —Schutzmittel „TA“, Indikationen 
und Kontraindikationen 566, — -serum, 
Anaphylaxie, primäre, bei wiederholter In¬ 
jektion von 574, — -serum, Anaphylaxie¬ 
gefahr und deren Verhütung bei Anwendung 
von 504, —serum, intravenöse Anwendung 

60,-Vergiftung, Kohlehydratstoffwechsel 

bei experimenteller 533. 

Diurese und Chlorkalzium bei Nephritis chronica 
303. 

Dosimeter, direkt zeigender, für Röntgen- und 
Radiumstrahlung 487, —, Kritik der 486, —, 
Vergleich einiger 486. 

Drüsen mit innerer Sekretion, Kohlehydrat¬ 
stoffwechsel bei Erkrankungen derselben 

380, — mit innerer Sekretion und Purin¬ 
stoffwechsel 563. 

Dünndarmerkrankungen im Röntgenbild 429, 

— -resektion, Stoffwechselversuche nach, 
und Wertigkeit des Jejunum und Ileum 528, 

— -Studien 429. 

Duodenalgeschwür 50, 110, —, Nachbehandlung 
nach Operationen wegen 436, —, Röntgen¬ 
befund 428, 498, — -inhalt bei Icterus 
catarrhalis und Duodenumprozessen 50, — 
-krankheiten, Duodenalinhalt bei 50, — 

-läsionen, Diagnose gut- und bösartiger, und 
ihre Unterscheidung durch Serienröntgen¬ 
aufnahmen 498,-Sondierung, Technik 303. 

Duodenum, vollständige dauernde Füllung des 
429,-einschntirung bei abnormer Falten¬ 

bildung im Mesogastrium anterius 490. 

Dürckheimer Maxquellc 54, — — und Arsen¬ 
solbäder bei Blutanomalien 494. 

Duschemassage, Blutdruck bei 293. 

Dyspeptiker, Schlaflosigkeit der, und ihr^ 
diätetische Behandlung 526. 

Dyspituitarismus 251. 

Eierstöcke, Röntgenstrahlenwirkung auf 363. 

Einhorns Magenschieber 533. 

Eisapplikation bei Interkostalneuralgie 535. 

Eiweiß, genuines, enterale Resorption desselben 
bei Neugeborenen und darmkranken Säug¬ 
lingen als Funktionsprüfungsmethode 490, 
—, Mineralphysiologie und natürliche Im- 


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X 


Sachregister. 


munität545, — -abbauprodukte, Verwertung 
intravenöser Zuführung derselben im Stoff¬ 
wechsel 434, — -aufspaltung bei Salzsäure- 
defizit 302, — -bedarf und Fleischteuerung 
491, — -milch bei Ernährungsstörungen im 
Säuglingsalter 368, — -minimum 239, — 
-reiche Milch, Herstellungsmethode 533, — 

-Stoffwechsel, Atemluft und 491,-zerfall 

bei Fieber und Arbeitsleistung 607,- Zu¬ 

fuhr, parenterale, und Blutgerinnung 569. 

Ekzem, Röntgenbehandlung 312, —, filtrierte 
Röntgenstrahlen bei 433. 

Elektrische Entfettung mit dem Degrassator 600, 
— Entfettungskuren, Kritik 314, — Reize 
und Magenperistaltik bzw. Magensekretion 
beim Menschen 3€6. 

Elektroden, Anschlußapparat, kleiner, und 
Schutzschild für 630, —, biegsame 538, — für 
starke, besonders diathermische Ströme in 
der Gynäkologie 502. 

Elektrographische Untersuchungen der Digita¬ 
liswirkung bei Arhythmia perpetua 529. 

Elektrokardiogramm bei Herzkranken, Einfluß 
der Kohlensäurebäder auf das 296. 

Elektrophorese der Tonsillen bei Diphtherie- 
bazillenträgern 600. 

Elektrotherapie der Fettleibigkeit 58, —, fünf¬ 
undvierzig Jahre 630, — bei Geisteskrank¬ 
heiten 501, — bei Menstruationsstörungen 
502. 

Ellis-Swifts Behandlung der Syphilis des Zen¬ 
tralnervensystems 604. 

Embolie, Behandlung 256. 

Emulsionsbereitung, neue, für magendarmkranke 
Kinder 368 

Endokrine Funktionen, epiphysäres Syndrom 
und 506. 

Energie, Nahrung und 533. 

Energometerstudien im Hochgebirge bei Herz- 
und Kreislaufstörungen 370. 

Enterale Resorption von genuinem Eiweiß bei 
Neugeborenen und darmkranken Säuglingen 
als Funktionsprüfungsmethode 490. 

Enteroptose, Leibbinde für Magere mit 180. 

Entfettung, elektrische, mit dem Degrassator 600. 

Entfettungsapparat, Muskelübungs- und 248. 

«Entfettungsapparat nach Nagclschmidt-Ber- 
goniß“ 128, — -kuren, elektrische, Kritik 
314, — -verfahren Bergoni6s 292,-ver¬ 

fahren, elektrisches, und Degrassator Schnees 
573. 

Entgiftungsbehandlung und Kochsalzinjektion 
bei Epilepsie 238. 

Entzündliche Prozesse in der Gynäkologie, 
Kalziumbehandlung 604. 


Entzündungszellen am aleukozytären Tier 565. 

Eosinophile, Verhalten derselben bei proba- 
torischen Tuberkulininjektionen 604. 

Epidemieausbrüche in Kurorten und Kinder¬ 
heimen, Vorsorge für die gesunden Kinder 
bei denselben 371. 

Epilation, dauernde, durch Röntgenstrahlen ohne* 
Hautschädigung 312. 

Epilepsie, Blutbefund bei 529, —, Brombehand¬ 
lung und ihre Technik 638, —, Kochsalz¬ 
injektionen und Entgiftungsbehandlung bei 
238. 

Epiphysäres Syndrom und endokrine Funktionen 
506. 

Epiphysendarreichung bei Entwicklungsstörun¬ 
gen im Kindesalter 507. 

Erbrechen, unstillbares, der Schwangeren. 
Iso-Serumbehandlung desselben 605, — un¬ 
stillbares der Schwangeren, Transfusions¬ 
behandlung mit Schwangerenblut 123. 

Ergotherapie bei Ernährungsstörungen 314. 

Erkältung 125. 

Ermüdung markhaltiger Froschnerven bei Unter¬ 
kühlung 241. 

Ermüdungsreaktion 528. 

Ernährung, Blutzucker bei Gesunden, Schwän¬ 
gern und Diabetikern unter Einfluß der 304. 
—, chlorarme 109, —, Geschichte der (Lich- 
tenfeldt) 109, —, Leukozytengehalt des 
Chylus und 528, —, lipoidfreie, Beziehungen 
derselben zu Beriberi und Skorbut 534, —, 
parenterale, vollständige 237, —, phosphor- 
arrne, und Knochenwachstum 172, — bei 
Tuberkulose im Tierexperiment 238, —, 

| Wachstum und 568. 

Ernährungsbehandlung des Herzens durch Ein¬ 
führung von Traubenzuckerlösung in den 
! großen Kreislauf 608, —reformen, moderne 

i 300,-Störungen, Bergontes Verfahren bei 

! 314,-Störungen im Säuglingsalter, Ei¬ 

weißmilch bei denselben 368. 

Erythrozyten, Resistenzbestimmung bei Alko¬ 
holikern 565. 

Erziehung, körperliche, des Kindes (Spitzy) 254. 

Eugenik, Gynäkologie und 382. 

Fette, Abbau der Kohlehydrate und — in der 
isolierten diabetischen Leber 532. 

Fettleibigkeit, Balneotherapie 105, — Bergonte- 
sches Verfahren bei 495, 502, —, Elektro¬ 
therapie 58, — Pathogenese der 531, — 
Schnees Degrassator bei 58. 

Fettresorption nach Unterbindung der Chylus - 
gefäße 236. 

, Fermentative Tätigkeit des Blutes und der Ge- 
| webe nach Pankreasexstirpation 445, — Vor- 


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Sachregister. 


XI 


gänge im Blutserum, mikroskopische Beob¬ 
achtung derselben 581. 

Fermente, amylolytische Wirkung auf Nähr- und 
Nahrungsmittel 308. 

Fermentreaktion Abderhaldens in klinischer An¬ 
wendung 89« 

Fieber, Eiweißzerfall im 607, — nach Koch¬ 
salzinfusionen bei Säuglingen 599, — bei 

latenter Syphilis 317,-hafte Krankheiten, 

Nierenfunktion und Chlorretention bei den¬ 
selben 51. 

Filter, Schwer-, Therapie mit denselben 431, 
-apparat für Radiumbestrahlung 118. 

Filterung, Einfluß der verschiedenen, bei Meso¬ 
thorbestrahlung des Kaninchenovariums 431. 

Filtrierte Röntgenstrahlen bei Ekzema chroni¬ 
cum 433. 

Fischfleischvergiftung durch Bakterien der Para¬ 
typhus-Enteritisgruppe 434. 

Fleisch, Wassergchaltsbestimmung in 597, — 
-extrakt, Gemüseextrakt und 47, — -freie 
Diät 303, — -safttherapie bei Tuberkulose 
51,-teuerung, Eiweißbedarf und 491. 

Flüssigkeiten, Radio-Aktivierung beliebiger 118. 

Flüssigkeitszufuhr und Blut 565. 

Frauenleiden, Balneotherapie bei 102,-milch, 

Tuberkelbazillen in 367. 

Freiluftschulen, Architektur der 306. 

Fremdenverkehr der bedeutenderen deutschen 
Badeorte 53. 

Friedmanns Tuberkulosemittel 294, 505, 539, 
632, —, bakterielle Verunreinigung desselben 
505, — Indikationen 632, — bei Lupus 505, 
— bei Skrofulöse und Tuberkulose 248. 

Froschherz, isoliertes, bei reiner Salzdiät 436. 

Fulguration, Beseitigung einer Blasennarbe 
durch 501. 

Fürsorge, orthopädische, in Berliner Gemeinde¬ 
schulen 495. 

Fürstenausches Intensimeter 486. 

Furunkulose, Röntgenbehandlung 433, — im 
Säuglingsalter, Thermokauter bei 494. 

4»a1aktosurie, alimentäre, bei Basedowscher 
Krankheit 625, — und Lävulosurie (alimen¬ 
täre) 534. 

Galle, Kalziumgehalt der, und alimentäres Kal¬ 
zium 490. 

Gallenblasenkrankheiten, Magensilhouette bei 
298, —steiulösende Wirkung des Karls¬ 
bader Wassers 494, —wege, pharmakolo¬ 
gische Therapie bei Erkrankung der 295. 

Galvanisation bei Adipositas dolorosa 378, — 
größerer Körperpartien 501. 

Gamma-, Beta- und Röntgenstrahlen, Absorption 
derselben im Gewebe 499. 


Ganzkornbrot 287. 

Gastrische Prozesse, Balneotherapie bei den¬ 
selben 105. 

Gastritis mit Pylorospasmus, motorischer In¬ 
suffizienz II. Grades und Sarzinegärung 528. 

Gastrospasmus, Röntgendiagnostik und -thera- 
pie des 364. 

Gebärmutter, s. Uterus. 

Gebirgskropf 507. 

Gefäßfunktion, neue, und neue innere Sekre¬ 
tionen 379, —krankheiten, Prognose der 
297, —muskeln, Arbeit der 382. 

Gehör, Wiedererziehung desselben 619* 

Geißelbäder bei Nervenkrankheiten 369. 

Geisteskrankheiten, Elektrotherapie bei 501, —, 
Stoffwechsel bei 50. 

Geistige Überanstrengung, Einfluß derselben auf 
das Herz und die Entstehung der Arterio¬ 
sklerose 383 

Gelenkextension, Wirkung der 535. 

Gelenkkrankheiten, chronische, Differential¬ 
diagnose 606, —, chronisch-rheumatische, 
Behandlung nach Gesetzen der Funktion 
und Statik 449, —, durch Stoffwechsel¬ 
störung bedingte 297, —, syphilitische 294, 
—mobilisierung, operative 535, —rheuma- 
tismus, Hypophysisextrakt bei 187, — Ver¬ 
steifung, Thermenwirkung 370. 

Gemeindeschüler, orthopädische Fürsorge für 
Berliner 495. 

Gemüseextrakt, Fleisch extrakt und 47, —kuren 
bei Diabetes mellitus 436. 

Gemütsbewegungen, Einfluß derselben auf das 
Herz und die Entstehung von Arterioskle¬ 
rose 383. 

Genitalien, weibliche, Einwirkung der Radium¬ 
emanation der Landecker Quellen auf Ent¬ 
zündungen derselben 628, —, Röntgentherapie 
bei Karzinomen derselben 116. 

Genußmittel, Nahrungs- und (Berg) 109. 

Gerinnungsreaktion bei Syphilis 565. 

Geschlechtsleben des Weibes unter Einfluß von 
Rasse und Klima 53. 

Geschwülste, s. Neubildungen, Tumoren. 

( Geschwüre, maligne, Tumorextraktbehandlung 
bei denselben 602. 

Gesundheitsratgeber für die Tropen 53. 

Gewebe, fermentative Tätigkeit des Blutes und 
der, nach Pankreasexstirpation 445, —, Rönt¬ 
genstrahlenwirkung auf tierische und mensch¬ 
liche 362, 363. 

Gewichtszunahme, mangelnde, bei Brustkindern 
368. 

Gicht und Arteriosklerose 298, —, Balneothe¬ 
rapie 105, —, Behandlung 62, 378, —, Be 


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XII 


Sachregister. 


handlung bei gleichzeitig bestehendem Dia¬ 
betes 608, —, Harnsäure des Blutes bei — 
und anderen Krankheiten 564, —, Radium- 
und Thoriumbehandlung 313, —, Ver¬ 

schwinden der Blutharnsäure nach Behand¬ 
lung mit radioaktiven Substanzen 246, —, 
Wesen und Behandlung 47. 

Glanduläres, Poly-, System, Diagnostik und 
Pathologie desselben 61. 

Glanduovin bei Störungen der inneren Sekretion 
der Ovarien 124. 

Glykosurie in der Gravidität, echter Diabetes 
und 174. 

Glyzirenanbehandlung mit dem Spieß-Vernebler 
bei Asthma bronchiale und Bronchialkatarrh 
511. 

Gonorrhoe, kindliche, Vakzinebehandlung der¬ 
selben 506. 

Granulierende Wunden, Behandlung 240. 

Greisenalter, Temperatur im 127. 

Gummischutzstoffe, Wertbemessung der 486. 

Gymnastik im Streckapparat bei beginnender 
habitueller Skoliose 571. 

Gynäkologie, Elektroden für starke, besonders 
diathermische Ströme in der 502, —, Euge¬ 
nik und 382, —, Hydrotherapie in der 17, 
—, Mesothorium in der 56, 572, —, Meso¬ 
thorium - Röntgenbestrahlung in der 440, 
—, Organotherapie und Anwendung von 
Aphrodisiaca in der 252, —, physikalische 
Therapie in der 128, —, Radiotherapie in 
der 182, —, Radiumtherapie in der 184, —, 
Radium- und Röntgenbehandlung in der 500, 
—, Röntgentherapie in der 116, —, Strahlen¬ 
therapie 374, 537, —, Strahlentherapie in der 
572. 

Gynäkologische Blutungen, Corpus luteum-Ex- 
trakt - Behandlung 604, — Entzündungen, 
Kalziumbehandlung derselben 604, — Massage 
nach Brandt-Ziegenspeck, Fortschritte und 
Erfolge 91, — Röntgenbehandlung, Basedow¬ 
sche Krankheit als Kontraindikation gegen 
440. 

Haare, Hygiene der Haut, — und Nägel 318. 

Haarentwicklung, innere Sekretion und 445. 

Haarwechsel, innere Sekretion und 445. 

Halslymphome, tuberkulöse, Röntgentherapie 
312. 

Halsrippen, Genese der 430. 

Hämorrhoiden, Boassche extraanale Behandlung 
der 599, —, Therapie 256. 

Händel-Neufeldsches Pneumokokkenserum bei 
Pneumonie 603. 

Ham, LösungsbedingungenderHarnsäure im 564. 

Harnreaktion nach Weiß bei Tuberkulösen 640. 


Harnsäure, kolloide, Untersuchungen über 564, 
—, Lösungsbedingungen derselben im Harn 
564. 

Harasäuregehalt des Blutes bei Gicht und 
anderen Krankheiten 564. 

Harnsäureübersättigung, Grundursache der 513. 

Harnsäurewert, endogener 564. 

Haut, Biochemie der (Unna) 62, —, Hygiene 
der —, Haare und Nägel 318, —, Kosmetik 
der 255. 

Hautgeschwüre, tuberkulöse, Blaulichtbehand¬ 
lung 88« 

Hautkarzinom, Mesothorium bei 374. 

Hautkrankheiten und Anazidität 238, —, Auto¬ 
serotherapie bei 504, — Balneotherapie 104, 
493, — im Kindesalter, Karlsbader Wasser 
bei 103, —, Mesothorium und Thorium X 
bei 246, —, Mineral Wasserkuren bei 305. 
—, Radiumtherapie bei 56, 119, 183. 

Haussanatorien, Schwindsuchtbekämpfung 
dnreh 306. 

Hautreaktion, hydrotherapeutische 178. 

Hautschädigung, dauernde Epilation durch 
Röntgenstrahlen ohne 312. 

Heeressanitätsdienst, Ausnutzung der Heil¬ 
faktoren der Meeresküste für den 113. 

Heilanstalten, Tuberkulose- und Influenzaträger 
in 292. 

Heilquellen, spezifischer Einfluß derselben auf 
Krankheiten 534. 

Heilstättenkur, Auswahl der Lungenkranken für 
die 54, —, Statistisches 54. 

Heinrich Brock-Stiftung, Preisaufgabe derselben 
384. 

Heißluftapparate bei Nachbehandlung Operierter 
3 l) 7, —, improvisierte 113. 

Heißluftbehandlung bei Schankern, Ulzerationcn 
und Akroasphyxie 307. 

Heliotherapie bei inneren Krankheiten 186, —, 
Praxis der 310, — der Tuberkulose 309, —, 
bei chirurgischer Tuberkulose 503. 

Hepato-diaphragmatica, Interpositio coli 430. 

Herz, Gemütsbewegungen und geistige Über¬ 
anstrengung in ihrem Einfluß auf das 383. 
—, Ernährungsbehandlung desselben durch 
Einführung von Traubenzuckerlösungen in 
den großen Kreislauf 608, —, Experimentelles 
über das Verhalten der Anspannungs- und 
Austreibungszeit 530, —, Funktionsprüfung 
desselben, und ihre Ergebnisse für die Chi¬ 
rurgie 576, —, Füllung und Entleerung des¬ 
selben bei Ruhe und Arbeit 543, —, Mechano- 
therapie desselben sowie einiger mit ihm 
in Beziehung stehender Nerven 242, —, 

Reaktion desselben auf Adrenalin 540, —, 


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Sachregister. 


XIII 


Säugetier-, Dynamik desselben 530, —, 
Stromkurve desselben in typischer Form 
bei indirekter „fluider Ableitung“ 530, —, 
Thermalbadekuren und 297. 

Herzanomalien, nephritische, bei Scharlach, 
Behandlung 191. 

Herzdynamik und -energetik 530. 

Herzfunktion, Bäder und 296. 

Herzgrößenbestimmung, klinische, radiologische 
Beobachtungen über Fehlerquellen derselben 
629. 

Herzkrankheiten, Atmung bei 127, —, Blut¬ 

druckuntersuchung und Energometerstudien 
im Hochgebirge bei 370, —, Blutverschiebung 
bei der Arbeit und funktionelle Diagnostik 
der 297, —, Kochsalzausscheidung bei 435, 
Kohlensäurebäder und ihr Einfluß auf 
das Elektrokardiogramm bei 296, —, mecha¬ 
nische Sicherung der Diagnose und mecha¬ 
nische Behandlung bei 83, —, Phlebostase 
bei 242, 439, —, Prognose der 297. 

Herzmessung durch Orthodiagraphie und Tele- 
röntgenographie 56. 

Herzmuskel Verfettung, alimentäre 177. 

HeTZschlanch, Wirkung desselben 6. 

Herzschwäche, Bäderwirkung bei 297, — bei 
Pneumonie, Behandlung mit Aderlaß und 
Kochsalzsuprareninlösung 180. 

Herzschwäche durch Überanstrengung 243. 

Herzvolumen und Anstrengung 372. 

Heußsche Klebrobinde bei Ulcus cruris 494. 

Hirnblutung, Behandlung 256. 

Hirnerkrankung mit Pseudotumor des Seh¬ 
nerven 529. 

Hitzschlag, Behandlung 382. 

Hochfrequenzbehandlung eines Nasenpapilloms 
629, — bei Prostataerkrankungen 502, — 
und Röntgenbestrahlung bei Proriasis 186. 

Hochfrequenzversuche, einige alte 121 . 

Hochgebirge, Aufenthalt kranker Kinder im 
Schweizer 306, —, Blutdruckuntersuchungen 
und Energometerstudien bei Herz-u. Kreislauf¬ 
störungen im 370, —, Schlaflosigkeit im 527. 

Hochgebirgskur bei Tuberkulose 179. 

Hochspannungsumschalter Schlesingers für den 
Betrieb mehrerer Röntgenröhren 544. 

Hoden, Mesothoriumschädigung desselben 314, 
—, Röntgenstrahlenwirkung auf den 363. 

Höhenklima, Analyse 299, —, mechanische Be¬ 
einflussung der Zirkulation durch Luftdruck¬ 
erniedrigung im 598; Begründung und Folge¬ 
rungen 626, —, Physiologie und Pathologie 
desselben 438, — und Seeklima 535, —, 
Wirkung auf das Blut und ihre Deutung 
241, —, Wirkung desselben im Winter 24l. 


Höhensonne, künstliche 187, —, —, bei chirur¬ 
gischer Tuberkulose 538, 539. 

Hormonaltherapie bei chronischer Obstipation 
und akuter Darmlähmung 124. 

Hörstörungen und Ohrgeräusche, neue Mittel 
576. 

Hörübungen und Hörgymnastik bei Taubheit 243. 

Hotels in Kurorten, staatliche Desinfektions¬ 
ordnung bei 53. 

Hüftgelenkluxation, angeborene, Bebandlung495. 

Hühnereier, Verdorbensein und Alter der 367. 

Hühnereiweiß, antitryptische Wirkung 112. 

Humanserum bei Scharlach und Serumlipoide 634. 

Hunger 365. 

Hydrotherapie und Balneotherapie in Theorie 
und Praxis 304. 

Hydrotherapie in der Gynäkologie 17, — bei 
Infektionskrankheiten 292, — und Lungen¬ 
tuberkulose 242, —, Vernachlässigung der¬ 
selben in Amerika 178. 

Hydrotherapeutische Hautreaktion 177. 

Hygiene der Haut, Haare und Nägel 318. 

Hyperämiebehandlung, Biersche 115. 

Hyperemesis gravidarmus, direkte Transfusion 
von Schwangerenblut bei 123. 

Hyperglykämie, experimentelle, beim Menschen 
(durch intravenöse Zuckerinjektion) 111. 

Hypersekretion und Magenmotilität 364. 

Hyperthyreoidiomus und Hypothyresidismus bei 
Morbus Basedow und verwandten Krank¬ 
heiten 507. 

Hypertension der Arterien, funktionelle 319, 
— undCholesterinämie 191, — und Schrumpf 
niere 297. 

Hypnose, Kardiospasmus und 177, —, See¬ 
krankheit und 191. 

Hypophyse, Diabetes insipidus und 380. 

Hypophysenextrakt bei Gelenkrheumatismus 187, 
—, elektrokardiographische Untersuchungen 
über seine Wirkung 252, —, Nierenwirkung 
251. 

Hypophysenfunktionsstörungen 251. 

Hypophysenpräparate 633, —, Wirkung auf 
Lunge und Atmung 124, —, Wirkung auf 
Blutgefäße des Frosches 125. 

Hypophysin und Hypophysenbehandlung 633. 

Hypothyreoidismus und Hyperthyreoidismus bei 
Morbus Basedow und verwandten Krank¬ 
heiten 807. 

I, - K. - Therapie Spenglers und ihr Einfluß auf 
die Zerstörung der Tuberkuloseerreger 59. 

Ikterus, hämolytischer, Klinisches und Experi¬ 
mentelles 564, —, Pathogenese 564, —, 
katarrhalischer, Duodenuminhalt bei dem¬ 
selben 50. 


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Sachregister. 


XIV 


Ileum, Stoffwechselversuche nach Dünndarm- 
resektion und Wertigkeit des Jejunum und 
528. 

Immunisierung des Blutes gegen Sepsis 189, — 
gegen Diphtherie mit Toxin - Antitoxin¬ 
gemischen 122, — gegen Tuberkulose durch 
Tuberkelbazillen 504. 

Immunität, chemische Auflösung der 566, 
Mineralphysiologie, Eiweiß und natürliche 
545. 

Immunsera, radioaktive Substanzen und 295. 

Infektionen, radioaktive Substanzen und 295. 

Infektionsfieber, abundante Rohlehydratkost im, 
und Stickstoffwechsel 289. 

Infektionskrankheiten, Hydrotherapie der 292. 

Influenzaträger in Kurorten und Heilanstalten 
292. 

Infusionen, intravenöse, und Blutentnahme, 
Technik derselben 496, —, bei Karzinom in 
Kombination mit Mesothor- und Röntgen¬ 
bestrahlung 442, —, Stauungsmanschette bei 
denselben 496. 

Inhalationsprinzip, neues 126. 

Inhalationstherapie, Ausgestaltung und Aus¬ 
wüchse 293, —, Fortschritte 293. 

Injektionen, intrakranielle, bei Trigeminus¬ 
neuralgien 495, —, Spritze für sterile 244. 

Innere Krankheiten, Abbau des Blutfarbstoffs 
bei denselben 299, —, Diätbehandlung 47, 
301, —, Heliotherapie bei denselben 186, 
—, radioaktive Stoffe bei denselben, Dosie¬ 
rung, Methodik, Resultate 118, —, Radium¬ 
behandlung 182, —, Radium - Mesothorium¬ 
behandlung derselben 563, —, Röntgen¬ 
behandlung bei denselben 373, 441, —, 
spezielle Pathologie und Therapie (Kraus 
und Brugsch) 190, —, Thermopenetration bei 
denselben 602, —, Thorium X bei denselben 
26, 117, 375. 

Innere Medizin, 31. Kongreß für, Wiesbaden 1914 
562. 

Innere Organe, Strahlenbehandlung von Neu¬ 
bildungen derselben 562. 

Innere Sekretion, Einwirkung derselben auf 
Dentition und Haarentwicklung 445, —, 

epiphysäres Syndrom und 506, — der Ovarien, 
Glanduovin bei Störungen derselben 124, — 
und Purinstoff Wechsel 563. 

Innere Sekretionen, neue, und neue Gefilß- 
funktion 379. 

Innervation, tonische 511. 

Insufflation und Punktion bei Pleuritis exsuda¬ 
tiva 309. 

Intensimeter, Fürstenausches 486. 

Intensivbestrahlung und Dauerbestrahlung 373. 


Interkostalneuralgie, Eisapplikation bei 535. 

Interkostalräume, Atmungsbewegungen der¬ 
selben und des Brustkorbs bei Pleura¬ 
erkrankungen 372. 

Interpositio coli hepato-diaphragmatica 430. 

Intestinale Toxämie, Symptome und Behand¬ 
lung 434. 

Intradurale Nervenanastomose bei Lähmungen 
115. 

Intoxikationen, vom Darm ausgehende 174 

Ischias, Bewegungsbäder bei 369, —, druck¬ 
entlastende Operationen bei 496, —, Wesen 
und Behandlung 536, — -ähnliche Schmerzen 
bei Adipositas dolorosa und bei partieller 
Bauchmuskellähmung 63. 

Iso Serumbehandlung bei unstillbarem Schwan 
gerschaftserbrechen 605. 

Jejunum, Stoffwechselversuche nach Dünndarm¬ 
resektion und Wertigkeit des Ileum und 528. 

Jod, diätetische Rolle des 51, — -therapie der 
Arteriosklerose 542. 

Kaffee, flüchtige Bestandteile desselben 491. 

Kahnbein der Kinder, Pathologie desselben 488. 

Kalkgebirge, Tuberkulose und 241. 

Kalksalze, Nierenfunktion und 177. 

Kalzium, alimentäres, und Kalkgehalt der Galle 
490, — -behandlung bei gynäkologischen 
Entzündungen604, —Stoffwechsel, Natrium- 
und, bei Diabetes mellitus 173. 

Kaninchenovarium, Einfluß verschiedener Filte¬ 
rung bei Mesothorbestrahlung desselben 431. 

Kapillarpunktion des Aszites 627. 

Kapselmethode, Kritik der, im Anschluß an die 
röntgenologische Bestimmung der Verweil¬ 
dauer von vegetabiler und Kuhmilch im 
Magen 479, —, röntgenologische Bestimmung 
der Verweildauer von vegetabiler und Kuh¬ 
milch im Magen nebst einer Kritik der 885. 

Karamelkuren bei Diabetes mellitus 624. 

Kardiospasmus und Hypnose 177. 

Karlsbader Sprudelsalz, Gewinnung desselben 
107, — Vorträge über Balneologie und Bal¬ 
neotherapie 102, — Wasser, gallenstein¬ 
lösende Wirkung von 494, Wasser bei 
Verdauungsstörungen im Kindesalter 103. 

Karzinom, Indikationen der radioaktiven Stoffe 
bei 538, —, kombinierte Behandlung mit 
Mesothorium, Röntgenstrahlen und intra¬ 
venösen Injektionen 442, —, Mesothorium 
bei 247, 374, 377, 499, —, Mesothorium in 
Kombination mit anderen Methoden bei 56, 
—, nichtoperative Behandlung 498, —, Ope¬ 
ration und Bestrahlung bei 599, —, Rade- 
manit bei 185, —, Radiumtherapie bei 119, 
184, 314, —, Radium- und Röntgenbehand- 


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Sachregister. 


XV 


lung 312, —, Röntgenbehandlung bei, und 
ihre Bewertung 432, —, Röntgentherapie 
bei, der weiblichen Genitalien 116, — bei 
Röntgen- und Mesothoriumbestrahlung 117, 
— und Siliziumstoffwechsel 532, —, Strahlen¬ 
behandlung 573, —, Strahlenbehandlung und 
Ersparnis an derselben bei 313. 

Karzinombe8trahlung376, — Probleme derselben 
601, —, Röntgentechnik der 440. 

Karzinomdiagnose mittelsAbderhaldensReaktion 
531. 

Kathodenstrahlen, äußere, als Ersatz für Radium 
und Mesothorium 373. 

Kationenverhältnis in Mineralwässern 437. 

Kauakt, biologischer Koeffizient desselben, und 
Magendarmbehandlung 365. 

Kaufmanns-Erholungsheim, hygienische Bedeu¬ 
tung 370. 

Kehlkopftuberkulose, Pneumothoraxtlierapie und 
55. 

Kieselsäure, s. auch Silizium. 

Kind, körperliche Erziehung desselben (Spitzy) 
254. 

Kinderheilstätten, Kampf gegen Tuberkulose 
durch 114. 

Kinderheime, Vorsorge für die gesunden Kinder 
bei Epidemieausbrüchen in denselben 371. 

Kinderlähmung und ihre Behandlung 308. 

Kinderpflegelehrbuch 3 18 . 

Kindesalter, Abhärtung im 615, —, Bäder (heiße) 
bei Bronchitis acuta, Bronchiolitis und 
Bronchopneumonie im 113, —, Balneo¬ 
therapie im 103, 298, —, Epiphysen¬ 

darreichung bei Entwicklungsstörungen im 
507, —, Gonorrhoe im, Vakzinebehandlung 
506, —, Hautkrankheiten im, Karlsbader 
Wasser bei denselben 103, —, Heliotherapie 
im jugendlichen und 503, —, Höhenklima bei 
Krankheiten im 103, —, Klimatotherapie im 1, 
—, Mastkuren im 489, —, Neuropathie im 206, 
—, Psychotherapie im 640, —, Rosenbachs 
Tuberkulin bei Tuberkulose im 59, —, 
Schweizer Hochgebirge bei chronischen Er¬ 
krankungen desselben 306, —, Tuberkulose 
im, und ihre Behandlung an der See 299, 
—, Tuberkulose im, Ruhe und Übung in der 
Schule bei derselben 307, —, Verdauungs¬ 
insuffizienz im 173, —, Verdauungsstörungen 
im, Karlsbader Wasser bei denselben 103. 

Kissingen, Kohlensäure in und über Badewässern 
von 437. 

Klavierspiclerinnenneurose, Ätiologie und The¬ 
rapie 114. 

Klebrobinde bei Ulcus cruris 494, — bei vari¬ 
kösem Syroptomenkomplex 114. 


Klima, Beurteilung desselben 307, — und Rasse 
in ihrem Einfluß auf das Geschlechtsleben 
des Weibes 53. 

Klimatotherapie, Fortschritte der 535, — im 
Kindesalter 1 , — bei Tuberkulose 494. 

Kniegelenk, Apparat zur Beugung und Streckung 
desselben 535, —, spastisches Syndrom im 
linken, und Utero - Ovarialtumor bei einer 
Basedowkranken, Röntgenbehandlung 497 . 

Knochenwachstum und phosphorarme Ernährung 
172. 

Koch, Robert, und Spezifitätsproblem 250. 

Kochsalzausscheidung bei Herzkranken 435. 

Kochsalzbäder, lauwarme, und Kreislaufsorgane 
297. 

Kochsalzfieber und »Wasserfehler“ 190. 

Kochsalzinjektionen und Entgiftungsbehandlung 
bei Epilepsie 238. 

Kochsalzinjektionen, hypertonische, und Nieren¬ 
sekretion 181, — bei Säuglingen, Fieber 
nach 599. 

Kochsalzsuprareninlö 8 ung und Aderlaß bei 
pneumonischer Herzschwäche 180. 

Kohle, Behandlung innerer Krankheiten mit 
528, —, pharmakologische Grundlagen ihrer 
therapeutischen Verwendung 528. 

Kohlehydrate, Abbau der Fette und, in der 
isolierten diabetischen Leber 532, —, Be¬ 
darf der Diabetiker an denselben 153. 

Kohlehydratkost, eiweißfreie überreichliche, und 
Stoffwechsel 239, —, überreichliche, im In¬ 
fektionsfieber und Stickstoffwechsel 239. 

Kohlehydratkuren, Blutzucker bei, seine Be¬ 
stimmung und ihr Wert für die Diabetes¬ 
therapie 493, — gemischte, bei Diabetes 
mellitus 531. 

Kohlehydratstoffwechsel, Atemluft und 491, — 
bei experimenteller Diphtherievergiftung 533, 
— bei Erkrankungen der innersekretorischen 
Drüsen 380. 

Kohlehydrattoleranz bei Diabetes mellitus 238. 

Kohlensäure in und über Badewässern von 
Nauheim, Kissingen und Wildungen 437. 

Kohlensäurebäder und ihr Einfluß auf das Elektro¬ 
kardiogramm bei Herzkranken 296. 

Kohlensäurehaltige Solbäder, natürliche, Ver¬ 
halten der Blutgefäße in denselben 530, — 
Thermalbäder, natürliche, und Zirkulations¬ 
apparat 598. 

Kolibakterien, Nahrungsmittelvergiftungen durch 
367. 

Kollapsbehandlung 256. 

Kollargol - Chinintherapie bei kruppöser Pneu¬ 
monie 566. 

Kolloide Harnsäure, Untersuchungen über 564. 


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XVI 


Sachregister. 


Kongreß, 35. Balneologen-, in Hamburg 64, 192, 
—, VIII., der Balneologen Österreichs usw. 
in Baden bei Wien (1914), Programm des¬ 
selben 511, —, 31., für innere Medizin, 
Wiesbaden 1914 525, 562, —, X., der Deut¬ 
schen Röntgen - Gesellschaft, Berlin 1914 
362, 428, 485, — für Verdauungs- und Stoff¬ 
wechselkrankheiten in Homburg v d.Höhc 64. 

Konstitution, Wesen derselben im Lichte neuer 
Stoffwechseluntersuchungen 531. 

Kontrastphänomen bei lokaler Tuberkulin- 
applikation 504. 

Koronarkreislauf, Adrenalin und 124. 

Körperstrahlung, Abblendung der 485. 

Körpertemperatur und Blutdruck, Wirkung 
warmer Bäder auf 139. 

Körpertemperatur im Greisenalter 127, —, lokale 
Erwärmung der Temperaturregulierungs¬ 
zentren und 640, — präparierter Kaninchen 
und Überempfindlichkeit bei der Reinjektion 
123. 

Körperübungen im Freien und Tuberkulose¬ 
prophylaxe 114. 

Korsakoffsche Psychose mit Polyneuritis, Todes¬ 
fall nach Salvarsanbchandlung 381. 

Kosmetik der Haut 255. 

Kost, s. auch Diät. 

Krämpfe, Behandlung 382. 

Krankenhäuser, Diätbehandlung in denselben 597, 
— Diätreform in denselben 321, — in Kur¬ 
orten, staatliche Desinfektionsordnung für 53, 
—, Typhusimmunisierung in denselben und 
den Medizinschulen New Yorks 634 

Krankenkassen, Badeärzte und 54 

Krankheiten, chirurgische, balneologische Nach¬ 
behandlung 103, —, chirurgische, Diathermie 
bei denselben 247, —, fieberhafte, Chlor¬ 
retention und Nierenfunktion bei denselben 
51, — , Harnsäuregehalt des Blutes bei Gicht 
und anderen 564, —, spezifischer Einfluß von 
Heilquellen auf 534, —, innere, Abbau des 
Blutfarbstoffs bei denselben 299, —, innere, 
Diätbebandlung 47, 301, —, innere, Helio¬ 
therapie 186, —, innere, radioaktive Stoffe 
bei denselben, Dosierung, Methodik, Re¬ 
sultate 118, —, innere, Radiumtherapie 182, 
—, innere, Radium-Mesothoriumbehandlung 
derselben 563, —, innere, Röntgenbehand¬ 
lung 441, —, innere, spezielle Pathologie 
und Therapie (Kraus und Brugsch) 190, 
—, innere, Thermopenetration bei denselben 
602, —, innere, Thorium X bei denselben 26, 
117, — des Kindesalters, Höhenklima bei 103. 

Krebs, s. Karzinom. 

Krebsantiserum, dreijährige Erfahrungen mit 576. 


| Kreislauf des Blutes, extrakardialer, Physiologie, 
Pathologie, Therapie 317, —, großer, Ein¬ 
führung von Traubenzuckerlösungen in den¬ 
selben zwecks Ernährungsbehandlung des 
Herzens 608. 

Kreislaufinsuffizienz, Bergonisation als passive 
Muskelgymnastik bei 609‘ 

Kreislaufsorgane, Kochsalzbäder, lauwarme, und 
297. 

Kreislaufstörungen, Blutdruckuntersuchung und 
Energometerstudien im Hochgebirge bei 370. 

Kretinismus 507. 

Kriegs verwundete, Röntgenaufnahmen bei den¬ 
selben 602. 

Kropf, Gebirge- 507. 

Küche, diätetische 47, 596, —, diätetische, für 
Klinik, Sanatorium und Haus 48. 

Kuhlenkampfs Anästhesie bei Brachialplexus¬ 
neuralgie 55. 

Kuhmilch, röntgeno ogische Bestimmung ihrer 
Verweildauer im Magen nebst Kritik der 
Kapselmethode 885, — und vegetal-ile Milch, 
röntgenologische Bestimmung ihrer Verweil¬ 
dauer im Magen und Kritik der Kapsel- 
methode 479, — -idiosvnkrasie bei einem 
Säugling 996. 

Kürbisbehandlung der Ödeme 352, 407. 

Kurorte, s. auch Badeorte. 

Kurorte, Anzeigepflicht in denselben bei Typhus¬ 
verdacht 114, — und Badeorte, Begriff der¬ 
selben gegenüber freien Erholungsstätten 
nebst Folgerungen 113, —, Desinfektions¬ 
ordnung bei Anstalten, Hotels und Logier¬ 
häusern der 53, —, Diät in denselben, Um¬ 
frage 291, —, Reichsversicherungsanstalt 

und 296, —, Tuberkulose- und Influenza- 
’ träger in denselben 292, —, Verbleib der 
Leiche in denselben bei Todesfällen 371, 
| —, Vorsorge für die gesunden Kinder bei 

i Epidemieausbrüchen in denselben 371. 

Kurvenvariator, Ottos Röntgenmaschine mit 447. 

Ijähmungen, intradurale Nervenanastomose bei 
115, —, poliomyelitische, physikalische Be¬ 
handlung 63, —, spastische, Behandlung 571. 

I Lähmungstherapie 494. 

Landecker Quellen, Radiumemanation derselben 
! in ihrer Einwirkung auf Entzündungen der 
weiblichen Genitalien 628. 

Larynxtuberkulose, physikalische Behandlung 
601. 

Laevulose, Leberfunktionsprüfung mittels 492. 

Lävulosurie und Galaktosurie (alimentäre) 534. 

Leber, Abbau der Fette und Kohlehydrate in 
der isolierten diabetischen 532, —, Funk¬ 
tionsprüfung 174, —, Funktionsprüfung der- 


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Sachregister. 


XVII 


selben mittels Lävulose 492, —, Histoche- 
misches über die Funktion der 565, — und 
Milz im Röntgenbild 497, —, Röntgenphoto- 
grapbie der 525, — -kranke, Behandlung 
derselben 104. 

Leibbinde für magere Enteroptotiker 180. 

Lepra, Diathermiebehandlung 186. 

Leubesche Ruhekur bei Magen- und Darm¬ 
geschwüren 103. 

Leukämia myeloica, Radiotherapie 245. 

Leukämie, Radiumtherapie 246, —, Thorium X 
bei 118. 

Leukozyten, Verhalten derselben bei proba- 
torischen Tuberkulininjektionen 604, — 

-bilder, Verfahren zur raschwirkenden Be¬ 
einflussung abnormer 501, — -gehalt des 
Cbylus und Ernährung 528. 

Licht, ultraviolettes, bei Trachom 310. 

Lichtbehandlung, Kompendium (H. E. Schmidt) 
599, — des Lupus 539, — der chirurgischen 
Tuberkulose 442, —, Strahlen- und, bei chi¬ 
rurgischer Tuberkulose 119. 

Licht-Wärmestrahlen, Heilwirkungen der 443. 

Lichtwirkung auf den tierischen Organismus 187, 

— bei Tieren und Pflanzen 630. 

Lipoidfreie Ernährung in ihren Beziehungen zu 

Beriberi und Skorbut 534. 

Logierhäuser in Kurorten, staatliche Desinfek¬ 
tionsordnung und ihre Anwendung auf 53. 

Luftdruckerniedrigung im Höhenklima, mecha¬ 
nische Beeinflussung der Zirkulation durch 
598; Begründung und Folgerungen 626. 

Lumbalpunktion, Instrumente für 244, —, thera¬ 
peutische 627. 

Lumbalpunktionskanüle zur Verhütung plötz¬ 
licher Druckerniedrigung und für exakte 
Druckmessung 372,-therapie 372. 

Lunge, Hypophysenpräparate und 124, —, 

Wasserausscheidung durch die —, unter nor¬ 
malen und pathologischen Verhältnissen 
567. 

Lungendurchblutung, In- und Exspiration in 

ihrem Einfluß auf die 439,-gummi 430, 

—kollapstherapie, s Pneumothoraxtherapie, 

— -kranke, Auswahl derselben für die Heil¬ 
stättenkur 54, — -ödem, Behandlung 607, 
-plombierung, pneumatische 371. 

Lungentuberkulose, s. a. Phthisis, Tuberkulose, 
—, Chemotherapie 567, —, chirurgische Ein¬ 
griffe bei 181, —, experimentelle, Röntgen¬ 
behandlung derselben 563, — und Hydro¬ 
therapie 242, — und Nasenatmung 607, —, 
Pneumothoraxbehandlung 181, 536, 537, —, 
Pneumothoraxbehandlung und Blutdruck bei 
309, —, Quarzlichtbestrahlnng bei 443, —, 


Röntgenbehandlung der 432, —, Schwanger¬ 
schaftsunterbrechung bei 255, —, Temperatur¬ 
steigerung, menstruelle, bei 635. 

Lungentumoren, Diagnostik 292. 

Lupus, Friedmanns Tuberkulosemittel bei 505, 
—, Lichtbehandlung 539. 

Lupustherapie 378. 

Lymphdrüsentuberkulose, Röntgenbehandlung 
313. 

Magen, röntgenologische Bestimmung der Ver¬ 
weildauer vegetabiler und Kuhmilch in dem¬ 
selben nebst Kritik der Kapselmethode 385, 
479, —, Mobilitätsstörungen und ihre Be¬ 
handlung 568, —, Trichobezoar desselben 
365, — -ausspülung, Wandlungen in der 
Lehre von der 176,-Chemismus, Balneo¬ 

therapie bei Störungen desselben 105, — 
-darmaffektionen der Kinder, neue Methode 
der Emulsionsbereitung bei 368, — -darm- 
behandlung und biologischer Koeffizient 
des Kauakts 365, — -darratraktus, Ver¬ 
dauungsfermente bei Säuglingen im 52, 
-darmtraktus, Bariumsulfat als Kontrast¬ 
mittel in der Röntgendiagnostik desselben 
600, — -form bei gesteigertem Vagus- 
und Sympathikustonus 570, — -goschwür, 
Ätiologie 625, —, Ätiologie und Patho¬ 
genese desselben 527, —geschwür, Behan- 
lung 103, — -geschwür, Behandlung des¬ 
selben und verwandter Zustände unter phy¬ 
siologischen Gesichtspunkten 568, — -ge¬ 
schwür, Röntgenbefund 428,-geschwür, 

röntgenologische Studien 441, —geschwür, 
Zuckerdiät bei n intolerantem u 111, —hyper- 
sekretion und Magenmotilität 364, — -In¬ 
suffizienz, motorische, II. Grades und Sar- 
zinegärung bei Gastritis mit Pylorospasmus 

528,-karzinom, festgebundenes Chlor im 

Magensaft bei 365, — -krankheiten, Röntgen¬ 
diagnostik 311, —motilität, Balneotherapie 

bei Störungen derselben 105,-motilität, 

Hypersekretion und 364,-motilität, Ner¬ 
vensystem und 176, 177, 182,-peristaitik, 

elektrische Reize und 366, — -saft, Chlor 
in fester Bindung im, besonders bei Magen¬ 
krebs 365,-Schieber nach Einhorn 533, 

— -Sekretion, elektrische Reize und 366, 

- Sekretionsstörungen, Pankreassekretion 

bei 112, — -sekretionsstörungen, Pankreas¬ 
sekretion bei (Fistolhundexperimcnte) 49, 

— -Silhouette bei Gallenblasenkrankheiten 
298, — -Störungen, funktionelle, Psycho¬ 
therapie 49, —Symptome, röntgenologische, 
Charakteristik derselben 428. 

Mammakarzinom, Röntgenbehandlung 432. 

II 


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Sachregister. 


XVIII 


Maxquelle, Dttrckheimer 54, — und Arsensol¬ 
bäder bei Blutanomalien 494. 

Massage, gynäkologische, nach Brandt-Ziegen¬ 
speck, Fortschritte und Erfolge 9!, — und 
Bäderwirkung, Forschungsergebnisse 265, 
—, Bauch-, instrumenteile 371. 

Mastdarmatonie, manuelle Nervenbehandlung bei 
75. 

Mastkuren im Kindesalter 489. 

Materialisationsphaenomene (von Schrenck- 
Notzing) 252. 

Mäusekrebse, Analyse der Wirkung radioaktiver 
Substanzen auf 500. 

Mechanotherapie der Ataxie bei Tabes 309, — 
des Herzens und einiger mit ihm in Bezieh¬ 
ung -stehender Nerven 242. 

Mediastinaltumor, röntgenologische Unterschei¬ 
dung von Thymus persistens 431. 

Medizin, Balneologie und Gesamt- 102, —, 
innere, 31. Kongreß für, Wiesbaden 1914 
525, 562. 

Meere, deutsche, in ärztlicher Beleuchtung 
306. 

Meeresküste, Ausnutzung ihrer Heilfaktoren für 
den Heeressanitätsdienst 113. 

Menstruationsstörungen, Elektrotherapie 502. 

Menstruelle Temperatursteigerung bei Lungen¬ 
tuberkulose 635. 

Mesogastrium anterius, Duodenumeinschnürung 
bei abnormer Faltenbildung im 490. 

Mesothorium, Ersatz desselben durch Röntgen¬ 
strahlen und physikalische bzw. biologische 
Grundlagen der Strahlenwirkung 375, —, 
Grundlagen seiner Strahlenwirkung und sein 
Ersatz durch Röntgen strahlen 185, — in der 
Gynäkologie 56, —, in der Gynäkologie, 
Technik 572, — bei Hautkrankheiten 246, 
—, Hodenschädigung durch 314, — bei Kar¬ 
zinom 247, 377, 499, — bei Karzinom der 
Haut und anderer Organe 374, — bei Kar¬ 
zinoms in Kombination mit Röntgenstrahlen* 
behandlung und intravenösen Injektionen 
442, —, Kathodenstrahlen, äußere, als Ersatz 
für 373, — in Kombination mit anderen 
Verfahren bei Krebs 56, —, Radium und 57, 
442, —, Radium und, bei inneren Erkran¬ 
kungen 563, —, Radium und, Preisverhältnis 
486, —, Radium und, Stand, Behandlung 
und neue Ziele 499, —, Radium und, bei 
Schwerhörigkeit und Ohrensausen 118, —, 
Radium und, bei Tumoren (malignen) 57. 

Mesothoriumbestrahlung des Kaninchenovari- 
ums, Einfluß verschiedener Filterung 431, 
—, Maßbezeichnung der Strahlendosis bei 
der 600, —, Röntgen- und, in der Gynäko¬ 


logie 440, —, Röntgen- und, Karzinom, 
Uterus und Ovarien bei 117. 

Metropathien, hämorrhagische, Schilddrüsen¬ 
präparate bei denselben 507. 

Milch, eiweißreiche, Herstellungsmethode 533, 
—, Tuberkelbazillen in mens hlicher 367, 
—, Typhusverbreitung durch, und ihre Ver¬ 
hütung 304, —, vegetabile, und Kuhmilch, 
röntgenologische Bestimmung ihrer Verweil¬ 
dauer im Magen nebst Kritik der Kapsel¬ 
methode 385, 479. 

Milz und Leber im Röntgenbild 497. 

Milz, Röntgenphotographie der 528, —tumoren, 
Radiumwirkung auf 374. 

Mineralphysiologie, Eiweiß und natürliche Im¬ 
munität 515, —Stoffwechsel 33, —wässer, 
Landecker, Wirkung ihrer Radiumemanation 
«auf Entzündungen der weiblichen Genitalien 
628, — -wässer, Kationenverhältnis in den¬ 
selben 437,-wässer, spezifische Wirkung 

der -97, — -Wasserkuren bei Hautkrank¬ 
heiten 305. 

Mononatriumkarbonat, subkutane Infusionen von 
303. 

Moorbäder bei Uterusblutungen 298. 

Morphium, Adrenalin und sein Antagonismus 
gegen 445. 

Mundhöhle bei Typhusbazillenträgern 576. 

Muskelgymnastik, Bergonisation bei Kreislauf¬ 
insuffizienz als passive 609. 

Muskelrheumatismus, Problem desselben 542, 
—Übungen nach Bergoniß bei Fettsucht 495, 
-Übungsapparat, Entfettungs- und 248. 

Myelodysplasie, Röntgenbefunde 488. 

Mykosis fungoides, Dauerheilung durch Rönt¬ 
genbestrahlung 433. 

Myxoedem 507. 

Nachgeburtsperiode, Pituitrin in der 252. 

Nägel, Hygiene der Haut, Haare und 318. 

„Nagelschmidt - Bergoniß, Entfettungsapparat 
nach“, 128. 

Nährmittel, amylolytische Fermente in ihrer 
Wirkung auf 303. 

Nahrung vom Standpunkte der Energie 533. 

Nahrungs- und Genußmittel (Berg) 109, — 
-mittel, amylolytische Fermente in ihrer 
Wirkung auf 303,-mitteltabelle für Diät¬ 

verordnungen 596, — -mittelvergiftungen 
durch Bakterien der Coli-Paratyphusgruppe 

367,-mittelzersetzung, Einfluß niedriger 

Temperatur auf die 112, — -Stoffe, Nähr¬ 
wert derselben 533, — -Verweigerung der 
Säuglinge, Behandlung 368. 

Nährw ert von Nährstoffen 533, — -tafcl (König) 
109. 


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Sachregister. 


XIX 


Nase, Skleroderma respiratorium des Rachens ] 
and der, Besserung durch physikalische 
Therapie nach erfolgloserVakzinebehandlung 
506. 

Nasenatmung, behinderte, und Lungentuber¬ 
kulose 607. 

Nasenpapillom, großes, Röntgenuntersuchung, 
Zerstörung durch Hochfrequenzstrom 629. 

NatriumnitratfQtterung, Stickstoffwechsel und 
237, — -Stoffwechsel, Kalzium- und, bei 
Diabetes mellitus 173. 

Nauheim, Kohlensäure in und über Badewässem 
von 437. 

Nebenhodentuberkulose, Röntgenbehandlung 
433. 

Nebennieren, Adrenalingehalt der, bei Thorium 
X-Intoxikation 247, — und Schmerzemp¬ 
findung 529, —, Wirkungen des Zuckerstichs ' 
nach Exstirpation der 640. 

Nebenschilddrüsen-Insuffizienz und deren Be¬ 
handlung 187, —Transplantation beiTetania 
postoperativa 188. 

Neosahrarsan, Dosierung317, — undSalvarsan in 

ambulatorischer Anwendung 630,-, ihr 

Verhalten im Organismus 509, — bei Syphilis 
446. 

Neosalvarsaninjektionen 123, —, endolumbale 
510, 542, — in Kombination mit Hg-Ein- 
reibungen bei Nervensyphilis 575, —, kon¬ 
zentrierte 317, —, Spritze für intravenöse 
124. 

Nephrektomie und Tuberkulinbehandlung bei 
Urogenital tuberkulöse 123. 

Nephritis (s. a. Nieren, Brightsche Krankheit) 
acuta, experimentelle, des Kaninchens, Be¬ 
einflussung derselben durch Pankreasextrakt 
603, — chronica, Balneotherapie der 297, 

-, Diurese und Chlorkalzium bei 303, 

— —, Therapie 542, — —, Wasser¬ 
stoffwechsel bei 803. 

Xephritische Herzanomalien bei Scharlach, Be¬ 
handlung 191. 

Nerven, Ermüdung markhaltiger Frosch-, bei 
Unterkühlung 241. 

Nervenanastomose, intradurale, bei Lähmungen 
115, — -bebandlung, manuelle, bei Mast- 

darmatonie 75,-beschwerden der Frauen, 

Schilddrüseninsuffizienz bei 380. 

Nervenkrankheiten, (Bing) 61, — (Jacobsohn) 
191, — Balneotherapie der 104, — Geißel¬ 
bäder bei 369, — syphilitische, Therapie 

derselben 510,-, intensive Behandlung 

mit intravenösen Neosalvarsaninfusionen und 
Hg-Einreibungen 575. 


Nervensystem und Magenmotilität 176, 177, 
182, —, Niere und 565, —, Nierenfunktion 
und 63. 

Nervi, Tuberkulosebehandlung in, und ihre Er¬ 
folge 306. 

Neubildungen (s. a. Tumoren) innerer Organe, 
Strahlenbehandlung derselben 562. 

Neuenahrer Quellen und Diabetes mellitus 534. 

Neufeld-Händelsches Pneumokokkenserum bei 
Pneumonie 603. 

Neugeborene, enterale Resorption von genuinem 
Eiweiß bei denselben als Funktionsprüfungs¬ 
methode 490. 

Neuralgien des Plexus brachialis, Kuhlenkampfs 
Anästhesie bei 55, —, Radium- und Thorium¬ 
behandlung 313. 

Neuralgischer Zustand aus peripheren Ursachen 
228, 278. 

Neuropathie im Kindesalter 206. 

Neurorezidive und Abortivheilung bei moderner 
Syphilisbebandlung 603. 

Neurosen, Dauerbäder bei 297, —, funktionelle, 
Blutdruckmessungen bei denselben 319. 

Nieren (s. a. Nephritis, Brightsche Krankheit) 
anatomische und funktionelle Störungen 
der, durch Veronal 565, —, Hypophysen¬ 
extrakt und 251, — und Nervensystem 665. 

Nierenfunktion und Chlorretention bei fieber¬ 
haften Krankheiten 51, —, Histochemisches 
über die 565, —, Kalksalze und 177, —, 
klinische Erfahrungen über 565, — und 
Nervensystem 63, —, Prüfung derselben 
durch die Probemahlzeit 435. 

Nierenkrankheit, Blutdrucksteigerung und 383. 
—, Brightsche 294. 

Nierensekretion bei hypertonischen intravenösen 
Kochsalzinjektionen 181. 

Nordsee und Asthma 369, —, Winterkuren an 
der 307, — -klima, Ostsee- und 296. 

Normalbadanlagen 626. 

Normalserum, menschliches, intravenöse In¬ 
fusion nach vorausgeschicktem Aderlaß bei 
schwerster Sepsis 60. 

Nukleinstoffwechsel, Experimentelles über 563. 

Obstipation, Behandlung 257, —, chronische 
Diarrhoe und 434, —, funktionelle, Klassi¬ 
fizierung vom röntgenologischen und thera¬ 
peutischen Standpunkt 298, —, Hormonal- 
therapie bei chronischer 124, —, intra- 
abdominale Öleingießung bei derselben 490, 
—, spastische, der Frauen und Schilddrüsen¬ 
insuffizienz 380. 

Ödeme, Kürbisbehandlung 352, 407. 

I Ohnmacht, Behandlung 256. 

! Ohrenkrankheiten, Diathermie bei 378. 

III 


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XX Sachregister. 


Ohrgeräuschc und Hörstörungen, neue Mittel 
576, —, Radium- und Mesothoriumbe¬ 

strahlung bei denselben 118. 

Öleingießung, intraabdominale, bei habitueller 
Obstipation 490. 

Operationen und Bestrahlung bei Karzinom 599, 
—, Nachbehandlung nach, durch den Hei߬ 
luftapparat 307. 

Organe, innere, Strahlenbehandlung von Neu¬ 
bildungen derselben 562, —, Verfettung 
parenchymatöser 531. 

Organtherapie, Grundlagen und Anwendung 
605, — in der Gynäkologie 2 - 2, — bei 
Tuberkulose 445, —, Wirkungsmechanismus f 
380. 

Orthodiagraph, Ersatz desselben durch den 
Telekardiographen 186. 

Orthodiagraphie und Teleröntgenographie, Herz¬ 
messung durch 56. 

Orthopädische Behandlung der Ataxie 529, — 
Fürsorge in Berliner Gemeindeschulen 495. 

Os naviculare pedis der Kinder, Pathologie 
desselben 488. 

Oszillodor und Undostat, Prinzip und An¬ 
wendung 81. 

Osmoregulation auf Distanz, neue Methode der¬ 
selben 487. 

Ösophagusstenosen, narbige, Radiumtherapie 
245. 

Osteomalacie, Adrenalin bei rezidivierender 251. 

Ostseeklima, Nordsee- und 2%. 

Ottos Röntgenmaschine mit Kurvenvariator 447. 

Ovarialkarzinom mit Metastasen, Heilung durch 
Operation mit nachfolgender Röntgenbe¬ 
handlung 496. 

Ovarialtätigkeit, Funktionsprüfung der 187. 

Ovarien (s. a. Eierstöcke) Glanduovin bei 
Störungen ihrer inneren Sekretion 124, —- 
des Kaninchens, Einfluß verschiedener Filte¬ 
rung bei Mesothorbestrahlung derselben 431, 
— bei Mesothorium- und Röntgenbestrahlung 
117, — -präparate bei Tuberkulose 445. 

Ovario-uteriner Tumor mit spastischem Syndrom 
im linken Knie bei einer Basedowkranken, 
Röntgenbehandlung 497. 

Pankreas, Einwirkung von bisher unbekannten 
Bestandteilen desselben auf den Zuckerabbau 
436, —, Untersuchungen über seine Leistungs¬ 
fähigkeit 639. 

Pankreasachylie, Diagnose und Therapie der 
funktionellen 173. 

Pankreasdiabetes, Zuckerverbrennung bei 531, 
624. 

Pankreasexstirpation, fermentaiive Tätigkeit 
des Blutes und der Gewebe nach 445. 


Pankreasextrakt, Einfluß desselben auf Nephritis 
acuta (experimentaHs) des Kaninchens 603. 

Pankreaskrankheiten, Balneotherapie 104. 

Pankreassekretion bei Magensekretionsstörun¬ 
gen 112, — bei Magensekretionsstörungen 
(Fistelhundexperimente) 49. 

Paralysis agitans, Übungsbehandlung 65, —, 
progressiva, arachnoideale Injektion mit 

Serum von Syphylitikem bei 507,-, 

Salvarsanbehandlung 575,-, Tuberkulin- 

Hg-Behandlung der 379. 

Parathyreoidea (s. a. Nebenschilddrüsen) In¬ 
suffizienz derselben und ihre Behandlung 187. 

Paratyphusbakterien, Nahrungsmittelvergiftun¬ 
gen durch 367. 

Paratyphus - Enteritisgruppe, Fischfleischvergif¬ 
tung durch Bakterien der 434. 

Parenchymatöse Organe, Verfettung derselben 
531. 

Parenterale Ernährung durch intravenöse In¬ 
jektionen 302,-, vollständige 237. 

Paschens Körperchen, Aufschließung, Isolierung 
und Einengung derselben aus tierischen 
Schutzblattem auf mechanischem Wege 189. 

Pelsitintee 238. 

Pentosurie 532. 

Peptische Ulcera, nervöse Entstehung ders. 625. 

Peptonwirkung, Tryptophangehalt und 175. 

Peritonitis tuberculosa, Heilung durch Stick¬ 
stoffeinblasungen in die Bauchhöhle 372. 

Peritonitische Adhäsionen, Behandlung 495, — 
—, Prophylaxe und Therapie 314. 

Pflanzen, Lichtreaktionen bei Tieren und 630, 
—, Röntgenstrahlenwirkung auf 363. 

Pflanzenphosphor und Blut 491. 

Philos, neues Inhalationssystem 126. 

Phlebostase bei Herzkranken 242, 439. 

Phosphor, Pflanzen-, und Blut 491. 

Phosphorarrae Ernährung und Knochenwachs¬ 
tum 172. 

Phthisis caveraosa, extra- und intrapleurale 
Pneumolyse bei 244. 

Physikalisch - diätetische Heilmethoden, Fort¬ 
schritte derselben (v. Sohlern) 606. 

Physikalische Therapie bei chirurgischer Tuber¬ 
kulose 308. 

Pituglandol bei Blutungen im Bereich des At¬ 
mungsapparates 61. 

Pituitrin in der Nachgeburtsperiode 252. 

Plattfußbeschwerden in der Armee, Behandlungs¬ 
vorschlag 536. 

Pleuraergüsse, Punktionsapparat für 372. 

Pleuraerkrankungen, Atmungsbewegungen des 
Brustkorbs und der Interkostalräume bei 372, 
—, Therapie der 372. 


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Sachregister. 


XXI 


Pleuritis exsudativa, Punktion und Insufflation 
bei 309. 

Plexus brachialis-Neuralgie, Kuhlenkampfs An¬ 
ästhesie bei 55. 

Pneumatische Lungenplombierung 371. 

Pneumokokkeninfektion, Chemotherapie 567. 

Pneumokokkenserum und Äthylhydrocuprein 
bei Pneumonie 189, —, Neufeld-Händelsches, 
bei Pneumonie 603. 

Pneumolyse, extra- und intrapleurale, bei 
Phthisis cavernosa 244, — bei künstlichem 
Pneumothorax 495. 

Pneumonie, Äthylhydrocuprein und Pneumo¬ 
kokkenserum bei 189, —, Behandlung der 
Herzschwäche bei, mit Aderlaß und Koch- 
salzsuprareninlösung 180, —, kruppöse, Chi¬ 
nin-Kol largoltherapie 566, —, Neufeld-Hän¬ 
delsches Pneumokokkenserum bei 603, — 
im Säuglingsalter 430. 

Pneumothoraxapparat, einfacher 567. 

Pneumothoraxluft, Zusammensetzung der 640. 

Pneumothoraxtherapie 54, 243, —, Kehlkopf¬ 
tuberkulose und 55, — bei Lungentuberku¬ 
lose 181, 309, 536, 537, —, Methodik 627, 
— und Pneumolyse 495, — bei Tuberkulösen 
und Blutdruck 309. 

Polyglanduläres System, Diagnostik und Patho¬ 
logie desselben 61. 

Polyneuritis mit Korsakoff scher Psychose, 
Todesfall nach Salvarsanbehandlung 381. 

Poliomyelitische Lähmungen, physikalische 
Therapie 63. 

Preisaufgabe der Heinrich Brock-Stiftung 384. 

Prostataerkrankungen, Hochfrequenzstrom bei 
502. 

Prostatitis, physikalische Behandlung 58, 446. 

Pseudoarteriosklerose 319. 

Pseudotumor des Sehnerven bei intrakranieller 
Erkrankung 529. 

Proriasis, Röntgen- und Hochfrequenzbehandlung 
der 186. 

Psychasthenie und Schlaflosigkeit 527. 

Psychopathen, Alkoholeinwirkung bei 320. 

Psychosen, Dauerbäder bei 297. 

Psychotherapie in der Kinderheilkunde 640, — 
funktioneller Magenstörungen 49, — der 
Schlaflosigkeit 527. 

Puls im Schlaf 127. 

Pulsperioden, minimale Schwankungen der 529. 

Punktion und Insufflation bei Pleuritis exsuda¬ 
tiva 309. 

Punktionsapparat für Pleuraergüsse und The¬ 
rapie der Pleuraerkrankungen 372. 

Purinstoffe, Spaltung derselben beim Menschen 
491. 


Purinstoffwechsel und Drüsen mit innerer Se¬ 
kretion 563. 

Pyelitis, Yakzinetherapie bei einer durch B. 
lactis aerogenes bedingten 381. 

Pylorospasmus mit Gastritis, motorischer In¬ 
suffizienz II. Grades und Sarzinegärung 
528. 

Pylorusgeschwür, Nachbehandlung nach Ope¬ 
ration desselben 436. 

Quarzlampenbehandlung bei Lungentuberkulose 
443, —, Sarkomentwicklung nach 443. 

Quecksilber, Gebrauch und Mißbrauch von Sal- 
varsanund — bei Syphilis 381, — und Sal- 
varsan bei Syphilis 509, 510. 

Quecksilbereinreibungen mit intravenösen Neo- 
salvarsaninfiisionen bei Nervensyphilis 575. 

Quecksilber-Tuberkulin-Behandlung der Para¬ 
lysis progressiva 379. 

Quellenkunde 105. 

Bachen, Skleroderma respiratorium in Nase 
und, Besserung durch physikalische Thera¬ 
pie nach erfolgloser Vakzinebehandlung 506. 

Rachenring, lymphatischer, und Schilddrüse 567. 

Rachitis 172. 

Rademanit bei Karzinom 185. 

Radioaktive Substanzen, Analyse ihrer Wirkung 
auf Mäusekrebse 500, — —, berufliche 
Schädigung durch 500, — —, Ersatz der¬ 
selben bei der Tiefentherapie durch Röntgen¬ 
strahlen 313,-, GrundlagenihrerStrahlen- 

wirkung und ihr Ersatz durch Röntgenstrahlen 

185,-, Immunsera und Infektionen unter 

Einwirkung derselben 295,-, bei inneren 

Krankheiten, Dosierung, Methodik, Resultate 
118,-bei Karzinomen und ihre Indi¬ 

kation 538, — —, physikalische und biolo¬ 
gische Grundlagen ihrer Strahlenwirkung 375, 

-, Verschwinden der Bluthamsäure bei 

Gichtbehandlung mit denselben 246. 

Radioaktivität, Erzeugung derselben aus nicht¬ 
radioaktiven Elementen 118, 246. 

Radiologischer Befund bei Duodenalgeschwür 
498. 

Radiologische Studien über Fehlerquellen der 
klinischen Herzgrößenbestimmung 629, — 
über Nervensystem und Magenmotilität 176, 
182. 

Radiotherapie und Chirurgie maligner Tumoren 
185, — in der Gynäkologie 182, — bei Leu- 
kämia myeloica 245, —, Licht- und, bei 
chirurgischer Tuberkulose 119, —, Probleme 
der Krebsbehandlung im Zeichen der 601, 
—, Sensibilisierung des Erkrankungsherdes 
durch wolfram8aures Kalium 115, — der 
Tumoren 116. 


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XXII 


Sachregister. 


Radium, intraperitoneale Verwendung 628, —, 
Katbodenstrahlen, äußere, als Ersatz für 373, 

— und Mesothorium, Preisverbältnis von 486. 

Radiuraemanation der Landecker Quellen, 

Einwirkung derselben auf Entzündungen 
der weiblichen Genitalien 628. 

Radiumstrahlen, Röntgen- und, ihre praktische 
Identität 244. 

Radiumtherapie 185, — der Aktinomykose 442, 

— der Alveolarpyorrhoe 573, — und 

Balneologie 108, — in Chirurgie und Der¬ 
matologie 183, —, direkt zeigendes Dosi¬ 
meter für 487, —, Filterapparat für 118, — 
in der Gynäkologie 184, — bei Hautkrank¬ 
heiten 57, 119, — interner Geschwülste 563, 
—■ bei inneren Krankheiten 182, — bei Kar¬ 
zinom 119, 184, 312, — der Leukämie 246, 
—, Maßbezeichnung der Strahlendosis bei 
der 600, —, Mesothorium- und 57, 442, —, 
Mesothorium- und, innerer Krankheiten 563, 
—, Mesothorium- und, bei malignen Tumoren 
57, —, Mesothorium- und, bei Schwerhörig¬ 
keit und Ohrensausen 118, —, Mesothorium- 
und, Stand und neue Ziele derselben 499, 

— bei Milztumoren 374, — bei narbigen 
Ösophagusstenosen 245, —, Röntgen- und, 
in der Gynäkologie 500, —, Rotationsapparat 
für 501, —, Thorium- und, bei Tumoren, 
Gicht, Rheumatismus, Neuralgien und Blut¬ 
krankheiten 313, — bei Tumoren (malignen) 
183, — bei Tumoren 299, 314, 374, 574, — 
bei Uteruskarzinom 183, 245, 500. 

Radium Wirkung, die erste biologische 56. 

Rasse und Klima in ihrem Einfluß auf das Ge¬ 
schlechtsleben des Weibes 53. 

Rauchen, Schädlichkeit desselben 510. 

Reflexe, koordinierte subkortikale 528. 

Reichsmedizinalkalender, Börnerscher, von 1915 
606. 

Reichsversicherungsanstalt, Kurorte und 296. 

Reichsversicherungsordnung, Tuberkulosebe¬ 
kämpfung und 446. 

Reiz, physiologischer, und seine Natur 63. 

Rektumkarzinom, Darstellung desselben im 
Röntgenbild 430. 

Resorption, enterale, von genuinem Eiweiß bei 
Neugeborenen und darmkranken Säuglingen 
und ihre Verwertung als Funktionsprüfungs¬ 
methode 490. 

Respirationserkrankungen, Balneotherapie 107, 
—, Sauerstoffinhalationen, medikamentöse, 
bei 371, —, Therapie 107, 627. 

Rheumatismus chronicus, Ursache und Vakzine¬ 
behandlung 633, —, Radium- und Thorium¬ 
behandlung 313. 


Rippenknorpelverknöcherung bei Tuberkulösen 
567. 

Röntgenaufnahmen an Kriegsverwundeten 602, 

— in Serien, Diagnose gut- und bösartiger 
Duodenalläsionen und deren Unterscheidung 
durch 498. 

Röntgenbefunde, Projektion seltener 489, — bei 
Ulcus ventriculi et duodeni 428. 
Röntgenbestrahlung (s. a. Tiefcnbestrahlung) 
(Wetterer) 115,628, — bei Aktinomykose 441, 
602, —, biologische Einwirkungen derselben 
auf tierische und menschliche Gewebe 362, 
—, Blut und Serum unter Einwirkung der 374, 

— des Bubo 245, -- des Ekzems 812, —, Er¬ 
satz des Mesothorium durch, und physika¬ 
lische bzw. biologische Grundlagen der 
Strahlenwirkung 875, — bei Furunkulose 
433, — bei Gastrospasmus 364, —, gynä¬ 
kologische 116, —, gynäkologische, Base¬ 
dowsche Krankheit als Kontraindikation 
gegen 440, — bei Halsdrüsentuberkulose 
312, —, Heilung von Ovarialkarzinom mit 
Metastasen durch Operation mit nachfolgen¬ 
der 496, — und Hochfrequenzströme bei 
Psoriasis 186, — in der inneren Medizin 373, 
441, —, Intensiv-und Dauerbestrahlung 373, 

— bei Karzinom 312, — bei Karzinom, Be¬ 
wertung derselben 432, — bei Karzinom der 
weiblichen Genitalien 116, —, Kombination 
derselben mit Mesothoriumbestrahlung und 
intravenösen Injektionen bei Karzinom 442, 

— bei Lungentuberkulose 432, — bei Lungen¬ 
tuberkulose, experimenteller 563, — bei 
Lymphdrüsentuberkulose 313, —, Mesotho¬ 
rium und, Wirkung auf Karzinom, Uterus 
und Ovarien 117, — der Mammakarzinome 

432, —, Mesothorium- und, in der Gynäko¬ 
logie 440, — bei Mykosis fungoides, Datier¬ 
heilung 433, — bei Nebenhodentuberkulose 

433, — von Pflanzen, biologische Wirkungen 
363, —, Radium- und, in der Gynäkologie 
500, — bei Tumoren (malignen) 299, 432, 

— bei Tumoren (tiefliegenden) neue Wege 
182, — bei Utero-Ovarialtumor mit spasti¬ 
schem Syndrom im linken Knie bei einer 
Basedowkranken 497, — bei Uterusfibrom 
116, — bei Uterusfibrom, Wert derselben 497. 

Röntgenbild, Darstellung des Dickdarmkarzi¬ 
noms im 430, —, Dünndarmerkrankungen im 
429, —, Leber und Milz im 497. 
Röntgendiagnostik bei Appendicitis chronica 
312, — der Darmkrankheiten 311, — des 
Gastrospasmus 364, — bei Magenkrankheiten 
311, — des Magendarmtraktus, Bariumsulfat 
als Kontrastmittel in derselben 600, — der 


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Sachregister. 


XXIII 


Schmarotzer des Menschen 364, — der Ver¬ 
dauungskrankheiten und ihre klinische Be¬ 
wertung 490. 

Röntgendurchleuchtungen, Vorderblenden zum 
Ausschalten von Sekundärstrahlen bei Rönt¬ 
genaufnahmen und 486. 

Röntgen-Gesellschaft, Kongreß der Deutschen, 
Berlin 1914 362, 428, 485. 

Röntgen-Härtebestimmung 160« 

Röntgenmaschine Ottos mit Kurvenvariator 447. 

Röntgenmodelle, neue Wiener 485. 

Röntgenographie der Speiseröhre 364, —, Herz¬ 
messung durch Orthodiagraphie und Tele-, 56, 
—, Verbesserungen am Instrumentarium und 
den Hilfsapparaten für die 485. 

Röntgenologische Bestimmung der Verweildauer 
von vegetabiler und Kuhmilch im Magen 
nebst Kritik der Kapselmethode 885, 479, 
— Dickdarmdiagnostik 429, — Differential¬ 
diagnose zwischen Mediastinaltumor und 
Thymus persistens 431, — Fehldiagnosen 
488, — Magensymptome, Charakteristik der¬ 
selben 428, — Studien über Magengeschwür 
441. 

Röntgenphotographie von Leber und Milz 528. I 

Röntgenröhren, Schlesingers Hochspannungs¬ 
umschalter für den Betrieb mehrerer 544, 
—, schwingende 384, —, Strahlungsgemisch 
derselben und seine Bedeutung für die Tiefen¬ 
bestrahlung 485. 

Röntgenstrahlen, Absorption der /?-, y- und, im 
Gewebe 499, —, biologische Wirkung der, 
431, —, Dauerbehandlung mit 431, —, direkt 
zeigendes Dosimeter für 487, —, Ersatz 
radioaktiver Substanzen bei der Tiefen¬ 
therapie durch 313, —, filtrierte, bei Ekzema 
chronicum 433, —, Fortschritte in der Er¬ 
zeugung harter 182, —, gammastrahlenartige, 
Erzeugung derselben in Röntgenröhren 487, 
—, Grundlagen der Strahlenwirkung radio¬ 
aktiver Stoffe und ihr Ersatz durch 185, 
—, Gummischutzstoffe für, Wertbemessung 
derselben 486, —, harte, Anwendung der¬ 
selben 573, —, konvergente und parallele, 
Erzeugung derselben 487, —, Radium- und, 
ihre praktische Identität 244, — und Speichel¬ 
drüsen des Menschen 433, —, unbekannte 
Wirkungen derselben und ihre therapeutische 
Verwertung 433, —, Verwertung derselben 
für die Physiologie der Sprachlaute 489, 
—, Wachstumsreiz auf pflanzliches und tie¬ 
risches Gewebe 116. 

Röntgenstrahlenepilation, dauernde, ohne Haut¬ 
schädigung 312. 

Röntgentaschenbuch (Sommer) 373. 


Röntgentechnik der Karzinombestrahlung 440. 

Röntgentiefenbestrahlung 374, —, blutbildende 
Organe bei 312,—, neuere Gesichtspunkte 563. 

Röntgenuntersuchung der Abdominalorgane, 
Hilfsmittel für dieselbe 486, — eines Nasen¬ 
papilloms 629. 

Rosenbachs Tuberkulin bei Tuberkulose der 
Kinder 59. 

Rp. (Raab) 255. 

Ruhe und Übung in der Schule bei tuberkulösen 
und prädisponierten Kindern 307. 

Ruhekur Leubes bei Magen- und Darm¬ 
geschwüren 103. 

Salvarsan (s. a. Syphilis), abortive Syphilis¬ 
behandlung mit 509, —, Gebrauch und Mi߬ 
brauch von Quecksilber und — bei Syphilis 
381, — und Neosalvarsan in ambulatorischer 
Anwendung 630; ihr Verhalten im Or¬ 
ganismus 509, — bei Paralysis progressiva 
575, — bei Syphilis des Zentralnerven¬ 
systems und Tabes 508, — bei Tabes, 
günstige Beeinflussung 631, —, Technik der 
Sterilisation der Syphilis durch 508, —, 
Toxizität desselben 509, — «bebandlung, 
endolumbale, Technik 631, —, Gefahren der 
381, —behandlung, reine, der Syphilis 541, 

— -behandlung im Marinelazareth zu Wik 

508,-behandlung, Statistisches und Kli¬ 

nisches 190, — -behandlung, „Wasserfehler“ 
bei 509, —, Widerstandsfähigkeit lokaler 
Spirochätenherde bei reiner 631, — -injek- 
tionen 123, — Injektionen, intravenöse, 

Spritze für 124, —intravenöse, Technik 381, 

— -injektionen, Wasserfehler 381, —Queck¬ 
silber, Syphilisheilung durch 510,-semm 

542, 575,-todesfall durch akute Arsen¬ 

vergiftung bei einer Nichtluetischen 631, — 
bei Polyneuritis mit Korsakoffscher Psychose 
381. 

Salzdiät, isoliertes Froschherz bei reiner 436. 

Salzsäuredefizit, Eiweißaufspaltung bei 302. 

Sandbad, heißes, Blutuntersuchungen bei An¬ 
wendung desselben 52. 

Sanokalzin-Tuberkulinbehandlung 250. 

Sarkomentwicklung nach Quarzlampenbehand¬ 
lung 443. 

Sarzinegärung und motorische Insuffizienz II. 
Grades bei Gastritis mit Pylorospasmus 528. 

Sauerstoffinhalationen am Krankenbett 627, 
—, medikamentöse, bei Respirations- 
erkrankungen 371. 

Säugetierherz, Dynamik desselben 530, —, 
typische Form der Stromkurve am isolierten 
Menschen- und, bei indirekter „fluider“ Ab¬ 
leitung 530. 


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XXIV 


Sachregister. 


Säuglinge, dannkranke, enterale Resorption von 
genuinem Eiweiß bei denselben als Funk¬ 
tionsprüfungsmethode 490. 

Säuglingsalter, Bäder, heiße, bei Bronchitis 
acuta, Bronchiolitis und Bronchopneumonie 
im 113, —, Brechdurchfall im, Behandlung 
490, —, Darmkatarrh im, Ätiologie 489, —, | 
Eiweißmilch bei Ernährungsstörungen im 
368, —, Fieber im, nach Kochsalzinfusionen 
599, —, Kuhmilchidiosynkrasie im 596, —, 
Nahrungsverweigerung und Anorexie im, 
und deren Behandlung 368, —, Pneumonie 
im 430, —, Thermokauter bei Furunkulose 
im 494, —, Verdauungsfermente im 52. 

Säuglingekrankheiten 319, — -Sterblichkeit, 
Steigerung der, im Frühjahr 63. 

Säürevergiftung bei Coma diabeticum 366. 

Schanker, Heißluftbehandlung 307. 

Scharlach, Humanserum bei, und Serumlipoide 

634, —, Serumtherapie 379,-rekonvales- 

zentenserum 315, —, Vakzinebehandlung 
633. 

Schilddrüse und lymphatischer Rachenring 567. 

Schilddrüsenbehandlung, Stoffwechsel bei 298, 

Schilddrüseninsuffizienz, Nervenbeschwerden 
und spastische Obstipation bei Frauen in 
ihren Beziehungen zur 380, — -präparate 
bei hämorrhagischen Metropathien 507, — 
-Vergrößerung, Behandlung 567. 

Schlaf, Puls im 127. 

Schlaflosigkeit, Bekämpfung der 164, — der 
Dyspeptiker und ihre diätetische Behand¬ 
lung 526, — im Hochgebirge 527, — und 
Psychasthenie 527, —, gegen Schlafmittel 
refraktäre Formen der 527, —, Wesen und 
Behandlung der 525, 526. 

Schlafmittel, gegen — refraktäre Formen der 
Schlaflosigkeit 527. 

Schlesingers Hochspannungsumschalter für den 
Betrieb mehrerer Röntgenröhren 544. 

Schmarotzer, menschliche, Röntgendiagnostik 
364. 

Schmerzempfindung, Nebenniere und 529. 

Schmerzen, ischiasähnliche, bei Adipositas do¬ 
lorosa und bei partieller Bauchmuskelläh¬ 
mung 63. 

Schnees Degrassator und seine Anwendung 68, 
168,169, — und Entwicklung des elektrischen 
Entfettungsverfahrens 573, — bei Fettleibig¬ 
keit 58. 

Schönleins Schrift gegen Fürst Alexander von 
Hohenlohe aus dem Jahre 1821 587. 

Schrumpfniere, Hypertonie und 297. 

Schule, Ruhe und Übung tuberkulöser und prä¬ 
disponierter Kinder in der 307. 


Schutzblattem, Aufschließung, Isolierung und 
Einengung von reinem vakzinalem Virus aus 
— auf mechanischem Wege 189. 

Schwangerenblut, direkte Transfusion desselben 
bei Hyperemesis gravidarum 123. 

Schwangerschaft, Appendizitismortalität in der 
127, —, Blutzucker in der, unter Einfluß 
der Ernährung 304, —, Glykosurie in der, 
und echter Diabetes 174. 

Schwangerschaftserbrechen, unstillbares, Iso¬ 
serumbehandlung desselben 605, — unstill¬ 
bares, Transfusionsbehandlung mit Schwange- 
renblut 123,-Unterbrechung bei Lungen¬ 

tuberkulose 255. 

Schweiß und Schwitzen 129, 214. 

Schweizer Hochgebirge, Aufenthalt kranker 
Kinder im 306. 

Schwerfiltertherapio 431. 

Schwerhörigkeit, Radium- und Mesothorium¬ 
bestrahlung bei 118. 

Schwindel 382. 

Schwindsuchtbekämpfung durch Haussanatorien * 
306. 

Schwitzen, Schweiß und 129, 214. 

Scleroderma respiratorium der Nase und des 
Rachens, Besserung durch physikalische 
Therapie nach Erfolglosigkeit der Vakzine¬ 
behandlung 506. 

See, Behandlung der kindlichen Tuberkulose 
an der 299, — -hospize, Kampf gegen Tu¬ 
berkulose durch 114,-klima und Höhen¬ 
klima 535,-krankheit 295, 318, —krank- 

heit und Hypnose 191,-krankheit und 

Vagotonie 191. 

Seereisen, therapeutische 228. 

Sehnerven, Pseudotumor des, bei intrakranieller 
Erkrankung 529. 

Sekretion, innere, (s. a. Innere) und Purin¬ 
stoffwechsel 563. 

Sekundärstrahlen und Strahlenfilter 487, —, 
Vorderblenden zum Ausschalten derselben 
bei Röntgendurchleuchtungen und -aufnahmen 
486, — -therapie 311, — -Wirkung 433. 

Sepsis, Aderlaß und Normalseruminfusion bei 
schwerster 60, —, Blutimmunisierung gegen 
189, —, Wesen und Behandlung 566. 

Serotherapeutischer Versuch bei Tabes xind 
Paralyse 507. 

Serum, Beeinflussung der kutanen und intra¬ 
kutanen Tuberkulinreaktion durch 248, —, 
Röntgenstrahlenwirkung auf das 374, —be- 
liandlung der Diphtherie 122, —-bckandlung 

bei Tetanus und ihr Wert 188,-behand- 

lung des Scharlachs 379, —fermentreaktion 
Abderhaldens, klinische Anwendung 39. 


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Sachregister. 


XXV 


Serumlipoide, Humanserum bei Scharlach und 
634. 

Sexualwissenschaft, Zeitschrift für 256. 

Shock, Behandlung 256. 

Siliziumbehandlung bei Tuberkulose 532, — 
•Stoffwechsel bei Tuberkulose und Krebs 
und seine Bedeutung für die Tuberkulose¬ 
therapie 532. 

Skoliose, habituelle, Behandlung im Beginn 
durch Gymnastik im Streckapparat 571, — 
-behandlung nach Abbot 55, 308. 

Skorbut und lipoidfreie Ernährung 534. 

Skrofulöse, Friedmanns Behandlung der 248. 

Solbäder, kohlensäurehaltige natürliche, Ver¬ 
halten der Blutgefäße in denselben 530. 

Sonnenbehandlung, s. Heliotherapie. 

Sonnenstichbehandlung 382. 

Spastische Lähmungen, Behandlung 571. 

Spastisches Syndrom im linken Knie mit Base¬ 
dow und Utero-Ovarialtumor, Röntgenbe¬ 
handlung 497. 

Speicheldrüsen, Röntgenstrahlenwirkung auf 
menschliche 433. 

Speiseröhre, Röntgendarstellung der 364. 

Spenglers I-K-Therapie und ihr Einfluß auf die 
Zerstörung der Tuberkuloseerreger 59. 

Spezifitätsproblem, Robert Koch und das 
250. 

Spieß-Vernebler, Glyzirenanbehandlung mit 
demselben bei Asthma bronchiale mit Bron¬ 
chialkatarrh 511. 

Spina bifida occulta, röntgenologischer Nach¬ 
weis der 488. 

Spirochätenherde, Widerstandsfähigkeit lokaler, 
bei reiner Salvarsanbehandlung 631. 

Spontangangrän und verwandte Erkrankungen, 
konservative Behandlung und Heilerfolge 

198 . 

Sprachlaute, Verwendung der Röntgenstrahlen 
für die Physiologie der 489. 

Sprachstörungen, Vorlesungen über (Liepmann) 
576. 

Spritze für sterile Injektionen 244. 

Sprudelsalz, Karlsbader, Gewinnung desselben 
107. 

Staphylokokkenbehandlung eines Diphtherie¬ 
bazillenträgers 315. 

Starkstromverletzungen, Behandlung 382. 

Stauungsmanschette zur intravenösen Injektion 
496. 

Sterilisation von Vakzinen ohne Desinfizientien 
unter Erhaltung der Virulenz 635. 

Sterilität, weibliche, Bäderbehandlung 53. 

Stickstoffeinblasungen in 'die Bauchhöhle bei 
Peritonitis tuberculosa 372. 


Stickstoffwechsel bei abundanter Kohlehydrat¬ 
kost im Infektionsfieber 239, —, Natrium- 
nitralfüttemng und 237. 

Stoffwechsel bei Geisteskrankheiten 50, —, 
intravenöse Zuführung von Eiweißabbau¬ 
produkten und ihre Verwertung im 434, — 
bei überreichlicher Kohlehydratkost 239, — 
bei Schilddrüsenbehandlung 298, — -krank- 

heiten, Diätetik der 172,-krankheiten, 

L Tagung für Verdauungs- und, in Homburg 
v. d. Höhe 64,-Physiologie, Verdauungs¬ 
und 236,-Störungen, Gelenkaffektionen 

und 297,-versuche nach Dünndarmreak¬ 

tion und Wertigkeit des Jejunum und Hfeum 
528. 

Strahlenbehandlung und Chemotherapie (intra¬ 
venöse) bei Uteruskarzinom 56, —, Absorp¬ 
tion der ß -, y- und Röntgenstrahlen im Ge¬ 
webe 499, — in der Gynäkologie 374^ 537, 
572, — des Krebses 376, 573, — der Neu¬ 
bildungen innerer Organe 562, — physika¬ 
lische und biologische Grundlagen 629, 

— mit Sekundärstrahlen 311, —, Theorie 
ihrer Wirkung, insbesondere über Latenzzeit 
bei der 537, — der chirurgischen Tuber¬ 
kulose 442, — von Tumoren 441, — von 
Tumoren, Unterstützung und Ersatz der¬ 
selben 497. 

Strahlende Energie, Ersparnis derselben bei 
Karzinombehandlung 313. 

Strahlendosi8, Maßbezeichnung derselben bei 
der Radium- und Mesothoriumtherapie 600. 

Strahlenfilter, Sekundärstrahlen und 487. 

Strahlentiefentherapie 485, 572. 

Strahlenwirkung radioaktiver Substanzen, phy¬ 
sikalische und biologische Grundlagen 375, 

— radiaktiver Stoffe, Grundlagen derselben 
und ihr Ersatz durch Röntgenstrahlen 185. 

Strahlung, Körper-, Abblendung der 485. 

Strahlungsgemisch der Röntgenröhre und seine 
Bedeutung für die Tiefenbestrahlung 485. 

Streckapparat, Gymnastik in demselben bei 
beginnender habitueller Skoliose 571. 

Stromkurve des isolierten Säugetier- und Men¬ 
schenherzens bei indirekter „fluider“ Ab¬ 
leitung 530. 

Studienreisen, ärztliche 64, 320. 

Stuhlverstopfung, s. Obstipation 257. 

Stützkorsett, Cellon- 495. 

Summtherapie bei Bronchialasthma 598. 

Suprarenin bei Asthma 251,-Kochsalzlösung 

und Aderlaß bei pneumonischer Herzschwäche 
180. 

Swift - Ellissche Behandlung der Syphilis des 
Zentralnervensystems 604. 


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XXVI 


Sachregister. 


Sydenhams Chorea, Diagnose, Prognose und 
Behandlung 808. 

Sympathikustonus, Magenform bei gesteiger¬ 
tem 570. 

Syphilis (s. a. Salvarsan) 293, — Abortiv¬ 
behandlung 817, —, abortive Behandlung 
derselben mit Salvarsan 509, —, Balneo¬ 
therapie 104, —, Behandlung in Badeorten 
unter Einfluß der modernen Syphilisforschung 
438, —, moderne Behandlung der 508, — 
-Behandlung und Wassermannsche Reaktion 
317, — congenita, heutige unzureichende 
Behandlung derselben 632, —, Fieber als 
einziges Symptom bei latenter 317, 
—, Fortschritte in der Behandlung 
der 509, —, Gebrauch und Mißbrauch 

von Salvarsan und Hg bei 381, —, 
Gelenkaffektionen bei 294, —, Gerinnungs- 
reaktion bei 565, —, Grundfragen der Be- ! 
handlung 540, —, Neosalvarsan bei 446, — 
des Nervensystems inklusive Behandlung 
mit intravenösen Neosalvarsaninjcktionen 
und Hg-Einreibungen 575, —, Reinfektion 
der 575, —, Salvarsan und Hg bei 509, —, 
reine Salvarsanbehandlung 541, —, Salvar- 
sanbehandlung, Klinisches und Statistisches i 
190, — des Zentralnervensystems, Behand¬ 
lung nach Swift und Ellis 604,-behand- 

lung, moderne, Abortivheilungen und Neuro- 
rezidive bei derselben 603, — -infektion, 
katamnestisch verfolgte Fälle von 127, — 
-pathologie und Salvarsan Wirkung 508. 

Syphilitische Nervenkrankheiten, Therapie der¬ 
selben 510. 

„TA“, Diphtherieschutzmittel 574, —, —, In- ; 
dikationen und Kontraindikationen 566. 

Tabes, arachnoideale Injektion mit Serum von 
Syphilitikern bei 507, —, Mechanotherapieder 
Ataxie 309, —, Salvarsanbehandlung 508,631. 

Tabesbehandlung, moderne 126, — mit hoch¬ 
gespannten Wechselstrom 293. I 

Tabische Arthropathien, Röntgenbilder 488. 

Taubheit, Hörübungen undHürgymnastik bei 243. 

Telekardiograph 430, —, Ersatz des Orthodia- 
graphen durch den 186. 

Telekardiographie, Vorzüge der 530. 

Teleröntgenographie, Herzmessung durch Ortho¬ 
diagraphie und 56. 

Temperaturmessung und Normaltemperaturen 
565. 

Temperaturregulierungszentren, lokale Erwär¬ 
mung derselben in ihrem Einfluß auf die 
Körpertemperatur 640. 

Temperatursteigerung, menstruelle, bei Lungen¬ 
tuberkulose 635. 


Tetanus, Serumtherapie bei, und ihr Wert 188. 

Thalassotherapie, Erfolge der 296. 

Therapie an Bonner Universitätskliniken 446, 
—, ätiologische, Fortschritte derselben 504. 

Thermalbadekuren, Technik beim funktions¬ 
tüchtigen Herzen 297. 

Thermalbäder, natürliche kohlensäurehaltige, 
und Zirkulationsapparat 598. 

Thermenwirkung bei Gelenkversteifungen 870. 

Thermokauter bei Furunkulose im Säuglings¬ 
alter 494. 

Thermopenetration bei inneren Krankheiten 602. 

Thorakozentese ohne Aspiration 439. 

Thoraxbewegung bei der Atmung 180. 

Thoriumbehandlung, Radium- und, bei Tumoren, 
Gicht, Rheumatismus, Neuralgien und Blut¬ 
krankheiten 313. 

Thorium X bei Anämia perniciosa 376, —, 
biologische Wirkung 247, — bei Hautkrank¬ 
heiten 246, — bei inneren Krankheiten 26* 
117, 375, — -Injektionen, Blutdruck nach 
247, — -Intoxikation, Adrenalingehalt der 
Nebennieren bei 247, — bei Leukämie 118. 

Thrombose, Behandlung 256. 

Thymus 506, — persistens, röntgenologische 
Unterscheidung von Mediastinaltumor 431. 

Tbyreoidismus des Alters 567. 

Tiefenbestrahlung (siehe auch Röntgenbestrah¬ 
lung) 485, —, Apparat für 485, —, Ersatz 
radioaktiver Substanzen bei derselben durch 
Röntgcnstrahlen 313, —, Neuerungen 487, 
—, Strahlungsgemisch der Röntgenröhre und 
seine Bedeutung für die 485, — Technik 374. 

Tiere, Lichtreaktionen auf Pflanzen und 630. 

Tonische Innervation 511. 

Tonsillen, Elektrophorese derselben bei Dipli- 
theriebazillenträgern 600. 

Toxämie, intestinale, Symptome und Behandlung 
434. 

Toxämische Dermatosen 434. 

Toxin-Antitoxingemische, Immunisierung gegen 
Diphtherie mit denselben 122. 

Trachom, ultraviolettes Licht bei 310. 

Transfusion, direkte, von Schwangerenblut bei 
unstillbarem Schwangerschaftserbrechen 123, 
—, Gefahren und deren Verhütung 181, — 
mit serumhaltigem und serumfreiem Blut 506. 

Traubensaft als Nahrung und Heilmittel 367. 

Traubenzuckerlösungen, Einführung derselben 
in den großen Kreislauf zwecks Ernährungs¬ 
behandlung des Herzens 608. - 

Trichobezoar des Magens 365. 

Trigeminusneuralgie, Alkoholinjektionen bei 55, 
—, intrakranielle Injektionen bei 495. 

Trinken und Verdauung 304. 


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Sachregister. 


XXVII 


Tropen, Gesondheitsratgcber für die 53. 

Tropenmedizin, Probleme der 438. 

Tranecek-Serum bei Arteriosklerose 504. 

Tryptophangehalt and Peptonwirkung 175. 

Tuberkelbazillen in Blut und Milch beim 
Menschen 367, —, Erzeugung von Tuber- 
kuloseimmunität durch 504, —, Verminderung 
derselben in strömendem Blute bei Tuber¬ 
kulinbehandlung 249, —, virulente, im Blut 
nach diagnostischen Tuberkulininjektionen 
444. 

Tuberkulin 250, —, Anwendung und Wirkungen 
444, —, Kontrastphänomen bei lokaler Appli¬ 
kation von 504, — Hosenbach bei Tuber¬ 
kulose der Kinder 59, —, Tuberkulose und 

444. 

Tuberkulinbehandlung 249, —, ambulante 59, 
189, — in der Praxis 122, — im Vergleich 
zu andern Methoden 58, — und Nephrek¬ 
tomie bei Urogenitaltuberkulose 123, — mit 
Sanokalzintuberkulin 250, —, Tuberkel- 

bazillenverminderung im strömenden Blute 
bei 249. 

Tuberkulininjektionen, probatorische, Verhalten 
der Leukozyten und Eosinophilen nach den¬ 
selben 604, —, virulente Tuberkelbazillen 
im Blut nach diagnostischen 444. 

Tuberkulinreaktion, Beeinflussung der kutanen 
und intrakutanen — durch Serum 248. 

Tuberkulin-Quecksilberbehandlung der Paralysis 
progressiva 379. 

Tuberkulomucin (Weleminsky) 443, 444. 

Tuberkulose (siehe auch Phthisis, Lungentuber¬ 
kulose), Auswahl der Kranken für die 
Heilstättenkur 54, —, Behandlung 539, —, 
Behandlung nach Deyke-Much 188, —, 
Behandlung, Experimentaluntersuchungen 
245, —, kindliche, Behandlung an der See 
299, —, Blindschleichenvakzine bei 567, —, 
chirurgische, Heliotherapie derselben309,503, 
—, chirurgische, künstliche Belichtung bei 
derselben538,539, —»chirurgische,Licht- und 
Strahlenbehandlung 119,442, —, chirurgische, 
physikalische Behandlung 308, —, Ein¬ 
dämmung der 250, —, Erfolge der Behand¬ 
lung in Nervi 306, —, Ernährung bei, im 
Tierexperiment 238, —, Fleischsafttherapie 
bei 51, —, Friedmanns Behandlung der 248, 
539, 632, —, Hochgebirgskur bei 179, — und 
Kalkgebirge 241, — der Kinder, Rosenbachs 
Tuberkulin bei 59, —, Klimabehandlung der 
494, —, Ovarienpräparatc und (kombinierte) 
Organtherapie bei 445, —, Pneumothorax¬ 
therapie 54, —, Quarzlichtbestrahlung bei 
443, —, Hippenknorpelverknöcherung bei 


567,, —, Seehospize und Kinderheilstätten 
im Kampf gegen 114, —, Siliziuihbehandlung 
532, — und Siliziumstoffwechsel 532, —, 
Tuberkulin und 444, Weiß’ Harnreaktion 
bei 640. 

Tuberkulöse Halslymphome, Röntgentherapie 
312, — Hautgeschwüre, Blaulichtbehandlung 
88, — und prädisponierte Kinder, Ruhe und 
Übung derselben in der Schule 307. 

Tuberkulosebekämpfung, Reichsversicherungs- 
ordnung und Angestelltenversicherung in 
ihrer Bedeutung für die 446. 

Tuberkuloseerreger, I-K-Therapie Spenglers und 
ihr Einfluß auf die Zerstörung der 59. 

Tuberkuloseforschung, Jahresbericht (Köhler) 
255. 

Tuberkulose-Immunität durch Tuberkelbazillen 
504, —, Wesen der 505. 

Tuberkulosemittel Friedmanns 294, 505, — bak¬ 
terielle Verunreinigungen desselben 505, 

— bei Lupus 505. 

Tuberkuloseprophylaxe durch Körperübungen 
im Freien 114. 

Tuberkulose träger in offenen Kurorten und Heil¬ 
anstalten 292. 

Tumoren (s. a. Neubildungen), inoperable, Be¬ 
handlung 374, 637, —, maligne, moderne 
Behandlung 635, — —, Radiotherapie der¬ 
selben 116, 441, — — —, Unterstützung 
und Ersatz derselben 497, — — — und 
Chirurgie derselben 185, — —, Radium¬ 
therapie derselben 183, 314, 374, 574,- 

Radium- und Mesothoriumtherapie derselben 

57,-und Röntgentherapie derselben 

299, —-und Thoriumbchandlung der¬ 

selben 313, — —, Röntgenbehandlung 432, 
-, bei tiefem Sitz, neue Wege 182, 

— —, Tumorextraktbehandlung derselben 
602. 

Tumorextraktbehandlung bei malignen Ge¬ 
schwüren 602. 

Typhus in Kur- und Badeorten, Anzeigepflicht 
bei Verdacht auf denselben 114, —, Vak¬ 
zinebehandlung 123, 189, 506. 

Typhusbazillenträger, Bazillen in der Mundhöhle 
bei denselben 576. 

Typhusimmunisierung in Hospitälern und 
Medizinschulen New Yorks 634. 

Typhusvakzine, Wirkung auf die Zuckeraus¬ 
scheidung bei Diabetes 381. 

Tvphusvakzination, Wert derselben für bürger¬ 
liche Gemeinschaften 315. 

Typhusverbreitung durch Milch und ihre Ver¬ 
hütung 304. 


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XXVIII 


Sachregister. 


Überanstrengung, geistige, Einfluß derselben 
auf das Herz und die Entstehung von Ar¬ 
teriosklerose 383, —, Herzschwäche durch 
243. 

Überempfindlichkeit von Kaninchen bei Rein- 
jektion und Körpertemperatur 123. 

Überernährung als Krankheitsursache 636. 

Übung und Ruhe in der Schule bei tuberkulösen 
und prädisponierten Kindern 307. 

Übungsbehandlung der Paralysis agitans 65, 

— bei Viszeroptose mit besonderer Be¬ 
rücksichtigung der Methode von W. Curtis- 
Adam 572. 

Ulcus duodeni, s. Duodenalgeschwür, — pylori, 
s. Pylorusgeschwür. 

Ultraviolettes Licht bei Trachom 310. 

Ulzerationen, Heißluftbehandlung 307, —, ner¬ 
vöse Entstehung peptischer 625. 

Undostat, Oscillador und, Prinzip und Anwen¬ 
dung 81. 

Universitätskliniken, Therapie an den Bonner 446. 

Unterkühlung, Ermüdung markhaltiger Frosch^ 
nerven bei starker 241. 

Unterschenkelgeschwür, Heußsche Klebrobinde 
bei 494, —, Klebrobindenbehandlung 114. 

Urogenitaltuberkulose, Tuberkulin - Nephrekto¬ 
miebehandlung 123. 

Urticaria, diätetische Therapie 110. 

Utero-Ovarialtumor mit spastischem Syndrom 
im linken Knie bei einer Basedowkranken, 
Röntgenbehandlung 497. 

Uterus bei Mesothorium- und Röntgenbestrah¬ 
lung 117. 

Utcrusblutungen, Moorbäder bei 298. 

Uterusfibrom, Wert der Röntgenbehandlung bei 
497. 

Uteruskarzinom, Radiumbehandlung 183, 245, 
500, —, Strahlenbehandlung 537, —, Strahlen- 
und Chemotherapie (intravenöse) bei 56. 

Uterusmyome, Behandlung 601, —, Röntgen¬ 
therapie 116. 

Vagusdruckversuch 529. 

Vagusprüfung, respiratorische Arhythmie und 
529. 

Vagustonus, Magenform bei gesteigertem 570, 
—, Seekrankheit und 191. 

Vakzinales Virus (reines), Auf Schließung, Iso¬ 
lierung und Einengung desselben aus tieri¬ 
schen Schutzblattem auf mechanischem 
Wege 189. 

Vakzinebehandlung der Akne 123, — der kind¬ 
lichen Gonorrhoe 506, — bei Pyelitis (Bac- 
terium lactis aerogenes) 381, — des Rheuma¬ 
tismus chronicus und seine Ursache 633, 

— des Scharlach 633, —, Scleroderma 


respiratorium der Nase und des Rachens, 
Besserung derselben durch physikalische 
Therapie nach Erfolglosigkeit der 506, — 
mit sensibilisierten Vira 380, — des Typhus 
123, 189, 506. 

Vakzinen, Graduierung derselben auf Grund der 
Opazität 315, —, Sterilisation derselben 
ohne Desinfizientien unter Erhaltung der 
Virulenz 635. 

Variköser Symptomenkomplex, Klebrobinden¬ 
behandlung 114. 

Varizellenschutzimpfung 250. 

Vegetabile Milch und Kuhmilch,' röntgenologi¬ 
sche Bestimmung ihrer Verweildauer im 
Magen nebst Kritik der Kapselmethode 888, 
479. 

Vegetabilische Diät bei Blutdrucksteigerung 
240. 

Venenpunktion, Instrumente für 244. 

Verbrennungen, Alkoholbehandlung 308. 

Verdauung und Trinken 304. 

Verdauungsfermente bei Säuglingen 52. 

Verdauungsinsuffizienz, schwere, jenseits des 
Säuglingsalters 173. 

Verdauungskrankheiten, Röntgendiagnostik der¬ 
selben und ihre klinische Bewertung 490, 
—, spastische 301, —, I. Tagung für Stoff¬ 
wechsel- und, in Homburg v. d. Höhe 64. 

Verdauungsphysiologie, Stoffwechsel- und 236. 

Verdauungsstörungen im Kindesalter, Karlsbader 
Wasser bei 103. 

Verfettung parenchymatöser Organe 531. 

Verletzungen, balneologische Nachbehandlung 
103. 

Veronal, anatomische und funktionelle Nieren¬ 
störungen durch 565. 

Verweildauer von vegetabiler und Kuhmilch im 
Magen, röntgenologische Bestimmung der¬ 
selben nebst Kritik der Kapselmethode 885, 
479. 

Vials tonischer Weih, Berichtigung 608. 

Vierzellenbad, Diathermierung im, und nach 
Bergoniä 58. 

Vira, sensibilisierte, Vakzinetherapie mit den¬ 
selben 386. 

Virus, vakzinales (reines), Auf Schließung, Iso¬ 
lierung und Einengung desselben aus tieri¬ 
schen Schutzblattern auf mechanischem Wege 
189. 

Viszeroptose, Übungsbehandlung und die Me¬ 
thode von W. Curtis-Adam bei 572. 

Vitaminlehre, Diät und Diätbehandlung vom 
Standpunkte der 301. 

Vorderarm, experimentelle Stauchung und Bie¬ 
gung am vorderen Ende desselben 488. 


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Sachregister. 


XXIX 


Vorderblenden zum Ausschalten der Sekundär¬ 
strahlen bei Röntgendurchleuchtungen und 
-aufnahmen 486. 

Yorsteherdrüsenentzündung, physikalische Be¬ 
handlung 58, 446. 

Vortragszyklus, Karlsbader, über Balneologie 
und Balneotherapie 102. 

Wachstum und Ernährung 568. 

Wärme-Lichtstrahlen, Heilwirkungen der 443. 

Wärmeregulation, Blutzucker und 175. 

Wasseraus8cheidung durch die Lunge unter 
normalen und pathologischen Verhältnissen 
567. 

-.Wasserfehler“, Kochsalzfieber und 190, —, 
Lehre vom 881, — bei Salvarsanbehandlung 
509. 

Wassergehalt in Fleisch- und Wurstwaren, Be¬ 
stimmung desselben 597. 

Wassermannsche Reaktion, Syphilistherapie und 
317. 

Wasserstoff Wechsel bei Nephritis chronica 308. 

Wechselstrom, hochgespannter, bei Tabes 293. 

Weib, Geschlechtsleben desselben unter Einfluß 
von Rasse und Klima 53, —, Sterilität des¬ 
selben, Bäderbehandlung 53. 

Wein, Vials tonischer, Berichtigung 608. 

Weiß' Harnreaktion bei Tuberkulösen 640. 

Wildungen, Kohlensäure in und über Bade¬ 
wässern von 437. 

Winter, Wirkung des Höhenklimas im 241. 

Winterkuren an der Nordsee 307. 

Wunden, granulierende, Behandlung 240. 

Wannfortsatz, gesunder und kranker 429. 

Wurstwaren, Wassergehaltsbestimmung in 597. I 


Wüstenklima 833, 898, 461, —, Meteorologi¬ 
sches und Physiologisches 293. 

Zahnwechsel, innere Sekretion und 445. 

Zeitschrift für Sexualwissenschaft 256. 

Zellenbau, spezifischer, in den einzelnen Orga¬ 
nen; neues biologisches Gesetz 192. 

Zentralkomitee für ärztliche Studienreisen 64. 

Zentralnervensystem, Syphilis desselben, Be¬ 
handlung nach Swift und Ellis 604,- 

—, Salvarsanbehandlung 508. 

Ziegenspeck-Brandts gynäkologische Massage, 
Fortschritte und Erfolge 91. 

Zirbeldrüse, s. a. Epiphyse. 

Zirkulationsapparat unter Einfluß von natürlichen 
kohlensäurehaltigen Thermalbädern 598. 

Zirkulationsstörungen, Balneotherapie der 106. 

Zomotherapie bei Tuberkulose 51. 

Zucker, primäre und sekundäre Überproduktion 
desselben bei Diabetes 367. 

Zuckerabbau unter Einwirkung bisher unbe¬ 
kannter Pankreasbestandteile 436. 

Zuckerbestimmung 238. 

Zuckerdiät bei „intolerantem u Magengeschwür 

111 . 

Zuckerinjektion, intravenöse, Hyperglykämie 
beim Menschen durch 111. 

Zuckerklistiere bei Diabetes mellitus 174. 

Zuckerkrankheit 568, —, Theorie der 173. 

Zuckerresorption 175. 

Zuckerstich, Wirkungen desselben nach Neben¬ 
nierenexstirpation 640. 

Zuckerverbrennung bei Pankreasdiabetes 531, 

624. 

Zwerchfellshochstand, einseitiger 567. 


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Autoren-Register 


Abderhalden 192. 

Abelin, J. 509. 

n und Pereistein 491. 
Abi 564. 

Adler, L. 540. 

„ 0. 528. 

Aimes 310. 

Alba 104, 490. 

Alexander, A. 532. 

Allmann 247. 

Altschul, W. 488. 

Altstaedt, £. 188. 

Alter 509. 

Alwens 563. 

Amrein, 0. und Lichtenhahn, 
F. 181. 

Amtsohislawsky, M. 502. 
Anders, J. M. 114. 

Andersen, A. C. 302. 

Arai, T. 492. 

Arany, S. A. 153. 

Arends 241. 

Arima, R. und Tanaka, M. 249. 
Arneth 113, 376. 

Arnheim 631. 

Arnoldi, W. 180, 303. 

Aron, H. 568. 

Aronson, H. 444. 
d’Arsonval, A. 121. 

Aubertin u. Beaujard, E. 245. 
Auel 491. 

Auerbach, 8. 371. 

Austin, Cecil Kent 605. 

Bab, H. 252. 

Bache, Auel, David 491. 
Bacmeister 563. 

Bachmann 430, 488. 

Baeyer, H. v. 809, 529, 535. 
ßaginsky, A. 191. 

Ballenger, E. G. and Eider, 
0. F. 124. 

Bang 236. 

Bange, L. Bolton 501. 
Barantschik 435. 


Barth 528. 

Baerthlein, K., und W.Huwald 
489. 

Bassenge, R. 118. 

Baudouin, G. 305. 

Baumbach 536. 

Beaujard, E. 245. 

Becher, H., und R. Koch 631 
„ H., und H. Waegeier 

632. 

Beck, C 59 

Becker, W., und E.Papendieck 
Behn 488. [449. 

v. Behring 566, 574. 

„ u. Hagemann 574. 
Belot 307. 

Beltz 430, 565. 

Benario, J. 62, 575. 

Bender, G. 367. 

Bennecke 60. 

Bäraneck, E. 444. 

Berg, R. 38, 109. 

| Berger 190. 

Bergl, K. 244. 

! v. Bergmann, G. 177. 

B6riel und Durand 507. 
Berkeley, W. N. 507, 570. 
ßesredka, A. 380. 
j Bessel-Lorck 309. 

Beyer, W. 60. 
v. Bibra 626. 

Bickel, A 313. 

Bieck 58, 446. 

Biermann 505. 
j Bing, R. 61. 

• Birk, W. 318, 319. 

J Bishkow 315. 

Bittorf 564. 

Blaschko, A. 540. 

Blasi 312. 

Blum, L. 176. 

Blumberg 487. 

Bodländer, F. 508. 

Boas 170. 


Bockhorn 297. 

Boden 530. 

Böhm, M. 495. 

Boehm, R. 436. 

Böhme, A. 528. 

„ W. 566. 
von Bokay, A. 51. 

Bönninger 529. 

Borgbjärg 528. 

Bornstein, A. 50. 

Brackmann 371. 

Bradford, Stella, S. 572. 
Brandenburg 296. 

Bratz 306. 

Brauer 291, 292, 294, 295, 299. 
„ A. 505. 

„ L. 505. 

Braun 486. 

„ fl. 486. 

Breitmann 308. 

„ M. J. 368. 

Brieger, L. 242, 292, 369. 
Brill, C. 443. 

Brösamlen 604. 

Brotherus, W. E. 320. 

Bruce, L. C. 315. 

Brückner 372, 565. 

„ G. 26, 303. 
Brugsch, T. 190. 

Brüning, A. 50. 

Bruns 295. 

„ 0. 243, 530. 

Bucky 485, 486. 

Büdingen, Th. 608. 

Bugbee, fl. G. 502. 

Bumm, E. 376. 

Bürker 530. 

„ K. 241. 

Burrows, E. C. 381. 

„ F. 490. 

Burstein 309. 

Busse 187. 

Buth 627. 

Büttner 170, 171, 371. 


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Original fro-rn 

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Autoren-Register. 


XXXI 


Cadwalader, W. B. 115. 
de la Camp 563. 
Camphau8en, A. 250. 
Cantieri, C. 19t. 

Carman, R. D. 498. 

Carpi, U. 536. 

Caralla 58. 

Chajes, B. 381. 

Chevassu 123. 

Chilalditi 312. 

Citron 509. 

Cloetta und Waser 640. 
Cohn, M. 429. 

r S. 47. 

Cohnheim 299. 

Cole, Lewis Gregory 498. 
Collin, A. 126. 

Collins, J. 126. 

Cornelius 545* 

Crämer, Fr. 300. 

Crone, E. 600. 

Croner, W. 172. 

Csöpai, K. 61. 

Cukor 298. 

Cuno, Fritz 574. 

Curschmann, H. 49, 527 
Cyriax, E. F. 75, 242. 
Dalmady 178. 

Daude, 0. 53. 

Daus, S. 54. 

Dautwitz, F. 183. 

David 429, 491. 

„ und Rolly 367. 
Davidoff, M. 115. 

Davidsohn 374. 

Decker 491. 

Deetjen 531. 

DegTais 246. 

Deguy 372. 

Delachaux, C. 186. 

Delormes 488. 

Desbouis 246. 

Dessauer 182, 485, 487. 

* F. 57, 442. 

„ und Wetterer 573. 
Desx, M. 509. 

Determann 292, 293, 527. 

„ H. 561, 382, 393. 
Determeyer 171. 

Dettmar 297. 

Deutsch, J. 193. 

Deycke, G. und Altstaedt, E. 
188. 

Diefenbach, W. H. 314. 

Diem 598. 


Dietlen, H. 56. 

Dietschky, R. 54. 

Disquö 303. 

Döderlein, A. und v. Seuffert, 
E. 377. 

Doty, A. H. 189. 

Dove 307. 

Dreyfus 508. 

Duchamp 445. 

Dufour 506. 

Dumstrey 251. 

„ F. 242. 
v. Düngern 531. 

Durand 507. 

Eberlein 431. 

Ebersole, R. E. 31. 

Ebert 439. 

Ebstein, Erich 164, 587. 
Eckert 485. 

Eckstein 433. 

Edel 307. 

Egert, W. 504. 

Egger, F. 179. 

Ehrlich, Fr. 436. 

Einhorn, M. 257, 533. 

Eisler, F. und Lenk, R. 182. 
Eisner, G. 177. 

Eider, 0. F. 124. 

Embden 530. 

Engel, St. 489. 

Eppinger, H. und Gutmann, J. 
174. 

Eskuchen, K. 604. 

Euler 573. 

Evler 431. 

Ewald, C. A. 110 
Ewers 599. 

Eymer 431. 

Faber, Erik E. 636. 
Fackenheim 529. 

Fahr 294. 

Fahrenkamp, K. 529. 
Falconer, A. W. 251. 

Falk, E. 430. 

Falta 108, 185. 

* W. 531, 596. 

Faulhaber, M. 311. 

Faust, E. St. 526. 

Feldmann, A. 47. 

Fenoglietto, E. 439. 

Fernau und Schramek 121. 
Fernet 243. 

Ferry, N. S. 633. 

Finkelnburg, R. 446. 

Fischer 383. 


Fischer, A. 385. 

„ A. und H. 48. 

„ A. und L. Katz 479. 
„ B. 304. 

,, J. 191. 

Flatow 531. 

Fleischmann 563. 

Ford, J. S 537. 

Forschbach 495. 

„ und Severin 380. 
Forssell, G. 373, 441. 

Förster, A. 114. 

Fox, R. F. 305. 

Francis, A. 381. 

Frank, E. 173. 

Franke, G. 238. 

Fraenkel 294, 527, 531. 
Fränkel, A. 429. 

, M. 432. 
v. Franquä 496. 

Fronz 103. 

Frentzel-Beyme 293. 

Freund 185, 378. 

„ H. 190, 628. 

„ H. und Marchand, F. 

175, 640. 

Frick 486. 

Friedberger, E. 123. 

„ E, und Mironescu 
635. 

Friedländer 431, 433, 527. 

» R- 

Friedmann, F. F. 539, 632. 
Friedrich 382. 

Fritsch 312. 

Fröhlich, A. und Pick, E. P. 

124, 125. 

Fuld 528. 

Funk, C. 301. 

Funke, R. 529. 

Fürstenberg, A. 292. 
Ganghofner 122. 

Gans, 0. 496. 

Ganz, E. 570. 

Gara 297. 

Gastinel 372, 627. 

Gaugele 495. 

„ und Schüßler 505. 
Gaultier, R. 438. 

Gaupp 525. 

Gauß 432, 498, 563. 

Gennerich 508, 510. 

Gerhardt 529. 

Gilbert 529. 

Gillot 633. 


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Original fro-rn 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



XXXII 

Autoren-Register. 


Glaß, E. 495. 

Haendly 182. 

Hofmann, F. B. 528. 

Gmelin 306. 

Händly, P. 56, 116, 117. 

„ W. 576. 

Goldscheider 104, 526, 529. 

Hänisch 364, 429. 

Hoehl, E. 81. 

Göppert 527. 

Harris, M. L. 490. 

Holitzsch 428. 

Gött 640. 

Härtel, F. 55, 495. 

Holzknecht, G. 312, 364, 428, 

Gottheil, S. und L. Satenstein 

Hartmann 59, 189. 

429, 485, 486. 

504. 

Harwey, F. W. 507. 

Hoene 599. 

Gottlieb, R. 529. 

Hasebroek, K. 317. 

Hornemann, O. und Thomas, 

Grabley, P. 63. 

Haudek 364, 365, 428. 

A. 238. 

Ißrafe, E. 239, 531, 532, 624. 

Haupt 293. 

v. Hoeßlin 529, 563. 

„ und Wintz, H. 237. 

Havas 297. 

Hügel 118. 

v. Graff, E. 410. 

Hecht und Nadel 252. 

Hüht, F. 127. 

Grashey 488. 

Hecker, Prof. 1. 

Huismans 186, 430, 530. 

Graeßner 488. 

Hedinger und Schlayer 435. 

Hürthle, K. 382. 

Greeley, H. 633. 

Hegler 299. 

Huwald, W. 489. 

Griesbach 531. 

von der Heide 437. 

Ide 296. 

Grintschar 506. 

Heidenhain 599. 

Immelmann 431, 486. 

Grieson 487. 

Heile, B. 496. 

Isaac, S. 532, 535. 

Grob, A. 4*8. 

Heimann 431, 440. 

Jacksch, Prof. Dr. v. 102. 

Grober, J. 256, 301, 320, 382, 

Heineke 312, 431, 537. 

Jacob 297, 529. 

607. 

Heisler, A. 240, 596. 

„ J. 83. 

Gröbbels, F. 304. 

Heitz 493. 

Jacobi, G. 626. 

Grödel 106, 364. 

Henius, K. 567. 

Jacobsen, Aage, Th. B. 304 

Groedel, F. 292. 

Henkel, M. 374, 537. 

Jacobsohn, L. 191. 

„ F. M. 298, 429, 485. 

Henriques, V. 302. 

Jacobs, Fr. 437. 

Grop 317. 

Henschen 494. 

Jaffe 297. 

Grosch 296. 

Hergens 248, 538. 

Jahn 171. 

Groß 531. 

Hering 529. 

Januschke 568. 

Großmann, G. 486, 487. 

Herrligkoffer und Lipp 54. 

Jerusalem, M. 503. 

Grube 295, 299. 

Hertwig 431. 

Jesionek 539. 

Gramme 507. 

Hertz, Povl 596. 

Jessen 563. 

Grand 365, 566. 

Hertzell 295, 297. 

„ F. 495. 

Granmach 364, 431. 

Heß, C. 630. 

Jeßner, M. 246. 

Guber, A. 445. 

„ W. R. 637. 

Josefson, A. 445. 

Gudzent 118, 246. 

Hesse 295, 297. 

Joseph 504. 

„ F. und L. Halber- 

Hessel 364. 

Judt, J. M. 430. 

städter 500. 

Heßmann 431, 432. 

Jüngerich 256. 

Guerra-Coppioli, L. 640. 

Heubner 530. 

Jungmann 565. 

Guggenheimer, H. 39. 

v. Heuß, R. 114. 

„ P. 63. 

Guiard 509. 

Heyerdahl, S. A. 442. 

Kahle, H. 532. 

Günzel, 0. 248. 

Hindhede, M. 239, 287. 

Kakowski, A. 325, 407. 

Guth, E. 443. 

Hinkel 302. 

Kakovsky 602. 

Guthrie, D. J. 446. 

v. Hippel 531. 

Kaliski, J. 181. 

Gutmann, J. 174. 

Hirsch 296, 29 

Kämmerer, H. 60, 566. 

„ S. 492. 

„ J. 124. 

Karewski, F. 366. 

Haasemann, Elise 47. 

Hirschberg, M. 111. 

Kassowitz, M. 172. 

Häberlin 296. 

Hirschfeld 565. 

Katz, L. 385. 

Hagemann 574. 

n A. und Lewin 6. 

„ L. und A. Fischer 479. 

Hahn 566. 

* H. 383. 

Kaufmann, H. 113. 

Hahn, B. und Sommer, F. 379. 

Hirschstein 298. 

Keetman, B. 116, 499. 

Halberstädter, L. 500. 

Hofbauer 529, 598. 

Keil, A 180. 

Hall 236. 

„ Ludw. 627. 

„ Georg 572. 

Hallion 380. 

Hoffmann, Prof. 107. 

Keitler, H. 245. 

Hamburger, R. 506. 

1 „ J. 191. 

Keller, A. 318. 

Hammer 487. 

! „ P. 529. 

* R. 187. 


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Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



Autoren-Register. 


xxxrn 


Keinen 295. 

Kerl 317. 

v. Kern und Wiener 173. 
Keysser, F. 125. 

Kiefer, G. L., und N. S. Ferry 
633. 

Kionka, Prof. 105. 

Kirchberg, Fr. 495. 
Kirschstein, A. 59. 

Kittel 504. 

Klee, Ph. 570. 

Klein, G. 442, 600. 

„ H. V. 17. 

Kleinschmidt und Viereck 
188. 

Klepetar 437. 

Klewitz 127. 

Kling, C A. 250. 

Klinger 565. 

Klotz, Max 615. 

* R. 313. 

y. Knaffl-Lenz 175. 

Knopf, S. A. 307. 

Knorr 627. 

Knox, R. 574. 

Koblanck 538. 

Koch, R. 315, 631. 

Kocher 564 

„ R. A. 607. 

Köhler, Rud. 564. 

Köhler, Alban 364, 488. 

„ F. 54, 255. 

„ R., und Otto Schind¬ 

ler 500. 

Kohn, S. 173. 

Kohnstamm, 0. 527. 

Kolle, W. 250. 

König, Fr. 601. 

„ J. 109. 

Königsberger 498. 

Kömicke 363. 

Körösy, K. v. 175. 

Kragh, J. R. 600. 

Kraus, F. 182, 366. 

„ F. und Brugsch, T. 190. 

* Hugo 317. 

„ 0. 567. 

Krause, Paul 362, 363, 432. 
Krebs 296. 

Kreiß 488. 

Kretschmer, M. 206. 

Krinski 498. 

Krohl, P. 189. 

Kromayer 255. 

Krone 297, 298. 


Krönig, Gauß, Krinski, 
Lembcke, Watzen und Kö¬ 
nigsberger 498. 

Krüger, H. 443. 

Krukenberg, H. 115. 

Kucera, V. 139. 

Kühl 367. 

„ H. 112. 

Külbs 530. 

Küpferle 433, 563. 

„ L. 441. 

Kupferlö, F 245. 

Kurort - Kommission Berliner 
Standesvereine 493. 
Kuznitzky 374. 

L«abb6 378. 

,, M. 48, 62,238,436, 502. 
Lacaille, E. 497. 

Lachmann 54, 171, 371. 628. 
Lamp6, A. B. 531. 

2 A. E. 634. 

Landau, Anastazy 316. 

„ und Rzasnicki 639. 
Landeker, A. 91. 

Landouzy und Heitz 493. 
Landsberg, M. 624. 

Langmead 308. 

Landsberg 171, 531, 604. 
Langsdorff 296. 

Langstein 381. 

Lapinsky 114. 

2 M. 369. 

Laqueur 296. 

2 A. 128, 292. 

2 W. 297. 

Latzko und Schüller 119. 
Lau, H. 635. 

Lauritzen, M 49, 492. 
Lawatschek, R. 490. 

Lazarus, A. 61. 

2 Paul 499, 563. 

Legueu and Chevassu 123. 
Lehmann 365. 

Lehnert 494. 

Lembcke 498. 

Lenk, R. 182. 

Lennö 189, 297, 534. 
Lennhoff 292. 

Lenz 563. 

Leo, H. 494. 

Lupine, R. 379. 

Leredde 508. 

Lerch, 0. 506. 

Leschke 565. 

Levin, J. 312. 


Levy-Dorn 118, 246, 486, 487. 
2 2 und Ziegler 428. 

2 M. 506. 

Lewin, C. 562. 

2 H. 6. 

Lichtenfeit 109. 

Lichtenhahn, F. 181. 
Lichtenstein, A. 368. 
Liebmann, A. 576. 

Liefmann 306. 

2 H. 63. 

Lier, W. und Torges, 0. 238 
Lilienstein 242, 439. 

Lipp 54. 

Lippmann 429, 565. 
Lobligeois, M. 314, 502. 
Löffler, C. 497. 

Loeffler, F. 250. 

Lommel 529, 531. 

Lonhard 180. 

Loening 294. 

Loeper, M. 111. 

Loose, G. 489. 

Lorey 299. 

Löwenstein, E. 126. 
Löwenthal 431. 

2 und Pagenstecher 
373. 

Lube 631. 

Ludewig 630. 

Lüdke 564. 

Luithlen 381. 

Lunckenbein 602. 

Lusk, Graham 533. 

Lust, F. 52. 

Lüthje, Prof. 107. 
Luzenberger, A. di 186, 378. 
IIaase und Salecker 534. 
Mackenzie, H. W. G. 249. 
Madsen, S. 240. 
Magnus-Alsleben, E. 529. 

2 -Levy 303. 

Mandelberg 306. 

Mann, L. 538. 

Marchand, F. 175, 640. 

Marek, R. 601. 

Martiri, A. 490. 

Masel 366. 

Massini, R. 176, 367. 

Matko, J. 50. 

Mattauschek, E. und Piicz. A. 
127. 

Matzenauer, R. und Desx, M. 
509. 

Maurice, A. 619. 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



XXXIV 


Autoren-Register. 


Mauß, Th. 381. 

Mayer, A. 244, 367, 567. 

. H. 372. 

Meitzer 577* 

Mendel, F. 378. 

„ Lafayette, B., 533. 
Menke, J. 493. 

Menne 119, 442. 

Menzer 428, 431, 433, 486, 563. 
Merklen 543. 

Meseth, 0. 117. 

Mestscherski und Orintschar 
506. 

Meyer, Alfr. 634. 

Meyer-Betz 528. 

* E. 315. 

* F. 116, 124, 293, 297. 

* F. M. 433. 

* H. 384. 

.Mironescu 635. 

Mohr 105, 106, 527, 531. 
Moeller 567. 

Mondolfo, E. 576. 

Moog 379. 

Morawitz 531. 

Moritz 627. 

Much 293. 

Müller 599. 

„ Ch. 185. 

„ Chr. 375, 563, 599. 

„ E. 248, 629. 

. H. 52. 

* R. 434. 

, W. 255. 

Maller, v. 529. 

Munk 565. 

MOnzer 297. 

Nadel 252. 

Näf, F. 237. 

Nägeli, 0. E. und Jeßner, M. 246. 
Nagelschmidt, F. 120. 
Nemenow 489. 

Neukirch 530. 

Neumann 245, 306. 

Neumeyer 317. 

Niccolai, N. 506. 

Nick, H. 598. 

Nicolai und Zuntz 543. 
Nicolaijsen, J. 188. 

Nicolas 369. 

Nissim, M. 372. 
v. Noorden 375, 608. 
Nordentoft, J. 602. 

Novak, Porges und Strisower 
174. 


Ochs, B. F. 434. 
v. Oefele, F. 305. 

Oppenheim, H. 510. 

Opitz, E. 497. 

Orthner 307. 

Ottenberg, R. und Kaliski, J. 
181. 

Pachner, E. 444. 
Pagenstecher 373, 431. 

A. 244. 

Papendieck, E. und Becker,W. 

449. 

Papendieck, R. M. 531. 
Pascal, Romeo 535. 

Päßler 566. 

, H. 320. 

Passow, A. 576. 

Pater, H. 181. 

Paul, G. 189. 

Pauli, H. 228. 

Pawinski 383. 

Payr, E. 314. 

Peham, H. 184, 500. 

Pel 302. 

„ P. K. 510. 
van Pelt 306. 

Peltesohn, S. 55. 

Pereistein 491. 

Perpöre 192. 

Pfannmüller 239. 

Pfeiffer 297. 

Pfitzner, Helene 111. 
Philipowicz 313. 

Pbilippi, H. 179. 

Piccinino, F. 497, 629. 

Pick, E. P. 124, 125. 

Pilcz 127. 

Pincussohn 531. 

» L. 187. 

Pinkuß, A. 56, 499. 

Plate 294. 

. E. 63. 

Plesmann 511. 

Plönies 527. 

Poggie, E. 187. 

Pohle 171. 

Pongs 298, 529. 

Ponndorf 539. 

Porges 174, 532. 

Port 571. 

Pratt, J. H. 178. 

POrckhauer, R. und Mauß, Th. 
381. 

Pychlau 316. 

Quadrone, C. 124. 


Raab, 0. 255. 

Rabe 295. 

Rabinowitsch, L. 539. 

Raff 319. 

Ranzi, E., Schüller, H., und 
Sparmann, R. 183. 
Raoul-Dupuy 319. 

Rautenberg 528. 

Raut mann 567. 

Rehm 372. 

Reicher 292,293,297,298, 299, 
532, 563. 

Reicher, H. 531. 

Reinhardt, R. 127. 

Reiß, E. 534. 

Rönon, Degrais et Desbouis 
246. 

Reuß 603. 

Reyn, Axel 539. 

Richter, G. 872. 

Rieske 318. 

Rieder 563. 

Riehl 104, 493. 

„ G. 184. 

„ G. und Schramek, M. 

57, 119. 

Rindfleisch 528. 

Rietschel, Heidenhain und 
Ewers 599. 

Ritter 292. 

Robin 365. 

Röchelt, 243. 

Rockwell, A. D. 630. 

Röder, M. 567. 

Roederer 308. 

Rodiet, A. 238. 

Roger, H. 181. 

Rollier, A. 309. 

Rolly und David 367. 
Romano, A. 501. 
v. Romberg 527. 

Römer 504, 505. 

* C. 880. 

Roemheld, L. 314, 526. 
Rompel 53. 

Röse, C. 518. 

Rosenblatt 489. 

Rosenfeld, F. 567. 

Rosenow, J. 118. 

Rosenthal, C. 265. 

* F. 533, 567. 

» G. 511. 

„ J. 485, 572. 

Rößle, R. 532. 

Rößler 310. 


Digitized by 


Gck igle 


Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 



llostoski 563 
Rosumoff, B. 303. 

Roth, 0. 540. 

Rothschild 292, 293, 531. 
Kühner, M. 300 
Kühl, Karl 630. 

Kumpel 292. 

Runge 575. 

Kuppel 501, 

W. G. 250. 

Rzasnicki 639. 

Saathoff 527, 565. 

Sabat 489. 

Sachs 317. 

Salecker 534. 
v. Salis, H. 251. 

Salle, V. und Domarus, A. v. 
247. 

SalmanofT 306. 

Salomon 110. 

Salzmann 313. 

Samelson, S. 368. 

Saenger, M. 61. 

Sardemann, £. 441. 
Satenstein, L. 504. 

Savariand 308. 

Schade 561. 

Schall, H. und Heisler, A. 596. 
Schanz 535. 

Schattenfroh 122. 

Schauta, Prof. 102. 

Scheel, V. 597. 

Scheier, Max 489. 

Scheinin 306. 

Schiff, A. 607. 

Schilling, F. 592. 

Schümann, M. Daniel 51. 
Schindler, 0. 57, 500 
Schirokauer, H. 174. 
Schlagintweit, E. 112. 

„ E. und Stepp, 

W. 49. 

Schiayer 435, 565. 

Schleich, Müller, E. u Thal¬ 
heim, H. 248. 

Schlesinger, E. 314, 544. 

r H. 127. 
Schloffer, Prof. 103. 
Schloßmann, A. 365. 
Schmerz, H. 113. 

Schmidt, A. 434, 542. 

* H. E. 433, 573, 599. 

* Prof. 103. 

„ R. 529. 

Schmorl, G. 172. 


Autoren-Register. 

Schneckenberg, E. 118. 
Schnee, A. 58, 68 , 169, 573, 

I 600. 

I Schneider 496. 

! Scholz 302. 

Scholtz, W. 510. 

Schönlank 371. 

| Schott, E. 237. 

| Schottmüller 566. 

! Schramek, M. 57. 119, 121. 
Schreiber 123. 

Schrenck-Notzing, A., Frhr. v. 
252. 

Schröder, G. 494. 

Schrumpf, P. 370, 527. 
Schubert, E. v. 542. 

Schubert, M. El. 494. 

Schüller 119, 374. 

n H. 183, 185. 

Schultz, W. 634. 

Schultzen 113. 

Schüßler 505. 

Schuster 293. 
w P. 609. 

Schütze 295,296, 428,486, 489. 
Schwalbe, J. 542, 606. 
Schwarz 311, 370, 430. 

9 E. 116. 

9 G. 364, 365, 487. 

Schwerdt, C. 318. 
i Seeligmann, L. 56. 

| Sehrt, E. 380, 507. 

Selig 297. 

Sellheim 182, 441. 

Seuffert, E. v. 377. 

Severin 380. 

Siebeck 567. 

1 Siebelt 53, 170. 

. Siebert 504. 

j Sigwart, W. und Hilndly, P. 56. 
i Silberberg 486. 
i Simmonds, M. 314, 363. 

! Simon 374, 443. 
j 9 H. 635, 637. 

! Singer, G. 312, 528, 636. 

I Sipöcz, Dr. 107. 

: Sippel, A. 116. 

Sivßn, V. 0. 491. 

Skillern, P. G. 123. 

| Sloraann, H. 0. 63. 

I Snapper, J. 51. 

Sohlern, E., Frhr. v. 606. 
Solis-Cohen, M. 122. 

Soldin 533. 

Sommer 373. 


XXXV 

| Sommer F. 379. 

Sonne 639. 

Sonnenberger 370. 

Sopp 568. 

Sorgo, J. 248. 
j Sparmann, R. 183, 314. 
i Spitzy, H. 254. 

Starck, Hugo 567. 

Stawraky, W. 445. 

Stein, A. E. 247. 

Steiger, M. 53. 

Steinitz 564. 

Stemmler 292, 296. 
j Stephan 531. 

Stephenson, J. W. 575. 

Stepp, W. 49, 534. 

9 W. und Schlagintweit, 
E. 112. 

Sternberg, W. 596. 

Stöckel, W. 572. 

Stoffel 571. 

9 A. 536. 

Storath, E. 444. 

Strasburger 598. 

9 und Isaac, S. 535. 
Straßburger 530. 

Strandberg, Ove 601. 

Strasser, A. 129, 214. 

I Straub, H. 530. 

| Strauß 105, 291, 292, 293. 

| Strauß, H. 47, 109, 821. 

| Strebei, H. 373. 

I Strelinger 306. 

Strisower 174. 

Strubeil 566. 

1 Stüber 527, 625. 

I Stühmer, A. 542, 575. 

| Sudhoff, W. und Wild, E. 247. 
! Sugimoto, T. 112 . 

Szel, Paul 625. 

• Szöllösy, L. v. 177. 

! Tanaka, M. 249. 

Thalheim, H. 248. 
Thannhauser 563. 

„ S. J. und Pfitzer, 
Helene 111. 

Thedering 88 , 160. 

Thoden van Velzen 298. 
Thomas, A, 238. 

Többen, M. 55. 

Tobiesen, Fr. 640. 

1 Tobler 490. 

| 9 L. 368. 

Torges, 0. 238. 

Touton 438. 


□ igitized by Gck >gle 


Original from 

UNIVERSITY OF MICHIGAN 




XXXVI 


Treplin 299. 

Troemner, E. 630. 
Tschermak, A. v. 511. 

Turan, F. 228, 278. 
TuszewBki 631. 

Uffreduzzi, 0. 503. 

Ulrich, A. 638. 

Umber 532. 

Unna, P. G. 62, 186. 
Unterberger, S. v. 306. 

Utz 597. 

Vahlen, E. 436. 

Veil, W. H. 565. 

Veit, J. 382. 

Veith, Ad. 168, 501. 

von den Velden, R. 251, 569. 

Veraguth, 0. 501. 

Viannay, C. 123. 

Viereck, 188. 

Voigt, E. 252. 

Volhard 294, 295. 

Volk 317. 

Vollmer 296. 

* E. 114. 

Vorpahl 531. 

Vulpius 535, 538. 

Wachsner 308. 

Waegeier 632. 

Walkhoff 56. 

Walko, K. 301. 

Wallace, Ch. 187. 

Walter, B. 486. 

Walther, H. E. 629. 

Walzer 292, 293. 


Autoren-Register. 


Warnekros 440. 

Waser 640. 

v. Wassermann 431, 500. 
Wätzen 498. 

Watson, D.-Ch. 434. 
Watters, W H. 123. 

Weber 528. 

„ A. 188. 

Wechselmann 381, 541. 

w und Arnheim 

631. 

Weckowski 374, 501. 
Wegelin, C. 177. 

Wehmer 294, 297. 

Weicker 171. 

Weigandt 297. 

Weil 366. 

Weiland 605. 

Weisz 535. 

Weitz 530. 

Wenckebach, K. F. 529. 
Wermel, S. 374. 

Wertheim 183. 

Werther 603. 

Werner 562. 

Westphal, K. 625. 

Wetterer 363. 

„ J. 573, 628. 

„ S. 115. 

White, W. Ch. 58. 
Wichmann 432. 

Wiechowski 528. 

Wieland, E. 173. 

Wiener 173. 


v. Wieser 487. 

Wild, E. 247. 

Wilde 632. 

Wildermuth 531. 

Wilenko, G. G. 624. 
v. Willebrand, E. Ä. 174. 
Winkler 433. 

„ J. 241. 

1 Winternitz, H. 568. 

„ W. 305. 

Wintz, H. 237. 

Wittig, W. 245. 

Wohlauer, Fr. 488. 

Wolf 431. 
j „HF. 476. 

„ L., und S. Gutmann 492. 

Wolff, F. 446. 

H. 303. 

S. 303. 

| Wollenherg G. A. 494, 606. 
Wolpe, M. 491. 

Wörner. H., und E. Reiß 53E 
Wotzilka, G. 607. 

Wulff 244. 

. v. Zeißl 508, 509. 

| Ziehmann, H. 53. 

Ziegler 42*<, 430, 486. 
Ziemann 438. 

Zink 55. 

Zondeck, H. 603. 
Zörckendörfer 297. 

Zuntz 543. 

„ N. 236, 241. 

Zusch 528. 


Berlin, Druck von W. Büxenstein 


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Original - Arbeiten, 


i. 

Klimatotherapie im Kindesalter. 1 ) 

Von 

Prof. Dr. Hecker 
in Manchen. 

Meine Herren! Alljährlich beim Herannahen des Sommers sehen wir uns der 
Notwendigkeit gegenüber, auf die typisch gewordenen Fragen unserer Klienten 
zu antworten: Wohin sollen wir mit unseren Kindern in die Sommerfrische gehen? 
raten Sie zur See? Wenn ja, die Ost- oder Nordsee oder halten Sie die Adria 
für besser? Sind Sie mehr für das Gebirge und welche Höhe würden Sie 
empfehlen? usw. Wir beantworten diese Fragen mit mehr oder weniger großer 
Sicherheit und Erfahrung, wohl niemals aber mit dem Gefühl ausreichender wissen¬ 
schaftlicher Begründung. In der Kegel ist es eine kleine Anzahl von Orten, die 
wir aus eigener Anschauung kennen und dann empfehlen oder nicht empfehlen. 
Wir wissen über die Einflüsse des Klimas auf den kindlichen Körper schon im 
allgemeinen sehr wenig und haben es dann bei der schließliche'n Bestimmung eines 
geeigneten Ortes mit einer Reihe von ganz speziellen Faktoren zu tun, die wir 
womöglich noch weniger kennen. 

Und doch können wir alljährlich im Herbst konstatieren, wie bei einer großen 
Zahl von Kindern der Landaufenthalt günstige Wirkungen getan hat und wie bei 
anderen dieser gute Einfluß ausgeblieben ist, ja zuweilen sich in das Gegenteil 
verkehrt hat. Eine Wirkung des Landaufenthaltes ist also da und wenn wir diese 
nur in beschränktem Maße bis jetzt ergründen können, so liegt das sicher nicht 
an einer prinzipiellen Unmöglichkeit, die Frage anzugehen, sondern darin, daß wir 
erst im Beginn solcher Forschungen stehen. In diesem Stadium ist jeder Beitrag 
zu der Frage, sei er nun exakt wissenschaftlich oder rein empirisch, willkommen, 
und, diesen Gedanken vor Augen, habe ich mir erlaubt, die heutige Aussprache 
anzuregen, und ich hoffe, daß sie nicht ganz ergebnislos verlaufen wird. 

Was erwarten wir von einem Klimawechsel eigentlich? Die Ziele, die wir 
hier erreichen wollen, sind negativer und positiver Natur. Die ersteren verfolgen 
wir durch einfache Entfernung aus dem häuslichen Leben. Den umwälzenden 

! ) Einleitende Worte zu einer Aussprache über dieses Thema in der Münchener Gesellschaft 
für Kinderheilkunde. 

ZeiUchr. t phyaik. n. diät. Therapie Bd. XVIII. Heft 1. 1 


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2 


Hecker 


Einfluß, den eine solche Maßnahme, die Entfernung ans dem Stadtmilieu, bei den 
Kindern unserer Großstädte nach sich ziehen kann, haben wir in der vorigen 
Sitzung bei Gelegenheit des Spiegelbergschen Vortrages 1 ) erörtert. 

Die Großstadteinflüsse sind zwar nicht immer so nachteilig, wie man sie gemein¬ 
hin darstellt — die bildende und anregende Wirkung des Stadtmilieus, die Erziehung 
zu Ordnung nnd rascher Entschlußfähigkeit, welche die Anpassung an den städtischen 
Verkehr mit sich bringt, ist nicht zu unterschätzen — aber sie sind doch anderer¬ 
seits genügend groß, um ihre zeitweilige Inaktivierung wünschenswert zu machen. 
Abgeschnittensein von der Natur, Lärm, Mangel an Sonne und vor allem die 
qualitativ minderwertige Luft sind es, die den Körper des dafür besonders 
empfindlichen Kindes in einer oft unkorrigierbaren Weise schädlich beeinflussen. Ich 
erinnere an den reichlichen Gehalt der Stadtluft an Kohle, an Kohlewasserstoffen 
und organischen Basen, an Schwefelsäure, Salzsäure, Ammoniak, Metallen, Mineralien, 
an Kohlensäure und Kohlenoxyd, an Staub und Bakterien. 

Um die positiven Wirkungen des Klimas zu verstehen, müssen wir uns sein 
Wesen in Erinnerung bringen. Unter Klima versteht man „die gesamten 
meteorologischen Erscheinungen des mittleren Zustandes der Athmosphäre“. Dabei 
ist es aber im Einzelfalle unerläßlich, die Abweichungen von diesem mittleren 
Znstand, besonders die Extreme, zu berücksichtigen. Die einzelnen Vorgänge und 
Zustände, durch deren Zusammenwirken das Klima eines Ortes bestimmt wird, 
bezeichnen wir als die „klimatischen Faktoren“. Wir begreifen darunter 
z. B. die Lage eines Ortes zum Meer oder zum Gebirge, die absolute Meereshöhe, 
bzw. den mittleren Luftdruck oder Barometerstand, die mittlere Jahrestemperatur, 
die Sonnenscheindauer, Feuchtigkeit, Windmenge und -Stärke, Jahreszeit, geogra¬ 
phische Breite, Bodenbeschaffenheit, die Witterung u.a.m. Die letztere speziell 
bedeutet die einzelnen Akte in der Aufeinanderfolge der klimatischen Erscheinungen. 

Wir unterscheiden gemeinhin in Europa vier Klimas: 

1. das Seeklima, dessen charakteristische Eigenschaften sind: die geringe 
Höhe bzw. der hohe Luftdruck, der starke, gleichmäßige Wind, der 
große Feuchtigkeitsgehalt, die gleichmäßig temperierte Luft, die Reinheit 
derselben und die starke Belichtung, welche sowohl durch die reine 
Atmosphäre wie durch die vom Wasser und vom Strand reflektierten 
Sonnenstrahlen herrührt; 

2. das Tiefebenenklima bis zur Höhe von 400 m. Es ist im allgemeinen 
indifferent und kommt als solches therapeutisch kaum in Betracht; 

3. das Gebirgsklima bis 700 m und 

4. das Höhenklima. Seine Merkmale sind: der geringe Luftdruck und in¬ 
folgedessen der verminderte Sauerstoffpartiardruck, Reinheit der Luft, 
Abnahme der Temperatur mit zunehmender Höhe, besonders im Sommer, 
größere und intensivere Sonnenbestrahlung, stärkere Luftbewegung, größere 
Trockenheit der Luft, raschere Verdunstung, erhöhte elektrische Leitfähig¬ 
keit und Radioaktivität. 

Neben solchen durch den einfachen Höhenunterschied bedingten Verschieden¬ 
heiten wird aber das Klima eines einzelnen Ortes noch bestimmt durch eine ganze 

') H. Spiegelberg, Sanatorinmbehandlung bei Kindern. Ärztliche Rundschau 1913. Nr. 29. 


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Klimatotherapie im Eindesalter. 


3 


Reihe lokaler Faktoren, die wir unbedingt in Betracht ziehen müssen, falls wir 
ein Urteil über sein Klima gewinnen wollen. So ist es von ausschlaggebender 
Bedeutung, ob der betreffende Platz in der Talsohle oder am Berghang liegt. 
Ferner in welcher Himmelsrichtung das betreffende Gebirgstal streicht. Täler, 
die in westöstlicher Richtung liegen, haben andere Verhältnisse als solche in 
nordsfidlicher. Die Feuchtigkeit des Ortes hängt nicht so sehr von der Meeres¬ 
höhe als von ganz lokalen Momenten ab, wie: Nähe von Wald, Wasser, Wasser¬ 
fällen, Windverhältnissen usw. 

Gerade die Windverhältnisse sind für uns außerordentlich wichtig. Ein Ort, 
der dem Winde direkt ausgesetzt ist, wird uns für manche Fälle weniger geeignet 
erscheinen als ein im Windschatten gelegener. 

Was aber dem Klima unserer Gebirgsorte am allermeisten den Stempel auf¬ 
drückt, das sind die lokalen Winde. Da ist zunächst der Föhn. Dieser aus 
beträchtlichen Höhen mit großer Geschwindigkeit und unter starker Kompression 
zu Tal gesaugte Wind ist warm, trocken und von einer Luftdrucksenkung begleitet. 
Das Auftreten, die Stärke und Häufigkeit des Föhns ist nun an den verschiedenen 
Orten ganz verschieden. Wir haben ausgesprochene Föhnplätze in unseren nörd¬ 
lichen Alpen wie Mittenwald, Tegernsee, Kochel, Lindau, Bludenz, und solche, 
die der Föhn in der Regel nicht berührt, wie Oberstdorf, Partenkirchen u. a. 

In zweiter Linie sind es dann die periodischen Winde, die zum Charakte¬ 
ristikum eines Ortsklimas gehören. Der Tal wind, der in den späteren Vor¬ 
mittagsstunden entsteht, bis zum Spätnachmittag weht, und der Bergwind, der 
in geringerer Weise und in umgekehrter Richtung nachts das Tal durchzieht; 
das sind die eigentlichen Ventilatoren einer Gebirgslandschaft. Der Talwind 
entsteht durch ungleichmäßige Erwärmung horizontal gelagerter Luftdruckflächen. 
Über dem Tal erfolgt eine stärkere Erwärmung als über dem Bergmassiv; die 
erwärmten Luftmassen steigen auf, und nun liegen Schichten gleichen Luftdrucks 
in ungleicher Höhe; es findet ein Druckgefälle in der Richtung zum Berg statt. 
Unterstützt wird dieser Luftzug durch die stärkere Erwärmung der dem Berghang 
angelagerten Luftschichten, die ihrerseits am Berg entlang auf steigen und die 
Sangwirkung vom Tal her verstärken. Umgekehrt verdankt der Bergwind seine 
Entstehung der ungleichen Abkühlung horizontaler Luftschichten. 

Ein ganz ähnliches Verhältnis finden wir an jedem See. Die über See und 
Land gelagerten Luftschichten werden ungleichmäßig erwärmt, die Landluft stärker 
als die über dem Wasser liegende; erstere steigt auf, erzeugt ein barometrisches 
Tief über dem Land, und der Ausgleich erfolgt durch Absaugen der Seeluft. Es 
entsteht der etwa um 10 Uhr vormittags aufgehende Seewind. Der nächtliche 
Landwind ist das Spiegelbild des Seewindes. 

Bleibt der Tal- oder Seewind aus, was durch Luftdruckstörungen in größeren 
Höhen der Fall sein kann, dann gibt es schlechtes Wetter. 

Je ausgiebiger und je regelmäßiger diese periodischen Winde funktionieren, 
umsomehr haben die betreffenden Gegenden das, was wir „gute Luft“ nennen. 
Das Tal von Murnau bis Griesen z. B. ist mit diesem Talwind gesegnet, der 
manchmal und an gewissen Stellen, wie am Engpaß von Farchant, eine beträcht¬ 
liche Stärke erreicht. Ähnlich ist es in Tölz, in Birkenstein, Neuhaus. Andere 
Gegenden wieder wie Berchtesgaden, Schliersee, Kochel haben infolge erschwerten 

l* 


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4 


Hecker 


Zu- und Abzuges der Winde und dadurch bedingter weniger ausgiebigen Durch¬ 
lüftung auch nicht eine so „frische“ oder „starke“, sondern eine mehr weiche Luft. 

Ein besonderer Faktor ist noch der Boden, dessen Strahlenreflexion und 
Wärmestrahlung verschieden ist, wenn es sich um vulkanisches, um Sediment-, 
um diluviales Gestein oder z. B. um Moorboden handelt. In letzterem Falle ist 
die Wärmereflexion durch die Feuchtigkeit und die Eigenfarbe des Moorbodens 
sehr stark, so daß solche Gegenden als feucht und heiß gelten. 

Über die physiologischen Wirkungen einzelner der klimatischen 
Faktoren liegen praktische und seit den letzten Jahren auch theoretische Ergeb¬ 
nisse vor. Wir wissen, um einiges herauszuheben, daß der Wind zu einer Er¬ 
höhung des Stoffwechsels führt und die C0 2 -Abgabe erhöht (Rubner); durch sein 
Auftreten auf die äußern Hautnerven und seine wärmeentziehende Kraft wirkt 
er in eminenter Weise abhärtend, falls die Inanspruchnahme des wärmeregula¬ 
torischen Apparates keine allzu starke ist; in letzterem Falle ist seine Wirkung 
„angreifend“, „abzehrend“. 

Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist von ganz besonderem Einfluß auf 
die äußere Haut und die Schleimhäute, besonders des Respirationstraktus. Unter 
dem Rissigwerden von Haut und Nägeln im trockenen Ostwind haben wir Ärzte, 
die wir die Hände so oft durch Seife entfetten müssen, genugsam zu leiden. Für 
katarrhalisch affizierte Bronchien, für katarrhdisponierte Individuen ist ein gewisses 
Feuchtigkeitsminimum der Luft förderlich und unerläßlich; trockene Luft dagegen 
nachteilig. 

Die belebende Wirkung der periodischen Winde, des Tal- und Bergwindes, 
kennen wir aus tausendfältiger Erfahrung im Gegensatz zu dem erschlaffenden 
Gefühl bei Windstille an heißen Tagen. 

Die Beziehungen des Föhns zu unserem Körper sind noch recht ungeklärte. 
Während einzelne Menschen sich bei ihm besonders wohl fühlen — bringt er doch 
in unserer Gegend zunächst immer Aufklaren und heiteres Wetter und dann erst 
Niederschläge —, so sind doch die meisten Individuen in irgend einer Weise 
empfindlich gegen ihn, manche Menschen so stark, daß sie sein Herannahen an 
irgendwelchen, meist unangenehmen Sensationen verspüren (Schmerzen in Gelenken, 
Muskeln, alten Narben, Hühneraugen usw.). Wahrscheinlich rühren diese Sensationen 
her von den dem Föhn eigentümlichen, kurzen Druckschwankungen (Oszillationen), 
auf welche manche Organismen nur unzureichend eingestellt sind. Die Menge 
des verfügbaren Sonnenlichtes, die Art und Menge der Bewölkung sind Dinge, 
die auf unsere Stimmung von entschiedenem Einfluß sein können. 

Ein spezielles Studium wurde in den letzten Jahren dem Höhenklima zuteil. 
Die Wirkung desselben auf unsern Körper ist nach Determann darin zu suchen, 
daß der Organismus den geringeren Sauerstoffpartiardruck durch verschiedene Vor¬ 
gänge auszugleichen sucht. Solche Funktionsanpassungen sind Vertiefung und 
Beschleunigung der Atmung, ersteres als Norm, letzteres bei schwächeren Individuen 
oder stärkerer Anstrengung. Dadurch wird in der Zeiteinheit mehr von der 
O-ärmeren Luft in die Lungen gebracht und an den Blutkapillaren vorbeigeführt. 
Zweitens in gleicher Weise eine Erhöhung des Schlagvolumens und der Schlagzahl 
des Herzens, um in der Zeiteinheit mehr Sauerstoffrezipienten an die Lungenober¬ 
fläche zu bringen. Drittens findet eine Änderung der Blutverteilung insofern statt, 


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Klimatotherapie im Kindesalter. 


5 


als die Hautgefäße stärker gefällt werden. Und viertens — das ist durch die 
moderne Forschung außer Zweifel gestellt — vollzieht sich eine wesentliche 
Änderung der ganzen Blntmasse insofern, als sowohl das Hämoglobin nnd die 
roten Blutkörperchen, als auch die Masse des ganzen Blutes vermehrt wird. Es 
findet also eine richtige Blasenbildung nnd erhöhte Tätigkeit der blntbereitenden 
Organe statt. Ist diese letzte Änderung auch keine dauernde, — nach Rückkehr 
ins Tal tritt wieder ein Absinken aller Werte ein — so kann doch die stattgehabte 
Anregung der Blutbildong zn einer dauernden Qualitätsbesserung des Blutes 
fahren. Daß auch der Gesamtstoffwechsel eine Vermehrung im Hochgebirge 
erfährt, ist eine sichergestellte Tatsache. 

Über die Indikationen für die Klimatotherapie bei Kindern nur einige 
orientierende Worte. 

Gesunde Kinder sind — wenigstens subjektiv — durchaus nicht so empfindlich 
für das, was wir gute und schlechte Lnft nennen. Sie gedeihen schließlich überall 
da, wo die Luft rein und frei von extremen Einflüssen ist. Es ist daher ganz 
gleichgültig, wohin wir Kinder schicken, bei denen es nur auf einen Wechsel des 
Milieus nnd die Entfernung ans der Großstadt ankommt. 

Wollen wir mit dem Klima irgendwie positiv wirken, dann können nur Orte 
in Betracht kommen, wo einer der klimatischen Faktoren oder mehrere stärker 
vorhanden sind (Sonne, Wind, Höhe usw.). 

Um einzelne Erkrankungsformen herauszugreifen, so ist z. B. für Rhachitiker, 
wo wir den Stoffwechsel angreifen wollen, etwas Wind oder Höhe neben der 
unentbehrlichen Sonne erwünscht. Vielleicht ist richtiges Höhenklima sogar sehr 
nützlich; mir fehlen darüber Erfahrungen. Bei Rhachitikern stehen auch gewöhnlich 
garnicht die Mittel zur Verfügung, die ein Aufenthalt in der Höhe erfordert. 

Daß das Höhenklima an sich bei Kindern kontraindiziert ist, gilt noch viel¬ 
fach als Axiom, wird aber von Kennern mehr und mehr und wohl mit Recht 
bestritten. Für nicht zn vorgeschrittene Anämien und Chlorosen kommt es sicher 
in Betracht, ebenso wie für Kinder mit tuberkulösen Bronchialdrüsen, für die 
Prophylaktiker nnd für die lymphatischen und exsudativen. Dabei ist allerdings 
zu bedenken, daß für Kinder aus der norddeutschen Tiefebene ein Aufenthalt im 
bayrischen Vorland schon ebensoviel Höhenklima bedeutet, wie für Münchener 
Kinder ein Aufenthalt in 1100 oder 1200 m Höhe. Auch für viele Nervöse ist 
die Höhe sicher zuträglich, da sie offenbar auch auf die ganze Psyche, speziell 
die Willensenergien einen günstigen Einfluß ausübt. 

Wirkliche Kontraindikationen gegen das Hochgebirge sind naturgemäß alle 
Zustände, die den starken Anforderungen, welche die erhebliche Belastung aller 
Körperfunktionen an den Organismus stellt, von vornherein nicht gewachsen sind. 
In solchen Fällen wären bedenkliche Rückschläge zu erwarten. 

Meine Herren! Wir sind ja sicher erst in den ersten Anfängen zum Ver¬ 
ständnis der klimatischen Beeinflussung des Kindes. Unsere Indikationsstellungen 
sind nebelhaft und unsicher und wir sind vorderhand auf die Empirie, auf persönliche 
Erfahrung des Einzelnen an bestimmten Plätzen angewiesen. Diese Erfahrung 
zu vermehren, wird — wie ich hoffe — die heutige Diskussion Gelegenheit 
geben. _ 


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Arthur Hirschfeld und Hans Lewin 


n. 

Untersuchungen über die Wirkung des Herzschlauches. 

Ans der Hydrotherapeutischen Anstalt der Universität Berlin. 

(Leiter: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Brieger.) 

Von 

Arthur Hirschfeld und Hans Lewin. 

Bei der Untersuchung über Wirkung von Badeprozeduren beschäftigen sich die 
meisten Versuche mit der Beeinflussung des Herzens und des Gefäßsystems. Dies 
kommt zum größten Teile daher, weil wir schon verhältnismäßig früh in der Lage 
waren, durch geeignete physiologische Methoden die verschiedene Wirkungsweise 
der Bäder genauer zu kontrollieren. Die zuerst fast ausschließlich angewendete 
Sphygmographie wurde in neuerer Zeit immer mehr und mehr verlassen, da wir 
nicht imstande sind, die Sphygmographenkurven eindeutig zn erklären. 1 ) Viel 
besser zur Beurteilung der einschlägigen Fragen bedient man sich der Plethysmo¬ 
graphie, die man zweckmäßig mit vergleichenden Blutdruckmessungen kombiniert. 
Auf diese Weise ist es möglich, sich nicht nur über Veränderungen im Gefä߬ 
gebiet zu orientieren, sondern man kann auch über gewisse Änderungen des 
Schlagvolumens des Herzens Aufschluß gewinnen. Nun ist es aber auf Grund 
der bisher üblichen Methodik technisch unmöglich, fortlaufende Blutdruckmessungen 
mit der Plethysmographie derartig zu verbinden, daß die Plethysmographenkurve 
durch die verschiedenen Manipulationen, die eine Blutdruckmessung mit sich bringt, 
nicht gestört wird. 2 ) Wir haben für unsere Versuche, die sich mit der Wirkung 
des Herzschlauchs auf das Plethysmogramm und den Blutdruck beschäftigen sollen, 
eine gänzlich andere Methodik gebraucht. 

Binet und Vaschide 8 ) benutzten als erste den gewöhnlichen Fingerplethys¬ 
mographen, den sie statt mit Wasser mit Quecksilber füllten, um fortlaufende 

^ Vgl. Nicolai in Nagels Handbuch der Physiologie. 

*) Auf einem anderen Standpunkt steht hier 0. Müller, z. B. in 0. Müller und E. Veiel, 
Sammlung klinischer Vorträge 194/196 und 199/201. Vgl. dazu A. Hirschfeld, Die Wirkung 
kohlensäurehaltiger Bäder auf die Blutverteilung, in den Veröffentlichungen der Zentralstelle für 
Balneologie Heft 6, Seite 13, Anm. 23b. „Um sich über den Unwert einer plethysmographischen 
Aufnahme, während der gleichzeitig der Blutdruck bestimmt wird, eine klare Vorstellung zu 
machen, muß man bedenken, daß einmal ein starker sensibler, ja oft schmerzhafter Reiz durch 
die Kompression mittels der Manschette gesetzt wird, sodann aber ein nicht unerheblicher Teil der 
Blutmenge von der zentralen Verteilungsstelle abgeschnitten wird, der um so größer ist, als 
zuerst durch das Zusammendrücken der Venen der Rückfluß gehindert ist.“ 

s ) Binet et Vaschide, Influence du travail intellectuel, des Smotions et du travail 
physique sur la pression du sang. L’ann6e psychologique 1897. 


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Arthur niwchfeld and llan* Lewin 


läßt sich aber durch. geeignete Aicboägen unschwer quantitativ gestalten. Dis 
Fig'. 2 gibt Ausschnitte aus einer solchen Blutciruckkarve wieder, ;iö der durch 
bestimmte, später noch zit besprechende Prozeduren eine Blutd rnek Steigerung 
erzielt ist, Dia Fig*, 2a. zeigt die Blatdruckkurve vor Beginn der Prozedur, die 
F - 0 Fig. 2b den stark erhöhten Blutdruck 25 Mi- 

\ _ _ nuten nach Beginn der Prozedur. 

■ Iä der vorliegenden Arbeit wollen wir 

IMHK die Wirkung des Herzschlauches auf das öe- 
fäßsystem und das Herz analysieren. Die 
Yersuc&.vperüori lag (Fig. ;.?) bei hoher Luft- 


sie niemals frei-, mf. einem Ruhebett aus* 
gestreckt. Sie maßte schon einige. Zeit vor 
Beginn 4er Ontersuchungen liegen, damit 
sich so irgendwelche GefäßspaimahgeB aus-’ 
gleichen konnten, ln Vorrersaehen war fest¬ 
gestellt worden, daß die Atmung, sowohl bin- 
sichtjieh iitrer Frequenz, als auch hinsichtlich ihrer Größe, nicht oder nur 
unwesentlich beeinflußt wurde. Die Persuche wurden rfar an gesunden Personen 
vorgenoirimen, um so zu ermitteln, wie die Herzkftbtohg pliysiologischerweise 
wirkt. In den Versuchen, bei denen eine Atmnngsscbmbung mit aufgenommen 
wurde, Rcbnällten wir der VersUchsßeigon. einen Atmungsschlauch uui die Brust, 
An dem einen Am wurde dänn der von H. Lew in. angegebene Apparat 
angebracht. Zur Kontrolle wurden auch noch Kurven des Arm Volumens auf¬ 
genommen, die mit dem von Lehmann itfc^ifiziertert 'Slösaoschen Armplethysmo- 

3 graphen gewonnen; worden. 

- iSr ' . (.D: ’ Der Versuchsperson wurde 

. ...vAn' HerxßäSobe gelegt, die durch 

öummischiätiehe an eine 
( Wasserfeuuag acgescldüsse» 

..■i V snditE befand sich in der 

Herzäasclie Wasser von ; in¬ 
differenter Temperatur, Nach¬ 
dem eine genügend lange 
burizöö fale Kurve geschrie¬ 
ben worden war,. wurde der 
Hahn für das kalte Wasser 
geüttbei. ' das dann während 

ide? gänzeü Versuches die 
Flasche änrehströmte. Die Kyrnograplytiwp'omüiel drehte sich gftßz- iäugsäffi, 
damit möglichst Jang dauernde. Versuche aufgezeichnet verdat kannten. 

Einen solchsn Versuch gibt in typtseker Form die, »der. Es ist. 

hier aus ; technischer) Gründen von der Abnahme einer Atemkurve Abstand ge¬ 
nommen worden.in des;^ öbereu jlößTe sehen wir eitle ßngerplethysmographische 


n Tlluiilnuk vor Anwcmluug des kalten 


llerm’bhoir.hcs. " t; \ 

b 25 Minuten nach seiner Anwendung. 


VCre n chsaftordn ting 








Untcrsucbnngon über die Wirkung des Ilemchläucbes 


Aufnahme vor uns. Beim ersten + »Zeichen begtüftt dareb die H.erzflasebe .kalte? 
Wasser zu fließen, und sofort tritt eine;• starke, 'plötzliche Senkung der Yölumknrve 
ein, die aber nach ganz kurzer Zeit wieder verschwindet;» Die Kurve behält aber 
die Tendenz, zu sinke«, bei aml kommt schließlich unter nicht unbeträchtlicher 
Palsvergrößerung auf ehr erniedirigtes Niveau an> das sie eine Zeit hindurch 
beibehält, um daun nöch starker abzusinken. Bei dem zweiten •+•'Zeichen ließen 
wir durch die Her 2 Össche dann warmes Wasser fließen; und sofort als Antwort 
auf den Wärmereiz beginnt die Volumkurve au steigern. Dementsprechend zeigt 
die Blutdruckkurve, über derea Entstehung wirspbeh gespfoebM haben, folgendes 
Verhalten. Die Blutdruckkurve beginnt mit dem Einsetzen des Kältereizes zu 

Fäg. i. 


Beim ersten -{--Zeichen fließt kaltes Wasser durch den Jlcrasehlaueli, beim zweiten crartn^s Wasser. 

•{Alte Kurven- $Ul<l v«£t- tt4*>k rcafct» tu te**n.), v .;; ’' 


aüuken, wohl weil, wie aus der oberen Volnmkurve hervorgebt, die Fingergefiiße 
sich verhältnismäßig stark kontrahieren. Dabei werden aber die ein/.einen Blut- 
druekpulse immer großer und erreichen parallel zum größten Tiefstand der Votum 
kurve ihre größte Höhe. Wen« dann warmes Wasser die HftrzÖSsche zü darob» 
fließen beginnt, geht analog der Steigerung 3er Voiumkurve auch die Blutdruck- 
korv« iu die Höhe, die einzelneu Pulse werden .»her- nicht. ^klm«eih : -b6&iiert»;bft.- 
balfen ihre zuvor gehabte ör&ße. Aus diesem Versuche geht hec#fv daß die 
Herzköhlung eine Kontraktion der. periphet^n Gefäße bedingt und daß der Blut« 
drack. dabei steigt. Leitet man durch den Herzscitkuch warmes Wasser, so 
werden die peripheren Defaße erweitert, wobei. die= Steigerung des Blutdruckes 
an hält. . iS; 

Ab eine Kontrolle dient- die tn Fig. h wiedergegebene Kurv», die eine Arm*-' 
pletbysixujgraphenkum? darstelH. Hier sieht man,- wiV nach-,dem. -f- Zeichen, das 
den Beginn der KäUeappIikatiou "bezeichnen- *<>H, eine - dertüiehe Senkung der 
Volumfcurve eintritt. Außerdem steht .-man aus der heigefügten Atemkurve, daft 
die Atmung, abgesehen von unwesentlichen Schwankungen, im aligemeiuen ganz 
regelmäßig verläuft« v 



Arthur Birsebfeld und Hans Le^in 


küfvrt 


Arm* 

▼olum 

kurrti 


Beim. 4-. Zeichen kc-gifint kaltes Wasser durch «Jeu. Semckteoc.li »» fließen. 


Nachdem wif so die WifkOBg- der Herzkölilmig festgesteHt hätten, war es 
uns yon Interesse, zu erfahren, ob die HerzkähJaog insofern «nie spezifische 
Wirkung aneftliij als wiir die änrcli sie bervorgerafeaen Effekte nicht &«ch dadurch 
erzielen konnten, daß wir anf eine andere. Gegend als auf das Herz einen Kälte* 
reiz applizierten. Wir WShltes ciazn verschiedene Kfirperregionen, wieB, das 

F%, 6. 


Pin#^ 

ktrrvp. 


Bei -f beginnt kaltes Wasser .tfunift -tteti ;Ü«xscfc]auck f dsr Auf den linken Oberschenkel 

: ist, zu fließen. 








Unteraucha&geD über Uit* Wirkung de? Ueriscld&ocbe?. 11 

Bein, den anderen Arm, deu Leib, die Wesehengegend usw, 5 und fanden dabei 
folgendes. Die Fig. 8 zeigt oben die Vo.hmiküryB des .Fingerpktbysmugraroiiis and 
anten die Blutdrucfcknrve. Die Kergflasdie war auf de« linken Oberschenkel attf- 
gelegt worden. Nach Beginn der Eitlteapplikation, die bei dem 4-Zeichen ein¬ 
setzt, geht die Fingervolpmikum dentlich herunter, wlibretd gleichzeitig die Pulse 
der Blütdruekkurve eine beträchtliehe Vefgrdüenifsg atifweisen. Das heißt also, 
daß unter gleichzeitiger Kontraktion der periphere» (Mäße eine Blutdrucksteigerang 
einge treten ist. 

Bestätigt wird dieses unerwartet© Resultat durch die in Fig. 7 wiedergegebene 
Kurve eines Armplethysmogramms. Bier sehen wir, wie sofort nach Einsetzen 
des Kältereizes — die Applikation geschah hier an dem kontralateralen Bein — ein 


Fig. 7. 



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'irt v"4 Ji 

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’Jf . jlfe 1 ^ 




Sr: J 



Bei 4 begiDnfc kaltes Wasser durch den Berzschlaucb, der auf die linke Lendenfceite 

aufgelegt Ist. eu fließen. 


deutliches Absinken der Yolüinkurve eintritt. Die Kurve sinkt immer mehr und 
mehr unter im wesentlichen gleichbleibender Atmung. Eine andere Kurve (Fig. 8) 
zeigt- den entgegengesetzten Effekt. Hier handelt es sich um die Applikation 
eines Warmreizes, und man sieht, wie; sofort nach seinem .Einsetzen, es geschieht 
dies beim Zeichen W, eine deutliche Vyf ^Steigerung eintritt, die sofort in eine 
Senkung übergeht, wenn man, wie hier bei K, durch die vorher mit warmem 
Wasser gespeiste Flasche kaltes Wasser durchffleÖeo läßt- In diesem Falle hatte 
die Wann* und Kälteapplikaiion an der linken Lendenseite stattgefunden, 

Es fragt sich jetzt, was aus unseren Versuchen hervorgeht ? 

Die. ersten Versuche, die sich eingehender mit der Wirkung einer Herz- 
kfihlung befassen, stammen von Silva., 1 ) der fand, daß bei Auflegen eines Eis¬ 
beutels auf das Herz beim Hunde Teniperatnrerniedrigungen des Herzens um 3,5 0 

r > §M va, Suir aziooe delh ycsica di ghiuecitf rinplicatä alla regiotio cariiiaca. La 
Rifortaa 1886 . 




Arthur Htrachfeld nmi Uana Lewin 


eintraten. Wenn auch damit ^bewiese».-Esti, daß eine direkte Ab^nblung des Her¬ 
zens existiert, so erscheint m doch fraglich, ob esjieli bei auseren YerÄtticben 
darum handeln kann, denn sofort nach Beginn der HerzköWong setzt eine .Kon¬ 
traktion der peripheren Gefäße ein, während die Durchkohlung der immerhin nicht 
unbeträchtlichen Zwischenschicht bis aä«j Herzen geraume Zeit io Anspruch nehmen 
dürfte, \ / v- . 'f- ' ‘ 

Der ganze Vorgang, dieses sofortige Ahainkeu der Volttmknrve und. die 
damit verbundene Blutdrucksteigerung, dientet vielmehr darauf hi», daß wir es mit 
einem. Effekt za tan haben, der im weseufUchen durch Nervenerregung- zustande 
kommt, Mau muß sich ■'vergegenwärtigen, daß mit der Herzkühiung auf den 

7 • W77..77 me ’ & ' 7 7 


AlOlUv 

Iturvo 


Arno 

v’/Ouin- 

kufVö 


Bet \y beginnt durch die iferzäasdie, die auf die linke L^iuJer.seiie aufgelegt »st, warmes 

Wasser, hei K kaltes Wasser zu Hießen, 

Organismus ein Kältereiz ansgeiibi wird. Die Reaktion des Organismus auf einen 
Kälte reiz besteht iu der Kontraktion der peripheren Gefäßgebiete und in einer 
Blatdruckstfcigernng. Es ist hier in unsere.» Versuchet» auf den Kältere}?, hin 
eine prijsÄrte Kontraktio» der peripheren Gefäße eingfrireten, wie dies durch die 
Armvoltimenkurve und das J^ögerpJeti^suwgtämm bewiesen wird (Kurvä 4), und 
sekundär dazu müßte der Blutdruck größer werden, weil durch d:u> aktive Kon¬ 
traktion dkf . peripheren ♦jiFjtsjf^0ci'-di|- Widerstän'ffe gfiwaclmon sind. 7 

Daß die .Gefäßwirkung der ifcraküliUuig .nicht direkt, • sondern reflektorisch 
ausgelüst, wird., geht auch daraus hervor, daß dieselbe BeemÜKesiing des Volumens 
der peripheren Gefäße . tffrd des BintärU'Cks zu erzifeie^l^'^^lo^äaff einenKälte- 
reiz nicht, auf der Hgrzgegmirt direkt, sondern atff irgäßtiftinei; anderen Stölio 
des Körpern auOföt (Klirre Mk dem Nachweis, dfffk die Hm’zkllhlnug feffekfo- 
risch änsgeloät wird, ist es aber äiich erwiesen, daß sie keine spezifische Prösednr 
sein kann, dem» soweit- die Blutdruck- und GefäBverhsiltnisse in Frage kommen, 
kann man die in unserer -Arbeit besclmebeßea. Effekte, von jeder beJisbigexi 


Untersuchungen Uber die Wirkung des Herzschlauches. 


13 


Körperstelle auslösen. Anders dagegen kann es bei den stundenlangen Herz¬ 
kühlungen sein, wie sie bei gewissen Erkrankungen des Herzens und des Herz¬ 
beutels angewendet werden. Hier spielt sicher die direkte Kälteeinwirkung auf 
den Herzmuskel und auf das Perikard eine bedeutende Bolle. Zuerst aber macht 
sich auch hier die reflektorische Wirkung geltend. 

Wir haben es also bei der Herzkühlung mit einem reflektorischen Vorgang zu 
tun, bei dem unter Verengerung der peripheren Gefäße eine sekundäre Blutdruck¬ 
steigerung herbeigeführt wird. Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn man durch 
den Herzschlauch warmes Wasser fließen läßt. Dann erweitern sich die peripheren 
Gefäße und der Blutdruck bleibt hoch. (Kurve 4.) Während bei der Herzkühlung 
im wesentlichen eine durch den Kältereiz bedingte aktive Kontraktion der peri¬ 
pheren Gefäße vorhanden ist, handelt es sich bei dem Wärmereiz, wie der Versuch 
lehrt, um eine passive Dilatation der peripheren Gefäße; denn eine Erweiterung 
peripherer Gefäße bei erhöhtem Blutdruck sind wir gezwungen als passive Dila¬ 
tation zu deuten. Nun ist es aber doch noch, wenigstens sprechen unsere Re¬ 
sultate nicht dagegen, möglich, daß auch hier noch eine aktive Gefäßveränderung 
im Spiele ist. Diese Frage wird erst durch Spezialversuche geklärt werden. 
Jedenfalls gebt aus unseren Versuchen hervor, daß sich kalter und warmer Herz¬ 
schlauch hinsichtlich ihrer Wirkung auf Herz- und Gefäßsysteme einander ent¬ 
gegengesetzt verhalten. Denn beim kalten Herzschlauch verengern sich die 
peripheren Gefäße, beim warmen Herzschlauch dagegen erweitern sie sich; die 
Blutdrucksteigerung beim kalten Herzschlauch ist sekundär, bedingt durch die 
Kontraktion der peripheren Gefäße, bei der Blutdrucksteigerung durch den warmen 
Herzschlauch handelt es sich dagegen um eine primäre Vergrößerung des Schlag¬ 
volumens, und sekundär erweitern sich die peripheren Gefäßgebiete. 

Winternitz und seine Schule 1 ) hat den Herzschlauch die „hydriatische 
Digitalis“ genannt. Sie haben die Herzkühlung der Digitaliswirkung gleichgesetzt, 
teils in einen bewußten Gegensatz zu ihr gestellt. So schreibt Pospischil, 2 ) 
ein Schüler von Winternitz: „Wir können also mit dem Herzkühler Effekte er¬ 
zielen, welche der Digitaliswirkung in der Herabsetzung der Pulszahl, Steigerung 
des Blutdruckes und der Herzkraft ziemlich parallel gehen. Freilich können wir 
nicht behaupten, daß die Effekte auf dieselbe Weise zustande kommen, wie bei 
der Digitalismedikation. Speziell die eine Wirkung derselben auf die vasomoto¬ 
rischen Zentren und die daraus resultierende Erhöhung des Blutdruckes durch die 
Kontraktion der peripheren Gefäßgebiete scheint bei unserer hydriatischen Digi¬ 
talis ganz zu fehlen, und wir glauben sehr zum Vorteil derselben, denn wir 
trachten nach Erhöhung des Blutdruckes durch Erhöhung der Herzmuskelkraft 
und nicht durch Erhöhung der Widerstände und Herausforderung der letzten 
Reservekräfte des Herzfleisches.“ Es geht aus dieser Ansicht hervor, daß hier 
eine direkte Beeinflussung des Herzens auch gleich zu Anfang der Prozedur an¬ 
genommen wird, die rein reflektorische Wirkung scheint ganz außer acht gelassen 


*) Winternitz, Die Bedeutung der Hydrotherapie für die Klinik. Blätter für klinische 
Hydrotherapie 1891. Nr. 6. 

*) 0. Pospischil, Hydrotherapie bei organischen Herzkrankheiten. Blätter für klinische 
Hydrotherapie 1895. Nr. 4, S. 81. 


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14 Arthur Hirsdifelij nriiBMM Lewin 

zu sein, obwohl Schütze 1 ) du Jahr vorher geschrieben hatte. '„.Die so erhaltenen 
Fnlsbilifer entsprechen den physiologische« Gesetzen, und zwar waren »ach Ein¬ 
wirkung von Kälte die Kurvea kleiner, weil xugldch mit. der durch Kälte veranlaßten 
Kontraktion des Herzens auch das gesamt.« Gefäßsystem kontrahiert wurde, Es ist 
eine bekannte Tatsache, daß eine Kälte Wirkung von: einigen Minuten Dauer auf die 
Blutgefäße auf diese kontrahierend ■ würfet 1 * Eise Tatsache, die Pospischil bei 
der Deutung seiner Versuche nicht beachtet hat; «udüueh Wi nter n it zf) ist der An¬ 
sicht, daß die Abkühiang der Herzgegend direkt, auf die Innervation des Heratemn- 
geflechtes wirke und von hier aus firaervatJott»äß4eröpgeii, Umstimmungen. 4er Hhrz- 
innervation bewirke. Wenn man, wie Glax 3 ) vnrsdhreibt, den Herzkühier I -2mal 
täglich während — 1 Stunde an wendet., so genügt, wie unsere Versuche, die sich 
immer über y» StüMe erstreckten» die Zeit von 1 /«. Stunde nicht, um« die direkte 
Kältewirkung aöf das Herz za erhalten, sondern mm. wird während dieser Zeit die 
reflektorische Wirkung, d. h. die Knütraktion ßfef peripheren Gefäße and damit 
die Erhöhung des Blutdrackes infolge der erhöhten Widerstände finden. Es ist 
dies ein Effekt, den gerade die Wmterni tische Schule vermieden wisse» Sollte 
und; dessen Niehteititreteh sie als einen Vorzag des Herzkühlers vor der Digitalis 
pries. Länger äk y ? . Stunde dauernde VefSöche haben Wir nicht angestellt, da 
sonst leicht durch 1 Ermüdung der Versuchsperson Versiichsfehler entstehen. 

Nun war aber bei der damals noch sieht weit Vorgescltritteaeß physiologischen 
Technik die Ansicht verbreitet, daß die Digitalis de» Blutdruck nnter Kontrakt.ion 
der peripheren Gefäße erhöht. Dies ist aber, wie nicht zur» wenigsteti die Ver¬ 
suche von Gottlieb und Magnus*) gezeigt haben, nicht, der Faß. Die Digitaiis- 
körper, mit Ausnahme des -Digitoxins, wie Z. B. das Digit&Iinnra- verum and das 
Strophantin Thoros, verengern die Gefäße des Splwchbät.äs^b|^t.ea uad; erweitern 
teils passiv, teils aber auch aktiv die peripheren Gefäße, Wir geben zur Ver- 



Nach GotUicb und Magnus; Wirkung von PigUälioum verum heim Bunde. 


gleidhiing zwm Kurven aus der Origiusiarheit ycui G^tilieb und Magnus wieder, 
von denen die eine (Kurve,Figv Ö) db Wirkung des Oigiüilms darstelH, & b. eine 

*) K. Sei? iU'2.«ö ? ülra^ bei V^-ie 

undvijirö ÄOadotlsche Bedeulüug.. für klinische Hydrotherapie 1894. Nr, 7, S. 1*5, 

|j Zitiert nach liTixbauni. Lehrbuch der ttydrtdh»>r&jne, S. 1&9, zweite Aufläufe; 

*9 X Lehrhndi dcr.'ßaltteo.tbcrapi^ Bd. i\. & l&X 

^4Ef0ttiivb und Magüu», Über die Gefiißwirküng der Rorper der Digitalisgrnppcs 
Archiv für eiperitneutelle Pathologie und Üharaaköldgi6.IUI.- 4?. 1902. S, 155.. 


Go gle 








Untersuchungen über die Wirkung des HmscWauclies. 15 

Ethübung des Blutdrucks und Erweiterung der peripheren Gefäße« während die 
andere (Kurve E’ig. 10) die Wirkung des Digitoxins mit seiner Blutdrueksfceigeniög 
und Kontraktion der peripheren Gefäße zur Darstellung bringt. Die damals von 
der Winternit7,sehen Schule gemeinte Digitaliswirkung kann aber nur der des 
Digitalins gleichen, da es sich als Hauptbestandteil de» Digitalisinfnses und der 
Folia digitalis findet und nur dieses damals bekannt war. Die Digitallsdroge 
wirkt aber, wie auch Tappeiner 1 ) schreibt, folgendermaßen: .„Neben dieser 
kardialen Beeinflussung des Blutdrucks, besteht noch eine «weite ia der Ver- 


l'»g. id 



t - :t ?. ''4.' y** 



_- - __l 


Nach Gottlißb w& M&gnu«; Wirkung von Digitoxin heim Hunde. 


engenujg des Strombettes infolge der Kontraktion; der Gefäße. Dieselbe ist unter 
anderem durch direkte Messung der ans Arterien und Venen ausfließende« Bißt- 
xuenge erwiesen und. beruht, da eie aacb an isbiierten Organen anftritt, auf einer 
umnittelbareö Beeinflussung der Gefäße (Kohert),. Ihre Ausdehnung ist in 
bemerkenswerter Weise begrenzt. Es kontrahieren sich hauptsächlich nur die 
Gefäße (Arterien und Venen) des Hauptblutreservoirs des Körpers, des Splanchntkas- 
gebiete»; der Einfluß an£ andere Stromgebiete ist gering und wird durch regula- 
torische und kompensatorische Vorgänge sogar in das Gegenteil verkehrt, so daß 
das aus den Eingeweiden verdrängte Blut nach der Peripherie aasweieht und 
deren nachgebende Gefäße erweitert (GoHlieb and Magnus).“ 

Ea geht also aus dem bisher Gesagten hervor, daß die Verhältnisse gerade 
umgekehrt Hegen, daß die von der W1 n ternitzschen Schule gefürchtete "Kon¬ 
traktion der peripheren Gefäße bei der Digitalis nicht eintritt, während sie bei 
der Anwendung des Herzgehlauehes zu finden ist. 

Wie verMties sieb nun mit der Wirkung des warmen Herzschlatiches? 

Wir haben gesehen, daß anf seine Applikation hin eine passive Erweiterung 
der peripheren Gefäflgebiete eintritt. Eine direkte Erwärmung des Herzens nach 
seiner Anwendung können wir wohl feauna aiittehmen, da die Wärme viel schlechter 
die Körpet'Obertlädte durchdtingt. als die Kälte. Wir haben es vtelriitthr auch hier 
wohl mit einem reflektorischen Vorgang za tun, bei dem die peripheren Gefäße 
dilatiert werden -und der Blutdruck steigt. Heitler-i empfahl bei Herzkranken 
neben der Anwendung des Gart ne r sehen Lokabiacnpfbades auch die Applikation 
von warmen Tüchern auf die Herzgegend, .Er fand, daß datnt .die Herzdämpfung 

l y Tap p e i r* c r 4 Lehrbuch iler Ariu e im ittid ialiro tim} Ar &ooj Y «ro. refnuß0brc . 

*) M, Fl eitler, Cher di e Wirkung thermischer 'und moctfanischer EuifllisBe auf den Tonus 
des Herzmuskels. ZentraUdau für die gesamte Therapie 1894* S. 1ÖSL 






16 Hirschfeld und Lewin, Untersuchungen über die Wirkung des Herzschlauches. 


um ein Bedeutendes kleiner wurde und daß sich der Puls kräftiger anfühlte, d. h. 
also, daß eine Tonussteigerung eingetreten war. Dieses Resultat konnten wir 
durch unsere Versuche bestätigen. Wir haben bei der Anwendung des warmen 
Herzschlauches den Vorteil, das Herz zu kräftigen Kontraktionen zu veranlassen, 
ohne andererseits die Widerstände von der Peripherie her zu vergrößern. 

Die Frage nach dem Wirkungsmechanismus der Herzkühlung muß man also 
dahin beantworten: Bei der Kühlung tritt eine Kontraktion der peripheren Gefäße 
und eine dadurch bedingte Blutdrucksteigerung ein. Damit ist es auch erklärt, 
weshalb stark vorgeschrittene Myopathien und Kranke mit starken Herz¬ 
degenerationen eine Herzkühlung nicht vertragen, sondern mit einem Oppressions- 
gefühl und drohendem Kollaps antworten. Man hat sich dies nicht so zu er¬ 
klären, daß, wie Glax 1 ) schreibt, „in diesem Falle der tonisierende Einfluß der 
Kälte auf das Herz nicht mehr genügend ist, um die auf den lokalen Kältereiz 
gleichzeitig eintretende geringe Kontraktion der peripheren Gefäße (Schütze 2 ) 
zu überwinden“; sondern die Erklärung besteht darin, daß ein zu stark dege¬ 
neriertes Herz nicht mehr die Fähigkeit besitzt, den durch die Kontraktion der 
peripheren Gefäße erhöhten Widerstand zu überwinden. Ist die Degeneration 
noch nicht zu weit vorgeschritten, so bewältigt selbst das schon myopathische 
Herz diese erhöhte Arbeitsleistung noch recht gut, denn es besitzt eine wenn 
auch nicht mehr sehr große Akkommodationsbreite. Wenn aber ein stark dege¬ 
neriertes Herz durch die Erhöhung der Widerstände zu vermehrter Arbeit ge¬ 
zwungen wird, so kann es leicht versagen, zumal wenn man bedenkt, daß es sich nicht 
allmählich an die geforderte Mehrarbeit gewöhnen kann, sondern daß in dem Augen¬ 
blick, in dem durch die Kontraktion der peripheren Gefäße die Überwindung eines 
erhöhten Widerstandes gefordert wird, das Herz auch schon kräftiger zu arbeiten 
beginnt; denn, wie Krehl 8 ) sich ausdrückt, „es gibt keine Zeitversäumnis durch Ver¬ 
suche ; Erhöhung der Anforderung und der Leistung fallen stets zusammen“. Aus 
diesem Grunde müssen zu stark degenerierte Herzen bei Anwendung der Herzkühlung 
versagen, weil sie nicht mehr die geforderte Mehrarbeit zu leisten vermögen. 

Beim warmen Herzschlauch hingegen fällt diese Erhöhung des Widerstandes 
fort. Die peripheren Gefäße erweitern sich, der Blutdruck steigt. Das Herz 
braucht nicht durch Überwindung peripherer Widerstände eine Mehrarbeit zu 
leisten. Deshalb wird einem Herzkranken der warme Herzschlauch noch von 
Nutzen sein, wo die Herzkühlung nicht nur versagt, sondern auch Schaden bringt. 
Bei einem Menschen mit einer noch nicht weit vorgeschrittenen Myopathie, 
d. h. mit einem Herzen, das die durch die Herzkühlung bedingte Mehrarbeit noch 
zu leisten vermag, wird das Blut in einem anderen Sinne verteilt und das Herz 
zu kräftigeren Kontraktionen veranlaßt. Es ist möglich, daß hierin ein Haupt¬ 
faktor seiner Wirkung zu suchen ist. Daneben wird noch durch den Herzschlauch 
die ganze Herzaktion sowohl hinsichtlich ihrer Frequenz als auch ihrer Größe 
regularisiert. Es sind dies Erscheinungen, die sich beim Gesunden nicht vor¬ 
finden und die deshalb aus dem Rahmen unserer Untersuchung fallen dürften. 

') J. Glax, Lehrbuch der Balneotherapie Bd. II. S. 139. 

*) K. Schütze, 1. c. 

3 ) L. Krehl, Pathologische Physiologie S. 5. VI. Auflage. 


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Heinrich Viktor Klein, Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. 17 


III. 


Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. 1 ) 

Ans der k. k. II. Universitäts-Frauenklinik in Wien. 

(Vorstand: Prof. Wertheim.) 

Von 

Dr. Heinrich Viktor Klein, 

Intemarzt der Klinik. 

Auf dem 25. Kongreß für innere Medizin in Wien hat v. Rosthorn gemeinsam 
mit Lenhartz über die zahlreichen Beziehungen zwischen inneren Erkrankungen 
und den weiblichen Sexualorganen gesprochen und bei dieser Gelegenheit wieder 
auf den großen Wert physikalisch-diätetischer Heilmethoden in der Gynäkologie 
hingewiesen. 

Dieses kräftige Wort zur Verteidigung der vielgelästerten physikalischen 
Therapie war zu rechter Zeit gesprochen worden, denn der Aufschwung der ope¬ 
rativen Technik in den letzten Jahrzehnten hatte einen* Operationsradikalismüs 
zur Folge, der eine Zeitlang alle konservativen Methoden zu verdrängen drohte. 

Seit dieser Zeit sind eine Menge Arbeiten über physikalische Therapie ent¬ 
standen, die diesem überhandnehmenden Operationsradikalismus entgegenzuwirken 
suchten und durch den Hinweis auf die bekannten Erfolge ihm immer mehr Boden 
abgewannen. 

Welche Rolle dabei die Hydrotherapie gespielt hat, ist aus den Arbeiten der 
Schule Winternitz und Brieger so hinreichend bekannt, daß es überflüssig er¬ 
scheint, näher darauf einzugehen. 

Bezeichnend für diesen Umschwung ist aber die Tatsache, daß selbst viel¬ 
beschäftigte Operateure die Erfolge der gynäkologischen Hydrotherapie langsam 
anerkannten, und vor allem Schauta, Krßnig, Opitz und Menge haben sich 
der v. Rosthornschen Anschauung angeschlossen und sich für die Anwendung des 
Wassers, dieses nach Garrigou „mächtigsten therapeutischen Hilfsmittels“, ein¬ 
gesetzt. Denn „trotz der Vernachlässigung der hydriatischen Kuren in der 
klinischen Gynäkologie“, sagt Krßnig, „kann wohl behauptet werden, daß in 
keinem Spezialgebiete ihre Wirkungen so eklatant hervortreten wie in dem 
unserigen“, und er fügt bedauernd hinzu, daß relativ nur wenige deutsche Kliniken 
mit einer einigermaßen ausgestatteten hydrotherapeutischen Abteilung bedacht seien. 


') Nach einem auf der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte im Sep¬ 
tember 1913 in Wien gehaltenen Vortrage. 

ZeiUchr. f. pby.lk. n. dlit Therapie Bd. XVIII. Heft 1 . 2 


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18 


Heinrich Viktor Klein 


Die Klinik Wertheim gehört zu diesen wenigen Anstalten, sie besitzt eine 
Abteilung für Hydrotherapie, deren Erfolge innerhalb der kaum Vj 2 Jahre ihres 
Wirkens ihre Daseinsberechtigung hinreichend erwiesen haben. 

Ganz allgemein gesprochen, beruhen die Wirkungen des Wassers auf den 
durch thermisch-mechanische Reize hervorgerufenen Veränderungen des Kreislaufes 
und der Blutverteilung. Wir sind deshalb zwar imstande, die Blutbewegung in 
verschiedenen Körpergebieten bis zu einem gewissen Grade zu beherrschen; wir 
sind aber nicht immer imstande, die Effekte im einzelnen zu analysieren, und 
Strasser warnt neuerdings nachdrücklich davor, diese empirisch gefundenen Tat¬ 
sachen, von denen es zahlreiche Ausnahmen gibt, für weitgehende Hypothesen zu 
mißbrauchen. Hält man sich allzu streng an solche Regeln, wie z. B. an das 
Dastre-Moratsche Gesetz des Antagonismus, so kann man vor Ent¬ 
täuschungen nicht bewahrt bleiben. Man kann eben nicht immer durch thermisch¬ 
mechanische Reize die Blutmassen in beliebigem Grade für eine bestimmte Dauer 
auf die Peripherie dirigieren und so die inneren Organe entlasten. Und die reaktive 
Hyperämie nach Kälteeinwirkung darf ihrem Werte nach auch nicht ohne weiteres 
der Hyperämie nach Wärmeeinwirkung gleichgesetzt werden, da jener in höherem 
Maße als dieser die Rolle einer regulatorischen Tätigkeit zukommt (Strasser). 

Da die Gynäkologie in mancher Beziehung nur ein Grenzgebiet der inneren 
Medizin ist, so gelten auch für sie in allgemeinen Fragen die gleichen Grundsätze 
wie bei jener. Besonders die Bedeutung der hydriatischen Therapie für den Stoff¬ 
wechsel sei daher hier betont. Nach den Untersuchungen Strassers beeinflußt 
die hydriatische Therapie quantitativ und qualitativ den Stoffwechsel in eminenter 
Weise, und zwar im Sinne einer Steigerung der normalen Tätigkeit des lebenden 
Organismus, die sich bei genügender Ernährung nie über die Grenzen der Norm 
erstreckt. Strasser hat selbst bei energischen Prozeduren niemals Anzeichen 
eines pathologisch gesteigerten Eiweißzerfalles beobachtet. 

Im folgenden möchte ich kurz die Gesichtspunkte darlegen, nach denen an 
der H. Frauenklinik in Wien Wasserkuren bisher betrieben wurden, und unsere 
Erfahrungen erwähnen, die wir seit dieser Zeit gewonnen haben. Die wissenschaft¬ 
lichen Grundlagen der Hydrotherapie und ihre Technik muß ich dabei als bekannt 
voraussetzen. 

Der Gynäkologe soll die Hydrotherapie nach drei Richtungen hin anwenden: 
als Prophylaxe beim gesunden, als Therapie beim kranken und als 
Hygiene beim graviden und puerperalen Weibe. Besonders vor dem 
physiologischen Grenzzustande der Gravidität ist die Verantwortlichkeit des Arztes 
gesteigert, weil hier auch ein an sich unbedeutender Irrtum in der Behandlung 
für die weitere Gesundheit der Frau verhängnisvoll werden kann. 

Bei der gesunden und graviden Frau findet der Arzt ein überaus dank¬ 
bares Feld der Betätigung, weil er hier in gemeinverständlicher Weise auf¬ 
klärend und belehrend wirken kann. Wie viele Irrtümer, wie manchen Aber¬ 
glauben gibt es da abzuschaffen! Die fehlerhaft durchgeführten vaginalen Spülungen } 
die ohnehin sehr übertrieben angewandt werden, die Furcht vor dem kalten 
Wasser, der Mißbrauch des Badeschwammes, worauf besonders Frankl hingewiesen 
hat, sind hier zu erwähnen. Neuere Erfahrungen haben ferner gezeigt, 
daß auch während der Menstruation hydriatische Kuren, die vorher 


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Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. 


19 


begonnen wurden, ohne jede Gefahr für den Organismus fortgesetzt 
werden können (Winternitz, Liebermeister, Mironow, Grenell, Bux- 
banm). Denn beständen solche Gefahren, so könnte man mit Recht fragen, wieso 
die Erfolge hydriatischer Kuren bei den auf der Basis der Chlorose entstandenen 
Blutungen möglich wären. Die schon von Scanzoni bei profuser Menorrhagie 
empfohlenen eiskalten oder heißen Vaginalirrigationen müßten dann ganz ver. 
worfen werden; in Wirklichkeit leisten sie aber nicht selten treffliche Dienste. 

Die für die allgemeine Kur passende Tageszeit sind für kräftige Patienten 
die Morgenstunden, für schwächere die späteren Vormittagsstunden (Strasser). 
„Eine Variation in den Prozeduren ist besonders bei längerer Dauer einer 
hydriatischen Kur von guter Wirkung (auch psychisch-suggestiv), weil eine gewisse 
Abstumpfung gegen die Art des Reizes eintreten kann“ (Strasser). 

Während der normalen Schwangerschaft sind in der ersten Hälfte häufige 
Wannenbäder (3—4 mal wöchentlich) angezeigt, von mäßiger Temperatur und nicht 
zu langer Dauer (32—34° C, etwa 10—15 Minuten lang). Auch in der zweiten 
Hälfte der Schwangerschaft können diese Bäder fortgesetzt werden, denn sie 
kräftigen den Körper und machen ihn fähig, die täglich gewohnte Arbeit zu leisten. 
Nur muß eben nochmals betont werden, daß sie bloß indifferente Temperatur haben 
dürfen, da bei höheren Graden die Gefahr des Abortus oder der vorzeitigen Geburt 
zu fürchten ist. 

Anders verhält es sich mit der Frage von dem Nutzen des Bades, wenn die 
Schwangerschaft sich dem Ende nähert und die Geburt täglich oder stündlich 
bevorsteht. Es ist im letzten Jahrzehnt vom Standpunkte einer möglichst asepti¬ 
schen Geburtsleitung viel darüber gesprochen worden, ob das Bad nicht als eine 
Gefahr für die Gravide, als eine Infektionsquelle für die Scheide der Kreißenden 
zu betrachten sei. Seitdem Sticher und Stroganoff diese Frage aufgerollt 
haben, ist darüber eine Reihe von Untersuchungen angestellt worden, und die 
Hydrotherapie darf deshalb an ihnen nicht achtlos vorübergehen. Nachdem die 
von Hörmann, Winternitz, Hertzka und Schuhmacher gefundenen Ergeb¬ 
nisse keine Einigkeit in der Lösung der Frage erzielt hatten, ob Badewasser 
überhaupt in die Scheide Kreißender eindringe, hat Hannes durch seine Nach¬ 
prüfungen erwiesen, daß dies tatsächlich schon in der Eröffnungsperiode möglich 
sei. Seine Resultate gelten zwar nur für Mehrgebärende, doch ist auch er der 
Ansicht, daß für Erstgebärende im wesentlichen die gleiche Gefahr bestehe. Da 
man nun niemals genau im voraus weiß, wann das Kreißen, d. h. die Geburts¬ 
tätigkeit beginnt, so gilt die gleiche Möglichkeit auch für Frauen in den letzten 
Wochen der Schwangerschaft. Können pathogene Mikroorganismen aber mit dem 
Badewasser in das Genitale eindringen, so können sie schwere Komplikationen im 
Wochenbett herbeiführen, wenngleich die Geburt selbst sonst tadellos aseptisch 
geleitet und glatt verlaufen ist. An der Wiener Frauenklinik (Wertheim) 
werden aus diesem Grunde schon seit mehreren Jahren die Kreißenden 
nicht mehr gebadet, sondern in einer leeren Wanne durch eine warme 
Dusche gereinigt, deren Wasser gleichzeitig abgelassen wird. 

Häufige vorsichtige Waschungen des äußeren Genitales mit kaltem Wasser 
und reiner Watte sind in der Gravidität ein Gebot der Hygiene, indes sind die 
vaginalen Spülungen unter normalen Verhältnissen mindestens überflüssig. Zu 

2 * 


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20 


Heinrich Viktor Klein 


häufig ausgeführte Scheidenspülungen können erfahrungsgemäß schädlich wirken, da 
die säurehaltigen, bakterizid wirkenden Sekrete der Vagina dadurch in ihrer Tätig¬ 
keit gehemmt werden. Besteht aber gelber Fluor bei einer Graviden, so ist er als 
pathologisch zu betrachten, auch wenn es sich nicht um Gonorrhöe handelt. Denn 
Mikroorganismen, die für das Wochenbett gefährlich werden können, sind sicher 
dabei beteiligt, und diese müssen beseitigt werden. Hier sind nun tägliche Vaginal¬ 
spülungen mit warmer lproz. Lysoform- oder lprom. Sublimatlösung angezeigt. 

Zweifel hat 5proz. Milchsäure als Spülungsmittel empfohlen, da er gefunden hat, 
daß in der Scheide gesunder Gravider G&rungsmilcbsäure in einem Höchstgehalt von 5 Proz. 
als freie Säure enthalten sei. Die Untersuchungen Schweitzers haben gezeigt, daß 
schärfere Mittel als Milchsäure, wie z. B. das von Hofmeier bevorzugte Sublimat, keines¬ 
wegs stärker bakterizid wirken als die Milchsäure, weshalb diese, die noch dazu den Vorteil 
der Ungiftigkeit habe, vorzuziehen sei. Wie sich dies nun auch verhalten mag, das eine 
ist sicher: Eine Scheide mit gelbem pathologischem Sekret enthält sehr 
wenig freie Säure, ist also in ihrem natürlichen Schutzapparat geschädigt 
und muß deshalb antiseptisch behandelt werden. 

Anzeige und Gegenauzeige in ihrem Verhältnis zueinander richtig ab¬ 
zuschätzen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der Hydrotherapie, und gerade 
der Gynäkologe wird dabei nicht selten in ein Dilemma geraten. Wenn z. B. 
außer der Gravidität noch besondere krankhafte Zustände vorliegen, die einer 
physikalischen Therapie bedürfen, ist größte Vorsicht geboten, da bei der Be¬ 
handlung der interkurrenten Erkrankung immer an eine Gefährdung des normalen 
Geburtsverlaufes zu denken ist. 

Hydriatischer Behandlung sind übrigens nur wenige Graviditätsstörungen 
zugänglich, gewöhnlich die, deren Symptome vorwiegend nervöser Natui sind. 
In Betracht kommen hier Chorea, Eklampsie und Hyperemesis. Leider fehlen 
uns Erfahrungen darüber, ob bei Chorea tonisierende hydriatische Prozeduren, 
wie Halbbäder oder feuchte Einpackungen, erfolgreich angewandt werden können. 
Aber bei der Wahl der Eklampsietherapie muß man sagen, daß Wasser¬ 
kuren eher schaden als nützen können. „Eine wesentliche Milderung der 
eklamptischen Anfälle“, wie sie von Aubenas nach Anwendung feuchter Ein¬ 
packungen, nach V 2 - bis 1 ständigen Hochbädern von 35° berichtet worden ist, 
kann allein gar nicht im Sinne einer exakten Eklampsietherapie gelegen sein, die 
vor allem auf eine möglichst rasche Entfernung des vorhandenen Giftes hinwirken 
muß. überdies wäre bei Schwitzprozeduren eine Eindickung des ohnehin wasser¬ 
armen Blutes der Eklamptischen zu fürchten. 

Die Hyperemesis gravidarum 1 ), deren Ätiologie noch dunkel ist, haben 
wir in nicht zu schweren Fällen als Neurasthenia intra gravididatem aufgefaßt 
und zweimal nach der von Strasser und Buxbaum angegebenen Methode mit 
dem Winternitzschen Magenschlauch zu behandeln versucht. Der Erfolg 
war beidemal negativ; indessen sind diese Erfahrungen wohl zu gering, als daß 


') Stolper sieht neuerdings die Hyperemesis als Graviditätstoxikose an, die vorwiegend 
auf mangelhafter Funktion des normalen Entgiftungsmechanismus beruht. Übrigens meint auch 
er, daß die Symptome der Hyperemesis nur ungenügende Anhaltspunkte zur Sicherung der 
Diagnose gegenüber dem harmlosen Schwangerschaftserbrechen, ferner zur Unterscheidung 
leichterer und schwererer Fälle gegenüber der Simulation geben. 


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fpj Bedeutung der Hydrotherapie fftr den Gynäkologen 


man das Verfahren, übet- das beide Autoren wir Gutes zu berichten wissen, als 
wirkaugslos bezeichnen dürfte. 

Was die Physiologie des Wochenbettes isetritTt, vertritt Lenhartz den 
Standpunkt, daß nicht medikamentöse Behandlung, sondern vielmehr bydriatisclm 
und andere physikalische Maßnahmen eine rasche Erholung des Organismus von 
der Gebort. erzielen können, und Krönig hebt hervor, daß möglichst frühzeitig, 
schon am 10. bis 13. Tage, mit hydriatiseheu Kuren zur Ki'äftigong der Rauch¬ 
wand- und Beckenbodenmoskulalttr begonneu werden müsse. Kroing berichtet 
aus der Freiburger KUnikr daß nach Öebraitch der auföteigefiden kiÜiiea Becken- 
duschen off. Überraschend schnell und vollständig die Rekonstruktion des Muskel- 
touus erfolge. Opitz empfiehlt einen noch früheren Beginn dieser Wasserprozeduren. 

Big. 11. 


etwa am 8 . — 10 . Tage, vor allem die Fächerbrause tiic die Sei feilteile des Bauches. 
Von den Bammdusehen hat er schon am li oder C. Tage mit Vorteil Gebrauch 
gemacht und trotz des bestehenden davon gesehen. 

Für das Wochenbett fehlen an unserer Kiiuik twMfir nach diesbezügliche Er¬ 
fahrungen, Indessen glaube, auch ich, daß 'durch die Bßckenduseheo. in prophy¬ 
laktischer Hinsicht. mehr geleistet werden kann als. therapeutisch, d. h. daß. 
eia bereits hestebendßr v auch noch so geriogfügigek'' öcszeusisR der Vagina sich 
durch ßeckenduschen kaum günstig beeinfluss# läßt 

Zur ÄBweudnng »nffttbigemler Beckeridnselten gibt-- -ca verschiedene Hilfsmittel. Die 
einfachsteVorrichtung ist Hefzbrett mit kreje- 

nmdem ÄnsschoItJ. (Klosettfom) gelegt, and voit •dar'W#seri#aog aal führt ein Schlauch, 
an de*»eft Fk4e: filiie Brause mit VnßgesteU angebracht ist, unter de» Ausschnitt. Am 
Hahn des Wasserrohres! ■ist eia tTberroameier znc Temperaturregehmg angohraeht. Dieser 
höd»st eiöfech« Apparat ist an jürsaem- Abteilung in Gebrauch: .er hat bloß deu kleinen 
Nachteil, daß die Fmfenmng zwischen Brause? und Körper von Wiehl Anfang an fixiert 
ist, so daß die Retxgrüße der WMSpreinwjrkflng mit der Temperatur allein verändert, 
wird. Um diesem . lüifeap'wir aber außer der Sitzbadewaüae eine 




HetarMi Viktor Klein 


frei aus dem Boden verogende Brause, über die ein Ringscheinei (Fig. 12) mit kreisrundem 
Aussfdiojtt- gestellt wird odet: eloeu mit Brause bereits versehenen B.iHfSö!üein<il (Pig. 13). 
inxSiitiefi'. da*!», daß der l{.Hlg»etiemeJ In seiner Höhe dnfeb Metallstifte vefstelJ- 

?>ai' ist. Sei es suiiaelist mugiieh, die Hübe ^.Wasserstrahles der ftriUle der 

Patienten äAiöpassen n«d 3äno auch die Kraft und Ausdehnung des appitamteO Wasser- 
veliTjiiens mir. der Temperatur beliebig zu Variieren. Das Ist von 'ßeitaulUttg, den» be- 
käontlich ateM die Wirkung des Wassers, nickt immer im geraden Verhältnis ziir Reiz- 
grtitft*, „Starke and lang dauernde Reize wirkeii nicht mögend, sOmitr« beruhigt«d. 
sogar iSliniend 1 ' (ßoshU’Utü)- 

iJfei finherhaffbü &rkra.bküiug«u itft Wöck@Äbet£ (PafiBperalprozeli) t*e^ 
währen jfeh oft feucht« Einpackungen dnd tan« Bäder zur Herabsetzung der hphgn 
Temperaturen. Insbesondere, jüngere Individuen können, solange die Herzfnnktion 


nicht zu sehr alteriert ist, auch bei knganhaltende« hohen Temperaturen auf dies« 
Wesse erfolgreich behandelt werdon, Playlair’) war einer der ersten, rler feuchte 

Mähe 1 ) hat. 


Einpackungen und Waschungen bei Pnerpesivliichi-r angewandt hat. 
besonders güte Wirkungen von iialhbMeiti gesehen.. 

Bei g^näkoiogiseheri Erk.tfükungen «feilt. der jel»-.jgreöbs 

Gebiet ollen, ’iessfea Grenzen vorläufig noch lange nicht abzRxeiien sind, da fast 
täglich neue- .Erfahrungen den Wen dieser Heilmethode bestätigen, ln Betracht 
kommen hier sowohl Alle fRKküonetien Störungen als auch organische Erkrankungen. 

Jeder Gynäkologe kenn! zur Genüge den. Typus der ieidendeu Frau, die, 
über heftige Vinterleibsbeschwerdeü klagend, ms- Krankenhaus oder in die Spreche 
sfundpi kommt, bei der aber trotz.--gewissenhafter Hntei^achtmg der objektive 
iw keinem Verhältnis zu den geschilderten Beschwerden steht. Oder, um 
ieii IvustbiitÄ zu reden: „Vielen im .Unterleib bestehenden Schmerzen fehlt eben 
ein pathologisch-anatomisches 'Substrat im Bereich dec Sestmlorgane." Es. wäre 




Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. 


23 


fehlerhaft, alle diese Beschwerden gleich mit dem geringschätzenden Attribut 
„hysterisch“ abzutun. In manchen Fällen besteht wirklich eine leichte Oophoritis 
oder Retrofiexio mobilis, eine Ovarie ohne Temperatursteigerungen oder eine gering- 
fügige Parametritis; aber eben das Mißverhältnis zwischen dem objektiven Befund 
und den großen subjektiven Beschwerden, die alle, wie Laqueur betont, unter dem 
Bilde der Neurasthenie verlaufen, hat dazu geführt, sie unter dem Begriff Neur- 
asthenia sexualis zu sammeln und dementsprechend zu behandeln. Hier kommen 
psychotherapeutische, suggestive Maßnahmen, vor allem aber hydriatische Kuren 
in Betracht, und auf diesem Gebiete hatten wir in unserer Abteilung in 
mehreren Fällen überraschende und dauernde Erfolge. In diese Gruppe 
gehören auch die neurasthenischen Erscheinungen nach Kastration und anderen 
operativen Eingriffen, bei Dysmenorrhöe und im Klimakterium. Für die Behandlung 
dieser Zustände kommen kurze kühle, protrahierte laue Sitzbäder in Betracht, 
ferner Halbbäder, Teilwaschungen, feuchte Abreibungen und hydroelektrische 
Bäder. Insbesondere das galvanische Bad und das dipolare Wechselstrombad 
hat uns bei Klimakterium praecox sehr gute Dienste geleistet. 

Die hydroelektrischen Bäder werden an unserer Abteilung in der Form des Gärtner- 
Sehen Zweizellenbades angewandt. Wir haben vorläufig nur die einfache Art des 
Zweizellenbades versucht und zwar als galvanisches, als kombiniertes galvanofaradisches 
und als Wechselstrombad. Die schon von Gärtner und Schweinburg konstatierte 
günstige Wirkung bei Agrypnie auf neurasthenischer Grundlage und bei hysterischen Zu¬ 
ständen kann ich durchaus bestätigen. Besonders dem galvanischen Bade kommt eine 
außerordentlich beruhigende Wirkung zu. Fellner empfiehlt die elektrischen Bäder auch 
für nervöse Dysmenorrhöe. 

Leider ist die Wirkungsweise des elektrischen Wasserbades noch sehr ungleich¬ 
mäßig. Es läßt sich trotz des Gummidiaphragmas in der Gärtnerschen Wanne nicht 
verhindern, daß ein Teil des Stromes verloren geht, und auch ich habe gleich Fellner 
die Erfahrung gemacht, daß die Kranken den Strom oft bloß an einzelnen Stellen fühlen, 
zumeist an der unteren Körperhälfte. Erst bei bedeutender Verstärkung geht der Strom 
in die andere Körperhälfte über. Diese notwendige Verstärkung wird aber meist nicht 
mehr gut vertragen. 

Ich will noch auf die ausgezeichneten Erfolge der schottischen Dampf- 
dnsche, kombiniert mit den beweglichen Fächerstrahlen, bei verschiedenen Formen 
der Neuralgie, bei Sakralgie und bei Muskelrheumatismus kurz hinweisen. In 
einem Falle wirkte die schottische Dampfdusche bei chronischer spastischer Obsti¬ 
pation überraschend gut, nachdem hier bereits alle anderen Mittel versagt hatten. 

Bei organischen Erkrankungen der Genitalien hatten wir in mehreren 
Fällen sehr gute Resultate. Die Hilfsmittel waren hier die lauen, warmen und heißen 
Sitzbäder, die heißen vaginalen Spülungen, die feuchten Einpackungen mit dem 
Gummischlauch über der ersten Lage, bei denen durchfließendes Wasser von 45 
bis 50° C sehr gut vertragen wird. Besonders die modifizierte Form der 
Einpackung nach Buxbaum ist zu bevorzugen. Ein Haupthilfsmittel ist das 
Moor und zwar als Moorlauge oder Extrakt. Es mag sein, daß, wie von 
mancher Seite behauptet wurde, die Wirkung der Moorsalze wesentlich verringert 
wird, wenn sie vom Orte der Gewinnung weit entfernt angewandt werden; obwohl 
auch Krönig darauf aufmerksam macht, daß diesbezüglich sichere Beweise noch 
fehlen. Aber wäre es auch so: wir sind eben nicht oder nur selten in der Lage, 
aus dem klinischen Betriebe Patienten etwa nach Franzensbad zu schicken, und 


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24 


Heinrich Viktor Klein 


so müssen wir uns mit dem Ersätze der Eisenmoorsalzbäder und der Moor¬ 
umschläge abfinden; und der Erfolg hat uns recht gegeben. Er hat sich in 
einigen Fällen so rasch und auffallend eingestellt, daß diese Behandlungs¬ 
methode an therapeutischem Wert über manche der gebräuchlichsten 
ambulatorischen Hilfsmittel zu stellen ist. Es wurden auf diese Weise 
große parametrane Exsudate und chronisch entzündliche Adnex¬ 
tumoren fast vollkommen zum Schwinden gebracht. Die nach Adnexopera- 
tionen nicht selten beobachteten Stumpfexsudate können mit warmen und heißen 
Sitzbädern und Moorumschlägen oft sehr günstig beeinflußt werden. Freilich muß 
zugegeben werden, daß die Wirkung meist von individuellen, wahrscheinlich 
organisch begründeten Varietäten der Reaktionsform abhängt. Es gibt langwierige 
Entzündungsprozesse, große Exsudate, die nach konsequent durchgeführter Be¬ 
handlung endlich schwinden; es gibt aber minder ausgedehnte, die jeder Behandlung 
trotzen. Worauf dies beruht, weiß ich nicht. Aber es ist eine Tatsache, und 
wir müssen uns damit abfinden. Und es gehört mit zur Kunst und zu den Auf¬ 
gaben des klinisch erfahrenen Arztes, zur rechten Zeit eine Behandlung einzustellen, 
von der kein Nutzen mehr zu erwarten ist. 

Bei chronischer Endometritis mit lästigem Zervikalkatarrh habe ich erfolg¬ 
reich heiße und wechselwarme Vaginalduschen mit der Glasbirne nach Hasse 1 ) 
angewendet, bei Pruritus Vulvae und einem Falle von beginnender Kraurosis 
war ein sehr guter subjektiver Erfolg mit warmer auf steigender Beckendusche 
und mit Kohlensäurebädern (Novak) erzielt worden. Auch bei klimakterischen 
Beschwerden haben sich Kohlensäurebäder einigemal bewährt. 

Bei Blasen- und Harnröhrenentzündung haben uns die lauen Sitzbäder 
(28—36° C, 15—20 Minuten) gute Dienste geleistet. Auch die gonorrhoische 
Urethritis kommt hier in Betracht. Im allgemeinen ist zu betonen, daß bei Blasen¬ 
beschwerden verschiedener Art mit Wärmezufuhr immer die besten Erfahrungen 
gemacht werden. Warme Sitzbäder, warme feuchte Umschläge, der Thermophor 
sind allen anderen Mitteln vorzuziehen. Mit Recht hebt Frankl hervor, daß 
niedrig temperierte Prozeduren nicht bloß subjektiv unangenehm sind, sondern 
meist auch unwirksam bleiben. 

Die Indikationsstellung muß natürlich sorgfältig erwogen werden, da manche 
hydriatische Prozeduren bei Arteriosklerose, bei Vitien, bei Fieber, bei Aneurysmen 
oder bei Habitus apoplecticus zu unterlassen sind. Deshalb habe ich erstens immer 
vor Beginn jeder Prozedur das Herz und die Lunge genau untersucht und zweitens 
sorgfältig die Vorbauung gegen die Rückstauungskongestion überwacht. 

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Hydrotherapie in der Gynäkologie 
ein weites Feld der Betätigung offen steht. Wenn eine Frau nach monatelanger 

’) Das Prinzip dieser Glasbirne besteht darin, möglichst heiße Flüssigkeitsmengen ins 
Scheide ngewölbe zu leiten, ohne den gegen' hohe Temperaturen empfindlichen Damm und die 
Vulva zu schädigen. Innerhalb der Hass eschen Birne sind zwei Glasröhren hin- und rück¬ 
läufig angebracht, so daß der heiße Wasserstrahl mit dem äußeren Genitale nicht in Berührung 
komm t Statt dessen kann man auch den Scheidenspüler nach Pinkuss verwenden, der außer¬ 
dem den Vorteil hat, daß er den raschen Wasserabfluß aus der Vagina erschwert, wodurch eine 
länger anhaltende Wirkung erzielt wird. Bei diesem Apparate ist die Scheide so wie bei dem 
Hass eschen Glase durch den bimförmigen Glastubus am Eingänge abgeschlossen; das Wasser 
wird durch kleine, am Glastubus angebrachte Öffnungen genötigt, ganz langsam abzufließen. 


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Die Bedeutung der Hydrotherapie für den Gynäkologen. 


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vergeblicher Behandlung mit ambulatorischen Hilfsmitteln in der Hydrotherapie 
endlich ihre Heilung findet, so ist es ganz verfehlt, die Hydrotherapie bloß als 
ultimum refugium in der Heilkunde zu betrachten, das erst dann in Betracht 
kommen dürfe, wenn alles andere versagt hat. Auch das hat diese Behandlungsart 
vor allen anderen voraus, daß sie sehr oft suggestiv, also indirekt heilend zu 
wirken vermag. 

Um aber ihre Heilwirkung ganz entfalten zu können, muß sie richtig an¬ 
gewandt werden, d. h. zu richtiger Zeit, am rechten Orte und in der richtigen 
Weise. Dagegen wird aber oft gesündigt. Daher die vielen Mißerfolge, die von 
den Gegnern der Hydrotherapie auch dort berichtet werden, wo sie sonst nicht 
zu erwarten sind. Leider ist eben die Mehrzahl der praktischen und selbst der 
spezialistischen Ärzte in keiner Weise mit der Technik und den Indikationen 
selbst der einfachsten hydriatischen Prozeduren vertraut, woraus sich die Not¬ 
wendigkeit ergibt, daß dieser wichtige Zweig der Heilkunde ebenso wie jeder 
andere in besonderen Lehrkursen unterrichtet werde. 

Es ist kein Zweifel, daß die Untersuchungen über die therapentische Kraft 
dieses physikalischen Heilmittels noch lange nicht abgeschlossen sind. Gewiß ist 
manche Wirkung des Wassers nicht gerade überzeugend. Die Hydrotherapie als 
empirische Wissenschaft macht eben ihre Entwicklung durch, so gut wie jede 
andere. Sie wird dabei ruhig ihren Weg gehen, sich nicht eine Hegemonie 
anmaßen, die ihr nicht zukommt, sich niemals ungestüm vordrängen, aber ihren 
Platz neben den anderen Heilmethoden dauernd zu behaupten wissen. 


Literatur. 

B. Buxbaum, Lehrbach der Hydrotherapie. Leipzig 1903. G. Thieme. 

Derselbe, Kompendium der physikalischen Therapie. Leipzig 1906. G. Thieme. 

L. Fellner, Beitrag zur Indikation des elektrischen Zweizellenbades. Bericht über den 

3. österr. Balneologen-Kongreß. Wien 1903. M. Perles. 

Foges und Fellner, Physikalische Therapie der Erkrankungen der weiblichen Sexual¬ 
organe in Marcuse und Strasser: Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen. Heft 22. 

Frankl, Die physikalischen Heilmethoden in der Gynäkologie. Wien 1906. Urban 
& Schwarzenberg. 

Derselbe, Die Hydrotherapie in Gynäkologie und Geburtshilfe; vgl. Schweinburg. 
Derselbe, Heißluft- und Heißwasserbehandlung von Frauenkrankheiten. Bericht über den 

4. österr. Balneologen-Kongreß in Abbazia 1904 und Wiener med. Wochenschrift 1905. Nr. 2. 

W. Hannes, Das Bad ist eine Infektionsquelle. Zeitschrift f. Geb. u. Gyn. Bd. 66. 
Hertzka, Über das Eindringen von Badewasser in die Scheide von Schwangeren usw. 
Monatsschrift f. Geb. u. Gyn. Heft 16. 

Hörmann, Die Bedeutung des Wannenbades für die puerperale Infektion. Verhandlungen 
der Deutschen Ges. f. Gyn. Straßburg 1909. 

Krönig, Gynäkologische Hydrotherapie im Handbuch d. ges. Therapie, herausgeg. von 
Pentzoldt und Stintzing Bd. 7. Jena 1912. G. Fischer. 

Laqueur, Zur Anwendung der physikalischen Therapie bei gynäkologischen Erkrankungen. 
Zeitschrift f. Geb. u. Gyn. 1913. Bd. 74. 

Lenhartz, Die Beziehungen der weiblichen Geschlechtsorgane zu den inneren Erkrankungen. 
Verhandlungen des XXV. Kongresses für innere Medizin. 

Menge, Hygiene und Diätetik des Weibes im Handbuch der Frauenheilkunde. Heraus¬ 
gegeben von Menge und Opitz. Wiesbaden 1913. E. Bergmann. 

Opitz, Allgemeine Therapie, ebendaselbst. 


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26 


G. Brückner 


v. Kosthorn, Die Beziehungen der weiblichen Geschlechtsorgane zu den inneren Er¬ 
krankungen. Verhandlungen des XXV. Kongresses für innere Medizin. Wien 1908. 

Schauta, Lehrbuch der gesamten Gynäkologie. Wien 18%. F. Deuticke. 
Schweinburg, Handbuch der allgemeinen und speziellen Hydrotherapie. Wiesbaden 1904. 
J. F. Bergmann. Vgl. Frankl. 

Sticher, Die Bedeutung der Scheidenkeime in der Geburtshilfe. Zeitschrift f. Geb. u. 
Gyn. Bd. 44. 

Derselbe, Das Vorbereitungsbad der Kreißenden als Infektionsquelle. Zentralblatt f. 
Gyn. 1901. Nr. 9. 

Strasser, „Hydrotherapie“ in Bums Lexikon der physikalischen Therapie. Wien 1904. 
Urban & Schwarzenberg. 

Derselbe, Die wissenschaftlichen Grundlagen der Hydrotherapie. Med. Klinik 1913. Nr. 26. 
Stroganoff, Können Wannenbäder als das beste Reinigungsmittel des Körpers der 
Kreißenden betrachtet werden? Zentralblatt f. Gyn. 1901. Nr. 6. 

Schuhmacher, Zur Frage der Zweckmäßigkeit des Bades Gebärender. Meyers Beiträge VIII. 
Tuszkai, Physiologische Versuche mit Moorbädern. Bericht über den 5. österr. Balneo- 
logen-Kongreß in Dresden 1906. 

J. Winternitz, Das Bad als Infektionsquelle. Zentralblatt f. Gyn. 1901. 

W. Winternitz, Die Hydrotherapie auf physiologischer und klinischer Grundlage. Wien 
1913. H. Heller. 

Derselbe, Physikalische Grundlagen der Hydro- und Thermotherapie; in Marcuse und 
Strasser: Physikalische Therapie in Einzeldarstellungen 1906. 


IV. 

Zur Behandlung innerer Krankheiten mit Thorium X. 

Aus dem medizinisch-poliklinischen Institut der Universität Berlin. 

(Direktor: Geh. Med.-Kat Prof. Dr. Goldscheider.) 

Von 

Stabsarzt Dr. O. Brückner. 

Über die Wirkung des Thorium X bei inneren Krankheiten steht ein end¬ 
gültiges Urteil noch nicht fest. Nur so viel kann man sagen, daß die großen 
Hoffnungen, die man auf diese radioaktive Substanz nach den ersten Mitteilungen 
aus den Kliniken von His, Kraus und v. Noorden setzen zu können glaubte, 
sich nicht oder doch nnr zu geringem Teil erfüllt haben. Vor allem waren es 
die schweren Blutkrankheiten, perniziöse Anämie und Leukämie, welche durch 
Thorium X günstig beeinflußt sein sollten. Indessen zeigte sich bald, daß die 
Wirkung dieses Mittels: Vermehrung der Erythrocyten bei perniziöser Anämie, 
Verminderung der Leukocyten bei Leukämie, nur eine symptomatische, vorüber¬ 
gehende war, die den tödlichen Ausgang vielleicht hinausschieben, aber nicht ab¬ 
wenden konnte. Klemperer und Hirschfeld 1 ) können dem Thorium X bei 
perniziöser Anämie einen Vorzug vor dem Arsen nicht zugestehen, bei der Leukämie 

] ) Klemperer and Hirschfeld, Der jetzige Stand der Thorium-X-Tberapie. Therapie 
der Gegenwart 1912. August. — Dieselben, Weitere Mitteilungen aber die Behandlung der 
Blutkrankheiten mit Thorium X. Ebenda 1913. Februar. 


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Zur Behandlung innerer Krankheiten mit Thorium X. 


27 


— der myeloischen wie lymphatischen — fanden sie dagegen eine außerordent¬ 
liche symptomatische Beeinflussung, selbst unter Zurückgehen des Milztumors, in 
derselben Form wie bei der Röntgentherapie, freilich ohne Einwirkung auf das 
Wesen der Krankheit selbst. 

Versuche mit Thorium X bei anderen inneren Krankheiten wurden noch viel¬ 
fach vorgenommen, doch sind es hauptsächlich folgende Gruppen, bei denen zur¬ 
zeit Thorium angewandt wird: 1. Erkrankungen des Blutes und des lymphatischen 
Apparates, 2. rheumatische Erkrankungen, 3. Geschwulsterkrankungen (Bickel 1 ). 

In neuester Zeit bezeichnete Meseth 2 ) die Behandlung mit Thorium X als 
aussichtsreich bei den Anämien (ausgenommen die perniziöse Form), ferner bei 
Ischias sowie vor allem bei den sekundären, chronischen Gelenkaffektionen, 
v. Benczür*) will bei perniziöser Anämie „im Gegensatz zu Klemperer und 
Hirschfeld“ gute Erfolge gesehen haben und führt hierfür fünf Fälle an. Sieht 
man diese Fälle aber genauer an, so gewinnt man die Überzeugung, daß es sich 
hier gar nicht um perniziöse Anämien gehandelt hat: ein Fall wird als Anaemia 
gravis secundaria, ein anderer als Anaemia gravidarum bezeichnet, in keinem 
Falle wurden Megaloblasten gefunden, nur in einem Falle Normoblasten (dieser 
kam zum Exitus), sonst fand sich nur Poikilocytose und Anisocytose. 

Da weitere Mitteilungen über die Wirkung des Thorium X von Wert 
erscheinen, sollen im folgenden die Fälle mitgeteilt werden, welche in der 
Krankenabteilung des hiesigen Instituts mit diesem Mittel behandelt wurden. Das 
Thorium wurde uns von der Auer-Gesellschaft in Berlin in freundlicher Weise zur 
Verfügung gestellt, in der ersten Zeit berechnet in Mache-Einheiten, später in 
elektrostatischen Einheiten und unter der Bezeichnung „Doramad“. 

Fall 1. K. U., 30 Jahre, Maler. Perniziöse Anämie. Seit einem Jahre 
zunehmende Schwäche und Blässe. Haut wachsfarben. Vitiligo, Alopecia completa, 
Infantilismus. Leber fast handbreit unter dem Rippenbogen fühlbar. Großer harter Milz¬ 
tumor, bis drei Qnerfinger unter dem Rippenbogen. Urin: frei. Wassermann: —. 

Aufnahme 12. August 1912. Blutbild: Erythrocyten: 1800000, Leukocyten: 5100, 
Hämoglobin: 20 %. Poikilocytose, Anisocytose, Normo- und Megaloblasten. Zunächst Arsen- 
und Röntgentherapie. 

28. August 1912. Blutbild: E: 300000, L: 9600, Hgl: 12%. 

I. 1500000 Mache-E. Thorium X intravenös. 

31. August 1912. Blutbild: E: 720000, L: 4600, Hgl: 10%. Milz kaum noch 
fühlbar, trotzdem zunehmende Mattigkeit; Durchfälle. 

4. September 1912. Blutbild: E: 300000, L: 3300, Hgl: 8%. Zunehmende 
Schwäche und Verfall. 

6. September 1912. Exitus. Sektion. Pathol.-anat. Diagnose: Perniziöse Anämie. 

Fall 2. A. A., 37 Jahre, Ehefrau. Perniziöse Anämie. Seit einem Jahre 
zunehmende Blässe und Mattigkeit. Grazile Frau. Haut wachsfarben. Milz fast hand¬ 
breit unter dem Rippenbogen fühlbar, hart; Leber eben fühlbar. Zähne gelockert. 

Aufnahme 10. September 1912. Blutbild: Erythrocyten: 625000, Leukocyten: 
4200, Hämoglobin: 16 %. Poikilocytose, zahlreiche Normo-und Megaloblasten. Zunächst 
Arsenbehandlung, danach am 

*) Bickel, Weitere Beiträge zur Thorium-X-Therapie bei Anämie, Leukämie und rheuma¬ 
tischen Erkrankungen. Berliner klin. Wochenschrift 1913. Nr. 8. 

*) Meseth, Thorium X bei inneren Krankheiten. Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr.38. 

*) t. Benczür, Erfahrungen über Behandlung mit Thorium X. Therapie der Gegenwart 
1913. Oktober. 


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G. Brückner 


20. September 1912. Blutbild: E: 650000, L: 1400, Hgl: 16 %. 

I. 21. September 1912. Thorium X 90000 Mache-E. intravenös, gut vertragen. 

24. September 1912. Blutbild: E: 600000, L: 1900, Hgl: 15%. 

II. 28. September 1912. Thorium X 100000 Mache-E. intravenös. 

1. Oktober 1912. Ödeme beider Beine, heftiges Nasen- und Zahnfleischbluten, Kopf¬ 
schmerzen, Allgemeinbefinden beeinträchtigt. 

2. Oktober 1912. Blutbild: E: 450000, L: 1400, Hgl: 15%. 

5. Oktober 1912. Patientin verläßt die Klinik, nicht gebessert. 

Fall 3. A. St., 42 Jahre, Ehefrau. Perniziöse Anämie. Seit 3—4 Monaten 
zunehmende Blässe. Haut wachsfarben. Harter Milztumor drei Querfinger unter dem 
Rippenbogen, Leber eben palpabel. Urin: frei. 

Aufnahme 9. Januar 1913. Blutbild: Erythrocyten: 900000, Leukocyten: 4200, 
Hämoglobin: 30%. Poikilocytose, Normo- und Megaloblasten. 

I. 11. Januar 1913. Thorium X 200 e. s. E. intravenös, danach Schwindelanfälle, 
Übelbefinden, Temperaturanstieg auf 38,3°. 

15. Januar 1913. Blutbild: E: 400000, L: 3800, Hgl: 25 %. 

19. Januar 1913. Patientin verläßt die Klinik, nicht gebessert. Die Frau starb 
ein halbes Jahr später, im Juli 1913. 

Fall 4. A. K., 39 Jahre, Schneider. Myelogene Leukämie. Vor 4% Jahren zum 
erstenmal Schmerzen in der Milzgegend. 1910/11 mit Böntgenbestrahlung behandelt, danach 
Besserung. 1912 Verschlechterung, Röntgenbehandlung, erhebliche Böntgenverbrennung, 
die bei Aufnahme in die Klinik noch besteht. Mittelkräftiger Mann. Geringe Schwellung der 
Halsdrüsen. Gewaltiger harter Milztumor, der bis in die rechte Beckenschaufel herüber¬ 
reicht und so den ganzen Leib ausfdllt. Allgemeinbefinden immerhin wenig beeinträchtigt. 

Aufnahme 10. Januar 1913. Blutbild: Erythrocyten: 2800000, Leukocyten: 80000, 
Hgl: 55%. Polynucl. L.: 40%, Lymphocyten: 22%, Myelocyten: 20%, Eosinophile: 
11 %, Mastzellen: 4 %. 

I. 11. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös, gut vertragen. 

14. Januar 1913. Blutbild: E: 3000000, L: 223000!, Hgl: 50%, Polynucl. L.: 
38%, Lymphoc.: 18%, Myelocyten: 21%, Eosinoph.: 9%, Mastzellen: 9%. Subjektives 
Befinden angeblich gebessert. 

20. Januar 1913. Blutbild: E: 3200000, L: 256000! 

II. 21. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös. 

23. Januar 1913. Blutbild: E: 2900000, L: 260000! 

28. Januar 1913. Blutbild: E: 2900000, L: 122000, Polynucl. L.: 21%, 
Lymphoc.: 13%, neutroph. Myeloc.: 25%, Eosinoph. Myeloc.: 4%, Mastzellen: 10%. 

III. 30. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös, gut vertragen. 

IV. 4. Februar 1913. Thorium X 2000 e. a. E. intravenös, danach Übelkeit. 

5. Februar 1913. Blutbild: E: 2400000, L: 225000! Polynucl. L.: 38%, 

Lymphoc.: 34%, Myeloc.: 16%, Eosin.: 10%, Mastzellen: 2%. 

17. Februar 1913. Blutbild: E: 2500000, L: 190000. Milztumor unbeeinflußt. 
Allgemeinbefinden unverändert. 

18. April 1913. Blutbild: E: 2000000, L: 148000. Befinden verschlechtert, 
heftige Schmerzen in der linken Seite. 

20. Mai 1913. Blutbild: E: 2400000, L: 256000, Polynucl. L.: 30%, Lymphoc.: 
11%, Myelocyten: 26%, Eosinoph.: 12%, Mastzellen: 21%. Nach schriftlicher Mit¬ 
teilung des Patienten im Juli 1913 hatte sich sein Zustand weiter verschlechtert, so daß 
er einer Aufforderung, sich wieder zur Nachuntersuchung einzustellen, nicht mehr nacli- 
kommen konnte. 

Fall 5. A. H., 20 Jahre, Arbeiterin. Leukaemia lymphatica subacuta (Thymus¬ 
tumor). Seit 5 Wochen Mattigkeit, schlechter Schlaf, Atemnot, Husten, Auswurf, Druck 
auf der Brust. Ernährungszustand ziemlich gut, aber auffallende Blässe. In der Fossa 
jugularis fühlt man eine harte, nicht pulsierende Geschwulst. Zu beiden Seiten des 


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Zur Behandlung innerer Krankheiten mit Thorium X. 


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Stenrams etwa zwei Querfinger breite Dämpfung, darüber das Atemgeränsch aufgehoben. 
Milz nicht deutlich palpabel. Keine Drüsenschwellungen. 

Aufnahme 12. Dezember 1912. Blutbild: Erythrocyten: 3000000, Leukocyten: 
38400, Hämoglobin: 60%. Polynucl. L.: 21 %, kleine Lymphocyten: 47 %, große Lympho- 
cyten: 12%, Myelocyten: 14%, Eosinophile: 5%, Übergangsf.: 1%. Zunächst Arsen- 
und Röntgentherapie. 

10. Januar 1913. Das Befinden verschlechtert sich zusehends, die Atemnot wird 
größer, Patientin kann auch nur noch flüssige Nahrung nehmen. Die Milz ist unter dem 
Rippenbogen zu fühlen. Blutbild: E: 2560000, L: 98200. 

I. 11. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös, gut vertragen. 

14. Januar 1913. Milz drei Querfinger unter dem Rippenbogen. Keine Besserung. 

15. Januar 1913. Blutbild: E: 1300000, L: 143600, Hgl:60%. Polynucl. L: 
6%, Lymphoc.: 93 %! Eosinoph.: 1%. Keine Myelocyten! 

20. Januar 1913. Blutbild: Leukocyten: 179200. 

11. 22. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös. Nährklistiere, da 
Nahrungsaufnahme völlig behindert. Große Atemnot. 

28. Januar 1913. Blutbild: E: 1200000, L: 121600, Hgl: 25%, kleine 
Lymphoc.: 95 %, große Lymphoc.: 5 %, keine Myelocyten, keine Polynucl. 

30. Januar 1913. Drüsenschwellungen am Hals. Zunahme der Dämpfung auf der Brust. 
Ulzeröse Prozesse in Mund und Rachen. Milz kleiner, kaum fühlbar. Temperaturanstieg. 

1. Februar 1913. Exitus. Sektion. Pathol.-anat. Diagnose: Lymphosarkom der 
Thymus, kleiner Herd in der r. Niere, Einwucherung des Tumors in die Vena cava sup. 
Milztumor, teilweise rotes Knochenmark mit Blutungen. Diphther. Nekrose an Rachen, 
Ösophagus, Larynx. 

Fall 6. E. 0., 32 Jahre, Zimmermann. Leukanämie. Seit Jahr Schmerzen 
in der Milzgegend und leichte Gelbfärbung der Haut. Er war deshalb drei Monate im 
Krankenhaus und wurde mit Röntgenbestrahlung der Milz behandelt, angeblich ohne 
Erfolg. Blaß-gelbe Hautfarbe. Großer, harter Milztumor, drei Querfinger unter dem 
Rippenbogen, Leber fast handbreit unter dem Rippenbogen fühlbar. Urin frei. Wassermann: —. 

Aufnahme 15. August 1912. Blutbild: Erythrocyten: 1900000, Leukocyten: 8500, 
Hämoglobin: 25%. Zahlreiche Normoblasten, vereinzelte Megaloblasten, Anisocytose. 
Polynucl. L.: 59%, Lymphocyten: 38%, Eosinoph.: 3%. Zunächst Arsenbehandlung 
and Röntgen. 

29. August 1912. Blutbild: E: 1700000, L: 8000, Hgl: 35%. Zahlreiche 
Normoblasten, keine Megaloblasten. Polyn. L.: 49%, Lymphoc.: 35%, Myeloc.: 10%, 
Eosin.: 5 %, Mastzellen: 1 %. Ab und zu Schmerzen in einem Fingergelenk mit Rötung 
und Schwellung, auch im r. Knie, Gliederschmerzen, Tophi an der r. Patella. 

I. 4. September 1912. Thorium X 40000 Mache-E. intravenös. Milz reicht 
bis Nabelhöhe. 

6. September 1912. Blutbild: E: 1600000, L: 15200, Hgl: 35%. 

10. September 1912. Blutbild: E: 1775000, L: 15700, Hgl: 35%. Normo¬ 
blasten sehr zahlreich. Polynucl. L. 45 %, Lymphoc. 42 %, Eosinoph. 5 %, Übergangs¬ 
formen 18 %. 

II. 12. September 1912. Thorium X 100000 Mache-E. intravenös, gut ver¬ 
tragen. Geringe Schwellung der Halslymphdrüsen. Geringer Ascites. 

16. September 1912. Blutbild: E: 900000, L: 12000, Hgl: 28%. Milz weicher. 
Patient erhielt in der Folge Arsen, Benzol, Elarson. 

27. September 1912. Blutbild: E: 1100000, L: 13300, Hgl: 32%. Nasenbluten. 

6. Oktober 1912. Blutbild: E: 1525000, L: 15800, Hgl: 32%. Erythroblasten, 
Megaloblasten, Polyn. L.: 38%, Lymphoc.: 30%, Eosinoph.: 5 %, Übergangsformen: 28%. 

15. Oktober 1912. Blutbild: E: 850000, L: 15400, Hgl: 30%. Verschlechterung. 

25. Oktober 1912. Blutbild: E: 200000, L: 6600, Hgl: 17 %. Polynucl.: 39 %, 
Lymphoc.: 52%, Myeloc.: 6%, Mastzellen: 3%. 

30. Oktober 1912. Exitus. Sektion. Path.-anat. Diagnose: Leukämie. 


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O. Brückner 


Fall 7. W. W., 42 Jahre, Oberpostschaffner. Psendolenkämie (Morbus Hodgkin). 
Vor % Jahren sehr heftige Erkältung. Seitdem abwechselnd Fieber und fieberfreie Perioden 
von 8—14 tägiger Dauer. Blasser, mittelkräftiger Mann, an der rechten Halsseite einige 
kleine Drüsen. Lunge und Herz: o. B. Leber und harter Milztumor fühlbar. Während 
der Beobachtung in der Klinik wechselten Fieber und fieberfreie Perioden von durch- 
schnittlich 10—12 tägiger Dauer ab, während des Fiebers Zunahme der Leber- und Milz¬ 
schwellung, Auftreten von Ascites. Urin: Indican, Urobilin +. Dieser Zustand besteht 
jetzt (November 1913) seit 1% Jahren. Wassermann: —, Pirquet: —. 

Aufnahme 8. Dezember 1912. Blutbild: Erythrocyten: 4000000, Leukocyten: 
9000, Hämoglobin: 60%. Polynucl. L.: 53%, Lymphocyten: 37%, Eosinophile: 2%, 
gr. Mononucleäre: 8%. Zunächst Behandlung mit Arsen und Jod, erfolglos. 

7. Januar 1913. Blutbild: E: 4000000, L: 3600, Hgl: 60%, Lymphoc.: 38%. 

17. Februar 1913. Blutbild: E: 3000000, L: 4400, Hgl: 42%. 

I. 28. Februar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös, gut vertragen. 

6. März 1913. Blutbild: E: 1600000, L: 3600, Hgl: 40%. 

II. 10. März 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös, gut vertragen. 

13. März 1913. Blutbild: E: 2400000, L: 3400. Polyn. L.: 41%, Lymphoc.: 
50 %, Mononucl.: 9 %. 

III. 14. März 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös. 

IV. 17. März 1913. Thorium X-Trinkkur (täglich 50 e. s. E.). 

4. April 1913. Blutbild: E: 1800000, L: 3200. Polynucl. L.: 26%, Lymphoc.: 
60%, Mononucl.: 14%. Da keine Besserung erzielt ist, wird von der Thoriumbehandlung 
abgegangen und Röntgenbehandlung begonnen, am 17. April 1913 verließ Patient die Klinik. 

10. Juli 1913. Blutbild: E: 2500000, L: 5600, Hgl: 50%, Lymphoc.: 32%. 

10. Oktober 1913. Blutbild: E: 3700000, L: 5000, Hgl: 70%. Polynucl. L.: 

_ 59%, Lymphoc.: 26 %, Eosinoph.: 4%, Übergangsf.: 9%. Die periodischen Fieber¬ 
steigerungen treten noch immer auf, doch ist das Allgemeinbefinden nach einem längeren 
Landaufenthalt zurzeit zufriedenstellend. 

Fall 8. W. G., 58 Jahre, Meier. Mediastinaltumor (Lymphogranulom). Seit 
einem halben Jahre bemerkte Patient Knoten an der rechten Halsseite, später auch in 
der r. Achselhöhle, in der 1. Halsseite und Achselhöhle, sowie eine Anschwellung auf dem 
Brustbein. Es traten Atemnot, Husten und in letzter Zeit Schwellung der Beine anf. 
Kleiner, kräftig gebauter Mann. Starke Drüsenschwellungen zu beiden Seiten des Halses, 
in den Achselhöhlen, in den Leistenbeugen, rechts stärker als links. Erhebliche Schwellung 
der Beine und des rechten Armes. Apfelgroße Auftreibung in der Mitte des Sternums. 
Zu beiden Seiten des Sternums intensive, drei Finger breite Dämpfung, darüber das 
Atemgeräusch aufgehoben. Bronchitische Geräusche über der Lunge. Urin: Alb. —, Wasser¬ 
mann: —. 

Aufnahme 29. Oktober 1912. Blutbild: Erythrocyten: 3850000, Leukocyten: 7200, 
Hämoglobin: 58%. Polyn. L.: 81%, Lymphoc.: 14%, Übergangsformen: 4%, Eosinophile: 
1 %• Innerlich Natr. jod., worauf der Husten sich bessert. 

I. 9. November 1912. Radiumbromid 0,7 mg intravenös, gut vertragen. Die 
histologische Untersuchung einer probe-exzidierten Drüse ergab: Lymphogranulom. 

11. 23. November 1912. Thorium X 3000000 Mache-E. intravenös. 

12. Dezember 1912. Die rechte Hand ist weniger geschwollen. Eine Verkleinerung 
der Tumoren ist bisher nicht zu bemerken. 

III. 9. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös. 

16. Januar 1913. Blutbild: E: 3900000, L: 14700. Nochmals Thorium X 
1000 e. s. E. intravenös. 

21. Januar 1913. Blutbild: Polynucl. L.: 77%, Lymphocyten: 20%, Mononucl.: 3%. 

IV. 23. Januar 1913. Thorium X 1000 e. s. E. intravenös. 

25. Januar 1913. Blutbild: E: 3400000, L: 13000. Das Allgemeinbefinden 
blieb nach Besserung des Hustens unverändert; die Drüsenschwellungen gingen nicht 
zurück, die Geschwulst am Sternum ist deutlich gewachsen. 


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Zur Behandlung innerer Krankheiten mit Thorinm X. 


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Fall 9. 0. J., 39 Jahre, Gastwirt. Lungentumor (Sarkom). Mit 18 Jahren 

worden dem Patienten die Halsdrüsen entfernt. Seit 6 Wochen starker trockener Husten, 
Atemnot nnd Erstickungsanfälle, zuweilen blutig-zäher Auswurf. Schmerzen in der Brust. 
Kräftiger, aber blasser Mann. Narben an der r. Halsseite (Drüsenexstirpation). Die 
linke Lnnge bleibt beim Atmen zurück. L. V. unter der Clavicula Dämpfung, die nach 
nnten in die Herzdämpfung übergeht. Hinten links neben der Wirbelsäule in Höhe der 
Scapnla Dämpfung, über der 1. Spitze Tympanie. Im Bereich der Dämpfung Atemgeräusch 
aufgehoben. In dem zähen, blutig gefärbten Auswurf Sarkomzellen. Aufnahme 18. No¬ 
vember 1912. 

I. 23. November 1912. Thorium X 3000000 Mache-E. intravenös. Innerlich 
Jodkali. 

27. November 1912. Patient verläßt die Klinik, Husten nnd Auswurf sind geringer 
geworden, im übrigen Allgemeinbefinden und objektiver Befund unverändert. 

Patient ist im Frühjahr 1913 gestorben. 

Fall 10. B. R., 46 Jahre, Ehefrau. Carcinoma oesophagi. Seit 1 l /a Jahren 
„Kratzen“ in der Speiseröhre, allmählich sich verschlimmernde Schluckbeschwerden, so 
daß jetzt nur noch flüssige Nahrung genommen werden kann. Ösophagusstenose 32 cm 
von der Zahnreihe. Klinische Beobachtung 7. Juni bis 11. Juli 1913. 

I. 7. Juni 1913. Thorinm X-Trinkkur täglich 50 e. s. E. Die Schluck¬ 
beschwerden nehmen zu, so daß schließlich auch flüssige Nahrung nicht mehr in den 
Magen gelangt und Patientin nach vierwöchiger erfolgloser Behandlung zwecks operativen 
Eingriffs in die chirurgische Klinik verlegt wird. 

Fall 11. A. H., 32 Jahre, Ehefrau. Polyarthrit. rheum. chron. Klinische 
Beobachtung 3.—15. März 1913 und seit 24. Juni 1913. Häufig Mandelentzündungen. 
Augnst 1912 Gelenkrheumatismus. Anfang 1913 Rückfall. Schmerzen und Schwellung 
in Ellenbogen-, Hand-, Finger-, Knie- nnd Fußgelenken mit Bewegungseinschränkung. 

I. Trinkkur mit Thorium X (täglich 50 e. s. E.) 3.—15. März 1913, erheblich 
gebessert entlassen. Wegen Rückfall Wiederaufnahme und 

U. Trinkkur mit Thorium X (täglich 50 e. 8. E.) Juni 1913 14 Tage, ohne 
Erfolg. Wegen Steigerung des Fiebers Abbrechen der Kur. 

Zu diesen Krankengeschichten ist noch folgendes za bemerken: 

Das Thorium wurde fast durchweg ohne Nachwirkungen gut vertragen, nur 
im ersten Fall traten Durchfälle auf, in Fall 3 Schwindelanfälle, Übelbefinden und 
in Fall 4 nach 2000 e. s. E. Übelkeit. 

Von den drei Fällen perniziöser Anämie trat bei dem ersten nach der 
Thorium-Injektion eine vorübergehende Steigerung der Erythrocytenzahl auf, 
zugleich eine erhebliche Verkleinerung der Milz. Trotzdem war Verschlechterung 
des Allgemeinzustandes eingetreten und nach 6 Tagen erfolgte der Exitus. Bei 
der zweiten Kranken war ein Einfluß auf die Erythrocyten nicht zu bemerken, 
diese sanken sogar von anfangs 650 000 auf 450 000, auch traten Nasen- und Zahn¬ 
fleischbluten sowie Ödeme der Beine auf; ebenso fielen bei der dritten Kranken 
die E. von 900 000 auf 400 000, und die Patientin starb 1 / 2 Jahr später. 

In Fall 4, myelogene Leukämie, blieben vier Injektionen von insgesamt 
5000 e. s. E. Thorium X völlig ohne Erfolg, sowohl auf den Blutbefund, wie auf 
die Milzschwellung. Nur das Allgemeinbefinden schien zunächst gebessert. Es 
muß aber hierbei auch mit einer suggestiven Wirkung auf die Kranken gerechnet 
werden, die in den Tageszeitungen von der angeblichen Heilkraft des Thorium 
gelesen haben; bei diesem Kranken war das ganz offensichtlich. 


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G. Brückner, Zur Behandlung innerer Krankheiten mit Thorium X. 


Ebenso erfolglos blieb das Thorium bei Fall 5 (lymphatische Leukämie, 
Lymphosarkom der Thymus). Das anfangs noch unklare Blutbild entwickelte 
sich in kurzer Zeit zu einem rein lymphatischen, bei dem schließlich andere weiße 
Zellen als Lymphocyten überhaupt nicht mehr zu finden waren; dabei stieg deren 
Zahl trotz Thorium weiter an. Bemerkenswert ist, daß gegen Ende der Krankheit 
unter Verschlimmerung des Allgemeinzustandes auch hier der Milztumor sich 
deutlich verkleinerte, wie bei Fall 1. Das weist darauf hin, daß nicht ohne 
weiteres jede Verkleinerung des Milztumors eine Besserung — wenn auch nur 
symptomatische — zu bedeuten hat, wie das allgemein angenommen nnd wohl 
auch als Erfolg der Behandlung hingestellt wird. Es sind in der Literatur mehr¬ 
fach solche Fälle als günstig beeinflußt erwähnt, bei denen aber bald nachher 
der Exitus erfolgte. Und in diesen Fällen hatte die Verkleinerung des Milztumors 
doch alles andere als eine günstige Bedeutung. Man glaubte in der ersten Zeit 
der Thorium-Therapie auch durch das Ansteigen der Erythrocyten bei perniziöser 
Anämie, durch das Sinken der Leukocyten bei Leukämie die Krankheit selbst 
getroffen zu haben, sah sich aber bald getäuscht. Nun sah man diese Erschei¬ 
nungen nur als eine „symptomatische“ Besserung an, deren Wert aber doch 
dadurch sehr in Frage gestellt ist, daß man in manchen Fällen trotz dieser 
scheinbaren Besserung des Blutbefuhdes einige Tage später den Tod erfolgen sab. 
Wir kennen das Wesen dieser schweren Blutkrankheiten noch nicht, und wir 
können daher nicht ohne weiteres und nicht in jedem Falle ein Steigen 
der Erythrocyten oder ein Sinken der Leukocyten oder ein Kleinerwerden des 
Milztumors als ein günstiges Zeichen oder einen Erfolg ansehen. 

Auch bei dem folgenden Fall 6, der klinisch das Bild der Leukanämie 
bot, pathologisch-anatomisch atypischen leukämischen Befund zeigte, änderte sich 
der Milztumor in der Größe und zeigte gegen Ende der Krankheit weichere 
Beschaffenheit. Eine Wirkung des Thoriums blieb hier ebenfalls aus. 

Desgleichen mußte bei Fall 7 (Pseudoleukämie, Morbus Hodgkin) 
die Thorium-Therapie als erfolglos aufgegeben werden. 

Ebensowenig konnten die folgenden Fälle 8, 9, 10 (Mediastinaltumor 
[Lymphogranulom], Lungentumor [Sarkom] und Carcinoma oesophagi), 
letzteres durch eine Thorinmtrinkkur, beeinflußt werden. 

Fall 11, Polyarthr. rheum. chron., schien durch die erste Thoriumtrinkkur 
günstig beeinflußt, bei einem Rückfall versagte jedoch eine zweite Kur, so daß 
es zweifelhaft erscheint, ob bei diesem chronischen und, wie bis jetzt die Beob¬ 
achtung zeigt, an Rezidiven und Besserungen wechselndem Leiden der erste 
Erfolg wirklich dem Thorium zuzuschreiben ist. 

Hieraus ergibt sich der Schluß, daß nach unseren Beobachtungen dem 
Thorium X bei den erwähnten Krankheiten eine heilkräftige Wirkung nicht inne¬ 
wohnt. Dies gilt vor allem von den Erkrankungen des Blutes und lymphatischen 
Apparates sowie der Geschwülste, während bei Erkrankungen der Gelenke noch 
weitere Beobachtungen wünschenswert erscheinen. Ferner sei betont, daß bei 
den schweren Blntkrankheiten (perniziöse Anämie und Leukämie) nicht ohne 
weiteres und nicht in jedem Falle ein Steigen der roten oder Sinken der weißen 
Blutkörperchen oder Kleinerwerden und Weicher werden des Milztumors als günstiges 
Zeichen oder Erfolg anzusehen ist. 


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Ragnar Berg, Über Mineralstoffwechsel. 


y. 

Ober Mineralstoffwechsel. 

Von 

Ragnar Berg, 

Direktor des physiol.-chem. Laboratoriums in Dr. Lahmanns Sanatorium, Weißer Hirsch. 

Schlagen wir eins der gewöhnlichen Handbücher der Ernährungs-Physiologie 
auf, so finden wir, daß das im Titel erwähnte Thema außerordentlich knapp weg¬ 
gekommen ist. So z. B. behandelt König in seinem großen Handbuche die 
Ernährungsfrage an sich auf 414 Seiten, hat aber für die Bedeutung der Nähr¬ 
salze in der Nahrung nur 6 Seiten übrig. Und doch, wenn man das Thema einiger¬ 
maßen eingehend behandeln will, findet man, daß sich dies nicht so einfach machen 
läßt; es kommen da genau so viele, ja noch mehr Gesichtspunkte in Betracht als 
bei den anderen Nährstoffen. Unser Wissen über den Bedarf des Menschen an 
Mineralstoffen, weiter der Gehalt der Nahrungsmittel an Mineralstoffen, die Be¬ 
deutung der Zubereitung der Nahrungsmittel für den Gehalt an Nährsalzen und 
schließlich die Bedeutung des Mineralstoffwechsels für die Therapie; das wären 
die vier Hauptthemata, mit denen sich mein heutiger Aufsatz zu beschäftigen 
hätte. Es wird dann ohne weiteres klar sein, daß dieser Aufsatz keinerlei 
Ansprüche auf eine erschöpfende Behandlung des Themas erheben, sondern nur 
in kurzen flüchtigen Zügen unser heutiges Wissen beleuchten, sozusagen ein 
Inhaltsverzeichnis meiner Arbeiten auf diesem Gebiet geben kann. 

Über den Umsatz von und den Bedarf an einzelnen Mineralstoffen 
existiert schon eine außerordentlich umfangreiche Literatur, so ganz besonders 
Na, Ca, Fe und P betreffend. Jedem aber, der sich eingehender mit dem Stoff¬ 
wechsel der Mineralstoffe beschäftigt hat, wird schließlich zu dem niederschlagenden 
Schluß gekommen sein, daß die einzelnen Mineralstoffe im Stoffwechsel derait 
abhängig voneinander und von anderen Faktoren der Ernährung sind, daß all¬ 
gemeine und bindende Schlüsse nur unter Berücksichtigung sämtlicher Faktoren 
der Ernährung möglich wären. Es bedeutet dies aber eine Biesenarbeit, an die 
bis jetzt sich niemand herangetraut hat, abgesehen von einigen Versuchen, die 
ich selber ausgeführt habe und von denen bis jetzt nur einer (über den Stoff¬ 
wechsel bei Entfettungskuren) veröffentlicht worden ist. Wir können also unser 
gesamtes Wissen über den Gesamt-Mineralstoffwechsel schon jetzt ohne weiteres 
kurz in dem Satz zusammenfassen: wir wissen hierüber absolut nichts! 
Ebenso wissen wir von dem Bedarf des menschlichen Organismus an 
Mineralstoffen überhaupt absolut nichts. Wir wissen nicht, wieviel 
Mineralstoffe unser Organismus in gesundem und in krankem Zustand 
enthält, ebensowenig wie wir wissen, wieviel Mineralstoffe unsere 

Zeitscbr. f. physik. u. diät Therapie Bd. XVIII. Heft t. 3 


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Ragnar Berg 


rohen Nahrangs- and Genaßmittel enthalten. Wir wissen absolut 
nichts über den Gehalt unserer fertigen Nahrung an Mineralstoffen, 
wissen so gut wie nichts über die Ausscheidung der Mineralstoffe, 
ebensowenig wie über ihre Assimilisation. Das einzige, was wir mit 
Sicherheit wissen, ist, daß ein Mangel an Mineralstoffen überhaupt zu 
lebensbedrohlichen Krankheiten führen kann und daß Mangel an 
einzelnen Bestandteilen Ursachen zu schweren Erkrankungen bildet. 
Um so erstaunlicher ist eine Behauptung, die wir durchgängig in allen Hand¬ 
büchern der Ernährungsphysiologie, ja sogar in Albu und Neubergs „Mineral- 
stoffwechsel“ finden, daß unsere gemischte Nahrung stets mehr als genug Nähr¬ 
salze enthält; es i& dies nach dem Gesagten eine offenbar aus der Luft gegriffene 
Behauptung, von der wir weder sagen können, ob sie falsch sei oder recht habe. 

Und doch haben wir einen Leitstern, der das Dunkel etwas verteilen könnte, 
wir finden diesen in einer Arbeit von Salkowsky aus dem Jahre 1871. In dieser 
Arbeit legt der verdiente Berliner Altmeister dar, wie die mit der Nahrung 
eingeführten oder im Verlauf der Lebensprozesse entstandenen anorga¬ 
nischen Säuren zu ihrer Ausfuhr durch anorganische Basen abgesättigt 
werden müssen. Stehen dem Organismus nicht genug anorganische 
Basen zur Verfügung, so baut er aus Eiweiß Ammoniak ab und sättigt 
die Säuren mit diesem. Diesen Satz, der durch viele Versuche als richtig 
bestätigt worden ist, finden wir in den Handbüchern gewöhnlich geradezu teleo¬ 
logisch ausgelegt, so, als ob der Körper bei mangelnder Alkalizufuhr seinen 
Bestand an den kostbaren fixen Alkalien durch die Ammoniakproduktion schützen 
wollte, daß die Ammoniakbildung also ein Indikator auf beginnendem Alkalimangel 
wäre — es ist dies natürlich ein Unsinn, die Ammoniakproduktion ist nicht ein 
Schutz gegen Alkalimangel, sondern ein wenn auch heuristisches Krankheitssymptom 
und eine Folge von schon bestehendem Basenmangel. 

Nun ist es jedem Chemiker eine geläufige Sache, daß oxydative Vorgänge in 
der organischen Chemie — und um solche handelt es sich hauptsächlich bei den 
Abbauprozessen des tierischen Lebens — zu ihrem Zustandekommen ein ganz 
bestimmtes Milieu erfordern. Die Reaktion der Flüssigkeit muß nicht nur quanti¬ 
tativ eine bestimmte sein, sondern ist auch qualitativ festgelegt. Ebensowenig 
wie eine Konzentrationsänderung ohne Bedeutung wäre, ebensowenig wäre es 
gleichgültig, ob diese Reaktion durch Alkalihydrat oder Karbonat, durch Ka, Na 
oder Ammonium verursacht wird. Was in einem Falle Hauptprodukt der Reaktion 
wird, nimmt im anderen Falle an Menge ab oder verschwindet gänzlich um 
anderen Produkten Platz zu machen: die Reaktion bewegt sich in ganz neuen 
Bahnen. Nun müssen wir doch annehmen, daß die Natur dem Medium der tierischen 
Lebensreaktionen, also dem Blut und den übrigen Körpersäften von Anfang an 
die beste Zusammensetzung gegeben hat. Jede qualitative und quantitative Ver¬ 
änderung in diesem Medium wird zu einer Veränderung, und zwar zu einer krank¬ 
haften Veränderung der Lebensreaktionen führen. Es ist also offenbar, daß ein 
Ersatz der fixen Alkalien im Blut durch Ammonium sofort zu einer krankhaften 
Veränderung der Lebensreaktionen Veranlassung geben wird, und diesen Satz zu 
beweisen, ist ein Kinderspiel. Das Schlimmste aber ist, daß durch diese Ver¬ 
änderung der Reaktion statt der normalen Abbauprodukte annormale, also krank- 


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Über Mineralstoffwechsel. 


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hafte Nebenprodukte entstehen, wodurch die Zusammensetzung des Mediums noch 
weiter verändert, der normale Ablauf der Lebenserscheinungen noch mehr ver¬ 
ändert wird. Der circulus vitiosus ist fertig und damit der Grund zu allerlei 
Krankheiten. Hieraus können wir dann den ersten Satz für einen gesunden 
Mineralstoffwechsel aufstellen: eine gesunde nnd gesunderhaltende Nahrung 
muß soviel anorganische Basen enthalten, daß die gleichzeitig ein¬ 
geführten anorganischen Säuren damit abgesättigt werden können. Nun 
wissen wir aber, daß der Organismus auch im normalen Leben nur verschwindend 
wenig organische Basen, dafür ziemlich viel saure Produkte hervorbringt, die 
zwecks ihrer Ausfuhr ebenfalls mit anorganischen Basen abgesättigt werden 
müssen. Der Satz ist also dahin zu erweitern, daß die Nahrung um vollkommen 
gesund zu wirken, einen nicht unbeträchtlichen Überschuß an organischen Basen 
enthalten muß, «oder, um den Satz rein chemisch zu formulieren, eine dauernd 
gesund erhaltende Nahrung muß dem Organismus durchschnittlich mehr 
Äquivalente anorganischer Basen als anorganischer Siiuren zuführen. Dieser 
Satz ist das Einzige, was wir auf dem Gebiete des Gesamtmineralstoffwechsels 
positiv wissen, aber dafür auch um so wichtiger. 

Teils um diesen Satz, teils um die oben besprochene Behauptung, die Nahrung 
enthielte stets genügend Näbrsalze, zu prüfen, teils auch um nachzuforschen, in 
wieweit die normale menschliche Ernährung diesem Hauptsatze des Mineralstoff¬ 
wechsels entsprechen könnte, hatte ich mir aus der Literatur etwa 1500 Kost¬ 
formen, die dem täglichen wirklichen Leben entnommen waren, gesammelt, und 
wollte auf Grund der darin enthaltenen Angaben ihren Gehalt an Mineralstoffen 
berechnen. Es zeigte sich aber, je weiter ich mit der Arbeit gedieh, daß die in 
der Literatur enthaltenen Angaben über den Mineralstoffgehalt der einzelnen 
Nahrungsmittel stets außerordentlich mangelhaft waren und fast immer — wohl 
infolge falscher Methodik bei der Untersuchung — mehr oder minder unglaub¬ 
würdige Zahlen enthielten, kurz, daß nicht eine einzige zuverlässige und 
vollständige Mineralstoffanalyse von einem einzigen auch unserer 
gewöhnlichsten Nahrungsmittel vorhanden ist. Die analytischen Grund¬ 
lagen für diese Rechnung mußte ich also selbst erst in harter Arbeit finden; die 
Resultate dieser Arbeit, soweit sie jetzt vorliegen,_ sind mit den vertrauens¬ 
würdigsten Angaben der Literatur in meinen neulich erschienenen Tabellen „über 
die Zusammensetzung unserer Nahrungs- und Genußmittel“ ] ) vereinigt. Um die 
Resultate praktisch verwendbar zu machen, habe ich in diesen Tabellen nicht nur 
den Gehalt an Mineralstoffen in Prozenten der feuchten Stoffe, sondern auch in 
Milli-Äquivalenten angegeben, sowie die Summe der Basen- und Säurenäquivalente 
ausgerechnet. Es stellte sich dann heraus, daß für die einzelnen Klassen der 
Nahrungsmittel gemeinsame Eigentümlichkeiten vorhanden sind, indem diese Klasse 
einen Überschuß an Basen, jene einen an Säuren besitzt. Alles Fleisch, auch 
von Geflügel und Fischen, sowie Eier zeigen einen großen Überschuß an 
Säuren und haben eine negative Äquivalentensumme, offenbar herrührend von dem 
großen Gehalt dieser Stoffe an S und P; dagegen ist das Medium der Lebens¬ 
reaktionen, das Blut, positiv, zeigt also einen Überschuß an Basen; ebenso das 
erste Nahrungsmittel der Säugetiere, die Milch. Von den Milchprodukten 

! ) Holze und Pahl, Dresden 1912. 

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Ragnar Berg 


können wir sagen, daß sie am so stärker basisch sind, je weniger Fett und Eiweiß 
sie enthalten, während die Eiweißstoffe, also der Quark oder der Käse, ebenso 
wie das Fett, also die Butter, einen Überschuß an Säuren enthalten. Überhaupt 
hat sich gegen alle Erwartung gezeigt, daß alle Fette, gleichgültig welcher 
Abstammung, einen Überschuß an Säuren besitzen. Dieser Überschuß wird durch 
den Gehalt der Fette an organischen, außerordentlich schwefelreichen Verbindungen 
verursacht, die ich zum ersten Male nachgewiesen habe und deren Natur jetzt 
noch vollkommen unbekannt ist. Die Käsesorten enthalten zwar, je nach ihrem 
Reifezustand, mehr oder minder große Mengen Ammoniak, die bis jetzt nicht be¬ 
stimmt worden sind; es wäre ja möglich, daß in einzelnen Käsesorten dieser 
Ammoniakgehalt die Äquivalentensumme positiv machen würde, aber auch dann 
zeigen die Käsesorten einen außerordentlichen Mangel an fixen Basen. Ebenso 
wie die Eier sind auch die meisten Samen mit ganz wenigen «Ausnahmen, die 
vielleicht auf Analysenfehler zurückzuführen sind, durch einen großen Überschuß 
an Säuren ausgezeichnet: Säurenreich sind also alle Nüsse und Mandeln und 
vor allem alle Getreidesorten ebenso wie das daraus hergestellte Mehl, das 
Brot und die übrigen Mehlprodukte. Dagegen sind die fleischigen Frucht¬ 
hüllen basenreich, also die Tomaten, Gurken usw., sowie alle Obst- und 
Beerensorten und Früchte mit einer einzigen Ausnahme. Diese Ausnahme 
bilden die gewöhnlichen Preißelbeeren, die im Gegensatz zu ihren nächsten 
Verwandten so viel organisch gebundenen Schwefel enthalten, daß die Äquivalenten¬ 
summe negativ wird. Noch stärker basenreich sind die Reservedepots der Pflanzen, 
also die eßbaren Wurzeln und Knollen, und noch basenreicher die Gemüse¬ 
sorten. Ausnahmen hiervon machen nur die Gemüsearten, die im wesentlichen 
aus Knospen bestehen, z. B.: Artischocken, Hopfensprossen, Rosenkohl 
usw.; die Spitzen der Spargeln sind negativ, während die Stengel positiv 
sind, und die Knospenblätter des Grünkohls negativ, während die älteren 
Blätter positiv sind. Die Leguminosen sind als Samen säurereich, nur in 
ganz jungem Zustande, wo man sie noch als vegetative Organe betrachten muß, 
sind sie basenreich; so z. B. sind Brech- oder Schnittbohnen, ganz junge 
Erbsenschoten und ganz junge grüne Erbsen positiv, aber die reifen 
Bohnen oder Erbsen negativ. Die Pilzarten können teils Basenüberschuß, 
teils Säurenüberschuß zeigen, anscheinend, je nachdem sie saprophyt oder als 
wirkliche Schmarotzer leben. Von den Genußmitteln sind die Absude von 
Kaffee, Tee und Mate, sowie von Koka sehr stark positiv, während die 
Kakaobohnen, wohl hauptsächlich infolge ihres großen Fett-, also S-Gehaltes, 
negativ sind. Biere sind säurereich, Obstsäfte, Most und ungegipste Weine 
dagegen basenreich. Die im Handel vorkommenden Kräftigungsmittel, Nähr¬ 
präparate, Kindermehle usw. sind, da sie in der Hauptsache aus Eiweiß und 
Mehl bestehen, säurenreich, wenn nicht extra Zusatz von Basen stattgefunden hat. 
Die Fleischextrakte sind sehr stark negativ, während die Blutpräparate, 
Soja und Lahmanns Nährsalzextrakte basenreich sind. 

Es ist aber nicht genug damit, die Zusammensetzung der Nahrungsmittel zu 
kennen, um eine gesunde Kost zusammenstellen zu können. Hierzu müssen wir 
auch wissen, in welcher Weise die Zubereitung der Nahrung die Nahrungs¬ 
mittel in ihrer Zusammensetzung beeinflussen kann. Beim Braten von Fleisch 


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Über Mineralstoffwechsel. 


37 


und Fisch verliert die Substanz gewöhnlich viel Wasser, so daß das fertige Gericht 
um 7*—Vs gehaltreicher geworden ist; beim Kochen von Gemüse dagegen wird 
durch Zusatz von Wasser, Eiern und Mehl der Basenüberschuß der rohen Nahrungs¬ 
mittel auf 2 / s oder gar nur die Hälfte des rohen Zustandes herabgesetzt. Durch 
Abbrühen der Nahrungsmittel werden diese sehr stark ausgelaugt, so daß sie 
eigentlich nur noch aus Bohfaser bestehen; ganz besonders wird durch dieses 
Auslaugen der Gehalt an Alkali herabgedrückt, während der Säuregehalt verhältnis¬ 
mäßig wenig verändert wird. Infolgedessen werden durch Abbrühen selbst die 
baseureichsten Gemüse statt dessen säurereich und gekochte Fleisch- und Fisch¬ 
gerichte sind viel säurereicher als das Ausgangsmaterial, während die so gewonnene 
Fleisch- oder Fischbrühe häufig genug Basen Überschuß zeigt. Nun, diese Fleisch¬ 
oder Fischbrühe wird ja gewöhnlich im Haushalt verwertet, wogegen man meist 
die wertvolle Gemüsebrühe weggießt. Besondere Bedeutung hat dies Abbrühen 
der Gemüsesorten dadurch erlangt, daß fabrikmäßig sämtliche Gemüsekonserven 
vor dem Sterilisieren ein- oder mehrmals, ja bis zu 7 mal abgebrüht oder wie 
es heißt blanchiert werden, die üblichen Gemüsekonserven sind also, das muß 
einmal klipp und klar ausgesprochen werden, weit eher als Schadenstifter, denn 
als Segensspender zu betrachten. Eine rühmliche Ausnahme verspricht das 
Konservierungsverfahren von Huch in Braunschweig, wodurch der gesamte 
Nährstoffgehalt der Gemüse erhalten bleibt. Selbstverständlich sind demnach 
auch Zusätze von saueren Konservierungsmitteln, wie Salizylsäure, Benzoe¬ 
säure, sauren Fluoriden schädlich, da sie im Organismus nicht verbrannt werden 
und zu ihrer Ausfuhr die Absättigung mit anorganischen Basen verlangen. 

Zum Einfluß des Mineralstoffwechsels auf die Therapie muß ich mich 
auf den Hinweis beschränken, daß die erste Folge einer überschüssigen Säure¬ 
zufuhr im Organismus sich als mangelhafter Eiweißabbau kund gibt, wobei nicht 
wie gewöhnlich im wesentlichen Harnstoff, sondern daneben große Mengen Amino¬ 
säuren, Kreatin, Kreatinin und vor allem Harnsäure entstehen. Gleichzeitig wird, 
teils infolge Basenmangels, teils zufolge der gesteigerten Produktion von organischen 
Säuren die Reaktion des Harnes stark sauer und die harnsäurelösende Eigenschaft 
des Harnes verschwindend klein. Während wir bei einigermaßen streng ver¬ 
nünftiger Kost eine Tagesausscheidung von nur 0,02 g Harnsäure bei einem Lösungs¬ 
vermögen desselben Harnquantums von 10—12 g Harnsäure, also eine Absättigung 
von 0,2 °/ 0 finden, schwindet nach reichlichem Fleischgenuß zuerst das Harnsäure¬ 
lösungsvermögen, so daß kurz nach der Einverleibung des Fleisches ein Liter 
Harn nur noch 0,02—0,07 g Harnsäure lösen kann, während die absolute Harn- 
säuremenge auf 0,1—1,0, später 1—2 g pro Liter steigt, also eine Übersättigung 
von 10 000°/o stattfindet. Ganz besonders für den Gichtiker wirkt also unser 
Wissen auf dem Gebiete des Mineralstoffwechsels — so jammervoll kläglich es 
auch noch ist — doch schon als eine Quelle des Segens für die Gesundheit. 

Zum Schluß muß ich ausdrücklich betonen, daß der oben von mir hervor¬ 
gehobene Satz durchaus nicht aller Weisheit Ende, vielmehr nur einen ganz be¬ 
scheidenen Anfang darstellt. Ich bin mir wohl bewußt, daß gar manche Aus¬ 
nahmen von diesem Satze vorhanden sind, muß aber gleichzeitig gestehen, daß meine 
Studien, meine Versuche zu diesem Thema es mir immer wahrscheinlicher machen, 
daß diese Ausnahmen, wenigstens zum größten Teil, nur scheinbare sein werden. 


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Thedering, Über Blaulichtbehandlung tuberkulöser Hautgeschwüre. 


VI. 

Über Blaulichtbehandlung tuberkulöser Hautgeschwüre. 

Kasuistischer Beitrag 

VOD 

Dr. Thedering 

in Oldenburg. 

In Heft 3 Bd. I der „Strahlentherapie“ habe ich in einem Aufsatz über 
„Lichtbehandlung torpider bes. tuberkulöser Hautgeschwüre“ über günstige Er¬ 
fahrungen der Quarz-(Blau-)lichttherapie bei torpiden Hautgeschwüren diverser 
namentlich tuberkulöser Ätiologie berichtet. Die vorzüglichen Resultate der Be¬ 
lichtung tuberkulöser Ulcera mit der Quarzlampe, welche die Praxis mir fortgesetzt 
vor Augen führt, rechtfertigen einen erneuten nachdrücklichen Hinweis auf genannte 
Therapie an dieser Stelle. Zugleich mag ein weiterer kürzlich beobachteter Heil¬ 
erfolg als Beleg und Illustration dienen. Zuvor jedoch noch einmal eine kurze 
Schilderung des Behandlungsmodus. Die Quarzlampe wird mit der Drucklinse 
unter fester Kompression direkt auf den sorgfältig gereinigten Geschwürs¬ 
grund eingestellt 10—15 Minuten lang, je nach Intensität der Lampe. Wegen 
der starken alsbald erfolgenden Wundsekretion Verband mit Liq. alum. acet. 2 °/ 0 
und tägliches Warmwasserbad. Die Belichtung wird wiederholt, sobald die Ent¬ 
zündung annähernd abgelaufen, d. h. nach etwa 8—10 Tagen. Eine Reaktion 
muß der anderen die Hand reichen. In den ersten Wochen ist vorwiegend Ruhe¬ 
lage einzuhalten bei Hochlagerung des Beines, auf jeden Fall muß ein regelrechter 
Verband mit Trikotbinde getragen werden. Sobald das Wundterrain durch den 
reichlich hervorquellenden Sekretionsstrom gereinigt ist und gesund-rote Granu¬ 
lationen aufsprießen, ist die essigsaure Tonerde zu vertauschen mit Verbänden von 
folgender Salbe: Argent. nitric. 0,1. Bals. peruv. 1,0, Vaselinae flav. 10,0. Bei allzu 
üppig wuchernder Granulation muß gelegentlich leicht mit Lapis tuschiert werden. 
Unter dieser Behandlung pflegt der torpide Charakter der betreffenden Geschwüre 
sich rasch in frischeren Zustand umznwandeln und die Heilung durch rasche Aus¬ 
breitung des epithelialen Geschwürsrandes glatt voranzugehen. Manchmal ist die 
Heilung in wenigen Wochen beendet, immer mit fester, glatter Narbe. Entsprechend 
dem tuberkulösen Charakter der Geschwüre ist die Allgemeinbehandlung nie außer 
acht zu lassen. — Nun die Krankengeschichte: 

Junges Mädchen von anämischem Aussehen mit Spuren überstandener Tuberkulose 
(Drüsen, Narben). Am linken Unterschenkel sind Narben vorhanden, außerdem ein etwa 
kinderhandgroßes Geschwür folgenden Charakters: Ränder flach, nicht unterminiert, 
Granulation blaß mit grauem Belag bedeckt. Keine Spur von Heilungstendenz. Seit 


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Hans Guggenheimer, Die Abderhaldenschen Methoden usw. 


39 


einer Reihe von Jahren vergeblich behandelt. Beginn der Behandlung 25. November 1912. 
Bis 27. März 1913 wurde das Geschwür im ganzen zehnmal mit der Quarzlampe be¬ 
lichtet, und zwar am 25. bis 26. November (je die Hälfte), 5., 7., 8., 11., 30. Dezember 1912, 
14., 27. Januar 1913, 27. März 1913. Der Erfolg trat bereits im unmittelbaren Anschluß 
an die ersten Belichtungen zutage: das Geschwür nahm sichtlich frischeres Aussehen an 
und verkleinerte sich von Woche zu Woche. Ende Juli 1913 stellte sich die Kranke 
wieder vor, seit längerer Zeit bereits ganz geheilt. An Stelle des Geschwürs befand sich 
eine feste, glatte, blasse Narbe, nicht merklich infiltriert. Der Allgemeinzustand des 
kränklichen jungen Mädchens war merklich gekräftigt, das Aussehen blühend. Zur Nach¬ 
behandlung wurde eine Nordseekur verordnet. 


VII. 

Die Abderhaldenschen Methoden des Nachweises proteo¬ 
lytischer Serumfermente in ihrer klinischen Anwendung. 

Übersichtsreferat 

von 

Dr. Hans Guggenheimer, 

Assistenzarzt am med.-polikl. Institut der Universität Berlin. 

Die so bedeutungsvollen neueren Arbeiten Abderhaldens und seiner Schüler über 
die verschiedensten Fragestellungen der Physiologie und Pathologie basieren auf dem 
Ausbau einer Methodik, die sich Abderhalden bereits bei seinen früheren Fermentstudien 
als äußerst fruchtbar erwiesen hatte. Es ist dies die sogenannte ,,optische Methode“. 
Bekanntlich sind neben vielen anderen in der Natur vorkommenden chemischen Ver¬ 
bindungen die von Emil Fischer und Abderhalden bei der Eiweißspaltung isolierten, 
später auch künstlich dargestellten Peptide optisch aktiv, d. h. sie zeigen im Polari¬ 
sationsapparat ein bestimmtes Drehungsvermögen. Um ein einfaches Beispiel anzuführen, 
wählen wir eine aus nur zwei Aminosäuren bestehende derartige chemische Verbindung AB. 
Prüfen wir eine Lösung derselben in einem Polarisationsapparat, so konstatieren wir ein 
gewisses Drehungsvermögen. Bringen wir nun in diese Lösung ein Ferment, das befähigt 
ist, die Verbindung AB in ihre beiden Bestandteile A und B zu spalten, so macht sich 
diese chemische Umsetzung im Polarisationsrohr durch eine Änderung des Drehungs¬ 
vermögens der ursprünglichen Lösung geltend. Die bei diesem Abbau entstandenen 
Spaltungsprodukte A und B haben nämlich ein von dem Ausgangssubstrat verschiedenes 
Drehungsvermögen. Wir können demnach generell Vorhandensein von Fermenten — in 
diesem Fall das Vorhandensein peptidspaltender Fermente — dadurch erschließen, daß wir 
die das fragliche Ferment enthaltenden Stoffe wie Organextrakte, Blutserum auf eine 
ehemische Verbindung einwirken lassen, in diesem Falle auf ein sogenanntes Dipeptid, 
deren Drehungsvermögen uns bekannt ist. Bleibt dasselbe konstant, so hat offenbar 
keine fermentative Einwirkung stattgefunden, während bei fermentativem Abbau eine 
Änderung des ursprünglichen Drehungsvermögens nachweisbar wird. Dies ist das Prinzip 
der „optischen Methode“. Bei der Untersuchung von Blutflüssigkeit auf ihren pepto- 
lytischen Fermentgehalt konnte nun Abderhalden gemeinsam mit seinen Mitarbeitern 
im Plasma und Serum der meisten Tiere und des Menschen keine oder nur minimale 
Mengen (Pincussohn) derartiger Fermente nachweisen. So bewirkten z. B. verschiedene 


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Hans Guggenheimer 


Sera, wie die des Hundes und des Kaninchens keine Änderung des Drehungsvermögens 
einer Seidenpeptonlösung. Wurde nun diesen Tieren Seidenpepton in gewissen Intervallen 
subkutan, intraperitoneal oder intravenös injiziert, so gewann das Serum derartig vor¬ 
behandelter Tiere von einem gewissen Zeitpunkt an die Fähigkeit, Seidenpepton zu spalten, 
ein Abbau, der sich im Polarisationsrohr durch eine Änderung des Drehungsvermögens 
der verwendeten Seidenpeptonlösung kenntlich macht. Abderhalden bezeichnet diese im 
Blutserum von vorbehandelten Tieren neu auftretenden Fermente als Schutzfermente oder 
Abwehrfermente, indem er das Auftreten derselben als Reaktion des Organismus gegen 
körperfremdes parenteral zugeführtes Eiweißmaterial auffaßt. Im weiteren Verlauf seiner 
Untersuchungen legte sich nun Abderhalden die klinisch wichtige Frage vor, ob auch 
unter physiologischen und pathologischen Bedingungen in den Blutkreislauf gelangendes, 
ungenügend abgebautes Eiweißmaterial zur Produktion derartiger Abwehrfermente fuhren 
könnte. Als Objekt für derartige Studien mußte die Schwangerschaft besonders ge¬ 
eignet erscheinen. Wissen wir doch nach den Beobachtungen von Schmorl, Weichardt 
und Veit, daß es während der Gravidität zu einem Kreisen von Chorionzotten in der 
Blutbahn kommen kann. Es war also zu untersuchen, ob auch solche zwar körper¬ 
eigene, jedoch blutfremde Stoffe zur Fermentbildung im Blutplasma führen könnten. 
Diese Voraussetzung erwies sich als richtig. Aus Plazenta dargestelltes Plazentarpepton 
änderte bei Zusatz von Schwangerschaftsserum sein ursprüngliches Drehungsvermögen. 
Während nun die im Tierexperiment durch'Vorbehandlung mit irgend einer Eiweißsubstanz 
wie Eiereiweiß, Kasein, Pepton erzeugten Abwehrfermente einen polarimetrisch nachweis¬ 
baren Abbau der verschiedensten Eiweißkörper hervorriefen, erwiesen sich wider Erwarten 
die bei Schwangerschaft im Blutserum vorhandenen peptolytischen Abwehrfermente als 
streng spezifisch, insofern sie nur eine Spaltung von Plazentarpepton bewirkten, nicht 
etwa auch von Seidenpepton. Damit gewann natürlich dieses an sich schon interessante 
Phänomen eine erhöhte klinische Bedeutung. Eröffnete sich doch hiermit die Möglichkeit 
einer praktischen Verwertbarkeit für eine serologische Diagnose der Schwangerschaft. 
Bevor ich auf die Ergebnisse der klinischen Prüfung an einem größeren Schwangeren- 
material eingehe, sei noch kurz einer zweiten von Abderhalden ausgearbeiteten Methode 
Erwähnung getan, die namentlich zur Bearbeitung klinischer Probleme inzwischen 
weiteste Verbreitung gefunden hat. Hat man doch bei der Ausführung der optischen 
Methode einen erstklassigen Polarisationsapparat nötig, der nicht überall zur Ver¬ 
fügung steht. Auch gelingt die Ablesung der Drehungsänderung um Vioo Grad erst 
bei längerer Übung mit einiger Sicherheit und wird erschwert oder unmöglich gemacht, 
wenn das fermenthaltige Medium nicht ganz klar ist. Ferner ist die Darstellung 
geeigneter Organpeptone mit Schwierigkeiten verbunden. Daher ist für klinische 
Zwecke die zweite sogenannte Dialysiermethode als äußerst wertvolle Bereicherung 
unserer serologischen Methoden des proteolytischen Fermentnachweises anzusehen. Aller¬ 
dings wäre zu wünschen, daß beide Methoden, wenn angängig, nebeneinander ausgeführt 
werden. Gewinnen wir doch bei der etwa in Intervallen von mehreren Stunden durch¬ 
geführten zeitlichen Kontrolle der Änderung des Drehungsvermögens mittels der optischen 
Methode Einblick in einen auch kurvenmäßig darstellbaren Abbau, wobei qualitative und 
quantitative Beobachtungen anzustellen sind. Wie aus der folgenden Beschreibung der 
Dialysiermethode ersichtlich, läßt dieselbe keine derartige qualitative Beurteilung zu. 
Weiterhin handelt es sich bei der optischen Methode um den Nachweis peptolytischer 
Fermente, d. h. solcher, die die Spaltung von Eiweißabbauprodukten, z. B. von Peptonen 
bewirken. Dagegen weisen wir mittels der Dialysiermethode eine fermentative Spaltung 
des ganzen Eiweißkomplexes, eine sogenannte proteolytische Fermentwirkung nach. Die 
Dialysiermethode wird z. B. bei der Schwangerschaftsreaktion folgendermaßen ausgeführt. 
Blutfrei gewaschenes, mehrmals gekochtes Plazentargewebe kommt zusammen mit dem zu 
untersuchenden Serum in eine Dialysiermembran. Dieselbe taucht in ein mit destilliertem 
Wasser gefülltes Kölbchen ein. Stammt das zum Versuch verwendete Serum nun von 
einem Fall von Schwangerschaft, so bewirkt das nur dem Schwangerschaftsserum eigene, 
auf Plazentareiweiß spezifisch eingestellte Ferment einen Abbau von Plazentareiweiß. 
Dabei entstehen kristalloide Eiweißabbauprodukte, die im Gegensatz zum adialysablen 


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Die Abderhaldenschen Methoden des Nachweises proteolytischer Serumfermente. 41 


Eiweißmolekül bekanntlich befähigt sind, die Dialysiermembran zu durchwandern. In 
der Außenflüssigkeit läßt sich ihre Anwesenheit mittels der bekannten Biuretprobe 
nach weisen, noch deutlicher mittelst der sogenannten Ninhydrinreaktion. Ninhydrin 
ist ein äußerst empfindliches Reagenz auf Eiweißabbauprodukte. In Gegenwart auch 
nur von Spuren derartiger Körper ergibt die unter Ninhydrinzusatz aufgekochte Außeo- 
flüssigkeit des Dialysierversuchs eine schöne Blaufärbung. So einfach diese Dialysier- 
methode im Prinzip auch ist, so subtiles Arbeiten erfordert ihre Ausführung, soll die 
Untersuchung zu zuverlässigen Resultaten führen. Betreffs der mannigfachen Fehler¬ 
quellen und der anzustellenden Kontrollen sei auf den mit der Methodik sich befassenden 
Endabschnitt des Abderhaldenschen Buches: Abwehrfermente des tierischen Organismus 
verwiesen. Daselbst findet sich auch eine anregende Schilderung der verschiedensten, 
mittels der neuen Methoden angreifbaren Probleme sowie eine Zusammenstellung der 
gesamten Literatur. 

Das Auftreten von Abwehrfermenten im Blutserum Schwangerer, die gegen Plazentar¬ 
gewebe gerichtet sind, wurde inzwischen von allen Nachuntersuchern bestätigt. Es be¬ 
stehen nur noch einige Differenzen in den Anschauungen über die absolute Spezifität 
dieser Abwehrfermente, worauf noch des Näheren eingegangen werden soll. Während 
Abderhalden, R. Freund und Pincussohn in ihrer ersten Veröffentlichung eine Spal¬ 
tung von Plazentarpepton nur durch Sera der ersten Schwangerschaftsmonate beobachteten, 
ergab die weitere Prüfung von Abderhalden und Kiutsi an einem größeren Material 
einen positiven Ausfall der Reaktion mittels der optischen Methode in allen Stadien der 
Schwangerschaft. Das gleiche Resultat lieferte die Dialysiermethode. Die Schwangerschafts¬ 
reaktion wurde bereits etwa acht Tage nach stattgehabter Befruchtung als positiv be¬ 
funden, die Abwehrfermente bisweilen noch 14—21 Tage post partum im Blutserum nach¬ 
gewiesen. Fötalserum gab die Reaktion nicht. Die Resultate von schon längere Zeit 
zurückliegenden Untersuchungen wie von Engelhorn, der in einem hohen Prozentsatz 
auch bei sicher Nichtschwangeren positiven Ausfall der Reaktion erhielt, dürften sicher¬ 
lich damit Zusammenhängen, daß damals die inzwischen von Abderhalden angegebenen 
verschärften Vorschriften bezüglich der technischen Ausführung der Dialysiermethode noch 
nicht berücksichtigt wurden. R. Freund und Brahm konstatierten ein Divergieren des 
klinischen Befundes mit dem Ausfall der Reaktion bei der optischen Untersuchung in 72,4 °/o, 
bei der Dialysiermethode in 66,7 %. In etwa ein Drittel der mit beiden Methoden unter- 
suchten Fälle ergaben sich verschiedene Resultate. Dem gegenüber erhielt die über¬ 
wiegende Mehrzahl der Nachuntersucher (Schlimpert und Hendry, Henkel, Gott¬ 
schalk, Rübsamen, Jonas, Maccabruni, Lichtenstein, Tschudno wsky, F. Bruck, 
P. Schäfer, A. Mayer) teilweise in 100 % der Fälle unter Einhaltung der nötigen 
Kautelen einen positiven Ausfall der Reaktion bei Schwangerschaft. Nach Mitteilungen 
von Abderhalden und Schiff über ein Material von mehr als 500 im Laboratorium 
des Hallenser Instituts untersuchten Fällen wurde mit einer einzigen Ausnahme, bei der 
ein Abort nicht mit Sicherheit auszuschließen war, Abbau von Plazentargewebe nur mit 
Schwangerschaftsserum erhalten. Die im Graviditätsserum auftretenden Abwehrfermente 
erwiesen sich als weitgehend spezifisch, insofern bei 105 daraufhin untersuchten Fällen 
nur in 5 % Lebergewebe, bei der Einwirkung auf Schilddrüse unter 30 Fällen nur in 
2% Abbau von Schilddrüsengewebe gefunden wurde. So dürfte denn, wie u. a. Veit 
mit Recht betont, die Abderhalden sehe Schwangerschaftsreaktion zur Diagnose der 
Schwangerschaft in den ersten Monaten als wertvolles, zuverlässiges Kriterium anzusehen 
sein. Weiterhin dürfte der Ausfall der Reaktion bei der oft schwierigen Differential- 
diagnose Extrauteringravidität oder entzündlicher Adnextumor eine wesentliche Bedeutung 
gewinnen. Einstweilen sind allerdings, wie der operative Eingriff zeigte, entgegen dem 
Ausfall der Reaktion einige Fehldiagnosen vorgekommen (Frank und Heimann, R. Freund 
und Brahm). Andere Autoren dagegen, wie Veit und Rübsamen, erhielten mit dem 
klinischen Befund übereinstimmende Resultate. Abderhalden ist durch seine eigene 
reiche Erfahrung so fest von der Zuverlässigkeit der Resultate der Schwangerschaft über¬ 
zeugt, daß er als Prüfstein der Beherrschung der Methodik vor ihrer Anwendung auf 
anderen Gebieten der Pathologie einen in annähernd 100 % der Fälle richtigen Ausfall 


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42 


Hans Guggenheimer 


der Reaktion bei Schwangerschaft, negativen Aasfall mit Seram von Nichtschwangeren 
fordert. 

Bei Eklampsie zeigte ein Fall (Abderhalden, Freund and Pincassohn), dessen 
Seram keinen Plazentarabbau ergab, letalen Ausgang. In anderen Fällen (Abderhalden 
und Kiutsi) war die Änderung des DrehungsVermögens von Plazentarpepton durch 
Eklampsieserum wiederum sehr bedeutend. Während R. Freund und Brahm keine Kon¬ 
gruenz in dem Ablauf des eklamptischen Krankheitsbildes mit dem Ausfall der Reaktion 
feststellten (zwei negative Fälle genasen, zwei positive starben), glaubt Rübsamen den¬ 
selben prognostisch verwerten zu können, indem er die Prognose für um so günstiger 
hält, je stärker Eklampsieserum abbaut. Ein sehr schwerer Fall von Eklampsie ergab 
mit der Dialysiermethode ein negatives Resultat, der Abbau von Plazenarpepton war nur 
gering und atypisch. Das verschiedene Verhalten des Eklampsieserums müssen noch 
weitere Untersuchungen aufklären. 

Es lag nahe, die Abderhalden sehe Gedankengänge für eine Serodiagnostik des 
Karzinoms zu verwerten. Abderhalden hat auch gleich zu Anfang seiner Unter¬ 
suchungen darauf hingewiesen, daß die Ansiedlung von Karzinomzellen im Organismus 
nach all unseren Kenntnissen über deren biologische Sonderstellung die Bedingungen 
zur Bildung von Abwehrfermenten abgeben könne. Im Falle einer nur gegen Ge¬ 
schwulstmaterial gerichteten Spezifität derartiger Serumfermente mußte ja die prak¬ 
tische Verwertung einer serologischen Diagnostik maligner Neubildungen die allergrößte 
Bedeutung erlangen. Von allen Untersuchern wurde bisher ein Abbau von Karzinom¬ 
gewebe durch Serum von Karzinomatösen festgestellt. Über die Spezifität dieser Ein¬ 
wirkung gehen allerdings die Ansichten noch auseinander. Frank und Heimann 
berichten von einem positiven Ausfall der Reaktion auch bei Einwirkung von Schwanger- 
schaft8serum auf Karzinomgewebe, ebenso wie unter Umständen Karzinomserum eine 
positive Schwangerschaftsreaktion Vortäuschen soll. Über ähnliche Fehlresultate berichten 
Lederer, Markus, Schäfer. Fränkel und Gumpertz fanden auch im Blutserum 
fiebernder Phthisiker Karzinomgewebe abbauende Fermente. J. Bauer, der als Substrat 
aufgekochtes Magenkarzinom verwendete, erhielt zwar durch 8 Sera von sicheren Karzinom¬ 
fällen einen positiven Ausfall der Reaktion, von 30 Nichtkarzinomatösen gaben aber 15 
ebenfalls eine positive Reaktion. Unter diesen befanden sich interessanterweise namentlich 
Kranke mit Magenaffektionen wie Ulcus ventriculi, Achylia gastrica. Andere Autoren 
können bei einer größeren Reihe von Untersuchungen von einem nahezu in 100 % über¬ 
einstimmenden Ausfall der Reaktion mit dem klinischen Befund berichten. So Epstein, 
der unter 37 Karzinomsera 36 mal einen Abbau von Karzinomgewebe feststellte. Ein 
einziges Serum, das von einem hochgradigen kachektischen 80jährigen Karzinomkranken 
stammte, ließ einen Abbau von Karzinomgewebe vermissen. Entsprechend gaben 47 Nicht- 
karzinomatöse, darunter auch Gravide mit einer Ausnahme eines Lungentuberkulosen 
negativen Ausfall der Reaktion auf Tumorgewebe. Ähnlich günstige Resultate hat 
v. Gambaroff zu verzeichnen, der bei 30 Tumorreaktionen nur in einem Fall ein Fehl¬ 
resultat erhielt. Dabei machte er auch die bemerkenswerte Wahrnehmung, daß Karzinom- 
«erum nur Karzinomgewebe nicht etwa auch Sarkomgewebe abbaut und umgekehrt. Eine 
ähnliche Beobachtung machte auch Abderhalden, der im übrigen an den in seinem 
Institut untersuchten Fällen niemals einen Abbau von Plazentargewebe durch Serum 
Karzinomatöser erhielt. Daß eine weitgehende Differenzierung zwischen Tumor- und 
Plazentargewebe möglich ist, beweist folgende von Paltauf mitgeteilte Beobachtung. 
Das Serum eines vom Kliniker unter der Diagnose Karzinom geführten Falls hatte 
Karzinomgewebe nicht abgebaut. Die pathologisch-anatomische Diagnose lautete malignes 
Chorionepitheliom. Auch reagierte dieses Tumorgewebe als Substrat mit sicherem 
Karzinomserum negativ, mit Schwangerschaftsserum dagegen positiv. Ein weiterer Bei¬ 
trag zu der Lehre von der weitgehenden Übereinstimmung von Tumorzellen mit ihrem 
physiologischen Muttergewebe. Gerade dieses Moment könnte auch an den bisherigen 
noch nicht ganz befriedigenden Resultaten des Ausfalls der Abderhaldenschen Tumor¬ 
reaktion beteiligt sein. So wäre es auch bei der Schwierigkeit, das Tumorgewebe von 
dem den Tumor aufweisenden Organgewebe zu trennen, und bei der bekannten so 


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Die Abderhaldenschen Methoden des Nachweises proteolytischer Serumfermente. 43 


weitgehenden Organspezifität der Abwehrfermente wohl möglich, daß etwa bei Ver¬ 
wendung von Uteruskarzinom oder Magenkarzinom Sera von Kranken mit nicht karzi- 
nomatösen Genitalaffektionen bzw. Magenkrankheiten gerade mit derartigem Tumor¬ 
gewebe eine positive Reaktion vortäuschten. Vielleicht läßt sich diese Fehlerquelle ver¬ 
meiden, wenn man bei der Tumorreaktion stets das Serum auf mehrere Tumorpräparate 
ein wirken läßt. 

Frühzeitig wurden die von Abderhalden inaugurierten Gesichtspunkte, wonach das 
Hineingelangen von blutfremdem ungenügend abgebauten Organeiweiß in die Blutflüssigkeit 
zum Auftreten von Abwehrfermenten führen könne, von Faus er auf Fragestellungen der 
Psychiatrie übertragen. Fauser hoffte namentlich in die Pathogenese der Dementia 
präcox mittels des Abderhaldenschen Verfahrens einen Einblick zu erhalten. Schon die 
Rolle, die wichtige Wendepunkte im Sexualleben wie Pubertät, Schwangerschaft, Puerperium, 
Klimakterium beim Auftreten von zur Dementia präcox-Gruppe gehörigen Erkrankungen 
spielen, mußte dazu auffordern, zu untersuchen, ob etwa mittels der Abderhaldenschen 
Methoden Veränderungen der Geschlechtsdrüsen nachweisbar wären. Dieselben konnten 
sich darin äußern, daß dem Serum normaler Menschen fehlende, Geschlechtsdrüsen abbauende 
Fermente im Blutserum derartiger Kranken anzutreffen sind. Diese Vermutung erwies 
sich, wie von verschiedenen Nachuntersuchern, wie Wegener, Joh. Fischer, Kafka, 
Neue, Maas u. a. bestätigt wird, als richtig. Bei der überwiegenden Mehrzahl von 
Dementia präcox-Kranken ließ sich im Blutserum ein gegen die Geschlechtsdrüsen ge¬ 
richtetes Ferment nachweisen und zwar wurde bei Männern ausnahmslos Hoden, bei 
Frauen Ovarium abgebaut. Es sei gleich vermerkt, daß bei manisch-depressivem Irrsinn 
bisher in keinem Falle ähnliche gegen irgend welche Organe gerichtete Serumfermente 
gefunden wurden, eine Tatsache, die für die bisweilen schwierige Differentialdiagnose der 
beiden Krankheitsgruppen im Falle der weiteren Bestätigung Bedeutung gewinnen kann. 
Ein Teil der Sera von Dementia präcox-Kranken baute auch Gehirnsubstanz ab, nach Kafka 
auch Nebennierengewebe. Ähnlich soll sich nach Maas das Serum von Imbezillen 
verhalten. Weiterhin wird von Paralytikerserum Gehirn, in einem geringeren Prozent¬ 
satz auch Geschlechtsdrüse, bisweilen auch Schilddrüse, Niere, Leber abgebaut. Man muß 
sich begnügen, diese Befunde einstweilen zu registrieren und die Frage offen lassen, 
wieweit dafür etwa sekundäre Organschädigungen im Sinne einer Allgemeinerkrankung 
verantwortlich gemacht werden können. Auch bei Lues cerebri finden sich nach W. Mayer 
fierartige gegen Gehirn gerichtete Abwehrfermente. Erwähnt sei ferner die Beobachtung 
Binswangers, daß sich im vollentwickelten epileptischen Paroxysmus regelmäßig 
Serumfermente gegen Gehirnrinde nachweisen lassen. Dieselben können im intervallären 
Stadium fehlen, finden sich aber, wie auch Wegener mitteilt, fast stets bei durch 
Epilepsie bedingter Demenz. Auch hier sei wieder auf die Möglichkeit einer differential- 
diagnostischen serologischen Abgrenzung des epileptischen vom hysterischen Krampf¬ 
anfall hingewiesen. Im Liquor cerebrospinalis von Paralytikern, deren Blutserum Gehirn 
stark abbaute, konnte Kafka und Maas kein Abwehrferment gegen Gehirn nachweisen, 
ebensowenig wie übrigens der Liquor einer Graviden die Schwangerschaftsreaktion gab. 
Von Interesse sind weiterhin die Befunde W’egeners, der bei Neuritis nur einen Abbau 
von Muskelsubstanz nachweisen konnte — zahlreiche andere zur Kontrolle verwendete 
Organe ergaben ein negatives Resultat —, sowie die Untersuchungen Jödikes bei 
sieben Fällen von mongoloider Idiotie, deren Serum mit einer Ausnahme spezifische Fermente 
gegen Geschlechtsdrüsen aufwies, in keinem Falle gegen Schilddrüsen gerichtete. Das 
Serum anderer Fälle von Idiotie baute häufig Gehirn, Schilddrüse, selten Hodengewebe 
ab (Maas). Bemerkenswert ist ferner ein Abbau von Prostata durch Serum von Kranken 
mit arteriosklerotischem Irrsein (Neue) und seniler Demenz (Maas). 

Die in diesem Zusammenhang mitgeteilten Resultate dürften die begründete 
Hoffnung erwecken, daß wir neben der Schwangerschafts- und Geschwulstdiagnostik die 
Abderhaldensche Methodik in gewissem Sinne auch für eine serologische Organ- 
fiiagnostik in Zukunft werden verwerten können. Eine wichtige Grundlage derartiger 
Untersuchungen ergibt die Prüfung von 30 Sera normaler organgesunder Personen durch 
Lampü und Papiazolu. Dabei wurden mittels der Dialysiermethode niemals ein Abbau- 


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Hans Guggenheimer 


vermögen des Serums gegenüber den verschiedensten Substraten, wie Schilddrüse, 
Thymus, Leber, Pankreas, Muskelgewebe, Nebenniere, Ovarium, Hoden, Placenta, Karzinom, 
festgestellt. Auf Grund dieser Ergebnisse ist der inzwischen von verschiedenen Autoren 
erbrachte Nachweis eines Vorhandenseins von Serumfermenten, die gegen verschiedene, 
namentlich innersekretorische Organe gerichtet sind, bei gewissen Krankheitszuständen 
doppelt interessant. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß wir gerade auf dem in den letzten 
Jahren so reich bearbeiteten Gebiet der Störungen der Organe mit innerer Sekretion 
durch Anwendung der Abderhaldenschen Methodik noch neue Aufschlüsse hinsichtlich 
der Pathogenese und Wechselbeziehungen der verschiedenen endokrinen Organe unter¬ 
einander gewinnen können. J. Bauer fand im Serum einer großen Anzahl von Patienten 
mit endemischem Kropf Abwehrfermente gegen normales wie gegen kropfig degeneriertes 
Schilddrüsengewebe, in Endemiegegend auch häufig ohne klinisch nachweisbare Ver¬ 
größerung der Schilddrüse. In solchen Fällen waren nicht selten andere Symptome einer 
gestörten Schilddrüsenfunktion vorhanden. Ähnliche Schilddrüsen abbauende Fermente 
wies Reines uad Bauer bei Sklerodermie nach. Es wäre noch nachzutragen, daß 
Fans er in einer größeren Zahl von Psychosen bei Schilddrüsenkrankheiten gegen Schild¬ 
drüse, bisweilen gleichzeitig auch gegen Gehirn gerichtete Serumfermente nachwies. 
Nach Lampö und Fuchs baut das Serum von Basedowkranken stets Basedowschilddrüse, 
selten normale Schilddrüse ab, die Mehrzahl der Fälle auch Thymus und Keimdrtisen- 
gewebe. Im Serum Myxödematöser sowie bei endemischem Kropf waren spezifische Ab¬ 
wehrfermente gegen Schilddrüse vorhanden. Die Autoren schließen daraus, daß es sich bei 
all diesen Krankheitszuständen um einen Dysthyreoidismus allerdings verschiedener Art 
handelt. Kolb fand bei normaler persistierender Thymus keine gegen dieses Organ ge¬ 
richteten Serumfermente, dagegen im Falle von Thymushyperplasie bei Morbus Basedow 
und endemischem Kropf. Helene Deutsch konnte dagegen sowohl im Serum von 
Kindern wie Erwachsenen fast stets Thymus abbauende Fermente nachweisen. Die 
weitere Verfolgung der interessanten Untersuchungen J. Bauers, der namentlich bei 
Krankheiten der Drüsen mit innerer Sekretion das Blutserum auf die verschiedensten 
Organsubstrate einwirken ließ, dürften noch zu bemerkenswerten Resultaten führen. So 
ergaben zwei Fälle von Hypophysentumor einen Abbau von Hodengewebe, Patienten mit 
Pigmentanomalien einen Abbau von Nebenniere. J. Bauer untersuchte ferner 5 Fälle 
von Albuminurie, deren Serum Nierengewebe abbaute, ähnlich berichteten F. Deutsch 
und Köhler von 22 Fällen von Nephritis, wobei siebzehnmal Nierengewebe, in der 
Minderzahl auch Nebennierengewebe, abgebaut wurde. Orthotische Albuminuriker zeigten 
dagegen kein solches Verhalten. Lampö und Papazolu erhielten indes keinen Abbau 
von normalem Nierengewebe durch Nephritikerserum, ebensowenig einen Abbau von 
normalem Pankreasgewebe durch Diabetikerserum. Erwähnt seien noch die Unter¬ 
suchungen Kabanows, der Sera von Magen- und Darmkranken auf die einzelnen 
Intestinalabschnitte einwirken ließ und dabei Fermente nachweisen konnte, die auf 
spezielle Partien des Magen-Darmkanals eingestellt waren. Unter 4 Fällen von 
perniziöser Anämie reagierten drei mit der Dialysiermethode auf Dünndarmschleimhaut 
positiv. Breitmann untersuchte die Sera verschiedener Krankheiten, bei denen Leber¬ 
affektionen in Betracht kommen konnten, auf ihr Verhalten gegenüber Lebergewebe. 
Dabei glaubt er eine relative Selbständigkeit der beiden Leberlappen durch die Resultate 
der Dialysiermethode bestätigen zu können, insofern sich im Abbau von rechtem und 
linkem Leberlappen Differenzen konstatieren ließen. 

Auch für die Augenheilkunde dürften sich nach Untersuchungen von v. Hippel 
und Hegen er die Abderhaldenschen Fragestellungen als fruchtbar erweisen. Es 
konnten nämlich im Serum von Patienten mit perforierender Augenverletzung beim Be¬ 
stehen entzündlicher Zustände der Uvea Fermente nachgewiesen werden, die in spezifi¬ 
scher Weise Uveagewebe abbauten. Von Interesse dürfte besonders sein, daß sich auch 
frische Fälle von sympathischer Ophthalmie so verhielten, ein Befund, der zur Klärung 
der Ätiologie dieses in seiner Pathogenese noch dunklen Krankheitsbildes wesentlich bei¬ 
tragen könnte. Von prinzipieller Wichtigkeit ist dabei die Beobachtung, daß auch art¬ 
fremdes von Schweinsaugen stammendes Uveasgewebe sich zur Anstellung der Reaktion 


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Die Abderbaldenschen Methoden des Nachweises proteolytischer Serumfennente. 45 


als brauchbar erwies, ebenso wie das Serum von schwangeren Menschen mit Tierplacenta 
von Pferd und Schaf (Schlimpert und Issel) die Schwangerschaftsreaktion gibt. Der¬ 
artige Befunde stellen eine weitere Stütze für die Lehre der weitgehenden Organ¬ 
spezifität dieser Serumfermente dar. Andererseits kann vielleicht dieses Moment für die 
praktische Ausgestaltung der Methodik noch nutzbar gemacht werden. 

Schließlich dürfte, wie Abderhalden mit Recht betont, bei der großen Gruppe 
der Infektionskrankheiten das Auftreten von Serumfermenten mittels seiner Methoden 
nachweisbar sein. Zweierlei Möglichkeiten sind dabei a priori in Betracht zu ziehen, 
die nach den bisher vorliegenden Untersuchungen auch beide realisiert zu sein scheinen. 
Es kann sich einerseits um Fermente handeln, die gegen die betreffenden Mikroorganismen 
gerichtet sind, andererseits um Fermente, die das erkrankte Organ abbauen. Derartige 
Befunde können demnach unter Umständen für eine generelle und eine topische Diagnostik 
der Infektionskrankheiten Verwertung finden. Zunächst seien in diesem Sinne zu deutende 
Beobachtungen von Abderhalden und Andryewsky bei der Rindertuberkulose er¬ 
wähnt. Bei Miliartuberkulose der Rinder fanden sich Abwehrfermente gegen Tuberkel¬ 
bazilleneiweiß und zwar lediglich gegen Pepton, das vom bovinen Typus herstammte. 
Das Serum von Tieren mit lokalisierter käsiger Lungentuberkulose baute stets nur aus 
käsig-pneumonischen Lungen dargestelltes Pepton ab. Letzteres war allerdings auch 
gelegentlich der Fall bei Verwendung des Serums sogenannter normaler Schlachttiere. 
Dagegen baute das Serum von Tieren mit Miliartuberkulose nicht Lungengewebe ab. 
Analog konnten die Autoren auch einen Abbau von Pepton aus Rotzbazillen durch das 
Serum rotzkranker Pferde feststellen. Für die menschliche Tuberkulose liegen einst¬ 
weilen einige zwar nicht eindeutige, immerhin zu weiteren Untersuchungen ermunternde 
Resultate vor. Nach E. Fränkel und Gumpertz reagierten Tuberkulöse, namentlich 
fieberhafte Fälle, in hohem Prozentsatz mit tuberkulös-käsigem Gewebe positiv. Aller¬ 
dings sollen auch klinisch Nicht-Tuberkulöse, Karzinomkranke, Schwangere bisweilen 
einen derartigen Abbau hervorrufen können. Lampö kam bei einem Material von 
30 Fällen von Lungentuberkulose zu dem Ergebnis, daß das Serum Leichttuberkulöser 
und teilweise auch solcher Fälle, die klinisch frei von Tuberkulose schienen, im all¬ 
gemeinen nur Tuberkelbazilleneiweiß angreift, während das Serum von Schwertuberkulösen 
nur normales und tuberkulöses Lungengewebe abbaut. Zu ähnlichen Resultaten gelangte 
Jessen. Es bedarf natürlich noch der weiteren Nachprüfung an einem umfassenden 
Material, bevor die Ergebnisse derartiger vielversprechender Untersuchungen bei Infektions¬ 
krankheiten für die praktische Medizin nutzbar gemacht werden können. 

Überblicken wir nunmehr das in der kurzen Zeit Geleistete, seitdem die Abder- 
haldensche Methodik in die Hände von Klinikern übergegangen ist, so finden wir zwar, 
wie bei einem so „raschen Vorstoß in unbekanntes Gebiet“ nicht anders zu erwarten, 
noch viele unvollständige, von der weiteren Forschung wohl auch in manchen Punkten 
zu korrigierende Resultate. Nicht zu verkennen ist aber, daß das zielbewußte Vorgehen 
Abderhaldens und das Übertragen seiner Methode des serologischen Fermentnachweises 
auf Gebiete der klinischen Medizin sich schon heute als äußerst fruchtbar erwiesen hat 
und zweifellos noch weitere auch für eine praktische Serodiagnostik wichtige Erkenntnisse 
vermitteln wird. Die Verläßlichkeit der Schwangerschaftsreaktion wird von den meisten 
mit der verschärften Dialysiermethode arbeitenden Untersuchern anerkannt. Die bei 
der Karzinom- und Organdiagnostik hinsichtlich der Spezifität der dabei gefundenen 
Abwehrfermente noch von einander abweichenden Resultate der verschiedenen Autoren 
könnten neben gewissen — vielleicht technischen Differenzen — etwa mit folgendem für 
biologische Reaktionen nicht ohne Analogie dastehenden Phänomen Zusammenhängen. 
Ähnlich wie wir im Serum bei der Widalschen Probe neben einer Agglutination auf 
Typhusbazillen meist auch eine gegen Paratyphus und andere der Koligruppe an- 
gehörigen Bazillen gerichtete Mitagglutination feststellen können, könnte trotz einer weit¬ 
gehenden Spezifität der Abwehrfermente gelegentlich ein „Mitabbau“ in Frage kommen. 
Derselbe kann auf verschiedene Momente zurückgeführt werden. Wie bereits oben aus¬ 
geführt, könnte bei der Untersuchung auf Abwehrfermente gegen Tamormaterial unter 
Umständen das Muttergewebe des Tumors zu Täuschungen im Ausfall der Reaktion Ver- 


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Hans Guggenheimer, Die Abderbaldenschen Methoden usw. 


anlassung geben, indem etwa Uternskarzinom gelegentlich auch von Serum nicht karzi- 
nomatöser Genitalkranker angegriffen wird. Einen anderen Gesichtspunkt erwähnt 
Guggenheimer in seinen Studien über die Beeinflussung der Organautolyse durch 
menschliches Serum, der auch auf die Verhältnisse der Abderhaldenschen Reaktion 
übertragbar erscheint. Bei einer Überschwemmung der Blutflüssigkeit mit größeren 
Fermentmengen könnten nämlich verschiedene Organe durch Serum abgebaut werden, in¬ 
dem dabei eine allgemeine proteolytische Wirkung der Serumfermente zur Geltung kommt. 
Bei Organstörungen feiner Art würden dagegen nur geringe Mengen von Ferment ins 
Blut übertreten, zu deren Nachweis die Einwirkung von Serum auf das entsprechende 
Substrat im Sinne einer spezifischen Reaktion notwendig erscheint. Andererseits kann 
natürlich das gleichzeitige Auftreten von gegen mehrere Organe gerichteten Serum¬ 
fermenten auch darauf zurückzuführen sein, daß eine Organschädigung sekundär Störungen 
anderer Organe nach sich zieht, deren Dysfunktion durch das Vorhandensein der ent¬ 
sprechenden Serumfermente angezeigt wird. 

Wir sind in unseren Ausführungen auf die in manchen Punkten noch nicht hin¬ 
reichend geklärten theoretischen Grundlagen der Abderhaldenschen Reaktion nicht 
näher eingegangen. Es sei nur kurz erwähnt, daß im Laboratorium von M. Jacoby 
mit anderer Methodik gewonnene Resultate Guggenheimers dazu auffordern, die Abder¬ 
haldenschen bei Schwangerschaft und Organveränderungen nachweisbaren Serumfermente 
nicht als reaktive durch das Zirkulieren von ungenügend abgebautem Organ ei weiß 
in der Blutflüssigkeit hervorgerufene „Abwehrfermente“ anzusehen. Vielmehr spricht 
mancherlei dafür, daß es sich dabei um einen primären Übertritt von Organ¬ 
fermenten in die Blutflüssigkeit handelt, deren Spezifität nach den Untersuchungen 
M. Jacobys und denen Abderhaldens eine weitgehende ist. Natürlich berühren der¬ 
artige noch flüssige Fragen in keiner Weise die eminente Bedeutung der von Abder¬ 
halden gewonnenen tatsächlichen Ergebnisse. 

Literaturübersicht bei E. Abderhalden: Abwehrfermente des tierischen Organismus. 
3. Auflage. Berlin 1913. S. Springer. 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


A. Diätetisches (Ernährungstherapie). 

H. Strauß, Vorlesungen über Diätbehandlung 
innerer Krankheiten. Mit einem Anhang 
„Winke für die diätetische Küche“ 
von Elise Haasemann. Dritte, vermehrte 
und verbesserte Auflage. Berlin 1912. 
Verlag von S. Karger. 

Die Vermutung, die wir beim ersten Er¬ 
scheinen dieses Buches aussprachen (Bd.12 S.43 
dieser Zeitschrift), daß es „sich ohne Zweifel 
zahlreiche Freunde erwerben“ wird, hat sich 
bestätigt: schon nach 4 Jahren ist die dritte 
Auflage nötig geworden. Demnach erübrigt 
sich wohl ein Urteil über den Wert des Werkes. 
Es bleibt nur übrig, die vorgenommenen Ver¬ 
änderungen kurz hervorzuheben. Die Kapitel 
über Magengeschwüre, Herzkrankheiten, Nieren¬ 
krankheiten, Gicht und Diabetes sind erheblich 
umgearbeitet, ein Abschnitt über die Ernährung 
von Greisen ist neu hinzugefügt worden. 
Zahlreiche neue Tabellen über den Purin- und 
Kochsalzgehalt von Nahrungsmitteln wurden 
aufgenommen; endlich die wichtigsten Literatur¬ 
angaben eingefügt, so daß die „Vorlesungen* 
nun mehr die Gestalt eines Lehrbuches an¬ 
genommen haben. Der Tendenz des Buches 
entprechend, sind überall rein praktische 
Gesichtspunkte maßgebend gewesen, so daß 
es so recht für den Praktiker ein Nachschlage- 
bnch geworden ist, aus dem er unmittelbar 
für das Krankenbett stets bewährten Rat 
schöpfen kann. W. Alexander (Berlin). 

L Feldmann, Uber Gemüseextrakt im Ver¬ 
gleich mit Fleischextrakt. Dissertation. 
Halle 1913. 

Verfasser hat die Gemüseextrakte „Maggi“, 
„Troika“ und „Fino“ im Original untersucht. 
Maggiextrakt ist keineswegs nur ein pflanz¬ 
licher Extrakt, da er viel Stickstoff enthält, 
Kohlehydrate dagegen nur wenig. Bei Troika 
hat die Untersuchung noch ungünstigere Re¬ 
sultate gezeitigt. Bei derselben Kochsalzmenge 
ergab Troika weniger Stickstoff und Kohle¬ 
hydrate. Fino hält sich etwa in der Mitte 


zwischen diesen beiden. Es ergaben sich für 
Maggi, Troika und Fino folgende Zahlen: 
Stickstoff: 5,5%, resp. 4,27%, resp. 4,3%; 
Kohlehydrate: 2,6%, resp. 1,52%, resp. 1,9%; 
^Purinbasen: 0,11 %, resp. 0,018%, resp. 0,33%; 
Kochsalz: 20,65%, resp. 26,56%, resp. 22,8%. 
Den Hauptteil der Arbeit bildet die Wieder¬ 
gabe der eigenen Versuche des Verfassers zur 
Herstellung pflanzlicher Gemüseextrakte (Unter¬ 
suchungen an einer Gemüsemischung). Wasser¬ 
auszug, Salzsäure-Sodaauszug, ausgekocht mit 
Wasser, ausgekocht mit Salzsäure-Soda, Pepsin- 
Pankreatinauszug. Durch künstlichen Magen¬ 
saft und Pankreatin wird ein Extrakt erhalten, 
der bei hohem Gehalt an Kohlehydraten 
verhältnismäßig auch viel Stickstoff enthält. 
Durch Auskochen mit Wasser wird ein Extrakt 
erhalten, welcher sehr viel Kohlehydrate enthält 
und gleichzeitig ganz kleine Mengen von 
Purinbasen und Kochsalz. Es ist bekannt, daß 
die Fleischextrakte eine Sekretion (Magen, 
Darm, Pankreas) hervorrufen. Bei den Gemüsen 
konnte dasselbe in geringerem Maße in mehreren 
Fällen festgestellt werden. 

Fritz Loeb (München). 

S. Cohn (Berlin), Die Gicht, Ihr Wesen nnd 
ihre Behandlungen. Berlin 1913. Verlag 
von Dr. Basch & Co. 

Veranlaßt durch die ungünstigen Resultate, 
die Verfasser an sich und anderen Gichtikern 
mit purinfreier Kost erlebt, verwirft er die 
ätiologische Bedeutung des Purinstoffwechsels 
für die Gicht und sieht auf Grund eigener ex¬ 
perimenteller und therapeutischer Versuche in 
einer Störung des Natron- und Kalistoffwechsels 
ihre Ursache. Artifizielle Harnsäuredepots bei 
Kaninchen wurden bei gewöhnlicher Nahrung 
in kurzer Zeit in barnsaures Natron verwandelt, 
während dies bei Na-armer Reisnahrung nicht 
der Fall war. Durch Verabreichung von K- 
Salzen zu gewöhnlicher Nahrung gelang es, 
Bildung von harnsaurem Natron zu verhindern, 
bei Verabreichung zu Na-armer Kost dagegen 
abgelagertes harnsaures Natron (künstliche 
Tophi) auf dem Weg der Resorption zum 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


Schwinden zu bringen. Radium wirkte nur, 
wenn es als Radiumsalz in der Nähe der Tophi 
eingespritzt wurde, und zwar wahrscheinlich 
durch die starke Anhäufung K-reicher Leuko¬ 
zyten. Auf Grund dieser Versuche kommt Ver¬ 
fasser zu folgender Ansicht: Die Bildung des 
den gichtigen Ablagerungen entsprechenden 
harnsauren Na wird verhindert durch Na-Armut 
der Gewebsflüssigkeit und Kaliumreichtum der 
Gewebe. Neugebildetes, zur Ausfällung ge¬ 
kommenes harnsaures Na wird durch K auf 
dem Wege einer allmählichen Rückbildung zur 
Harnsäure zur Resorption gebracht. Im K-armen 
Organismus wird es dagegen bei der ständigen* 
Anwesenheit von Harnsäure im intermediären 
Eiweißstoffwechsel leicht zur Ablagerung von 
harnsaurem Natron kommen. Verfasser empfiehlt 
daher zur diätetischen Behandlung der Gicht 
eine Kost mit Einschränkung der natronhaltigen 
und Bevorzugung der kalihaltigen Nahrungs¬ 
mittel. Unterstützt wird diese Diät durch 
Medikation von Kalisalzen in einer vom Ver¬ 
fasser angegebenen Kombination; er selbst hat 
wochenlang 6—7,5 g davon genommen und ver¬ 
ordnet, ohne je eine schädliche Nebenwirkung 
zu sehen. Eine Hauptstütze der Behandlung 
bildet ferner eine konsequent durchgeführte 
Massage aller erkrankter Körperstellen (Gelenke 
und Tophi), die durch genauestes Abtasten auf¬ 
gesucht werden müssen. Infolge ihres wechseln¬ 
den Na-Gehaltes werden sämtliche Mineral¬ 
wässer verboten; die günstige Wirkung der 
Salzsäure in nicht zu alten Fällen wird an¬ 
erkannt, da sie Na-Ionen stärker anzieht wie 
Harnsäure. An sich selbst und einer Reihe 
mitgeteilter Fälle hat Verfasser die günstigsten 
Resultate gesehen, Gelenkschwellungen und 
Tophi bilden sich zurück, schwinden und 
werden teilweise durch Fettablagerungen unter 
der Haut ersetzt. Höhenklima, starke Isolation, 
auch Aufenthalt an der See mit Luft- und 
Sonnenbädern, ebenso wie mäßig betriebener 
Rasensport und Bergsteigen sind unterstützende 
Faktoren bei der Heilung. Eine Reihe von 
Diät8cbemata ergänzen die Ausführungen des 
Verfassers, die nachgeprüft zu werden ver¬ 
dienen. E. Mayerle (Karlsruhe). 


A. nnd H. Fische r (Sanatorium Untere Wald), 
Diätetische Küche für Klinik, Sanatorium 
nnd Hans« Berlin 1913. Verlag von Julius 
Springer. 

Die Verfasser haben ihre langjährigen, im 
eigenen Sanatorium gesammelten Erfahrungen 
benutzt, um eine größere Sammlung von Koch¬ 


rezepten zusammenzustellen. Gedacht ist 
diese Sammlung gewissermaßen als Ergänzung 
zu den zahlreichen Lehrbüchern der Diätetik, 
die in den letzten Jahren erschienen sind. 
Diesen Zweck haben die Verfasser voll und 
ganz erreicht, denn die Lehren der Diätetik 
allein versagen meist, wenn nicht gleichzeitig 
durch eine besondere Zubereitung der Speisen, 
wie sie die moderne Krankenküche vorschreibt, 
auf Schmackhaftigkeit und appetitanregende 
Wirkung Wert gelegt wird. 

Das vorliegende Kochbuch dient aber gleich¬ 
zeitig dem Gesunden, der hier eine Zusammen¬ 
stellung sorgfältig gewählter Rezepte findet, um 
auch den verwöhnten Gaumen zu befriedigen. 
Am Beginn der einzelnen Kapitel werden 
jedesmal die in Betracht kommenden Kochregeln 
und Zubereitungsweisen der Speisen besprochen. 
Sehr dankenswert erscheint auch die an die 
Spitze des Buches gesetzte Besprechung der 
allgemeinen Veränderungen, welche die einzelnen 
Nahrungsmittel (Fleisch, Vegetabilien, Milch¬ 
produkte) durch verschiedene Zubereitungsweise 
erfahren. 

Dem Wunsche der Verfasser, daß sich das 
Büchlein viele Freunde erwerben möge, kann 
man sich rückhaltlos anschließen. Nicht nur 
der Magenkranke bei Durchführung diätetischer 
Kuren, auch der Gesunde wird bei Beobachtung 
hygienischer Lebensweise in dem vorliegenden 
Buch einen willkommenen Berater finden! 

_Elsner (Berlin). 

M. Labbd (Paris), Traitement des Diabetes 
ave© denntrition. Journal de mödecine de 
Paris 1913. Nr. 27. 

Während die Behandlung des „fetten“ 
Diabetes verhältnismäßig einfach ist, läßt sie 
sich beim „mageren“ Diabetes oft recht schwer 
durchführen. In diesem Falle sind die Patienten 
nicht nur den Gefahren einer Hyperglykämie, 
sondern auch denen der Azidose ausgesetzt. 
Die Hyperglykämie muß durch Reduktion der 
Kohlehydrate und Eiweißkörper bekämpft 
werden. Die Azotämie erfordert eine Ver¬ 
mehrung der Fette und Eiweißstoffe, die Azi¬ 
dose eine Herabsetzung der Eiweißkörper. 
Es ist daher unmöglich, diese Zustände mit 
ein und derselben Diät zu behandeln. Autor 
erörtert nun die verschiedenen Diäten, zunächst 
eine solche mit Verringerung der Kohlehydrat¬ 
mengen. Sie besteht in der Hauptsache aus 
400 g Fleisch, 4 bis 6 Eiern, Butter und Käse 
100 g, Gemüse 400 g und Kartoffeln 100 g, 
die durch andere Kohlehydrate ersetzt werden 
können. Er bespricht sodann die Milchdiät 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


49 


and in ausführlicher Weise die Noordensehe 
Haferdiät. Er erkennt eine spezifische Wirkung 
derselben nicht an, sondern führt den Erfolg 
des Hafers auf die Reduktion des Eiwei߬ 
gehaltes der Nahrung zurück und empfiehlt 
diese Diät nur bei jenen Diabetikern, die dem 
Koma nahe sind. Labbö ist ein überzeugter 
Anhänger einer trockenen Gemüsediät (Erbsen, 
Bohnen, Linsen, Schnittbohnen), welche die 
Azidose wirksam bekämpft. Im Anschluß an 
diese Ausführungen erörtert Autor die Phar¬ 
makotherapie des Diabetes (Arsen, Phosphor, 
Eisen), die Opotherapie, die Alkalitherapie, bei 
der große Dosen (100—200 g Natriumbicarb. 
innerhalb 24 Stunden) anzuwenden sind und 
schließlich die Crenotherapie, alkalische Quellen 
(Vichy, Vals, Karlsbad) nützen nur bei nicht¬ 
kompliziertem Diabetes durch Anregung des 
Stoffwechsels der Leber. Bei Diabetes mit 
Azidose ist der Erfolg der Quellen gleich Null. 
Bei magerem Diabetes kann man Arsenquellen 
(Bourboule, Royat) versuchen. 

Roubitschek (Karlsbad). 


M. Lauritzen (Kopenhagen), Om Acidose- 
bestemmelser og deres klinfske Anven- 
delighed ved dlabetes mellitus. Nord. 
Tidsskr. f. Terapi 1913. September. 

Für die Beurteilung und Behandlung von 
Diabetesfällen mit stärkerer Azidose erwiesen 
sich quantitative Bestimmungen als unentbehr¬ 
lich. Außer den Methoden, die Aufschluß 
geben über die Aziditätsverhältnisse im Harn 
kann auch die Bestimmung der C0 3 -Spannung 
der Lungenluft verwandt werden, welche in¬ 
direkt die Aziditätsgrade des Blutes andeutet 
(Fridericia). Da Verschlechterungen der 
Azidose sich im Sinken der C0 3 -Spannung sehr 
früh zu erkennen geben, hat die Methode auch 
diagnostischen Wert. Im übrigen verfährt 
Lauritzen in diagnostischer Hinsicht in 
folgender Weise: Der Patient erhält 2—3 Tage 
eine Diät aus 800 g Gemüse, 100 g Butter und 
2 Eiern. Wenn dabei die Aziditätszahlen für 
den Urin nicht normal werden, wird Bikarbonat 
in steigender Dosis gegeben, bis obiges Ziel 
erreicht ist Aus therapeutischen Gründen kann 
die Einschaltung von 1—2 Hafertagen notwendig 
werden, deren Wirkung auf die Azidose dann 
aber auch diagnostisch verwertbar ist. 

Um die Prognose beurteilen zu können, 
muß man längere Zeit bei verschiedener Diät 
Azidosebestimmungen machen. Schnell wieder 
verschwindende leichte Ketonurie nach kohle¬ 
hydratarmer Diät ist ohne prognostische Be- 

Zeltschr. f. pbysik. u. diät. Therapie Bd. XVIII. Heft 1. 


deutung. Das gleiche gilt für leichte Ketonurie, 
die sich bei beginnendem Diabetes mit starker 
Glykosurie findet und mit dieser zugleich völlig 
schwindet. Nur, wo sie sich hält oder zu¬ 
nimmt, liegt eigentliche Azidose vor. Die 
mittelstarke Ketonurie mit 2—3 g Ammoniak 
(bei gemischter antidiabetischer Diät mit ca. 
30 g Kohlehydraten) gibt schlechte Prognose 
für die Lebensdauer, die aber um Jahre ver¬ 
längert werden kann, wenn es auf diätetischem 
Wege gelingt, die Ketonurie zu beseitigen und 
den Urin für Monate zuckerfrei zu erhalten. 
Daß dies möglich ist, wurde durch eine Reihe 
klinischer Versuche zahlenmäßig bewiesen. Die 
starke Ketonurie mit 4—8 g Ammoniak gibt 
immer schlechte Prognose. Doch kann das 
Leben um Monate verlängert werden, wenn 
Diät, Alkalien und Bettruhe das Ammoniak 
im Harn auf Va S und die Glykosurie auf 
10—30 g herunterbringen. 

Für die Therapie schwerer Diabetesfälle 
sind heute quantitative Urinanalysen sowie alles, 
was zur Beurteilung des Grades der Azidose 
dienen kann, als Richtschnur des Handelns 
unentbehrlich. Böttcher (Wiesbaden). 

H. Curschm&nn (Mainz), Zur Psycho¬ 
therapie funktioneller Magenstörungen. 

Therapeutische Monatshefte 1913. Heft 9. 

Verfasser möchte zwei Arten der funktio¬ 
nellen Magenstörung, die Dyspepsie als Reaktion 
des Verdauungsorganes auf eine vorhandene 
Psychoneurose und die Magenneurose, die als 
selbständige Organneurose auftritt, unter¬ 
scheiden. In der durch ausführliche Kranken¬ 
geschichten illustrierten Abhandlung schildert 
er mehrere Fälle von nervöser Dyspepsie, die 
zum Teil mit habituellem Erbrechen einhergehen. 
Die Behandlung kann sich manchmal der 
Persuasion bedienen; der Schwerpunkt der 
Therapie beruht jedoch in einer zweckent¬ 
sprechenden Hypnose. In allen Fällen, die als 
rein funktionelle Störungen verdächtig sind, 
hat eine gründliche psycho-anamnestische Er¬ 
forschung voranzugehen. Auf die Wichtigkeit 
einer gründlichen Anamnese hingewiesen zu 
haben, darin liegt die Hauptbedeutung der 
Arbeit. van Oordt (Rippoldsau). 

E. Schlagintweit und W. Stepp (Gießen), 
Studien über die Pankreassekretion bei 
Sekretion8störnngen des Magens. Nach Ex¬ 
perimenten am Danerflstelhund. Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 34. 

Da die Pankreassekretion hauptsächlich 
vom Magen aus angeregt wird, versuchten Ver- 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


fasser die Frage, ob Mageninhalt von Achylikern 
und Anaziden ebenso wie von Gesunden im> 
stände sei, Sekretin aus der Darmschleimhaut 
frei zu machen, experimentell zu lösen. Zu 
den Versuchen wurde ein von Cohnheim 
operierter Dauerfistelhund benutzt, bei dem 
eine Doppelkanüle, die in den absteigenden 
Duodenalast führte, gleichzeitig die Einführung 
frisch ausgeheberten Mageninhalts in den Dünn¬ 
darm und das Auffangen von Pankreassaft ge¬ 
stattete, während die Galle operativ in eine 
Dünndarmschlinge abgeleitet war. Es ergab 
sich, daß das Einbringen anazider Magensäfte 
von Karzinomkranken wie von einfachen 
Achylikern nur eine prinimale Sekretion hervor¬ 
rief, ebenso wie 0,9 und 2% NaCl-Lösungen, 
während 0,4% Salzsäure, normale und hyper- 
azide Magensäfte sofort kräftige Sekretion 
bewirkten. Diese Resultate sprechen für die 
Annahme, daß bei Störungen der Salzsäure- 
abscheidung die Pankreassekretion Not leidet. 
Allerdings erfolgt die letztere auch auf nervöse 
und automatisch-rhythmische Einflüsse, außer¬ 
dem sind auch Fettseifen imstande, das Sekretin 
zu aktivieren. Es ist aber leicht möglich, daß 
bei Wegfall des Haupterregers der Pankreas¬ 
sekretion, der Salzsäure, eine Insuffizienz der 
übrigen Regulatoren sehr schnell eine schwere 
Schädigung der Pankreasverdauung herbeiführt 
E. Mayerle (Karlsruhe). 


J. Matko (Wien), Über das Verhalten des 
Dnodenalinhaltes bei Icterus catarrhalis 
und Dnodenalprozessen. Deutsche medi¬ 
zinische Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

Eb gibt Fälle von Icterus catarrhalis, 
die mit einer gesteigerten Saftabsonderung 
einhergehen, die größtenteils von der Duo¬ 
denalwand abzustammen scheint Auf der 
Höbe des Ikterus waren die Saftmengen am 
bedeutendsten. Die parallel gehende Unter¬ 
suchung der Fälle auf Trypsin im Ölfrühstück 
und Stuhl, auf Aldehydreaktion im Stuhl und 
Urin und Prüfung auf alimentäre Dextro- und 
Galaktosurie können wichtige Aufschlüsse über 
das Verhalten der Leber, des Pankreas und 
der Vorgänge im Duodenum und im Bereiche 
der Papilla Vateri geben. Die alimentäre Dex- 
trosurie kann mit einer verminderten und einer 
vermehrten Trypsinabsonderung einhergehen. 

In drei Fällen von sicherem Ulcus duodeni 
konnten nach dem Volhardsehen Ölfrtthstück 
sehr große Saftmengen mit ganz beträchtlichem 
Gallengebalt und von überaus tryptischer 
Wirkung herausbefördert werden (Hyper¬ 


sekretion des Duodenum und Pankreas). Peri¬ 
duodenale Affektionen, Ulcera im Magen und 
Ulcera ad pylorum scheinen diese Reaktion 
auf das Fettfrühstück nicht zu geben. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

A. Bornstein (Hamburg), Über den Stoff¬ 
wechsel der Geisteskranken. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

In Fällen progressiver Paralyse, Epilepsie 
und multipler Sklerose fand Verfasser eine 
Lezithinvermebrung im Blutserum und sieht 
dies als „ein Zeichen irgendwelcher mit Abbau 
von Gehirnsubstanz einhergehender Vorgänge“ 
an. Ferner fand er mit dem Zuntz-Geppertschen 
Apparate eine deutliche Herabsetzung des 
Energieumsatzes, der oxydativen Prozesse in 
Fällen von Dementia praecox. Da eine von 
der Thyreoidea ausgehende Stoffwechselverlang¬ 
samung ausgeschlossen werden konnte, nimmt 
er Störungen der inneren Sekretion der Ovarien 
resp. Hoden als Ursache an. Diese Ansicht 
steht in Übereinstimmung mit den Resultaten, 
die Abderhalden und Fauser aus ihren 
Versuchen gefolgert haben. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

A. Brüning (Gießen), Ulcus duodeni. 

Fortschritte der Medizin 1913. Nr. 37. 

Nach dem Gießner Material zu schließen, 
ist die Moynihansche Trias nicht allzuhäufig 
beim Darmgeschwür zu konstatieren, da man 
die gleichen Symptome auch bei einer Reihe 
anderer Erkrankungen des Magens und der 
Gallenblase finden kann. Der Schmerzpunkt 
bei Gallenblasenentzündungen kann auch in 
der Mittellinie liegen, wenn starke Adhäsionen 
zum Magen bestehen. Die Hyperchlorhydrie, 
die in 40% der Fälle von Ulcus duodeni 
besteht, findet sich auch beim Magenulcus. 
Bezüglich des Hungerschmerzes ist zu erwähnen, 
daß sein spätes Auftreten (mehrere Stunden 
nach dem Essen) auch durch Pylorospasmus 
bedingt sein kann. 

Der Druckschmerz ist häufig nicht in, 
sondern seitlich von der Medianlinie (links) zu 
treffen. Der palpatorische Befund tritt erst bei 
drohender Perforation auf, ist demnach kein 
Frühsymptom. Die Blutungen, welche während 
der Schmerzattacken stets nachweisbar sind, 
bilden gleichfalls erst ein Spätsymptom und 
lassen über den Sitz des Geschwüres nichts 
Sicheres vermuten. 

Bezüglich der Therapie ist zu berück¬ 
sichtigen, daß ein Duodenalulcus genau so wie 
ein Magenulcus zunächst intern am besten in 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


51 


einem Krankenhaus zu behandeln ist. ErBt 
wenn diese Behandlung sich als erfolgloserweist, 
ist die Operation vorzunehmen. Viele Fälle 
werden durch Gastroenterostomie geheilt, das 
radikalste Verfahren ist die Gastroenterostomie 
mit einseitiger Pylorusausschaltung nach Eiseis¬ 
berg. Stets muß aber der Operation eine interne 
Behandlung nachfolgen. 

Roubitschek (Karlsbad). 

M. Daniel Schilmann (Paris), Etüde 
clinique et thdrapentique de la Zomo- 
thdrapie dang la Tubercnlose. Zeitschrift 
für Tuberkulose Bd. 20. Heft 4 und 5. 

Schilmann kommt in seiner Arbeit be¬ 
züglich der von Rieh et empfohlenen Behand- 
lungderTuberkulose mit Fleischsaft zu folgenden 
Ergebnissen: 1. Die Entwicklung der experi¬ 
mentellen Tuberkulose wird durch die Fleisch¬ 
safttherapie aufgehalten. 2. Dem Muskelplasma 
kommt dieselbe Wirkung zu wie dem rohen 
Fleisch. 3. Die Fleischsafttherapie stellt keine 
Überernährung dar, sondern ein wirkliches 
Medikament. Die Behandlung mit Fleiscbsaft 
vom Pferde ist wirksamer als die mit dem 
Fleisch vom Rinde. 4. Die Pferdefleischsaft¬ 
therapie ist bei allen zur Tuberkulose Prädispo¬ 
nierten indiziert. 5. Die Behandlung soll noch 
in der Regel 6 Monate nach dem Verschwinden 
der schwersten Symptome fortgesetzt werden. 

Leopold (Berlin). 

J. Snapper (Groningen), Über den Zu¬ 
sammenhang zwischen Funktion der Nieren 
nnd Chlorretention bei fieberhaften Krank¬ 
heiten. Deutsches Archiv für klin. Medizin 
1913. Heft 5 und 6. 

Ob die Chlorretention bei fieberhaften 
Krankheiten nephrogen ist oder nicht, war bis 
dahin offene Frage. Um diese Frage zu ent¬ 
scheiden, mußte man wissen, ob eine bestimmte 
Menge Chlor, mit der Nahrung aufgenommen, 
eine bestimmte Chlor-Konzentration des Serums 
verursacht. Ambard undWeill fanden, daß, 
wenn bei einem Individum die Chlor-Konzen¬ 
tration des Serums konstant bleibt, die pro 
24 Stunden im Urin ausgeschiedenen NaCl- 
Mengen umgekehrt proportional sind der 
Wurzel der Konzentration des NaCl des Urins. 
Snapper hat nun festgestellt, daß der 
Schwellenwert für die Chlorausscheidung bei 
einem NaCl-Gehalt des Serums gleich 5,60%o 
liegt. Wenn also der NaCl-Gehalt des Serums 
5,60 %o oder weniger beträgt, so wird kein 
Chlor im Urin gefunden. Versuche an fieber¬ 
haften Patienten mit Chlorretention (Typhus, 


Pneumonie) ergaben, daß bei 6 von 7 Fällen der 
NaCl-Gehalt des Serums unter dem bezeichneten 
Schwellenwert der NaCl-Ausscheidung lag. Es 
könnten daher die Nieren, auch wenn sie 
normal funktionierten, doch kein Chlor aus- 
scheiden. Eine Nierensuffizienz würde also 
keinen direkten Einfluß auf die Chlorretention 
haben. 

In dem einzigen Fall, wo der NaCl-Gehalt 
des Serums etwas höher war als der Schwellen¬ 
wert, stand auch die Quantität des Urins damit 
in Übereinstimmung. 

R o e m h e 1 d (Hornegg a. N.). 


A. ton Bokay (Budapest), Über die diä¬ 
tetische Bolle des Jods. Zeitschrift für 
Balneologie, Klimatologie und Kurorthygiene 
6. Jahrgang. Nr. 12. 

Seit E. Baumann^JJi^deckung müssen 
wir das Jod als integrierenden Bestandteil 
unseres Organismus betrachten. Sowohl die 
übermäßige, als auch die verminderte Produktion 
des Jodothyrins führt zu krankhaften Ver¬ 
änderungen; erstere führt zu Symptomen der 
Basedowschen Krankheit, letztere, die mangel¬ 
hafte Entstehung, zu Myxödem, Kretinismus 
und Fettleibigkeit. Die Pharmakologie be¬ 
trachtet die anregende Wirkung des Jods für 
die Jodtbyreoglobulinbildung als so gesichert, 
daß sie die rapide Abmagerung, die Atrophie 
drüsiger Organe, das Fieber, die Herzstörungen 
usw., beobachtet nach dauernder Zufuhr von 
Jodverbindungen, gar nicht als direkte Jod¬ 
wirkung ansieht, sondern als Folge gesteigerter 
Produktion von Jodthyreoglobulin, geradeso, 
wie wir bei manchen empfindlichen Individuen 
durch Jodzufuhr akuten Basedow hervorrufen 
können. Das jodhaltige Sekret der Schilddrüse 
gelangt auf dem Wege der Blutbahn in die 
Organe, um dort am Energie- und Stoffwechsel 
regulatorisch teilzunehmen und um die normalen 
assimilatorischen und dissimilatorischen Vor¬ 
gänge des Organismus zu sichern. Ausge¬ 
schiedenes Jod wird ersetzt dank des Jod¬ 
gehaltes der atmosphärischen Luft und des 
Trinkwassers einerseits, der animalischen und 
vegetabilischen Nahrungsmittel und des Koch¬ 
salzes andererseits. 

Zwei diätetische Forderungen können be¬ 
stehen, die Forderung, die Jodzufuhr zu steigern, 
und die Forderung, die Jodzufuhr einzu¬ 
schränken. Ersteres ist leichter als letzteres. 
Neben dem Jodgehalt der atmosphärischen 
Luft, des Regenwassers, des Meeres usw. in¬ 
teressieren vor allem die quantitativen Jod- 

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Referate über Bücher und Aufsätze. 


52 


Verhältnisse der Pflanzen, welche uns zur 
Nahrung dienen. Wir haben Pflanzen, welche 
jodfrei sind, und solche, die sehr viel Jod ent¬ 
halten. Jodfrei sind u. a. Mandeln, Arti¬ 
schocken, Bananen, Karotten, Rosenkohl, Kaffee¬ 
bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Himbeeren, Melonen, 
Birnen, Äpfel, Weintrauben, Mehl usw.; sehr 
viel Jod enthalten u. a. Ananas, Rüben, Cham¬ 
pignons, Reis usw. Die Früchte der Bäume 
und die Pflanzenteile, welche reich an Stärke 
sind, enthalten nur Spuren oder kein Jod, 
Wurzeln, Blätter und grasartige Pflanzen sind 
dagegen relativ reich an Jod. Mit Ausnahme 
des Champagners enthalten französische Weine 
Jod, Kognak ist jodfrei. Von animalischen 
Nahrungsmitteln sind die Seetiere am jod¬ 
reichsten, Speck und Fett enthalten kein Jod, 
Wild meist sehr viel. Hühner sind jodärmer 
als Gans und Ente. 

Wollen wir Patienten jodarm ernähren, so 
bringen wir sie recht weit von der See ent¬ 
fernt unter, lassen sie kein Trinkwasser trinken, 
geben nur zweckmäßiges Salz und ernähren sie 
in der Hauptsache mit Lamm, Kalb, Eiern, 
Milch, Butter, Speck, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, 
Schokolade, Kaffee, Himbeeren, Tomaten usw. 

Empfehlen wir eine jodreiche Lebensweise, 
so lassen wir die Patienten an die See gehen, 
geben jodhaltiges Trinkwasser, Seesalz, er¬ 
nähren sie mit Schweinefleisch, Wild, Rind¬ 
fleisch, geräuchertem Fleisch, Seefischen, Leber¬ 
tran, grünem Gemüse, Champignons. 

E. Tobias (Berlin). 

F. Lust (Heidelberg), Über den Nachweis 
der Yerdannngsfermente in den Organen 
des Magendarmkanals von Säuglingen. 

Monatsschrift für Kinderheilkunde 1912. 
Heft 8. 

In einer früheren Arbeit hatten Verfasser 
gemeinsam mit Hahn in den Fäzes bei ge¬ 
sunden und ernährungsgestörten Säuglingen 
fast konstant die allermeisten Verdauungs¬ 
fermente finden können. Der wenigen negativen 
Resultate wegen glaubten sie die Sekrete noch 
am Ort ihres Entstehens nachweisen zu müssen. 
Demgemäß prüften sie bei 14 verstorbenen 
Säuglingen die Organe des Magendarmtraktus 
auf ihren Fennentgehalt. Trypsin fand sich 
bei allen Säuglingen, zum größten Teil in reich¬ 
lichster Menge, und zwar schon im Pankreas 
in aktivem Zustand. Ebenso war Erepsin im 
Darm immer vorhanden. Labferment fehlte da¬ 
gegen häufiger im Dünndarm extrakt, Diastase 
fand sich im Pankreas extrakt regelmäßig, spär¬ 


licher im Dünndarmextrakt. Ebenso sind die 
beiden disaccharidspaltenden Fermente, In- 
vertion und Maltase, immer vorhanden, nur 
Laktase ist bei nicht lebensfähigen Früh¬ 
geburten gewöhnlich nicht vorhanden. Eine 
kräftige lipolytische Fähigkeit des Magens ist 
vorhanden, doch kann sie durch Ernährungs¬ 
störungen Einbuße leiden. Auch die Lipase 
des Pankreas kann bei alimentär intoxizierten 
Kindern erheblich herabgesetzt sein. Ab¬ 
gesehen von diesen geringen Einschränkungen 
kann man aber sagen, daß die Entstehung der 
Ernährungsstörungen der Säuglinge nach diesen 
Untersuchungen nicht auf ein Fehlen der Fer¬ 
mente zurückzuführen ist. Japha (Berlin). 

B. Hydro-, Balneo- und Klimato- 
therapie. 

Hans Müller, Blutuntersuchungen bei An¬ 
wendungen des beißen Sandbades. Disser¬ 
tation. Kiel 1913. 

Die Arbeit will Aufschlüsse über die 
quantitative Veränderung der roten und weißen 
Blutkörperchen und des Hb in Versuchen am 
trockenen heißen Sandbade geben (zum Ver¬ 
gleich auch an einigen Heißluftbestrahlungen). 
Die Beobachtungen erstrecken sich auf Gelenk¬ 
affektionen, Rheumatismus, Arteriosklerose, 
Ischias. Es ergab sich in 53 von 54 Fällen 
eine Vermehrung der Erythrozyten. In ca. je 
V 3 der Fälle Steigerungen über 900 000, 450 000 
’ bis 900 000 und unter 450 000. Die Leukozyten 
hatten in 46 von 56 Fällen = 82 % a ^'» ,n 
10 Fällen = 18% zugenommen. Der Hb-Ge- 
halt erfährt in jeder Beobachtung eine kleine 
Minderung. Die größte Erythrozytenzunahme 
im Sandbad betrug 1 500000, die größte Minde¬ 
rung danach 1700 000; größte Minderung der 
Leukozyten im Bad 4200, größte Mehrung 
danach 3400; größte Minderung des Hb im 
Bad 30, größte Mehrung danach 30. Eine Er¬ 
klärung für diese Tatsachen kann Verfasser 
nicht geben. Im Gegensatz zu anderen Krank¬ 
heiten hat bei Anämie eine Zunahme der 
Leukozyten stattgefunden. Der Hb-Gehalt 
zeigt bei Anämischen auf der Höhe des Sand¬ 
bades einen gleichmäßigen Rückgang, doch 
findet sich am Ende der Sandbadekur eine 
Zunahme des Hb-Wertes. Die Vergleichs¬ 
versuche bei Anwendung der Heißluftdusche 
zeigten qualitativ die gleichen Veränderungen, 
quantitativ stärkere Zunahme der Erythrozyten 
und größere Abnahme des Hb-Gehaltes. 

Fritz Loeb (München). 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


53 


Hans Ziehmann, Gesundheits-Ratgeber für 
die Tropen« 4. Auflage. Berlin 1913. Ver¬ 
lag von Dietrich Reimer. Preis 1 M. 

Wer jemals in den Tropen war, weiß, daß 
es zur Bekämpfung der Tropenkrankheiten einer 
weitgehenden Mitarbeit der ganzen weißen 
Bevölkerung bedarf. Diese Mitarbeit kann nur 
dann erreicht werden, wenn die Fundamente 
der Tropenpathologie Allgemeingut der weißen 
Bevölkerung sind. Diese Kenntnisse zu ver¬ 
breiten, ist der Zweck des vorliegenden Büch¬ 
leins, das durch seine jetzt erschienene 4. Auf¬ 
lage seine Existenzfähigkeit bereitsbewiesen hat. 

H. Pauli (Karlsruhe). 


Max Steiger, Über den Einfluß des Klimas 
und der Rasse auf das weiblicbe Ge¬ 
schlechtsleben. Korrespondenzblatt für 
Schweizer Ärzte 1913. Nr. 28. 

Der Einfluß des Klimas ist im Gegensatz 
zu dem bisher allgemein anerkannten Satz: je 
heißer das Klima, desto frühzeitiger der 
Menstruationsbeginn inkonstant. Immerhin 
steht das Alter der Menstruation in einem 
gewissen Verhältnis zur Wärme der Luft. Auch 
die Rassenzugehörigkeit läßt eine allgemeine 
Regel für den Menstruationseintritt nicht auf¬ 
stellen. Erbliche Veranlagung, Übertragung 
individueller Eigenschaften, Gesundheitszustand 
haben einen unverkennbaren Einfluß auf die 
Menstruation. Je günstiger soziale Stellung, 
Lebensweise, Ernährung, um so früher der 
Eintritt der Periode. Geistige Arbeit, ver¬ 
frühter Geschlechtsgenuß beschleunigen ihren 
Eintritt Das Heiratsalter der Mädchen ist um 
so niedriger, je tiefer die soziale Kultur des 
betreffenden Volkes steht, wobei zum Eingehen 
der Ehegemeinschaft die körperliche Reife 
nicht überall verlangt wird. Als Folge außer¬ 
ordentlich früh eingegangener Ehen finden wir 
schnelles Verblühen der Frauen und Generations¬ 
möglichkeit nur durch eine geringe Zahl von 
Jahren hindurch. Langes Stillgeschäft, häufig 
absichtlich herbeigeführter Abort spielen in 
letzterem Punkte allerdings eine Rolle. Der 
moralische Zustand der Bevölkerung, soziale 
Lage, Altersverhältnis der Erzeuger zueinander 
wirkt mehr oder weniger begünstigend auf die 
Fruchtbarkeit Das Klima hat keinen allzu 
großen Einfluß auf die Fruchtbarkeit, doch 
finden wir eine ganz erhebliche Abnahme der¬ 
selben bei Europäerfamilien, die sich dauernd 
in den Tropen aufhalten, nicht selten auch 
infolge spontaner Aborte. Für Eintritt der 
Klimax lassen sich genaue Regeln nicht auf¬ 


stellen, doch ist dabei eine Reihe der oben 
erwähnten Faktoren mit im Spiele. 

E. Sachs (Königsberg). 

Otto Daude (Pyrmont), Über die Bäder- 
behandlung der weiblichen Sterilität. Medi¬ 
zinische Klinik 1913. Nr. 30. 

Nach einer kurzen Besprechung der Ursachen 
der weiblichen Sterilität kommt Verfasser zur 
Besprechung der für eine Bäderbehandlung 
geeigneten Fälle. Dazu rechnet er alle, die 
nicht eino chirurgische Behandlung nötig haben. 
In Betracht kommen Stahlbäder, Solbäder, 
allein oder zusammen mit Stahlbädern und 
auch Moorbäder. 

In einigen Fällen verwendet Verfasser 
neben den Vollbädern auch Sitzbäder und 
kombiniert die Bäderbehandlung gerne mit 
Massage, die infolge der durch die Bäder 
bedingten Auflockerung der Gewebe von 
großem Erfolg begleitet zu sein pflegt. 

E. Sachs (Königsberg). 

Siebelt (Fllnsberg), Die staatliche Desinfek¬ 
tionsordnung nnd ihre Brauchbarkeit für 
den Anstalts-, Hotel- nnd Logierhausbetrieb 
in den Kurorten. Zeitschrift für Balneologie, 
Klimatologie und Kurort-Hygiene 6. Jahrgang. 
Nr. 14. 

Siebelt bespricht für Kurorthygiene sehr 
bedeutsame Fragen. Er erörtert die Des¬ 
infektionsmittel zunächst als solche und die 
Formen der Desinfektion, die verschieden ist, 
je nachdem es sich um eine Desinfektion am 
Krankenbett — also der Abgänge des Patienten 
usw. — handelt oder aber um eine sogenannte 
Schlußdesinfektion nach Heilung, Fortzug, Exi¬ 
tus usw. Für Tuberkulose tritt jetzt an Stelle 
der Formalinbehandlung die Dampfdesinfektion 
laut behördlicher Verfügung. Sieb eit be¬ 
spricht genau die Desinfektion der Aborte, 
Brunnen, Wasserleitungen und bejaht die Frage 
nach der Brauchbarkeit der staatlichen Des¬ 
infektionsordnung für den Anstalts-, Hotel- und 
Logierhausbetrieb. E. Tobias (Berlin). 

Rompel (Mainz), Der Fremdenverkehr der 
bedeutenderen deutschen Badeorte. Ver¬ 
öffentlichung der Zentralstelle für Balneologie. 
Zeitschrift für Balneologie, Klimatologie und 
Kurort-Hygiene 6. Jahrgang. Nr. 14. 

Tabellarische Übersicht über die Frequenz 
der Mineralbäder und Seebäder mit kurzen 
zusammenfassenden Betrachtungen. 

E. Tobias (Berlin). 


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Referate über Bücher nnd Aufsätze. 


Lachmann (Landeck), Krankenkassen nnd 
Badeärzte. Zeitschrift für Balneologie, 
Klimatologie und Kurort-Hygiene 6. Jahrgang. 
Nr. 14. 

Die neue Reichsversicherungsordnung hat 
auch die Badeärzte, die bislangden einschlägigen 
Fragen fernstanden, gezwungen, einen Standes¬ 
verein der reichsdeutschen Badeärzte zu gründen, 
der die Interessen derselben wahren soll. 
Lachmann bespricht kurz die Bedeutsamkeit 
und Notwendigkeit eines geschlossenen Auf¬ 
tretens seiner engeren Fachkollegen. 

E. Tobias (Berlin). 

Herrligkoffer und Lipp (Ichenhausen), 
Neuere klinische Erfahrungen über die 
Wirksamkeit der Dürkheimer Maxquelle. 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 3f>. 

Auch die Beobachtungen der Verfasser 
bestätigen die günstigen Ergebnisse, die bis¬ 
her durch den Gebrauch der Dürkheimer Max¬ 
quelle erzielt worden sind, insbesondere was 
Hämoglobingehalt und Blutkörperchenzahl an¬ 
langt. Bemerkenswert ist, daß die Verfasser 
in Fällen von schwerer Neurasthenie eine 
Vermehrung der Eosinophilen fanden, die nach 
einer Kur mit der Maxquelle schwand. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

Rudolf Dietschky (Sanatorium Aller¬ 
heiligen), Die Auswahl der Lungenkranken 
für die Heilstättenkur. Korrespondenzblatt 
für Schweizer Ärzte 1913. Nr. 34. 

Dietschky weist an der Hand der 
Statistik darauf hin, daß das in die schweize¬ 
rische Volksheilstätten aufgenommene Kranken¬ 
material ein, hinsichtlich des Stadiums der Er¬ 
krankung, viel schlechteres ist wie in Deutsch¬ 
land, und führt diese Tatsache darauf zurück, 
daß die Auswahl der Kranken unter dem Ein¬ 
fluß der Krankenversicherung in Deutschland 
eine viel sorgfältigere ist als in der Schweiz. 
Infolge dieser unrichtigen Auswahl erleidet 
nicht nur die ganze Heilstättenbewegung einen j 
Schaden, weil die Kranken, die in den Sanatorien . 
nicht gebessert werden, die Schuld auf die j 
Anstalt schieben, sondern es würden unnützer- : 
weise andern, besser geeigneten Kranken durch 
schwerkranke Patienten die Sanatoriumsplätze 
weggenommen; außerdem ist in Betracht zu 
ziehen, daß eine schwere Tuberkulose durch 
die Verbringung des Kranken aus der Ebene 
auf die Höhe einen rapideren Verlauf nimmt 
als vorher. Zu einer Hcilstättenkur eignen sich 
nach Ansicht des Verfassers nur die Kranken, 
die durch eine drei- bis viermonatige Kur- i 


dauer mit Wahrscheinlichkeit die Erwerbsfähig¬ 
keit für längere Zeit wieder erlangen können. 
Von diesem Gesichtspunkte aus gehören vor 
allem Initialfälle in die Heilstätte. Kranke, die 
eben erst eine Blutung überstanden haben oder 
deren Auswurf noch Blut enthält, sind zur Ver¬ 
schickung nicht geeignet, ebensowenig solche 
mit Fieber. Tuberkulöse Komplikationen 
anderer Organe, insbesondere seitens des 
Darms und der Nieren, bilden im allgemeinen 
eine Kontraindikation für die Aufnahme in eine 
Heilstätte. Gravidität kontraindiziert den Aufent¬ 
halt in der Heilstätte nicht, wenn sonst die 
Erkrankung nicht ungünstig liegt. Außer den 
beginnenden Lungentuberkulosen ist die Heil¬ 
stättenkur für die primären Pleuritiden nach 
Abklingen der akuten Erscheinungen sehr ge¬ 
eignet. Leopold (Berlin). 

F. Köhler (Holsterhausen-Werden), Sta¬ 
tistische Beiträge zur Frage der Heil¬ 
stättenkuren. Zeitschrift für Tuberkulose 
Bd. 20. Heft 5. 

Um Aufschluß über die Dauererfolge der 
Heilstättenkuren bei Tuberkulösen zu erhalten, 
hat Köhler sämtliche Tuberkulöse der Heil¬ 
stätte Holsterhausen, die in den Jahren 1902 
bis 1910 eine Kur in der Anstalt durchgemacht 
hatten, alle 2 Jahre, bis 1912, auf ihre Arbeits¬ 
fähigkeit geprüft. Der vorliegende Aufsatz ent¬ 
hält eine Fortsetzung und Vervollständigung der 
gelegentlich früherer Feststellungen gewonnenen 
und bereits veröffentlichten Resultate. Die mit¬ 
geteilten Ergebnisse sprechen deutlich für den 
von mancher Seite noch immer angezweifelten 
Wert der Heilstättenkuren: es waren, um ein 
Beispiel für den Erfolg der Behandlung anzu¬ 
führen, von Tuberkulösen, die eine vollständige 
Kur durchgemacht hatten, noch fast 50 % na °h 
6 Jahren voll arbeitsfähig, während von Nicht- 
behandelten (Patienten mit vorzeitig ab¬ 
gebrochener Kur) schon nach 2 Jahren kaum 
50% arbeitsfähig sind. Leopold (Berlin). 


C. Gymnastik, Massage, Orthopädie 
and Apparatbehandlung. 

S. Daus (UUtergotz), Bemerkungen zum 
therapeutischen Pneumothorax. Zeitschrift 
für Tuberkulose Bd. 20. Heft 4. 

Daus weist erneut darauf hin, daß Carson 
schon vor Forlanini den Pneumothorax zur 
Behandlung der Lungentuberkulose empfohlen 
hat. Bezüglich des Wirkungsmechanismus des 
Pneumothorax nimmt Daus an, daß in der 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


55 


durch die Kompression luftleeren Lunge die 
chloroformextrahierten sklerogenen Toxine gute 
Existenzbedingungen finden, ihre ätherextra¬ 
hierten kaseogenen Antipoden dagegen gehemmt 
werden und keine Lebensmöglichkeiten haben; 
die durch Kompression erzielte Ruhigstellung 
des Organs genügt nicht, um die bei Autopsien 
gefundenen Bindegewebsneubildungen zu er¬ 
klären. Daus empfiehlt die Einrichtung be¬ 
sonderer Abteilungen für Pneumothoraxtherapie 
in den Lungenheilstätten der Landesversiche¬ 
rungsanstalten, da Ersparnisse in der Auf¬ 
wendung für Invalidenrente gemacht werden 
könnten, wenn geeignete Fälle infolge dieser Be¬ 
handlungsmethode wieder arbeitsfähig würden. 

Leopold (Berlin). 

Zink (Davos), Bildet die Kehlkopftuber¬ 
kulose eine Kontraindikation bei der 
Lpngenkollapslherapie ? Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Nach den Erfahrungen des Verfassers sind 
auch ausgedehntere, selbst ulzeröse Schleim¬ 
hauterkrankungen im Larynx keine Kontra¬ 
indikation beim Anlegen des künstlichen 
Pneumothorax. Die Larynxerkrankung wird 
sogar im Gegenteil durch den künstlichen 
Pneumothorax günstig beeinflußt infolge der 
Ausschaltung aller jener Faktoren, die einer 
Heilung des Kehlkopfprozesses hinderlich sind, 
wie Fieber, Progression der Lungentuberkulose, 
heftige und häufig wiederkebrende Husten¬ 
anfälle, endlich das bisweilen massig produzierte 
Sputum. Durch die Ausschaltung aller dieser 
Faktoren bekommt der kranke Kehlkopf Ruhe, 
eine Forderung, die für die Heilung tuber¬ 
kulöser Prozesse an erster Stelle steht. Aus¬ 
zuschließen von der Operation sind dagegen 
jene Fälle, in denen nicht lokalisierte perichon- 
dritische Prozesse bestehen, die fast stets eine 
infauste Prognose geben. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

Siegfried Peltesohn (Berlin), Über die 
Behandlung der Skoliosen nach Abbott. 

Medizinische Klinik 1913. Nr. 36. 

Die Abbottsche Methode ist den bisher 
gebräuchlichen in vielen Fällen überlegen. 

A. Fürstenberg (Berlin). 

F. Haertel (Halle), Die Behandlung der 
Trigeminusneuralgie mit intrakraniellen 
Alkoholeinspritzungen. Mit 16 Abbildungen. 
Habilitationsschrift. Leipzig 1913. Verlag von 
F. C. W. Vogel. 128 S. 

Verfasser, dem wir den systematischen 
Ausbau der intrakraniellen Alkoholinjektion 


und damit einen bedeutenden Fortschritt auf 
diesem so dankbaren Gebiet der Therapie ver¬ 
danken, gibt in dieser Arbeit unter Hinweis 
auf seine früheren anatomischen Untersuchungen 
eine genaue Technik der Methode. Die Punktion 
des Ganglion Gasseri eignet sich außer zur 
Neuralgiebehandlung auch noch zur regionären 
Anästhesie bei Gesichtsoperationen und zur 
Injektion von Tetanusserum bei Kopftetanus. 
Von den Nebenwirkungen der intrakraniellen 
Alkoholinjektion wird besonders ausführlich 
die Keratitis neuroparalytica besprochen, die 
sich jetzt, ebenso wie nach der Exstirpation 
des Ganglion Gasseri bei genügender Sorgfalt 
mit Sicherheit vermeiden läßt. Auch die Frage 
der Lokalisation der einzelnen V.-Äste inner¬ 
halb des Ganglion Gasseri wird nach dem 
Stande des derzeitigen (noch sehr lückenhaften) 
Wissens behandelt. Schließlich die Resultate 
der intrakraniellen Alkoholinjektion: Von 
24 Fällen blieben 17 bisher rezidivfrei; 2 Schein- 
rezidive; 5 echte Rezidive, davon 3 nach er¬ 
neuter Injektion schmerzfrei. Beobachtungs¬ 
zeit: 6mal über 1 Jahr, lmal 10 Monate, die 
übrigen kürzer. Die Wirkung steht der Ex¬ 
stirpation des Ganglion Gasseri sehr nahe, ob 
dauernde Heilung zu erzielen sein wird, steht 
noch nicht fest, ist aber wahrscheinlich. Die 
Gefahren sind bei richtiger Technik gleich 
Null. Die Indikationen bei der V.-Neuralgie 
formuliert Verfasser etwa so: 

Bei frischen Fällen Heißluft, Laxantien, 
Novokaininjektionen. Chronische Neuralgien 
in einzelnen Ästen: periphere oder basale 
Alkoholinjektionen. 

Ausgedehnte und rezidivierende Fälle: 
Alkoholinjektion ins Ganglion bis zur Dauer¬ 
anästhesie. Bei Mißlingen derselben aus ana¬ 
tomischen Gründen Exstirpation des Ganglion 
nach Krause. — Hysterische sind von der 
Alkoholbehandlung möglichst auszuschließen. 

Die schöne Arbeit, die auch die bisherige 
Literatur eingehend berücksichtigt, bedeutet 
einen wichtigen Fortschritt. Ihr Inhalt wird 
in jeder Weise den Tatsachen gerecht; wer 
selbst Erfahrung auf diesem schwierigen Gebiet 
hat, kann den Ansichten des Verfassers nur 
voll und ganz zustimmen. 

W. Alexander (Berlin). 
M. Többen, Die Beeinflussung der Neuralgie 
des Plexus brachialis durch Kuhlenkampf- 
sche Anästhesie. Münchener med. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 34. 

Verfasser hat die von Kuhlenkampf für 
die regionäre Anästhesie angegebene Methode 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


der Infiltration des Plexus brachialis mit 20 ccm 
einer 2% Novokainlösung mit Erfolg gegen 
eine schwere, wochenlang bestehende Plexus¬ 
neuralgie, die der üblichen Behandlung getrotzt 
hatte, angewandt. Nach der einmaligen In¬ 
jektion ließen die Schmerzen sofort nach, nach 
14 Tagen war Patient arbeitsfähig, und ist es 
seitdem (2 Monate) geblieben. 

W. Alexander (Berlin). 

D. Elektro-, Licht- u. Röntgentherapie. 

Hans Dietlen (Straßburg i. Eis.), Orthodia¬ 
graphie und Teleröntgenographie als Me¬ 
thoden der Herzmessnng. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 32. 

Orthodiagr&mme und Teleröntgenogramme, 
selbst wenn sie in der gleichen Körperstellung 
und Atemphase aufgenommen werden, geben 
dennoch nur ganz ausnahmsweise genau überein¬ 
stimmende Werte. Auch bei gleichem Einstel¬ 
lungspunkt und bei gleicher Wahl der Atem- 
phase sind Fernaufnahmen unter sich, von 
gleichen Personen stammend und zu verschie¬ 
denen Zeiten aufgenommen, nicht unter allen 
Umständen identisch und vergleichbar. 

Die Teleröntgenographie in mindestens 
2 m Entfernung bei richtiger Einstellung der 
Röhre und Aufnahme in mittlerer Atemstellung 
ist ein Verfahren, das die Form des Herzens 
richtig wiedergibt und die Größe des Herzens 
in einer für praktische Zwecke meistens aus¬ 
reichenden Genauigkeit beurteilen läßt. Für 
die Schätzung der Abmessungen der Telerönt¬ 
genographie können die für die entsprechende 
Körperstellung geltenden Orthodiagrammaße 
(Differenz von einigen bis 15 mm) herangezogen 
werden. 

J. Ruhe mann (Berlin-Wilmersdorf). 


L. Seeligmann (Hamborg), Die Beein¬ 
flussung des Inoperablen Uteruskarzinoms 
mit Strahlen und intravenöser Chemo¬ 
therapie. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 34. 

Replik gegen Herrn Klotz, dessen Beob¬ 
achtungen die schon früher vom Verfasser fest¬ 
gestellte Tatsache bestätigen, daß man bei der 
Kombination von Chemo- (intravenöse Arsazetin- 
injektionen) und Röntgentherapie erheblich viel 
geringere Dosen von Röntgenstrahlen gebraucht 
wie bei dieser Therapie allein, um einen aus¬ 
gezeichneten Erfolg zu erzielen. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 


W. Sigwart und P. Händly, Das Meso» 
thoriom in der Gynäkologie. Medizinische 
Klinik 1913. Nr. 33. 

Die Autoren geben in dieser Arbeit eine 
Zusammenstellung der Erfahrungen, die sie in 
der Berliner Klinik bei Metropathien, Myomen 
und besonders Karzinomen machen konnten. 
Bei diesen letzten heben sie hervor, daß der 
bestechendste und zuerst augenfällig werdende 
Erfolg sich in einer sehr schnell zustande 
kommenden Reinigung des Krebskraters äußert. 
Rezidive mit dicken, bis ans Becken heran¬ 
reichenden Infiltrationen und jauchendem, nach 
der Scheide sich öffnendem Zerfall schrumpfen 
unter der Mesothoriumbehandlung zu einem 
derben Strange, die Zerfallshöhle verkleinert 
sich und schließt sich zuletzt ganz. Man sieht 
mit anderen Worten das Bild der klinischen 
Heilung Gerade bei inoperablen Fällen kann 
kein anderes Verfahren mit diesem konkurrieren. 

Besonders wertvoll sind die Mesothorium- 
und Radiumstrahlen bei der Behandlung der 
Plattenepithelkarzinome, z. B. der Scheide und 
der Urethra, bei denen die Operation nur mit 
1—4% Heilung rechnen darf. Hier sind die 
Erfolge mit Radium besonders groß. 

Wertvoll ist die Behandlung auch noch 
zur Nachbestrahlung operierter Fälle. Für 
operable Fälle besonders jüngerer Frauen jetzt 
schon die Operation durch die Strahlen¬ 
behandlung ersetzen zu wollen, erscheint 
verfrüht. E. Sachs (Königsberg). 

Walk ho ff (München), Die erste biologische 
Radlomwirknng. Münchener med. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 36. 

Walkhoff hat bereits im Jahre 1900, also 
vorBecquerel, Untersuchungen über physio¬ 
logische Einwirkungen des Radiums angestellt 
und publiziert. Da im allgemeinen immer 
Becquerel als der erste angesehen wird, der 
über derartige Wirkungen berichtet hat, sieht 
sich der Verfasser veranlaßt, seine Priorität 
bezüglich der ersten Feststellung der biologischen 
Wirkung radioaktiver Substanzen zu betonen. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

A. Pinkuß (Berlin), Die Behandlung des 
Krebses mit Mesothorium und Ihre Kom¬ 
bination mit anderen Verfahren. Deutsche 
medizinische Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

Verfasser bespricht die Anordnung und Kon¬ 
zentration des Mesothoriums sowie die Filter¬ 
technik und Sekundärstrahlung. Die aus¬ 
schließliche Mesothoriumbehandlung mit 
großen Dosen (mindestens 200 mg) ist bei 


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57 


allen inoperablen oder der Operation schwer 
zugänglichen Krebserkrankungen, ferner bei 
sonst operablen Fällen, bei denen die Operation 
mit größeren Schwierigkeiten und demgemäß 
größerer Lebensgefahr verbunden ist, oder wo 
Altersschwäche oder andere schwere organische 
Erkrankungen die Vornahme der Operation 
verbieten, sodann bei allen Rezidiven indiziert. 
Bei der Notwendigkeit großer, daher sehr kost¬ 
spieliger und schwer erschwingbarer Dosen 
von Mesothorium, bei der noch nicht sicher 
erreichbaren Verhütung von Metastasen, bei 
der noch nicht endgültig festgelegten An¬ 
ordnung und Konzentration des Mesothoriums 
und der Filtertechnik gilt noch heute die 
Operation in allen leicht operablen Fällen 
als das sicherste und kürzeste Mittel zur Be¬ 
seitigung des Krebses. Nach geschehener 
Operation ist die längere Zeit hindurch in 
bestimmten Abständen vorzunehmende Meso- 
tborinmbe8trahlung ein sicheres Mittel zur Ver¬ 
hütung von Rezidiven. 

Die mit der Bestrahlungsbehandlung gleich¬ 
zeitig kombinierte Chemo- und Vakzinations¬ 
therapie bietet Aussicht auf Vervollkommnung 
der Heilerfolge. 

J. Ru he mann (Berlin-Wilmersdorf). 

Gustav Riehl und Max Schramek (Wien), 
Das Radium und seine therapeutische Ver¬ 
wendung In der Dermatologie« Wiener klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 37. 

Besprechung der physikalischen und bio¬ 
logischen Eigenschaften des Radiums. Nil novi. 
(Schluß folgt.) H. E. Schmidt (Berlin). 

Otto Schindler (Wien), Erfahrungen über 
Radium« und Mesothoriumtherapie ftiallgner 
Tumoren« Wiener klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 36, 37. 

Der Verfasser berichtet über seine Erfolge 
bei malignen Tumoren, die durchweg günstig 
sind wenn man auch mit dem Worte „Heilung“ 
noch vorsichtig sein muß. Er tritt für Massen¬ 
dosierung ein, die er schon seit l 1 /) Jahren 
übt. Das Mesothorium leistet nicht mehr wie 
das Radium. Betreffs weiterer Einzelheiten 
seien Interessenten auf das Original verwiesen. 

H. E. Schmidt (Berlin). 

F. Dessauer, Radium und Mesothorium« 

Archiv für physikal. Medizin und medizin. 
Technik Bd. 8. Heft 1. 

Die radioaktiven Substanzen haben in 
letzter Zeit in der Therapie maligner Tumoren 
kombiniert mit Röntgenstrahlen eine gewaltige 


Bedeutung erlangt. Die guten Resultate, die 
zumal in Frankreich erzielt wurden, sind auf 
die Verwendung großer Dosen Radiumbromid 
und damit bei gleichzeitiger Filtration auf jene 
der durcbdringungskräftigen Gammastrahlung, 
die mit harter X-Strahlung vergleichbar ist, 
zurückzuführen. 

In neuerer Zeit ist zu den bisher fast aus- 
I schließlich verwendeten Radiumpräparaten das 
Mesothorium hinzugetreten. Wichtig ist es 
nun, einiges über beide Präparate zu wissen, 
wenn man sie anwenden will. 

Entdeckt wurde das Mesothorium vor 
einigen Jahren durch Prof. Otto Hahn. Es 
entsteht beim Abbau des Thoriums und be¬ 
steht aus Mesothorium I, das nicht strahlt und 
Mesothorium II, das ß- und y-Strablen aus¬ 
sendet. Wirksam ist also nur letzteres. Die 
Halbwertigkeit des Mesothorium I beträgt 
5,5 Jahre, die des Mesothorium II etwas mehr 
als 6 Stunden. M. I verwandelt sich in M. II. 
Die Radioaktivität des M. II ist also ganz 
enorm. Das gesamte Gemisch, das als Meso¬ 
thorium bezeichnet wird, ist 300mal so radio¬ 
aktiv wie Radiumbromid. Im käuflichen Meso¬ 
thorium ist nur ein Viertel reines M. enthalten 
und überdies ein Viertel Radiumbromid. Dem¬ 
entsprechend gleicht z. B. die Radioaktivität 
von 100 mg käuflichen Mesothoriums dem¬ 
selben Quantum reinen Radiumbromids. Für 
die Therapie spielt es also quantitativ keine 
Rolle, welches Präparat wir verwenden. Da¬ 
gegen kommt qualitativ in Betracht der schnelle 
Zerfall und die etwas weichere Strahlung des M. 
Nach dem gesagten ist die Beschaffung von 
Radiumbromid ökonomischer; zumal, wenn man 
sicher ist, ein in seiner Zusammensetzung voll¬ 
wertiges Präparat zu erhalten. (Größe der Ver¬ 
unreinigung, Krystallwassergehalt) Metallisches 
Radium ist nicht käuflich. Die besten Präpa¬ 
rate sind 70 %ig (143 g enthalten 100 g Radium¬ 
bromid). Man bringt die Präparate in Nickel¬ 
fassungen, wo sie in Curielack gebettet werden 

Bei der schwierigen Gewinnung und ge¬ 
ringen Ausbeute an Radiumbromid wird dieses 
in der nächsten Zeit ein sehr kostbarer Gegen¬ 
stand werden. Für Behandlungszwecke werden 
in Frankreich Mengen von 2—400 mg gleich¬ 
zeitig angewandt Doch sind auch diese Mengen 
selbst gegenüber mittelmäßigen Röntgenröhren 
sehr schwach. Wichtig ist es, daß man mit Radium¬ 
bromid auch dort einwirken kann, wo es mit 
X-Strahlen nicht geht Besondere Bedeutung 
wird man der kombiniert enBehandlungbeimessen 
müssen. A. Schnäe (Frankfurt a. M.). 


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Referate über Bücher and Aufsätze. 


Carulla (Barcelona), Elektrotherapie «regen 
Fettleibigkeit. Berliner klin. Wochenschrift 
1913. Nr. 34. 

Bei einem Patienten, der 174 kg wog und 
an mannigfachen Beschwerden (Migräne, Ge¬ 
lenkschmerzen, Bronchitis, Herzstörungen) litt, 
wurde durch eine 9 monatliche Behandlung 
mittels eines von Cirera-Salse angegebenen 
Ersatzapparates für den Bergonniöschen Ent¬ 
fettungsstuhl Gewichtsabnahme um 66 kg und 
Beseitigung der Beschwerden erzielt; gegen 
letztere wurden außerdem Hochfrequenzströme 
und Franklinisation abwechselnd angewandt. 
Ferner wurde während der ersten Zeit eine 
mäßige Entfettungsdiät beobachtet Der er¬ 
wähnte Apparat besteht aus einer Sekundär¬ 
spule, welche durch einen kleinen Elektromotor 
in Bewegung gesetzt und rhythmisch mit 
variirbarer Schnelligkeit der Primärspule eines 
faradischen Apparates genähert und von ihr 
entfernt wird. Die dadurch erzeugten rhythmi¬ 
schen faradischen Ströme werden mittels zweier 
großer Metallelektroden, die seitlich auf das 
Abdomen aufgesetzt sind, während Vs Stunde 
2 mal am Tage appliziert. Der Faradisation geht 
jeweils die Anwendung des kontinuierlichen 
galvanischen Stromes in einer Stärke von 70 bis 
130 M. A. voraus. A. Laqueur (Berlin). 

Adolf Schn£e (Frankfurt a.M.-Schwalbach), 
Das elektrische Entfettungs?erfahren 
mittels des „Degrassator“ nach Dr. Schnee. 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Verfasser hat einen Apparat zur Entfettung 
mittels Elektrisierung der Körpermuskulatur 
konstruiert, der dem Bergoniöschen Apparat 
sehr ähnlich ist, nur daß er statt des faradischen 
Stromes Kondensator-Entladungen benützt, 
wie bei dem bekannten Zanietowskischen 
Apparat. Durch die starken rhythmischen 
Muskelkontraktionen soll das Körperfett „ein¬ 
geschmolzen* werden. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

Adolf Schnee (Frankfurt), Die Anwendung 
der Diathermierung nach Bergonid und 
im Vierzellenbad. Therapeutische Monats¬ 
hefte 1913. Heft 9. 

Hinweis des Verfassers auf das Vierzellen¬ 
bad, mit welchem unter Hinzufügung zweier 
supplementärer Elektroden die Bergonidsche 
allgemeine Diathermie zu voller Zufriedenheit 
ausgeführt werden kann. Die Dauer der 
Applikationen betrug bei einer Stromintensität 
von 1—3 Amp&re 30 bis 60 Minuten. 

van Oordt (Rippoldsau). 


Bleck, Die physikalische Behandlung der 
Yorsteherdrüsenentsündung. Archiv für pby- 
sikal. Medizin und medizin. Technik Bd. 8. 
Heft 1. 

Eine richtig eingeleitete physikalische Be¬ 
handlung ist noch am ehesten imstande, in 
Fällen chronischer Vorteherdrüsenentzündung 
Ersprießliches zu leisten. 

Bei prallen, durch Hyperämie bedingten 
entzündlichen Schwellungen ist jede direkte 
Berührung der Drüse, sei sie manuell oder 
instrumentell, zu vermeiden. Dagegen empfiehlt 
sich die stoffwechselanregende Vibrations- 
massage der Glutäen, des Kreuzbeines, 
der Symphyse und des Dammes in solchen 
Fällen. Oft leisten hier auch die Schn6e- 
schen Vierzellenbäder gute Dienste. Gleich¬ 
zeitig empfiehlt sich bei großen Schmerzen 
und Harnzwang Wärmeapplikation mittels 
des Minimschen Strahlers oder elektri¬ 
scher Heizkissen. Ist der Reizzustand der 
Drüse geringer, so kann Wärme direkt vom 
Mastdarm mittels eines elektrischen, leicht 
regulierbaren Thermopsychrophor appli¬ 
ziert werden. Bei Nachlassen der Entzündung 
kommt erst direkte Finger- oder instru- 
mentelle Massage in Betracht. Bei Er¬ 
schlaffungszuständen der Drüse kann 
durch faradische oder sinusoidale Ströme 
eine kräftige Wirkung auf das weiche Ge¬ 
webe ausgeübt werden. Röntgenstrahlen 
lockern alte harte Infiltrate auf und führen zu 
ihrer Aufsaugung. Ebenso übt in solchen 
Fällen die Thermopenctration häufig einen 
günstigen Einfluß aus. Die Auswahl der zu 
treffenden physikalischen Maßnahmen sowie 
der Stärke und Dauer ihrer Anwendung darf 
nur auf Grund einer genauen Diagnose streng 
individuell erfolgen. 

Nebenbei hat man für Ableitung auf den 
Darm, Vermeidung jeden Druckes und Beseiti- 
gungvonBlutzirkulationshindemissen zu sorgen. 

| A. Schnee (Frankfurt a. M.). 


E. Serum- und Organotherapie. 

W. Charles White (Pittsburg), The place 
of tuberkulin in treatment in relation to 
other Methods. The Lancet 1913 9. August. 
Der Autor ist ein Anhänger der Tuber¬ 
kulintherapie, von deren Wirksamkeit er sich 
am eigenen Körper überzeugt hat. Die Be¬ 
handlung mit Tuberkulin erzielt bessere 
Resultate im Hospital, als bei ambulanter Be¬ 
handlung. Allerdings ist Verfasser der An- 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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sicht, daß eine milde Reaktion zur Erzielung 
eines Erfolges erforderlich ist. Wenn auch 
die letzten Spuren der Tuberkulose äußerst 
schwer zu beseitigen sind, und wir noch kein 
Mittel besitzen, dies zu vollbringen, so ist doch 
das Tuberkulin die Hauptwaffe im Kampfe 
gegen die Tuberkulose. 

Georg Koch (Wiesbaden). 


Carl Beck (Frankfort &• M.), Die Behand¬ 
lung der kindlichen Tuberkulose mit dem 
Rosenbachschen Tuberkulin. Zeitschrift für 
Kinderheilkunde Bd. 6. Heft 5 und 6. 

Beck hat das Rosenbachsche Tuberkulin 
bei 30 Kindern mit innerer und chirurgischer 
Tuberkulose zu therapeutischen Zwecken an¬ 
gewandt. Erhebliche Allgemeinerscheinungen 
wie bei der Verwendung des Kochschen Tuber¬ 
kulin fehlten. Die Temperatursteigungen hielten 
sich in mäßigen Grenzen. Die Lokalreaktionen 
werden meist stärker als bei dem Kochschen 
Tuberkulin: schon wenige Stunden nach der 
Einspritzung trat örtliche Rötung und Schwel¬ 
lung auf, die sich rasch ausbreitete; niemals 
kam es zu Abszessen oder Nekrosen. Die 
lokale Reaktion verschwand innerhalb 1 bis 
2 Tagen. Charakteristisch waren die Herd¬ 
reaktionen: bei Lungentuberkulose steigerte 
sich der Husten, die Rasselgeräusche über den 
erkrankten Lungenpartien vermehrten sich; nach 
mehreren Injektionen verschwanden sie voll¬ 
ständig. Bei exsudativer Pleuritis und Peri¬ 
tonitis nahmen die Flüssigkeitsmengen ziemlich 
rapid ab. Frisch erkrankte Lymphdrüsen 
schwollen zunächst ödematös an, um sich all¬ 
mählich zu verkleinern. Tuberkulöse Knochen- 
und Weichteilherde brachen nach außen auf, ent¬ 
leerten den Eiter und kamen unter Schrumpfung 
zur Heilung. Die Hauttuberkulose heilte unter 
schrumpfender Narbenbildung Der Hautlupus 
verwandelte sich zunächst in eine akute phleg¬ 
monöse Entzündung, Exsudat trat aus dem 
Knötchen an die Oberfläche und floß nach 
außen ab; das lupöse Gewebe wurde resorbiert 
und die Haut zog sich durch Narbenbildung 
zusammen. Neben diesen Herdreaktionen war 
in allen Fällen eine günstige Einwirkung auf 
das Allgemeinbefinden und die subjektiven 
Beschwerden zu beobachten, wo Fieber be¬ 
stand, ging dasselbe zurück. Die Tuberkulin- 
behandlung nach Rosenbach läßt sich am¬ 
bulant durchführen; Fieber bildet keine Kontra¬ 
indikation für die Anwendung. Die Dauer der 
Kur beträgt in der Regel etwa 3 Monate; man 
beginnt subkutan mit 1 dg, steigt jeden 2. Tag 


um Vio £ his zur Höchstdosis von 1 g; diese 
Maximaldosis wird zweimal wöchentlich 1 Monat, 
dann einmal wöchentlich 1 Monat wiederholt; 
in hartnäckigen Fällen gab Beck 1 g '/j Jahr 
lang und länger. Nur bei Kranken mit höheren 
Temperatursteigerungen spritzte Beck zwei¬ 
mal oder sogar nur einmal wöchentlich. Auf 
Grund seiner günstigen Erfahrungen empfiehlt 
Beck das Rosenbachsche Tuberkulin an¬ 
gelegentlich zur Behandlung der kindlichen 
Tuberkulose. Leopold (Berlin). 

Hartmann (Schömberg), Über ambulante 
Taberkullnbehandlung. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

In einer Polemik gegen Hartmann- 
Pfaffenhofen warnt Verfasser vor allzu opti¬ 
mistischen Auffassungen von der Leichtigkeit 
und Ungefährlichkeit der Tuberkulinbehandlung 
in der ambulanten Praxis. Eine wirklich 
gewissenhafte Tuberkulinbehandlung unter 
peinlichst genauer, ständiger Kontrolle der 
subjektiven und objektiven Erscheinungen läßt 
sich nach den Erfahrungen des Verfassers nur 
in einer geschlossenen Anstalt durchführen 
und ist ambulant in diesem Sinne unmöglich. 

Gottbelf Marcuse (Kudowa). 

A. Kirchenstein (Davos), Einfluß der spezi¬ 
fischen I. K.-Therapie C. Spenglers auf die 
Zerstörung der Tuberkuloseerreger. Ein 
Beitrag zum Schicksal des Tuberkelbazillen¬ 
proteins im tuberkulösen Organismus. Zeit¬ 
schrift für Tuberkulose Bd. 20. Heft 6. 

Das wesentliche Ergebnis der ausführlichen 
Darlegungen Kirchensteins über das Schicksal 
der Tuberkelbazillen im infizierten Organismus 
ist das, daß zu ihrer vollständigen Zerstörung 
die vereinte Wirkung aller in Betracht kommen¬ 
den Schutzeinrichtungen notwendig ist: weder 
die rein lytische Tätigkeit der Immunkörper, 
noch die Phagozytose, unterstützt von der 
Leuko- resp. Phagolyse, können allein die 
Bazillen vernichten; es müssen hauptsächlich 
die aktiv wirkenden lytischen Immunkörper 
mit dem zu denselben gehörenden, mehr in 
passiver Tätigkeit verharrenden Schutzstoffe 
in gewissem harmonischem Gleichgewicht im 
Organismus vorhanden sein. Auch müssen im 
Krankheitsherde Bedingungen geschaffen sein, 
die der Tätigkeit der Immunkörper nicht im 
Wege stehen. Nur dann ist eine für den Körper 
unschädliche Auflösung der Tuberkelbazillen 
gesichert und durch künstliche Immunkörper¬ 
zufuhr in zahlreichen Fällen erreichbar. 

Leopold (Berlin). 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


Walther Beyer (Rostock), Über die Intra- 
Yenöse Anwendung des Diphtherieheil¬ 
serums* Münchener med. Wochenschrift 1913. 
Nr. 34. 

Frühere Arbeiten, die die Wirkungen intra¬ 
venöser und subkutaner Injektionen von Diph¬ 
therieheilserum miteinander verglichen, ließen 
in Wirklichkeit exakte Vergleichswerte beider 
Applikationsmethoden kaum aufstellen, da die 
Schwierigkeiten der Statistik fast nicht zu 
überwinden sind und zeitlich oder örtlich aus¬ 
einanderliegende Epidemien sich kaum neben¬ 
einander stellen lassen. Verfasser hat sich 
daher auf die Beobachtung einer Epidemie 
beschränkt und von dieser solche Fälle heraus¬ 
gegriffen und einander gegenübergestellt, die 
sich vor der Behandlung gleichartig verhalten 
hatten. Zur Beobachtung kamen durchweg 
reguläre leichtere bis mittelschwere Fälle von 
bakteriologisch sichergestellter Diphtherie. 
Solche mit wenig ausgesprochenem lokalen 
Befund und von Anfang an fehlendem Fieber, 
wurden ebenso ausgeschlossen wie solche mit 
schwereren Komplikationen. Intravenös wurden 
nicht höhere Dosen gegeben, wie subkutan. 
Es wurde im Gegenteil die subkutane Injektion 
mit etwa der doppelten intravenösen Dosis 
vorgenommen (1000—3000 im Gegensatz zu 
500—1000 Einheiten). Beobachtet wurde das Ver¬ 
halten des Fiebers und des lokalen Krankheits¬ 
herdes: Bei den am zweiten Krankheitstage Ge¬ 
spritzten trat die Entfieberung durchschnittlich 
früher ein bei intravenöser Applikation: am 
1. Tag p. I. waren 5 intravenöse Fälle entfiebert, 
kein einziger subkutaner. An den beiden ersten 
Tagen zusammen 11 intravenöse und 5 sub¬ 
kutane. ln den späteren Tagen kehrte sich 
das Verhältnis um, es entfielen auf den dritten 
Tag nur 3 intravenöse, dagegen 6 subkutane 
Fälle. Vom 4. Tag an waren alle intravenösen 
Fälle entfiebert, noch nicht sämtliche subkutane. 

Wurde die Seruminjektion erst am 3. Krank¬ 
heitstage vorgenommen, so war das Ergebnis 
das gleiche. Auch bei der Gegenüberstellung 
des Injektionseffektes auf den Krankheitsherd 
erfolgte die Heilung in der Regel bei intra¬ 
venöser Applikation schneller als bei subkutaner. 

In einigen Fällen konnte man dagegen 
trotz intravenöser Injektion am darauffolgenden 
Tage eine Zunahme der Schwellung und Aus¬ 
breitung der Beläge beobachten, so daß man 
keinen sicheren Eindruck gewinnen konnte, 
welcher Applikationsweise ein größerer Einfluß 
auf die Rachenaffektion zuzuschreiben ist 
Hans Reiter (Königsberg Pr.). 


Hennecke (Jena), Behandlung schwerster 
Sepsis mit intravenöser Infasion größerer 
Mengen menschlichen Normalserams nach 
vorausgegangenem Aderlaß. Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Verfasser beobachtete in 5 Fällen schwerster, 
scheinbar verlorener Scharlach-Sepsis, daß bei 
drei von diesen Fällen nach vorausgegangenem 
Aderlaß durch die intravenöse Infusion 
von 210—480 ccm menschlichen Normalserums 
Heilung, bei einem weiteren dieser Fälle wenig¬ 
stens vorübergehend Besserung eintrat, die er als 
Folge des Eingriffes auffaßt. Eine Schädigung 
konnte in keiner Weise konstatiert werden. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 


H. Kämmerer (München), Zar Frage der 

antitryptischen Wirkung des Blutserums* 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 34. 

Verfasser wendet sich gegen die Rosen- 
thalsche Ansicht, daß die antiproteolytische 
Serumwirkung durch Eiweißspaltprodukte be¬ 
dingt sei. Bei gesteigertem Stoffzerfall, z. B. bei 
der Verdauung, steigt der antitryptische Titer 
des Serums an, weil aber gleichzeitig mehr 
Stoffwechselschlacken im Organismus zirku¬ 
lieren, ist hieraus kein KausalitätsVerhältnis ab¬ 
zuleiten. Nach Rosenthal geht der Titer 
durch Dialyse des Serums zurück; das Dialysat 
selbst wirkt hemmend. Verfasser weist darauf 
hin, daß der Eiweißgehalt des Serums ebenfalls 
zurückgeht, und in seinen eigenen Versuchen 
die antiproteolytische Wirkung an die getrennt 
hergestellten und von Eiweißabbauprodukten 
befreiten Fraktionslösung$n des Serumeiweißes, 
nämlich die Albumin- und die Globulinkompo¬ 
nente, auch nach dem Dialysieren gebunden 
war. Auch die Ansicht, daß die antitryptische 
Serumwirkung hitzebeständig sei, wird an- 
gefochten. Bei einstündigem Erhitzen auf 56° 
findet eine Herabsetzung der Hemmung um die 
Hälfte und mehr statt. Bei Versuchen mit den 
Fraktionsprodukten des Serumeiweißes zeigt 
sich ein stärkerer Verlust an antitryptischer 
Kraft bei der Albuminfraktion, also gerade der 
Komponente, mit der noch Eiweißspaltprodukte 
verbunden waren. Durch Zusatz größerer Salz¬ 
mengen läßt sich der Verlust an hemmender 
Kraft aufhalten. In bezug auf dieKirchheim- 
sche Ansicht, daß das Antitrypsin Trypsin 
nicht nach der Art echter Antikörper binde, 
bemerkt Verfasser, daß er schon vor 2 Jahren 
zu dieser Ansicht gekommen sei. Die Anti¬ 
trypsine sind vielleicht als fermentartige, bis 
zu einem gewissen Grad spezifische Körper 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


61 


aufzufassen, die auf bestimmte Reize (Auftreten 
von Trypsien im Blut?) aktiviert resp. sezerniert 
werden. E. Mayerle (Karlsruhe). 

V. S»enger (Magdeburg), Pituglandol bei 
Blutungen Im Bereich des Atmungs¬ 
apparates. Therapeutische Monatshefte 1913. 
Heft 9. 

Bei Nasenblutung, Lungenblutung, aber 
auch bei Asthmaanfällen wendet Verfasser mit 
Benutzung seines Tropfenzerstäubers das Pitu¬ 
glandol der Firma Hoffmann-La Roche an 
und zwar l / 7 ccm der 40 % Lösung bzw. 1 ccm 
einer 20% Lösung. Die genannte Verwendungs¬ 
form ist der Tamponade mit Pituglandol vor¬ 
zuziehen. van Oordt (Rippoldsau). 

Karl Csdpai (Budapest), Beiträge zur 
Diagnostik und Pathologie des poly¬ 
glandulären Systems« Deutsches Archiv für 
klin. Medizin 1913. Heft 3 und 4. 

Klinische und experimentelle Unter¬ 
suchungen über den korrelativen Zusammen¬ 
hang der einzelnen Blutdrüsen. Besonders wurde 
der Synergismuszwischen Pituitrin und Adrenalin 
untersucht an der Hand der konstringierenden 
Wirkung auf die Konjunktivalgefäße. Es gibt 
Konjunktiven, die exquisit auf Adrenalin, andere, 
die nur auf Pituitrin reagieren, andere wieder 
reagieren auf beide, aber intensiver auf eines. 
Unter sechs Basedowkranken zeigten vier eine 
stärkere Adrenalinwirkung. Ein Addison 
reagierte auf Adrenalin gar nicht, auf Pituitrin 
nur sehr schwach. Zwei Fälle von Akrome¬ 
galie zeigten ganz verschiedenes Verhalten. 
Im ersten Falle reagierte die Konjunktiva auf 
Adrenalin schon nach 2 Minuten sehr stark 
und blieb 15 Minuten marmorweiß, auf Pituitrin 
war eine 8 Minuten dauernde mittelstarke 
Abblassung zu sehen; der zweite Fall verhielt 
sich gerade umgekehrt. 

Roemheld (Hornegg a. N.). 


F. Verschiedenes. 

Robert Bing (Basel), Lehrbuch der Nerven¬ 
krankheiten für Studierende und praktische 
Irzte in 30 Vorlesungen. Mit 111 Abbildungen. 
Berlin und Wien 1913. Verlag von Urban 
& Schwarzenberg. 

Wer das ausgesprochene didaktische Talent 
Bings aus seinem „Kompendium der topischen 
Gehirn- und Rückenmarksdiagnostik a her kennt, 
wird mit großen Erwartungen sein Lehrbuch 
aufschlagen. Da dasselbe dem Bedürfnisse des 


Studenten und des Praktikers entsprechen sollte, 
mußte es zwischen den Kompendien und den 
großen Handbüchern dem Umfange nach die 
Mitte halten. Ein schwieriges Unternehmen, die 
Neurologie auf 600 Seiten zu schreiben. Zu 
dem hervorragenden Gelingen dieses Unter¬ 
nehmens trägt wesentlich die anheimelnde Form 
der „Vorlesungen“ bei, die an sich schon einen 
intimeren Kontakt zwischen Lehrer und Schüler 
hergestellt. Sind solche Vorlesungen noch 
stilistisch schön und ihr Inhalt auf große 
Erfahrung und wissenschaftliche Vertiefung 
basiert, so kommt etwas so Vorzügliches zu¬ 
stande, wie es das vorliegende Buch bietet. 
Die Gruppierung des Stoffes, die gerade in der 
Neurologie immer mit großen Schwierigkeiten 
verknüpft ist, weil sich weder die topographische 
noch die pathologisch-anatomische Einteilung 
ohne allzuviele Wiederholungen durchführen 
läßt, hat Bing mit großem Geschick vom ätio¬ 
logischen und pathologisch - physiologischen 
Standpunkt aus getroffen. Der Umfang der 
einzelnen Kapitel richtet sich wesentlich nach 
der Bedeutung der betreffenden Krankheits¬ 
gruppe für die Praxis, wie auch in den zahl¬ 
reichen, größtenteils selbst verfertigten Ab¬ 
bildungen nicht Raritäten, sondern charakte¬ 
ristische Typen gezeigt werden. Auf Einzel¬ 
heiten einzugehen, erübrigt sich; es sei nur 
hoch erwähnt, daß die Ausstattung vorzüglich 
ist und auf das Register besondere Sorgfalt 
verwandt wurde. Ich möchte nicht anstehen, 
das Bing sehe Buch für das beste der kürzeren 
Lehrbücher der Nervenkrankheiten zu erklären. 

W. Alexander (Berlin). 

A. Lazarus, Klinik der Anämien. II. Ab¬ 
teilung aus: Ehrlich und Lazarus: Die 
Anämie. Zweite, vermehrte und umgearbeitete 
Auflage. Wien und Leipzig 1913. Verlag 
von Alfred Hölder. 

Seit dem Erscheinen der ersten Auflage 
dieses Buches (1900) ist auf dem Gebiete der 
Blutkrankheiten eine ungeheure Kleinarbeit 
geleistet worden; in grundsätzlichen Fragen 
sind aber, wie Lazarus im Vorwort hervor¬ 
hebt, keine wesentlichen Änderungen zu ver¬ 
zeichnen. Wie nicht anders zu erwarten war, 
hat der Autor in der neuen Auflage alles, was 
von einiger Bedeutung erforscht wurde, berück¬ 
sichtigt; so wird zu den neueren Publikationen 
von Arneth, Grawitz, H. Hirschfeld, 
Pappenheim, Türk und anderen Stellung 
genommen, die Einwirkung der neuen Strahlen¬ 
arten und mancher exogener und endogener 


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62 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


Gifte auf das Blut kritisch gewürdigt, kurzum 
der gegenwärtige Stand der Kenntnisse von 
den Blutkrankheiten in der klassischen Form 
zur Darstellung gebracht, die man schon an 
der ersten Auflage bewundern konnte. Auch 
im neuen Gewände das alte Standard work! 

W. Alexander (Berlin). 


P. 6. Unna (Hamburg), Biochemie der Haut. 

Jena 1913. Verlag von Gustav Fischer. 

105 Seiten. 

In diesem seinem neuesten Werke unter¬ 
nimmt es der bekannte Autor, Licht in ein 
bisher noch so gut wie völlig dunkles Gebiet 
zu werfen, uns den komplizierten Stoffwechsel 
der Haut verständlich zu machen. Der Verfasser 
ist sich, wie er in der Einleitung zu erkennen 
gibt, der Größe der hier in Angriff genommenen 
Aufgabe und der außerordentlichen Schwierig¬ 
keiten, die sich ihrer Lösung entgegenstellen, 
voll bewußt. Die Chemie ist heute noch weit 
davon entfernt, die einzelnen Bausteine der 
Nahrung durch Blut und Lymphe hindurch bis 
zur Zelle der Haut verfolgen und die Um¬ 
setzungen, die hier vor sich gehen, klarlegen 
zu können. Es fehlt ihr hierzu, abgesehen von 
der genauen Kenntnis der einzelnen Bausteine, 
vor allem noch die Kenntnis vom chemischen 
Bau der Zelle selbst. Nur einer der aus dem 
Blute in das Gewebe aufzunehmenden Nahrungs¬ 
bestandteile, und zwar gerade der wichtigste, 
nimmt hier eine Sonderstellung ein, der Sauer¬ 
stoff. Von ihm ist es vor allem dank der eigenen 
Arbeiten des Verfassers neuerdings ziemlich klar 
geworden, welche Bestandteile der Haut ihn vor¬ 
zugsweise speichern, welche ihn vollständig 
verbrauchen und welche ihn an andere Elemente 
wieder abgeben können, und darum stellt der 
Autor gerade den Sauerstoff in den Mittelpunkt 
seiner Betrachtungen, und die Schilderung des 
Verhaltens der verschiedenen Hautelemente zu 
ihm gibt den leitenden Faden ab, der sich durch 
die ganze Arbeit zieht und um den sich die 
sonstigen über den Zellstoffwechsel bekannten 
chemischen Tatsachen gruppieren. 

Unna geht aus von den neuen von ihm 
gefundenen Sauerstoffärbungen (Rongalitweiß), 
welche anzeigen, in welchen Gewebsteilen sich 
überschüssiger Sauerstoff befindet. Indem er 
die hierdurch erhaltenen Resultate durch die 
Reduktionsfärbungen ergänzt, gelangt er zur 
Aufstellung des Systems der Sauerstofforte und 
der Reduktionsorte, ln den Sauerstofforten 
findet sich Sauerstoff aus irgendeinem Grunde 
aufgespeichert. Sie färben sich mit Rongalit¬ 


weiß. Unna unterscheidet primäre Sauer¬ 
stofforte, die mit Hilfe der Sauerstoffermente 
aus dem inaktiven Sauerstoff des Blutplasmas 
aktiven Sauerstoff bilden und aufspeichern, und 
sekundäre, die den so entstandenen aktiven 
Sauerstoff in sich aufnehmen, ohne ihn selb¬ 
ständig produzieren zu können. Im Gegensatz 
hierzu stehen die im zweiten Abschnitt des 
Buches abgehandelten Reduktionsorte, die allen 
zugeführten Sauerstoff verbrauchen. In bezug* 
auf die Einzelheiten und die zur Verwendung 
gelangten chemischen Methoden muß auf das 
Original selbst verwiesen werden. Ein Abschnitt 
über die Chemie der Hautoberfläche und über 
die Einwirkungsmöglichkeit von Medikamenten 
auf die Haut beschließt das hochinteressante, 
eine Fülle neuer Tatsachen und Anregnngen 
bringende Buch. Hertzeil (Berlin). 

Marcel Labbd (Paris), Le traitement de 
la goutte. Le progres medical 1913. Nr. 27. 

Verfasser wendet beim akuten Anfall eine 
Packung mit folgendem Liniment an: Chloro¬ 
form 3 g, Laudanum 10 g, Ol. Hyosciami 25 g. 
In der internen Behandlung bevorzugt er das 
Salizyi und das Kolchikum und legt ferner 
großen Wert auf reichliche Durchspülung mit 
Mineralwässern von Vittel, Contr6x6ville, Evian 
usw. Eigentümlich berührt es, daß er Portwein, 
Burgunder, Champagner und Bier streng ver¬ 
bietet, hingegen Bordeaux und Mosel für wenig 
schädlich erachtet. Sein diätetisches Regime 
basiert auf der VermeidungderNukleoalbuminate, 
er schaltet aber von Gemüsen eine große Menge 
aus, wodurch das Menü gar zu einseitig wird. 
Die Balneotherapie empfiehlt sich da, wo 
Gelenksveränderungen oder Neuritiden vor¬ 
handen sind. Von französischen Bädern werden 
besonders erwähnt: Bourbon-Lancy, Bourbon- 
PArchambault, Aix-les Bains und Dax. 

van Oordt (Rippoldsau). 

J. Benarlo (Frankfurt a.M.), Zur Pathologie 
und Therapie des Diabetes insipidus» 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 32. 

Auf Grund von sieben Fällen und der vor¬ 
liegenden Literatur schließt Verfasser, daß der 
Hinterlappen der Hypophyse für das Zustande¬ 
kommen des Diabetes insipidus von Bedeutung 
ist Die Störungen in der Hypophyse müssen 
auf gummöse Prozesse, die sich in ihr oder um 
sie herum abspielen, zurückgeführt werden. 
Bei Abwesenheit manifester sonstiger luetischer 
Erscheinungen ist nicht an Lues acquisita, 
sondern an hereditaria bei der ätiologischen 
Auffassung des Diabetes insipidus zu denken. 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


63 


welcher, wie bei den angeführten Paradigmata 
deutlich wird, durch Salvarsanbehandlung 
günstig beeinflußt wird. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

Pani Jangmann (Straßburg 1. Eis.), Die Ab¬ 
hängigkeit der Nierenfonktlon Tom Nerven¬ 
system. Münchener med. Wochenschrift 1913. 
Nr. 32. 

Kaninchen wurden längere Zeit bei be¬ 
stimmter Wasserzufuhr und gleichmäßiger Hafer¬ 
fütterung bezüglich der24stündigen Harnmenge, 
der NaCl- und N-Ausscheidung beobachtet. Bei 
Piqüre lateral in den Funiculus teres, etwa 
in der Höhe, wo sich der Kleinhirnwurm über 
die Medulla oblongata herüberlegt, zeigte sich 
das Steigen der Harnmenge auf mehr als das 
Dreifache und beträchtliche, oft mehr als das 
Zehnfache übersteigende Zunahme der prozen¬ 
tualen NaCl-Ausscheidung. Durch Wiederholung 
der Piqüre am gleichen Tiere war jedesmal 
dieser Effekt zu erzielen und war für beide 
Nieren wirksam. Durchtrennung des Rücken¬ 
markes zeigte, daß die zu den Nieren gehenden 
Nervenbahnen dasselbe dem Abgänge des 
N. splanchnicus entsprechend oberhalb des 
ersten und zweiten Lendenwirbels verlassen. 
Bei einseitiger Splanchnikusdurchschneidung 
tritt regelmäßig auf der durchschnittenen Seite, 
und zwar nur auf dieser, eine Vermehrung der 
Urinmenge und Steigerung der prozentualen 
Kochsalzausfuhr auf, und wie bei der Piqüre 
kommt es auch bei der Splanchnikotomie zu 
einer Steigerung der prozentualen Kochsalz- 
ausfuhr. Änderungen in der Nierenfunktion 
treten nicht ein, wenn die Piqüre nach doppel¬ 
seitiger Splanchnikotomie vorgenommen wird. 
Verfasser ist der Ansicht, daß sowohl für die 
Polyurie, als auch das Ansteigen der NaCl-Aus- 
scheidung eine Reizung der Vasodilatatoren in 
Anspruch genommen werden kann. Es kommen 
also unter der Wirkung rein nervöser Faktoren 
nicht nur Änderungen in der Harnmenge, sondern 
auch in der chemischen Zusammensetzung des 
Urins zustande. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

H. Llefmann (Berlin), Steigerung der Säug¬ 
lingssterblichkeit im Frühjahr. Deutsche 
medizinische Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

Statistischer Nachweis der durch die ab¬ 
norme Hitze Ende April 1913 bedingten plötz¬ 
lichen hohen Sterblichkeit der Säuglinge, wo¬ 
bei das Vorwiegen von akuten Hitzeattacken 
bei Knaben auffallend ist. Die Hitze schädigt 
direkt, ohne daß die Zersetzung der Milch 


durch Keime notwendig oder erweisbar ist 
Demnach ist die Hygiene vor allem auf das ge¬ 
samte, das Kind umgebende Milieu einzustellen. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

Pani Grabley (Woltersdorfer Schleuse), 
Über die Natur des physiologischen Reizes. 

Deutsche med. Wochenschrift 1913. Nr. 36. 

Von physikalischem Standpunkt ausgehend, 
betrachtet Verfasser den lebenden Zellkomplex 
als eine elektrische Zentrale, in der durch fort¬ 
gesetzte Elektrolyse des Kreislaufs Energie 
entwickelt wird. Der Träger dieses Vorganges 
ist die physiologische Kochsalzlösung des Ge¬ 
webes; sie stellt den Elektro-Geneten dar. 
Ihre NaCl-Teilchen dienen als Ionen; eine 
wichtige Rolle spielen dabei die in ihr an die 
Proteine, Kolloide, Fermente und Hormone der 
Zellen transportierten Atome der Mineral- und 
Metallsalze, die als Katalysatoren und Ionen¬ 
träger wichtig sind Damit ist das Verständnis 
experimenteller Ergebnisse über die Beein¬ 
flussung der lebenden Zelle durch hochfrequente 
Ströme gegeben, ebenso der Ionenwirkung in 
Aktino- und Radiotherapie. Nach der elektro¬ 
physikalischen Bewertung der Kochsalz-Ionen 
würde die Zufuhr und Ergänzung von Ionen bei 
der Kochsalzinfusion das energetisch-wichtigste 
Moment sein, nicht die Zufuhr der Flüssigkeit. 
Der Salzhungertod wäre bedingt und erklärt 
durch den Ausfall der eigentlichen Energie¬ 
komponenten der Salz-Ionen. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

Erich Plate (Hamburg), Ischiasähnliche 
Schmerzen bei einem Falle von Adipositas 
dolorosa und bei einem Falle von partieller 
Bauchmuskellähmang. Medizinische Klinik 
1913. Nr. 36. 

Verfasser macht auf die zahlreichen Fehl¬ 
diagnosen bei Ischias aufmerksam, auf die schon 
W. Alexander hingewiesen hat, und beschreibt 
dann ausführlich zwei hierhergehörige Fälle. 

A. Fürstenberg (Berlin). 

H. C. Slomann (Kopenhagen), De polio- 
myelitiske Lamheders fyslske Behandling. 

Nord. Tidsskr. for Terapi 1913. September. 

Die physikalische Behandlung der polio- 
myelitischen Lähmungen hat in der Regel erst 
im Reparationsstadium, wenn alle entzündlichen 
Prozesse zur Ruhe gekommen sind, einzusetzen. 
Dieses Stadium zerfällt wieder in eine 1 bis 
3 Monate währende Periode, in weicher die 
überhaupt möglichen Wiederherstellungs¬ 
prozesse rasch vor sich gehen, und eine lange. 


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64 


Tagesgeschichtliche Notizen. 


in der noch langsame Regenerationen möglich 
sind. Auch in dem dann folgenden Stadium 
der definitiven Paralysen kann physikalische 
Therapie noch am Platze sein zur Verbesserung 
der Chancen operativer Eingriffe. Hier wirkt 
die Entspannung der paretischen Muskeln 
unterstützend. Als Grundlage jedes Behänd- 
lungsplans hat eine genaue Feststellung der 
betroffenen Muskeln und des Grades der Läh¬ 
mung zu gelten. Zur Anwendung können 
kommen: Hydrotherapie, Thermotherapie, 

Mechanotherapie, Elektrotherapie. 

Bäder (warme Vollbäder) nützen als kino¬ 
therapeutisches Hilfsmittel und durch ihre Ein¬ 
wirkung auf die Zirkulation. Auch die ver¬ 
schiedenen 

Wärmeapplikationen arbeiten derdurch 
die Lähmung bedingten Verschlechterung der 
Verhältnisse des Blutumlaufes entgegen. 

Massage und Bewegungsübungen 
sollen überall da mit Vorsicht und Schonung 
ausgeführt werden, wo vermutlich noch Re¬ 
generationsprozesse im Nerven im Gange sind. 
Zeigen die Muskeln normale elektrische Ver¬ 


hältnisse, so kann man kräftiger Vorgehen, um 
eine vikariierende Hypertrophie der funktio¬ 
nierenden Muskelreste zu erzeugen. Schmerzen 
und Müdigkeit darf man aber auch dann nicht 
hervorrufen. Stets hat man bei den mechano- 
therapeutischen Prozeduren auf den Beginn 
sekundärer Kontrakturen zu achten und ihnen 
entgegenzuarbeiten. 

Unter den elektrotherapeutischen 
Methoden hat das Zellenbad den Vorzug, daß 
man kräftige Ströme anwenden kann, ohne 
dem Patienten Schmerzen zu machen. Wo¬ 
möglich soll jedoch eine Art der Kontraktion 
erzeugt werden, die der physiologischen mög¬ 
lichst ähnlich ist. Hierfür bedient Slomann 
sich neuerdings mit gutem Erfolg des „Myo- 
motors“ von Rieh. Seifert (Hamburg), der außer 
faradischem und galvanischem Strom auch den 
Leducschen Strom liefert. Mit dem Myomotor 
gelang es, kräftige und wirksame Muskel¬ 
kontraktionen mit langsamem, regelmäßigem 
Verlauf und kräftigem Ausschlag des ent¬ 
sprechenden Gliedes hervorzurufen. 

Böttcher (Wiesbaden). 


Tagesgeschichtliche Notizen. 


Der 85« Balneologen-Kongreß wird vom 11.—16. März 1914 in Hamburg tagen. An¬ 
meldungen von Vorträgen und Anträgen nimmt bis zum 1. Januar 1914 entgegen der General¬ 
sekretär der Balneologischen Gesellschaft, Geheimrat Dr. Brock, Berlin, Thomasiusstraße 24. 

Die erste Tagung für Yerdauungs- und Stoffvrechselkrankheiten, deren Abhaltung 
im Sommer 1912 zu Homburg v. d. H. beschlossen wurde und deren Vorstand die Herren: 
C. A. Ewald-Berlin, Adolf Schmidt-Halle, I. Boas-Berlin, H. Stark-Karlsruhe und 
C. Pariser-Homburg angehören, wird am Freitag, den 24. und Sonnabend, den 25. April 
1914 in Bad Homburg v. d. Höhe stattfinden. 

Die Tagesordnung besteht aus drei Referaten mit anschließender Diskussion. Es werden 
zur Besprechung kommen: I. Die schweren entzündlichen Erkrankungen des Dick- 
darms. Referent: Herr Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Adolf Schmidt-Halle. — II. Wandlungen 
in der Behandlung des Diabetes. Referent: Herr Prof. Dr. Georg Rosenfeld-Breslau. — 
III. Die Bedeutung der Radiologie für die Diagnostik der Erkrankungen des Ver¬ 
dauungskanals. Referent: Herr Prof. Dr. von Bergmann-Altona. 

Das Deutsche Zentralkomitee für ärztliche Studienreisen veranstaltet in diesem Winter 
eine Reise zum Studium von Winterkurorten und des Wintersports in Oberbayern und Tirol. 
Die Reise soll am 22. Januar 1914 in München beginnen und am 31. Januar in Meran schließen. 
Besucht werden: München, Ebenhausen, Partenkirchen (Ettal), Oberammergau, Linderhof, Part- 
nachklamm (Riesser-, Baader-, Eibsee usw.), Innsbruck, Gossensaß, Bozen, Gries, Meran. Der 
Preis für diese ca. lOtägige Reise beträgt einschließlich der Eisenbahn-, Schlitten- und Wagen¬ 
fahrten, der Unterkunft und Verpflegung (mit Ausnahme der Getränke und Trinkgelder) 175 M. 
Anfragen und Meldungen sind zu richten an das Deutsche Zentralkomitee für ärztliche Studien¬ 
reisen, Berlin W. 9, Potsdamerstr. 134b (Fernspr. Lützow 9631, Telegramm-Adresse „Stumed“). 

Berlin, Druck von W. Büxenatein. 


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Original-Arbeiten, 


L. 

Zur Übungsbehandlung der Paralysis agitans. 

Aas dem Sanatorium Friedrichshöhe in Wiesbaden. 

Von 

San.*Rat Dr. R. Friedlaender. 

Bereits vor 9 Jahren habe ich in dieser Zeitschrift 1 ) eine Übnngsmethode 
beschrieben, die mir bei der Behandlung der Paralysis agitans gute Dienste geleistet 
hat. Drei Jahre später, nachdem von verschiedenen Seiten (Roth, Lasarew, 
Tobias u. a.) über günstige Erfolge bei Anwendung des Verfahrens berichtet 
worden war, konnte ich weitere Erfahrungen mitteilen, 2 ) die mich ermutigten, die 
Übungsbehandlung von neuem zu empfehlen. 

Wenn ich jetzt auf diesen Gegenstand noch einmal kurz zurückkomme, so 
geschieht es, weil ich glaube, nunmehr zu einem gewissen Abschluß bezüglich* 
Anwendungsweise und therapeutischen Wert dieser Übungsmethode gelangt zu 
sein, und weil ich aus verschiedenen Mitteilungen den Eindruck habe, daß von 
seiten der Herren, die sich praktisch mit dem Verfahren beschäftigt haben, das 
wesentliche Prinzip desselben nicht immer genügend berücksichtigt worden ist. 

Da wir bei der noch immer unklaren Pathogenese der Paralysis agitans 
eine kausale Behandlung dieser Krankheit bisher nicht kennen und lediglich auf 
eine symptomatische Therapie angewiesen sind, so muß es das Ziel einer solchen 
vor allem sein, die Hypertonie der Muskeln zu vermindern, die das bei weitem 
hervorstechendste Symptom und die Grundlage der motorischen Störungen bildet. 
Nun ist es für diese Kranken — im Gegensatz zu anderen hypertonischen und 
spastischen Zuständen — geradezu charakteristisch, daß sie, selbst in vorgeschrittenen 
Stadien, niemals die Fähigkeit ganz verlieren, die betreffenden Muskeln und 
Muskelgruppen unter Konzentration der Aufmerksamkeit und des Willens bis zu 
einem gewissen Grade vorübergehend zu entspannen und damit auch das Zittern 
zu mindern oder zu unterdrücken. Diese willkürliche Entspannungsfähigkeit besteht 
mehr oder minder in der Ruhe bei sämtlichen Kranken. Die Ausführung aktiver 
Bewegungen vermindert an sich die hypertonischen Erscheinungen in vielen Fällen, 


«) 1903/4. Bd. 7. Heft 2. 

*) Diese Zeitschrift 1907/8. Bd. 11. 

Zeitsehr. f. physik. u. diät. Therapie Bd. XVIII. Huft 2. i) 


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66 


R. Friedlaender 


doch kommt auch das gegenteilige Verhalten nicht selten vor. Die in Rede 
stehende Behandlung der Paralysis agitans beruht nun im wesent¬ 
lichen darauf, daß sich der noch bei den Patienten vorhandene Rest 
der willkürlichen Entspannungsfähigkeit durch Übung steigern läßt. 
Wir wissen ja, wie verschieden die Fähigkeit, die Muskeln zu erschlaffen, auch 
bei Gesunden ausgebildet ist (ich erinnere nur an diesbezügliche Schwierigkeiten 
bei Auslösung der Sehnenreflexe), und daß es bei komplizierten koordinatorischen 
Fertigkeiten: Klavier- und Violinspiel, Turnen, Radfahren, Schwimmen usw. vor 
allem gelernt werden muß und bis zu einem hohen Grade gelernt werden kann, 
nur die zweckdienlichen Muskeln zu innervieren, dagegen die anderen, besonders 
die Antagonisten der in Funktion tretenden Agonisten zu erschlaffen. So können 
auch die Parkinson-Kranken in gewissen Grenzen durch entsprechende Übungen, 
wenn dieselben mit der notwendigen Ausdauer, Geduld und Energie betrieben 
werden, eine bessere Beherrschung der Muskelinnervation erreichen. 

Vielfach ist es so aufgefaßt worden, als ob ich mir von der Vornahme passiver 
Bewegungen, die übrigens schon früher bei Paralysis agitans (Taylor, Oppen¬ 
heim) empfohlen wurden, an sich eine Besserung der Hypertonie verspräche. Das 
ist durchaus nicht der Fall. Im Gegenteil möchte ich ausdrücklich betonen, daß 
— im Gegensatz zu anderen spastischen Zuständen, z. B. der zerebralen Hemi¬ 
plegie — passive Bewegungen, wenn sie im hypertonischen Zustand der Musku¬ 
latur und mit Überwindung des durch die Hypertonie bedingten Widerstandes 
ausgeführt werden, hier direkt schädlich wirken und die Muskelspannung und das 
Zittern steigern. 

Die passiven Bewegungen sollen lediglich den Zweck haben, zu konstatieren, 
ob der Patient tatsächlich seine Muskeln entspannt hat, sie sollen als Prüfungs- 
* mittel für den Spannungsgrad dienen, der sich nur auf diese Weise feststellen 
läßt. Ich beginne unter Fixierung der Extremität mit den kleinen Gelenken der 
Finger und Zehen, indem ich den Patienten auffordere, bei möglichster Konzen¬ 
trierung seiner Aufmerksamkeit und Willenskraft die betreffenden Muskeln zu 
erschlaffen und der von mir ausgeführten passiven Bewegung keinen Widerstand 
entgegenzusetzen. Die betreffende Bewegung muß ganz vorsichtig und langsam 
begonnen und sofort mit derselben innegehalten werden, sobald man einen Wider¬ 
stand fühlt; sie wird erst dann fortgesetzt, wenn der Kranke auf erneute Auf¬ 
forderung wieder entspannt hat. Das fällt ihm im Anfang sehr schwer, aber man 
kann doch von einem Tage zum anderen konstatieren, wie sich die Entspannungs¬ 
fähigkeit allmählich bessert. Von den kleinen Gelenken geht man dann nach und 
nach zu den größeren über. Wie bei der Übungsbehandlung der tabischen Ataxie 
empfiehlt es sich, die Übungen mehrmals am Tage, aber immer nur für kurze Zeit 
vorzunehmen. Daß irgendwelche Kraftanwendung bei Vornahme der passiven 
Bewegungen ausgeschlossen ist, ergibt sich nach dem oben Gesagten von selbst, 
es sei aber noch besonders darauf hingewiesen, daß sie sehr langsam vorgenommen 
werden müssen, weil nur dann dem Kranken das Entspannen gelingt. Zweck¬ 
mäßige Lagerung und Fixierung der nicht bewegten Gelenke ist von großer 
Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. Mit dieser Art von Entspannungs¬ 
übungen lassen sich sehr gut die bereits früher von mir beschriebenen „Fall¬ 
übungen“ in der Weise kombinieren, daß die eine Phase der Bewegung, z. B. die 


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Zur Übungsbehandlung der Paralysis agitans. 


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Streckung des Handgelenks, nachdem der Arm so gestellt ist, daß die Beugefläche 
nach unten sieht, unter Entspannung passiv erfolgt, worauf der Kranke die Hand 
schlaff in die Beugestellung herunterfallen läßt. Innerviert der Patient in dem 
Moment, wo die Höhe der Exkursion der passiven Streckung erreicht ist, die 
Vorderarmmuskeln, so muß man ihn erneut auffordern, das zu unterlassen, bis die 
Hand lose auf der des Arztes liegt; erst dann läßt man sie fallen. Die Hand 
darf dabei nicht aktiv gebeugt werden, sondern muß nur dem Gesetz der Schwere 
gehorchen, ln ähnlicher Weise kann man diese Übungen in sämtlichen Extremitäten¬ 
gelenken ausföhren lassen. Ich kombiniere solche Fallübungen mit aktiven Be¬ 
wegungen (eventuell mit leichtem Widerstand) und lasse auch sonst aktive Gym¬ 
nastik, namentlich Streckbewegungen machen, um der gewöhnlich stärker aus¬ 
gebildeten Hypertonie der Beuger auf diese Weise entgegenzuwirken, aber nur in 
den Fällen, bei denen die Muskelsteifigkeit und das Zittern nicht durch aktive 
Bewegungen gesteigert wird. Im übrigen sind systematische Koordinationsübungen 
für die Korrektur der Haltungsanomalien und sonstiger durch die Muskelrigidität 
bedingten Fehler beim Stehen und Gehen nicht zu entbehren. Bezüglich Aus¬ 
führung derselben verweise ich, um nicht schon Gesagtes zu wiederholen, auf 
meine früheren Publikationen. 

Kurz zu erörtern wird noch die Frage sein, inwieweit man sich von der 
Anwendung der Übungsbehandlung 1 ) einen Erfolg versprechen darf. Ich habe 
schon früher betont, daß man seine Hoffnungen nicht zu hoch spannen darf und 
kann das auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre nur bestätigen. Eine 
Heilung der Paralysis agitans, eine Beseitigung der Hypertonie und des Zitterns 
ist von dieser Methode ebensowenig wie von irgendeiner der bisher bei dieser 
ausgesprochen progressiven Krankheit angewandten therapeutischen Maßnahmen 
zu erwarten. Aber ich habe doch immer wieder, besonders bei noch nicht zu weit 
vorgeschrittenen Fällen, Besserungen gesehen, die ich weder mit medikamentöser, 
noch mit elektrischer oder sonstiger Behandlung früher erreichen konnte; außerdem 
war ein günstiger Einfluß auf den psychischen Zustand dieser meist deprimierten 
Kranken fast immer zu konstatieren. 

’) Für dieselbe hat sich auch Kurt Mendel in seiner bekannten Monographie über die 
Paralysis agitans ausgesprochen. 


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Adolf Sehnte 


H. 

Einiges über meinen 

„Degrassator“ und seine praktische Anwendung. 

Aus der physikalisch-therapeutischen Abteilung des St. Marienkrankenhauses der 
barmherzigen Schwestern zu Frankfurt a. M. 

(Direktor: Dr. E. Hergenhahn.) 

Von 

Dr. Adolf Sehnde, 

Frankfurt a. M. - Schwalbach (Obertaunus). 

Bereits seit der Einführung statischer Entladungen und faradischer bzw. 
Wechselströme in die Therapie hat man sich mit der Idee der Benutzung durch 
elektrische Reizung hervorgerufener Muskelkontraktionen, bei denen überdies 
durch Gewichtsbelastung eine keineswegs zu unterschätzende unwillkürliche Muskel¬ 
arbeit geleistet wird, zu Entfettungskuren befaßt. 

An anderer Stelle 1 ) habe ich darauf hingewiesen, daß zielbewußte Versuche 
in dieser Hinsicht jedoch eigentlich erst 1897 von mir in Gemeinschaft mit meinem 
verstorbenen Vater 2 ) gemacht wurden und sehr befriedigende Resultate ergaben. 

Unter Zugrundelegung der Ausführungen, die von Noorden in seinem 
Werke: „Die Zuckerharnruhr und ihre Behandlung“ 8 ) über den Kohlehydratstoff¬ 
wechsel gibt, lassen sich die physiologischen Momente für die Verwertung un¬ 
willkürlicher Muskelarbeit zur Erzielung einer Entfettung leicht ableiten resp. 
ergeben sich daraus von selbst. Ein näheres Eingehen auf diesen Gegenstand 
erscheint mir daher überflüssig. 

Fettsüchtige leiden nun bekanntlich im allgemeinen nicht nur an körper¬ 
licher, sondern auch an geistiger Verfettung, d. h. ihr körperliches Fett macht 
sie lässig, träge und faul, raubt ihnen jegliche Energie und Willenskraft. Vice versa 
neigen gerade auch wieder phlegmatische Naturen besonders zur Adiposität. 

Eine energische Entfettungskur mit solchen Individuen vorzunehmen, zu 
deren exakter Durchführung es nicht allein des guten Willens seitens des Patienten, 
sondern vielmehr einer eisernen Entschlossenheit bedarf, wird dem Arzt nicht 
selten zur Last und dem zu entfettenden Opfer zur Qual. Dabei bedarf es über- 


*) Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

2 ) C. E. Schn6e-Karlsbad-Nizza, Meine Erfahrungen mit dem E. V.-Z. B., als Manuskript 
gedruckt. Hans Feiler, Hofbuchhandlung. Karlsbad 1903. 

3 ) IV. Auflage. August Hirschwald. Berlin 1907. 


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E!<iSg«8 terinen.it/egTassatoi-’* »ad ««ine prskliftclio Anwendung. 


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dies einer ständigen Kontrolle des Herzens, da ja alle unsere bisherigen Ent¬ 
fettungskuren mehr «der weniger ■Dn.tftreriiäbruogskareö' darstellen, denen der Orga¬ 
nismus zahlreicher Kranker nicht gewachsen ist. 

Wenn man jedoch den Patienten zu nnwilTfcärlicher Muskelarbeit 
zwingen kann und dies »Herdisjgs: gMbhzeitig aber vorsichtig, 

dosierter und gesteigerter Weise, so muß das Fett, das ja quaei als eine 
Reserve aufgest&pelfc ist, in Anspruch genommen und eingeschmolzen 
werden. . Verbindet mau eine solche Arbeitsleistung uni einer koitlebydratarmen 
Diät, die. keineswegs als „Hungerkur“ bezeichnet werden darf, so kommt m&n 
noch rascher ztmt Ziel, indem anfänglich tägliche Oewiehtsabnahmen ^on 6(Kt bis 
1000 g keineswegs m Seltenheiten zählen, zumal wenn man die Fliissigkeitszufuhr 
nä»:b Tunlichkeit etüsehränkt. 

Auffällig ist es, daß dabei keine Schvväcluujg, sondern eine bemerkenswerte 
Kräftigung und Stärkung des Organismus in die Erscheinung tritt, die sich 
objektiv in einer Kräftigattg der Hmaktion, frisebereu Jläntfärbung und lebhafteren, 
geistigen Betätigung, subjektiv in dem Gefühl körperlicher Frische und Leistungs¬ 
fähigkeit kennzeichnet. Die Patienten beginnen einen lebhaften Betätigungsdrang 
an den Tag zu legen und verlangen selbst nach weiteren Spaziergängen und 
anderen aktiven Muskelhetätigtmgen, Per Gfesichtsausdrisek; wfrd jfehJÄfter, der 
früher verschleierte schläfrige Blick frischer, 
kurz Körper und Geist erwachen aus ihrer 
Fett-Lethargie. 

Im Laufe der letzten Jahre habe ich nun 
olle Modifikationen der Elektrizität, die sich zur 
Erzeugung von M u skel ko » träfe t i onen eignen, 
durchgeprobt, und dabei ermittelt, daß die von 
Zanietowski-Krakau schon lange für diagnosti¬ 
sche Zwecke propagierten Konder:aa 10 r e n t- 
ladungen am zweckdienlichsten sind, da sie 
bei geringster sensibler Reizung den bei 
Weiten} energischsten Reiz auf Muskeln 
und m 0 toftsche Nerven ausüben. Bei einer 
gewissen Ff eqaehz Und Intensität der Entladungen 
treten sogar ansgessprochen aoästhesierende 
Effekte in die Erscheinung, Alle diese Mo¬ 
mente erlauben es, die Kondensatoreut- 
ladnngen unzweifelhaft als jene Modifi¬ 
kation der Elektrizität zti bezeichnen, die 
im Sinne der hier zu stellenden An¬ 
forderungen optimal ist. 

Der Apparat zum Degrassieren setzt sich 
nun aus zwei Teilen zusammen: dem eigentlichen Degrassator und dem 
Degrassator-Liegest« hl. 

Im nachstehenden sei zunächst der Degrassator kurz beschrieben, der sich 
auf einem fahrbaren Tischchen mit Glasplatte und Glasschale zum Ablegen der 
Instrumente befindet (Fig, 14). 






IfC I 


Co gle 



70 Adolf Selmeä 

|fife für die Applikation notwendigen Au sch 1 aß* and Sch a 1t et. einrieht o ngeo, 
sowie die rar die Dosierung erforderlichen 'Meßinstrumente sind zwecks über- 
sichtlieber ■ und bäftdlfoher Seiiietiimg; nach -Art der Universal-Anschluß-Apparate 
aof 'einem Socket tfituHiert (Fig. 1S>. 0er Apparat kann bei Betätigung ei&es- 
f Casler$ ttojwbli! <&£ ßlü^leo.t^Äk^jen. mich d&r ^inen oder anderen Richtung 

Verwendung finden, wie auch 
mittels einer besonderen 
V o r ri cb tn ng automat i - 

sehen, rhythmischen, 
g 1 eich-resp. wechseIseiti- 
g e b Bi» t Ta d ö n ge n dienen. 
Zwei feinstufigß Präzisions- 
g c hr s ub rb eo st ä t e n erniög- 
liclien t&f die am Voltmeter 
abgelesene Ladespannutig ex¬ 
akt zu variieren, während 
mit: drei Hebelschaltern zu 
5, 10 und 20 MF’, die zu appli¬ 
zierenden Kapazitäten auf 5, 
10, To, 20, SS, HO bzw. 3o;.MF. 
eingestellt werden, •' > Öteäo 
Kapazität eu sind besonders 
für die Degräasator-Behand- 
lung bestimmt, während für diagnostische oder anderweitige therapeutische Zwecke 
Kondensatoren anderer Kapazität in den Apparat eingebaut werden kennen. 

Der SjphaTlappar&t für die automatischen, rhjt.iimlachen JEot- 
ladungen ist nach Art eines Metronoms »osgebildet, The Peaiiethewegimg 
•demselben.: wird; durch Verschieben eines Gewichtes längs einer empirisch graduierten 
Skala schneller oder langsamer eingestellt. Geeignete Schaltungskombi na;ttonen 
gestatten m, bei jedem Pendelschlag ein bzw, zwei Entladungsimpulse (letztere 
gleich» oder wechselgerichtet) zu erzeugen. Die Zahl der Impulse ist dem- 
entsprechend zwischen Cii — 230 pro Minute einstellbtsr. Ern . in den Patk-nten- 
strom kreis geschaltetes MiUiampetejöetor mit einem Meßbereich von 5—50 MA. 
gibt die Entiadsmgsstromstär'ke eines jeden Impulses genau »q,; 1>S es zweiseitigen 
AnssUhiag feüaifzt, höhnen sowohl gleich-, *\ ; ie w.echselgerichtete Ttnprtlsft ftbgelesen 
Und kontrolliert;werden. Die Einstellung dhr^ lnipn;lsricht.niigeß erfolg} durch 
Betätigung eines HebeluinschaHers, wie auch die der Einzel- oder automatischen 
Entladungen, der Wendung- und' Häuptern- fozw. ausscbaltiing. Eine Oftirerzige 
Lampe dient als. Vorscbaltwiderstand. 

Das .als Degrass.ft.tor-Liegeat'ubl bezeichne te Ruhebett ist sie bequeme 
Chaiselongue mit. breiten Armlehnen ausgebildet und um vier in dop Stuhl Fin¬ 
ge 1 a äsen e n, 1 e i'c h i h e r a n M eh in hären und leie h t z n r e iil rge Öden hi % tt 
dbainfizierendert 'Bät^Tlelektroden varsehefi, vtm denen , je zwei dem Eiieken, 
je zwei dem Ges'äk ariHegeo (Fig. H>), a. 

Jn die seitlichen LlegeMuhileiaten sind Steckdose« eingelassen, in die mit 
Verbindungskubei» ausgosrast-n- siecfcer kommen. Das zweite Ende, der 


Go m 





Einiges flfcer tneineö r ,DegrHssator a u»d seine praktische Anwendung. 


71 


Yerbrudimgskabel Ist in den . .Polklemmen leich t biegsamer Elektroden aas Britannia- 
metaU boffestrgf, welche ver^tehiedejiten .Eöppn&eifßn (fäjrerörthj, ppäibartn., Ober* 
schenke!, Unterschenkel-, Brust, Baach) des Patienten aufgelegt werden. 

Di« Steckdosen sind den zur Anwendung- kommenden Elektrode« entsprechend 
bezeichnet and dementsprechend sind, also die EliekDodsnansoblüsse für den 
rechten und linken Ober' und Unterarm. Brust, Bauch, rechten und 
linken Ober- und Unterschenkel vorgeseheß. Dazu kommt hoch eine 
Steckdose für eins unbestmtute Elektrode« Ontgt Hir/arechuarig der 
beiden Rückehv Ußd Gefößelektrotkti sind also im ganzen 15 Ein- und Aus- 
trittsstellen für.-dan-K.o.odeRRtttörätrdmi-'pörh&nden, die alle von einem am 
Kopfende des Degrassutor-Ixegestuhls befindlichen Schaltbrett mit. 
15 kleinen HebelamschaUern ..beliebig- an die Plus- oder Minuspole des 
KondensatorStromes gelegtbzw. ' P - >j '' 

abgescbalfet werden können. 

Eür Efftfettungskuren. 
kotmnen Sandsdcke in aus¬ 
wechselbaren Lein e naher* 
zögen zur Verwendung, Es 
sind im ganzen 100 kg vor- 
gesehen, die in lö Säcke 
a 3,8 Säcke A 5 und 3 Säcke 
A 10 kg verteilt sind. Die Über¬ 
züge sind zwecks leichter Kon¬ 
trolle mit der jeweiligen Kilö- 
zahl in roter Stickerei bezeich¬ 
net. In manche« Fällen werden 
noch höhere Gewichtswider- 
stände benötigt, 

Die Handhabung deg. 

Apparates ist eine ftberaas ,;W 'pU'" 

einfache, Per zu behandelnde Patient nimmt völlig entkMdet tu .bequemer Ruhelage 
auf dem liegrassaior-Lifgcsfulii Platz und erhält je sack Art der brmbsichttgten Fdn- 
wirknog entspfechnnde Elektroden; Oberarm-, Unterarm-, Brust-, p/aterletbfi-, Ober¬ 
schenkel-, tJßterscbeßkeJ-Elfiktrtolen >aa biegsamem. BritaSäniarimtall angelegt^ Diese 
Elektrdd^i kßtthSh entweder .«& behutzi- Wörden oder 

man b/fdea-kt . byw obpr/ieht *tf> ItPsseV mit. fueliVfacheti fAe'Wfi iivdrbfthllec' mir. 




auch die BeiiUtzuag einer isdiwei^u «dHenftlektmde (5 kg), nützlich erweisen, die 
im Gegensatz m -de« PlAUeuelektrodea einer labilen .Elektrisaüon dient. 

Bei der Behandlung jjÜSr ' wiccl- zumal di« önferleibs- 

elekfrode mit Sandsäcken belastet, 'indem man mit, geringen Gewichtseinheiten 
(etwa 5—JO kg) beginnend, allmählich je nach lHdividu«.iddt »iee Patienten bis 
zu 50. ja 100 kg und darüber Ldnausgeht, Auch Arnje und P$ioe kijjmen derart 
mit Sandsäcken belastet werden, 

Nachdem man zuvor dafür gesorgt hat. daß alle zu benutzenden Elektroden 

mit den eigens dazu am Degrassatoi-Liegestuhl vorgesehener) Kabeln und Steck- 

: V ' ' V r.) \ • . V-VjvP. ,V> ■• . 


Go 







Adolf 


kontakten exakt verbunden, sind* stölfi man entsprechet»^ der.gewünschten ■ All-' 
gemein« oder beabsichtigten EokabVirkeug die am Kopfende Angebrachten Hebei* 
Schalter des KichtfJOgewithh:rs auf Plus, Minus oder 0 ein. 

Hierauf kontrolliert man sich, mit der Stoppuhr -.durch; mederfea&e Zählung 
die genaue and stellt das Metronom attf dMieihe ein. 

Dann überzeugt man sieh davon, daß i#g jifttötipna; t'neähendß öhrwerk auf¬ 
gezogen ist und öffnet dte Arreiimwrietottng. Worauf sich das Metronom in Gang 
setzt. Nnmnebr vergleicht man nochmals die Palsscddngzahi iiiit der des Metro¬ 
noms und nimmt etwaige Korrekturen vor, •Stimmen beide, .eberain, so wird der 
Hebelschalter Normal (N), Wenden (W) des Degniss/dors auf N eingestelit, der 

Hauptschalter, der 
i,g ' 1( Schalter für aotoma- 

Hache Entii^itingj so- 
jbu wiezunäehstderSchal- 

: ter für ;> MP. emge- 

i . 7$ schultet und emter 

; ! if, •. . - ständiger Beobachtung 

des Patienten sowie 

Jl| M ampöretneters.diePrä- 

* ' zisionssekraubrheosta* 

allmählich 

^ „schwach*'* auf.,stark“ 

gestellt, bis die Fou¬ 
le iraktionen der Musku- 

laturdeutlich und kriif- 
tig zum Ausdruck ge- 
langen. Fast stets 

ist dazu die Hinzu- 

^^^BSS&£S!£&f8G££&£&^Bmtä5£g^ffiB$gS$i£ Schaltung weiterer 

Kapazitäten bis zu 

31» MF. im Maximum erforderlich. Die Ladespannung schwankt dabei etwa 
zwischen 20—C.O Volt, die EMtedrmgs-MilHarop&rezahl etwa zwischen 2— Ist.- 
Bei den großen Ein- titid AtmtriitÄ-Eleknodenflächen, welchen den Konden- 
s&torcniladuhgeti zur Verfügung pteliuhi ist selbstverständlich die Stromdichte 
pro cm 2 eine minimale, selbst Äti; wenn mau zwecks vorzogsweiaer Beeinflussung 


Einiges über meinen „Degrassator“ und seine praktische Anwendung. 


73 


mählich bis zu 60 Minuten. In zahlreichen Fällen wird man ohne jede nachteilige 
Folgen bis za zwei derartigen Applikationen im Tag vornehmen. Eine Applikations- 
Serie erstreckt sich über 3—8 Wochen und kann erforderlichenfalls nach einer 
"2—3 monatlichen Ruhepause wiederholt werden. 

Es beruht also das Degrassieren, wie gesagt, auf einer ganz bedeutenden 
Arbeitsleistung der Mnsknlatur, die jedoch vom Patienten keineswegs un¬ 
angenehm oder als Anstrengung empfanden wird. Selbstverständlich erfolgt die Ge¬ 
wichtsabnahme im Anfang der Kur viel rapider als gegen Ende derselben, indem mit 
der Zeit die Mnsknlatur eine wesentliche Zunahme aufweist. Die Abnahme des Fettes 
macht sich dann vornehmlich durch Abnahme des Körperumfanges geltend (s. Fig.17). 

Die markantesten physiologischen Wirkungen, die bei dem Degrassieren 
zutage treten, bestehen neben einer durch Reizung der peripheren Nerven¬ 
endigungen bedingten Erweiterung der Hautgefäße, welche unter Rötung der Haut 
und Schweißausbruch zu einer Augmentation der peripherischen Zirkulation fährt, 
in einer mäßigen Beschleunigung der Atmung mit gleichzeitiger Vertiefung der¬ 
selben und Steigerung der C0 2 -Abgabe und O-Aufnahme, Steigerung der Körper¬ 
temperatur bis um ca. 1,5° C, mäßiger Zunahme der Palsfrequenz (bei weitem 
geringer als bei gleicher willkürlicher Muskelarbeit) mit fast stets wachsender 
Pulsamplitude, schärfer ausgeprägtem Dikrotismus und Steigerung des systolischen 
und diastolischen Blutdruckes. Der Widerstand des Gefäßsystemes nimmt also ab 
und dementsprechend wächst die systolische Blutbeförderung. Besonders aber 
wird die Blutzirkulation in den Venen durch die Einwirkung der Muskelkontraktionen 
auf das Gefäßsystem befördert, was im übrigen auch von der Zirkulation des 
Lymphstromes gilt. 

Wir haben also das ausgeprägte Bild einer Gesamtsteigerung der Stoff¬ 
wechselvorgänge im Körper vor uns. 

Nach beendeter Applikation werden Atem- und Pulsfrequenz sehr schnell 
wieder normal und es machen sich keinerlei Ermüdungssymptome bemerkbar, was 
wohl zu der Annahme berechtigt, daß die beschleunigte Säftezirkulation, die durch 
die Muskelkontraktionen gebildeten Oxydationsprodukte und Ermüdungsstoffe sehr 
rasch weiterbefördert und den Muskeln andererseits frische Nährstoffe in abundanter 
Weise zugeführt werden. 

Zu den Hauptindikationen dieser neuen Behandlungsmethode gehören neben 
Entfettungskuren, Muskelschwächen und -atrophien, chronische Obstipationen, Neur¬ 
asthenien usw., durch die indirekt auch ein nicht zu unterschätzender 
Einfluß auf das Herz genommen werden kann. Bei gewissen mit Fettsucht 
einhergehenden Formen des Diabetes mellitus habe ich zu wiederholten Malen 
eine bedeutende entzückernde Wirkung des Degrassierens konstatieren können, 
doch sind darüber die Akten noch nicht geschlossen. 

Auch eine direkte Herzbehandlung durch Kondensatorentladungen 
wird sich in Kürze mit Hilfe eines von mir angegebenen und von den Veifa- 
Werken, Frankfurt a. M.-Bockenheim konstruierten Apparates wirkungsvoll durch¬ 
führen lassen. 

Dieser mehr technischen Mitteilung werden in Kürze Publikationen über 
erzielte klinische Resultate folgen, sobald das umfangreiche Material, das mir zur 
Verfügung steht, aufgearbeitet ist. 


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74 Adolf Schnee, Einiges über meinen „Degrassator“ und seine praktische Anwendung. 


Kollege Hoehl-Chemnitz hat, wie ich soeben erfahre, auf Grund einer seiner¬ 
zeitigen Unterredung mit mir eingehende Versuche mit Kondensatorentladungen 
mittels des von den Veifa-Werken, Frankfurt a. M., hergestellten Kondensator- 
entladungs-Apparates nach Zanietowski gemacht und sehr befriedigende Resultate 
erzielt, über die er demnächst selbst berichten wird. 

Literatur. 

J. Bergoniä, Da trav&il musculaire älectriquement provoquö dans la care des maladies 
par ralentissement de la nutrition et en particalier dans la care de 1’obösitA Comptes-rendue 
des söances de l’Acadämie des Siences, Juli 1909. 

Derselbe, Nouveaux cas de traitementde l’obösitö par l’exercice gönäralisö ölectriquement 
provoquA Archives d’älectricitö mödicale 1910, p. 297. 

Derselbe, Cure d’ob6sitö par Pexercice Aectriquement provoquA Archives d’61ectricit£ 
mödicale 1911. Nr. 307. 

Laquerriöre et Nuytten, Nouvelle note sur la Methode de Bergonte (Gymnastique 
ölectrique gänäralisäe). Rev. des mal. de la natrition, Okt. 1911. 

Laquerriäre, La gymnastique älectriquement provoquße (mßthode de Bergoniä). Bu. 
m6d. 20 janv. 1912, p. 60. 

Laquerriöre et Nuytten, But, instrumenattion et technique de la mäthode de Bergoni6 
(Gymnastique ölectrique g6n6ralis6e). Bull. gen. de thärapeutique, 15 föv. 1912. 

Dieselben, Notre expärience actuelle de la möthode de BergoniA Bull, et Mem. de la 
Soc. m6d. de Paris Nr. 1, 12 janv. 1912. 

C. E. Schnee, Meine Erfahrungen mit dem E. V. Z.-B.; als Manuskript gedruckt. Hans 
Feiler, Hofbuchhandlung. Karlsbad 1903.| 

Adolf Schnäe, Hochfrequenz- und Thermopenetration im Vierzollenbade. Vortrag auf 
der 82. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Königsberg i. Pr. 1910. 

Derselbe, idem Münchener med. Wochenschrift 1910. Nr. 45. 

Derselbe, Entfettungskuren durch direkte Applikation hochfrequenter sekundär unter¬ 
brochener Quantitäts- und Spannungsströme „Degrassator“ nach Dr. Schn6e. Archiv für physi¬ 
kalische Medizin 1912. Bd. 7. Heft 1. 

Derselbe, Das elektrische Entfettungs verfahren mittels des „Degrassator“ nach 
Dr. Schnöe. Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Derselbe, Der „Degrassator“ nach Dr. Schnöe und seine Anwendung in der Praxis. 
Zeitschrift für mediz. Elektrologie 1913. 

Derselbe, Die Entwicklung des elektrischen Entfettungs Verfahrens und mein Degrassator. 
Vortrag, gehalten in der Sektion 22 a der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte 
in Wien. September 1913. 

E. Spider, L’61ectroth6rapie dans le traitement de l’obdsitA Archives d’61ectricit6 
mödicale 1912. Nr. 329. 


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Edgar F. Cyriax, Die lokale manuelle Nervenbebandlung nsw. 


75 


III. 

Die lokale manuelle Nervenbehandlung in Beziehung zu 
atonischen Zuständen des Mastdarms. 1 ) 

Von 

Edgar F. Cyriax, M. D., 

prakt. Arzt, London. 

In mehreren Zeitschriften habe ich die manuelle Behandlung von Nerven, 
d. h. die Behandlung durch Friktionen und Vibrationen, beschrieben, und nicht 
nur, was die zerebrospinalen, sondern auch die sympathischen Nerven betrifft. 
Da diese Behandlung, obwohl sie in ihrer heutigen Art mindestens 40 Jahre 
bestanden hat, von den Ärzten nur sehr wenig gebraucht worden ist, will ich 
einen Teil davon beschreiben, und zwar die lokale manuelle Behandlung bei 
atonischen Zuständen des Mastdarms. 

Geschichtliches.* Per Henrik Ling (1776—1839) hat Nerven mittels 
Nervendruck gereizt. Unter seinem Nachfolger Branting (1799—1881) wurde 
diese Art von Manipulation entwickelt, und während der Jahre 1850—1862, die 
Glanzperiode der schwedischen Heilgymnastik in Schweden, haben wir sicheren 
Beweis, daß diese Nervendriickung ziemlich viel gebraucht worden ist. Zum Beispiel, 
Drückungen auf die Nervi sacrales posteriores und auf die tiefliegenden sympathischen 
Ganglien von vorne, wurden in Fällen von chronischer Obstipation häufig gebraucht. 
In Schweden, nach Brantings Zeit, geriet die Nervenbehandlung mittels Driickung 
beinahe ganz in Vergessenheit. Wenn man die Literatur studiert, sieht man, daß 
diese Anwendung immer geringer wurde, bis zum heutigen Tage. Wenn man 
die neuen HandbQcher liest, sieht man, daß der Nervendruck kaum gebraucht 
wird, auch scheint es, als ob die heutigen Nervendrückungen ganz anders seien, 
wie die Manipulationen der früheren Zeit. Wide, in seinem Handbuch, 2 ) beschreibt 
den Nervendruck als einen auf die äußeren Nerven ausgeübten Druck, daß aber 
die Manipulation mehr eine Art von Muskelbehandlung sei. Kleen 8 ) sagt, daß 
die allgemeinen Nervendrückungen nicht die größeren Nervenstämme zu treffen 
suchen, sondern nur die Hautendigungen. Auch behauptete Arvedson, 4 ) daß man 
die sympathischen Nerven durch mechanischen Reiz der hinteren Wurzeln nicht 
beeinflussen könne. 

l ) Vortrag, gehalten auf dem IV. internationalen Kongreß für Physiotherapie in Berlin 
am 26.—30. März 1913. 

*) Handbok i medicinsk och ortopedisk Gymnastik, 1912, 63. 

*) Handbok i Massage och Sjukgymnastik, 1906, 258. 

4 ) Tidskr. i Gymnastik, 1906, 23. 


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76 


Edgar F. Cyriax 


Es scheint, daß weder Kleen noch Wide irgendwelche direkten Nerven¬ 
reizungen brauchen in Fällen von chronischer Obstipation mit Ausnahme von 
Beklopfung der Sakralgegend. 

Warum wird die früher in Schweden so häufig gebrauchte Nervendrückung 
jetzt nicht mehr gebraucht? Die Erklärung liegt, glaube ich, darin, daß die 
Technik sich langsam verschlechterte. Der Nervendruck wurde entweder zu lange 
oder auf zu schwere Weise angewandt; dadurch wurde nicht ein Nervenreiz, 
sondern eine Nervenbetäubung hervorgerufen. Dieses erklärt auch die Tatsache, 
daß die Nervendrückung bei neuralgischen und überreizten Nerven eine gute 
Wirkung haben mußte, aber bei paralytischen oder anästhetischen Zuständen die 
Krankheit nur verschlimmern mußte. Diese Tatsache ist in Schweden nur kürzlich 
zum Bewußtsein gekommen (Rancken). 

Die Methode der Nervenfriktionen und Vibrationen in ihrer heutigen Form 
haben wir dem Henrik Kellgren zu verdanken. Kellgren sah ein, daß der 
mechanische Nervenreiz — welcher ein außerordentlich wertvolles Mittel in der 
Bekämpfung von Krankheiten war — auf eine solche Art ausgeübt werden mußte, 
daß er nie die so leicht folgenden Nachteile des Nervendrucks zur Folge haben 
durfte. Er entdeckte die Methode von Nervenfriktionen, die diese Bedingungen 
erfüllte, und hat sowohl Technik wie Applikation ausgearbeitet. Und wir haben 
den Beweis, daß Kellgren diese Manipulationen im Anfang der siebziger Jahre 
häufig gebrauchte. Zu gleicher Zeit hat er die bis zu jener Zeit wenig gebrauchten 
Nervenvibrationen verbessert und neue Technik dafür gefunden. Da ich mich aber 
nur mit nerverregenden Manipulationen jetzt beschäftige, lasse ich dieses bei Seite. 

Diagnostik und physiologische Pathologie. Wenn man die Anamnese von 
Atonie des Mastdarms macht, muß das Stadium der Sensibilität der mit dem Mast¬ 
darm physiologisch verbundenen Nerven untersucht werden. Diese Nerven sind: 

1. Ganglion coccygeum, 

2. Nervus coccygeus,' 

3. Nervi sacrales posteriores, 

4. Nervus pudendus und seine Äste, 

5. Plexus hypogastricus und seine Stränge, 

6. sensorische Nerven der inneren Schleimhaut des Mastdarms. 

Die Untersuchung ist am besten durch Nervenfriktionen auszuüben, doch 
können andere Maßregeln manchmal gebraucht werden — wie z. B. Beklopfung der 
Kreuzgegend — als Mittel zur Erkennung der sensorischen Reaktion. Die 
Technik dieser Manipulationen werde ich später besprechen. 

Bei gesunden Menschen findet man, daß die obenerwähnten Manipulationen 
eine gewisse sensorische Reaktion zur Folge haben. Was das Ganglion coccygeum 
und den Nervus perinealis betrifft, ist der durch die Friktion hervorgerufene Schmerz 
ganz intensiv, so daß es in den meisten Fällen kaum möglich ist, eine solche 
Friktion anzuwenden. Dies ist nicht nur dadurch bedingt, daß die sensorischen 
Nerven des Perineum zu empfindlich sind, sondern auch, daß die perinealen Gewebe 
zu widerstandsfähig sind, um dem Finger zu erlauben, das Ganglion coccygeum 
zu erreichen. 

Bei Menschen, die an Atonie des Mastdarms leiden, findet man im Gegenteil 
beinahe immer eine Herabsetzung der Sensibilität in allen oder beinahe allen mit 


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Die lokale manuelle Nervenbehandlung usw. 


77 


dem Mastdarm physiologisch verbundenen Nerven. Diese Herabsetzung kann voll¬ 
kommene Anästhesie zur Folge haben. Was das Ganglion coccygeum und den 
Nervus perinealis betrifft, findet man, daß die Hautnerven des Perineums sehr un¬ 
empfindlich sind und daß die Gewebe des Perineums so schlaff und weich sind, 
daß man ohne Schwierigkeiten Friktionen auf diese Nerven ausüben kann. Dieses 
habe ich in mehreren hundert Fällen beobachtet. 

Der Grad der Unempfindlichkeit der Nerven wechselt aufs genauste mit dem 
Grad der Atonie in der Muskulatur des Mastdarms, und die täglichen Änderungen 
in der Sensibilität folgen auf das genauste den täglichen Änderungen in der 
Tätigkeit der Muskulatur des Mastdarms. 

Die Ursache dieser Unempfindlichkeit ist schwer festzustelien. Vielleicht ist 
sie primär, vielleicht sekundär zu dem Zustande des Darmes. Wie dies auch sein 
mag, so ist doch die Folge davon, daß der Mastdarm und die damit verbundenen 
Nerven sich gegenseitig auf ungünstige Weise beeinflussen. 

Die Folgen dieser Herabsetzung der Sensibilität sind: 

1. Die sensorischen Reize zum Defäkationszentrum werden vermindert oder 
vernichtet. Infolgedessen wird der Tonus und die Peristaltik vermindert; sehr 
interessant ist es, in dieser Beziehung zu beobachten, daß Bayliß und Starling 
gefunden haben, daß die Applikation von Kokain — eine sensorische Betäubung — 
die Peristaltik gegen Dehnungsreiz vernichtet. 

2. Der Tonus der Rektalmuskulatur wird herabgesetzt. Die mechanische 
Dehnung durch die Kotmassen, die in dem normalen Menschen einen Reiz auf die 
Muskulatur hervorbringt, wird nun wirkungslos, der Mastdarm wird ausgedehnt 
und hierdurch weiter verschlimmert. 

3. Die zentripetalen Nerven und das Zentrum leiden an einer Inaktivitätsatrophie. 
Alles dieses reagiert auf den Tonus der Muskulatur des Mastdarms und schwächt 
die Reaktion zu den zentripetalen sensorischen Reizen. 

Das klinische Bild von den Fällen von der Atonie des Mastdarms, verbunden 
mit der sensorischen Herabsetzung, steht in einer sehr nahen Verbindung mit den 
Folgen der Herabsetzung der Sensibilität und der Muskulatur des Skeletts, wie 
man es entweder an dem Krankenbett bei Fällen von Tabes dorsalis und dergleichen 
oder durch Experiment studieren kann. Die sensorische Leitung ist vermindert 
oder abgebrochen; infolgedessen geraten die Muskeln in einen Zustand von 
Hypotonie; sie werden schlaff und reagieren nicht auf einen mechanischen Reiz. 
Eine viel größere Analogie haben aber diese Fälle mit den in der Tabes dorsalis 
auftretenden Blasen- und Darmsymptomen, ln diesen Fällen ist die sensorische 
Leitung gestört, und Beschwerden in diesen Organen sind die Folge davon. 
Es ist zu bemerken, daß in letzterer Zeit manche Autoren 1 ) die viszeralen Symptome 
von Tabes dorsalis auf Störungen in den sympathischen Fasern zurückzuführen 
versucht haben. 

Therapie. Technik der Nervenfriktionen. Kurz gesagt, wie folgt: Die 
Spitzen von einem, zwei oder drei Fingern, oder vom Daumen mit oder ohne 
Stütze des ersten Fingers, werden leise auf die eine Seite des Nervs aufgelegt. 


*) Ziehen, Ver. Inn. Med., Berlin 19C9, 22. Februar; Connor, Journ. Amer. Med. Ass., 
1910, LV, 1427—1430; Grasset, Le tabes, maladie de la sensibilitß profond, 1909. 


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Edgar F. Cyriax 


Dann wird der Daumen oder der Finger mit einem zunehmendem Pr üek' über den. 
Nerv gezugers. Der Druck muß sofort. •nachgelassen.. werden, sobald man den. 
Nerv '.berührt bat. • Diese' Bewegung muß ziemlich rasch aasgeüH werden — sie 
so» ^-V 2 Sekunde datiern und mehrere Male wiederholt werden — ungefähr 
1-5 mal per Sekunde. Das Nettoresultat dieser Manipulation besteht, darin* daß 
der Nerv mechanisch gereizt wird. Da ich schon mehrere Maie eine genauere 
Beschreibung der Technik in Zeitschriften veröffentlicht habe, brauche ich diesen 

Fig. 38. 


Punkt jetzt nicht weiter za berühren. Die Friktionen auf die obenerwähnten 
Nerven sollen auf tVdgende Weise ausgefhint werden: 

D Dangiicrn coccygentrt Der Patient Hegt auf dein Magen oder auf der 
Seite. Der eiste Finger wird gerade an die Spitze.de« Doccvx gelegt und nach 
oben gedrückt, sö weit .es die perineaien Gewebe erlauben. Wie ich erwähnt habe, 
wird gewöhnlich in Fallen von Atonie. des Mästdarms nicht nur die Sensibilität 
des Ganglion herabgesetzt, sondern es erschlaffen auch die weichen Teils, wodurch 
es - möglich wird, die Spitze des Finger« auf die vordere Seite des Coccyx zu 
legen. . Die Friktionen werden, wenn mhglMh Dm oben nach unten ausgeführt, 
orfer von Seite zu Seite. Wenn die weichen Teils es nicht erlauben, kann der 
Finger zuerst in den Mastdarm eipgefSbD und die -Friktionen auf das Ganglion 
durch die rektale Schleimhaut ausgeführt Werden. Dies ist. aber sehr selten nötig. 

2. Nervuß coccygeus. Der Patient nimmt dieselbe Stellung ein wie, in dev 




Die lokale manuelle Serveniielrnndhuig u$w 


letzten Übung. Entweder wird der Daumen und der erste Finger, mit den Spitzen 
aneinander, oder der Daumen alle io, oder die Spitze des ersten and zweiten 
Finger** aut die hintere Fläche des Ooecyx gesetzt, und die Friktionen' werden 
von Seite zu Seite aitsgeführt. 

3. Nervi sacrales posteriores. Der Patient Siegt aut’ dem Magen. Die Spitzen 
des Daumens und des ersten Fingers, öder die Danmenspifze alleio, werden auf 
die Seite des Nervs gesetzt und die Friktionen von Seite zö Seite ausgeführt. 

Fig, 13, 


4. Nervus pudendus. Der Patient liegt wie. bei dem letzten Falle, a) Die 
Spitze- des Daumens oder die zusaaimengelegten Spitzen des Daumens und erste« 
Fingers fahren auf den Nerv auf der Stelle eine Friktion aus, wo der Nery um 
den Proee&sus spinosus hei-umweßdet {Fig. 18). b) Der Patient liegt, auf der Seite 
mH etwas gebeugtem Hüftgelenk. Die Spitzen des ersten und zweiten Fingers 
werden auf die Seite des Perineums gelegt und dann aufwärts gedrückt, bis sie 
über dem Ramus ascendens liegen. Die Friktluuefi tvejden von oben bis outen 
ausgeführt und treffe« den Nefyüfe peilneaiis, einen großen Ast des Nervus 
pudendus (Fig. 19). 

öe Plexus bypogasti'icus..V Der Patient liegt auf dem Rücken in der liegenden 
oder in ‘ der sogenannte« balblfegeuden Stellung. Die Spitzen von zwei, drei 
oder vier Fingern werden über dasdes Eraüzbeines gesetzt; die 
Hand kann entweder in der Sagie-ialebene- oder in der. Koroualehcoe -gestellt, sein. 










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Edgar F. Cyriax, Die lokale manuelle Nervenbehandlung usw. 


Die Friktionen werden im ersten Falle von oben nach unten, im zweiten Falle 
von Seite zu Seite ausgeführt. 

6. Sensorische Nerven der inneren Schleimhaut des Mastdarms. Die Spitze 
des ersten Fingers wird per anum in den Mastdarm eingeführt und auf der Schleim¬ 
haut werden Friktionen von oben nach nnten oder von Seite zu Seite ausgeführt. 


Die Funktion und die Folgen von mechanischen Reizen des Ganglion coccygeum 
habe ich mit meinem Bruder, Dr. med. Richard Cyriax, untersucht. Wir haben 
gefunden, daß Reizung des ersten Ganglion coccygeum am Hunde durch Induktions¬ 
ströme, nach einer latenten Periode von ungefähr 4 Sekunden, eine Znsammen- 
ziehung der zirkulären Fasern an dem Vereinigungspunkt des absteigenden 
Grimmdarms und des Mastdarms zur Folge hat. Die übrigen Teile des ab¬ 
steigenden Grimmdarms und des Mastdarms scheinen nicht beeinflußt zu sein. 
Zeitweise folgen peristaltische Wellen, die sich abwärts auf den bisher unbeein¬ 
flußten Darm erstrecken. Eine ausführliche Mitteilung über unsere Unter¬ 
suchungen ist in der Zeitschrift für allgemeine Physiologie 1013, Heft 3/4, er¬ 
schienen. 

Diese mechanische Nervenbehandlung, die man täglich mit anderen gym¬ 
nastischen Übungen ausübt, hat eine Herstellung der Sensibilität in die mit dem 
Mastdarm physiologisch verbundenen Nerven zur Folge; dadurch wird der Tonus 
der Muskulatur verbessert, die Ataxie des Mastdarms verschwindet und die 
Muskulatur reagiert auf den Reiz der Füllung des Mastdarms mit Kotmassen 
kurz gesagt, „reöducation“ des Mastdarms ist das Resultat. 

Es ist sehr selten vorgekommen, daß ein Fall von Atonie des Mastdarms 
nicht vollständig geheilt worden wäre. Dieses kann man oft merken bei Fällen, 
die vergebens mit aller Art von Darmmassage ohne mechanische Nervenreizung 
behandelt worden sind, und die Nervenbehandlung, die ich beschrieben habe, hat 
fast immer einen solchen Erfolg, daß ich die Anwendung davon in Fällen der 
chronischen Obstipation aufs höchste empfehlen kann. 


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Erwin Eoehl, Über das Prinzip und die therapeutische Verwendung usw. 


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IV. 

Über das Prinzip und die therapeutische Verwendung 
zweier neuer elektrischer Apparate, des Oscillodors und 

des Undostaten. 1 ) 


Von 


Dr. Erwin Hoehl 

in Chemnitz. 

Die Erfahrung, daß der seit etwa 20 Jahren viel verwandte sinusoidale 
Wechselstrom nicht mehr überall den Anforderungen der Elektrotherapeuten 
genügt, sei es, daß die Periodenzahl und Spannung nicht ansreichend reguliert 
werden konnte, sei es, daß sich eine Art Idiosynkrasie der Kranken gegenüber 
dieser Stromart herausbildete, führten mich vor mehreren Jahren zu Versuchen 
mit anders geformten Wechselströmen. 

Der als Ergebnis dieser Versuche jetzt vorliegende Apparat, Oscillodor, 
besteht aus einem Motor mit feinster Abstufung der Tourenzahl von etwa 50—2000 
in der Minute. Auf die Welle des Motors können Anker verschiedenster Form 
aufgesetzt werden, die sich an einem Magnetsystem vorüberbewegen, dessen 
Schenkel zwei Spulen verschiedener Wicklungszahl tragen. Die rotierenden Anker 
bewirken im Magneten Feldänderungen, die ihrerseits Strom in den Spulen erzeugen, 
von denen er zum Patienten hingeleitet wird, und zwar besteht die Einrichtung, 
diesen Strom von jeder Spule getrennt oder von beiden kombiniert zu entnehmen. 

Da das Magnetsystem auf einem Schlitten mittels feiner Schraube gegen den 
Anker bewegt werden kann, so läßt sich die Intensität durch Regulierung der 
Weite des Luftspaltes zwischen beiden stufenlos von den schwächsten bis zu den 
stärksten Strömen steigern. 

Die Vorteile des Apparates liegen in der Möglichkeit, die mannigfaltigsten 
Knrvenformen zu erzeugen, vor allem solche, die schmerzhafte Reize ausschließen, 
die Tourenzahl der Anker beliebig zu variieren und den Strom jeweils in weiten 
Grenzen auf das Feinste abstufen zu können. 

Die Anwendung geschieht entweder im Zwei- oder Vierzellenbade oder 
mittels Zuführung des Stromes zu Elektroden, die dem zu behandelnden Körperteile 
unmittelbar aufgelegt und dort befestigt werden. 

Die Wirkung der Ströme besteht in rhythmischen Kontraktionen der Muskulatur 
ohne Schmerzempfindung, also in dosierbarer Muskelarbeit. 


') Vortrag, gebalten auf dem IV. internationalen Kongreß für Physiotherapie in Berlin 
am 26.—30. März 1913. 

Zeittcbr. f. pbyslk. o. diit Therapie Bd. XVIII. Heft i. 6 


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Erwin Hoehl, Ober das Prinzip und die therapeutische Verwendung usw. 


Das Indikationsgebiet ist aus diesem Grunde ein ausgedehntes und umfaßt 
die funktionellen Neurosen ebenso, wie die Kreislauf- und Stoffwechselstörungen. 

Besonders günstig war die Beeinflussung atonischer Zustände der quer¬ 
gestreiften und glatten Muskulatur, sowie der chronisch-rheumatischen und-gichtischen 
Veränderungen der Faszien, Nerven und Sehnenscheiden. 

Nach meinen mehr als dreijährigen Erfahrungen eignen sich diese Ströme 
weniger für die Behandlung entarteter Muskulatur. 

Für diese Zwecke habe ich den zweiten Apparat anfertigen lassen, den 
„Undostaten“. 

Der „Undostat“ gestattet, Ströme gleicher Stärke in solche wechselnder 
Stärke umzuwandeln, also mit schwellenden Strömen zu arbeiten, deren Kurven¬ 
form, Periode und Spannung beliebig variiert werden kann. 

Diese Möglichkeiten werden dadurch erreicht, daß ein automatisch bewegter, 
den einen Pol der Stromquelle führender Teil in eine mit dem anderen Pole 
leitend verbundene Kochsalzlösung eintaucht. 

Der bewegliche Teil (Metallstück mit langem Schlitzloch) hat verschiedene 
Form, ist verstellbar und auswechselbar und kann aus verschiedenen Stücken 
zusammengesetzt werden. 

Mit diesem Apparate, der an jeden galvanischen oder Induktionsapparat 
anzuschließen ist, lassen sich rhythmisch an- und abschwellende Ströme erzeugen, 
die mir bei der Behandlung degenerativer Muskel- und Nervenerkrankung wesent¬ 
liche Dienste geleistet haben. 

Für diagnostische Zwecke ist der bewegliche Teil nadelförmig gestaltet 
worden, und der Apparat bietet durch das selbsttätige Ein- und Ausschalten des 
Stromes die Annehmlichkeit, den erregbarsten Punkt mühelos festzuhalten. 


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J. Jacob, Zur mechanischen Sicherung der Diagnose usw. 


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V. 


Zur mechanischen Sicherung der Diagnose und 
mechanischen Behandlung von Herzfehlern. 1 ) 

Von 

Geb. San.-Rat Dr. J. Jacob, 

Kudowa. 


Das systolische Geräusch und die Pulsation der linken oberen vorderen 
Interkostalräume hat so mannigfaltige Ursachen, die Diagnose der Lokalisation 
und der pathologischen Bedeutung derselben ist an Neben- und Folgesymptome 
gebunden, welche uns nicht selten im Stich lassen, insofern sie fehlen, nnd wir 
sind dann gezwungen, die Statistik zn Hilfe zu rufen, welche uns Auskunft gibt 
über die häufige Ursache der Erscheinungen und uns nur eine Wahrscheinlichkeits¬ 
diagnose erlaubt. Es können daher die Bestrebungen nicht ausbleiben, unser 
Erkenntnisvermögen auf diesem Gebiete zu vervollkommnen. 

Noch vor wenigen Jahren machte Meister Leube darauf aufmerksam, daß 
das systolische Geräusch des zweiten linken Interkostalraumes neben Bleichsucht 
und Blutarmut keineswegs immer ein sog. Blutgeräusch ist, sondern eine Insuffizienz 
der Mitralis, die man mit Sicherheit daran erkennen kann, daß gleichzeitig eine 
Insuffizienz der Tricuspidalis entsteht, welche sich zum Teil durch ein systolisches 
Geräusch in ihrer Gegend, weit besser aber durch einen positiven Venenpuls zn 
erkennen gibt. Ich selbst habe an einer chlorotischen kräftigen Person ein 
systolisches Geräusch der Mitralgegend mit Verstärkung des zweiten Pulmonaltons 
erlebt, welches mit der Heilung der Chlorose verschwand, also eine Insuffizienz 
der Mitralklappenmuskeln gewesen war. 

Als Naunym Mitte der 60er Jahre die Tatsache darlegte, daß das systolische 
Mitralgeräusch statt an der Herzspitze sehr oft in der Gegend der Pulmonalarterie 
auftritt, vermehrte er zwar unsere Kenntnis, aber auch die Schwierigkeiten der 
Diagnose. Wir sind zwar gewöhnt, Dank der Statistik, dieses Geräusch schlank¬ 
weg als Mitralinsuffizienz zu betrachten, wenn der zweite Pulmonalton verstärkt 
ist, allein wie oft läßt uns dieses Nebenzeichen im Stich und wir haben dann die 
Wahl, ob wir das Geräusch als ein Blutgeräusch der Mitralgegend oder der 
Pulmonalis oder es als Mitralinsuffizienz oder es als Stenose der Pulmonalis an- 
sehen wollen. Dazu kommt, daß die Stenose der Teilungsstelle der Pulmonalis 
gewöhnlich mit einer Verstärkung des zweiten Pulmonaltones zusammentrifft, be¬ 
sonders wenn der Ductus Botalli offen steht. Doch diese eben dargelegten 


') Vortrag, gehalten auf dem IV. internationalen Kongreß für Physiotherapie in Berlin am 
26.-30. März 1913. 


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J. Jacob 


Schwierigkeiten der Diagnose erinnern mich daran, daß ihre Darstellung sowohl 
für unser Vorstellungsvermögen wie für unser Gedächtnis leichter und erfolg¬ 
reicher sein wird an der Hand von Beispielen, welche zur ausführlichen 
Schilderung gelangen und uns zu gleicher Zeit die Gelegenheit geben werden, 
die Erleichterungen der Diagnose anzuführen, welche ich geben zu können hoffe. 

Ein 19jähriger Primaner präsentierte sich mit der Klage, daß er seit frühester 
Zeit an den Bewegungsspielen seiner Kameraden nicht teilnehmen konnte, weil er zu 
kurzatmig war. Seine Haut und Schleimhäute waren zyanotisch. Pulzfrequenz wechselte 
zwischen 72 und 78, war aber meist 73. Die Atemfrequenz betrug 16—18, das 
Verhältnis war also zwischen R. und P. wie 1 :4.5 und 5, statt 1 :3 — 4 und 
widersprach unseren üblichen Vorstellungen von Atemnot, welche meist mit einer 
Beschleunigung der Atmung und auch des Pulses verbunden ist. Auge und Tastsinn 
ergaben den Herzstoß innerhalb, der Mammillarlinie im 6. Interkostalraum, außerdem 
Pulsation am unteren Ende des Sternums und im 4. und 5. Interkostalraum rechts in 
der Ausdehnung von 4 bzw. 5 cm. Die Auskultation ergab ein starkes systolisches 
Geräusch, welches mehr links als rechts, links bis zur Axillarlinie, rechts handbreit von 
der Mittellinie, oben bis am Halse hörbar war. Am lautesten war es bei sorgsamer 
Prüfung auf der linken Hälfte des Sternums in der Gegend der 3. und 4. Rippe. 
Pulmonaltöne waren nicht zu hören, ebenso kaum Aortentöne, sie waren durch das starke 
Geräusch, welches sich bis in die Zeit des zweiten Tones hinein erstreckte, wie man 
an den weiter unten hörbaren zweiten Tönen erkennen konnte, verdeckt, teils erschienen 
die Töne beider Arterien geschwächt. Wir hatten zweifellos einen nahezu normalgroßen 
linken Ventrikel und einen sehr erweiterten rechten vor uns. Auch machte die Stärke 
der Pulsation des rechten Herzens darauf aufmerksam, daß es sich um Hypertrophie des 
rechten Ventrikels und Stenose der Pulmonalis handeln möge. Da ich jedoch schon bei 
der Mitralinsuffienz Schwächung und Verdeckung des zweiten pulmonalen Tones erlebt 
hatte, so schien die Diagnose noch weiterer Beweise bedürftig. Ein solch langgedehntes 
systolisches Geräusch bedarf einiger erklärender Bemerkungen. Wie der Flug einer 
abgeschossenen Kanonenkugel die Zeit der Einwirkung der Gase überdauert, so kann 
das auch ein systolisches Geräusch, zumal die Systole der Arterie durch Beschleunigung 
des Stroms es auch in der Herzdiastole bewirken kann. Als ein kurzes diastolisches 
Geräusch kann man es nicht betrachten, weil das diastolische Geräusch durch einen kurzen 
Moment der Ruhe oder Abschwächung von dem systolischen getrennt ist und weit hinein 
in die Diastole dauert. Eine fernere Möglichkeit war, daß es sich um ein Aneurysma 
der Pulmonalis handele. Eine Abschwächung des zweiten Tones wäre damit nicht not¬ 
wendigerweise verbunden, aber möglich dadurch, daß ein starkes Geräusch Töne unhörbar 
machen, also auch schwächen kann. Indessen aber würde wohl eine Erweiterung der Pul¬ 
monalis eine Pulsation des 2. Interkostalraumes herbeigeführt haben, indes war auch das 
nicht notwendig und nicht unmittelbar ein Aneurysma ausschließend. Röntgenuntersuchung 
hätte kaum das Aneurysma pulmonale ausschließen können. Denn der Schatten und die 
Pulsation werden auch durch den linken Vorhof gebildet. Die außerordentliche Seltenheit 
dieser beiden Möglichkeiten konnte auch nicht als ein sicherer Beweis ihrer Abwesenheit 
dienen. Ferner war die Möglichkeit gegeben, daß es sich um Ductus Botalli handele, 
wir werden später das Symptombild dieses Zustandes kennen lernen und daraus die 
Unwahrscheinlichkeit dieses Zustandes entnehmen. Es war die Möglichkeit vorhanden, 
daß ein Defekt des septum ventriculorum vorliege. Das von diesem Fehler hervor¬ 
gerufene systolische Geräusch liegt sehr wenig nach unten, entfernt von der Pulmonalis 
und Mitralis und kann darum ganz gleichen Eindruck machen. Nur möchte ich von 
vornherein darauf aufmerksam machen, daß im späteren Leben der linke Ventrikel stärker 
zu sein pflegt als der rechte, und daß darum die Stromrichtung von links nach rechts 
gehen muß und darum mindestens das Geräusch auf beiden Seiten der Mittellinie gleich 
gut hörbar sein wird, indessen zu einer bestimmten Entscheidung über die Ursachen 
dürfte schwer die Möglichkeit gegeben sein. Der linke Ventrikel dürfte zur Dilatation 
und Hypertrophie nicht mehr Ursache haben, als bei der Stenosis Pulmonalis. Dagegen 


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Zur mechanischen Sicherung der Diagnose usw. 


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mußte der rechte Ventrikel sich erweitern und ebenfalls hypertrophieren, also große 
Ähnlichkeit zwischen beiden Zuständen vorhanden sein. Beobachtet worden ist bei den 
durch Sektion bestätigten Fällen meist ein starkes, über das ganze Herz verbreitetes 
systolisches Geräusch. Bei Berührung des rechten Ventrikels mit dem Sternum müßte 
es aber zweifellos auf der rechten Hälfte des Sternums stärker zu hören sein. Das 
macht in unserem Falle diese Deutung unwahrscheinlich. Einmal ist dieser Fehler ohne 
Geräusch beobachtet worden und man hat mit Recht die Ursache darin gesucht, daß 
beide Ventrikel gleich stark hyperthrophisch waren und so gleichen Druck in beiden 
Ventrikeln hervorbrachten und den Übertritt des Blutes aus dem einen in den anderen 
verhinderten; aus demselben Grunde ist das so häufige foramen ovale, der Defekt 
des Septum Atriorum, gewöhnlich ohne Geräusch und ohne erkennbaren Schaden 
für den Besitzer; es pflegt nur dann ein Geräusch einzutreten, wenn ein anderer Fehler 
den Druck in dem einen oder dem anderen Vorhofe einseitig steigert. Es lag aber auch 
noch die Möglichkeit vor, daß ein Aneurysma der Aorta, welche recht oft dabei nach 
links verschoben ist, vorliege, indessen will ich gern zugeben, daß dies bei dem jugend¬ 
lichen Alter und dem Mangel einer Pulsation auch des Interkostalschmerzes am unwahr¬ 
scheinlichsten war. Sehr zweckmäßig blieb es gleichwohl, ein Zeichen zu finden, welches 
Ort und Ursache des Geräusches über allen Zweifel zu stellen imstande war. 

Ich ließ nun den Kranken tiefe forcierte Inspirationen vornehmen; dabei wurde, wie 
das bei jugendlichen Menschen die Regel ist, in der Inspiration der Puls beschleunigt, 
aber durch die außerordentliche Stärke des Inspiriums gleichzeitig geschwächt. Im 
Exspirium wurde der Puls unter die Norm verlangsamt und kräftiger. Im Interspirium 
war die Pulsfrequenz und die Stärke die mittlere. Im Gegensatz zu dem verkleinerten 
Radialpuls wurde das Geräusch im Inspirium so kräftig verstärkt, daß es auch den Mitgliedern 
des Ärztevereins zu Kudowa auffiel, ehe sie darauf aufmerksam gemacht wurden. Nun 
ist es eine der Physiologie und Chirurgie geläufige Erfahrung, daß durch die Inspiration 
der Druck im Pleuraraum bis 30 mm bydrargyrum unter den der Atmosphäre sinkt 
und daß das Blut unter dem höheren Atmosphärendruck mit großer Kraft aus den Körper 
venen in den Brustraum hineinstürzt, daß die Diastole des Herzens vergrößert und die 
Systole verkleinert wird, es wird so das Herz stärker mit Blut gefüllt und die Systole 
des linken Herzens deutlich verkleinert. Die Verstärkung des systolischen Geräusches 
konnte daher unmöglich vom linken Ventrikel bewirkt sein, es konnte daher das Geräusch 
weder von einem Aneurysma der Aorta noch von einer Insuffizenz der Mitralis, noch von 
einem Defekt des Septum Ventriculorum herrühren, denn es hätte unter dem Einfluß des 
forcierten Inspiriums mit der Verkleinerung der Herzsystole schwächer werden müssen. 
Das Foramen ovale ist wohl nicht in ernste Erwägung zu ziehen. Es blieb demnach 
nur ein Geräusch übrig, welches in der Pulmonalis seine Entstehung haben mußte. Es 
konnte sich also um ein Aneurysma der Pulmonalis oder Stenosis, kaum noch um ductus 
Botalli handeln. Wenn man bedenkt, daß der Druck in der Aorta höher ist als in der 
Pulmonalis, und höher sein muß, wenn ein Geräusch durch einen von der Aorta nach 
der Pulmonalis gerichteten Strom entstehen soll, wenn eine Umkehr der Stromesrichtung 
beim Erwachsenen durch verstärkten Puls des rechten Ventrikels nicht, sondern nur 
inspiratorische Schwächung denkbar ist, so konnte das Geräusch des ductus durch eine 
geschwächte Aktion des linken Ventrikels auch nicht verstärkt werden. Ein Pulmonalis 
Aneurysma ist wegen des Alters des Menschen, der mangelnden Pulsation des Interkustal- 
raums und des mangelnden Schmerzes nicht gut annehmbar. In der Breslauer pathologisch¬ 
anatomischen Sammlung fand ich überhaupt nur Aneurysmen in den Verzweigungen der 
Pulmonalis, welche durch phthisische Kavernen entstanden waren. Es bleibt daher nur 
die Annahme einer Stenosis Pulmonalis übrig. 

Zur Erklärung des Verstärkungsgeräusches ist es erforderlich, noch einige Be¬ 
merkungen zu machen. Wie kommt es, daß die Systole des rechten Herzens gleichzeitig 
wirksamer werden und die des linken abnehmen soll, wenn sie beide durch das Inspirium 
gehemmt werden? Tatsächlich muß das Blut in die Pulmonalis mit größerer Kraft als 
sonst befördert w r orden sein. Die Physiologie anerkennt, daß die Inspiration die Lungen¬ 
gefäße erweitert und den Druck sowohl in ihnen als auch im rechten Ventrikel (Talma) 


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8G 


J. Jacob 


absenkt, es wird dadurch tatsächlich ein stärkerer Strom vom rechten nach dem linken 
Herzen erzeugt, der rechte Ventrikel wird stärker gefüllt und kann dem geringeren 
Pulmonalwiderstande gegenüber eine größere Menge Blut mit gleicher Geschwindigkeit 
vorwärts treiben. Einmal oder zweimal ist in der Literatur die spontane inspiratorische 
Verstärkung des pulmonal-stenosen Geräusches vermerkt, ihr aber keine besondere Be¬ 
deutung beigelegt worden. (Siehe Hermann Vierordt, Die angeborenen Herzkrankheiten. 
Wien 1898. Alfred Holder.) Es ist daher die durch Geräusch wahrnehmbare inspira¬ 
torische Verstärkung des Pulmonal-Blutstromes als ein wichtiges Zeichen zur Erkennung 
der Pulmonalis-Erkrankungen wie des rechten Herzens überhaupt und die inspiratorische 
Schwächung des linken Ventrikels als Erkennungszeichen der Erkrankungen des linken 
Ventrikels anzuerkennen und im Auge zu behalten. Dagegen muß das systolische Geräusch 
der Mitral- und Trikuspidal-Insuffizienz, der Stenosis und des Aneurysma Aorta dadurch 
geschwächt werden. Von der Richtigkeit dieser Annahme habe ich mich durch Beobachtung 
der Mitralinsuffizienz überzeugt. Das diastolische Geräusch der Stenosis mitralis und 
trikuspidalis wird hinwiederum verstärkt, was ich für das Mitralostium auch beobachtet habe. 

Es entsteht nun noch die Frage, ob es sich um reine Pulmonal-Stenose oder gleich* 
zeitige Komplikationen und um welche Art der Pulmonal-Stenose es sich handelt. Nach 
dem Ort des Geräusches auf der linken Hälfte des Brustbeins konnte die Stenose im 
Konus liegen, also vor den Klappen. Der Konus ist dann zuweilen erweitert und seine 
Muskelwand hypertrophiert, eine Art selbständiger Ventrikel, ein sogenanntes Cor trilo- 
culare, gefunden worden. Dadurch hätte leicht eine Pulsation am Sternum in unserem 
Falle sich bilden können, davon war aber nichts zu bemerken. Die am unteren Ende 
des Sternums vorhandene Pulsation des Sternums war vielmehr nur auf dem rechten 
Ventrikel und die in dem rechten III. Kostalraum auf den Vorhof zu beziehen. Es 
wurden kohlensaure Bäder genommen und die dadurch bewirkte Verkleinerung des rechten 
Herzens ließ die Pulsation verschwinden. Mit der fortschreitenden Besserung wurden 
die Aortentöne kräftiger und der zweite Pulmonalton wahrnehmbar, also auch das linke 
Herz bedeutend gekräftigt. Ebenso gelang es mir nicht mehr, nach Anwendung der Digitalis 
die Verstärkung des systolischen Geräusches inspiratorisch zu bewirken, jedenfalls weil 
der rechte Ventrikel im Stadium der durch Digitalis bewirkten erhöhten systolischen 
Spannung sich befand und diese mächtiger war als die inspiratorische Entspannung. 
Selbstverständliche Bedingung zur Erzeugung unserer diagnostischen Phänomene ist Gesund¬ 
heit der Atmungsorgane. Eine Stenose der Teilungsstelle der Pulmonalis war durch den 
Mangel der Pulsation und der Verstärkung des zweiten Pulmonaltones ausgeschlossen. 

Wenn wir nun der möglichen Komplikationen gedenken, die bei Entwicklungsfehlern 
besonders häufig sind, so ist das gleichzeitige Vorhandensein der Stenose und des Defektes 
des septum ventriculorum einmal im Leben erkannt worden an einem zweiten unterhalb 
des pulmonalBtenosen Geräusches sich findenden von besonderem Klange. In unserem 
Falle war ein solches zweites Geräusch nicht vorhanden, wir haben auch schon bemerkt, 
daß eine Verstärkung des Defektgeräusches durch Inspiration nicht gut denkbar ist, daß 
vielmehr durch die Schwächung des linken Ventrikels das Septumgeräusch geschwächt 
werden oder selbst bei Absenkung des Drucks im rechten Ventrikel unverändert bleiben 
müßte. Denn dieselbe Kraft ruft in beiden Ventrikeln die gleiche Veränderung hervor, 
ihr gegenseitiges Druckverhältnis muß also dasselbe bleiben. Dem linken Ventrikel wird 
mehr Blut zugeführt, sein Austrieb ebenso viel verringert, natürlich auch in der Richtung 
nach dem rechten Ventrikel wie nach der Aorta. Wieviel der Druck in den Ventrikeln gesenkt 
ist, um so viel dürfte die Triebkraft des linken Ventrikels verringert sein. Was an Blut dem 
linken Ventrikel systolisch durch die Pulmonalgefäße mehr zugeführt wird, dürfte in der 
Diastole aus dem linken in den rechten Ventrikel wieder abfließen, also den systolischen 
Zufluß von der linken Kammer nach der rechten vermindern, dagegen die Systole des rechten 
Ventrikels vermehren. Der Septumdefekt wird darum keine Verstärkung des systolischen 
Geräusches inspiratorisch erfahren und falls er als solches hörbar ist, durch Tonverschieden¬ 
heit oder rechtsseitig gleich gute oder bessere Hörbarkeit noch besser zu unterscheiden sein. 
Aus demselben Grunde haben wir die Komplikationen des ductus Botalli zurückgewiesen. 
Wir können deshalb mit Recht unseren Fall als reine Pulmonal-Stenose betrachten. 


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Zur mechanischen Sicherung der Diagnose usw. 


Eine solche kann in früherer Jugend durch Endokarditis entstanden sein, oder, 
was noch viel wahrscheinlicher, fötalen Ursprungs oder Entwickelungsfehler sein; die 
letztere Annahme ist sicher die richtige, denn unser Patient wurde mit einem zweiten 
Daumen geboren, der außen am Mittelhandköpfchen des gewöhnlichen Daumens ohne 
Gelenkverbindung angeheftet war und alsbald amputiert wurde. 

Wenn das eben abgehandelte Beispiel Züge aufwies, die, wie die normale Puls¬ 
frequenz und Atmung und die Blutarmut der Lungen und darauf beruhende aus¬ 
giebige Inspirationstiefe sämtlichen Erkrankungen des rechten Herzens eigentümlich 
sein müssen, so ist es bedeutungsvoll, eine Beobachtung anzuschließen, welche 
trotz ihrer individuellen Unterscheidbarkeit Züge aufweist, die für sämtliche Er¬ 
krankungen des linken Herzens Gültigkeit haben und die von denen des rechten 
Herzens sich unterscheiden, eine Beobachtung, die noch nirgends angemerkt worden ist. 

Ein Mädchen von 8 3 / 4 Jahren wurde mir vorgestellt, weil es unter Husten¬ 
erscheinungen augenblicklich hochgradig kurzatmig geworden war, ihre Haut- und Schleim¬ 
häute waren zyanotisch, R. 38, Pulzfrequenz 96, die Atmung kurz und flach, Puls 
weich und klein, Karotidenpuls weich, auf leichten Druck fühlbares Schwirren. Sicht¬ 
bares Pulsieren des 1. und 2. Interkostalraumes links in der Breite von 5,5 cm. Der 

2. oder 3. dieses sichtbaren Pulses verschwindet mit dem Inspirium; dieser Interkostal¬ 
puls ist zwar fühlbar, aber sehr weich, wie ein Venenpuls, nur länger andauernd; wenn 
er, wie man denken könnte, dem linken Herzohr angehörte, so müßte er weiter nach 
außen liegen, wäre es die Pulmonalis selbst, so würde er nur im 2. Interkostalraum auf- 
treten; die flach aufgelegte Hand fühlt an derselben Stelle und in der fossa supraclavicularis 
sin. ein starkes Schwirren, welches auch beim Verschwinden des Pulses gleich stark 
ist. Mammilla 6 cm links von der Medianlinie, Herzstoß im 4. Interkostalraum, auch im 

3. Interkostalraum bis 3 cm links von der Mammillarlinie fühlbar, herzsystolische Einziehung 
des 5. Interkostalraumes unterhalb der Herzspitze, absolute Dämpfung im 2. und 1. Inter¬ 
kostalraum zuerst 4, dann 2 1 ) cm links von der Sternallinie, relativ zuerst 5, dann 3*) cm; 
im 3. Interkostalraum links relative Herzdämpfung 4,5 cm, unten 10 cm links von der 
Medianlinie, 4 cm rechts von der Medianlinie; es war also Dilatation beider Ventrikel 
vorhanden; gehört wurde ein starkes systolisches Geräusch von brummendem baßähnlichem 
Klange (von Höhe des kleinen c), am stärksten im 2. Interkostalraum links/ Demnächst 
stark im 1. Interkostalraum und in der fossa supraclavicularis sin., etwas weniger stark 
über dem Herzen und beiden großen Schlagadern und in den Halsarterien; rechts von 
der Mittellinie über der Aorta ein um eine Oktave und eine Terz (eingestrichenes e) 
höheres diastolisches Sausen, was aber an der rechten jugularis nicht hörbar ist. Gefä߬ 
töne waren über den üblichen Orten nicht hörbar. Das starke systolische Geräusch war 
auch am Rücken hörbar, die linke Radialis fadendünn und die linke Karotis schwächer 
als die rechte. Das hohe tönende Geräusch, das früher nur in der Diastole über der 
Aorta gehört wurde, weil das starke systolische Geräusch es übertönte, war später 1 ) in der 
Systole hörbar und zwar stärker in der Systole als in der Diastole und über der Pulmo¬ 
nalis als diastolisch von dem systolischen unterscheidbar, offenbar war es früher links 
wegen Betäubung des Ohres durch das voran gegangene starke Geräusch der Wahrnehmung 
entzogen. Später wurde auch der 2. Pulmonalton hörbar, dieser, der Carl Gerhardtsche 
Dämpfungsstreifen oberhalb im Anschluß an den linken Ventrikel, die Dilatation beider Ven¬ 
trikel, das bis in die Karotiden fortgepflanzte systolische Geräusch des 2. Interkostalraumes 
und das systolische Schwirren, sind die bisherigen klassischen Zeichen des ductus Botalli. 

Die von uns wahrgenommene sichtbare Pulsation des ductus und der 
arteria pulmonalis scheint ein selteneres Zeichen zu sein, denn es ist in der 
Darstellung von H. Vierordt nicht erwähnt. Das inspiratorische Verschwinden 
dieses sichtbaren Pulses entspricht der inspiratorischen Verstärkung des systoli- 

*) Anmerkung: nach eingetroffener Besserung. 


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J. Jacob 


sehen Pulmonal-Stenosen-Geräusches; es entsteht, wie dieses, durch die Er¬ 
weiterung der Lungengefäße und ist charakteristisch und beweisend für den 
ductus Botalli. Daß es bei einer Erweiterung der Pulmonalis vorkommt, ist 
denkbar, doch aber noch nicht beobachtet. Ebenso ist das inspiratorische Ver¬ 
schwinden des aneurysmatischen Pulses der Aorta noch nicht beobachtet worden, 
obwohl er zweifellos geschwächt werden kann. Eine fernere Merkwürdigkeit 
war, daß der Puls im 1. Intel kostalraume stärker war als im 2., dagegen das 
Geräusch im 2. Interkostalraume stärker war als im 1., das entspricht der Tat¬ 
sache, das der Ductus am Aortenende, der Gegend des höheren Drucks weiter zu 
sein pflegt als am Pulmonalende; es muß daher der Preßstrahl in der Pulmonalis 
seine hörbarste Wirkung erhalten. Ein Aneurysma der Aorta ist außerdem noch 
ausgeschlossen durch das Fehlen des Kalandrellischen Zeichens, d. h. der ab¬ 
wärts gerichteten Pulsation des Larynx und durch den Mangel der linksseitigen 
Rekurrenslähmung, das Pulmonalstenosen-Geräusch durch die Abwesenheit der 
inspiratorischen Verstärkung. 

In einigen Beispielen des Ductus ist auch diastolisches Geräusch bemerkt, 
wie in dem unsrigen, diesem jedoch kein anderer Charakter zugeschrieben, wie 
dem unsrigen. Daß der Druck in der Aorta auch in der Herzdiastole größer ist 
als in der Pulmonalis, ist selbstverständlich; es kann daher auch ein diastolisches 
dadurch entstehen. Dieses müßte an der Pulmonalstelle am stärksten sein, da¬ 
gegen war es in unserem Falle über der Aorta deutlicher zu hören, vermutlich, 
weil das Ohr hier nicht durch das vergangene starke Pulmonalgeräusch für das 
diastolische unempfänglicher geworden war; ferner hatte das systolisch-diastolische 
Aortengeräusch eine andere Tonfarbe als das systolische der Pulmonalis und 
beide waren dort stärker zu hören als an der Pulmonalstelle. Dazu kommt, daß 
die linke Carotis und Radialis erheblich schwächer sind als die rechte, es ist die 
Annahme daher sehr begründet, daß der gewöhnlich in der Nähe des Ductus 
liegende Isthmus der Aorta innerhalb der linken Carotis und Subclavia gelegen 
(so fand ich die Situation einmal unter sechs neugeborenen Leichen) und eng 
genug war, um ein selbständiges Geräusch hervorzubringen, das durch erhöhte 
Spannung in der Aortenwurzel sich auch in der Herzdiastole geltend macht. Wir 
können daher sagen, duß unser Fall zu den selteneren reinen Ductusfällen ge¬ 
hört, welche nur durch den sehr häufig vorhandenen Isthmus Aortae ein wenig 
modifiziert war. Möglicherweise ist zuweilen das dem Ductus zugeschriebene 
diastolische Geräusch auf diesem Wege entstanden. Einige Male ist auch 
inspiratorische Verstärkung des systolischen Ductusgeräusches angeblich beob¬ 
achtet worden, das müßte aber eine sehr kleine Pulmonalöffnung des Ductus ge¬ 
wesen sein, welche zu keiner Blutüberfüllung der Lunge geführt und damit eine 
ausgiebige Erweiterung der Lunge gestattet hätte. Jedenfalls ist für hinlänglich 
weiten Ductus die Überfüllung der Lunge mit Blut und eine häufige flache 
Atmung unvermeidlich, welche nicht imstande ist, das Pulmonalgeräusch zu ver¬ 
stärken. In einem Falle von Renvers und C. Gerhard fehlte das Geräusch 
bei allseitig sehr weitem Ductus, was beim Fehlen eines Preßstrahles und geringer 
Energie des linken Ventrikels verständlich ist. Es bleibt für ausgesprochene Fälle 
von Stenose der Pulmonalis die inspiratorische Verstärkung des Geräusches 
charakteristisch. Die Überfüllung der Lunge mit Blut bis zum Lungenödem ist 


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Zur mechanischen Sicherung der Diagnose usw. 


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uns für die Mitralfehler sehr geläufig, sie ist auch für alle Fälle der Muskel¬ 
schwäche des linken Ventrikels, also auch die Aortenfehler, in Gültigkeit, ist 
also ein gemeinschaftliches Zeichen aller Fehler des linken Herzens und was ich 
noch nicht in einer klinischen Darstellung bemerkt gefunden habe, notwendiger¬ 
weise mit häufigen flachen Atmungen vereinigt. 

Beim Fötus ist die Lunge zusammengefaltet und der Lungenblutlauf größten¬ 
teils ausgeschlossen. Mit der Entfaltung der Lunge durch die erste Atmung wird 
das Blut in die Lunge gesogen, von der Aorta abgewendet und der Ductus ge¬ 
wöhnlich geschlossen, bevor das linke Herz stark genug geworden ist, um den 
Blutstrom umzukehren, d. h. aus der Aorta in die Pulmonalis zu treiben. Wir 
müssen es darum natürlich finden, daß Inspiration den Lungenblutlauf begünstigt 
nnd Exspiration den Blutgehalt der Lunge vermindert. V. Basch hat zuerst ge¬ 
zeigt, daß Überfüllung der Lunge mit Blut die Exkursionsfähigkeit derselben ver¬ 
mindert und diesen Zustand als Lungenstarre bezeichnet. Der Luftraum der 
Lunge ist wohl dabei konstant vergrößert, aber nicht von wesentlichem Nutzen 
für den Gasaustausch. Die Folge sind jedenfalls die häufigen und flachen 
Respirationen, ein Zustand, der allen linksseitigen Insuffizienzen des Herzens 
gemeinsam sein muß und im vollkommenen Gegensatz steht zu der Insuffizienz 
des rechten Herzens, welche die Lungen mangelhaft mit Blut füllt und scheinbar 
normale Frequenz durch Vertiefung der Respiration gestattet. Ich habe es sogar 
erlebt, daß Mitralfehler nach eingetretener Tricuspidalinsuffizienz eine langsamere 
tiefere Atmung zeigten als zuvor. Die Pulsfrequenz scheint sich ähnlich zu ver¬ 
halten. Des ungeachtet sind die Kranken für erhebliche Muskelarbeit kurzatmig, 
weil die Lungenzirkulation des Blutes dem Gasaustausch nicht genügt. Es er¬ 
weitern sich hier viel eher die Körpervenen und machen die Cyanose zu 
einem häufigen Vorkommnis der angeborenen Herzfehler, was bei 
linksseitigen Fehlern, den postfötalen, ziemlich selten ist, eine Be¬ 
merkung, die mir in der Literatur noch nicht begegnet ist. 

Was nun die Therapie anlangt, so ergibt sich für die Fehler des rechten 
Herzens als ganz selbstverständlich, daß eine vernünftige Verstärkung der 
Inspiration ebensowohl zulässig, als therapeutisch heilsam ist. Natürlich darf sie 
nicht bis zu dem Grade gesteigert werden, daß die Aktion des linken Ventrikels 
dadurch gehemmt wird. Künstliche Steigerung der Exspiration würde noch allen¬ 
falls nicht nur den Ausgleich der Hemmung, sondern auch das Fortbestehen der 
Wirksamkeit der Inspiration ermöglichen. Bei Überfüllung des Lungenblutlaufs 
muß sich dagegen die Verstärkung der Exspiration vorteilhaft erweisen. Dies 
kann sowohl willkürlich durch das kranke Individuum ausgeführt, als auch viel 
bequemer durch fremde Hand bewirkt werden. 

Am zweckmäßigsten ist es, daß die fremde Hilfskraft die Hände zu beiden 
Seiten der unteren Toraxhälfte anlegt und in dem von dem Kranken inne¬ 
gehaltenen Atmungsrhythmus die Exspiration durch Druck verstärkt. Bei unserem 
kleinen Individuum stellte sich dabei eine bedeutende Verstärkung des Radial¬ 
pulses ein, die auch nachher noch einige Zeit anhielt, ebenso wurde die Atmung 
nachträglich etwas tiefer und langsamer. Auffallend war, daß dabei auch der 
Ductuspuls gänzlich verschwand, an dessen Stelle trat eine leichte konstante 
Hervorwölbung der zugehörigen Interkostalräume. Da ich die Manipulationen 


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J. Jacob, Zur mechanischen Sicherung der Diagnose usw. 


selbst machte, so war es mir nicht gut möglich, das Verhalten des Geräusches 
gleichzeitig zu kontrollieren; wahrscheinlich ist es sehr geschwächt worden. Es 
ist klar, daß durch wirksamere Aktion des linken Ventrikels die Lungen blut¬ 
leerer werden müssen, daß der Luftwechsel der Lungen exspiratorisch vergrößert 
werden muß, ohne die ansaugende Kraft der Inspiration zu verstärken. Die 
Lunge mußte dadurch kleiner und die Lungengefäße enger uud der Eintritt des 
Aortenblutes in die Lungen erschwert werden. Das Verschwinden des Ductus¬ 
pulses machte den Eindruck, als ob er selbst komprimiert oder abgeknickt und 
dadurch das Eindringen des Aortenpulses verhindert würde. Wahrscheinlich wurde 
durch die Verstärkung der Exspiration [und die damit verbundene Verengerung 
der Lungengefäße der Druck im Ductus gleich dem der pulsierenden Aorta, der 
Ductus auch retrograd überfüllt und das Eindringen des Aortenpulses verhindert oder 
unmerklich klein gemacht. Allmählich hatte sich auch der gedehnte Ductus erheb¬ 
lich verkleinert. Jedenfalls befand sich das Kind danach immer viel wohler, die Blau¬ 
sucht wurde allmählich geringer, andere als katarrhalische Heilmittel wurden nicht 
angewendet, auf kohlensaure Bäder mußte der Kosten wegen verzichtet werden; im 
Laufe eines Jahres wurde das Kind viel leistungsfähiger, der Ductuspuls war nicht 
mehr zu sehen und nur bei tiefen Eindrücken der Finger schwach zu fühlen. 

Als ich, 2'U Jahr nach der letzten Untersuchung, die Kranke wiedersah, war sie 
inzwischen zehn Jahre alt geworden und der Zustand nicht unerheblich verändert. Die 
frühere Zyanose war nur noch in einer dunkleren Färbung der Wangen und Lippenröte 
zu erkennen. Die sichtbare Pulsation der ersten beiden linken oberen Interkostalräume 
war unsichtbar, aber deutlich und kräftig zu fühlen. Der Spitzenstoß reichte nicht nur 
in den 4., sondern auch in den 5. Interkostalraum und war 1 cm weiter nach außen 
gewandert. Das rechte Herz machte sich durch leichte Pulsation des unteren Endes des 
Sternum bemerkbar. Die Hypertrophie bzw. Dilatation beider Ventrikel hatte zugenommen. 
Das Kind war im ganzen bedeutend leistungsfähiger, mußte von dem entlegenen Felde, 
wo es arbeitete, herbeigeholt werden. 

Der weiche, keineswegs kleine, Puls schwankte zwischen 84 und 90, die Respiration 
zwischen 24 und 30. Sie konnte mit Leichtigkeit willkürlich die Respiration vertiefen 
und verlangsamen. Es war jedoch keine inspiratorische Verstärkung des systolischen 
Geräusches wahrnehmbar, aber eine Schwächung desselben durch verstärkte Expiration. 
Das diastolische Geräusch war links vollständig verschwunden, aber im ersten und zweiten 
Interkostalraum rechts weithin als ein tonloses Sausen wahrnehmbar. Das tiefe rauhe 
systolische Geräusch des zweiten linken Interkostalraums war in der linken Karotis lauter 
als in der rechten hörbar, dagegen im 1. Interkostalraum links noch recht stark, so daß 
das hochtönende systolische Geräusch der Aorta dort verdeckt wurde. Bemerkenswert 
war, daß auch eine relative Dämpfung der rechten oberen Interkostalräume deutlich 
wahrnehmbar war und den Eindruck machte, daß die Erweiterung der Aortenwurzel 
nicht unerhehlich zugenommen hatte. Der zweite Pulmonalton war verstärkt, wenn auch 
von dem verlängerten systolischen Geräusch begleitet. Das diastolische Sausen ließ 
rechts den zweiten Aortenton sehr deutlich wahrnehmen, wie an der Herzspitze. Das 
diastolische Sausen in der Aortengegend war auf dem Sternum in Höhe des 3. Inter¬ 
kostalraums, nicht aber an der Herzspitze, wahrnehmbar. Man könnte versucht w r erden 
anzunehmen, daß eine leichte Insuffizienz der Aorta sich gebildet hätte, jedoch spricht 
der Umstand dagegen, daß das Geräusch in dem ersten Interkostalraum am stärksten 
war. Man hört das Insuffizienzgeräusch gewöhnlich am unteren Ende des Sternum am 
lautesten. Ich nehme daher an, daß die Stenose des Isthmus der Aorta sowohl das 
systolische als das diastolische Geräusch der Aorta hervorbringt und durch Erweiterung 
der Stenose so geschwächt ist, daß man es links nicht mehr hört, zumal die Aorta dort 
über den linken Bronchus an der hinteren Wand des Thorax in die Tiefe steigt. 


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A. Landeker, Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage usw. 91 


Kehren wir nun zur Therapie zurück. So habe ich durch Verstärkung der Exspi¬ 
ration einige Male bei Angstzuständen, welche den Eindruck der Atembeklemmung 
machten und auf Sklerose der Aorta und Dilatation des Herzens beruhten, den 
dadurch gestörten Schlaf wieder herbeigeführt. Es dürfte sich diese Methode über¬ 
haupt für Dilatation des linken Herzens vorteilhaft erweisen und die von Reyher 
und anderen geübte Massage des Herzens hat keine andere Bedeutung, als daß 
das Herz komprimiert und seine Systole befördert wird. Auch die von Obertel 
empfohlene willkürlich stoßweise verstärkte Exspiration hat keine andere Bedeutung. 


VI. 

Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen 
Massage nach Thure Brandt-Ziegenspeck. 1 ) 

Von 

Dr. A. Landeker, 

Frauenarzt, Berlin-Charlottenburg. 

Auf allen Gebieten menschlichen Strebens, theoretischer Forschung und 
praktischer Betätigung, wogt unentwegt der heiße Kampf zwischen Konservativismus 
und Radikalismus, und in eben dem Maße, als eine der beiden Richtungen die 
Oberhand gewonnen hat, tritt immer wieder das kleine Häuflein der Minorität 
kampfesmutig und überzeugungstreu für seine als richtig erkannten Ziele und 
Ideale ein. Auch der Geschichtsschreiber der Gynäkologie kann von dem wechsel¬ 
vollen Kampfe der beiden extremen Richtungen gar manches berichten. 

In letzter Zeit nun haben die ins Auge springenden Erfolge einer verfeinerten 
chirurgischen Technik, unterstützt durch die Segnungen einer peinlichen Asepsis 
und Antisepsis, wie in anderen medizinischen Gebieten, so auch in der Gynäkologie 
eine aktivere operative Aera eingeleitet, aber der Grundgedanke dieser operativen 
Bewegung, den Krankheitsherd und damit die Krankheit zu beseitigen, mußte, 
besonders bei laxer Indikationsstellung, bald zu unausbleiblichen Enttäuschungen 
führen, durch die Verschlimmerung oder doch durch das Fortbestehen von Krank¬ 
heitssymptomen, die man endgültig für beseitigt hielt. Und wenn auch heute noch 
die operative Richtung in der Gynäkologie die Mehrheit, besonders der Jugend, 
für sich hat, so fehlt es doch nicht an gewichtigen Stimmen, welche gegen diese 
operative, in ihren Erfolgen oft sehr zweifelhafte Polypragmasie Front machen 
und gern wieder auf Methoden zurückgreifen wollen, welche zwar von den Aus¬ 
übenden Geduld, Vorsicht und Selbstverleugnung verlangen, ihren Wert und ihre 
innere Berechtigung aber durch die große Zahl ihrer unbestreitbaren, unblutig 
errungenen Dauererfolge dokumentieren. 

Eine dieser alterprobten konservativen Methoden ist die manuelle gynäkologische 

l ) Vortrag, gehalten auf dem IV. internationalen Kongreß für Physiotherapie in Berlin am 
26.-30. März 1913. 


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A. Landeker 


Massage, die sowohl nach der Zahl ihrer Erfolge, wie nach der großen Ausdehnung 
ihres Indikationsgebietes, in dem Rüstschatz der konservativen gynäkologischen 
Therapie an allererster Stelle steht, vor allem natürlich in der Hand erprobter 
und erfahrener Ärzte, deren Erfahrung sie berechtigt, in der Diagnose durch 
unermüdliche Weitei bildung an sich selbst ebenso selbstsicher zu sein, wie sie bei 
der Dosierung des Druckes, bei der allmählichen Steigerung von Dauer und Stärke, 
sich auf ihr erprobtes Feingefühl verlassen können. Die Mißerfolge des einzelnen 
sind nicht der Methode zur Last zu legen, sondern dem sie ausübenden, ungenügend 
vorgebildeten Arzte; denn es ist einleuchtend, daß Dilettanten der Methode immer 
wieder die Erfahrung machen mußten, daß es nicht genügt, an jeder Hand 
fünf Finger zu haben, um Erfolge zu erzielen, sondern daß man außerdem Geist 
und Wesen der Methode kennen und sich einer Lehrzeit unterziehen muß, daß 
aber vor allem gewisse physische Fähigkeiten der Hand, besonders ein bis an die 
Grenze des Möglichen entwickelter Tastsinn, viel zu den erwarteten Erfolgen 
beiträgt. 

Die manuelle frauenärztliche Massage ist in Laienkreisen ebenso wie in 
Ärztekreisen mit dem Namen ihres Erfinders Thure Brandt verknüpft. Dieser, 
zwar nur ein Laie, in seiner Eigenschaft als schwedischer Offizier Lehrer der 
Gymnastik am Königlichen Zentralinstitut in Stockholm, hatte es verstanden, ledig¬ 
lich dank seiner unbestreitbaren, empirisch errungenen Erfolge und seiner hoch¬ 
achtbaren Wahrheitsliebe, besonders auch durch seine bis ins kleinste exakte Per¬ 
sönlichkeit, seine Methode in den Augen vieler Ärzte zu Ehren zu bringen. Ge¬ 
heimrat Schulze in Jena gebührt vor allem das Verdienst, neben Professor 
Schauta in Wien, mit seiner ganzen wissenschaftlichen Bedeutung für den unbe¬ 
streitbaren Wert der damals neuen Methode mit warmem, überzeugungstreuen 
Interesse eingetreten zu sein, und so waren es vor allem auch die Assistenten 
Schulzes: Skutsch, Küstner, Ziegenspeck, die an dem Ausbau der Methode 
weiterarbeiteten. 

Weitaus am bedeutendsten unter diesen auf dem Gebiet der frauenärztlichen 
Massage ist der Münchener Dozent Robert Ziegenspeck, der Gelegenheit nahm, 
die Methode selbst unter Anleitung Thure Brandts in vielmonatlicher Tätigkeit 
zu studieren. Vor allem aber gebührt ihm das Verdienst, die alten Brandtschen 
Lehren, die auf mangelhaften oder fehlerhaften Kenntnissen der Anatomie und 
Pathologie des weiblichen Genitale beruhten, auf Grund seiner pathologischen 
Untersuchungen und klinischen Erfahrungen, die er sich außer an der Schulze¬ 
schen Klinik auch noch am Krankenhaus Friedrichshain in Berlin gesammelt hatte, 
und deren Frucht grundlegende und heute noch nicht überholte Lehren von der 
Ätiologie, Genese und Symptomatologie der Retroflexion und des Prolapses waren, 
in moderne, streng wissenschaftliche Formen gebracht und diese Ergebnisse seiner 
wissenschaftlichen Forschung für den Ausbau der Massage verwertet zu haben. 
Es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen den durch Prießnitz und Kneipp 
angebahnten Pfaden der Hydrotherapie und dem wissenschaftlichen Ausbau durch 
methodisch denkende und forschende Ärzte. Die wahllose und mechanische An¬ 
wendung eines Heilmittels für alle Leiden ist durch die moderne Wissenschaft 
dieses Zweiges der Physiotherapie modifiziert und nach bestimmten Indikations¬ 
gebieten festgelegt worden. Dasselbe Verdienst auf dem Gebiet der gynäkologi- 


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Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage usw. 


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sehen Massage darf Ziegenspeck für sich in Anspruch nehmen und man darf 
deshalb heute mit Recht von einer gynäkologischen Massage nach Ziegenspeck 
sprechen, wie sie auch vor Jahren Brandt selbst, Jentzer in Genf und Geheim¬ 
rat Olshausen als solche bezeichnet haben. 

Diese moderne frauenärztliche Massage, wie ich sie als Privat assistent und 
Leiter des poliklinischen Ambulatoriums von Ziegenspeck kennen und schätzen 
gelernt habe, bildet den Ausgangspunkt der folgenden Ausführungen. 

Zuerst dürfte es nun von Interesse sein, zu untersuchen, wodurch sich diese 
moderne Ziegenspecksche Methode der manuellen frauenärztlichen Massage von 
der ursprünglichen Originalmethode Thure Brandts unterscheidet. Wenn auch 
die Handgriffe ähnliche sind, so ist doch der ganze Gedankengang, also Wesen 
und Geist der Methode, die Ziegenspeck und seiner Schule zu deren häufiger 
Anwendung Gelegenheit geben, von den Ansichten Thure Brandts völlig ver¬ 
schieden. Der Heilgymnast Thure Brandt war eifrig beflissen, Heilgymnastik 
der erschlafften Mutterbänder durchzuführen und alle seine Massagemanipulationen, 
seine Hebungen und Lüftungen dienten diesem Zweck. Glaubte er doch, daß es 
sich bei der Dehnung um eine Widerstandsbewegung, also Heilgymnastik eines 
erschlafften Bandes handle. Der Umstand, daß immer das verkürzte Parametrium 
das kranke ist, entging seiner Aufmerksamkeit und seinem Verständnis. Er wollte 
ferner, entsprechend den Lehren, auf denen die alte schwedische Heilgymnastik 
aufgebaut war, Innervation und Nutrition zuführen, vitalisieren (namentlich durch 
Drückung der Nervenstämme), moderieren und die zentripetale Zirkulation unter¬ 
stützen (durch passive Rollbewegungen). Er begnügte sich deshalb auch nicht 
mit der Massage der Genitalorgane, sondern gab eine große Anzahl heilgym¬ 
nastische Bewegungen an zur Unterstützung seiner Lokalbehandlung. Dabei war 
er überzeugter Mesmerianer. Zwischen 1864 und 1884 ist seine Broschüre „Nou- 
velle methode gymnastique et magnötique pour le traitement des Organes du 
bassin“ entstanden. Auf diesem Standpunkt ist er stehengeblieben. Er besaß 
den positiven Magnetismus der Gesundheit, und konnte durch Handauflegen den 
negativen Magnetismus der Krankheit herausziehen. Dabei blieb er. 

Wie ganz anders erscheint die Methode Ziegenspecks, die trotz aller 
Verschiedenheit sich auf die alte Methode Thure Brandts auf baut. In müh¬ 
samen Untersuchungen des Jahres 1886/87 am Krankenhaus Friedrichshain hatte 
Ziegenspeck die pathologische Anatomie der Parametritis studiert und zwar an 
denselben Fällen, an welchen dieser Befund vorher in viva erhoben worden, und 
so war er vielleicht einer der ersten in der Gynäkologie, der ziel- und zweck¬ 
bewußt in mühseligen Untersuchungen und Leichenexperimenten die Symptomato¬ 
logie einer Krankheit mit der pathologischen Anatomie in Einklang zu bringen 
versucht hatte, um darauf fußend eine methodische und ätiologische Therapie auf¬ 
zubauen. In einer mehr denn 25jährig^n gynäkologischen Tätigkeit hatte er dann 
Gelegenheit, an dem reichlich aus allen Bevölkerungsschichten ihm zufließenden 
gynäkologischen Material seine damaligen Anschauungen bestätigt zu finden. Des¬ 
halb ist auch die von ihm geübte Massage als die logische Fortsetzung seiner 
wissenschaftlichen Studien aufzufassen. Dabei hat er gar bald erkannt, daß 
die Originalmethode Thure Brandts für die breiten Schichten zu langwierig 
und umständlich sei, wie er auch sehr bald die Entbehrlichkeit der Hand- 


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A. Landeker 


gymnastik als Unterstützung der Massage nachweisen konnte. Die lange Dauer 
der Massagekur kürzte er dann dadurch um die Hälfte oder noch mehr ab, daß 
er auch hier ätiologisch vorging und eben nur das behandelte und zwar richtig 
behandelte, was krank war, da er sich überzeugt hatte, daß nicht Erschlaffung 
der Mutterbänder, wie Brandt annahm, die Ursache z. B. der Retroflexion dar¬ 
stellte, sondern daß vielmehr die parametritische Schrumpfung in Gemeinschaft mit 
der Endometritis als deren Ursache anzusprechen war, und daß es sich meistens 
bei derselben um die Fixation des Corpus nach hinten und oben oder der Cervix 
nach vorn und unten handle. Damit war der Weg zur Heilung in einfacher und 
logischer Weise gegeben. Um diesen ganzen Weg klar und deutlich vor uns zu 
sehen, mag es uns erlaubt sein, an dem Beispiel der chronischen Parametritis im 
Hinblick auf den exakten Ausbau der Symptomatologie und Pathogenese den Wert 
und die Bedeutung der therapeutischen Grundlinien im Sinne Ziegenspecks zu 
verfolgen. 

Die chronische Parametritis wird nach Ziegenspeck durch vier Haupt¬ 
symptome charakterisiert, welche, nach der Häufigkeit ihres Auftretens geordnet, 
in Schmerz, Hartleibigkeit, einem Gefühl der Schwere (Drängen nach unten) und 
Harndrang bestehen. 

Der Schmerz ist lokalisiert oder vorwiegend auf der kranken Seite; die 
Menstruation steigert ihn, im Klimakterium verschwindet er. 

Die Hartleibigkeit kommt selten bei rechtsseitigem Sitze vor und nur aus¬ 
nahmsweise gar nicht bei linksseitigem. 

Das Gefühl der Schwere wird oft fälschlich als ein Zeichen von Prolaps 
oder wenigstens Senkung angesehen; es kommt selbst dann vor, wenn der Mutter¬ 
hals hochgelagert ist, und rührt von der Entzündung des Beckenbindegewebes her, 
wie es auch in den meisten Fällen bei Gebärmuttervorfall fehlen kann; es nimmt 
bei Eintritt der Regeln zu. 

Der Harndrang (in gewissen Fällen auf das dringende Bedürfnis, zu urinieren, 
und zwar ohne Schmerzen, reduziert) ist nervöser oder mechanischer Ursache. Im 
ersteren Falle wird die Reizung der Ganglia uterina durch die entsprechenden 
Nerven auf die Vesikalganglien übertragen; im zweiten Fall verursacht die 
Dislokation der Gebärmutter eine Zerrung des Blasenperitoneums, welch letzteres 
zu kurz geworden und die Blase verhindert, sich zu füllen. Die erste Ursache ist 
die wahrscheinlichere, da dieses Symptom anfangs häufiger auftritt. 

Anatomisch betrachtet, besteht die chronische Parametritis in einer Retraktion 
des Bindegewebes um folgende Gefäße: Vena uterina (= Parametritis posterior), Vena 
spermatica (= Parametritis superior), Vena obturatoria (= Parametritis anterior). 
Die erste dieser Affektionen ist die häufigste. Die dicke und kurze Narbe, welche 
daraus entsteht, vermehrt den Knickungswinkel des Körpers über dem Mutterhals 
(pathologische Anteflexion); die andern verursachen Retroflexion. 

Ein weiterer Fortschritt in der modernen Massagebehandlung im Sinne der 
Ziegenspeckschen Schule lag dann darin, daß die Indikationsstellung scharf 
Umrissen wurde und daß der Arzt Ziegenspeck die ihm wohl vertrauten ärzt¬ 
lichen Behandlungsmethoden in der Gynäkologie zur Unterstützung seiner Massage¬ 
behandlung gerne und häufig heranzog, Methoden, über die der Heilgymnast 
Thure Brandt natürlich nicht verfügen konnte. Aus diesen Gesichtspunkten 


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Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage usw. 


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heraus behandelt die Ziegenspecksche Schule die entsprechenden komplizierenden 
Blasen- und Darmleiden nach den Grundsätzen der ärztlichen Wissenschaft und 
ist sich dabei bewußt, daß durch die Ausschaltung von Entzündungsprozessen der 
Nachbarorgane die Ausheilnng der Genitalorgane selbst rascher fortschreitet, da 
ja nach unserer Ansicht z. B. sehr häufig eine Paracystitis und Paraproctitis als 
Ursache resp. Komplikation verschiedener Formen von Gebärmutterverlagerung 
anzusehen ist. Auch wies Ziegenspeck darauf hin, daß es nicht gleichgültig 
ist, in welcher Weise und in welcher Reihenfolge die gynäkologische Massage 
ausgeführt werden soll, daß man vielmehr das Hauptaugenmerk darauf richten 
müsse, entsprechend den Lehren der pathologischen Anatomie diejenige Erkrankung 
unter den meist als Kombinationserkrankungen auftretenden gynäkologischen Leiden 
zuerst zu beseitigen, welche durch ihr Fortbestehen den Ring schließt in dem 
circulus vitiosus als dauernde Krankheitsquelle und Depot für Krankheitsnach¬ 
schübe, ich meine die chronische Parametritis. Denn sie ist die Ursache, daß 
durch Umschnüren der Venen eine Stauung nach dem Uterus hin und Hyper¬ 
sekretion erzeugt wird, welche wieder den Keimen eine Straße offen hält von 
den feuchten äußeren Teilen bis in die Höhle des Uterus. 

Nachdem deshalb die Parametritis zuerst durch Massage entsprechend be¬ 
handelt, die Eierstöcke und Tuben aus ihren zerrenden und einengenden Ver¬ 
wachsungen gelöst, der Uterus selbst sich nach Fortfall der Stauung unter dem 
Einfluß einiger Massagesitzungen noch zurückgebildet hat, wird die weitere Rück¬ 
bildung dieses Organs und seine meist definitive Ausheilung durch intrauterine 
Spülbehandlung — wir benutzen meist Sublimatlösung von 1:10 etvl. 1:20000 —, 
in geeigneten Fällen auch durch Ätzungen und Curettagen, erzielt. Doch mag an 
dieser Stelle nur kurz darauf hingewiesen werden, daß man sich niemals mit der 
einfachen Curettage begnügen, sondern immer eine entsprechende Nachbehandlung 
des Uterus in dem oben skizzierten Sinne nachfolgen lassen soll. 

Das sind die Grundsätze, welche zur rationellen Therapie einer Massage¬ 
behandlung weiblicher Genitalleiden führen. Dabei mag es interessant sein, einmal 
kurz in dem Spiegelbild einer der häufigsten gynäkologischen Leiden, das für die 
wissenschaftliche Massagebehandlung so günstige Resultate abgibt — ich meine 
die Retroflexion —, die Methodik, und den wissenschaftlichen Gedankengang 
Ziegenspecks und seiner Schule zu studieren. Für viele praktische Ärzte ist 
die Diagnose mit dem Worte Retroflexion, vielleicht noch mobilis oder fixata er¬ 
schöpft, die Therapie durch oft gedankenlose Tamponbehandlung und meist auch 
unvernünftige Ringbehandlung, oft ohne Aufrichtung der Gebärmutter gegeben. 
Für die meisten Spezialärzte sind die Gesichtspunkte der Wahl der Operation, 
ob vaginal oder abdominal, meist ohne Rücksicht auf die Entstehungsmechanik 
des vorliegenden Retroflexionsfalles maßgebend. 

In welch ganz andererWeise und wieviel gewissenhafter gehen Ziegenspeck 
und seine Schüler vor, wenn sie sich entschließen, die eingeleitete Massagekur genau 
der Entstehungsmechanik des betreffenden Retroflexionsfalles anzupassen. In einem 
Referatsvortrag für den V. Internationalen Gynäkologenkongreß in St. Petersburg 
berichtet Ziegenspeck über 1300 Fälle von Retroflexion, die methodisch mit 
der später noch genauer zu schildernden Massage behandelt und geheilt worden 
sind. Dabei kommt er dann zu dem Ergebnis, daß die Rückwärtslage der Gebär- 


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A. Landeker 



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Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage usw. 


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mutter unter 729 genau skizzierten Fällen hervorgerufen war in 25,6% durch 
Parametritis anterior sinistra, in 20,5% durch Pararaetritis superior, in 19% 
durch Parametritis lateralis mit Fixation nach unten nsw. (siehe Tabelle). 

In der gleichen minutiösen Weise verschaffte er sich prozentualiter auch 
Aufschluß über die Beschwerden, welche die einzelnen Formen der Retroflexion 
hervorrufen, wobei er besonders auf den Ausfluß, die Dysmenorrhoe, den so¬ 
genannten Intermenstrnalschmerz, Schmerzen in der Seite und im Kreuz, das 
Ansstrahlnngsgebiet der Schmerzen, auf das häufig beobachtete Drängen nach 
unten, anf Harn- und Stuhlbeschwerden, atypische Blutungen, nervöse Reflex¬ 
symptome nnd Sterilität sein Augenmerk richtete. Und es ist einleuchtend, daß 
die Heilnngsdaner nnd der Heilnngseffekt ganz verschieden sein muß, wenn man 
sich nicht damit begnügt, Heilgymnastik der erschlafften Mntterbänder zu treiben, 
sondern wenn man zielbewußt und methodisch nach den Grundsätzen der Ent¬ 
wicklungsmechanik des betreffenden Falls den Strang oder diejenigen geschrumpften 
Bindegewebspartien unempfindlich macht nnd dehnt, welche zusammen mit der 
Endometritis als wahre Ursachen der Retroflexion anznsprechen sind. Ein Blick 
in die beigegebene Tabelle mit ihren ca. 14 Entstehungsmöglichkeiten der 
Retroflexio nteri lehrt allerdings, welch hohes diagnostisches Können neben einer 
exakten nnd zielbewnßten methodischen Schulung von dem die gynäkologische 
Massage ausübenden Arzt gefordert werden mnß. Dnrch diese methodisch 
dnrchgeführte Massagebehandlnng, d. h. durch Massage nnd Ausdehnung des 
parametritischen nnd paracystitischen Stranges, welche die RUckwärtslage ver¬ 
schuldethat nnd die Schulze sehe Endometritisbehandlung sowie Spülbehandlung bei 
Cystitis wird dann aber auch das Ideal einer zielbewußten ätiologischen Therapie 
erreicht, vollkommene Restitutio ad integrum mit Beseitigung sämtlicher Besch werden. 
So war es auch möglich, unter dem angeführten Untersuchungsmaterial in cä. 50 Proz. 
der Fälle ohne weitere Maßnahmen, d. h. ohne längere Pessarbehandlung, bei 
frischeren Fällen oft schon nach der 5. oder 7. Massage, bei anderen nach durch¬ 
schnittlich 20—25 Massagen dauernde Heilung zu erzielen. Bei den übrigen 
50 Proz. wurde bis auf vereinzelte Fälle die Falschlage nach Behebung der 
ursächlichen Beschwerden durch Einlegung eines Pessars dauernd geheilt, welches 
dann nach % Jahr meist, ohne ein Rezidiv befürchten zu müssen, für immer entfernt 
werden konnte. (Eine derartige Pessarbehandlung im Anschluß an die Massage¬ 
kur ist von der landesüblichen durchaus verschieden und hat den Zweck, den Uterus 
in Normallage zu zwingen, damit das Peritoneum sich retrahieren und wieder den 
normalen Verhältnissen der Beckenorgane anpassen kann.) Nur ganz vereinzelte 
Fälle mußten aus irgendwelchen Gründen der Operation zugeführt werden. 

Wenn wir oben mit etwas Bitterkeit von der operativen Polypragmasie vieler 
Gynäkologen gesprochen haben, so wollen wir, nachdem wir die günstigen Resul¬ 
tate einer konservativen, orthopädischen Behandlung der Rückwärtslage gesehen 
haben, auch ein Urteil aus berufenstem Munde, nämlich aus dem Munde von Ge¬ 
heimrat Bumm, hier anführen, welcher auf dem Gynäkologenkongreß in Würz¬ 
burg die Beschwerden schildert, welche auch von den mit bestem Erfolge Operierten 
geklagt werden: „Zerrungen und Zuckungen an der vorderen Bauchwand, beim 
Bergabgehen, namentlich beim Treppensteigen, beim Husten, Niesen usw., Schmerzen 
in der Gegend des Nabels, Beschwerden im Bereiche der Blasenfunktion,“ Be- 

Zeitachr. f. pbyilk. o. d!*t Therapie Bd. XVIII. Heft *. 7 


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schwerden, die wir sehr oft zu behandeln haben und welche die Kranken, wie ich 
hinzuffigen möchte, sogar zu der Bitte veranlassen, man möge die Fixation an 
der vorderen Bauch wand wieder ab trennen. So kann man es verstehen, daß sich 
die Ziegenspecksche Schule nur schwer entschließt, den Uterus bei fixierter 
Knickung von der hinteren Beckenwand abzulösen, wo er nicht hingehört und 
durch eine Peritonitis adhaesiva fixiert ist, und vorn an der Bauchwand, wo er 
erst recht nicht hingehört, durch eine Peritonitis adhaesiva traumatica zu be¬ 
festigen ; denn das hieße eine falsche Lage durch eine andere falsche Lage heilen 
zu wollen. Die richtige Lage der Gebärmutter ist nämlich nicht bedingt durch die 
grob tastbaren Verhältnisse des Knickungswinkels, sondern durch die größtmögliche 
Beweglichkeit nach allen Richtungen hin, ohne Beeinträchtigung der Nachbar¬ 
organe. Diese kann aber meistens nur dauernd wiederhergestellt werden durch 
eine exakt durchgeführte Massagebehandlung. 

Nach diesen vorausgeschickten Bemerkungen über die Durchführung der 
Methodik der modernen manuellen gynäkologischen Massage mag es mir erlaubt 
sein, die Indikationsbreite und Technik der gynäkologischen Massage und ihren 
Wert gegenüber den Konkurrenzmethoden zu besprechen und kritisch zu würdigen. 

Was zunächst die Indikationsbreite der gynäkologischen Massage betrifft, so 
ist sie berufen, Ödeme, Exsudate und deren Komplikationen, d. h. Adhäsionen, 
ferner parametritische Schwielen und deren Komplikationen, d. h. Dislokationen, 
günstig zu beeinflussen resp. zu heilen. 

Am geeignetsten für ihre Anwendung ist die chronische Parametritis, die 
durch kein anderes Mittel so hervorragend beeinflußt wird, wie durch die manuelle 
gynäkologische Massage. Die andern geeigneten Erkrankungen sind nach Ziegen¬ 
speck, mit dem ich vollkommen übereinstimme, ein spontaner oder Druckschmerz 
im Bereich der inneren Genitalien, das Vorhandensein eines Ödems oder Exsudats, 
Oophoritis und Perioophoritis, Salpingitis, ev. Pyo- oder Hydrosalpinx. Die Be¬ 
handlung von Tubenerkrankungen mit Massage ist jedoch nur am Platze in der 
Hand sehr erfahrener Ärzte, die sich wie die Ziegenspecksche Schule darauf 
beschränken, die Pars recta unterinwärts zu massieren, um dann mit Schauta über¬ 
einstimmen zu können, der eine Behandlung derartiger Fälle als dankbar be¬ 
zeichnet. Ferner kommt die Massage in Betracht, kombiniert mit entsprechenden 
anderen Behandlungsmethoden, bei Endometritis, chronischer Metritis, Subinvolutio 
uteri und bei den Entzündungsprozessen der schwangeren Gebärmutter, ferner bei 
Amenorrhöe, Dysmenorrhöe und Sterilität. 

Über die Retroflexion haben wir schon ausführlicher gesprochen und ihre 
Behandlung besonders als für manuelle Massage geeignet bezeichnet, da sie ja 
nach unserer Ansicht nichts anderes darstellt, wenigstens in den meisten Fällen, 
als eine Kombinationserkrankung von Endometritis und Parametritis. 

Was die Behandlung des Prolapses mit gynäkologischer Massage anbetrifft, 
so kann dieselbe empfohlen werden bei operationsscheuen und älteren Patientinnen, 
die man aus irgend welchen Ursachen den Gefahren und Aufregungen einer 
Operation nicht aussetzen will. Man kann mit der Massagebehandlung des Pro¬ 
lapses sehr hübsche Erfolge erzielen. Berichtet doch schon Brandt über 70 °/ 0 
relativer oder absoluter Heilung und unsere Erfahrungen geben ihm recht. Aber 
wegen der relativ langen Dauer der Behandlung gerade dieser gynäkologischen 


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Erkrankung ist der Massage oft die Operation vorzuziehen nnd zwar ist bei der¬ 
selben vor allem auf eine exakte Naht des Levator ani der Hauptwert zu legen, 
eine Operation, die Ziegenspeck schon im Jahre 1887 angegeben und praktisch 
ansgeführt hat. Die Zeit verbietet es mir leider, auf die Indikationsstellung 
bei den in Betracht kommenden gynäkologischen Erkrankungen näher einzugehen, 
da ich noch einige Worte der Technik meiner Massage widmen will. 

Zur Untersuchung und Behandlung unserer Kranken setzen wir uns auf die 
linke Seite derselben, mit den Knieen gegen den Kopf der Patientin gerichtet, 
während die Patientin auf einem eigens konstruierten Ruhebett mit verstellbarer 
Fußklappe und Kopfstütze Platz genommen hat. Ich beschreibe diese Lage des¬ 
halb, weil gerade diese Stellung der Patientin das Massieren und die Diagnose 
besonders erleichtert. Wir ziehen diese der Brandtschen Stellung vor, welcher 
sich bekanntlich an die linke untere Ecke des Untersuchungslagers setzte und 
letzteres zwischsn seine Kniee nahm, weil dadurch die linke Hand höher reichen 
kann und der Oberkörper weniger angestrengt wird. Ich selbst habe mir ange¬ 
wöhnt, bei der Massage mich von diesem eigens konstruierten Massagedivan un¬ 
abhängig zu machen und massiere auch auf dem Untersuchungsstuhl und im ge¬ 
wöhnlichen Bett recht gut. Jedoch maß man sagen, daß man bei Benutzung des 
beschriebenen Plints in vielen Fällen, besonders bei fettleibigen Patientinnen oder 
bei solchen mit straffen Bauchdecken, die noch nicht geboren haben, eine bessere 
Erschlaffung der Bauchdecken und damit leichteres Massieren erzielen kann. 

Alle Schüler der Ziegenspeckschen Schule untersuchen mit der linken 
Hand innerlich und behalten auch diese Stellung bei der Massage bei, gestützt 
auf theoretische Überlegung und vielfache praktische Erfahrung; denn die linke 
Hand ist kleiner, feiner und reiner. Wir führen das Touchieren mit Zeige- 
und Mittelfinger aus, weil man dadurch stereometrisch tasten und leichter einige 
Kunstgriffe zur Mobilisierung der Gebärmutter ausführen kann. Wenn ich auf 
diese kleinen Äußerlichkeiten, die scheinbar doch so unwesentlich sind, in meiner 
Beschreibung einen gewissen Wert lege, so resultiert dies aus dem Bewußtsein, durch 
eine Änderung dieser Arbeitsmethoden schlechtere Resultate zu erzielen, wie Sie ja 
auch, meine hochgeehrten Herren, oft beobachten können, wie sich der Augenarzt 
mit seinem Angenspiegel immer wieder in derselben unverrückbaren Lage seinem 
Patienten gegenübersetzt, nm die allgemeinen Arbeitsbedingungen der Methode in 
gleich guter Weise bei der Untersuchung jedes einzelnen Falles verwerten zu können. 

Wenn die linke Hand alles, was sie zu erreichen vermag, untersucht hat, 
wobei, wie ich hier erwähnen möchte, zweckmäßigerweise der kleine und der 
Ringfinger nicht in die Hohlhand eingeschlagen, sondern gestreckt gehalten 
werden, weil man mit dieser Stellung der Hand höher hinaufreichen kann, werden 
mit zirkulären Reibebewegungen bei gleichzeitiger Aufforderung an die Patientin, 
tief zu exspirieren, die Därme verdrängt und dadurch die in der Tiefe des Beckens 
liegenden Gebilde genau abgetastet. 

Übergehend nun auf die Technik der eigentlichen Massage, die je nach dem 
Wohlbefinden der Patientin, ihre mehr torpiden oder erethischen körperlichen und 
seelischen Konstitution, täglich oder jeden zweiten Tag, evtl, auch in etwas 
größeren Zwischenräumen ausgeführt werden kann, möchte ich vor allem betonen, 
daß die Tätigkeit der beiden Hände zwar völlig verschieden ist, aber während 

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der ganzen Ausführung der Massage in ihrer einmal übernommenen Funktion 
gleichbleiben soll. Die Tätigkeit der vaginalen Finger, welche unter guter 
Spreizung der äußeren Teile, am besten mit etwas antiseptischer Lösung benetzt, 
unter Vermeidung des Kectum, sowie der Klitoris und der Harnröhrenmündung 
einzuführen sind, beschränkt sich darauf, das zu massierende Organ zu stützen, 
und dann in gemeinsamem, einträchtigem Zusammenwirken mit der äußeren, 
massierenden Hand zu unterscheiden, was entzündet, fixiert, ödematös ist, mit 
einem Wort: die Arbeit des Diagnostikers zu verrichten. Die äußere massierende 
Hand verfährt in der Weise, daß sie, wie schon bei der Untersuchung bemerkt, 
mit zirkulär reibenden Bewegungen in die Tiefe dringt, und nun ihre Arbeit an 
den kranken Organen in derselben Weise zirkulär reibend verrichtet, wobei daran 
festzuhalten ist, daß alle Teile mit Ausnahme der Tuben entsprechend den ab¬ 
führenden Lymph- und Blutwegen vom Uterus weg nach der Peripherie zu zu 
massieren sind. Von dieser zirkulär reibenden Massage, deren Ziel es ist, erst 
vorhandene Narbenstränge unempfindlich zu machen, um sie dann zu dehnen, 
nehme ich in den Fällen Abstand, wo eine abnorme Schmerzhaftigkeit der 
betreffenden Bindegewebspartien oder der Eierstöcke vorliegt. Eine leicht 
vibrierende Massage als Vorbereitung zu der nachfolgenden stärkeren zirkulären 
Massage erwies sich mir dabei als vorteilhaft, da es mir durch diese Art der 
Behandlung gelang, die Heilungsdauer abzukürzen und leichter als mit der ge¬ 
bräuchlichen Ziegenspeckschen Methode die Schmerzen zu beseitigen. Ich bin 
empirisch und unabhängig von der französischen Schule zu dieser Art der Be¬ 
handlung gekommen, freue mich aber, mich in den Hauptpunkten dieser Behand¬ 
lungsart mit den von Stauffer und Wetterwald in Paris inaugurierten Prinzipien 
der Behandlung der Pelvicellulitis, des Beckenbindegewebsödems und der Oophoritis 
einig zu wissen. 

Soviel in großen Umrissen über die Technik der Massage. Bei der kurzen 
mir zur Verfügung stehenden Zeit habe ich die Erfolge der Massage nur an dem 
Beispiel der Retroflexion kurz streifen können. Soviel aber steht fest, daß sie 
wie kaum eine andere Methode Initiative, Takt und klinisches Verständnis in 
reichstem Maße erfordert, daß sie ferner die Resultate der Operation nicht nur 
oft erreicht, sondern in einer Zahl von Fällen sogar übertrifft. 

Am Schluß meiner Ausführungen angelangt, mag es mir kurz erlaubt sein, 
die leitenden Gesichtspunkte der vorangegangenen Erörterungen folgendermaßen 
zusammenzufassen: 

1. Die Ausführung der Massage setzt vor allem die Beherrschung von Fein¬ 
heiten in der Diagnose voraus, welche nur durch monatelangc Spezial¬ 
ausbildung in gynäkologischer Massage erlangt werden kann. 

2. Da bis jetzt noch keine Gelegenheit geboten ist, diese moderne gynä¬ 
kologische Massage schulgemäß zu erlernen, ist für die Unterweisung der 
heranwachsenden Ärzte in diesem Spezialgebiet der Gynäkologie Sorge 
zu tragen. 

3. Die Massage soll ausgeführt werden entsprechend den Lehren der patho¬ 
logischen Anatomie unter Berücksichtigung der pathogenetischen Entwicklung 
des betreffenden Krankheitsfalles. Die Massage wird dadurch aus einem 
empirischen Handwerk zur praktischen Betätigung exakter Wissenschaft. 


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Fortschritte und Erfolge der manuellen gynäkologischen Massage usw. 


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4. Die Aufgabe der Massage erschöpft sich nicht darin, der Operation in 
vielen Fällen mit Erfolg Konkurrenz zu machen. Sie hat vielmehr gerade 
in neuester Zeit nach meinen Untersuchungen ein erweitertes Arbeitsgebiet 
gefunden als Unterstützung entsprechender Organtherapie. 1 ) 

5. Die Exstirpation auch des Uterus allein erscheint nicht mehr ganz be¬ 
langlos, nachdem es mir gelungen ist, aus demselben ein Organextrakt 
herzustellen, welches im Sinne von Drüsen mit innerer Sekretion wirkt, 
welche selbst mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit histologisch nachweis¬ 
bar sind. 2 ) 

6. Die richtige Anwendung der Massage, auch zur Anregung der inneren Sekretion 
von Drüsen des Uterus und der Ovarien, erscheint demnach geeignet, nicht 
nur funktionelle gynäkologische Erkrankungen, wie z. B. die Dysmenorrhöe, 
zu bessern, sondern auch das Allgemeinbefinden bei nervösen genital¬ 
kranken Patientinnen günstig zu beeinflussen. 8 ) 

In der Befolgung dieser Gesichtspunkte wird man erkennen, ein wie wert¬ 
volles Hilfsmittel für die Behandlung von Frauenleiden die gynäkologische Massage 
sowohl in der Hand des praktischen Arztes wie des Spezialarztes ist. Weit 
entfernt, die herrlichen Erfolge der operativen gynäkologischen Therapie zu 
schmälern, wollte ich nur auffordern, vorurteilslos auch eine derartige Konkurrenz¬ 
methode zu prüfen, die, von einem feinfühligen und individuell denkenden Arzte 
angewendet, berufen ist, Großes zu leisten, gerade dann, wenn er, angespornt 
durch das leider oft nicht durch Sachkenntnis getrübte Urteil gedankenlos nach¬ 
betender Kollegen, sein Bestes gibt. Vielleicht aber wird das Vertrautwerden mit 
einer derartigen wissenschaftlich begründeten Richtung der gynäkologischen Massage 
dazu dienen, daß die werbende Zeit, die dem Menschengeist neue Wege zeigt, 
auch hier einen Umschwung herbeiführt. Dann wird die Zahl der Operationen 
in der Gynäkologie abnehmen, aber die Zahl ihrer Heilerfolge zunehmen. 

') Siehe: Ein konstanter Symptomenkomplex der Neuro Gynäkologie (Ärztl. Rundschau 
1913, Nr. 41, vom Verfasser). 

*) Cfr. Mediz. Klinik 1913, Nr. 51, Diskussion in der Gesellschaft fUr Sexualwissenschaft 

*) Vgl. hierzu die Arbeiten des Verfassers: Kritik der Bossischen Anschauungen Uber 
den Zusammenhang zwischen Frauen- und Nervenleiden (Ärztl. Rundschau 1913, Nr. 23/24) und: 
Die Neurogynäkologie und ihre Ziele (Ärztl. Rundschau 1913, Nr. 44). 


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Berichte Ober Kongresse und Vereine. 


Berichte über Kongresse und Vereine. 


Vortragszyklus Aber Balneologie und Balneotherapie in Karlsbad 
am 28. September bis 4. Oktober 1913. 

Referent: Dr. Roubitschek-Karlsbad. 

Am 29. September wurde unter Förderung des Internationalen Komitees für das ärztliche 
Fortbildungswesen unter zahlreicher Beteiligung der in- und ausländischen Ärzte zum erstenmal 
in Karlsbad ein Kurszyklus abgehalten, welcher eine Woche dauerte und zahlreiche Vorträge brachte. 

Nach mehreren Begrüßungsansprachen ergriff Prof. Dr. Ritter von Jaksch das Wort 
zu seinem Vortrage: Die Balneologie in ihren Beziehungen zur Gesamtmedizin. 

Ganz besonderes aktuelles Interesse hat der Vortrag des Herrn Hofrates v. Jaksch 
dadurch, daß er den von Noorden erst unlängst wieder in Amerika und England propagierten 
Ideen gegen die Nützlichkeit der alkalischen Wässer, namentlich Karlsbads, bei Diabetes mellitus 
scharf entgegentrat und im Gegenteil den großen, durch nichts, also auch nicht durch Diät, zu 
ersetzenden Wert Karlsbads bei der Zuckerkrankheit betonte. 

Da aber die Balneologie eine moderne Wissenschaft bleiben muß, so muß sie auch 
moderne Maßnahmen zur Unterstützung heranziehen. Dazu gehört vor allem ein diätetisches 
Sanatorium, das neben den Kurbehelfen den Kranken die vorgeschriebene Diät einwandfrei dar¬ 
bietet. Es wird sich empfehlen, daß dieses Sanatorium die Stadt in Obhut nimmt. 

Als zweiter Redner ergriff Prof. Schauta zu seinem Vortrage Frauenleiden das Wort. 
Die Heilfaktoren, welche in der Balneotherapie vorhanden sind und die für Gynäkologie Be¬ 
deutung haben, sind zunächst allgemeiner Natur. Es spielen das Milieu des Kurortes, die Ent¬ 
fernung vom gesellschaftlichen Leben, die strenge Lebensordnung eine große Rolle. Im 
besonderen ist auf frühzeitiges Zubettgehen Gewicht zu legen. Im allgemeinen halten sich die 
Frauen viel zu lange im Bett und viel zu wenig im Freien auf. Aus diesen angeführten 
Gründen können Badekuren im Hause nicht durchgeführt werden. 

In der Wahl eines Kurortes ist große Vorsicht geboten. Hierin wird sehr viel nicht von 
den Ärzten, sondern von den Laien gesündigt, die sich selbst Kurorte ordinieren. Ein großer 
Mißbrauch wird mit kalten Seebädern getrieben. Die kolossale Wärmeentziehung, welche durch 
Luft, Wind und Wellenschlag hervorgerufen wird, schädigt besonders die zarten, anämischen 
Frauen, die man deshalb in südliche Seebäder schicken soll. An erster Stelle ist unter diesen 
Porto Rose zu nennen, Abbazia und Grado zu erwähnen. Es spielt aber auch unter den Heil¬ 
faktoren der Wechsel des Klimas und der Höhenlage eine gewisse Rolle. Bewohner der Tief¬ 
ebene befinden sich im Gebirge besser, und umgekehrt Badekuren darf man nicht schemati¬ 
sieren, sondern individualisieren. Die lokale Behandlung muß man an Badeorten ausschließen, 
hingegen ist Massage mit einer gewissen Einschränkung anzuraten. Moorbäder sind für die 
weiblichen Organe absolut nicht indifferent, da Badesubstanzen in das Genitale eindringen und 
heftige Reizungen zur Folge haben können. Unter den gynäkologischen Leiden ist die Sterilität 
das häufigste Übel, doch ist in ca. 50% der Fälle die Schuld auch am Manne gelegen. Bei 
blutarmen Frauen sind Trinkkuren in Ems, Neuenahr und Vichy und kohlensaure Bäder in 
Franzensbad, Marienbad und Elster angezeigt. Doch darf die Trinkkur niemals gleichzeitig mit 
der Badekur gebraucht werden, sondern immer zuerst die Trinkkur und dann die Badekur. Bei 
Skrofulöse sind die Seebäder an der Adria besonders bewährt Eine eigenartige Wirkung tritt 
bei Neubildungen (Myomen) ein, sobald die Kranken ins Gebirge gehen. 


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Berichte über Kongresse und Vereine. 


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Von Radiumbädern sab Redner keinen eklatanten Erfolg. Das Hauptgebiet für Moorbäder 
stellen die chronischen Entzündungen dar, welche auffallende Erfolge aufweisen, während 
Narben und Verwachsungen subjektiv zwar gebessert werden, objektiv jedoch gleich bleiben. 
Für die Beschwerden des Klimakteriums ist eine Trinkkur in Karlsbad besonders zu empfehlen, 
um die häufig bestehende Obstipation zu beseitigen. Bei Menstruation und ebenso in der 
Schwangerschaft sind Bäder wegen Infektionsgefahr streng zu verbieten. 

Am Nachmittag ergriff Prof. Schloffer das Wort zu seinem Vortrage: Nachbehandlung 
der chirurgischen Erkrankungen und Verletzungen. Der Chirurg, der gewohnt ist, die 
exakten Verhältnisse nach einer Operation zu beurteilen, steht natürlich den balneologischen 
Maßnahmen nicht gerade optimistisch gegenüber. Nichtsdestoweniger gibt es eine ganze Reihe 
von Indikationen für die Bäderbehandlung, die auch bei chirurgischen Erkrankungen als Nach¬ 
behandlung segensreich wirken kann. 

Redner bespricht eine Reihe von Krankheitsgruppen (Operationen der Gallenblase, Nieren¬ 
operationen, Magen- und Blinddarmoperationen), bei denen die Karlsbader Trink- und Badekur 
als Nachkur mit großem Erfolg angewandt wurde. Er warnt vor einer Überschätzung des 
Radiums, das, in gewissen Dosen angewandt, das Karzinom im Wachstum nicht beeinträchtigt, 
sondern sogar zum weiteren Fortschreiten anregt. 

Sodann sprach Prof. Fronz über die Erkrankungen des Kindesalters. Kinder mit 
gesunden Herzen und selbst Säuglinge vertragen sehr gut ein Höhenklima (St Moritz). Bei 
Storungen des Verdauungstraktes kann man besonders bei Verstopfung auch bei Säuglingen 
Karlsbader Wasser in geringen Dosen anwenden. 

Redner empfiehlt folgendes Schema: Zu Anfang kleine, noch nicht wirksame Quantitäten 
Karlsbader Wasser (1 Tee- oder Suppenlöffel), in den nächsten Tagen werden die Dosen langsam 
gesteigert bis man zu der Menge kommt bei der einmal eine ausgiebige Stuhlentleerung erfolgt. 
Bei dieser Menge bleibt man 4 Wochen stehen und geht langsam wieder zurück. Ganz besondere 
Erfolge kann man mit der Bäderbehandlung in Karlsbad bei Kindern erzielen, welche chronische 
Ekzeme, Urtikaria und Intertrigo intestinalen Ursprungs aufweisen. 

Zum Wachstum dienen die Mineralsalze als wichtigste Vermittler der organischen Prozesse. 
Bei Erschöpfung des Salzvorrates im KOrper findet keine Assimilation der Eiweißstoffe mehr statt. 
Schnell wachsende Tiere haben auch eine salzreichere Milch. Vorsicht vor Entsalzung bei 
Mineralwasserkuren ist nötig. Auch für den Wassergehalt des KOrpers ist der Salzbestand 
wichtig, trotzdem das Altem eigentlich ein Entwässerungsprozeß ist. Wichtig ist ferner die 
Bedeutung der Salze für die Tätigkeit der Muskeln, Nerven und Drüsen. Wegen der Wichtigkeit 
der Kohlehydrate für Stickstoffretention ist Vorsicht vor Entfettungsexzessen nOtig. Je jünger 
das Kind, um so großer ist der Kalorienbedarf. Ein Säugling bedarf dreimal soviel, als ein 
Erwachsener. Wegen relativ größerer KOrperoberfläche des Kindes ist größere Wärmeproduktion 
nötig, daher auch größere Kohlensäureausscheidung, größere Sauerstoffaufnahme, beschleunigte 
Respiration und Herztätigkeit. Das Herz des Kindes ist kräftiger als das des Erwachsenen, 
d. h. mehr leistungsfähig. Wegen Unvollkommenheit des zentralen Wärmeregulierungsapparates 
ist Vorsicht bei wärmeentziehenden Prozeduren nOtig. In der ersten Jugend nur Luftabhärtung. 
Referent bespricht dann noch die gesamte Balneotherapie bei Verdauungs-, Herz-, Lungen-, 
Nieren-, Hautkrankheiten und den verschiedenen konstitutionellen Erkrankungen des Kindes¬ 
alters und betont die Notwendigkeit strengster Individualisierung der Behandlung bei den noch 
unfertigen, erst in Entwicklung begriffenen Menschen. 

Am dritten Verhandlungstage besprach Prof. Schmidt-Halle die Behandlung der 
Magen- und Darmgeschwüre. Bei der großen Schwierigkeit der Differentialdiagnose 
zwischen den beiden Zuständen müssen unter Umständen auch mehrere Verfahren herangezogen 
werden. Als letzte Errungenschaft medizinischer Forschung scheint das Verfahren von 
Abderhalden berufen, in die noch unklaren Verhältnisse Licht zu bringen. Therapeutisch 
empfiehlt Prof. Schmidt die Leubesche Ruhekur mit folgender Abänderung: 

Während der beschwerdefreien Morgenstunden erhalten die Patienten reichliche Nahrungs¬ 
zufuhr, wobei bei der Auswahl der Speisen das Prinzip der Schonung, peinliche Zubereitung 
und Zerkleinerung der Speisen maßgebend ist Gleichzeitig werden die lokalen Beschwerden 
durch Wärmeapplikation behandelt In jenen Stadien der Erkrankung, welche dem eigentlichen 
Geschwüre vorangehen, ist die Mineralwasserkur in Karlsbad vor allem angezeigt, während 


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Berichte über Kongresse und Vereine. 


jene Fälle, bei denen die Sekretionsanomalie nur das Begleitsymptom eines Ulkus ist, wohl 
schwerlich durch Mineralwasserkuren beeinflußt werden. Nach Tierversuchen kommt dem Mineral* 
wasser im allgemeinen eine sekretionssteigernde Wirkung zu, deren Effekt bei Neigung zu 
Hyperazidität unerwünscht erscheint. Daneben tritt eine Reihe von anderen Faktoren in Wirk¬ 
samkeit, Absonderung wässeriger Flüssigkeit von der Darmwand und vermehrte Peristaltik. 
Dadurch werden chronische Reiz- und Entzündungszustände geheilt und die dyspeptischen 
Symptome zum Verschwinden gebracht. Die Trinkkur muß man bei diesen Zuständen tastend 
mit kleinen Dosen beginnen und auf die Fortsetzung der Kur lieber verzichten, wenn nicht als¬ 
bald eine Besserung eintritt. 

Bei Darmgeschwüren infolge chronischer Dysenterie und Colitis suppurativa, welche 
mit schweren Blutungen und Eiterungen einhergehen, ist in den akuten Fällen von einer Mineral¬ 
wassertherapie nicht viel zu erhoffen, hingegen werden bei jenen Fällen, in denen die Krankheit 
dem Ausgange entgegengeht, Dauereinläufe von verdünntem Sprudel mit Zusatz desinfizierender 
Mittel von Erfolg sein. 

Die Erkrankungen der Leber und des Pankreas besprach Prof. Albu-Berlin. 
Durch Trinkkuren von Mineralwasser werden vor allem die akuten Krankheiten der Leber (Gelb¬ 
sucht und Gallensteinkolik) gebessert. Die Quellen müssen möglichst heiß getrunken werden. 
Um einen neuen Anfall zu verhüten, den man früher als Reaktion des Organismus auf den 
Reiz der Brunnenkur ansah, ist vor allem Ruhe notwendig. Bei chronischen Erkrankungen der 
Leber (Fettleber, Zirrhose) sieht man unter dem Einfluß der Trinkkur eine Besserung des Krank¬ 
heitsbildes, welche wochen- und monatelang anhält. Die Qauptdomäne für die Balneotherapie 
stellen die frische primäre Cholezystitis und die Zustände nach Gallensteinoperationen dar. 
Wenn auch der Vortragende einen spezifischen Einfluß des Karlsbader Wassers nicht anerkennt, 
gibt er immerhin zu, daß auch ohne diesen das Karlsbader Wasser mechanisch und physikalisch 
durch Verdünnung der Galle, Anregung der Peristaltik und Schleimlösung wirkt. Eine spezielle 
Diät bei Mineralwasserkuren gibt es nicht; nicht der Brunnen indiziert die Diät, sondern die 
Krankheit, um derentwillen der Brunnen getrunken wird. Eine gemischte Kost mit Vegetabilien, 
unter Vermeidung schwer assimilierbarer Fette, ist angezeigt. Hauskuren mit Karlsbader Wasser 
stellen eine unzureichende Therapie dar, da offenbar dem frischen Quellwasser gewisse bio¬ 
chemische Eigenschaften zukommen, die wir vorläufig noch nicht kennen. 

Bei Erkrankungen des Pankreas, Steinbildung in dem Ausführungsgang der Drüse, 
Pankreasachylie werden gleichfalls durch Trinkkuren von Karlsbader heißem Wasser und durch 
Ableitung auf den Darm günstige Erfolge erzielt. 

Als dritter Redner sprach sodann Prof. Goldscheider (Berlin) über Erkrankungen 
des Nervensystems. 1 ) 

Prof. Riehl-Wien: Hautkrankheiten und Syphilis. Die Beziehungen zwischen 
Balneotherapie und Dermatologie sind vielfältig und, wie es scheint, nicht in vollem Maße 
gewürdigt. Der Einfluß, welchen Trink- und Badekuren, klimatische Verhältnisse in ihren zahl¬ 
losen Variationen und Kombinationen von Heilfaktoren auf physiologische und pathologische 
Vorgänge des Gesamtorganismus oder einzelner Organe auszuüben vermögen, ist selbstverständlich 
auch für jene Erkrankungen der Haut von Vorteil, welche wir als „symptomatische“ zu bezeichnen 
pflegen. Es ist dies eine große Gruppe von Hautkrankheiten, deren Ursache in Alterationen 
des Stoffwechsels oder in Organerkrankungen begründet ist. 

Die günstige Beeinflussung einer chronischen Dyspepsie, einer Atonie des Darms usw. 
durch eine Trinkkur, z. B. in Karlsbad, kann auch chronische Urtikaria, die durch heftiges Jucken 
die Patienten aufs äußerste zu quälen pflegt und externen Mitteln gegenüber sich refraktär ver¬ 
hält, zum Schwinden bringen. In diese Gruppe wären eine Reihe von Hautkrankheiten zu 
zählen, wie sie z. B. durch Diabetes mellitus, Rheumatismus u. a. hervorgerufen werden. 

Noch umfangreicher erweist sich die Gruppe von Hautkrankheiten, bei welchen eine 
innere Erkrankung die Disposition zu schaffen pflegt Im weiteren Verlaufe seiner Rede be¬ 
spricht der Vortragende die Wirkung der Bäder, von der feststeht, daß durch die unverletzte 
Haut unter gewöhnlichen Verhältnissen aus dem Badewasser fast nichts zur Resorption gelangt. 
Dagegen erscheint die Anwendung prolongierter Bäder in einer andern Wirkung des Wassers 

*) Ist als Originalartikel in dieser Zeitschrift 1913, Heft 11, erschienen. 


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zu liegen, die von großer praktischer Bedeutung ist: das ist durch Mazeration. Die Frage des 
Einflusses der Temperatur der Bäder spielt für die Dermatologie im engeren Sinne keine bedeu¬ 
tende Rolle. Eine besondere Beachtung verdient dieWirkung des Sonnenlichtes bei Hauttuberkulose. 
Selbstverständlich ist bei der Wirkung der Bäder auch die Radiumemanation in Betracht zu ziehen. 

Prof. Strauß-Berlin: Störungen des Chemismus und der Motilität des Magens 
sowie gastrische Prozesse. Prof. Strauß kommt auf Grund seiner eigenen Versuche mit 
Karlsbader Wasser zu folgender Ansicht: Wärmezufuhr von innen und in geringem Grade von 
außen ist imstande, krankhafte Erregungszustände der Magenschleimhaut zu besänftigen und die 
Funktionen derselben günstig zu beeinflussen. Kohlensäurereiche und kalkreiche Wässer scheinen 
die sekretorische Funktion des Magens im positiven, alkalireicbe Wässer im negativen Sinne 
zu beeinflussen. Aus diesem Grunde sind die ersteren mehr bei Zuständen von SekretionB- 
herabsetzung und die letzteren bei Zuständen von Sekretionssteigerung indiziert. Auch alkalisch- 
sulfatische Wässer sollen bei Zuständen von Sekretionssteigerung, kochsalzreiche Wässer bei 
Sekretionsverminderung angewandt werden. Es ist dabei zu erwägen, daß nicht bloß die 
chemische, sondern auch die physikalische Konstitution der Mineralwässer in vielen Punkten 
differiert. Deshalb ist jedes Mineralwasser hinsichtlich seiner Wirkungen als Individuum für 
«ich zu betrachten. 

Eine Kontraindikation für Trinkkuren bilden jene Fälle von Magenerkrankungen, bei denen 
cs zu Insuffizienzerscheinungen gekommen ist. Zur Erzielung eines sicheren Erfolges muß man 
während einer Trinkkur auch von anderen Behandlungsmethoden ausgiebig Gebrauch machen. 

Der vierte Sitzungstag wurde mit einem Vortrage von Prof. Kionka-Jena über Quellen¬ 
kunde eröffnet. Der Vortragende begann mit der Darstellung der allgemeinen chemischen Ver¬ 
hältnisse der Mineralquellen und ging besonders ausführlich auf die Ionentheorie ein, besprach 
sodann die Vorteile und die Nachteile von chemischen Mineralwasseranalysen in Ionenform 
gegenüber der bisher üblichen Form der Darstellung als Salztabellen. Er erläuterte kurz das 
Wesen der chemischen Analysen und ging dann über auf die Besprechung der Wirksamkeit 
einzelner Mineralwasserbestandteile, die in der Hauptsache als Ionenwirkung aufzufassen ist 
Der Hauptteil des Vortrages befaßt sich sodann mit den Mineralwässern im einzelnen und wurde 
eingeleitet durch eine moderne Darstellung und eine neue wissenschaftliche Einteilung der 
Mineralquellen auf Grundlage der genannten Theorie. Ausgehend von der Einteilung der 
Mineralquellen, welche in dem vom Kaiserlichen Gesundheitsamte in Berlin herausgegebenen 
Deutschen Bäderbuche 1911 niedergelegt ist, zeigt Vortragender die graphische Darstellung einer 
solchen Einteilung, die in einigen erheblichen Punkten von dem ersten Versuche einer solchen 
Einteilung, wie sie im Bäderbuche enthalten ist, abweicht Inzwischen hat aber das Bekannt¬ 
werden namentlich mit japanischen Heilquellen und die weitere Erforschung anderer europäischer 
Quellen die Notwendigkeit mit sich gebracht, diese Einteilung noch einmal zu revidieren bzw. 
durch Aufnahme neuer Gruppen zu erweitern. Vortragender legt eine solche wohl zurzeit als 
vollständig aufzufassende Einteilung vor und bespricht die Wirkung der einzelnen Gruppen. 
Als Hauptwirkung kommen in Frage: die thermische Wirkung, die Wirkung der gelösten Gase, 
namentlich der Kohlensäure, die Schwefelwirkung, die Wirkung alkalischer Quellen, die Wirkung 
der Erdalkalien (Kalk und Magnesia) bei den sogenannten erdigen Quellen, die Wirkung des 
Chlors bei Kochsalzquellen, die Wirkung der Sulfationen bei Bitter- bzw. Glaubersalzquellen, 
bei den Gips-, Vitriol- und Alaunquellen. Den Schluß bildet eine kurze Besprechung der gerade 
auch jetzt wieder im Vordergrund des Interesses stehenden Arsenquellen. Nach dieser rein 
wissenschaftlichen Auseinandersetzung gibt Redner noch kurze Hinweise, in welcher Form die 
Errungenschaften wissenschaftlicher Forschung der Therapie nutzbar gemacht werden. 

Prof. Mohr-Halle: Gicht und Fettleibigkeit. Bei der Fettsucht sind zwei Formen 
zu unterscheiden, die exogene Form, welche sich als Mast- bzw. Faulheitsfettsucht darstellt, 
und die endogene Form, welche mit Sekretionsanomalien der inneren Drüsen im Zusammenhang 
steht. Jegliche Fettsucht beruht auf einem Mißverhältnis zwischen Energiezufuhr und Energie¬ 
umsatz. Bei der exogenen Form genügt daher eine Herabsetzung der Nahrungszufuhr und eine 
Steigerung des Umsatzes, um eine Körpergewichtsabnahme zu erreichen. Die endogene Form 
der Fettsucht verhält sich häufig refraktär gegenüber den üblichen Entfettungsmethoden, und 
der Energieumsatz kann nur durch Schilddrüsensubstanz gesteigert werden. Im Gegensatz zu 
der vielfach verbreiteten Annahme, daß Schilddrüsensubstanz auf das Herz und die Nieren 


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schädlich wirke, hält Vortragender die Thyreoidin-Therapie bei vorsichtiger Dosierung und 
richtiger Auswahl der Fälle für vollkommen gefahrlos. Man kann das Präparat wochenlang 
geben und nach längerer Pause die Therapie fortsetzen. 

Die exogene Form der Fettsucht stellt ein geeignetes Objekt für die Bäderbebandlung 
dar. Obzwar wir kein einziges Mineralwasser kennen, das von selbst eine Entfettung herbei- 
führen könnte, so muß man die Erfolge der Karlsbader Trinkkur insofern anerkennen, als es 
sich bei dieser um Kombinationswirkungen handelt, die auf diätetische Beeinflussung und 
gesteigerte Muskeltätigkeit zurückzufahren sind. Die großen Mengen kalten Wassers führen 
eine gesteigerte Peristaltik und eine verschlechterte Ausnutzung der Nahrungsmittel herbei. 
Vorwiegend aber werden durch eine Trinkkur die Störungen, die sich bei der Fettsucht ein- 
Btellen: Lebervergrößerung, Obstipation und Schädigung der Nieren, erfolgreich behandelt. Die 
mechanische Therapie (Massage) zeigt im Vergleich zur Methode der aktiven Muskeltätigkeit 
(Bergsteigen) nur sehr kleine Erfolge. 

Bei der Gicht handelt es sich um eine Störung des Harnsäurestoffwechsels. Der Gicht¬ 
kranke bildet nicht mehr Harnsäure, er scheidet die Harnsäure aber viel langsamer aus als der 
Gesunde. Als Ursache nahm man an, daß sich das Salz der Harnsäure beim Gichtkranken in 
einer unlöslichen Form befindet. Es scheint dies nach der Ansicht des Vortragenden nicht der 
Fall zu sein, sondern die Harnsäure wird durch die Kolloide des Blutserums in Lösung gehalten. 
Da Alkalien die Löslichkeit der Harnsäure einschränken, Säure dagegen sie befördert, so wurde 
daraus der Schluß gezogen, daß alkalische Wässer oder Kochsalzwässer eine Kontraindikation 
bei der Behandlung der Gichtkranken bilden. Die Praxis widerspricht der Theorie, denn sehr 
viele Gichtkranke gebrauchen mit großem Vorteil alkalische und Kochsalzqnellen. Die Therapie 
der Gicht muß verhindern, daß der Gichtkranke retiniert, und versuchen, die retinierte Harn¬ 
säure auszuschwemmen. Ersteres wird durch Verabreichung nukleinarmer Kost erzielt. Dabei 
ist zu bemerken, daß gewisse Gemüse, z. B. grüne Erbsen und Spinat, mehr Harnsäure ent¬ 
halten als Fleisch. Eine strenge fleischfreie Kost beim Gichtkranken durchzuführen, bat für die 
Dauer keinen Zweck. Im Gegenteil, aus theoretischen Überlegungen könnte die Verabreichung 
des Fleisches beim Gichtkranken sogar motiviert werden. Denn Fleisch enthält sehr viel 
Kalium, und Kalium ist ein Antagonist des Natriums, das die Löslichkeit der Harnsäure im 
Blut erschwert. Eine gemischte Kost, frugale und nicht luxuriöse Kost, wird den Bedürfnissen 
des Gichtkranken am besten entsprechen. Die Ausschwemmung der Harnsäure wird durch 
Mineralwässer begünstigt, der Erfolg der Mineralwasserkuren besteht nicht in einer Lösung der 
Harnsäure, sondern in einer direkten Beeinflussung der Leber, welche für den Harnsäurestoff¬ 
wechsel von hervorragender Bedeutung ist. Die Ausschwemmung der Harnsäure wird durch 
Atophan in hohem Maße angeregt Die Behandlung der Gicht mit Radiumemanation (Inhalation usw.) 
wird von dem Vortragenden warm empfohlen. 

Am fünften Vortragstage demonstrierte zunächst Prof. M oh r-Halle Bilder zu seinem gestrigen 
Vortrage, worauf Prof. Grödel-Nauheim die Krankheiten des Zirkulationsapparates 
besprach. Er gab zunächst einen kurzen Überblick über die Verhältnisse des physiologischen 
Experimentes in bezug auf die Wirkung der in den Bädern enthaltenen wirksamen Faktoren. 
Sodann besprach er die Wirkung der Bäder vom klinischen Standpunkte aus, sowie die Indi¬ 
kationen der verschiedenen Arten von Kreislaufstörungen tür die Bäderbehandlung, speziell mit 
Kohlensäure-Solbädern. Nach seiner Ansicht lassen sich keine einzelnen Gruppen ausnehmen, viel¬ 
mehr sind die Bäder für alle Arten von chronischer Kreislaufinsuffizienz, wenn dieselbe nicht zu sehr 
vorgeschritten ist, angezeigt. Der Vortragende gibt dann eine detaillierte Auseinandersetzung 
der Technik der Behandlung, bei welcher es in erster Linie darauf ankommt, auf den Grad der 
Kreislaufinsuffizienz Rücksicht zu nehmen, jedoch auch die Eigentümlichkeiten der einzelnen 
Herz- und Gefäßaffektionen in Betracht zu ziehen. 

Bei Arteriosklerose, namentlich mit hohem Blutdruck, empfiehlt Vortragender, im Gegen¬ 
satz zu der früher bestandenen Ansicht, an der Hand theoretischer Erwägung und auf Grund 
seiner reichen, praktischen Erfahrung die Bäderbehandlung. Über andere Arten von Bädern, die 
eventuell bei Behandlung von Kreislaufstörungen in Betracht kommen können, wird kurz be¬ 
richtet und die Bedeutung von Trinkkuren erörtert. Bei Diabetes, Gicht und Cholelithiasis 
wird eine Karlsbader Trinkkur bei Vorhandensein von Arteriosklerose sicher von Erfolg sein, 
doch darf keine hochgradige Kreislaufinsuffizienz, namentlich hoher Blutdruck mit Schwindel- 


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anfällen, vorliegen. Schließlich bespricht der Vortragende den Unterschied zwischen natürlichen 
und künstlichen Kohlensäurebädern, hebt den Vorteil der naturwarmen Kohlensäure*Solbäder 
und der Karlsbader kohlensauren Sprudelbäder gegenüber den künstlichen hervor. 

Prof. Hoff mann-Düsseldorf: Krankheiten der Respirationsorgane. Das Prinzip 
der Balneotherapie bei Lungenkrankheiten ist die Abhärtung des Organismus. Diese erfolgt 
in Höhenluftkurorten oder in der Seeluft. Die mehr trockenen oder feuchten Katarrhe werden 
mit Erfolg durch Trinkkuren (Lippspringe oder Bad Soden) behandelt. Bei Stauungen von 
Unterleibsorganen, bei Herzkrankheiten, welche eine Bronchitis zur Folge haben, empfiehlt sich 
der Gebrauch alkalisch-sulfatischer Quellen. Die günstige Wirkung der Trinkkuren, z. B. Lipp¬ 
springe, beruht nicht auf dem Kalziumgehalt der Quelle, auch nicht auf dem Radiumgehalt 
derselben, sondern auf bisher noch unbekannten Ursachen. Für beginnende Fälle von Tuber¬ 
kulose kommt Daueraufenthalt an der Nordsee in Betracht. Für die erethische Form der Tuber¬ 
kulose sind warme Orte, Korsika und Riviera, für ganz empfindliche Kranke die kanarischen 
Inseln zu empfehlen. Die Höhenluftkurorte (Arosa, Davos) wirken neben ihren klimatischen 
Faktoren vor allem durch die direkte Sonnenstrahlung. 

Prof. Lüthje-Kiel: Diabetes. Der Vortragende gibt zunächst einen historischen Über¬ 
blick über die Karlsbader Kur bei Diabetes und bespricht sodann die Arbeiten neuerer Autoren, 
die sich sowohl experimentell als auch klinisch mit der Bedeutung des Karlsbader Wassers für 
den Diabetes befassen. Wenn sich auch in vielfacher Beziehung Experiment mit der klinischen 
Erfahrung nicht deckt, so kommt der Vortragende doch zu dem Schlüsse, daß eine unmittelbare 
Wirkung der Mineralwässer auf die Glykosurie besteht. Die Erklärungsversuche des guten 
Einflusses der Quellen sind verschieden. Der Radiumgehalt scheint keine besondere Rolle zu 
spielen. Hingegen haben die katalytischen Vorgänge bei der Verbrennung des Zuckers eine her¬ 
vorragende Bedeutung. Ferner liegt die Annahme nahe, daß durch die Quellen die fermentative 
Beeinflussung und die Begünstigung des Kohlehydratabbaues erreicht werde. Nicht zu vergessen 
ist der Einfluß, den die Wärmezufuhr ausübt, und die günstige Wirkung der Mineralwässer bei 
jenen Formen der Diabetes, die mit Störungen der Abdominalorgane einhergehen. Neben dem 
Genüsse der Quellen wirken die Ruhe und die Sorglosigkeit sowie die klimatischen Faktoren 
erfolgreich mit. Ein voller Erfolg in der Behandlung des Diabetes kann aber erst dann erreicht 
werden, wenn in ausgiebiger Weise der Patient nach den Grundsätzen einer therapeutischen 
Diätetik behandelt wird. Es ist ein Fehler, den Schwerpunkt der Behandlung auf die Trinkkur 
zu verlegen, und ein verhängnisvoller Irrtum des Patienten, zu glauben, durch eine vierwöchige 
Trinkkur die übrige Zeit sündigen zu dürfen. Eine dankenswerte Aufgabe ist es für die 
Ärzte eines Kurortes, ihre Kranken nicht nur streng diätetisch zu halten, sondern auch streng 
diätetisch zu schulen. Erhält dadurch der Kurort den Wert eines großen freien Sanatoriums, 
in welchem die Diät und die Zuckerausscheidung der Patienten genauest kontrolliert wird, dann 
ist die Aufgabe gelöst und die Skepsis gewisser ärztlicher Kreise bezüglich der Kurorte wird 
verschwinden. Dadurch wird aber auch das Indikationsgebiet weiter gezogen werden. Zur 
Erfüllung dieses Wunsches sind drei Bedingungen notwendig: 1. Die Pensionen und die Hotels 
müssen gesonderte Diabetikertische führen. Bei seinem Rundgang durch die Restaurationen 
Karlsbads hat Herr Prof. Lüthje gesehen, daß dieser Forderung in Karlsbad in weitgehendem 
Maße bereits entsprochen ist. 2. Eine Zentralstelle für Analysen. Da man aus manchen Kur¬ 
orten noch immer Analysen zu Gesicht bekommt, die nur ein mitleidiges Lächeln des Sach¬ 
verständigen erwecken können, empfiehlt der Vortragende ein Zentrallaboratorium unter der 
Leitung eines Arztes und mit Hilfe von chemisch geschultem Personale (besonders Damen). 
3. Jedem Kurort müssen die Prinzipien einer ambulanten Diabetikerbehandlung bekannt sein. 
Werden die vorgenannten Postulate erfüllt, dann wird der Arzt zu Nutz und Frommen seiner 
Patienten jene Erfolge wissenschaftlich erzielen, welche tatsächlich schon durch Jahrhunderte 
alte Erfahrung den Ruf Karlsbads in glanzvoller Weise begründet haben. 

Anläßlich der Besichtigung des Sprudelsalzwerkes durch die Teilnehmer des balneologi- 
schen Kursus in Karlsbad erläuterte Direktor Dr. Sipöcz in einem durch zahlreiche Bilder und 
Zeichnungen unterstützten Vortrag die Gewinnung des natürlichen Karlsbader Sprudelsalzes. 
Das Salz, das seit dem Jahre 1718 urkundlich nachgewiesen ist, wurde zuerst durch die von 
Dr. David Becher ersonnene und durch 110 Jahre bis 1878 betriebene Verdampfungsmethode, 


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die in der Ausnützung der Wärme des ablaufenden Sprudelwassers bestand, gewonnen. Dann 
wurden die seit der 1869 erfolgten Errichtung des Salzsudhauses geübten Verdampfungsmethoden, 
wie die Pfannen Verdampfung mit Unterfeuerung, die Dr. Frank sehe Verdampfungsanlage mit 
einfacher Ausnützung der Dampfwärme sowie die seit 1898 im Betriebe stehenden, auf mehr¬ 
facher Ausnützung der Dampfwärme beruhenden Vakuumapparate, sowie die Erzeugung des 
kristallisierten und pulverförmigen Sprudelsalzes in den Einzelphasen ausführlich besprochen. 
Namentlich erregte die seit 2 Jahren im Sprudelsalzwerke eingerichtete Ableitung der natürlichen 
Quellenkohlensäure vom Sprudel und die Karbonisierung mit derselben das lebhafte Interesse 
der Teilnehmer. Nach dem Vortrage wurden unter Führung des Adjunkten Dr. Lang die 
Betriebsräume und Verpackung besichtigt. 

6. Tag. Prof. Falta-Wien: Das Radium als Heilmittel. Nach einem Überblick über 
die physikalischen und chemischen Eigenschaften der verschiedenen radioaktiven Elemente 
erörtert Vortragender die Applikationsweisen des Radiums. Er unterscheidet eine direkte äußere 
Bestrahlung, wie sie bei der Behandlung von außen zugänglicher Geschwülste und in der 
Dermatologie angewandt wird, und warnt gleichzeitig vor einer allzu optimistischen Auffassung 
bezüglich des Effektes. In der inneren Medizin findet die direkte Bestrahlung ihre Anwendung 
bei Neuralgien, Lumbago usw., und auch die Wirkung des Emanationsbades ist zum Teil auf 
äußere Bestrahlung zurückzuführen. Eine viel breitere Anwendung hat in der inneren Medizin 
die Einverleibung gewisser radioaktiver Elemente als einer Art innerer Bestrahlung gefunden. 
Man unterscheidet hierbei zwischen einer Reiz- und Hemmungsdosis. Letztere wird angewandt 
bei leukämischen und nicht leukämischen Lymphdrüsentumoren. Doch muß vor einer zu starken 
Dosierung dringend gewarnt werden und die Radiumtherapie durch die Röntgentherapie ergänzt 
werden, eventuell sind mittlere Dosen von Thorium X anzuwenden. Die Kuren mit Radium¬ 
emanation haben der Balneologie eine neue wissenschaftliche Grundlage gegeben. Sie haben 
altbewährten Kurorten, wie Gastein, Teplitz, Landeck, neue Anziehung verschafft und aus 
Joachimstal einen Kurort von Weltruf gemacht. Trinkkuren, Badekuren und Inhalationskuren, 
die einander nicht gleichwertig sind, sondern individualisiert werden müssen, sind angezeigt 
zur Hebung des Allgemeinbefindens rekonvaleszenter und überarbeiteter Personen, ferner bei 
rheumatischen Prozessen und Neuralgien, sowie bei der Gicht. Die Kontraindikationen 
(begleitende Herzaffektionen, Neigung zu Blutungen, hochgradige Neurasthenie) sind zu berück¬ 
sichtigen. Während bei manchen Kranken nur kleine Dosen angezeigt erscheinen, müssen in 
vielen Fällen große Dosen angewandt werden. Diese Erfahrungen sollte man endlich bei der 
Konstruktion von Emanatorien berücksichtigen und Emanatorien konstruieren, in denen hohe 
Dosen verabreicht werden können. Vortragender demonstriert ein von ihm konstruiertes Modell 
eines solchen Emanatoriums. 

Was nun die Stellung der Kurorte zur Emanationstherapie anbelangt, so ist es einerseits 
richtig, daß in den Emanatorien der Großstädte den Kurorten Konkurrenz erwachsen ist; trotz¬ 
dem werden aber die Kurorte die Anziehungskraft nicht verlieren, da auch für eine Radiumkur 
die Patienten der Hast des Berufslebens entzogen werden und in ein anderes Milieu versetzt 
werden müssen. Andererseits müssen auch in den Kurorten, die nicht über starke natürliche 
radioaktive Quellen verfügen, Emanatorien, die eine größere Breite der Dosierung gestatten, 
errichtet werden. 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


A. Diätetisches (Ernährungstherapie). 

H. Strauß, Praktische Winke für die 
chlorarme Ernährung. Zweite, vermehrte 
und verbesserte Auflage. Berlin 1913. Verlag 
von S. Karger. 64 Seiten. 

Beim ersten Erscheinen dieses Buches 
haben wir seine Vorzüge besprochen (Bd. 15, 
S. 45 dieser Zeitschrift). Bei der Neuauflage, 
die schon nach 3 Jahren nötig wurde, sei 
hervorgehoben, daß ein kurzes, aber sehr er¬ 
wünschtes Kapitel neu hinzugekommen ist: 
„ Anwendungsgebiet der chlorarmen Ernährung.“ 
Die Zahl der Kochvorschriften wurde erheblich 
vermehrt und besonders die Zubereitungsformen 
der reizlosen Diät bei schweren Nierenleiden 
neu bearbeitet Durch diese und andere 
Änderungen ist die praktische Brauchbarkeit 
der Broschüre noch weiter erhöht worden. 

W. Alexander (Berlin). 


J. König (Münster i. W.)> Nährwerttafel. 

Elfte, verbesserte Auflage. Berlin 1913. 

Verlag von Julius Springer. 

Die seit langem bekannte Nährwerttafel von 
König, die den Gehalt der Nahrungsmittel 
an ausnutzbaren Nährstoffen, ihren Kalorien¬ 
wert und Nährgeldwert sowie den Nährstoff bedarf 
des Menschen in übersichtlicher, farbiger, 
graphischer Darstellung gibt, ist soeben in 
11., verbesserter Auflage erschienen. Diese 
Tafel dürfte auch den Nichtfachmann inter¬ 
essieren, da sie in Kürze über den Wert der 
heutigen Nahrungsmittel orientiert. Überdies 
sind zur Erleichterung des Verständnisses noch 
textliche Erläuterungen beigegeben. 

Roubitschek (Karlsbad). 


R. Berg (Dresden), Die Nahrungs- und Ge- 
nußmittel, ihre Zusammensetzung und ihr 
Einfluß auf die Gesundheit, mit besonderer 
Berücksichtigung der Aschenbestandteile. 
Dresden 1913. Verlag von Holze & Pahl. 
Ausgehend von der seit den Salkowski- 
schen Untersuchungen bekannten Tatsache, 
daß Chlor den Körper nur an Kali oder Natron 


gebunden durch die Nieren verläßt und Phos 
phor und Schwefel nur als Säuren, die durch 
anorganische Basen neutralisiert werden müssen, 
den Körper verlassen können, wobei Ammoniak 
im Notfall die anorganischen Basen ersetzen 
kann; ausgehend von dieser Tatsache stellt 
Berg die Forderung auf, daß eine gesunde 
Nahrung stets so viel anorganische Basen ent¬ 
halten müsse, um die gleichzeitig eingeführten 
anorganischen Säuren mehr als abzusättigen. 
Oder die Nahrung muß mehr Äquivalente solcher 
Basen als Säureäquivalente enthalten. Um 
diese Forderung bezüglich des Mineralstoff¬ 
wechsels zu ermöglichen, hat Verfasser alle in 
der Literatur enthaltenen Angaben über den 
Gehalt anorganischer Bestandteile unserer 
Nahrungsmittel zu Tabellen zusammengestellt, 
die er noch durch eine große Zahl eigener 
Untersuchungen ergänzte. Außerdem hat er 
die enthaltenen Basen und Säuren in besonderen 
Kolonnen in ihrem Verbindungsgewicht, und 
zwar in Milliäquivalenten angegeben und deren 
Differenz daneben ausgerechnet. Der Basen¬ 
oder Säureüberschuß ist somit für jeden Nah¬ 
rungsstoff der Tabelle (340 im ganzen) ohne 
weiteres zu entnehmen. So zeigen alles Fleisch, 
die Eier, Fette, Käsesorten und alle Körner¬ 
früchte einen Säureüberschuß, ebenso die Hülsen¬ 
früchte, Nußarten, Kakaopulver, Schokolade und 
Kolanüsse. Dagegen besitzt alles Blut, mit Aus¬ 
nahme des Hühnerblutes, ferner Milch und 
Sahne und besonders die Kartoffel und die 
Wurzelgemüse einen starken Überschuß an 
Basen. Auch alle Gemüsesorten mit Ausnahmen 
der aus Knospen- und Blütenteilen bestehenden, 
sowie Obst und Früchte sind basenreich, dazu 
kommen noch Zucker, Tee, Kaffee, Bier und 
Wein. Durch die Zubereitung werden diese 
günstigen Verhältnisse teilweise allerdings er¬ 
heblich beeinträchtigt. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

Lichtenfeit, Die Geschichte der Ernährung. 

Berlin 1913. Verlag von Georg Reimer. 

Das vorliegende Buch verdankt seine Ent¬ 
stehung einer Bearbeitung des wissenschaft- 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


liehen Nachlasses Ernst Engels, der allerdings 
in der Hauptsache nur in einer Sammlung 
von Wirtschaftsrechnungen aus verschiedenen 
Ländern und Zeiten bestand. Auf dieser Grund¬ 
lage hat Verfasser ein großzügiges Werk 
geschaffen, das unter Verwertung zahlloser 
Forschungsergebnisse und umfassenderLiteratur- 
kenntnisse ein getreues Bild der Ernährungs¬ 
geschichte aller Zeiten gibt 

Nach einigen kurzen Angaben über Zweck 
und Quellen der Ernährung führt uns Verfasser 
auB der urgeschichtlichen Zeit zu den älteren 
nicht europäischen Völkern. Aus den Ur¬ 
anfängen und der Kindheit des Menschen¬ 
geschlechts besitzen wir keine sicheren Kultur¬ 
reste. Wie uns aber gewisse Funde aus den letzten 
prähistorischen Zeiten lehren, gab es auch in 
diesen Perioden der Menschheitsentwicklung 
schon eine geregelte bewußte Tätigkeit für 
Ernährungszwecke. Bessere Forschungsquellen 
stehen uns bereits für das Studium der Ernährung 
bei den Assyriern und Babyloniern zur Verfügung. 
Aber erst im alten Ägypten betreten wir ge¬ 
schichtlichen Boden, und die sicherste Grund¬ 
lage für die Anschauungen über Ernährung 
gewinnen wir auf Grund der Bibel für das 
Volk Israel. Von diesem führt die Entwicklung 
des Nahrungswesens über die Mittelmeervölker, 
Hellenen, Römer und Gallier zu den Germanen 
und weiterhin zu den neueren, geschichtlichen 
Völkern vom Frühmittelalter bis zum Ausgang 
des 18. Jahrhunderts! Wie in allen diesen 
Zeitperioden und bei allen diesen verschieden¬ 
artigen Völkern die Grundlagen der Ernährung 
beschaffen waren, welche Gesetze ihr je nach 
Neigung, Wohnsitz und religiösen Anschauungen 
zugrunde gelegt wurden, das beschreibt Ver¬ 
fasser in anschaulicher Weise. In engem Zu¬ 
sammenhang damit steht die Entwicklung, 
welche die Ausnutzung der pflanzlichen und 
tierischen Nahrung vom grauen Altertum bis 
in die Neuzeit durchgemacht hat. Wir erfahren, 
wie sich aus der ersten primitivsten Verarbeitung 
des Getreides (Rösten und Mahlen mit Hand¬ 
steinen) die heutigen, zum Teil komplizierten 
Herstellungsverfahren der verschiedenen Ge- 
bäcksorten entwickelten. In ähnlicher Weise 
wurde auch die Benutzung der tierischen 
Nahrung vervollkommnet, wie das in der Her¬ 
stellung von Fleisch-, Milch- und Eikonserven, 
in der Herstellung künstlicher Eiweißpräparate 
usw. seinen Ausdruck findet. 

An diese rein geschichtlichen bzw. kultur¬ 
geschichtlichen Abhandlungen schließen sich 
Betrachtungen über die Entwicklung der 


chemischen und physiologischen Erkenntnis 
auf dem Gebiet der Ernährung, die zu dem 
zweiten Teil des Buches überleiten. Dieser 
ist den volkswirtschaftlichen Ergebnissen des 
Studiums der Ernährung gewidmet. Für den 
Arzt ist dieser zweite Teil von nicht minder 
hohem Interesse; denn für die Erhaltung der 
Volksgesundheit, die sich auf einer zweck¬ 
mäßigen Volksernährung aufbaut, ist er ebenso 
verantwortlich wie der Wirtschaftspolitiker. 
Darum dürfte auch dieses Buch mit seiner Fülle 
von Anregungen auf den Gebieten der Ernährung, 
Volkswirtschaft und Hygiene dem Politiker 
und Kulturhistoriker in gleicher Weise wie dem 
Arzt und Hygieniker willkommen sein. 

_Elsner (Berlin). 

Salomon (Wien), Die dl&tetische Therapie 
der Urtiearhu Wiener klin. Wochenschrift 
1913. Nr. 35. 

Empfehlung einer eiweißarmen Kost (Tee 
oder Kaffee mit reichlich Zucker, Bouillon, 
Zitronensaft, Traubensaft, Schrotbrot mit reich¬ 
lich Butter, Reis, Grieß, Gerste [keine Legu¬ 
minosen!], Blattgemüse, Kartoffeln, Obst). Diese 
wird 14 Tage lang beibehalten, dann allmäh¬ 
lich zur gewöhnlichen Nahrung übergegangen. 
Die meisten Fälle heilen, ohne zu rezidivieren, 
wenn man zu der üblichen Nahrung übergeht. 

H. E. Schmidt (Berlin). 

C. 1. Ewald (Berlin), Über das Ulcus 
duodenale« Berliner klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 39. 

Nach Verfasser beruht die Behauptung, 
daß das Duodenalgeschwür häufiger wie das 
Magengeschwür ist, auf einem Irrtum. An 
seinem eigenen Material der letzten 3 1 /* Jahre 
fand sich das Verhältnis von 1:6. Auf die 
Anamnese allein kann man keine Diagnose 
stellen, der HungerBchmerz fand sich nur in 
I 44% der Fälle, am konstantesten finden sich 
Angaben über die lange Dauer des Leidens 
und den verspäteten Eintritt der Schmerzen, 
oft 2 -4 Stunden nach der Nahrungsaufnahme. 
Von den klinischen Zeichen am wichtigsten 
sind der Blutnachweis im Stuhl bei fleischfreier 
Kost und gleichzeitigem Fehlen des Blutes im 
Mageninhalt, dann das Bestehen einer starken 
Hyperazidität oder Hypersekretion, oft auch 
Parasekretion, und schließlich der charakteri¬ 
stische Röntgenbefund. Hierbei findet man 
lebhafte Antrumperistaltik bei offenem Pylorus 
und ständige Duodenalfüllung. Häufig zeigt 
sich am Sitz des Geschwürs ein hellerer Fleck 
mit gelegentlicher Gasblase (Haudeck) und 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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Ausgüsse und zapfenartige Füllungen bei Ver¬ 
wachsungen und stenosierenden Prozessen. 
Trotz offenem Pylorus findet sich ein Sechs- 
stundenrest. Der subjektive Schmerzpunkt (in 
der Mittellinie oder rechts davon) entspricht 
meist nicht dem röntgen - palpatorischen 
Duodenaldruckpunkt. Eammidge-Reaktion und 
Einhorns Eimerchen können bei der Dia¬ 
gnose entbehrt werden. In vielen Fällen bleibt 
die Diagnose unsicher. Die Berechtigung der 
inneren Behandlung ergibt sich einmal auB der 
Seltenheit der im Duodenum zu findenden 
Narben (gute Heilungstendenz) und den guten 
klinischen Resultaten. Von 82 Fällen kamen 
nur 18 zur Operation, die übrigen heilten 
anstandslos. Zum Schluß teilt Verfasser das 
Röntgenbild und Zeichnung eines charakteri¬ 
stischen Falles mit, der an einer postoperativen 
Pneumonie starb. E. Mayerle (Karlsruhe). 

S. J. Tkannhauser und Helene Pfitzer 
(München), Cher experimentelle Hyper¬ 
glykämie beim Menschen durch Intra¬ 
venöse Zuckeriqjektion. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 39. 

Der Normale scheidet zum ersten Male bei 
20 g injiziertem 7 proz. Traubenzucker eine 
Viertelstunde nach der Injektion Bruchteile 
eines Grammes Zucker im Urin aus. Bei 
größeren Injektionen wächst die Menge des 
Harnzuckers nicht im Verhältnis zur mehr 
injizierten Glykose. Der Blutzuckerwert des 
Normalen ist bei Injektion von 500 ccm 7 proz. 
Traubenzucker nach einer Viertelstunde wieder 
auf dem Normalniveau. Der Leberkranke 
behält stundenlang nach der Injektion eine 
Hyperglykämie ohne Glykosurie. Bei chro¬ 
nischer Nephritis erhält man, von einem erhöhten 
Anfangswert ausgehend, eine sehr steile Kurve 
und ein Zurückgehen auf den Anfangs wert in einer 
Viertelstunde, dabei nur geringe Glykosurie. 
Bei Diabetes mellitus wird in schweren Fällen 
der ganze injizierte Traubenzucker, in leichten 
Fällen nur ein mäßiger Bruchteil desselben 
im Ham ausgeschieden. Dabei ist die Blut¬ 
zuckerkurve in den schweren Fällen nicht steil, 
sondern flach und langgestreckt, in den leichten 
Fällen den Werten des Normalen sehr ähnlich. 

v. Rutkowski (Berlin). 

M. Looper (Paris), Le rdgime sncrd dans 
Paleöre intolerant de Pestomac« Le Pro- i 
grös Mödical 1913. TTr. 40. 

Verfasser scheidet eine Form des Magen¬ 
geschwüres aus, die sich mit besonders häufigem 
Erbrechen verbindet und deren Sitz vorwiegend 


die kleine Kurvatur oder die hintere Wand des 
Magens sein soll. Er nennt diese Form Ulcus 
intolerans und hat gefunden, daß bei ihr eine 
Zuckerdiät gut vertragen wird, am leichtesten 
zum Ziele der Stillung des Erbrechens führt 
und außerdem von allen Diäten am meisten 
eiweißsparend wirkt Er gibt im Beginn ein¬ 
fache Pflanzensirupe, dann säurearme Gelees 
von Äpfeln, Stachelbeeren, Quitten, Malzbonbons, 
Gummibonbons, Traubensaft, Aufgüsse von 
Früchten usw., erst später Mehlpräparate leichter 
Form, dann Karottenbouillon, Lattichbouillon 
mit Arrowroot und Tapioka, überhaupt Gemüse¬ 
bouillons mit eiweißarmen vegetabilen Zusätzen. 
Zuletzt gezuckertes Eiweißwasser, Breie, endlich 
Milch. Um der Demineralisation im Beginn zu 
steuern, gibt man kleine Gaben von Natrium¬ 
oder Kalkphosphat 

van Oordt (Rippoldsau). 


M. Hirschberg (Schloß Tegel), DieTherapie 
der chronischen Anazidit&t Berliner klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Für die Therapie der chronischen An¬ 
azidität kommen folgende zwei Gesichtspunkte 
in Betracht: 1. den Ersatz mangelhafter oder 
fehlender Sekrete tunlichst zu bewirken, 2. die 
Nahrungszufuhr so einzurichten, daß der 
erkrankte Magen einerseits geschont, anderseits 
aber seine Kapazität bezüglich der Sekretion 
und Motilität ausgenutzt wird. Der ersten 
Forderung wird die Salzsäure- und diePankreon- 
therapie gerecht, der Trinkkur mißt Autor eine 
geringere Bedeutung bei. Bezüglich der Nah¬ 
rungszufuhr ist die Auswahl der Speisen so 
zu treffen, daß dem Magen möglichst wenig 
Arbeit verursacht wird. Zu diesem Zwecke 
wird man bei akuten Fällen die Speisen in 
flüssiger oder breiiger Form verabreichen 
(Fleisch, Fett, Zucker, zellulosehaltige Gemüse 
sind verboten), während bei chronischen Fällen 
jene Speisen heranzuziehen sind, die eine Saft¬ 
sekretion verursachen. Es sind dies Gewürze 
und Extraktivstoffe (Bouillon, bindegewebs- 
armes Fleisch, Geflügel), während Fette als 
sekretionshemmend zu verbieten sind. Gemüse 
(Schwarzwurzel, Artischocken, Kohlrabi) sind 
püriert zu verabreichen, bei gastrogenen Diar¬ 
rhöen aber ganz zu meiden, von gekochten 
Eiern ist das Eigelb oftmals unbekömmlich, 
während es in rohem Zustande mit etwas Wein 
gut vertragen wird. Milch wird häufig gut 
vertragen, Sahne hingegen nicht. Das Fleisch 
kann sowohl in rohem Zustande (geschabt), 
als auch gebraten genossen werden. Die 


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112 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


wichtige Tatsache, daß das psychische Moment 
bei der Nahrungsaufnahme von größter Bedeu¬ 
tung ist, wird bezüglich der Anrichtung, Um¬ 
gebung usw. weitgehende Berücksichtigung 
finden müssen. Roubitschek (Karlsbad). 

H. Kühl (Berlin), Uber den Einfluß niedriger 
Temperatur auf die Zersetzung der Nahrungs¬ 
mittel. Hygienische Rundschau 25. Jahrgang. 
Nr. 17. 

Nur wenige Bakterien vermögen bei 0 0 zu 
wachsen, die Kaseinverflüssigung und nach¬ 
folgende Fäulnis der geronnenen Milch geht in 
langsamerem Tempo auch im Eisscbrank vor 
sich, aber sie ist eine Wirkung der Bakterien¬ 
enzyme, die Bakterien selbst sterben ab. Die 
Magensaftfermente der Fische bleiben ebenso 
bei 0° wirksam. Auch der bei der Auf¬ 
bewahrung in Kühlräumen von 3—5° vor sich 
gehende Reifungsprozeß des Fleisches ist ein 
fermentativer Vorgang, indem sich das zähe 
trockene Muskelgewebe in mürbes, saftiges 
Fleisch verwandelt. Bakterien-Fäulniswirkung 
kann ausgeschlossen werden, da die gewöhnlich 
in Luft und Wasser vorkommenden Fäulnis¬ 
erreger bei Gefrierpunktstemperatur auf Platten 
erst in 5—6 Wochen kleine Kolonien bilden 
und in 6 Tagen höchstens 1 cm tief in das 
Fleisch hätten eindringen können, während der 
Reifungsprozeß in dieser Zeit das ganze Fleisch 
durchsetzt. Fische dürfen ihm nicht unter¬ 
worfen werden, da sie dann ungenießbar sind. 
Läßt man sie dagegen gefrieren, so zersetzen 
sie sich nicht. Zu diesem Zweck werden die 
Fische in ein Kältegemisch von Kochsalz und 
Eis eingelegt, oder frisch getötet mit Salz ein¬ 
gerieben und in Eis verpackt. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

T. Sngimoto (Tokio-Wien), Uber die anti- 
tryptische Wirkung des Hühnerei weißes. 
Archiv für experimentelle Pathologie und 
Pharmakologie 1913. Bd. 74. Heft 1 und 2. 

Bei den Versuchen des Verfassers wurde 
zur Bestimmung des antitryptischen Index die 
Fuld-Groß sehe Kaseinmethode, als Trypsin¬ 
präparat Pankreatin „Rhenania“ benutzt. Es 
zeigte sich, daß Hühnereiweiß eine intensive 
antitryptische Wirkung besitzt, die erst bei 
einer Verdünnung von 1:5000 schwindet. Die¬ 
selbe ist hauptsächlich an die Globulinfraktion 
gebunden, während der Albuminfraktion nur 
geringe Hemmungswirkung zukommt. Durch 
Extraktion mit Äther, Petroläther, Essigäther, 
in geringerem Maße auch mit Benzol und Benzin 
wird die Hemmungswirkung des Eiweißes 


bedeutend abgeschwächt; auch einfaches Aus¬ 
schütteln mit Olivenöl schwächte die Trypsin¬ 
hemmung des Eiereiweißes ab. Zusatz der aus 
dem Eiereiweiß dargestellten Lipoide konnte 
die Hemmungswirkung des Eiereiweißes nicht 
wesentlich verstärken. Die Lipoide allein übten 
in den angewandten Konzentrationen auf die 
tryptische Kaseinverdauung eine nur geringe 
Hemmungswirkung aus. 

Roemheld (Hornegg a. N.). 

Wilhelm Stepp u. Erwin Schlagintweit 
(Gießen), Experimentelle Untersuchungen 
Uber den Mechanismus der Pankreas¬ 
sekretion bei Störungen der Magensaft¬ 
sekretion. Deutsches Archiv für klin. Me¬ 
dizin 1913. Heft 1 und 2. 

Ausgehend von der Annahme, daß die An¬ 
regung der Pankreassekretion fast ausschließlich 
auf chemischem Wege durch Einwirkung des 
salzsaurcn Mageninhaltes auf die Darmschleim¬ 
haut zustande kommen soll, suchten die Autoren 
im Tierexperiment zu prüfen, ob Mageninhalt 
von achylischen Personen, nach Probefrühstück 
entnommen, ebenso imstande sei, aus Darm¬ 
schleimhaut die pankreaserregende Substanz 
zu gewinnen, wie salzsaurer Magensaft. Be¬ 
züglich der Methodik, die im Original beschrieben 
wird, hielten sich die Verfasser genau an die 
Starlingsche Technik. Es ergab sich, daß 
in den meisten Fällen von Achylia gastrica der 
Mageninhalt sich zur Extraktion der pankreas- 
erregenden Substanz aus der Darmschleimhaut 
gesunder Hunde nicht eignete: fast regelmäßig 
hatten solche Extrakte bei intravenöser Ein¬ 
verleibung keine Pankreassekretion zur Folge. 
Merkwürdigerweise ergaben dagegen achylische 
Säfte von Magenkarzinomkranken in der über¬ 
wiegenden Mehrzahl sehr stark wirksame 
Extrakte, die meist sogar dem Sekretin weit 
überlegen waren. Vielleicht spielt der Salz¬ 
gehalt der Magensäfte hierbei eine Rolle 
(bei Karzinommagensäften erhöhter Gehalt an 
j Chloriden). Jedenfalls ist es nach den Versuchen 
der Autoren schwer zu erklären, daß bei 
Achylikem das Pankreas ebenso auf chemischem 
Wege die Anregung seiner Tätigkeit erfahren 
soll wie in der Norm. Zur weiteren Ent¬ 
scheidung der Frage werden Experimente an 
Hunden mit chronischer Pankreas- und Duo¬ 
denalfistel in Aussicht gestellt. Man braucht 
einem solchen Tiere nur den zu prüfenden 
Mageninhalt in das Duodenum einzuspritzen 
und nachzusehen, ob Pankreassekretion eintritt 
oder nicht. Roemheld (Hornegg a. N.\ 


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Keferate über Bücher und Aufsätze. 


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B. Hydro-, Balneo- and Klim&to- 
therapie* 

Arnetb (Münster), Über die Behandlung 
der akuten Bronchitis, Bronchiolitis und 
Bronchopneumonie bei S&nglingen und 
jungen Kindern, speziell mit heißen Bädern» 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 
Nr. 39. 

Die empfohlenen Bäder wurden um so häu¬ 
figer verabfolgt, je schwächlicher das Kind, je 
mangelhafter die peripherische Zirkulation, bis 
zu 5 mal am Tage (bei 3 stündlicher Messung), bei 
mäßiger Temperatursteigerung (bis 39°) 3mal, 
morgens, mittags und abends. Die Wasser¬ 
temperatur betrug 41 0 C, mußte bei Bädern 
von 10 Minuten Dauer durch Nachfüllen von 
heißem Wasser aufrecht erhalten werden. Die 
Zeitdauer des Bades betrug bei Temperaturen 
bis zu 39 0 10 Minuten, bei höherer Temperatur 
nur 5 Minuten. Zum Schluß wird eine rasche 
kühle Übergießung auf Nacken und Brust an¬ 
gefügt. Die Temperatur steigt kurze Zeit nach 
dem Bade etwas an, um dann aber für längere 
Zeit zu sinken. Das Bad selbst ist den Kindern 
zunächst unangenehm, sie werden unruhig, 
nach dem Bade fühlen sie sich sehr gut, oft 
tritt tiefer Schlaf ein. Die Atmung, im Bade 
dyspnoisch, geht nachher in der Frequenz 
herab, die Lungenprozesse sollen gut beeinflußt 
werden. Diese heißen Prozeduren, von H. N e u - 
mann übrigens immer für manche Zwecke 
empfohlen, haben noch keine allgemeine An¬ 
wendung gefunden. Die Versuche des Ver¬ 
fassers sind aber einer ausgiebigen Nachprüfung 
wert, zumal der Säugling die kalten Prozeduren 
oft schlecht verträgt. Die Wirkung ist wohl 
ähnlich derjenigen der von Heubner oft an¬ 
gewandten Senfpackung. Japha (Berlin). 


H. Schmerz (Graz), Improvisierte Heißluft¬ 
apparate» Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 39. 

Praktische Heißluftapparate lassen sich 
leicht aus Gips, Gipsbinden und einem Zaun¬ 
drahtgeflecht hersteilen. Einen derartigen 
improvisierten Gipsheizkasten kann man auch 
leicht noch mit dem Mirtlsehen Heizofen 
verbinden. Diese Kombination hat den Vorteil, 
daß man bei einmaliger Anschaffung eines der¬ 
artigen Heizofens die verschiedenen, ziemlich 
kostspieligen Formen der Apparate durch die 
improvisierten ersetzen kann. 

v. Kutkowski (Berlin). 


Zoitsehr. f. phy«ik. n. diät. Therapie Bd. XVIII. Heft 2. 


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fl. Kauffmann (Berlin), Die Notwendigkeit 
einer strengen Abgrenzung der Begriffe 
„Kur- und Badeort“ gegenüber den freien 
Erholungsstätten und die sich hieraus er¬ 
gebenden Folgen» Zeitschrift für Balneologie, 
Klimatologie und Kurort-Hygiene 6. Jahrgang» 
Nr, 15. 

Kauffmann macht auf die Schwierigkeit 
scharfer Unterscheidung zwischen wirklichen 
Kurorten und einfachen Erholungsstätten und 
auf die dringende Notwendigkeit präziser 
Trennung aufmerksam. Zur ersten Notwendig¬ 
keit, sich berechtigt Kurort zu nennen, gehört 
die Anwesenheit eines Arztes, die Be- und 
Entwässerung im Sinne heutiger hygienischer 
Anforderungen, die Möglichkeit, Patienten mit 
ansteckenden Krankheiten zu isolieren usw. 
Mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der 
landschaftlichen und wirtschaftlichen Verhält¬ 
nisse wird eine Rundfrage mit Fragebogen zur 
Lösung vorgeschlagen. E. Tobias (Berlin). 


Schnitzen (Berlin), Die Ausnutzung der 
Heilfaktoren der Meeresküste für den 
HeeressanitätsdienBt» Zeitschrift für Balneo¬ 
logie, Klimatologie u. Kurort-Hygiene 6. Jahr¬ 
gang. Nr. 16. 

Schnitzen beginnt mit allgemeinen Aus¬ 
führungen über die Benutzung von Kurorten in 
der Armee. Für die Verwendung von außer¬ 
gewöhnlichen Heilverfahren sind für Heeres¬ 
angehörige Grenzen gezogen, die die Durch¬ 
führung notwendiger Kuren gewährleisten, 
aber auch das dienstliche Interesse und die 
Forderungen angemessener Sparsamkeit be¬ 
rücksichtigen. Bedingung ist, daß Revier- und 
Lazarettbehandlung keinen genügenden Erfolg 
versprechen und daß der zu erwartende Erfolg 
ein wesentlicher ist. In 77 Kurorten und Heil¬ 
anstalten sind für den Frieden, in 91 für den 
Kriegsfall Vorkehrungen zur Behandlung von 
Heeresangehörigen getroffen. Nur aktive Militär¬ 
personen haben Anspruch auf kostenfreie Bade¬ 
kuren. Alle näheren Einzelheiten sind genau 
angegeben und einige Tabellen und Zahlen 
hinzugefügt, welche beweisen, daß die Neigung 
zur Verwendung von Badekuren als Heilmittel 
im Heeressanitätsdienst dauernd zunimmt. See¬ 
bäder sind verhältnismäßig weniger beteiligt. 

Die Heeressanitätsverwaltung hat die Wirkung 
der Meeresküste und ihrer Heilfaktoren noch 
durch Einrichtung eines eigenen Genesungsheims 
in Hochwasser bei Danzig ausgenutzt. Neben 
den einschlägigen physikalischen Heilmethoden 
kommen in dieser Art von Sanatorium auch 

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Referate über Bücher and Aufsätze. 


militärische Übungen zur Anwendung, welche an 
den Dienst wieder gewöhnen sollen. Schultzen 
bespricht dann noch kurz die für die Familien der 
Unteroffiziere vorgesehenen Kureinrichtungen 
an der Meeresküste und die Wohlfahrtsbe- 
Strebungen privater Natur zu diesem Zweck. 
Neue Einrichtungen sind im Gange, um das 
Zusammenarbeiten von Heeresverwaltung und 
Wohlfahrtsbetätigung auszubauen. 

E. Tobias (Berlin). 

A. Förster (Cassel), Zur Frage der Anzeige¬ 
pflicht bei Typhusverdacht in Kur- und 
Badeorten. Zeitschrift für Balneologie, 
Klimatologie und Kurort-Hygiene 6. Jahrgang. 
Nr. 16. 

Förster stellt sich in der in letzter Zeit 
viel diskutierten Frage auf dieSeite von Breger, 
daß die Nichtanzeige bei Typhusverdacht für 
die Seuchenbekämpfung ein schweres Hemmnis 
und einen empfindlichen Mangel bedeutet, der 
sobald als möglich gesetzlich beseitigt werden 
sollte. Die diesbezügliche Anrufung der Gesetz¬ 
gebung böte gleichzeitig Gelegenheit, das 
Seuchengesetz zu revidieren, auch in den 
neueren Fragen es den Ergebnissen der Forschung 
anzupassen, so in dem Punkte der Bazillenträger, 
zwecks Verhütung der Typhusausdehnung. 

E. Tobias (Berlin). 

E. Vollmer (Bad Kreuznach), Über Kinder¬ 
beilstätten undSeebospize ftm Kampfe gegen 
die Tuberkulose. Fortschritte der Medizin 
1913. Nr. 37. 

Die Weiterentwicklung der Kinderfürsorge 
und speziell die Fürsorge der tuberkulose¬ 
bedrohten Kinder muß intensiv betrieben werden. 
Eine systematische Suche nach skrofulösen und 
initialtuberkulösen Kindern kann nur dadurch 
gelingen, daßauch auf dem Lande und inkleineren 
Städten ganz allgemein Schulärzte angestellt 
werden. Die von den Schulärzten ausfindig 
gemachten tuberkulösen und skrofulösen Kinder 
müssen den Fürsorgestellen für Tuberkulose¬ 
bekämpfung bekanntgegeben werden und diese 
müssen die Überweisung der Kinder in Kinder- 
heilstätten organisieren. Es wäre unzweckmäßig 
einseitig, die Seehospize als geeignet für die 
Skrofulöse und Kindertuberkulose zu empfehlen. 
Jeder Klimawechsel erfüllt den Zweck. Die 
Hauptsache bleibt, daß die bedrohten Kinder 
erstens aus ihrer Umgebung einmal herausgeholt 
und zweitens durch eine ordentliche Anstalts¬ 
pflege mit See- oder Solbädern, Wanderungen, 
Liegekuren gekräftigt und widerstandsfähiger 
gemacht werden. Roubitschek (Karlsbad). 


James M. Anders (Philadelphia), The role 
of phjrsical exercise in the open air in 
the prophylazis of tuberculosis. Medical 
Record 1913. 1. November. 

Allgemeine Betrachtungen über die Wich¬ 
tigkeit der physikalischen Methoden in der 
Prophylaxe und Therapie der Lungentuber¬ 
kulose. Georg Koch (Wiesbaden). 

Lapinsky (Kiew), Zur Ätiologie und Be¬ 
handlung verschiedener klinischer Formen 
der Kiavlerspielerlnnennenrosen. Neurolog. 
Zentralblatt 1913. Nr. 22. 

Auf Grund von 45 Fällen unterscheidet 
Verfasser zwei verschiedene Formen der ge¬ 
nannten Krankheit: 

1. die spastisch-neuralgische mit 
Druckempfindlichkeit der Schulter- und Nacken¬ 
muskeln, des Plexus des Armes, des Bauches, 
des N. cruralis und der Obturatorii. Ursache: 
chronische Genitalaffektion mit Störung in der 
Blutversorgung der Schultermuskeln. Behand¬ 
lung: heiße Prozeduren an den Extremitäten, 
Unterleib und Kreuz. Novokaininjektionen in 
die kranke Muskulatur. 

2. Die paralytisch-neuralgische Form: 
keine Druckempfindlichkeit der Muskeln und 
Plexus. Ursache: allgemeine Erschöpfung, 
keine Unterleibserkrankung. Behandlung: 
kühle und tonisierende hydriatiscbe Prozeduren. 

Die Unterscheidung der beiden Formen 
ist praktisch von großer Wichtigkeit, weil sich 
diese Fälle nur nach den angegebenen Prinzipien 
therapeutisch richtig anfassen lassen. 

W. Alexander (Berlin). 


C. Gymnastik, Massage, Orthopädie 
and Apparatbehandlnng. 

R* Heuß (München), Die ambulante Be¬ 
handlung des varikösen Symptomen- 
komplezes — insbesondere des Unter- 
schenkelgesckwttres — mit der Klebro- 
binde. Münchener med. Wochenschrift 1913. 
Nr. 39. 

Verfasser empfiehlt zur Behandlung der 
Varicen, Ulcera cruris und der Stauungs¬ 
dermatose die Klebrobinde (W. J. Teufel-Stutt¬ 
gart), eine elastische, poröse, klebende Roll¬ 
binde. Die Masse selbst enthält in ihrer 
Hauptzusammensetzung die Verbindungen von 
Blei in Gestalt von Lithargyrum, geringe Menge 
harziger Säuren, kein Kautschuk. 

v. Rutkowski (Berlin). 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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H. Davidoff (New York), Biers artificial 
Hjperemla as a tkerapentfc agent. Medical 
Record 1913. 20. September. 

Allgemeine Betrachtungen über die Biersche 
Hyperämie, ihre Indikationen und Kontraindi¬ 
kationen. Georg Koch (Wiesbaden). 

W. B. Cadwalader and J. E. Sweet (Phila¬ 
delphia), Experiments on Intradural an- 
astomosis of nerres for the eure of para- 
Ijsis. Medical Record 1913. 1. November. 

Die Autoren versuchten auf experimen¬ 
tellem Wege an Hunden eine Vereinigung in¬ 
tradural durchschnittener Nerven. Dabei zeigte 
sich, daß der Vereinigung eine überschüssige 
Bildung von Narbengewebe hinderlich war. 
Es wurde daher der Nerv vergleichsweise bei 
dem gleichen Tiere auf der einen Seite mit 
Hilfe von Celluidintuben geschützt. Dabei 
zeigte sich bei der Tötung des Tieres nach 
3 Monaten, daß der Nerv auf dieser Seite in 
besserem Zustande sich befand, als auf der 
Seite, an der keine Celluidintube zur Anwendung 
kam. Bestimmte Schlüsse, ob diese Methode 
künftighin therapeutische Resultate zeitigen 
wird, können die Autoren nicht ziehen, da die 
Zeit der Beobachtung noch zu kurz ist und 
mehrere Tiere sich noch in Beobachtung be¬ 
finden. Georg Koch (Wiesbaden). 

D. Elektro-, Lieht- n. Röntgentherapie. 

J. Wetterer (Mannheim), Handbuch der 
Röntgentherapie nebst Anhang: Die radio¬ 
aktiven Substanzen in der Therapie. Bd. I. 
175 Figuren im Text, 13 Tafeln in Mehr¬ 
farbendruck, 4 Tafeln in Schwarzdruck. 
Zweite, umgearbeitete und erweiterte Auf¬ 
lage. Leipzig 1913—1914. Verlag von 
Otto Nemnich. 

Nach 5 Jahren erscheint das Handbuch 
von Wetterer in zweiter Auflage. Zurzeit 
liegt der erste Band vor, der einen Umfang 
von über 400 Seiten hat. Er umfaßt das physi¬ 
kalisch-technische Gebiet (Apparatur, Röhren¬ 
betrieb, Dosimetrie, Schutzvorrichtungen), die 
biologischen Wirkungen der Röntgenstrahlen, 
die Technik der Oberflächen- und Tiefen¬ 
bestrahlung und die Schädigungen durch 
Röntgenbestrahlung. Eine große Anzahl meist 
vortrefflicher Skizzen erleichtert das Ver¬ 
ständnis des übrigens durchweg klar und 
flüssig geschriebenen Textes in dem be- 
strahlungstechnischen Teil in ausgezeichneter 
Weise. Ein besonderes Lob verdienen die 


farbigen Tafeln, welche die Schädigungen der 
Haut makroskopisch und mikroskopisch dar¬ 
stellen. Daß auch die neuesten Forschungen 
auf dem Gebiete der Tiefentherapie die 
gebührende Berücksichtigung finden, braucht 
nicht besonders betont zu werden. Besser 
fortgeblieben wären die farbigen Abbildungen 
der in Betrieb befindlichen Röntgenröhren, 
welche eine durchaus falsche Vorstellung von 
dem Aussehen solcher Röhren geben, wie das 
Referent schon bei Besprechung der ersten 
Auflage betont hat. Befremdend wirkt ferner 
der ablehnende Standpunkt, den der Verfasser 
gegenüber dem Arbeiten mit ausdosierten 
konstanten Röhren einnimmt, einer Methode, 
die bekanntlich vom Referenten angegeben ist 
und sich nicht nur ihm, sondern auch anderen 
als zuverlässig bewährt hat Konstanthalten 
können und müssen wir heute unsere Röhren, 
und wer das nicht kann, lasse die Finger von 
der Röntgentherapie! Auch in einigen anderen 
Punkten, z. B. in der Behandlung der Röntgen¬ 
röhren, stimmt Referent mit dem Verfasser 
nicht überein. Doch das kann dem Werte des 
Buches, in dem eine Riesenarbeit und ein 
ungeheurer Fleiß steckt, keinen Abbruch tun. 
Besonders als Nachschlagebuch wird es auf 
jede Frage Antwort geben, ja es erscheint dem 
Referenten fast etwas zu umfangreich; das ist 
immerhin besser, als wenn es zu knapp ge¬ 
raten wäre; denn: wer vieles bringt, wird 
jedem etwas bringen. So steht denn sicher 
zu erwarten, daß sich das Handbuch der 
Röntgentherapie auch in seiner zweiten, vom 
Verlage sehr reich ausgestatteten Auflage 
.zahlreiche Freunde erwerben wird. 

H. E. Schmidt (Berlin). 


H. Krukenberg (Elberfeld), Ein neuer 
Vorschlag sur Radiotherapie. Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 38. 

Um die Röntgen- resp. Radiumstrahlen 
besser auf die Stelle der gewünschten Wirkung 
lokalisieren zu können, schlägt Verfasser 
vor, den Erkrankungsherd durch Injektion 
von wolframsauren Kalium zu sensi¬ 
bilisieren, welche Substanz bekanntlich zur 
Tränkung der Röntgen - Verstärkungsschirme 
benutzt wird. Die Substanz hat die Eigen¬ 
schaft, ihrerseits zu fluoreszieren und Belbst 
wieder neue sichtbare Strahlen zu erzeugen, 
wenn sie von Röntgen- oder Radiumstrahlen 
getroffen wird. In Tierversuchen, sowie in 
einem Versuche bei einer Patientin mit Mamma¬ 
karzinom, bei welcher der Tumor nach In- 

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Referate über Bücher und Aufsätze. 


116 


jektion zunächst bestrahlt und später operativ 
entfernt wurde, konnte der Autor die praktische 
Verwendbarkeit seines Vorschlages bestätigt 
finden. A. Laqueur (Berlin). 

B.Keetmann (Berlin), Zur Strablentherapfe 
der Geschwülste. Berliner klin. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 39. 

Verfasser wendet sich gegen die von 
Löwenthal vorgeschlagene Meßmethode zum 
Vergleich der Röntgen- und Radiumstrahlen, 
weil Gemische verschieden absorbierbarer 
Strahlen mittels ihres Ionisierungsvermögens 
verglichen werden. Nur bei gleichem Durch¬ 
dringungsvermögen könnten sie verglichen 
werden. Dagegen kann die Oberflächenwirkung 
der verschiedenen Strahlengemische mit dem 
Elektroskop gemessen werden, da sie praktisch 
gleich ist. Während die Gesamtenergie der 
ß - und y-Strahlen des Radiums gleich groß ist, 
ist die Absorption der ^-Strahlen 100 mal so 
groß in allen Körpern wie die der y-Strahlen. 
Die härtesten Röntgenstrahlen sind viel weniger 
durchdringend, und können niemals dieselbe 
Tiefenwirkung ausüben, wie die y-Strahlen des 
Radiums oder Mesothoriums. Die /^-Strahlen 
dagegen haben nur geringe Tiefenwirkung und 
dringen höchstens 7 mm tief ins Gewebe. Für 
die Therapie genügen zur vollständigen Aus¬ 
schaltung und Absorption der ^-Strahlen Filter 
von 1 mm Silber oder Blei, 0,8 Gold oder 
0,5 mm Platin. Die Sekundärstrahlen werden 
von Gummihüllen absorbiert. Durch dickere 
Metallfilter wird nur eine größere Menge 
y-Strahlen an der Tiefenwirkung gehindert, 
bei 1 mm Silber beträgt der Verlust nur 1 %. 
Auch die Angabe von Milligrammstunden genügt 
nicht, denn die Wirkung auf die Gewebe ist 
1. abhängig von der verwandten Menge 
strahlender Substanz, 2. von der Konzentration 
derselben, bezogen auf die Flächen- beziehungs¬ 
weise Volumeinheit, und 3. von der Entfernung 
des Präparates vom Objekt 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

E. Schwarz (Tübingen), Der Wachstumgreiz 
der Röntgenstrahlen anf pflanzliches nnd 
tierisches Gewebe. Münchener med.Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 39. 

Die Röntgenstrahlen haben, wenn sie in 
geringer Dosis angewandt werden, eine 
wachstumsfördemde Wirkung auf pflanzliches, 
wie auf tierisches Gewebe. Als Versuchs¬ 
objekte dienten Bohnen, die Eier des Ascaris 
megalocephala und granulierende Wunden Ver¬ 
letzter. v. Rutkowski (Berlin). 


A. Sippel (Frankfort a. M.), Die Behänd« 
lang der Uterusmyome mit Röntgenstrahlen. 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr^40. 

Verfasser ist für eine Bestrahlungstherapie 
— und zwar für das milde Verfahren, nicht für 
eine intensive Tiefenbestrahlung — bei den¬ 
jenigen Myomen, welche durch ihren mehr oder 
weniger stark nach dem Kavum und der Mukosa 
hin entwickelten Sitz zu den bekannten schweren, 
krankmachenden Blutungen führen. Für alle 
anderen Fälle ist die Operation am Platze. 

v. Rutkowski (Berlin). 

Fritz Meyer (Berlin), Zar Frage der 
Röntgenbehandlung des Karzinoms der 
weiblichen Genitalien. Zentralblatt für 
Röntgenstrahlen, Radium und verwandte 
Gebiete 1913. Nr. 9. 

Meyer bespricht die Diskussion, die sich 
an den von Bumm in der Berl. Medizinischen 
Gesellschaft gehaltenen Vortrag anschloß und 
kommt zu folgenden Resultaten: 

Die Bedeutung der Mitteilungen Bum ms 
liegt in der Systematik seiner Versuche. 

Zurzeit gehört das operabele Karzinom 
dem Operateur, nur in Fällen, die inoperabel 
sind oder in denen die Operation kontraindiziert 
ist, ist die Behandlung mit Röntgenstrahlen 
bzw. mit Mesothorium anzuwenden. 

Allzugroße Dosen sind wegen der Möglich¬ 
keit des Auftretens von Spätschädigungen zu ver¬ 
meiden; auch mittlere Dosen führen oft zum Ziele. 

Die von Röntgentherapeuten ausgeführten 
Bestrahlungen sollen bezüglich ihrer Resultate 
von fachmännischer Seite kontrolliert werden. 

E. Sachs (Königsberg). 

Paal Händly (Berlin), Die therapeutische 
Verwendung der Röntgenstrahlen in der 
Gynäkologie. Zeitschrift für Geb. und Gyn. 
Bd. 73. Seite 918. 

In 92% aller Fälle von Menorrhagien bei 
reinen Myomen gelang es, die Frauen von ihren 
Beschwerden zu heilen und zwar gelang es, in 
85 % eine Amenorrhoe, in 7,5 % eine Oligome¬ 
norrhoe zu erreichen. 7,5% der Frauen verhielten 
sich den Bestrahlungen gegenüber refraktär. 
Die Gründe hierfür sind nicht in allen Fällen 
mit Sicherheit zu eruieren, ln einzelnen Fällen 
mag zu geringe Dosierung Schuld gewesen sein. 
Zu kleine Dosen bedingen eher einen Reiz, bo 
daß die Blutungen stärker werden. In einem 
Versager lag offenbar ein Sarkom vor. 

Die Chancen, eine Amenorrhoe zu erreichen, 
steigen mit dem Alter der Patientin. In einer 
kleinen Anzahl von Fällen kommt es zu Rezidiven, 


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die sich aber in kurzer Zeit beseitigen lassen. 
Diese lassen sich vermeiden durch größere 
Dosen und durch Weiterbestrahlungen nach 
Eintritt der Amenorrhoe. Fast alle Frauen 
mit Amenorrhoe weisen typische Ausfallser¬ 
scheinungen auf, die beim Eintritt der Rezidive 
verschwinden und das erste Zeichen für die 
eintretende Wirkung sind. 

ln mehr als einem Drittel der Fälle kommt 
es zur Verkleinerung des Tumors. Es kommt 
aber auch, ohne diese zur Amenorrhoe. 

Ausgeschlossen von der Bestrahlung werden 
alle Tumoren, bei denen auch nur der geringste 
Verdacht einer Malignität besteht, ferner alle 
Myome, die durch ihre Größe Druckerscheinungen 
machen, Fälle, die mit Ovarialtumoren kombiniert 
sind. Weiter solche, die mit entzündlichen 
Erkrankungen kompliziert sind und fiebernde 
Myomkranke wegen der Möglichkeit einer vor¬ 
handenen Gangrän. Endlich auch Myome, die 
teilweise geboren sind. 

Tritt nach der 5. bis 6. Serie, d. h. nach 
2—3 Monaten, kein Erfolg auf, so wird dringend 
zur Operation geraten, da der Verdacht einer 
malignen Erkrankung dann groß ist. 

Bei klimatischen Blutungen waren die Er¬ 
folge in 94% gute. 

Als Nachteile kommt die Unmöglichkeit, 
benigne von malignen Tumoren sicher zu unter¬ 
scheiden und die Rezidivmöglichkeit in Betracht, 
ferner auch die Verbrennungsgefahr. 

Mit der Vergrößerung der Dosen und der 
Zusammendrängung der Serien sind die Erfolge 
sicher besser geworden. 

E. Sachs (Königsberg). 


P. Hftndly (Berlin), Die Wirkung der Meso¬ 
thorium- und Böntgenstrahlen auf das Kar¬ 
zinom, den Uterus und die Ovarien* Strahlen¬ 
therapie Bd. 3. S. 300. 

Händly kommt zu folgendem Schluß: 
Unter dem Einfluß der Strahlen kommt es zu 
einem ausgedehnten Untergange des Karzinom¬ 
gewebes. Das Bindegewebe weist, insofern ein 
durch den Untergang der Karzinomzellen ent¬ 
standener Defekt zu ersetzen ist, eine Neu¬ 
bildung auf. Dieses neugebildete Bindegewebe 
sklerosiert und degeneriert ebenso wie das 
übrige Bindegewebe. Die glatte Muskalatur 
atrophiert und verschwindet fast völlig. Die 
Muskelfibrillen degenerieren zum Teil hyalin. 
Im Ovarium werden die Primärfollikel völlig 
zerstört, die Gefäße zeigen eine hyaline Degene¬ 
ration der Adventitia. Die letztere verkalkt 
hin und wieder. Durch eine Wucherung der | 


Intima kommt es zu einer Obliteration zahl¬ 
reicher Gefäße. Den klinischen Erfolg dieser 
Veränderung abzuschätzen, ist nicht die Sache 
des Pathologen. Ihn wird in letzter Linie die 
Zukunft lehren. E. Sachs (Königsberg). 


Otto Meseth (Erlangen), Thorium X bei 
inneren Krankheiten. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 38. ' 

In der Erlanger medizinischen Klinik wird 
das Mittel hauptsächlich in Form von intra¬ 
muskulären Injektionen angewandt. In 
einem Falle von myelogener Leukämie 
wurde durch länger fortgesetzte Behandlung 
(wöchentlich 2 mal 100—400 e. s. E.) völliger 
und anhaltender Rückgang der Milzschwellung 
und der Leukozytenzahl erzielt. In 2 anderen 
Fällen wirkte das Mittel nur palliativ, doch 
zeigte sich auch hier eine deutliche Besserung 
des Allgemeinbefindens, insbesondere auch 
Geringerwerden der Temperatursteige¬ 
rungen. In 2 Fällen von lymphatischer 
Leukämie versagte das Mittel, von einem 
vorübergehenden Rückgang der Zahl der 
weißen Blutkörperchen abgesehen. Ebenso 
blieb das Thorium X bei 2 allerdings schon 
weit vorgeschrittenen Fällen von perniziöser 
Anämie wirkungslos. Hingegen hat es sich 
bei sekundären Anämien sehr gut bewährt. 
Die hierbei angewandten Dosen schwanken 
zwischen 30 und 200 e. s. E. Bei einem 
Patienten mit Fettsucht wurde kein Erfolg 
erzielt, hingegen durch die Verabreichung von 
Thorium X ein Gichtanfall ausgelöst. 
Bei einem Patienten mit Lymphosarko- 
matose trat nach Beendigung der Behandlung 
ein Rückgang der Drüsenschwellung sowie 
der Hautmetastasen ein, während bei multiplen 
tuberkulösen Lymphomen der Erfolg aus¬ 
blieb. Nicht ganz erklärlich ist die Besserung, 
die bei 2 Patienten mit Herderkrankung 
des Rückenmarks nach Applikation von 
Thorium X beobachtet wurde, und sich in 
Nachlassen der spastischen Erscheinungen und 
Geringerwerden der Sensibilitätsstörungen 
äußerte. In einem Falle von Koronarsklerose 
mit gleichzeitiger Nierenaffektion wurde zwar 
die Diurese gebessert, ebenso die Anfälle von 
Angina pectoris seltener, der Blutdruck wurde 
jedoch nur vorübergehend und nicht erheblich 
erniedrigt, und schließlich wohl durch die 
Nierenreizung durch das Mittel ein vorüber¬ 
gehender urämischer Anfall veranlaßt. 

Von 5 Patienten mit Ischias erfuhren 4 
eine wesentliche Besserung, ein Fall von 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


lanzinierenden Schmerzen hei Tabes blieb 
unbeeinflußt Eine Reihe von Patienten 
mit chronisch-rheumatischen Gelenk¬ 
affektionen wurden wesentlich gebessert 
(Trinkkuren oder Injektionen 2mal wöchentlich 
von 50 bis 500—600 e. s. E. allmählich an¬ 
steigend). Vor allem trat die analgetische 
Wirkung des Thoriums hier deutlich hervor. 
Anfängliche Reaktionserscheinungen waren in 
diesen Fällen häufig vorhanden. 

Von sonstigen Nebenerscheinungen 
der Thorium X- Medikation wurden zuweilen 
Durchfälle bei hohen Dosen, sowie in den 
Fällen von Blutkrankheiten vereinzelt auch 
Störungen des Allgemeinbefindens beobachtet. 
Außer in dem Falle von Koronarsklerose 
konnte nie eine Schädigung der Nieren 
konstatiert werden. A. Laqueur (Berlin). 


J. Rosenow (Königsberg I. Pr.), Klinische 
Beiträge zur Therapie der Leukämie mit 
Thorium X. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 40. 

Die Thorium-X-Therapie hat das nicht 
gehalten, was sie im Anfang zu versprechen 
schien. Sicherlich ist das Thorium X in der 
Behandlung der Leukämie unter Umständen 
ein wertvolles Hilfsmittel, aber es leistet im 
günstigsten Falle nicht mehr wie die Röntgen¬ 
therapie und versagt nicht selten ganz. 

v. Rutkowski (Berlin). 

Gndzent (Berlin), Über Dosierung und 
Methodik der Anwendung radioaktiver 
Stoffe bei inneren Krankheiten und die 
erzielten Heilwirkungen. Berliner klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Auf Grund eingehender Untersuchungen 
an einer großen Anzahl von Patienten hat 
Gudzent die Überzeugung gewonnen, daß 
die bemängelten kleinen Emanationsdosen 
wirkungsvoll sind, daß die 4- bis 7 mal größeren 
Konzentrationen sich den kleinen Dosen gegen¬ 
über nicht besonders überlegen zeigen, daß 
die Trinkkur geringeres leistet als die 
Inhalationsbehandlung und daß die Emanations¬ 
behandlung bei Gicht, chronischem Rheuma¬ 
tismus U8W. eine Dauerwirkung zu erzielen 
vermag. Die Thorium-X-Behandlung ist weniger 
befriedigend bei obigen Krankheiten wie die 
Radiumbehandlung. Thorium X hat aber bei 
Blutkrankheiten mitunter günstige Wirkungen. 

A. Fürstenberg (Berlin). 


Erich Schneckenberg (Berlin), Akti¬ 
vierung beliebiger Flüssigkeiten. Zentral¬ 
blatt für Röntgenstrahlen usw. 1913. Heft 8. 

Angabe eines patentierten Verfahrens, das 
möglichst rationell beliebige Flüssigkeiten 
aktiviert. A. Fürstenberg (Berlin). 

Levj-Dorn (Berlin), Erzeugung von Radio¬ 
aktivität aus nicht radioaktiven Elementen. 

Berliner klin. Wochenschrift 1913. Nr. 35. 

Man kann durch Funkenüberschlag Stoffe 
radioaktiv machen. Diese induzierte Radio¬ 
aktivität hält sich einige Zeit. Sie konnte 
bisher mit Sicherheit 2 Stunden nach der 
Bestrahlung nachgewiesen werden. 

A. Ftirstenberg (Berlin). 

Hügel (Münster a% Stein), Badlum- und 
Mesothoriumbestrahlungen bei • Schwer¬ 
hörigkeit und Ohrensausen. Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 38. 

Verfasser legt zu obigem Zwecke vier¬ 
eckige, 2X4 cm große Präparate von 5 mg 
Radium oder Mesothorium teils auf das Ohr, 
teils auf den Processus mastoideus, und zwar 
1—2 bis höchstens 4 Minuten lang pro Sitzung. 
Neuerdings verwendet er auch ein von der 
Radiogen - Gesellschaft hergestelltes, stift- 
förmiges Präparat von 1 mg Mesothor, das in 
den Gehörgang geschoben wird und mit Metall¬ 
plättchen, die als Filter wirken, umgeben 
werden kann. Die Erfolge waren in 16 mit¬ 
geteilten Fällen, namentlich bezüglich der 
Schwerhörigkeit gute, auch in einigen 
Fällen von Otosklerose. Das Ohrensausen 
wurde weniger intensiv und weniger regel¬ 
mäßig beeinflußt. Die Behandlung wird in 
Pausen von 2—3 Tagen 6—12mal ausgeführt; 
sie kann nach längerer Pause dann mit Erfolg 
wiederholt werden. A. Laqueur (Berlin). 

R. Bassenge (Wien und Berlin), Ein Filter¬ 
apparat für Radiumbestrahlungen. Wiener 
klin. Wochenschrift 1913. Nr. 38. 

Der Apparat hat den Zweck, mehrere 
Filterplatten übereinander unverschieblich zu 
befestigen und andererseits für passende Be¬ 
festigung des Radiumträgers selbst auf dem 
Filtersatz zu sorgen. Es dient dazu ein 
Messingrahmen von zirka 5 cm im Quadrat, in 
den die filtrierenden Metallplatten in der 
beabsichtigten Stärke eingelegt werden; 
darüber wird dann der Radiumträger in einem 
Diaphragma aus Hartgummi befestigt. Das 
Ganze ist durch einen Deckel mit Sperrfedern, 
welcher die ausgeschnittene Hartgummiplatte 


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fest an die Filterlage andrückt, verschließbar. 
Der Apparat ist von 0. Sommer, Wien VII, 
Richtergasse 12, zu beziehen. 

A. Laqueur (Berlin). 

Gustav Riehl und Max Schramek (Wien), 
Das Radium und seine therapeutische 
Verwendung in der Dermatologie. Wiener 
klin. Wochenschrift 1913. Nr. 38. 

Aus dem ausführlichen Übersichtsreferat 
ist zunächst bezüglich der Technik hervor- 
zuheben, daß die Verfasser ausdrücklich darauf 
aufmerksam machen, daß die reaktiven Ver¬ 
änderungen immer nur im Bereich der 
strahlenden Fläche des Radiumträgers 
erfolgen, und daß seitliche Abweichungen 
niemals beobachtet wurden. Deshalb ist jede 
Hautaffektion in allen ihren Teilen, auch an 
den Rändern, zu bestrahlen. Bei Bestrahlung 
von Hautkarzinomen sind die Randpartien 
womöglich zuerst zu bestrahlen, weil es 
andernfalls Vorkommen kann, daß bei zunächst 
zentraler Bestrahlung ein vermehrtes Wachs¬ 
tum in der Peripherie erfolgt. Im übrigen 
entsprechen die mitgeteilten Resultate bei Haut¬ 
karzinomen, hypertrophischen Narben,Angiomen, 
Lupus usw. denen anderer Beobachter. Be¬ 
achtenswert erscheint ein Fall von durch 
Radiumstrahlen geheilter Röntgenderma- 
titis. Bei Ekzemen, namentlich chronischen 
lokalisierten Ekzemen, wurden Erfolge erzielt. 
Speziell der Juckreiz ließ sich, wenn er 
lokalisiert war, günstig beeinflussen. Auch bei 
neuralgischen Schmerzen (z. B. Herpes 
zoster) konnte durch Bestrahlung der Nerven¬ 
drackpunkte manchmal der Schmerz erheblich 
gelindert werden. 

Zum Schlüsse erfährt auch die Anwendung 
der Radiumemanation in der Dermatologie 
eine Besprechung. So wurden bei rheuma¬ 
tischen Beschwerden, wie sie bei Psoriasis¬ 
kranken manchmal auftreten, durch Trink- 
und Badekuren Erfolge erzielt, ebenso bei 
begleitenden Gelenkerkrankungen im Verlauf 
von Erythema multiforme, Purpura rheumatica 
und dergl. Bei Sklerodermie waren die 
durch Bäder und radioaktive Umschläge er¬ 
zielten Erfolge zum Teil nur vorübergehende. 
Mit stark radioaktiven Umschlägen (bis 
zu 100000 M.-E.) wurden bei akutem Ekzem, 
namentlich bezüglich des Juckgefühls, und 
auch sonst bei juckenden Dermatosen günstige 
Erfolge erzielt Gurgelungen mit radio¬ 
aktivem Wasser scheinen sich bei 
Stomatitis mercurialis bewährt zu haben. 

A. Laqueur (Berlin). 


Latzko und Schüller (Wien), Zur Radium¬ 
behandlung des Krebses. Wiener klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 39. 

Ebenso wie ihre Voruntorsucher fanden 
auch die Verfasser nach der Einwirkung ge¬ 
filterter Radiumstrahlen auf offene Tumoren 
(Zervixkarzinome) stets drei Gruppen von 
Veränderungen: 

1. Entzündung und Nekrose an der bestrahl¬ 
ten Oberfläche. 

2. Degeneration der Neoplasmazellen bis 
zu vollständiger Resorption. 

3. Zunahme des Bindegewebes und Gefä߬ 
veränderungen. 

Da wir indessen wissen, daß zu kleine 
Strahlendosen auf die Krebszellen wachstums- 
anregend wirken, andererseits nach sehr inten¬ 
siver Radiumeinwirkung Degenerationserschei¬ 
nungen an normalen Epithelien und Binde¬ 
gewebszellen gesehen werden, so ist die Auf¬ 
fassung berechtigt, daß das Radium unterhalb 
eines gewissen Schwellenwertes als Reiz, ober¬ 
halb desselben als Gift auf alle Zellen wirkt 
Dieser Schwellenwert liegt aber für die Zellen 
maligner Neubildungen, für normale Epithelien, 
für Bindegewebs-, Muskel- und Endothelzellen 
weit auseinander, er liegt speziell für Karzinom- 
und Sarkomzellen so tief, wie es zwecks 
therapeutischer Ausnützung der Radiumstrahlen 
notwendig ist. 

Trotz ihrer günstigen Erfahrungen nehmen 
die Verfasser einen vorsichtig ab wartenden 
Standpunkt ein, der am besten durch ihre 
eignen Worte gekennzeichnet wird: „Bevor 
wir nicht auf Grund jahrelang beobachteter, 
rezidivfrei gebliebener Radiumfälle urteilen 
können, haben wir kein Recht, an Stelle eines 
bewährten, in schwerer Arbeit errungenen 
Besitzes, als den wir die hochentwickelte 
operative Therapie bösartiger Neubildungen 
betrachten dürfen, einen in seinen Endergeb¬ 
nissen noch unbekannten, wenn auch noch so 
aussichtsreichen Wert vorbehaltlos einzusetzen. 

Eins aber geben auch die Verfasser freudig 
zu, daß nämlich das Radium imstande ist, bei 
inoperablen Fällen eine bisher für unmöglich 
gehaltene, an Heilung grenzende Besserung 
zu erzielen. Gotthelf Marcuse (Kudowa). 


Menne, Die Licht- und Strahlenbehandlung 
der chirurgischen Tuberkulose. Archiv für 
physikal. Medizin und medizin. Technik Bd. 8. 
Heft 1. 

Die Licht- und Strahlentherapie gewinnt 
, als Adjuvans in der Behandlung der 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


chirurgischen Tuberkulose der Knochen, 
Gelenke und Drüsen usw. immer mehr an 
Bedeutung. An erster Stelle steht die von 
französischen und schweizerischen Ärzten in¬ 
augurierte Sonnenlichtbehandlung 
(Poncet, Bernhard, Rollier usw.), die in 
der Regel als Freiluft-Liegekur auf geräumigen 
und gedeckten Liegehallen vorgenommen wird, 
wo der Patient den größten Teil des Tages zu 
verbringen hat. Zur Vermeidung von kon¬ 
gestiven Zuständen muß man sowohl die be¬ 
strahlte Oberfläche allmählich vergrößern, wie 
auch die Bestrahlungsdauer ständig verlängern, 
wobei der Kopf entsprechend geschützt wird. 
Die durch thermische Strahlung verur¬ 
sachte Hautröte verschwindet bald, wogegen 
die erst nach Stunden eintretende, durch die 
chemischen Strahlen verursachte, sich erst 
nach Stunden oder Tagen meist nach erfolgter 
Abschuppung der Oberhaut unter Ablagerung 
von Pigment verliert. Die Absorption der 
Lichtstrahlen bedingt ihre Umwandlung 
in Wärme sowie chemische Umsetzungen. 
Die dem Körper durch Pigment und Blut zu¬ 
geführten Energiemengen bewirken eine Re¬ 
duktion des Oxyhämoglobins und unter¬ 
stützen so mit Hilfe fermentativer Vorgänge 
die Gewebsatmung. 

Vor übermäßigen Wirkungen der Licht¬ 
energie wird der Körper durch seine natürlichen 
Abwehrvorrichtungen geschützt (Pigment.) 

Das Pigment soll überdies noch die 
Eigenschaft besitzen, auffallende kurz¬ 
wellige ultraviolette Strahlen in solche 
größerer Wellenlänge umzuwandeln. 
Die Wirkung tiefdringender Strahlen (grüne, 
gelbe, rote), die eine biologische Kraft nur 
bei größerer Dosis entfalten, wird durch im 
Körper enthaltene Sensibilatoren erleichtert 
bzw. ermöglicht 

Die Licbtwellen vermehren entweder durch 
Verstärkung der Atomschwingungen die Vita¬ 
lität der Zelle oder schädigen resp. zer¬ 
stören ihre Lebensfähigkeit. Strahlen 
größerer Wellenlänge besitzen nach Unter¬ 
suchungen Wieners eine höhere bakterizide 
Wirkung als kurzwellige. In dieser Hinsicht 
ist also das Pigment als Sensibilator resp. 
Transformator von größter Wichtigkeit Stärker 
pigmentierte brünette Patienten weisen in der 
Regel bessere und schnellere Heilerfolge durch 
Insolation auf als blonde. Ein weiterer posi¬ 
tiver Einfluß dürfte auf die Luminiszenz 
des Blutes zurückzuführen sein. Daneben ist 
das Vorhandensein zurzeit noch unbe¬ 


kannter Wellenformen außerhalb des 
Sonnenspektrums mit spezifischer 
Zellen- und Tiefenwirkung nicht aus¬ 
geschlossen. 

Außer diesen direkten bestehen auch 
indirekte Wirkungen, die sich durch Hyper¬ 
ämie, Bakterizidität und Phagozytose äußern 
und einen schmerzstillenden, sklerogenen und 
eliminierenden Effekt entfalten. 

Die Intensität des Sonnenlichtes ist 
im Hochgebirge (Höhensonne) am größten, bei 
richtiger Wahl des Ortes (staubfrei) jedoch 
auch in der Ebene eine genügende. 

Bei mangelnder natürlicher Besonnung 
kann man die sogenannte künstliche Höhen¬ 
sonne verwerten. Ein weiterer Ersatz der 
Sonne ist das Kohlenbogenlicht. 

Neben der Heliotherapie ist die Radio¬ 
therapie berufen, die operative Behandlung 
der chirurgischen Tuberkulose zu unterstützen 
und zu ergänzen und zwar in Form von 
Röntgenstrahlen oder von Bestrahlung mit 
radioaktiven Substanzen. Dabei desensi- 
bilisiert man die Haut durch temporäre Anämi- 
sierung und sensibilisiert umgekehrt tuber¬ 
kulöse Herde durch Diathermierung oder sensi¬ 
bilisierende Substanzen, wie Chinin, Eosin usw. 
Die Röntgenstrahlenbehandlung gibt sowohl 
bei Knochen- und Gelenk-, wie auch bei 
Drüsentuberkulose, Sehnenscheidenfungi und 
tuberkulöser Peritonitis gute Resultate. 

Radium und Mesothorium X gelangen 
vorzugsweise in Form von Kapseln, Platten 
und Röhrchen in Anwendung. Die Applikation 
der Bestrahlungsapparate erfolgt durch direktes 
Auflegen auf oder in den tuberkulösen Herd 
unter Einschaltung von Aluminium- oder Blei- 
filtern zwecks Absorption der weichen «- und 
^-Strahlen. Neben tuberkulösen Hautgeschwüren, 
Drüsenulzerationen und Lupus stellt auch die 
Knochen- und Gelenktuberkulose ein dankbares 
Gebiet dieser Art der Strahlenbehandlung dar. 

Trotz aller dieser Erfolge darf man in 
vielen Fällen die operative Behandlung tuber¬ 
kulöser Herde nicht außer acht lassen. 

A. Schnee (Frankfurt a. M.). 


Franz Nagelschmidt (Berlin), Lehrbuch 
der Diathermie für Ärzte und Studierende. 

Mit 156 Textabbildungen. Berlin 1913. 
Verlag von Julius Springer. 

Die Diathermie ist eine Errungenschaft 
relativ jungen Datums. Sie ist in Fachkreisen 
allseitigmitbesonderemlnteresseundbesonderen 
Hoffnungen begrüßt worden, weil sie die einzige 


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Referate Aber Bücher and Aufsätze. 


121 


Methode darstellt, mit der es gelingt, eine 
Tiefendurchwännong der Gewebe vorzunehmen. 
Die Frage ist nun, ob und in welcher Art die 
direkte Erwärmung innerer Organe therapeutisch 
fruchtbringend wirkt? Wir befinden uns in 
dieser Beziehung mitten im Experimentieren; 
man wird kaum behaupten können, daß irgendwo 
bereits von einer Klärung und von sicheren 
Befunden die Rede ist. 

DerVerlag Springer hat in wenigen Monaten 
zwei Lehrbücher der Diathermie herausgebracht, 
von denen das eine der Feder von Nagelschmidt 
entstammt, der ein besonderes Anrecht hat, 
gehört zu werden, weil die Diathermie ihm nicht 
. nur in bezug auf ihren Namen, sondern in ihrer 
ganzen Entstehung und Einführung viel ver¬ 
dankt. Demgegenüber befindet sich der Referent 
in schwieriger Lage; einerseits möchte er Ver¬ 
dienste nicht schmälern, die dem Autor in 
besonderem Maße gebühren, andrerseits darf 
er auch Bedenken nicht unterdrücken, soweit 
sie vor allem von therapeutischen Gesichts¬ 
punkten sich aufdrängen. Es ist nun gar keine 
Frage, daß die Diathermie noch lange nicht 
genügend erforscht ist. Ein Lehrbuch verlangt, 
daß eine Wissenschaft schon einen Abschluß 
erreicht hat — im Gegensatz zum Sammelreferat 
und im Gegensatz zu den Mitteilungen der 
Ergebnisse der eigenen Forschung. Viel schwer¬ 
wiegender wie diese vielleicht etwas persönliche 
Anschauung wirkt für den Referent die Über¬ 
zeugung, daß in den therapeutischen Ergebnissen, 
über die der Verfasser berichtet, noch lange 
nicht das letzte Wort gesprochen ist, daß hier 
erst die Nachprüfung durch die Klinik erfolgen 
muß, der erst nach sorgfältigen Versuchen die 
Entscheidung obliegt, ob wir so kühn mit der 
Organdiathermie vorgehen dürfen, ob wir nicht 
mit ihr den Patienten Gefahren aussetzen, auch 
wenn wir, klinisch geübt, Eventualitäten zu 
begegnen wissen. Da noch alles Neuland ist, 
dürften noch Jahre vergehen, bis wir den 
Wirkungskreis der Diathermie Überblicken 
können. E. Tobias (Berlin). 


Ferna« und Schramek (Wien), Über 
chemische Wirkungen der Becquerelstrah¬ 
lung. Wiener klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 39. 

Die Ergebnisse der Verfasser bestätigen 
die aus den bisherigen Untersuchungen anderer 
Autoren gewonnene Anschauung, daß die 
chemischen Wirkungen der Becquerelstrahlung I 
gering sind, daß sie von den biologischen I 
Wirkungen weit überragt werden, und daß zur 


Erzielung nachweisbarer chemischer Reaktionen 
mit großen Mengen radioaktiver Substanz ge¬ 
arbeitet werden muß. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 


A. d’Arsonval (Paris), Einige alte Hoch- 
frequenzversuche. Verhandlungen des IV. 
intern. Kongresses für Physiotherapie in 
Berlin 1913. 

Vortragender gibt einen geschichtlichen 
Rückblick, in dem er betont, daß er zu den 
Hochfrequenzversuchen gelangt ist, indem er 
von physiologischen Untersuchungen über die 
Gesetzmäßigkeit der elektrischen Erregung des 
Nervmuskelapparates ausging. Er suchte nach 
derjenigen Kurve des Verlaufes einer elektrischen 
Schwankung, die als Reiz diesem Apparat am 
besten angepsßt (optimal) ist; er nannte sie 
die charakteristische Kurve des Nerven; und von 
Einzelschwankungen fortschreitend untersuchte 
er die Wirkung entsprechender, aber wieder¬ 
holter Reize in Reihen von zunehmender 
Frequenz. So konstruierte er seine bekannten 
Vorrichtungen zur Erzeugung sinusoidaler 
Wechselströme und fand, daß diese bei niederer 
Frequenz keine Muskelreizung bewirken. Höhere 
Frequenzen solcher Wechselströme wurden 
durch eine von Gramme 1870 zuerst kon¬ 
struierte eisenfreie Maschine erhalten bis zu 
10000 Wechseln in der Sekunde, und es wurde 
konstatiert, daß die Erregung des neuro¬ 
muskulären Systems schon diese Frequenzen 
nicht mehr voll anspricht. Um noch weiter zu 
gehen, ging d’Arsonval Ende 1890 zur Be¬ 
nützung des Hertz sehen Vibrators über, der die 
Entsendung von Wellen mit einer Schwingungs- 
frequenz von mehreren Millionen gestattet 
Wie der Vortragende in der Sitzung der Pariser 
Acadömie des Sciences vom 20. März 1893 
festgelegt hat konnte er schon am 24. Februar 
und 25. April 1891 der Sociätö de Biologie 
demonstrieren, daß bei so hohen Frequenzen 
der neuromuskuläre Apparat überhaupt nicht 
mehr erregt wird. Tesla hat das gleiche erst 
am 23. Mai desselben Jahres in New-York ver¬ 
öffentlicht Der Vortragende wünscht, seine 
Grundversuche der Versammlung zu demon- 
I strieren, im wesentlichen der Anordnung von 
1893 entsprechend, j edoch mit einigen, inzwischen 
an der Apparatur angebrachten Verbesserungen. 

Sie betreffen hauptsächlich die Konden¬ 
satoren, welche bei des Vortragenden Anordnung 
als zwei Leidener Flaschen mit ihren inneren 
Belegungen in den die Funkenstrecke ent¬ 
haltenden Stromkreis des Wechselstrom- 


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122 


Referate Aber Bücher and Aufsätze. 


generators eingeschaltet sind (als solche dient 
auch heute die Wechselstrommaschine, die viel 
kräftigere Wirkungen gestattet, als Induktorien), 
wogegen der die beiden äußeren Belegungen 
enthaltende Hochfrequenz - Schwingungskreis 
aus diesen und dem „kleinen Solenoid“ besteht 
und von dem Wechselstromkreis niederer 
Frequenz völlig isoliert ist. Da das als iso¬ 
lierendes Dielektrikum verwendete Glas der 
Flaschen bei höherer Belastung sprang, werden 
die Belegungen zerlegbar als Blechgefäße her¬ 
gestellt, deren Inneres mit Wasser gefüllt wird; 
dieses sorgt in genügender Weise für Wärme¬ 
ableitung und hindert das Zerspringen des 
Glases. d’Arsonval hat bei genügender 
Stärke des Wechselstromgenerators schon seit 
Jahren den menschlichen Körper mit Hoch¬ 
frequenzströmen in der Stärke bis zu mehreren 
Ampere durchfließen lassen, wie sie neuestens 
für die Diathermie in Aufnahme gekommen sind. 

Er demonstriert die Abzweigung des 
eigenen Körpers in einen Stromzweig des Hoch¬ 
frequenzsolenoids unter Einschaltung einer Glüh¬ 
lampe, die hell aufleuchtet. Ein in den nämlichen 
Stromzweig eingeschalteter langer Platindraht 
wird hellrot glühend, ein Zeichen für die effektive 
Stromintensität! Ferner demonstriert er die 
Induktion von Hochfrequenzströmen in einem 
vom Solenoid isolierten, ihm parallel laufenden 
Leiter, der aus dem Oberkörper und den Armen 
des Vortragenden wieder unter Einschaltung 
einer Glühlampe gebildet wird: dieselbe leuchtet 
wieder hell auf. Muskel- und Nervenreizung 
erfolgt nicht, der Versuch ist für den ihn Aus¬ 
führenden gefühllos. Der Vortragende ist er¬ 
freut, daß sich auf diesen alten Grundversuchen 
die modernen Anwendungen aufgebaut haben, 
die jetzt ein so wesentliches Rüstzeug der 
Physiotherapie bilden. Boruttau (Berlin). 


E. Serum- und Organotherapie. 

Schattenfroh (Wien), Über die Immuni¬ 
sierung gegen Diphtherie mit Toxin-Anti- 
- toxingemlschen nach t. Behring. Wiener 
klin. Wochenschrift 1913. Nr. 39. 

Gegenüber den neuerlichen Berichten über 
Immunisierung gegen Diphtherie mit Gemischen 
von Diphtheriegiftlösungen und Diphtherieserum 
weist der Verfasser auf Versuche über das 
Rauschbrandgift hin, durch die er bereits im 
Jahre 1904 gemeinsam mit Graßberger die 
Bindungsverhältnisse und die immunisierende 
Wirkung der Toxin-Antitoxingemische bei ver¬ 
schiedenen Tieren eingehend studiert hat. Einen 


praktischen Erfolg haben die Versuche aller¬ 
dings nicht gehabt: ein Schutz gegen die 
Rauschbrandinfektion wurde nicht erzielt, 
da das Wesentliche im rauschbrandigen Infek¬ 
tionsprozeß offenbar nicht das gelöste Gift ist. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

F. Ganghofner (Prag), Neuere Gesichts* 
punkte betreffend die Serumbehandlung 
der Diphtherie. Prager med. Wochenschrift 
1913. Nr. 41. 

Bei der Serumbehandlung von Diphtherie¬ 
kranken ist die intramuskuläre Injektion der 
subkutanen vorzuziehen. Die intramuskuläre 
Injektion bietet den Vorteil einer weit schnel¬ 
leren Resorption des Serums, sie ist ebenso * 
leicht ausführbar wie die subkutane und weniger 
schmerzhaft. Bezüglich der Dosierung gilt der 
Grundsatz: eher etwas zu viel als zu wenig. 
An der Klinik Ganghofners bekommen gegen¬ 
wärtig leichte Fälle 1500 I. E., etwas ernstere 
und solche mit Anzeichen von Beteiligung des 
Larynx mindestens 30001. E., schwerere Rachen¬ 
diphtherien mit stärkerer Ausbreitung der Beläge 
und periglandulärem Ödem am Halse, ebenso 
vorgeschrittene Larynxdiphtherien 6000 I. E., 
schwerere 9000 bis 12000 I. E. Wenn bei 
einem Individuum, welches wegen Diphtherie 
mit Pferde-Diphtherie-Heilserum behandelt 
worden ist, eine neuerliche Erkrankung an 
Diphtherie vorkommt und die antitoxische Be¬ 
handlung notwendig ist, so ist es ratsam, zur 
Vermeidung der Anaphylaxiegefahr das Serum 
einer- anderen Tierart zu benutzen; ist man 
genötigt, Pferdeserum zur Reinjektion zu ver¬ 
wenden, so injiziere man zunächst nur wenige 
Tropfen subkutan und nach einigen Stunden 
die volle Dosis intramuskulär. 

Grosser (Frankfurt a. M.). 

Myer Solls-Cohen (Philadelphia), The 
administratlon of tuberkulin by the general 
practitioner. Medical Record 1913. 20. Sep¬ 
tember. 

Fraglos läßt sich eine Tuberkulinkur am 
besten in einem Sanatorium mit in der Be¬ 
handlung geschulten Ärzten durchführen. Aber 
auch der allgemeine Praktiker kann Tuberkulin¬ 
kuren durchführen, vorausgesetzt, daß er ein 
sorgfältiger Beobachter ist und gewisse Vor¬ 
sichtsmaßregeln nicht außer acht läßt. Man 
soll eine Tuberkulinkur mit den geringsten 
Dosen beginnen (1 millionstel Milligramm); bei 
fieberhaften Kranken mit dem zehnten Teil 
dieser Dosis, bei aktiven Prozessen ev. mit 
einhundert millionstel Milligramm oder ein 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


123 


billionstel Milligramm. Bei der geringsten 
Reaktion darf die Dosis nicht gesteigert werden. 
Die Zeit zwischen zwei Dosen soll 5 bis 7 Tage 
betragen. Die Steigerung der Dosis ist kein 
unbedingtes Erfordernis, vorausgesetzt, daß sie 
noch wirksam ist. Tuberkulinkuren können 
oral, hypodermal und intramuskulär verabfolgt 
werden. Georg Koch (Wiesbaden). 

Legueu and Chevassu (translated by L. J. 
Roth), Treatment of urinary tuberkulosis, 
tnberkulin and nephrectomy. California 
State Journal of Medicine 1913. Oktober. 

Statistischer Vergleich der Behandlung 
der Urogenitaltuberkulose mit der operativen 
Methode und Tuberkulin. Letzteres wurde an- 
gewendet in Form des Tuberkulin Koch, 
Beraneck, Denys, Marmorek, Spengler. 
Als Methode der Wahl ist die chirurgische zu 
bezeichnen. Georg Koch (Wiesbaden). 

E. Friedberger (Berlin) nnd T.Kumagai 
(Tokio), Über den Einfluß der Körper¬ 
temperatur präparierter Meerschweinchen 
auf die Überempflndlichkeit bei der 
Relnjektlon. (Weitere Untersuchungen über 
die Beeinflußbarkeit des anaphylaktischen 
Prozesses III.) Zeitschrift für Immunitäts¬ 
forschung und experimentelle Therapie I. Teil. 
Bd. 19. Heft 4. 

Im Anaphylaxieversuche gelingt es, durch 
künstliche Herabsetzung der Körpertemperatur 
(Eintauchen der Tiere in kaltes Wasser für 
mehrere Minuten) die Empfindlichkeit der 
Meerschweinchen für die Reinjektion bedeutend 
herabzusetzen; sowohl bei Abkühlung vor 
der Injektion als auch bei Eintauchen in das 
kalte Wasser nach der Injektion konnten die 
Tiere mehrfach tödliche Dosen ohne Schaden 
vertragen. Als Grund für diese Herabsetzung 
der Überempfindlichkeit nehmen die Verfasser 
einen trägeren Ablauf der an der Anaphy¬ 
laxie beteiligten Reaktionen infolge der Ab¬ 
kühlung an. A. Laqueur (Berlin). 

W. H. Watters (Boston, Maas.), The vaccine 
treatment of typhoid ferer. Medical Record 
1913. 20. September. 

Statistik über die Behandlung des Typhus 
mit Vakzine. Folgende Schlußfolgerungen: 
die besten Resultate erhält man bei Anwendung 
von Vakzine einer alten, nicht virulenten Kultur. 
Die Dose beträgt 100 bis 200 bis 500 Millionen. 
Die Anwendung muß möglichst früh erfolgen. 
Je schwerer der Fall, desto kleiner die Dosis. 
Das Intervall zwischen zwei Dosen wechselt 


zwischen zwei und vier Tagen. Ein oder zwei 
Dosen, nach Abfall der Temperatur appliziert, 
vermindert die Anzahl der Rezidive. 

Georg Koch (Wiesbaden). 

Penn 9. Skillern (Philadelphia), The 
rational treatment of acne pustulosa with 
special reference to the bacterins. Medical 
Record 1913. 11. Oktober. 

Der Erfolg bei der Behandlung der Akne 
hängt von der gleichzeitigen Anwendung ver¬ 
schiedener Mittel ab. Vor allem Bind Dyspepsie, 
Verstopfung, Blutarmut von Bedeutung. Auf 
die Behandlung der Zähne, die Regelung der 
Diät ist Rücksicht zu nehmen; erst dann kann 
die Behandlung mit Staphylokokken-Vakzine 
und „Bazillus-Akne8-Suspensionen t( von Erfolg 
sein. Georg Koch (Wiesbaden). 

G« Yiannay (Paris), Un cas de vomlssements 
incoercibles de la grossesse trattds par la 
transfusion directe du sang de femme 
enceinte. Journal de mödecine de Paris 
1913. Nr. 89. 

Viannay berichtet über einen Fall von 
unstillbarem Erbrechen, bei dem er in einer 
früheren Schwangerschaft mit Seruminjektion 
einen guten Erfolg hatte und bei dem er in 
der letzten Schwangerschaft einen Versuch mit 
direkter Bluttransfusion von einer anderen 
Schwangeren machte. Das Erbrechen hörte 
nach einigen Tagen auf. Einige Monate, wohl 
ohne Zusammenhang mit der Transfusion, trat 
eine Frühgeburt auf. 

Viannay berichtet über den Fall haupt¬ 
sächlich deshalb, weil ein analoger Fall bisher 
noch nicht mitgeteilt worden ist. (Die Vorteile, 
die diese Behandlung vor der technisch sehr viel 
einfacheren Seruminjektion hat, sind dem Ref. 
nicht klar.) E. Sachs (Königsberg). 

Schreiber (Magd eburg), Kurze Bemerkungen 
über Salvarsan- resp. Neosalvarsan-In- 
jektionen. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 36. 

Der Autor verwendet jetzt konzentrierte 
Lösungen von Neosalvarsan in physiologischer 
Koch8alzlösung(0,75Neosalvarsan auf 10,0 Koch¬ 
salzlösung) und injiziert mit einer einfachen 
10-ccm-Spritze in die Vene. Üble Nebenwirkungen 
hat er bei sorgfältiger Ausführung nicht gesehen. 
Die Technik ist bei diesem Verfahren sehr 
vereinfacht, so daß er die Verwendung der 
Injektionen von Neosalvarsan in dieser Weise 
für die Praxis empfehlen zu können glaubt. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa\ 


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124 


Referate über Bücher and Aufsätze. 


Edgar G. Ballenger and Omar F. Eider 
(Atlanta, Georgia), An easj method of 
admlnistering salrarsan and neosalrarsan 
intravenousl y. Medical Record 1913. 20. Sep¬ 
tember. 

Beschreibung einer besonders geeigneten 
Spritze mit sehr feiner Kanüle. 

Georg Koch (Wiesbaden). 

Felix Me jer (Kissingen-Berlin), Zur Frage 
der Adrenalinwirkung auf den Koronar¬ 
kreislauf. Berliner klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 20. 

Durch eine Modifikation der Morawitz- 
Zahn sehen Methode fand Verfasser am Katzen¬ 
herzen) daß das Adrenalin im Gegensatz zu der 
Kontraktion anderer Gefäße eine Erweiterung 
der Koronargefäße und eine lebhafte Be¬ 
schleunigung und Vermehrung der Blutdurch- 
strömung im Koronar-Gefäßsystem zur Folge 
hat, wobei allerdings nicht verkannt wird, daß 
die erhöhte Herzarbeit bzw. der gesteigerte 
Blutdruck an sich schon die beschleunigte 
Durchströmung der Koronararterien in die Wege 
leiten kann. van Oordt (Rippoldsau). 

J. Hirsch (Berlin), Über die Behandlung 
von Störungen der inneren Sekretion der 
Ovarien mit Glanduovin (Extractum 
ovariale). Berliner klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 39. 

Da der Erfolg der bisher per os ver¬ 
abreichten Eierstock-Organtrockenpräparate ein 
unsicherer und das wirksame Prinzip nicht 
genau dosierbar war, ließ Verfasser ein Eier¬ 
stockextrakt hersteilen, von dem 1,1 ccm 1 gr 
Drüse entsprechen, wovon er jedesmal 2,2 ccm 
subkutan injizierte. Zur Behandlung kamen 
Fälle von Ausfallserscheinungen oder Dis¬ 
funktion der Ovarien, und zwar physiologische 
Menopause und operatives Klimakterium prae¬ 
cox, Dysmenorrhöe, Oligo- resp. Amenorrhöe, 
Schwangerschaftserbrechen und dermatosen 
sowie Pruritus vulvae. Die Injektionen wurden 
fortgesetzt in täglichen oder größeren Zwischen¬ 
räumen, bis der Erfolg eintrat. Die Resultate 
waren in allen Behandlungsgruppen befriedigend, 
nur sehr wenige Fälle verhielten sich refraktär. 
Am günstigsten wurden das natürliche Klimak¬ 
terium und Dysmenorrhöe bei Hypofunktion 
beeinflußt, nach wenigen Injektionen hörten 
Wallungen und Blutandrang auf, oder wurde 
die Menstruation regelmäßig, auch bei Oligo- 
menorrhöe trat dieser Erfolg ein, einmal sogar 
mit nachfolgender Schwangerschaft. Die 
Wirkungsweise erklärt sich Verfasser dadurch, 


daß die eingeführten Hormongaben eine Ver¬ 
stärkung der Produktion des Eigen-Hormons 
hervorrufen. E. Mayerle (Karlsruhe). 

C. Quadrone (Turin), Lo stato attuale 
della terapla ormonica nella stitichezza 
cronica e nella paralisi Intestinale acuta. 
Ulteriori ricerche sulP azlone delP Hor- 
monal-Zuelzer. Riv. crit. di clin. med. 1913. 
XIV. Nr. 40 und 41. 

Auf Grund eigener Versuche (70 Fälle) 
und kritischer Verwertung der Literatur wird 
nachgewiesen, daß das Hormonal tatsächlich 
ein Peristaltik-Hormon enthält und nicht durch 
Gefäßdilatation (Herabsetzung des Blutdrucks) 
wirksam ist. Es wird dies begründet mit der 
Dauer der Hormonalwirkung, der allmählichen 
Abnahme derselben, der verstärkenden Wirkung 
einer zweiten Einspritzung, der (bei Versuchs¬ 
tieren) sichtbaren Peristaltik und der Beschaffen¬ 
heit der Fäzes. Die Einwirkung (des frischen 
Präparates) auf die Vasomotoren ist dagegen 
nur gering. 

Die Beobachtung der Hormonalwirkung 
bestätigt die Annahme, daß unter normalen 
Verhältnissen zwei vom Magen und Duodenum 
stammende Hormone in Frage kommen, das 
Sekretin und Motilin, die während des ersten 
Stadiums der Verdauung auftreten und durch 
den Blutstrom schnell weiter verbreitet werden. 

Sobotta (Schmiedeberg i.'R.). 

A. Fröhlich und E. P. Pick (Wien), Zur 
Kenntnis der Wirkungen der Hypophysen« 
Präparate. I. Mitteilung: Wirkung auf 
Lunge und Atmung. Archiv für experimentelle 
Pathologie und Pharmakologie 1913. Bd. 74. 
Heft 1 und 2. 

Die Ergebnisse ihrer Versuche fassen die 
Autoren folgendermaßen zusammen: Wirksame 
Hypophysenpräparate rufen bei intravenöser 
Injektion bei Kaninchen eine eigenartige, vor¬ 
übergehende Atemstörung hervor, die charak¬ 
terisiert ist durch völlig aufgehobenes Inspirium 
und krampfhafte, fruchtlose Exspirationsver¬ 
suche, bei Meerschweinchen dagegen einen 
typischen, häufig zum sofortigen Tode führenden 
Bronchialkrampf mit konsekutiver Lungen¬ 
blähung. Diese Atemstörung ist bedingt 
durch eine Erregung der Vagusendigungen in 
der Bronchialmuskulatur; sie kann durch aus¬ 
giebige Atropinisierung, nicht aber durch Durch- 
schneidang des Vagusstammes verhütet werden. 
Neben diesem Bronchospasmus treten am nicht 
narkotisierten Tier nicht durch Atropin, wohl 
aber durch Amylnitrit behebbare rasch vorüber- 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


125 


gehende Atemstillstände auf, welche wahr¬ 
scheinlich auf eine Erregung des Atemzentrums 
infolge Gefäßkontraktion in der Medulla ob- 
longata zurückzuführen sind; sie treten in 
gleicher Weise nach Adrenalininjektion auf 
und sind daher in keiner Weise charakteristisch 
für die Wirkung der Hypophysenpräparate. 

Roemheld (Hornegg a. N.). 

A. Fröhlich und E. P. Piek (Wien), Zur 
Kenntnis der Wirkungen der Hypophysen« 
Präparate, n. Mitteilung: Wirkung auf 
die Blutgef&Be des Frosches. Archiv für 
experimentelle Pathologie und Pharmakologie 
1913. Bd. 74. Heft 1 und 2. 

Man nahm früher an, daß das wirksame 
Prinzip der Hypophyse wie ein mildes Adrenalin 
die sympathischen Nervenendigungen errege 
und so vasokonstriktorisch wirke. Dem¬ 
gegenüber fanden die Autoren am Läwen- 
Trendelenburgschen Froschpräparat, daß 
Hypophysenpräparate die ihrer nervösen Ver¬ 
bindungen mit dem Rückenmark beraubten, 
fast tonuslosen Froschgefäße erweiterten, sogar 
wenn man ihnen zuvor durch sehr verdünntes 
Adrenalin einen gewissen Tonus verliehen 
hatte. Sie wirkten ausnahmslos dem Adrenalin 
antagonistisch, ähnlich wie andere typisch 
parasympathische (antonome) Gifte, z. B. Pilo¬ 
karpin und Histamin. Diese Wirkung auf die 
Froschgefäße ist deshalb bemerkenswert, weil 
am Warmblüter das Adrenalin in seinen 
Wirkungen durch Hypophysenpräparate, auch 
nach den Untersuchungen derVerfasser, mächtig 
gefördert wird. Trotz der gleichsinnigen Wirkung 
auf die Blutgefäße des Frosches darf man aber 
doch Histamin und das Prinzip der Hypophysen¬ 
substanz nicht identifizieren, da beide auf Blut¬ 
druck und Uterus differente Wirkungen zeigen 
und auch chemische Unterschiede bestehen 
(Pau ly sehe Reaktion). 

Roemheld (Hornegg a. N.). 


F. Verschiedenes. 

Fr. Key8ser (Jena), Uber Erkältung. Zeit¬ 
schrift für Balneologie, Klimatologie und 
Kurort-Hygiene 6. Jahrgang. Nr. 15/16. 

Mit der Auffassung der Erkältung als Dis¬ 
position ist eine Erklärung der Erkältung 
keineswegs gegeben. Wir müssen den Begriff 
der Erkältung und der Erkältungskrankheit 
scharf auseinanderhalten und unter Erkältung 
lediglich die Erkältungseinfiüsse verstehen mit 
den durch sie im Organismus hervorgerofenen 


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Veränderungen, unter Erkältungskrankheit ledig¬ 
lich die durch zufällig bei der Erkältung an¬ 
wesende Krankheitserreger bewirkten Ver¬ 
änderungen. Eine Erkältung kann demnach 
stattfinden, ohne daß eine Erkältungskrankheit 
nachfolgen muß. Bei einer Erkältungskrankheit 
sind drei Gesichtspunkte zu berücksichtigen: 

1. die Einwirkung von Erkältungseinflüssen; 

2. die durch diese Erkältungseinflüsse be¬ 
dingten Veränderungen im menschlichen Or¬ 
ganismus, die zu einer Disposition, d. h. 
Empfänglichkeit des Organismus für pathogene 
Bakterien führt; 

3. das Vorhandensein von Bakterien. 

Keysser bespricht dann eingehend die 

! Erkältungstheorien, die zumeist keine Geltung 
I mehr haben. Die Immunitätsforschung faßt 
I die Erkältung als eine Resistenzherabsetzung 
des menschlichen Organismus auf, die Schutz¬ 
stoffe werden unter Erkältungseinflüssen in 
einer Weise geschädigt, daß die pathogenen 
Keime oder Mikroorganismen bei ihrem Ein¬ 
dringen in den menschlichen Körper sich ver¬ 
mehren und den Organismus krank machen 
können. 

Von Schutzstoffen stehen dem Körper zwei 
Elemente zur Verfügung und zwar die anti¬ 
bakteriellen Substanzen und die Leukozyten 
mit ihren digestiven Fermenten. 

Die antibakteriellen Stoffe gehen mit den 
Elementen des Bakterienleibes Verbindungen 
ein. Je nachdem die Bakterien abgetötet oder 
aufgelöst werden, spricht man von bakterizider 
oder bakteriolytischer Wirkung. Sie können 
ferner zusammenballen = agglutinierende 
Wirkung — oder von den Phagozyten auf¬ 
genommen werden = opsonische Wirkung. 
Dementsprechend sind in der Blutflüssigkeit 
von antibakteriellen Elementen 1. Bakterizidine 
resp. Bakteriolysine, 2. Agglutinine, 3. Opso¬ 
nine. In erster Linie kommen die Opsonine 
als Schutzstoff in Frage, die für die Frage der 
Resistenzherabsetzung durch Erkältung die 
größte Bedeutung haben. Neben diesen anti¬ 
bakteriellen Substanzen im Serum kommen 
noch die zellulären Elemente in Betracht, und 
zwar die beweglichen oder wandernden und 
die fixen Phagozyten. Unter den Leukozyten 
des Bluts spielen die polymorphkernigen die 
Hauptrolle. 

Die Versuche von Keysser setzen bei 
der Frage ein, worin das Wesen der Resistenz¬ 
herabsetzung beruht Für die Erkältung in 
Frage kommende Faktoren sind nicht die Kälte 
an sich, sondern , feuchte Kälte und Zugluft. 


Original fro-rn 

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126 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


Keysser fand nun, daß die Opsonine unter 
Erkältungseinflüssen rapide sinken, um nach 
einigen Tagen wieder anzusteigen und für 
wenige Tage nach Ablauf enorm erhöht zu 
sein. Dieses weitere Ansteigen unterblieb bei 
Tieren, die zugrunde gingen. Lokale Er¬ 
kältungsversuche hatten kein Ergebnis. Auch 
Leukozyten und Bakterizidine nehmen unter 
Erkältungseinflüssen ab, desgleichen die zellu¬ 
lären Elemente. Wodurch wird nun die rapide 
Abnahme der Schutzstoffe veranlaßt, worin 
besteht ihre Bedeutung? Angestellte Versuche 
ergaben, daß spezifische schädigende Sub¬ 
stanzen unter Erkältungseinflfissen nicht auf- 
treten. Die einzig mögliche Erklärung ist die, 
daß der ständige Aufbau und Abbau der 
Schutzstoffe und -elemente, wie er im nor¬ 
malen Organismus vor sich geht, nicht in dem 
gleichen Verhältnis stattfindet, daß vielmehr 
bei gleichbleibender oder gesteigerter Degene¬ 
ration eine entsprechende Regeneration ver¬ 
zögert wird, ja eventuell momentan ausbleibt. 
Das Wesen der Erkältung besteht der Haupt¬ 
sache nach in dieser Störung des physiologischen 
Oleichgewichts. 

Keysser wendet sich hierauf zu den Er¬ 
kältungskrankheiten. Der Mikroorganismus 
verändert beim Eindringen in den Organismus 
seine Funktionen in dem Sinne, daß er die 
Schutzmittel des Makroorganismus paralysieren 
oder sich ihnen entziehen kann. Die ihm dazu 
zu Gebote stehenden Mittel sind die aggressiven 
Mittel (Bail). Die Bakterien finden infolge 
der plötzlichen Herabsetzung der Schutzstoffe 
wenigstens in der Periode des Eindringens 
einen geringeren Widerstand seitens des 
lebenden Organismus, können sich in ihm ver¬ 
mehren, d. h. eine Infektion ausüben. Von 
großer Bedeutung ist nun der sog. latente 
Mikrobismus, d. h. die ständige Anwesenheit 
der Bakterien in den menschlichen Schleim¬ 
häuten, die im gegebenen Moment eine aus¬ 
gesprochene Virulenz erhalten können. 

Key8ser geht dann noch auf die be¬ 
kannten Chodounskysehen Versuche ein und 
schließt mit einigen besonders schwierigen 
Fragen, die der Erledigung harren. Er streift 
dabei die Frage der Bazillenträger, der 
Epidemien usw. Das Wesen der Erkältungs¬ 
krankheit ist so lange ein verschlossenes Ge¬ 
biet, bis wir wissen, wodurch Bakterien im 
Stadium des latenten Mikrobismus die Fähig¬ 
keit erlangen, in die Gewebe einzudringen und 
krankmachende Wirkung auszuüben; es besteht 
in dem Versagen der Schutzstoffe in dem 


Kampfe mit den Krankheitserregern, dieses 
Versagen bleibt bei Abhärtung aus. 

E. Tobias (Berlin). 

Ernst Löwenstein, Therapeutische Erfah¬ 
rungen mittels eines neuen Inhalations¬ 
prinzips (System Philos). Zeitschrift für 
Tuberkulose Bd. 20. Heft 2. 

Während die bisherigen Inhalationssysteme 
darauf abzielten, Flüssigkeiten fein zu zer¬ 
stäuben, basiert der von Löwenstein be¬ 
schriebene Apparat auf dem bereits von 
To bol dt aufgestellten Prinzip, Kochsalz in 
Substanz zu verdampfen. Wie die vom Ver¬ 
fasser mitgeteilten 30 Krankengeschichten be¬ 
weisen, wirken diese Kochsalzinhalationen als 
starkes Expektorans. Löwenstein sieht in 
dieser Art der Inhalationstherapie einen wesent¬ 
lichen Fortschritt gegenüber unseren bisherigen 
Inhalationssystemen. Leopold (Berlin). 

Joseph Collins (New York), The modern 
treatment of tabes. Medical Record 1913. 
11. Oktober. 

Tabes ist in jedem Stadium eine syphilitische 
Erkrankung. Die Behandlung der Tabes soll 
von drei Gesichtspunkten aus geschehen: 
1. kausale Therapie, 2. symptomatische Thera¬ 
pie, 3. Verhalten des Patienten gegenüber der 
Erkrankung, dem Berufe usw. Die wirksamste 
Behandlungsmethode ist die kombinierte mit 
Salvarsan und Quecksilber. Salvarsan soll 
öfters in bestimmten Intervallen gegeben werden. 
Quecksilber soll als Unterstützung der Salvarsan- 
therapie dienen und ist entweder in Form der 
Schmierkur oder intramuskulär anzuwenden. 
Jod allein ist unwirksam. Daneben ist auch 
von der Elektrizität, Massage, Hydrotherapie, 
Diätetik, klimatischen Therapie Gebrauch zu 
machen. Narkotische Mittel, wie Opium, 
Morphium usw., bei Krisen sollen wegen der 
damit verbundenen Gefahr der Gewöhnung mit 
Vorsicht verordnet werden; häufig genügt die 
Anwendung von Phenazetin, Aspirin, Pyramidon. 
Die Übungstherapie ist von großem Nutzen bei 
ataktischen Kranken. 

Georg Koch (Wiesbaden). 

A. Colli n (Paris), LeTraltement de laChoröe. 

Journal de Mödecine de Paris 1913. Nr. 42. 

Nur die echte Sydenhamsche Chorea 
minor liegt den Ausführungen des Verfassers 
zugrunde. Sie ist eine organische Erkrankung 
infolge einer Infektion bei Prädisponierten. 

Leichte Formen sind mit Bettruhe, Hydro¬ 
therapie, insbesondere Einwicklungen und vege- 

Qriginal fro-m 

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Referate Uber BUcher und Aufsätze. 


127 


tabiler Ernährung zu behandeln. Bei mittleren 
Formen ist besonders die Antipyrin- und Arsen¬ 
therapie am Platze. Von der Elektrotherapie 
hält er nicht viel, eventuell Galvanisation des 
Rückenmarkes und der Nervenstämme mit 
aufsteigenden Strömen. Bei schweren Formen 
hat die physikalische Therapie wenig Aussicht 
auf Erfolg. Emetica in serienweiser Verabfol¬ 
gung, Sedativa und besonders Opium sind am 
Platze. 

Durch die Krankheit selbst verursachte 
Komplikationen sind symptomatisch aber immer 
sehr seriös zu behandeln. 

van Oordt (Rippoldsau). 

Hermann Schlesinger (Wien), Das Ver¬ 
halten der Körpertemperatur im Greisen- 
alter. Medizinische Klinik 1913. Nr. 38. 

Im Alter ist die Körpertemperatur nicht 
herabgesetzt. Fieber kann beim Greis oft nur 
durch regelmäßige Rektalmessungen nach¬ 
gewiesen werden. Erhebliche Heterothermie 
zwischen Axillar- und Rektaltemperatur be¬ 
rechtigt ohne anderweitige beunruhigende 
Symptome nicht zu einer infausten Prognose. 
Auch bei „asthenischen Erkrankungen 4 der 
Greise kann erhebliches Fieber bestehen. 
Heterotjiermien zwischen axillarer und rektaler 
Temperatur sind beim Greise für die Diagnose 
lokaler Erkrankungen (Peritonitis) nur mit 
großer Reserve verwertbar. Erhöhung der 
Körpertemperatur nach Bewegungen darf für 
die Diagnose einer Tuberkulose im Alter nur 
mit äußerster Vorsicht verwertet werden. 

A. Fürstenberg (Berlin). 

Felix Klewitz (Köln), Der Pnls im Schlaf. 

Deutsches Archiv für klin. Medizin 1913. 
Heft 1 und 2. 

Mittels einer einfachen Methode — eine 
auf einer Seite mit einem dünnen Gummistück 
straff überzogene, mit Heftpflaster auf der Brust 
des Patienten befestigte Metallkapsel trägt 
rechts und links ein kleines Ansatzrohr, von 
dem Gummischläuche durch die Wand zu dem 
Ohr des im Nebenzimmer sitzenden Beobachters 
gehen — wurden Herzgesunde, Herzkranke in 
kompensiertem und dekompensiertem Zustand 
und Tachykardien verschiedener Provenienz 
untersucht Die durchschnittliche Frequenz¬ 
abnahme im Schlaf betrug bei Herzgesunden 
19,9 Pulse pro Minute. Ähnlich war es auch 
im wachen Zustand in der Nacht bei absoluter 
Körperruhe, während im Schlaf am Tage die 
Pulsfrequenz kaum geringer wurde. Kompen¬ 
sierte kranke Herzen verhielten sich fast eben¬ 


so, wie gesunde. Bei dekompensierten Herzen 
trat im Schlaf gleichfalls eine, aber weniger 
bedeutende Verminderung der Pulsfrequenz ein. 
Die Höhe der prozentualen Abnahme richtete 
sich annähernd nach der Schwere der Dekom¬ 
pensation; in schweren Fällen konnte die Puls¬ 
frequenz im Schlaf sogar höher sein, als im 
Wachen, weshalb man aus der Feststellung der 
Pulsfrequenz im Schlaf auch prognostische 
Schlüsse ziehen darf. Herzirregularitäten ver¬ 
schwanden im Schlaf weder bei Herzkranken, 
noch bei Herzgesunden (Extrasystolen). Orga¬ 
nisch bedingte Tachykardien blieben im Schlaf 
bestehen, während nervöses Herzklopfen im 
Schlaf schwand, so daß hier die Methode zur 
Differentialdiagnose herangezogen werden kann. 

Roemheld (Hornegg a. N.). 

E. Mattauschek und A. Pilcz (Wien), 
Cber die weiteren Schicksale 4184 
katamnestisch verfolgter Fälle luetischer 
Infektion. Medizinische Klinik 1913. Nr. 38. 

Von 4134 in den Jahren 1880—1900 
an Syphilis erkrankten Offizieren sind bis 
1. Januar 1912 198 paralytisch geworden, 113 
tabisch, 132 erkrankten an Lues cerebrospinalis, 
80 an verschiedenen Psychosen, 147 starben 
an Tuberkulose, 17 an Aortenaneurysmen, 
101 erkrankten bzw. starben an Myodegeneratio 
und arteriosklerotischen Veränderungen. Die 
unmittelbare Todesursache bildete die Lues in 
20 Fällen, ebenso oft bedingte sie die Ursache 
dauernder Berufsunfähigkeit. 

A. Fürstenberg (Berlin). 

F. Hftht (Kftln), Über die hohe Mortalität 
der Appendizitis in graviditate und ihre 
Ursachen. Medizinische Klinik 1913. Nr. 39. 

Die Appendizitis steht intra graviditatem 
unter anderen Bedingungen wie extra gravidi¬ 
tatem. Diese Bedingungen sind prognostisch 
als ungünstiger zu bezeichnen. 

A. Fürstenberg (Berlin). 

Rudolf Reinhardt (Heidelberg), Über die 
Atmung bei Herzkranken. Deutsches Archiv 
für klin. Medizin 1913. Heft 5 und 6. 

Die unter S i e b e c k s Leitung an 18 
Patienten vorgenommenen Untersuchungen 
sollten zeigen, ob es mit verhältnismäßig ein¬ 
fachen Versuchen gelingt, an Herzkranken ein 
Urteil über die Leistungsfähigkeit der Atmung 
zu gewinnen. Es wurden Größe und Frequenz 
der Atmung, Größe des einzelnen Atemzuges, 
Vitalkapazität, C0 9 -Ausscheidung bestimmt, und 
die Resultate der Versuche mit CO a -haltiger 


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128 


Therapeutische Neuheiten. 


Inspirationsluft zusammengestellt Bei den 
leichten Fällen entfernten sich die verschiedenen 
Werte nur wenig von den normalen, bei den 
schweren war die Vitalkapazität durchweg 
herabgesetzt bis zu 20 und 25% der Norm. 
Bei Versuchen mit CO a -haltiger Inspirationsluft 
nahm die Atemgröße schon bei weitaus ge¬ 
ringerem CO a %-Gehalt der Inspirationsluft um 
5 resp. 10 1 zu, als wir das bei Normalen 
beobachten. Einzelne ertrugen überhaupt nur 
ganz geringe C0 3 -Zufuhr und wurden gleich 
dyspnoisch und schwindelig. Bei Besserung 
des Zustandes näherten sich alle Werte wieder 
den normalen. 

Bei Herzkranken ist also die Atmung 
gesteigert und erhöhten Anforderungen gegen¬ 
über viel weniger leistungsfähig, als bei 
Gesunden. Als anatomische Grundlage dieser 
Verhältnisse ist wohl in erster Linie die durch 
die Stauung bedingte Lungenstarre anzusehen. 
Daneben kommt als wesentlicher Faktor die 
Stauungsbronchitis in Betracht. Die rein 
mechanischen Störungen der Atmung bei Herz¬ 
insuffizienz sind also so schwere, daß sie die 
kardiale Dyspnoe erklären können, so daß die 
Ansicht, die kardiale Dyspnoe als reine Über¬ 
ventilation durch primär veränderte Atemreize 
aufzufassen, nicht aufrecht erhalten werden 
kann. Roemheld (Hornegg a. N.). 


k. Laqueur, Zur Anwendung der physika¬ 
lischen Therapie bei gynäkologischen Er¬ 
krankungen. Zeitschrift für Geburtshilfe 
und Gynäkologie 1913. Bd. 74. 

Verfasser hat sich in vielen Fällen chro¬ 
nischer Adnexerkrankungen, Exsudaten usw., 
bei denen bisher die lokale Heißluftbehandlung 
(Heißluftkasten oder elektrischer Glühbogen) 
nicht die gewünschten Erfolge zeitigte, von 
dem außerordentlich günstigen Einfluß mit 
Fangoumschlägen überzeugt. In 81% so be¬ 
handelter Fälle schwanden die subjektiven 
I Beschwerden ganz oder bis auf ein Minimum, 
in 42% trat objektive Heilung ein. Ver¬ 
suche mit Thermopenetration oder Diathermie 
nach Sellheim sind an einer noch nicht 
genügenden Zahl von Fällen durchgeführt, 
scheinen indessen auch erfolgreich zu sein. 
In Fällen von Neurasthenia sexualis haben 
sich Verfasser neben roborierenden Maßnahmen 
kühle Halbbäder (32—28°), wechselwarme 
Fächerduschen, Teilabreibungen ev. Koblen- 
säurebäder bewährt, häufig bei vorausge¬ 
schickter Bestrahlung des Unterleibs mit 
Lichtbädern. Ähnliche Behandlungen haben 
bei Kastrierten und Klimakterischen, bei sekun¬ 
därer Anämie nach Meno- und Metrorrhagien 
gute Erfolge gezeitigt. 

E. Sachs (Königsberg). 


Therapeutische Neuheiten. 


Dr. A. Veith (Nürnberg) hat zu dem im September 1913, S. 575, unter „Therapeutische 
Neuheiten“ erschienenen Artikel „Entfettungsapparat nach Nagelschmidt-Bergonid“ im Heft 11, 
Band XVII dieser Zeitschrift, bereits repliziert. Indem ich mich dieser Replik vollinhaltlich 
anschließe, möchte ich mir zu derselben noch folgendes hinzuzufügen erlauben: 

Bergoniä ist, wie aus seiner im Archives d’ölectricitg mddicale (April 1911) erschienenen 
Arbeit hervorgeht, auf rein empirischem Wege zur Wahl des heute von ihm verwendeten 
faradischen Stromes gelangt Er probierte der Reihe nach die verschiedenen Stromquellen an 
einem und demselben Individuum unter ganz den gleichen äußeren Bedingungen durch, um die 
für seinen Zweck brauchbarste Stromform zu finden. „. . . le critärium consistait ä obtenir des 
contractions aussi violentes que possible avec le minimum de Sensation.“ 

Man lese weiter: „C’est ainsi qu’ont ätä rejet&s successivement comme source: le courant 
alternatif d’une usine centrale, la dächarge des condensateurs, le courant d’un grand 
nombre de magnötos, le courant ondulatoire, les courants sinusoldaux, les courant inter- 
mittents de Leduc, les courants d’un certain nombre de bobines.“ — 

Was macht es für einen Eindruck, wenn nunmehr die verschiedenen Nachfinder kommen 
und das, was der Erfinder selbst längst als unbrauchbar verworfen, faute de mieux auflesen, 
um es als ihre eigene und zwar verbesserte Erfindung anzupreisen? 

Dr. Josef Kowarschik, 

Vorstand des Institutes für physikalische Therapie 
am Kaiser-Jubiläums-Spital der Stadt Wien. 

Berlin, Druck von W. Büxenatein. 


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Original - Arbeiten 


i. 

Ober den Schweiß und das Schwitzen. 1 ) 

Von 

Prof. Dr. Alois Strasser 
in Wien. 

Die physiologische Leistungsfähigkeit der Haut ist innerhalb gewisser Grenzen 
ebenso bestimmt, wie die anderer Organe, in der Wertung dieser Leistungsfähigkeit 
herrscht aber nicht die einheitliche Auffassung, die notwendig wäre, um ihren 
Wert für den Organismus richtig beurteilen zu können. 

Wohl ist man im allgemeinen im Klaren über die große Rolle, die die Haut 
als Perzeptionsorgan für alle Arten von außen kommender Reize spielt, so auch über 
die große Bedeutung dieser ihrer Eigenschaft für den ganzen Ablauf der Kreislaufs¬ 
tätigkeit und besonders für die Blutverteilung. In der Wertung der Hautatmung 
finden wir schon gewisse Widersprüche, indem ihre Leistung in genauer Kenntnis 
der Arbeitswerte sehr gering geschätzt wird, dagegen die Ansicht noch jetzt sehr 
verbreitet ist, daß ihre Unterdrückung einen deletären Einfluß ausüben muß. 
Glücklicherweise ist es aber nunmehr zweifellos festgestellt, daß die Tiere, deren 
Hautatmung durch Überfirnissen der Haut völlig unterdrückt wurde, nicht an einer 
Art Hauterstickung zugrunde gehen, sondern an den bedeutenden Wärmeverlusten, 
die sie durch Lähmung ihrer peripheren Gefäße erfahren. 

Zur Ehrenrettung der Bedeutung der Hautatmung möchte ich doch folgendes 
hervorheben: Es ist zwar wahr, daß die Sauerstoffaufnahme und Kohlensäure¬ 
abgabe von seiten der Haut in normaler Umgebungstemperatur 1—2% des 
Lungengaswechsels ausmacht, bedenken wir aber, daß die Oberfläche der Lungen¬ 
schleimhaut etwa 49—50mal so groß ist, wie die Oberfläche der Haut, dann 
müssen wir bewundernd konstatieren, daß die Leistung der Haut in bezug auf 
den Gaswechsel, trotz der großen histologischen Strukturdifferenzen, mindestens 
halb so groß ist, wie die der Lunge. Wenn also die Hautatmung quantitativ 


*) Vortrag, gehalten in der physiologischen Sektion der naturwissenschaftlichen Gesellschaft 
in Budapest am 28. Oktober 1918. 

ZeiUcbr. f. phjraik. u. diät. Therapie Bd. XVIII. Heft 3. 9 


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nicht ausschlaggebend ist, dann ist sie es nur darum, weil die Haut¬ 
oberfläche für diesen Zweck zu klein ist. 

Indessen ist die Hautatmung und besonders die C0 2 -Abgabe von der Haut 
durch die Erhöhung der Umgebungstemperatur bedeutend steigerungsfähig, worüber 
wir später, im Zusammenhänge mit der Schweißsekretion sprechen wollen. 

Die Sekretion der Hautdrüsen bildet die weitere hervorragende Leistung 
der Haut. Über die Talgdrüsen zu sprechen, übersteigt den Rahmen unserer 
heutigen Besprechung, dagegen ist die Tätigkeit der Schweißdrüsen der Mittel¬ 
punkt unserer heutigen Betrachtungen. Ich will vorweg sagen, daß die Leistung 
der Schweißdrüsen in ihrer enormen Bedeutung vielfach richtig aufgefaßt und 
gewürdigt wird, aber auch vielfach bedeutend überschätzt, und es wird mir eine 
Genugtuung sein, wenn es mir gelingt, eine richtige, von jeder Über- und Unter¬ 
schätzung freie Auffassung zu präzisieren. 

Die vasomotorische Innervation der Haut und die Schweißsekretion stehen 
im Dienste der von höheren Zentren dirigierten Wärmeregulation und es wird 
reichlich Gelegenheit vorhanden sein, auf die Korrelation dieser Organtätigkeiten 
einzugehen. 

Die erste Frage, die sich uns bei Betrachtung der Schweißsekretion aufdrängt, 
ist die, ob sie eine kontinuierliche oder diskontinuierliche ist, oder um 
uns zugänglicherer Begriffe zu bedienen, ob wir einerseits nur den tropfbar 
flüssigen Schweiß als Resultat der Schweißsekretion ansehen sollen, oder auch das, 
was wir „insensible Perspiration“ nennen und andererseits, ob diese insensible 
Perspiration tatsächlich nur ein Resultat der Drüsenarbeit der Haut ist, oder 
ob neben dieser Drüsentätigkeit auch eine Abgabe von Wasserdampf auf dem 
Wege der Diffusion von den oberflächlichen Hautschichten aus stattfindet, genau 
so, wie etwa die Abgabe von Kohlensäure. Es ist zwar als bewiesen anzusehen, 
daß unabhängig von der Drüsenarbeit eine physikalischen Gesetzen folgende 
Diffusion von Wasserdampf stattfindet (Löwy und Wechselmann), doch zeigen 
die, diese Tatsache beweisenden, von „hautdrüsenlosen“ Personen gewonnenen 
Resultate gleichzeitig, daß dieser physikalischen Wasserdampfabgabe eine praktische 
Bedeutung nicht zukommt, da sie die Rolle des regulatorischen Faktors für die 
Wärmeökonomie des Körpers, die ausschließlich unter nervöser Direktion steht, 
nicht übernehmen kann und auch darum nicht übernehmen könnte, weil sie für 
diesen Zweck zu unausgiebig ist. 

Wir müssen daher den von Schwenkenbecher genau präzisierten Standpunkt 
einnehmen, daß die unmerkliche Perspiration im wesentlichen nichts weiter ist, 
als eine unmerkliche Schweißsekretion, den Standpunkt, der der weiterreichenden 
Auffassung Genüge leistet, jede, selbst quantitativ differente Tätigkeit der Schwei߬ 
drüsen einheitlich als Schweißsekretion schlechtweg zu bezeichnen, wenn es auch 
populärer wäre, diese Bezeichnung erst dann zu wählen, wenn das Sekret tropfbar 
flüssig, also „sensibel“ an der Haut erscheint. 

Die Sekretionstätigkeit der Schweißdrüsen ist innerhalb sehr weiter Grenzen 
variabel und ich wiederhole nur bekannte Tatsachen, wenn ich sage, daß die 
Wasserabgabe nur in der Form der insensiblen Perspiration 600—700 g pro Tag 
ausmacht, in der Form des künstlich oder durch innere Ursachen produzierten 
tropfbar flüssigen Schweißes jedoch mehrere Liter ausmachen kann. Denken Sie 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


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an die Schweiße, die beim kritischen Abfall der fieberhaften Temperatur erscheinen, 
an die Schweiße bei forcierter Muskelarbeit, bei Überhitzungen verschiedener Art. 
Ich selbst verlor einmal im Glühlichtkasten in 20 Minuten 800 g an Gewicht, 
(also an Wasser) durch den Schweiß, und Käst konnte bei drei jungen Männern 
durch Überhitzung in einer Temperatur von 50—55° C in 30—40 Minuten 18—201 
Schweiß sammeln. 

Die Qualitäten des Schweißes will ich jetzt nur flüchtig berühren, weil die 
hervorragenden Bestandteile in Verbindung mit der Therapie besser erörtert werden 
können. Es sei festgestellt, daß der Schweiß etwa 1 % feste Bestandteile hat 
und 99 °/ 0 Wasser, wenn auch je nach Intensität der Sekretion und unter patholo¬ 
gischen Umständen diese Werte veränderlich sind. Die Reaktion des reinen von 
Talgdrüsensekret freien Schweißes ist alkalisch, die molekulare Konzentration im 
Mittel A *= —0,32° C (Schwenkenbecher u. a.) in pathologischen Zuständen 
bis —0,60° C (Kövesi und Roth-Schulz) und die Hauptmasse der Asche¬ 
bestandteile bildet das Kochsalz (etwa die Hälfte), daneben sind in Spuren 
Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kalium, Ca und Mg, wenig organische Substanzen, 
das ist 0,3°/ 0 -0,5°/ 0 , davon etwa die Hälfte Harnstoff, Spuren von Harnsäure. 
Über pathologische oder künstliche Steigerungen dieser Ausscheidungen wollen wir 
später sprechen und wenden uns der prinzipiell überaus wichtigen Frage zu, wie 
der Akt der Schweißausscheidung überhaupt vor sich geht. 

Die Schweißsekretion ist eine echte Sekretion, eine echte Drüsenarbeit und 
steht, wie wir derzeit mit Sicherheit sagen können, zwar unter dem Einflüsse einer 
spezifischen Innervation, aber auch ebenso sicher ist, daß das Drüsenparenchym 
auf verschiedene Reize hin, unabhängig selbst von spezifischer Innervation, dieselbe 
Arbeit leisten kann. Das Drüsenparenchym vollzieht seine Arbeit auf 
alle Arten von Reizen hin, auf mechanische, elektrische und auf die 
sogenannten Blutreize, d. i. auf chemische Reize, die ihm auf dem 
Wege der Blutbahn zugeführt werden, und es ist, ganz spezielle Fälle 
ausgenommen, sehr schwer, eine reinliche Scheidung der Mechanismen 
durchzuführen (Biedl), d. i. sagen, wann die Sekretion durch Impulse des 
zentralen oder peripheren Nervensystems und wann durch direkten Reiz auf das 
Drüsenparenchym ausgelöst wurde. 

Zur näheren Erörterung der einzelnen Fragen ist es notwendig, die physio¬ 
logischen Fakten der Schweißinnervation kurz zu rekapitulieren. 

Zunächst war die Unabhängigkeit der Schweißsekretion von der 
Blutversorgung klarzustellen, denn wenn auch sicher war, daß eine länger- 
dauemde ausgiebige Schweißsekretion nicht nur bei guter, sondern mehr bei 
gesteigerter Zirkulation in der Haut möglich ist, sah man einerseits, daß die Haut 
warm und stark gerötet sein kann, ohne daß Schweiß auftritt (Fieber), andererseits 
ein Schweiß bei anämischer Haut, ja selbst bei Zyanose tagtäglich uns vor Augen 
tritt. Auch konnte nach Unterbindung der Bauchaorta (Ostroumoff) durch 
Reizung des Ischiadicns Schweißsekretion an der Hinterpfote der Katze ausgelöst 
werden. 

Bei Erwähnung des Schweißes bei anämischer und zyanotischer Haut komme 
ich das erstemal dazu, die Begriffe von „kaltem“ und „warmem“ Schweiß von¬ 
einander in gewissen Grenzen zu trennen. Weit entfernt davon, den jeweiligen 

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Alois Strasser 


Zustand der Blutversorgung allein für eine derartig zu supponierende Differenz 
verantwortlich zu machen, findet man in dem Zusammengehen der Schweiß* und 
Vasomotoreninnervation und selbst in der Arbeitsform der Drüsen Grundlagen für 
diese Auffassung. 

Nach Josephs Untersuchungen ist die ruhende Drüse von einer einschichtigen 
Epithellage ausgekleidet, das Lumen zeigt eine mittlere Weite. Wird der Nerv 
gereizt, so ist das Lumen eng, das Epithel erfüllt pfropfartig die Lichtung, steht 
die Drüse unter Pilokarpinwirkung, so ist das Lumen stark erweitert, das Epithel 
reduziert sich auf einen schmalen Saum. 

Es ist ganz fraglos, daß die ersterer Art, die mit erhöhtem Tonus einhergeht, 
dem Vorgänge ähnlich ist, den ich als „kalten Schweiß“ ansprechen möchte, die 
zweite Art, dem sogenannten „warmen Schweiß“, bei der ersteren handelt es sich 
teilweise um ein Auspressen präformierten Schweißes, wobei ein Nachrücken von 
neuem Schweiß auch schon darum schwer ist, weil der Hohlraum der Drüse aus¬ 
gefüllt, die Epithelzellen gepreßt sind, bei der zweiten Art um eine sich stetig 
erneuernde wahre sekretorische Tätigkeit, deren Produkt durch die erweiterte 
Drüsenmündung abgefülirt wird. Ein Analogon für die erste Form ist, wenigstens 
für die Mechanik der Sache vielleicht zu finden, wenn wir die durch Stauung prall 
erfüllten Nierenglomeruli betrachten, wo durch Mangel an entsprechendem Baum 
eine Filtration von Harnwasser unmöglich geworden ist. Wir werden aber sehen, 
daß der Reiz des Nerven (z. B. des Ischiadicus) eine echte Schweißsekretion hervor¬ 
ruft, es ist daher nicht gestattet, jeden Schweiß, der etwa durch den Reiz eines 
peripheren Nerven hervorgerufen wird und naturgemäß mit einer Gefäßkontraktion 
einhergeht, als kalten Schweiß zu bezeichnen. Der kalte Schweiß ist jedenfalls 
mit einer Anämie verbunden, die aber ebenso von einer Vasokonstriktion, als auch 
von einem Kollaps der Gefäße in der Haut herrühren kann. Es kommt hier ganz 
bestimmt auf sehr komplizierte Vorgänge an und es gibt sicher Reize besonderer 
Art, die Anämie der Peripherie mit einem Auspressen des Schweißes hervorrufen. 
Die Anämie der Peripherie allein (Unterbindung des zuführenden Gefäßes) löst 
einen Schweißausbruch nicht aus. 

Die zuerst beschriebenen Schweißnerven sind die folgenden: 1. die von 
Goltz entdeckten im Ischiadicus verlaufenden für die Hinterpfote, 2. die von 
Kendall und Luchsinger entdeckten im Plexus brachialis verlaufenden für die 
Vorderpfote, und 3. die von Nawrocki entdeckten im Ramus infraorbitalis ver¬ 
laufenden für die Rüsselscheide des Schweines. 

Die zahllosen auf diese beweisenden Befunde hin gemachten Untersuchungen 
ergaben folgende in der Physiologie als feststehend anzusehenden Befunde: 

Die Schweißnerven nehmen ihren Ursprung aus der grauen Substanz des 
Rückenmarks, dort wo Vorder- und Hinterhorn aneinander grenzen. Von dort 
treten die Fasern mit den vorderen Wurzeln aus dem Rückenmark und durch die 
weißen rami communicantes in den Grenzstrang des Sympathicus und enden zu¬ 
nächst in dessen Ganglienzellen. Dann treten sie in den grauen rami communi¬ 
cantes wieder zu den peripheren Nerven über und verlaufen mit denselben zur 
Peripherie. 

Die spinalen Zentren der Schweißnerven sind über größere Strecken des 
Rückenmarkes zerstreut und stehen miteinander in Verbindung. Nach Schlesinger 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


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müssen wir vier Schweißterritorien unterscheiden, die untereinander eine gewisse 
Selbständigkeit zu besitzen scheinen, und zwar 1. für die Schweißfasern des Ge¬ 
sichtes, 2. für die der oberen Extremität, 3. für die obere Rumpfhälfte, Hals, 
Nacken und behaarten Kopf, und 4. für die untere Extremität. 

Sicher sind die Schweißfasern für das Gesicht in den 2—4 Dorsal-, die für 
die obere Extremität in den 4—9 Dorsal-, und die für die untere Extremität in 
den zwei letzten Dorsal- und den ersten 4—5 Lumbalwurzeln enthalten und 
treten vom Plexus cavernosus zum Infraorbitalis, vom Ganglion stellatum zu 
Plexus brachialis und von den zwei letzten Lumbal- und den zwei ersten Sacral- 
ganglien zum Plexus ischiadicus über. 

Es verlaufen also die Schweißnerven in der Peripherie durchaus mit den 
vasomotorischen Nerven zusammen, und es ist klar, daß ein Reiz des Nerven 
vasomotorische und Schweißphänomene gleichsam hervorrufen muß, eine isolierte 
zentrale Erregung der Vasomotoren ruft aber keinen Schweiß hervor, ebensowenig 
als die direkte Reizung der Wurzeln, aus denen z. B. der Medianus, Ulnaris oder 
Ischiadicus entspringt. Es gibt also direkte spinale Schweißfasern nicht, diese 
kommen als spezifische Fasern nur aus dem Sympathicus. 

Ein Zentrum in fler Hirnrinde ist experimentell nicht nach¬ 
gewiesen, nichtsdestoweniger ist ein solches sicher und erscheint aus unseren 
täglichen Erfahrungen über Schweiße nach psychischen Erregungen und aus der 
Tatsache erwiesen, daß es einzelne Fälle von willkürlichem Schwitzen gibt, bei 
denen allerdings der sogenannte psychische Reflex anscheinend die Hauptrolle spielt. 
Außerdem scheint mir, daß wir höhere Zentren anzunehmen das Recht haben, 
wenn wir gewisse, gleich zu besprechende Feinheiten der wärmeregulatorischen 
Einstellung vor Augen haben. 

Die Erregungen, die den Schweiß auslösen, sind also vorwiegend solche, 
die die spinalen Zentra oder die Peripherie treffen und von diesen Stellen aus 
die Schweißsekretion auslösen. Das Schwitzen auf Reflexreize hin ist nur als 
eine Unterart der zentralen Erregung zu betrachten. (Biedl.) 

Die Erregung der spinalen Zentren geschieht wieder durch Reize, die ihnen 
durch das Blut zugeführt werden oder durch solche, die auf dem Wege der 
zentripetalen Nerven zu ihnen gelangen, also reflektorisch den Reiz auslösen. 
Von den Blut reizen stehen, abgesehen von besonderen endogenen oder exogenen 
Giften obenan: 1. die höhere Temperatur und 2. die Venosität des Blutes. 

Die erhöhte Temperatur des Blutes wirkt sicher sowohl direkt als auch 
reflektorisch auf das Zentrum und auch peripher sowohl auf die sekretorischen 
Nerven, als auch auf die Drüsensubstanz. Beweisend für alle diese Wirkungs¬ 
arten ist der klassische Versuch von Robillard: Wenn man bei einer Katze die 
Hinterpfote erwärmt, so schwitzt zunächst dieselbe, später alle anderen Extremi¬ 
täten, bis auf diejenige, deren Nerven durchschnitten wurden. Das ist zunächst 
ein reflektorischer Schweiß, der auf dem Wege der Nervenbahnen fortgepflanzt 
wird. Wird die Erwärmung weiter getrieben, so wird der Schweiß vom Zentrum 
aus ansgelöst, auch dann, wenn die hinteren Wurzeln durchtrennt und damit die 
zentripetale Leitung unterbrochen wird. Die Extremität mit durchschnittenem 
Ischiadicus schwitzt auch jetzt nicht, erst später, wenn durch weitere Erhitzung 
des Blutes die Peripherie direkt zum Schwitzen erregt wird. 


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Dieser durch Wärme in jedem Abschnitte des Innervationsweges ausgelöste 
Schweiß ist sicherlich ein typischer „warmer“ Schweiß, er geht mit mehr oder 
minder großer Hyperämie, jedenfalls aber ohne Verengerungsreiz der Vasomotoren 
einher, was auch daran zu ersehen ist, daß Blutdrucksteigerungen nur unter ganz 
besonderen Umständen zustande kommen, nämlich bei übermäßiger allgemeiner 
Erhitzung, aber auch hier mehr durch Vermehrung der Herzarbeit, als durch Gefä߬ 
verengungen. 

Es ist übrigens die übermäßige Erhitzung auch der Drüsensubstanz nicht 
zuträglich, sie scheint diese zu lähmen. Luchsinger zeigte, daß, wenn man die 
eine Hand in Wasser von 45—50° C, die andere in ein solches von 15—30° C 
durch 10 Minuten badet und dann die Hand aus irgendeiner Ursache zu schwitzen 
anfängt, so zeigt sich der Schweiß stets an jener Hand früher und stärker, die 
in kaltem Wasser war. 

Die Schweißreaktion auf die höhere Temperatur ist mit der wichtigste 
Faktor der Wärmeregulation und hier zeigt sich eine solche Empfindlichkeit der 
automatischen Organfunktion, wie sonst kaum im ganzen Organismus. 

Von allen Faktoren der Wärmeabgabe ist die Wasserverdunstung von der 
Körperoberfläche der mächtigste und wir brauchen nicht einmal die sensible 
Perspiration, um die ansteigende Temperatur zum Ausgleich zu bringen, schon 
eine Steigerung der insensiblen vermag dies zu vollführen. 

Bekanntlich wird das Wärmegleichgewicht durch zwei Faktoren aufrecht¬ 
erhalten, durch die Wärmebildung und die Wärmeabgabe. Beide stehen unter 
der Direktion von nervösen Zentren, des thermogenetischen und des thermo- 
lytischen. Zum ersten gehört die Wärmebildung in der quergestreiften Muskulatur 
und in der Leber und gewisse vasikonstriktorische Prozesse der Hautgefäße, zum 
zweiten die Anregung der Atembewegung, der vasodilatorischen Zentren der Haut¬ 
gefäße und hauptsächlich der Schweißsekretion (H. H. Meyer). Diese Zentren 
arbeiten so antagonistisch, wie die Zentren der In- und Exspiration. Kälte wirkt 
erregend auf das thermogenetische, hemmend auf das thermolytische Zentrum, Wärme 
umgekehrt. 

Kommt es nun aus irgendeinem Grunde zu dem Symptomenkomplex, den 
wir Fieber nennen, dann haben wir uns das thermogenetische Zentrum als 
erregt, das thermolytische als gehemmt vorzustellen, das Resultat ist dann die 
Steigerung der Körpertemperatur. Die Ursache dieser Erregung und Hemmung 
der antagonistischen Zentren ist die Infektion oder Intoxikation, und sie findet 
schon ihre Umschreibung und wohlcharakterisierende Bezeichnung in dem Aus¬ 
drucke von Liebermeister von der „fieberhaften Erhöhung des Niveaus der 
Wärmeregulation“. 

Für die meisten Fälle fieberhafter Temperatursteigerung ist charakteristisch, 
daß sie ohne größere Schweißekretion einhergehen, was ja in der angenommenen 
Hemmung des thermolytischen Zentrums seine Erklärung findet. 

Warum schwitzt aber der Fiebernde, der ein wärmeres Blut hat, dessen 
Peripherie mit steigendem Fieber allmählich an Tonus seiner Vasomotoren mehr 
und mehr einbüßt, nicht? Daß der Antagonismus sich nicht auf alle Teilfunktionen 
der beiden Zentren erstreckt, ist in der Vermehrung der Atmung (Funktion des 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


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thermolytischen Zentrums) während des Temperaturanstieges zu sehen; bei den 
übrigen Funktionen ist er ziemlich streng vorhanden. 

Die Antwort scheint mir in der Fieberpathologie darin gegeben zu sein, daß 
die aufgespeicherte Menge von Wärme notwendig ist, um das erregte Wärme¬ 
zentrum zu beruhigen, und erst, bis dies erreicht ist, kann das bis dahin ge¬ 
hemmte Kühlzentrum in den Zustand der Erregung kommen und löst Vermehrung 
üer Wasserabgabe von der Peripherie, vielfach auch profusen Schweiß aus. 

Es sind uns viele fieberhaften Krankheiten bekannt, bei denen der Anstieg 
der Körpertemperatur oft mit profusem Schweiß einhergeht, bei denen 
also die Wärmebildung über das Beruhigungsbedürfnis des Wärmezentrums hinaus¬ 
schnellt und dadurch sofort die Schleusen der Wärmeabgabe durch Erregung des 
Kühlzentrums auslöst. 

Bei einem Mangel an pyrogenen Stoffen wirft sich die ganze überflüssige 
Wärmemenge des Blutes als Erregungsmoment auf das Kühlzentrum und die 
Temperatur fällt unter profusem Schweiß ab. 

Wir sehen aber fast bei allen fieberhaften Infektionskrankheiten stetig eine 
Vermehrung der insensiblen Perspiration (Schwenkenbecher), und da muß man 
sich denken, daß, falls nicht die Tätigkeit der beiden Zentren in manchen 
Momenten von ihrem streng antagonistischen Charakter etwas nachläßt (s. oben), 
so daß die große Blutwärme das Kühlzentrum schon zu einer Zeit erregt, in der 
das Ruhebedürfnis des Wärmezentrums noch nicht befriedigt ist, man ganz ruhig 
annehmen kann, daß die Knäueldrüsen durch das warme Blut erregt unab¬ 
hängig von ihrer Innervation arbeitend Schweiß produzieren. Daß die 
Drüsen in dieser Art unabhängig arbeiten können, ersehen wir aus dem genannten 
Versuche von Robillard. 

Wie erwähnt, kommt es bei manchen Infektionskrankheiten zu profusen 
Schweißen während des Anstieges der Temperatur. Alle diese Krankeiten sind 
dadurch ausgezeichnet, daß der Temperaturanstieg bei ihnen mit großer Heftigkeit 
und rasch stattfindet; es sind dies: Erysipel, der akute Gelenkrheumatismus, der 
Schweißfriesel und etwa die akute Miliartuberkulose. Sicherlich haben wir es 
hier mit einer spezifisch toxischen Eigenschaft der betreffenden Infektionen auf 
das Nervensystem zu tun. Es ist mir aufgefallen, daß das Erysipel und der Ge¬ 
lenkrheumatismus, von denen die erstere Erkrankung sicher, die zweite höchst¬ 
wahrscheinlich in die Kategorie der Streptokokkeninfektion gehört, die genannte 
Eigenschaft haben, denn auch bei der typischen Streptokokkensepsis sah ich mit 
absoluter Regelmäßigkeit, daß nach Aufhören des Schüttelfrostes die Temperatur 
unter profusem Schweiß noch weiter gestiegen ist. 

In geringem Grade ist diese letztere Erscheinung mitunter bei allen Arten 
von Infektionskrankheiten zu sehen, wenn die Temperatur rasch in die Höhe geht, 
ja selbst beim Malariaanfall, der doch in bezug auf Wärmeretention von der Haut 
in der Zeit des Schüttelfrostes geradezu ganz typisch ist. 

Der Abfall des Fiebers mit profusem Schweiß, der sogenannte 
kritische Schweiß, ist uns durch die modernen Anschauungen über das Fieber 
insofern klar geworden, als wir wissen, daß er nicht die Folge, sondern mit die 
Ursache des Temperaturabfalles ist, daß sich der Organismus dieser mächtigen 
Schleuse der Wärmeabgabe bedient, um sich abzukühlen. Im Sinne der Lieber- 


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Alois Strasser 


meisterschen Lehre stellt sich, nachdem der pyrogene Reiz aufhört, das Niveau 
der Wärmeregulation wieder tiefer und zuletzt auf die Norm ein. Im Sinne 
H. H. Meyers gesprochen, muß das Wärmezentrum bei Mangel pyrogener Reize 
durch die vorhandene große Wärmemenge geradezu gelähmt sein, gleichzeitig das 
Köhlzentrum aufs höchste erregt, wodurch bei Stagnation oder großer Verminderung 
der Wärmebildung der profuse kritische Schweiß ausbricht. 

Es liegt wieder sicher in der Art der spezifischen Infektion und in der 
Reaktion des Organismus auf diese, daß gewisse Krankheiten geradezu typisch 
kritisch abfallen und andere nicht. 

Wie bekannt, nimmt die kruppöse Pneumonie hier eine hervorragende Stellung 
ein und war in der allerletzten Zeit Gegenstand der Versuche, die klarstellen 
sollten, wie diese schnelle „Entgiftung“ des strömenden Blutes, das Verschwinden 
der pyrogenen Substanz aus demselben vor sich gehen könnte. 

H. Lödtke zeigte, daß 24—36 Stunden vor der kritischen Entfieberung das 
Blutserum der Pneumoniker arm war an präzipitierenden und koroplementbindenden 
Antistoffen, die sich mit der Krise rasch vermehrten und eine Zeit nach der Krise 
auch noch lange nachweisbar waren. In einem Versuche konnten 0,2 ccm 
18 Stunden vor der Krise entnommenen Serums weiße Mäuse gegen eine Dosis 
von 0,1—0,01 mg einer Pneumokokkenkultur vor dem Exitus schützen, unmittel¬ 
bar nach der Krisis gegen eine Dosis von 1,0 mg. Es hat also in der Zeit der 
Krise ein Anwachsen der Schutzstoffe auf das Zehn- bis Hundertfache stattgefunden. 

Ähnliche Vorgänge dürften bei anderen Infektionskrankheiten stattfinden, 
wenn im Verlaufe einer schweren Kontinua sogenannte Pseudokrisen Vorkommen, 
so besonders bei Typhus abdominalis und speziell im amphibolen Stadium. 

Es scheint mir übrigens plausibel, daß neben gewissen biologischen Eigen¬ 
heiten der Bakterien auch eine gewisse Hochspannung der Infektion 
notwendig zu sein scheint, um die reaktive Gegenbewegung des 
Organismus, die Bildung von Schutzstoffen energisch auszulösen. So 
sehen wir bei Pneumonie knapp vor der Krise meist die schwersten Zeichen der 
Infektion, so ist es bei schwerer Steigerung des Fiebers bei septischen Anfällen, 
und auch die Pseudokrisen unterbrechen stets nur die schwersten Erscheinungen, 
dürften aber ein Zeichen sein, daß der Organismus nur vorübergehend die pyro¬ 
genen Stoffe schwächen oder aber sie nur teilweise vernichten kann. 

Bei dem Malariaanfall dürften etwas andere Verhältnisse vorhanden sein, es 
würde aber zu weit führen, diese genau zu analysieren, aber auch bei diesem ist 
der kritische Schweiß ein Zeichen dafür, daß die Pyrogenie plötzlich ihre Aktivität 
verloren hat. 

Eine ganz besondere Stellung unter den Infektionskrankheiten nimmt die 
Tuberkulose ein, bei der durch das ganze Krankheitsbild eine jedenfalls durch 
die Proteine hervorgerufene Labilität der ganzen Wärmeregulation deutlich hervor¬ 
tritt. Bei dieser Krankheit sehen wir stets, daß nicht nur der Temperaturabfall, 
sondern auch der Anstieg sich oft in exzessiven Formen abwickelt, der Anstieg 
oft mit Schüttelfrost, der Abfall noch häufiger mit Schweiß, der sich besonders in 
den Anfangstadien so sehr an die Zeit der normalen Temperaturschwankungen 
knüpft, daß er schon dann symptomatisch wichtig ist, wenn durch physikalische 
Untersuchung das Vorhandensein der Tuberkulose noch nicht nachweisbar ist. 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


137 


Ähnliche aber weitaus nicht so typische Labilität der Wärmeregulation ist 
übrigens als Wirkung aller Arten von Infektionen bekannt, ich erwähne nur die 
große Schweißneigung in der Rekonvaleszenz verschiedenster Infektionskrankheiten. 

Wenn es sich nicht um die toxische Veränderung der Wärme¬ 
regulation handelt, dann sehen wir, daß das erwärmte Blut ungeheuer 
präzise die Schweißsekretion auslöst. So ist bei künstlicher Erwärmung 
durch heißes Wasser oder durch heiße Luft, durch willkürliche Muskelaktion 
oder Muskelkrämpfe, wie sie bei Nervenkrankheiten (Epilepsie, Dementia para- 
lytica) und bei gewissen Infektionen vorkommt, bei denen nicht der Infekt 
als solcher die Temperatursteigerung auslöst, sondern die durch den Infekt 
zentral oder peripher bedingten Muskelkrämpfe (Tetanus, wahrscheinlich auch die 
Trichinose). 

Ich fand aber in zahlreichen Versuchen, daß die Schweißregulation nicht 
erst dann eintritt, wenn eine Erhöhung der Bluttemperatur schon 
stattfand, sondern schon dann, wenn eine solche drohend bevorsteht. 
Es ist das nur dasselbe, wie bei dem Versuche der Abkühlung, da tritt die 
Gegenregulation, nämlich Gefäßkrampf und Muskelzittern schon ein, wenn die 
Abkühlung des Blutes droht. 

Es wäre eine rein teleologische Auffassung, zu sagen, daß die Zentren dies 
durch besondere Empfindlichkeit bewirken, es sind da vielmehr die peripheren Nerven 
tätig, die lange, bevor ein erwärmtes Blut zur Auslösung des Schweißes ver¬ 
anlassen würde, dies auf dem Wege reflektorischer Impulse tun. 

Wenn ein Mann im Wasser von 35—36 0 C liegt und durch Erwärmung des 
Wassers langsam erhitzt wird, so kommt es allmählich zum Schweiß, selbst bei 
Steigerung der Mastdarmtemperatur um 0,1—0,2° C, lassen wir aber in das 
indifferente Wasser einen Schwall heißen Wassers, so kommt es unter einem eigen¬ 
artigen Gefühl, das dem Frost ähnlich ist, zum plötzlichen Ausbruch von Schweiß, 
ohne daß die Mastdarmtemperatur sich verändert hätte. 

Da die künstliche Schweißsekretion in der Therapie eine große Rolle spielt, 
so sei betont, daß sowohl für den allgemeinen Schweiß, wie auch für den lokalen 
ein Temperaturoptimum vorhanden ist und man sich durchaus nicht denken darf, 
daß die Sekretion von Schweiß mit der absoluten Höhe der Temperatur voll¬ 
ständig parallel geht. Es dürfte dieses Optimum für den allgemeinen Schweiß bei 
ca. 55° C, für den lokalen bei 60—70° C sein, übermäßig hohe Temperaturen 
favorisieren den Schweiß nicht unbedingt. 

Dann hängt die Ausgiebigkeit und rascheres Erscheinen des Schweißes bei 
künstlicher Überhitzung auch von individueller Empfindlichkeit des thermolytiscben 
Zentrums ab. Es gibt gute und schlechte Schwitzer (ohne pathologische Ver¬ 
änderungen) und es ist eine Erfahrungstatsache, daß ein Training des Schwitzens 
eben durch systematische Erwärmung möglich ist. 

Wir sehen in den Thermalbädern, daß die Leute nach den Kuren noch 
lange Zeit hindurch sehr leicht in Schweiß kommen. In den „Bergwanderungen“ 
von Zuntz, Löwy usw. finden wir auch die Erwähnung, daß mitunter Leute 
beim Bergsteigen nicht oder sehr schwer in Schweiß kommen und daß dieser 
Umstand ihre Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Dies ist wohl ver¬ 
ständlich durch teilweises Versagen der Regulation. 


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138 


Alois Strasser, Über den Schweiß und das Schwitzen. 


Dieselben Leute schwitzen und marschieren prächtig, wenn sie 0,5 Pyramidon 
genommen haben. Das Pyramidon wirkt hier als Narkotikum des Wärmezentrums, 
welches bis dahin durch ihren Erregungszustand die Entfaltung des Kühlzentrums 
gehemmt hat. 

In der Therapie gebrauchen wir aber vielfach die Überhitzungsmethoden, 
nicht um Schweiß zu produzieren, sondern um eben zu überhitzen, und da zeigt 
es sich, daß man um so höhere Temperaturen verträgt, je mehr die Ausscheidung 
von regulatorischem Schweiß erleichtert ist. In Dampfbädern verträgt man höhere 
Temperaturen als in Wasserbädern, in Heißluftbädern höhere als im Dampf bade. 
Im Wasserbad ist der aus dem Wasser herausragende Teil der Körperoberfläche 
für eine ausgiebige Schweißregulation zu klein. 

Hierbei kann ich nicht über einen noch dunklen Punkt in unserer Lehre 
hinweggehen. Wir denken nämlich, daß der Sekretionsdruck des Schweißes zu 
gering ist, um den Seitendruck des Wassers zu überwinden, und daß die Körper¬ 
teile, die unter dem Wasser sind, nicht schwitzen. 

Ob dem so sicher ist, wissen wir nicht, dagegen wissen wir durch Lewy- 
Dorn, daß die Schweißabsonderung auch dann eintritt, wenn der Druck der um¬ 
gebenden Luft höher ist als der Druck der Aorta. Demgemäß wäre es denkbar, 
daß man nicht zu tief unter dem Wasser getaucht noch schwitzen kann. Für 
die regulative Abkühlung könnte indessen dieser hypothetische Schweiß schon 
darum nichts nützen, weil die Abkühlung nicht durch das Schwitzen an sich 
bewirkt wird, sondern durch die Abdunstung des produzierten Schweißes von der 
Haut, einem Vorgänge, der unter dem Wasser sicher unmöglich ist. 

Auch dürfte zwischen den verschieden innervierten Formen der Schwei߬ 
sekretion ein Unterschied sein. Der Druck, unter dem die Drüsen bei reichlichem 
Schweiß aus hyperämischer Haut arbeiten, ist gewiß viel kleiner, als der Druck, 
der vorhanden sein muß, wenn der präformierte Schweiß aus anämischer Haut 
herausgepreßt wird. Ich verweise hier auf das, was ich vom kalten tonischen 
und warmen atonischen Schweiß gesagt habe. (Schiaß folgt.) 


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Vratislav KuSera, Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 139 


II. 

Uber die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur 
und den Blutdruck des Menschen. 

Von 

Dr. Vratislav KuCera, 

Eigentümer der Anstalt für physikalische Behandlung zu Prag und Badearzt in Pöstyen. 

A. Das Lichtbad. 

Einleitung. Mit Erlaubnis des Herrn Prof. Dr. F. Mare$ habe ich im 
physiologischen Institut gemeinsam mit dem Assistenten dieses Instituts, Herrn 
Dr. Ot. Faustka, eine Reihe von Versuchen ausgeführt, die die einfache Frage 
betrafen, ob der Blutdruck beim Kaninchen im Lichtbade steigt oder nicht. 

Da die Antwort zwar bejahend ausfiel, aber nicht deutlich genug war, und 
das Ergebnis von Versuchen am Tiere nicht kurzerhand auf den Menschen über¬ 
tragen werden kann, ging ich zu Versuchen am Menschen über und anfänglich 
war mein Mitarbeiter wiederum der Herr Assistent Dr. Faustka. Später führte 
ich die Versuche unter Mithilfe des Herrn J. Effmert, Mechanikers des physio¬ 
logischen Instituts, und unter der Aufsicht des Vorstandes dieses Instituts, Herrn 
Prof. Dr. F. Mareä aus. 

Hierbei fügte ich der obenerwähnten einfachen Frage die weitere Frage 
bei, wie sich auch die Körpertemperatur im Lichtbade verhält, wodurch ich mich 
vor eine ganz neue Aufgabe stellte: 

Ob irgendeine Beziehung zwischen diesen beiden genannten 
Lebenserscheinungen existiert und welcher Art diese Beziehung ist. 
Dies war nämlich bisher noch nicht direkt beobachtet worden. 

Da nun die Körpertemperatur gewiß ein anderes Verhalten in Bädern zeigt, 
die der Thermoregulierung keinen Widerstand entgegensetzen, gedenke ich meine 
Versuche auf alle wichtigeren Arten von Bädern und sukzessiv auch auf die 
Wirkungen elektrischer Ströme sowie der körperlichen Arbeit auszudehnen. 

1. Übersicht über die bisherigen Versuche. 

Neben Beck und Dohan, Colombo, Hill und Flack, Selig, Winkler und 
anderen haben sich vor allem Müller und Strasburger und in letzter Zeit 
auch Amblard — ohne genaue Beobachtung der gleichzeitigen Körpertemperatur 
— mit der Wirkung heißer Bäder auf den Blutdruck beim Menschen beschäftigt. 
Die Körpertemperatur wurde nur vor und nach den Versuchen gemessen. 


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140 


Vratislav Kucera 


Müller behauptet im Jahre 1902 und neuerlich im Jahre 1909: „Wasser¬ 
bäder von 34 0 C bis zu 40 0 C bewirken nach vorhergehendem kurzem und 
geringem Steigen bei schnellerem Pnlsschlag eine Verminderung des Blutdruckes 
selbst unter die Norm. 

Wasserbäder über 40° rufen während der ganzen Dauer des Bades eine 
Beschleunigung des Pulsschlages und ein Steigen des Druckes hervor.“ 

So wirken beim gesunden Menschen auch Sand-, Dampf-, Heißluft-, elektrische 
Licht- und andere Bäder. Und sagt zuletzt: 

„Bei heißen Bädern tritt das Steigen des Blutdruckes gleichzeitig 
mit dem Steigen der Körpertemperatur ein.“ Was bis jetzt noch nicht 
erwiesen wurde. 

Strasburger stimmt im allgemeinen mit Müller überein und die sich 
ergebenden Differenzen zwischen ihren Ergebnissen erklären sich dadurch, daß 
Straßburger die Dauer des Bades auf 25 Minuten ausdehnte, während Müller 
sie auf lä Minuten beschränkte. 

Strasburger schließt seine Versuche an gesunden Menschen mit folgenden 
Worten: „Je kälter das Bad, desto bedeutender ist die anfängliche Steigerung 
des Blutdruckes; je wärmer das Bad, desto bedeutender das schließliche Steigen 
des Druckes. 

Während warmer Bäder bis zu 40 0 0 fehlt entweder das anfängliche Steigen 
des Blutdruckes oder es ist unbedeutend. 

Bei heißen Bädern über 40° C ist der Blutdruck ständig über das anfäng¬ 
liche Niveau erhöht, und zwar infolge der bedeutenden Erhöhung der Herzarbeit.“ 
Strasburger spricht also nicht von der Körpertemperatur und von ihrem Ver¬ 
hältnis zum gleichzeitigen Blutdrucke. 

Amblard schreibt: „Wenn wir einen normalen Menschen (max. mm Hg= 130, 
minimum = 80, Pulsschläge in einer Minute 75) in einen mit Glühlampen ver¬ 
sehenen Kasten setzen, derart, daß der ganze Körper — ausgenommen den Kopf 
— vom Lichte der Glühkörper bestrahlt wird, so bleibt eine Temperatur des 
Lichtkastens von 15—30° C ohne merkliche Wirkung auf den Blutdruck, aber 
ein weiteres Steigen der Temperatur im Lichtbade ruft folgende Erscheinungen 
hervor: 

Bei einer Temperatur von 30—40° C treten sukzessive rasche Veränderungen 
in den Verhältnissen des Blutkreislaufes ein. 

Das Maximum bei normalen Menschen sinkt von 130 mm Hg auf 120, ja 
bis auf 115 und gleichzeitig nimmt das Minimum von 80 mm Hg auf 75 und 60 ab. 

Bei 35 0 C Lichtbad sinkt das Minimum bei Menschen mit ursprünglicher 
Hypertension von 230 mm Hg auf 220 und das Minimum von 180 mm Hg auf 
160. Dabei steigt die Zahl der Pulsschläge von 80 auf 90 in der Minute. 

Bei 40° C sinkt das Minimum weiter von 180 mm Hg auf 170, und ähnlich 
sinkt das Minimum von 100 mm Hg auf 90. Dabei steigt die Zahl der Puls- 
scbläge weiter bis auf 120 in der Minute.“ 

Amblard erklärt diese Erscheinungen damit, daß der Widerstand an der 
Oberfläche sich plötzlich verringert und für das Herz die Aufgabe entsteht, sich 
heftiger und rascher zusammenzuziehen, damit es in die Arterien eine solche 
Blutmenge werfen könne, die den Blutumlauf unter genügendem Drucke sichert. 


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Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


141 


2. Einwendungen gegen die bisherigen Angaben. 

Gegen die Ergebnisse der drei angeführten Autoren muß vor allem ein¬ 
gewendet werden, daß ihnen keineswegs eine so allgemeine Geltung zukommt, 
wie man sie ihnen zuschreibt. 

Die genannten Autoren setzen sich aber selbst über diese Einwendung hin¬ 
weg, indem sie zugeben, daß sie auf die verschiedenen Arten der Bäder keine 
Rücksicht nehmen, als deren extreme Repräsentanten einerseits die Wasserbäder, 
andererseits die Lichtbäder erscheinen können. 

Aber auf Grund großer praktischer Erfahrungen und der experimentellen 
Erkenntnisse Plates und Schusters kann als sicher angenommen werden, daß 
die Wasserbäder der natürlichen thermoregulierenden Anlage bedeutenden Wider¬ 
stand leisten, während elektrische Lichtbäder und Heißluftbäder dem Körper genug 
Bedingungen gewähren, um eine von der regelmäßigen Temperatur nicht allzu ab¬ 
weichende Temperaturhöhe zu bewahren. 

Außerdem muß allerdings den bisherigen Versuchen entgegengehalten werden, 
daß nicht darauf geachtet wurde, ob die Überwärmung des Körpers in allen ver¬ 
schiedenen Wärmemedien tatsächlich eintritt und wann sie eintritt. 

Also nicht bloß Müller und Strasburger und Amblard, sondern alle 
Autoren ohne Unterschied, die sich bisher mit dem obenerwähnten Thema 
einigermaßen beschäftigt haben, begnügten sich oder besser gesagt, mußten sich 
damit begnügen, weil sie keinen Apparat zur Registrierung der Körpertemperatur 
besaßen, bloß zu beobachten, wie sich der Blutdruck des Menschen verhält, wenn 
der menschliche Körper von verschiedenen Medien verschiedener Temperaturen 
umgeben ist. 

Darauf jedoch, wie sich unterdessen die eigene Körpertemperatur verhält, 
nahmen sie oder vielmehr konnten sie bisher nicht die entsprechende Rücksicht 
nehmen, und sie maßen die Körpertemperatur der bei den Versuchen verwendeten 
Personen immer nur vor der Erwärmung und nach derselben in der Achselhöhle. 
Es wurde also bis heute wirklich nicht genügend konstatiert, ob der 
Blutdruck mit steigender Überwärmung des Körpers gleichmäßig zu¬ 
nimmt oder umgekehrt, oder ob überhaupt irgendein ursächlicher Zu¬ 
sammenhang zwischen der erhöhten Körpertemperatur und dem Blut¬ 
druck besteht. 

Ferner muß bemerkt werden, daß einzelne Autoren in der Regel nur sehr 
wenige Versuche mit Bädern einer Gattung angestellt haben. In dieser Be¬ 
ziehung ist z. B. folgende Übersichtstabelle der Straßburgerschen Versuche mit 
Wasserbädern verschiedener Temperaturen charakteristisch: 


20,5 

25 27 

29 

~ - - - - 

Temperatur des Bades in 
30 31 32 33 34 35 

0 C: 
36 

37 

38 39 40 41 

1 

1 2 

2 

Zahl der Bäder: 
1112 12 

2 

2 

2 2 13 


Aber langjährige Erfahrungen haben uns darüber belehrt und unsere unten 
folgenden Tabellen beweisen, wie bedeutend bei demselben Menschen und unter 
denselben äußeren Bedingungen sowohl die Körpertemperatur wie der Blutdruck 
schwanken. Deshalb erachten wir es als unabweislich, immer erst die Durch- 


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142 


Vratislav Kucera 


schnitte von mindestens zehn Versuchen derselben Art und derselben Temperatur 
zu wählen, die an mindestens drei Individuen vorgenommen wurden. Wir legen 
aber das Ergebnis von 15 an 4 Personen angestellten Versuchen vor. 

Schließlich muß man noch beachten, daß der Blutdruck bei den bisherigen 
Versuchen nicht registriert wurde, sondern nur von der Skala des Druckmessers 
abgelesen wurde, daß der Druck in den Manschetten nicht objektiv, vielfach nur 
nach dem mehr oder weniger feinen Gefühl des Experimentators abgeschätzt und 
daß daher auch das Minimum und Maximum des Blutdruckes nach den persönlichen 
Eindrücken des Beobachters bestimmt wurde. Das wichtige Optimum des 
Blutdruckes jedoch ließ sich überhaupt nicht feststellen. 

Es kann daher nicht wundernehmen, daß L. A. Amblard mit seinem 
Sphygmometroskop zu Resultaten gelangte, die zwar mit den Ergebnissen von 
Colombo, Kluwze, Quinque, Mönetrel und G. Amblard übereinstimmen, die 
behaupten, daß Heißluftbäder den Blutdruck verringern, die aber mit den Ergeb¬ 
nissen von Schott, Marty, Bain, Müller, Kisch und Riviöre, welche der 
Ansicht sind, daß Dampfbäder eine große Erhöhung des Blutdruckes verursachen, 
sich im Widerspruch befinden. 

Ich muß die Worte Amblards im Original anführen, um zu zeigen, in 
welch unerträgliche Verworrenheit und Unklarheit die Frage über die Wirkung 
warmer Bäder auf den Blutdruck des Menschen geraten ist. 

Amblard sagt wörtlich: „Nos rüsultats concordent ainsi avec ceux de 
Colombo, Kluwze et Quinque, Möndtrel, G. Amblard, qui considerent les 
bains d’air chaud comme hypotenseurs, tandis qu’ils sont en discordance avec 
ceux de Schott, Marty, Bain, Müller, Kisch et Riviöre, qui considerent que 
les bains de vapeur provoquent une elevation de la tension arterielle.“ 

Aber dabei gibt Amblard selbst offen zu, daß die Verschiedenheit in den 
Ergebnissen aller bisherigen Versuche einerseits auf der Unzulänglichkeit der ver¬ 
wendeten Meßinstrumente, andererseits auch auf der ungleichen Zubereitung der 
Bäder beruht. Und wohl ganz unwillkürlich beeinträchtigt er die Bedeutung 
seiner eigenen Ergebnisse, wenn er darauf aufmerksam macht, daß Bäder, deren 
Temperatur allmählich steigt, sicherlich ganz anders wirken als warme Bäder, 
deren Temperatur gleich in ihrer vollen Höhe auf den Menschen einwirkt. 

Von der erwähnten Unzulänglichkeit der bekannten Methoden habe ich mich 
selbst tatsächlich überzeugt, als ich mit meinen jetzigen Methoden die mehrjährigen 
schon seit dem Jahre 1907 gemachten Versuche kontrollierte. Das ist zugleich 
auch der Grund und die Entschuldigung dafür, daß ich meine Ergebnisse, die ich 
für den im Jahre 1909 in Budapest abgehaltenen Ärztekongreß angekündigt hatte, 
bisher nicht veröffentlichte und auch nicht veröffentlichen werde. 

3. Die Methode. 

Ich mußte neue Methoden anwenden, um den Blutdruck und die Körper¬ 
temperatur gleichzeitig graphisch verzeichnen und aus dem Kymogramm ganz 
objektiv abmessen zu können. 

Ich verwendete die allgemein akzeptierte Recklinghausensche Manschette 
für die Arteria brachialis und füllte sie aus einem Luftreservoir, in dem die Luft 
auf 1,5—2 Atmosphären komprimiert war, so daß ihre Menge und ihr Druck 


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Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


14; 


sehr gut für ein mehrmaliges ungestörtes Füllen der stets nach fünf Minuten ge¬ 
leerten Manschette im Verlaufe der einzelnen Versuche hinreichen. 

Um einerseits eine vollkommene Luftdichtigkeit zu erzielen, andererseits auch 
der Wirkung des Schwankens des Luftdruckes auf die nachgiebigen elastischen 
Kautschukröhren vorzubeugen, verwendete ich Kautschukröhren mit 2 mm starken 
Wänden und 2 mm Lichtweite. 

Die komprimierte Luft, welche aus dem Luftreservoir mittels einer Mikro¬ 
meterschraube und eines Kapillarröhrchens hinausgelassen wird, füllt gleichzeitig- 
die Erlangersche Kautschukbirne a, den Quecksilber-Druckmesser b, und die 
Brachialmanschette c. 

Sobald die Mikrometerschraube geschlossen wird, bilden die drei eben 
genannten Teile zu¬ 
sammen einen gemein¬ 
samen Luftraum. So 
oft also die Luft in 
der Manschette c in¬ 
folge der größeren 
oder kleineren Aus¬ 
dehnung der Arteria 
brachialis zusammen¬ 
gepreßt wird, oder 
sich wieder ausdehnen 
kann, werden die auf 
diese Weise durch den 
Pulsschlag erzeugten 
Schwankungen auf den 
Druckmesser b und auf 
die Kautschukbirne a 
übertragen (Fig. 20). 

Infolgedessen steigt bzw. sinkt der Schwimmer des Druckmessers gleich¬ 
mäßig mit dem Pulsschlag und verzeichnet auf dem berußten allmählich vor¬ 
rückenden Papier die Pulsschlag-Bewegungen der Manschette. Und da überdies 
die in der elastischen Birne a eingeschlossene Luft ihre Bewegungen der in der 
Kautschukröhre d und in der Mayerschen Trommel e eingeschlossenen Luft mit¬ 
teilt, so verzeichnet auch der Stift der Mayerschen Trommel die Wellenbewegungen 
des Pulses. 

Wir ließen die Luft aus dem Lnftreservoir sukzessiv unter einem in der 
Regel um je 10 mm Hg steigenden Druck in die Manschette einströmen. Deshalb 
erscheinen auf dem berußten Papierstreifen die Veränderungen als annähernd 
gleiche um je 10 mm steigende Stufen. 

Mittels dieser Vorkehrung ist es ermöglicht, aus den filierten Aufzeichnungen 
wann immer später mit Zirkel und Millimetermaßstab festzustellen, wie groß der 
Luftdruck in der Manschette war, der auf die Arteria brachialis und auf den Druck¬ 
messer ein wirkte. Allerdings muß man gleich während der Versuche mit einem 
besonderen festen Stift den Nullpunkt oder irgendeine andere bestimmte Anzahl 
von Millimeter Hg auf dem Papier vermerken. 


Fig. 20. 




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144 


Vratiaiav Ktiföüa 


Aber ininier ze.ig^eri sich bei dem riiedrigsten und bei de«i höchsten Druck 
auf der -Oberfläche des 'Quecksilbers ScbimroeferecbeinußgeB.- - die- offenbar die durch 
de.« Pul$sch!ag erzeugte» Vibrierungei» der Laft (in der Manschette) anzeigen^ und 
der Schwimmer verzeichnet' sie.. entweder fast otmtetküch, oder er schreibt eine 
gerade Linie. Die Übertragung der T'ulsschläge'/durch den Druckmesser ist dem¬ 
nach — ohne Zweifel 
■ , .■'■ • ;- ■■ infolge der Trägheit 


Fig. 21. 


des 


Quecksilbers — 
genug präzis. 

In dieser Beziehung 
ist. die M.ayft.sche 
Trommel viel empöocb 
liehet and di* mit ihrer 
liilfe gewofmeuen Ifof- 
Ven äußerst geeignet 
für Köni^llÄUfaeich- 
n tragen huhedeutesder 
Lurtvibrationettj die in 
der Manschette ztt einer 
Zeithrrvorgetufett wer- 
$; wo, .&i@ • sieh erst. 

1 noch schwach an die 

T : Ariern örachialis am 

schmiegt oder sie zu fest umschließt. Besonders bei hohem'Druck ist zu beobachten, 
daß der tichwimmer des Druckmessers nur noch eine unbestimmte Linie nieder- 
schreibt, -während der Stift der May ersehen Trommel noch ferne wellenförmige 
Kurvt« verzeichnet. \ ' • 

Dagegen.; verzeichnet der Schwimmer den Druckmessers viel deutlicher, als 
der: Stift der Mayerscfeh Trommel die großen Pulskurven während des Optimums 
des Luftdruckes in der Manschette, das den Veränderungen des Blutdruckes iu 
der Arteria sind ihrer Elastizität; am besten entspricht. 

,Damit aber der Schwimmer des Druckmessers, der bei dem, bis aufgöü mm Hg 
äteig^äen Druck. v<an Qufcdkgilber sehr gehoben wird und ändereramtR bei 
«ittkeudem Druck bis auf den Nullpunkt tief biöabaeht, nicht an die Stifte.der 
May ersehen Trommel and dH Galvanometers anstößt, mußten diese beiden Stifte 
nagefitlir .1 cm hinter deal Stifte des pi^ckmess?D< angebr^cltt werden. 

Ea entsprechen daher die Aufzeichnungen der Mayersebön Trommel den um 
i cm nach vorne verseboheöejf des Schwimmers des Druckmessers, 

wie dies aus der AhMiöüag fftg.. 2'i>' za ersehen ist. 

Dieser formale Maoge) beeinträchtigt aber sicherlich keineswegs die Vorteile 
»ns,•res AmaeemeMs, so daß wir im Hinblick anf die bisherige Literatur mit 
Recht der Ansicht sind, die bisher präziseste graphische Methode zur Messang 
des Blutdruckes zur Anwendung gebracht zu haben. 

Aber hoch schwieriger war die Erzielung einer präzisen Registrierung und 
objektiven Abmessung der ■Körpertemperatur im Verlaufe, der Versuche. 

Unsere langjährigen Versuche, die Körpertemperatur mittels elektehmägitetfeeher 



Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


145 


Stifte mit Hilfe der bekannten für einige wenige Grade mit Seitenkontakten 
versehenen Qnecksilberthermometer zu verzeichnen, haben die absolute Unzulänglich¬ 
keit der Kontaktthermometer erwiesen. 

Auch die Thermometer, die die bekannte Firma Hugershof in Leipzig für 
uns mit besonderer Bereitwilligkeit angefertigt und zugleich mit uns ausprobiert 
hat, und die derart eingerichtet waren, daß die infolge der Wärme steigende oder 
infolge der Abkühlung sinkende Quecksilbersäule den Widerstand in einem schwachen 
den galvanischen Strom schließenden Platindraht verringerte bzw. vergrößerte, 
erwiesen sich als absolut ungeeignet. Der Fehler steckt nicht in dem Prinzip, 
sondern — abgesehen von den technischen Schwierigkeiten — darin, daß das 
Quecksilberreservoir des Thermometers eine große Menge von Wärme in sich 
birgt, so daß die Quecksilbersäule beim Steigen bzw. Sinken der Körpertemperatur 
nicht gleichmäßig mit derselben steigt bzw. sinkt. Dadurch verspäten sich die 
Angaben des Thermometers in jedem Falle sehr bedeutend und vermögen überhaupt 
nicht über geringe Schwankungen der Körpertemperatur Aufschluß zu geben. 

Ähnlich versagten jene Thermometer, welche auf der Ausdehnbarkeit der 
Luft durch die Wärme beruhen, sowie die Versuche mit thermoelektrischen 
Batterien u. ähnl. 

Schließlich konstruierteich mit Herrn J. Effmert, Mechaniker des k.k. phy¬ 
siologischen Institutes des Professors Dr. F. Mare§, einen bolometrischen Wärme¬ 
meßapparat zum Zwecke der oben beschriebenen Versuche am Menschen und da¬ 
mit einen verläßlichen Messer der Körpertemperatur, dessen Wesen aus der nach¬ 
folgenden Beschreibung und der beigefügten schematischen Zeichnung hervorgeht. 

Das Prinzip des Bolometers beruht: einerseits darauf, daß der Widerstand 
eines Metalleiters für den elektrischen Strom sich durch Erwärmung vergrößert, 
weshalb man aus den Abweichungen eines sehr empfindlichen Galvanometers, der 
in den Stromkreis eingeschaltet ist, darauf schließen kann, ob auf den Leiter 
eine größere oder geringere Temperatur einwirkt; andererseits auf der Verzweigung 
des Stromes in einem verzweigten Leiter 
nach Art der Wheatstonschen Brücke. 

Wie auf der beigefügten schema¬ 
tischen Zeichnung (Fig. 22) zu ersehen ist, 
verzweigt sich der aus der Batterie B 
hervorgehende Strom in Punkt 1 und ver¬ 
einigt sich wieder in Punkt 3. In diesen 
zwei Punkten besteht eine bestimmte 
Differenz der elektrischen Spannung. Zu 
den Punkten 2 und 4, die an beiden 
Abzweigungen des Stromes symmetrisch 
liegen und daher keine Differenz der 
elektrischen Spannung aufweisen, ist das 
Galvanometer G eingeschaltet. Wenn die Widerstände der beiden Äste 1—2—3 
und 1—4—3 ganz gleich sind, strömt durch den Galvanometer gar kein Strom, 
selbst wenn durch beide Äste ein Strom von noch so großer Intensität fließt. 

Sobald aber infolge einer Temperaturänderung irgendeines Teiles eines der 
beiden Äste sich der Widerstand des Leiters ändert, ändert sich gleich auch die 

ZclUchr. f. physik. u. diät Therapie Bd. XVIII Heft 3. 10 


Fig. 22. 


2 



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146 


Vratislav Kuöera 


Lage der beiden toten Punkte 2 oder 4, ein Teil des Stromes fließt durch die 
Brücke 2—4 und äußert sich am Galvanometer durch einen kleinen Ausschlag. 
Wenn sich jedoch die Temperatur gleichzeitig in zwei gegenüberliegenden Teilen 
der Äste ändert, entweder in 1—2 und 4—3 oder in 1—4 und 2—3, so entstehen 
doppelt so große Abweichungen des Galvanometers. 

Aus diesem Grunde stellt das Mandrin M unseres Apparates (Fig. 23) ein solches 
Paar gegenüberliegender Teile von Ästen dar, in denen der Widerstand gegen 
den elektrischen Strom sich je nach den Schwankungen der Körpertemperatur des 
Versuchsmenschen ändert. Dabei muß die Temperatur der Äste 1—4 und 2—3 
ganz unverändert bleiben, denn sonst würde sich auch ihr Widerstand ändern und 
auf das Galvanometer wirken, dessen in den Ästen des Mandrins 1—2 und 4—3 
entstandenen Abweichungen überhaupt jede Bedeutung verlieren würden. Aber 

auch ihre bloße Beob¬ 
achtung hätte keinen 
besonderen Wert, denn 
aus den kleineren oder 
größeren Abweichun¬ 
gen könnten wir bloß 
darauf schließen, ob 
die Körpertemperatur 
sinkt oder steigt. 

Um also die Körper¬ 
temperatur bolome- 
trisch messen zu 
können, muß man zu¬ 
nächst die Abweichungen des Galvanometers durch Vergleichung mit einem 
empfindlichen Quecksilberthermometer ausgraduieren. 

Mit Hilfe des in den Ast 1—4 eingestellten Rheostats R stellen wir dann 
den Zeiger des Galvanometers in die horizontale Lage, die uns dann die normale 
Körpertemperatur bezeichnet, die vorher mit dem Quecksilberthermometer fest¬ 
gestellt worden war. Es empfiehlt sich jedoch, daß bevor der elektrische Strom 
des Bolometers definitiv geschlossen wird, das Mandrin wenigstens drei Minuten 
sich schon im Rektum befinde, denn die Abweichungen des Galvanometers bleiben 
einigermaßen hinter einem empfindlichen Quecksilberthermometer zurück. 

Von der auf die obenerwähnte Weise gewonnenen Norm der Körpertemperatur 
lesen wir dann auf unserem Apparate ihr Steigen oder Sinken ab, indem wir die 
Abweichungen des Galvanometers mit einem Zirkel abmessen und 1 cm ihrer 
Größe als 1 0 C rechnen. 

Zur graphischen Darstellung der Körpertemperatur benützten wir das Galvano¬ 
meter nach Deprez-d’Arsonval, das sich durch eine große Empfindlichkeit und 
hierbei durch Gleichmäßigkeit des Ausschlages auszeichnet. 

Das genannte Galvanometer besitzt ferner eine starke Hemmung, wodurch 
sein Zeiger in der richtigen Lage rasch festgehalten wird, und wenn er in kurzen 
Zwischenräumen auf das berußte Papier angedrückt wird, treu alle seine Be¬ 
wegungen in jeder beliebigen Richtung verzeichnet. 

Die Abweichungen des Zeigers werden durch die Differenz zwischen der 


Fig. 23. 



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Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


147 


schwankenden Körpertemperatur und der stabilen Lufttemperatur des Versuchs¬ 
saales hervorgerufen. 

Aus diesem Grunde machen wir, um fehlerhafte Ergebnisse zu vermeiden, 
gleich darauf aufmerksam, daß während der Versuche jede Erwärmung der Lokali-. 
täten und um so mehr jede Abkühlung derselben, z. B. durch Zugluft, vermieden 
werden muß. Auch das Mandrin muß vor den Wirkungen der Außenluft und des 
Bademittels geschützt werden, weshalb wir uns für die Abmessung im Rektum 
entschlossen haben. 

Aus der vorangehenden Beschreibung meiner Methode ist also deutlich zu 
sehen, daß ich dieselbe nicht als eine neue Erfindung bekannt gebe, sondern daß 
ich bloß die beschriebene Kombination der bekannten Apparate für meinen origi¬ 
nellen Einfall halte. 

4. Anordnung der Versuche. 

Die Lichtbäder wurden in einem Holzkasten bekannter Form, die auch vorne 
von L. A. Amblard erwähnt wird, verabfolgt. Nur wegen der Genauigkeit teile 
ich also mit, daß die innere Wand des Glühlichtbades bloß mit einem weißen 
Ölanstrich und mit 45 Glühlampen mit Kohlenfaden ä 26 Kerzen versehen wurde. 
Erstens ist für die Lösung meiner Aufgabe die Temperatur des Glühlichtbades 
ohne wesentlichen Belang, zweitens variiert die Wärme des Glühlichtbades, je 
nachdem, ob neue oder länger gebrauchte Glühlampen Anwendung finden, und 
drittens zeigt die Temperatur desselben Glühlichtkastens große Variationen, je 
nachdem, ob in ihm eine kleine und magere, oder große und fettleibige Person 
eingeschlossen ist. Die Ursache der letzterwähnten Erscheinung liegt selbstver¬ 
ständlich darin, daß eine jede Person eine andere Wärme ausstrahlt und 
auf die gesamte auf dem Thermometer ersichtliche Wärme des Glüh¬ 
lichtbades einwirkt. 

Das ist eben das, was bei der Beurteilung „der Kraft“ der Bäder die größten 
Differenzen hervorruft und was ich durch meine Versuche ein wenig auszu¬ 
gleichen hoffe. 

Demzufolge vernachlässige ich absichtlich jede weitere Erwähnung über die 
vermutliche Temperatur des Lichtbades während der Versuche und notiere nur 
ihre Wirkungen auf die Körpertemperatur, den Blutdruck, die Herztätigkeit und 
das Körpergewicht. 

Wie später noch einmal angegeben wird, stieg die strahlende Wärme des 
Lichtbades selbst regelmäßig 

in den ersten 5 Minuten um 12° C 
„ „ weiteren 5 „ „ 10° C 

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daher betrug, weil die umgebende Lufttemperatur normal 20° C betrug, die 
eigentliche strahlende Wärme des Lichtbades 

in den ersten 5 Minuten 20 + 12 = 32° C 
,, „ weiteren 5 „ 32 + 10 = 42 0 C 

„ „ „ ö „ 42 + 8 = 500 C 

ii ii ii ji oO + 4 = 54° C. 

10 * 


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148 


Vratislav Kucera 


Ich wiederhole aber ausdrücklich, daß für meine Versuche nur die Körper¬ 
temperatur der Versuchsperson prinzipiell wichtig war. 

Zu Versuchsindividuen wurden Personen gewählt, deren Gesundheitszustand 
nach gründlicher Untersuchung von mir als ganz normal befunden worden war 
und die auch bis Ende 1913 wirklich vollkommen gesund geblieben sind. 

Dennoch besteht zwischen ihnen ein kleiner Unterschied, der praktisch sehr 
interessant und zur Feststellung der eigentlichen Wirkung des Lichtbades auf 
den Blutdruck willkommen erscheint. 

Die Versuchspersonen N. und K. sind nämlich sehr mäßige Raucher und 
Alkoholtrinker, dem entgegen aber sind die Versuchspersonen S. und H. zwar 
auch nur mäßige Alkoholtrinker, aber wie der größere Teil der modernen jungen 
Leute, starke Zigarettenraucher, die täglich durchschnittlich mehr als 30 Zigaretten 
rauchten. Die zwei ersteren haben alle Versuche sehr gut vertragen, die zwei 
letzteren fühlten sich nach 15 Minuten des Versuchs immer unwohl. Bei S. 
wurde darum ein Versuch, bei H. zwei Versuche schon nach 10 Minuten unter¬ 
brochen. 

Die Versuchspersonen nahmen immer nur ein Lichtbad an einem Tage nach 
der Reihe der Beteiligten. Eine jede Person ist immer in den nicht vorgewärmten 
Kasten eingestiegen. 

Maximum des Blutdrucks nenne ich eine solche Höhe des Blutdrucks, wo 
die Mayersche Trommel aufhört zu schreiben; Minimum, wo dieselbe beginnt zu 
schreiben. Mit Optimum bezeichne ich den Blutdruck, bei welchem die Kurven 
des Hg-Manometers die größten sind dadurch, daß der Luftdruck der Manschette 
dem Drucke der Arterie am besten entspricht und quasi ihren natürlichen Zustand 
vorstellt. 

5. Das Resultat der Versuche. 

Aus den beistehenden Tabellen A und B ergibt sich folgendes: 

a) daß die Normaltemperatur gesunder Menschen von 37,2° C im Verlaufe 
des 20 Minuten währenden, im vorhergehenden beschriebenen Lichtbades durch¬ 
schnittlich 37,7 °C beträgt und höchstens auf 38,3 °C steigt; 

b) daß in demselben Bade der Blutdruck gesunder Menschen von dem 
normalen Verhältnis des Maxiraum zum Optimum und Minimum 41:79:121 
durchschnittlich zu dem Verhältnis 42:82:125 und höchstens zu dem Verhältnis 
44:81: 126 steigt; 

c) daß unter der Einwirkung desselben Lichtbades in den ersten 5 Minuten 
die Temperatur des Bades durchschnittlich um 12 0 C, die Körpertemperatur um 
0,31 0 C und das Maximum des Blutdruckes um 2 mm Hg steigt; in den zweiten 
5 Minuten steigt die Temperatur des Bades durchschnittlich um 10 0 C, die Körper¬ 
temperatur um 0,13 °C und das Maximum des Blutdruckes um 4 mm Hg; in den 
dritten 5 Minuten steigt die Temperatur des Bades durchschnittlich um 8 0 C, die 
Körpertemperatur um 0,08 0 C und das Maximum des Blutdruckes um 1 mm Hg; 
in den vierten 5 Minuten steigt die Temperatur des Bades durchschnittlich um 4 0 C, 
die Körpertemperatur um 0,05 0 C und das Maximum des Blutdruckes um 2 mm Hg. 

Die Körpertemperatur nimmt also sukzessiv immer weniger zu, allerdings 
nicht so regelmäßig, wie die strahlende Wärme des Lichtbades allmählich wächst. 


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V5Ü Vratislav Kui-ern 

Lichtbad, Tabelle B, Durchschnitt einzelner Versuche. 


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bei dem verhältnismäßig vUsekhÄtein Steigen der fCetpertemperatuir and erreicht 
seilte größte Hbhe nicht bet der höchsten Eitrpefientperatni'. sondern er sinkt irn 
tregenteil bei derselben bedeutend. 

Der höchste Blutdruck zeigt sieb nach zelmmintitßülaßger Wirkung des Licht¬ 
bades,, die:Körpertemperatur im ganzen am ca. gestiegen ist und 

stet» schuft reichTich« Heb weißhildenr sich eingesteUt baf» 

Wen» aber ät^.'.-Vethiltei^vei&r'.' Körpertemperanir ««d:; des Blutdruckes 
während des Lichtbades keinen grultee. VerarMirrurigen «ntet'Uegen, so sind dafür 
die VgrändernngST! Di Pulswcllcn desta auffallender. ,n> mehr die Temperatur- 
d.-s Bades steigt, .desto kleiner werden allmählich die Pnlswellen. so daß selbst 
die Optmialkurven oft schwer erkennbar sind. 

Dagegen, erreichen die Pitlskurve'n sofort, eine bedeutende Grüße, wenn der 
Versüchsmeascii ein kaltes- Bad genommen hat. 

Um die Grenzen des uns gesteckten Themas nicht zu überschreiten, werden 
wir diese, interessante Erscheinung anläßlich der Besprechung der Wirkungen der 
Wasserhader näher erörtern. 

d. Folgerung. 

Die VViiktmg de» Lichtbades auf die Körpertemperatur und den Blutdruck 
gesunder Menschen ist nicht groß. 

Die Ursache hierfür liegt wahrscheinlich darin, daß das Lichtbad dem.Körper 
genug günstige Bedingungen für Mfe" Thermin-egalierung bfete.t. 

Ein Beweis für die gute ThernKiregulation ist die Scbarlaehfäj'bung der ganzeu 
Kdrperolteribiche infolge der Hyperämie der Haut und der reichliche .Schweiß, der 
itn Teriaufe. von Mihutieu einen durchschnittHcbetf^Werlnst. Äh Körpergewicht 
von 400 g vferors&cbr^ ' ■•* 

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J t‘l' 







Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


151 


Der Herzschlag nimmt während eines zwanzigminntenlangen Lichtbades 
durchschnittlich von 90 Schlägen in der Minute auf 150 Schläge, d. i. um 60 Pro¬ 
zent zu. 

Hierbei wird die Höhe seiner größten Amplituden, die sich beim Optimum 
des Druckes ganz regelmäßig im Verlaufe der Versuche ergeben, immer niedriger. 

Der Grund dieser Verminderung kann entweder ein weniger wichtiger, 
mechanischer, oder ein sehr bedeutsamer, physiologischer sein. Die mechanische 
Verkleinerung der Pulsamplituden beruht einfach darauf, daß sich bei rascheren 
Systolen die Diastolen verkürzen und das Herz nicht die Zeit hat, sich so mit 
Blut zu füllen, wie bei regelmäßigem Pulsschlag, wodurch der Umfang des Pulses 
sich verringert 

Die physiologische Möglichkeit der Verringerung des Umfanges des Pulses 
und der Verkleinerung seiner Amplituden beruht auf der geringen Stärke der 
Herzmuskulatur. 

Da mit Rücksicht auf die Jugend unserer drei Versuchsmenschen die patho¬ 
logische Möglichkeit der Verkleinerung der Pulsamplituden infolge Unelastizität 
der verkalkten Arterien sicherlich ausgeschlossen ist, muß man annehmen, daß die 
Verflachung der Pulsamplituden bei gesunden Menschen während des Lichtbades 
aus der allmählichen Unzulänglichkeit der Herzmuskulatur entsteht. Dafür spricht 
auch die Erfahrung, daß eine bedeutende Verflachung der Pulsamplituden bei 
strahlender, 52 0 C übersteigender Wärme in der Regel von einem Unwohlsein des 
Versuchsmenschen begleitet za sein pflegt. 

Die Ermüdung des Herzens im Lichtbade entsteht wohl infolge der großen 
Beschleunigung des Blutkreislaufes durch die Haut und die Lungen zum Zwecke 
der Thermoregulierung, welche sich so stark äußert, daß in manchen Fällen selbst 
bei hoher strahlender Temperatur von 56 °C die Körpertemperatur bis unter die 
Norm herabgeht, was durch die den stark erweiterten Hautgefäßen antagonistische 
Kontraktion der inneren Gefäße leicht erklärlich ist. 

Die beschleunigte Bewegung der Blutmasse geschieht also während der Zeit, 
in welcher die Muskeln der oberflächlichen Gefäße atonisch, fast gelähmt sind, 
was die scharlachrote Verfärbung der Haut beweist. Demzufolge rührt die 
Beschleunigung des Blutkreislaufes nicht nur von der Vermehrung der Herz¬ 
kontraktionen, sondern auch von der Herabsetzung der Widerstände im großen 
Teile der Strombahn her, worauf der verhältnismäßig niedrige Blutdruck deutlich 
hindeutet. 

Durch die oben erwähnte fortschreitende Ausschaltung der Arbeit der Gefä߬ 
muskulatur werden aber die Herzmuskeln mehr und mehr angestrengt, so daß eine 
von dem Blutdrucke unabhängige Ermüdung des Herzens durch Ver¬ 
kleinerung der Herzamplituden zum Vorschein kommt. 

Auf Grund dieser Tatsachen können wir allgemein sagen: während die Ver¬ 
hältnisse des Blutdruckes mit der Zahl und dem Umfang der Pulsschläge uns ein 
Bild der wirklichen Herzarbeit geben, bieten uns die Pulsamplituden beim Optimum 
des Druckes die Möglichkeit, die kleinere oder größere Leistungsfähigkeit des 
Herzens annähernd abzuschätzen. Und dies ist der Fall, sowohl bei normalen 
Verhältnissen wie unter Verhältnissen, die durch Bäder oder auf andere Weise 
absichtlich geändert werden. 


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152 Vratislav Kufera, Über die Wirkung warmer Bäder auf die Körpertemperatur usw. 


Wenn also z. B. der Versnchsmensch mit dem Signum S niemals eine Strah¬ 
lungstemperatur über 52 0 C und ein Lichtbad von längerer Däner als 15 Minuten 
vertragen hat, so ist dies ein Beweis dafür, daß das Herz des Mannes S, das 
auch unter normalen Umständen (vielleicht unter dem schädlichen Einflüsse des 
Nikotins) durch sehr niedrige Pulsamplitnden beim Optimum des Druckes seine 
Schwäche anzeigt, schon einer wenig über das gewöhnliche Maß angespannten 
Tätigkeit in kurzem unterliegt. 

Wenn wir im gegebenen Falle unter normalen Verhältnissen einen Anhalts¬ 
punkt für eine individuelle physiologische (desto eher für eine pathologische) 
Schwäche des Herzens besitzen, so kann man aus der Größe der beim Optimum 
des Druckes sich zeigenden Amplituden rechtzeitig voraussehen, wie sich das Herz 
im Lichtbade verhalten wird. 

Mit Strasburgers Erklärung der Ermüdung des Herzens bei warmen Bädern 
stimmen wir überein, nur mit der Einschränkung, daß auch bei geringer Zunahme 
des Blutdruckes durch bloße Beschleunigung des Pulsschlages das Herz immer 
mehr ermüdet, bis es vollständig ermattet, da es in den bedeutend verkürzten 
Diastolen nicht die notwendige Ruhe findet. 

In bezug auf die praktische Medizin zeigen unsere Versuche, daß das Lichtbad 
nicht die Gefahr eines Berstens der Gehirnschlagader infolge erhöhten Blutdruckes 
mit sich bringt, sondern höchstens eine Atonie im peripheren Kreisläufe, die 
fallweise bei unrichtiger Indikationsstellung oder schlechter Technik auch auf das 
Herz ermüdend zurückwirken kann. 


Literatur. 

1. 6. Amblard, Action des bains thermo-lumineux sur l'hypertension dana le cardiopathiea 
arterielles. Paris 1910. 

2. L. A. Amblard, Action des bains sur le poids et la tension arterielle. Journal de 
Physiotherapie 1911. 

8. Bec und Dohan, Über Veränderungen der Herzgröße im heißen und kalten Bade. 

4. Colombo, Recherches sur la pression du vang chez lhomme. Archive» italiennes de 
biologie 1899. 

5. Hill und Flack, The influence of bot bathe on pulse frequency, blood pressury etc. 
Journal of Physiologie. XXXVIII. Rf. Zentralblatt für Physiologie 1910. 

6. Müller, Über den Einfluß von Bädern und Duschen auf den Blutdruck des Menschen. 
Deutsches Archiv für klin. Medizin 1902. 

7. Müller, Wirkung der Bäder auf den Kreislauf. Mediz. Klinik 1909. 

8. Plate und Schuster, Vergleichende Untersuchung über die Wirkung verschiedener 
schweißerzeugender Prozeduren. Zeitschrift für physikalische und diätetische Therapie 1910. 

9. Selig, Über den Einfluß der bydriatischen Prozeduren auf Herzgröße, Pulzfrequenz und 
Blutdruck. Berliner klin. Wochenschrift 1909. 

10. Strasburger, Über Blutdruck, Gefäßtonus und Herzarbeit bei Wasserbädern verschiedener 
Temperatur usw. Archiv für klin. Medizin 1905. 

11. Winkler, Über die Wirkung thermischer Hautreize auf die Herzarbeit und auf die 
Atmung. Zeitschrift für klin. Medizin 1904. 


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S. A. Arany, Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate? 


15:» 


III. 

Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate? 

Von 

Dr. 8. A. Arany, 

Karlsbad-London. 

Bevor wir obige Frage meritorisch beantworten können, müssen wir der 
Bedeutung der Kohlehydrate im normalen Organismus gedenken; da aber dieses 
Thema an und für sich sehr umfangreich, der Baum dieser Spalten hingegen sehr 
kostbar ist, werden wir uns bloß auf die Aufführung jener Tatsachen be¬ 
schränken, die zum Verständnis unseres Gegenstandes unbedingt notwendig sind. 

Bezugnehmend auf meine Arbeiten 1 ) über diesen Gegenstand will ich bloß die 
von verschiedenen Experimenten und Beobachtungen gezogenen Schlüsse über den 
Stoffwechsel der Kohlehydrate anführen: 

Die von verschiedenen Nahrungsstoffen stammende Glukose wird vom 
Organismus verschiedenartig verwendet, und so wird der als Zucker auf¬ 
genommene Zucker nach seiner Resorption durch die Vena portae zur Leber be¬ 
fördert, wo er durch die Tätigkeit der Leberzellen in Glykogen umgewandelt 
wird. Letzteres versieht das Blut mit Zucker und die Muskeln und die übrigen 
Organe mit Energie, und verläßt die Leber wahrscheinlich infolge einer nervösen 
Einwirkung, um in unverändertem Zustande ins Blut zu gelangen. Hier wird 
das Glykogen durch ein Enzym in dem Maße in Zucker umgewandelt, in welchem 
dem Blut eine das Enzym aktivierende Substanz zugeführt wird. Die Proportion 
zwischen Enzym und Zucker entspricht genau dem Zuckerbedarf des Blutes, und 
gelangt das übrigbleibende Glykogen in die Muskel, wo es teilweise als Energie 
verwendet, teilweise als Reservestoff aufgespeichert wird. — Daß das Glykogen 
als Hauptenergiequelle anzusehen ist, beweist die Tatsache, daß die Leber und 
Muskel von Tieren, die nach schwerer Arbeit getötet wurden, nur einen Bruch¬ 
teil des normalen Glykogengehaltes enthalten. Letzterer beträgt ungefähr 300 g 
und entspricht demzufolge nur einem kleinen Teile der aufgenommenen Kohle¬ 
hydrate, weshalb angenommen werden muß, daß nur die als Zucker auf¬ 
genommenen Kohlehydrate in Glykogen umgewandelt werden, während die 
Polysaccharide anders utilisiert werden. Die komplexen Kohlehydrate werden, 
nachdem sie unter Einwirkung des Speichels und des Pankreas in ihre 

') S. A. Arany, Beiträge zor Physiologie und Pathologie des Stoffwechsels der Kohle¬ 
hydrate. Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie 1910. The Assimilation of 
Carbohydrates in Health and Disease. Medical Press 1910. Contribution A la Physiologie et 
Pathologie de rAssimilation des Carbohydrates. Progrös Mödical 1911. 


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154 


S. A. Arany 


Komponenten zerlegt worden sind, durch die Tätigkeit der Darmzellen und des 
Darmsaftes in Fett umgewandelt, und es erscheint als sehr wahrscheinlich, daß 
diese Tätigkeit des Darmsaftes einer von den mit dem Organismus in Symbiose 
lebenden Darmbakterien gelieferten Substanz zuzuschreiben ist. Es kann auch 
keinem Zweifel unterliegen, daß der Zweck dieser Umwandlung die Auf¬ 
speicherung der Kohlehydrate als Reservematerial ist, und wird dasselbe im Not¬ 
fälle für verschiedene Funktionen des Organismus in Anwendung gebracht. — 
Zu diesen Funktionen muß auch die Lieferung von Energie gerechnet werden, 
denn erstens wissen wir, daß der Glykogengehalt des Organismus bloß 300 g be¬ 
trägt, welcher Betrag] für sämtliche Energiebedürfnisse kaum hinreichend wäre; 
zweitens ist es uns auch bekannt, daß körperliche Arbeit nicht nur den Glykogen-, 
sondern auch den Fettgehalt des Organismus reduziert, woraus wir folgern 
dürfen, daß nicht nur das Glykogen, sondern auch das Fett als Energiequelle an¬ 
zusehen ist. Daß Kohlehydrate in Fett und letzteres in Kohlehydrate um¬ 
gewandelt werden können, beweist auch der unreife Leinsamen, der viel Stärke 
und gar kein Öl enthält. Nachdem der Samen aber reif geworden ist, finden wir 
die entgegengesetzte Proportion, d. h. die Stärke ist verschwunden, und an ihrer 
Stelle finden wir Öl; beobachten wir hingegen das Keimen des reifen und öl¬ 
reichen Samens, so werden wir nach Ablauf einer gewissen Zeit bemerken, daß 
an die Stelle des Öles Stärke getreten ist. 

Wir haben durch unsere bisherigen Ausführungen die Verwendung der auf¬ 
genommenen Kohlehydrate klargelegt, und es entsteht nun die Frage, ob der 
Organismus unbedingt Kohlehydrate aufnehmen muß, um Glykogen und Fett zu 
erzeugen. Bezüglich Fett wissen wir, daß, wenn dieses als Nahrungsstoff auf¬ 
genommen wird, es durch die vereinte Tätigkeit des Darmsaftes, des Pankreas 
und der Galle in seine Komponenten, d. h. Fettsäure und Glyzerine, zerlegt wird, 
welch letztere dann durch die Darmzellen in Neutralfett zusammengefügt werden. 
Das Neutralfett gelangt durch den Ductus thoracicus in den Organismus und wird 
von diesem in Körperfett umgewandelt. Es ist auch eine bekannte Tatsache, daß 
Tiere, die reichliche Fettnahrung erhalten, ihren Fettansatz vergrößern. 

Bezüglich Glykogen ist es bis jetzt nicht festgestellt, ob dasselbe auch von 
anderen Nahrungsstoffen als von den aufgenommenen Kohlehydraten gebildet 
werden kann, doch darf die Tatsache nicht übersehen werden, daß der Glykogen¬ 
gehalt der Karnivoren, die unter normalen Verhältnissen keine Kohlehydrate auf¬ 
nehmen, nicht kleiner ist als der der Omnivoren, was unzweifelhaft beweist, daß 
zur Bildung von Glykogen nicht nur die aufgenommenen Kohlehydrate, sondern 
auch andere Nahrungsstoffe, d. h. Eiweiß und Fett, herangezogen werden können. 

Daß Eiweiß und Fett in Zucker umgewandelt werden können, beweist auch 
die Tatsache, daß in schweren Fällen von Diabetes, selbst bei gänzlicher Ent¬ 
ziehung der Kohlehydrate, Zucker mit dem Urin ausgeschieden wird, welch 
letzterer unzweifelhaft von Eiweiß und Fett herrühren muß. Es unterliegt aber 
auch keinem Zweifel, daß Eiweiß und Fett auch unter normalen Verhältnissen in 
Kohlehydrate übergehen und dann zum Teil als Energie und teilweise als 
Reservematerial verwendet werden. Dies beweist Pflügers 1 ) Experiment, laut 


*) Pflügers Archiv Bd. 50. 


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Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate? 


155 


welchem ein Hand mehrere Monate hindurch ausschließlich mit Eiweiß gefüttert 
wurde und sich nicht nur erhalten, sondern auch schwere Arbeit verrichten 
konnte, woraus hervorgeht, daß der tierische Organismus sämtliche vitalen 
Funktionen auch bei Ausschluß von Fett und Kohlehydraten verrichten kann. 

Auf dieses Prinzip beruht auch das Gesetz der Isodynamie, welches wir den 
Forschungen von Rubner 1 ) zu verdanken haben und laut welchem Kohlehydrate 
durch ein entsprechendes Quantum von Fett oder Eiweiß, und Fett durch eine 
korrespondierende Menge von Kohlehydraten oder Eiweiß ersetzt werden können. 
Dem Gesetze der Isodynamie entzieht sich bloß das Eiweiß, das durch keinen 
Nahrungsstoff gänzlich ersetzt werden kann, was durch die Tatsache bewiesen 
wird, daß Tiere, die unter Ausschluß von Eiweiß mit Fett und Kohlehydraten 
ernährt werden, nicht aufhören, Stickstoff auszuscheiden, was aber ein Beweis von 
Zerfall von körperlichen Eiweiß ist. 

Eiweiß ist daher das einzige Nahrungsmittel, das dem tierischen Organismus 
nicht entzogen werden kann, da letzterer unfähig ist, Kohlehydrate und Fett in 
Eiweiß umzuwandeln, und da diese Substanz zur Erhaltung des Organismus un¬ 
umgänglich notwendig ist, hat die Entziehung oder zu weitgehende Reduktion von 
Eiweiß Körpereiweißzerfall zur Folge. 

Wir haben es auseinandergesetzt, daß die wichtigste Funktion der Kohle¬ 
hydrate und des Fettes ist die Lieferung von Energie für sämtliche vitale Prozesse 
des Organismus; wir haben auch gesehen, obzwar uns die Art und Weise der 
Umwandlung unbekannt ist, daß Eiweiß in Kohlehydrate übergehen und daher 
zur Energiequelle werden kann, falls dem Organismus weder Kohlehydrate noch 
Fett zu Gebote stehen, aber von keinem der im Organismus vor sich gehenden 
chemischen Stoffwechselprozessen können wir auf die Bildung von Eiweiß von 
einem anderen Nährmittel als Eiweiß folgern. Die Einverleibung von Eiweiß 
muß daher als eine Conditio sine qua non für die Erhaltung des Organismus an¬ 
gesehen werden, doch ist die Größe des Eiweißbedürfnisses des letzteren von den 
anderen Nahrungsmitteln abhängig, denn obzwar der Organismus ohne Eiweiß 
sich nicht erhalten kann, besitzt er die Fähigkeit, einen Teil des ihm notwendigen 
Eiweißes durch Kohlehydrate oder Fett zu ersetzen. Dies beweisen Abderhaldens 2 ) 
Untersuchungen, indem genannter Autor einem Hund so viel Fleisch gab, um das 
Stickstoffgleichgewicht zu erhalten, worauf er dann die Menge des Fleisches 
reduzierte und durch Fett ersetzte, ohne ein Stickstoffdefizit zu erzielen. Wir 
dürfen von diesem Experiment folgern, daß die Zugabe von Fett das Eiwei߬ 
bedürfnis des Organismus reduziert, indem das Fett letzteren mit Energie ver¬ 
sieht und es ihm überflüssig macht, einen Teil des einverleibten Eiweißes in 
Energie umzusetzen. Diese eiweißsparende Fähigkeit kommt auch den Kohle¬ 
hydraten zu, und Tallquist 3 ) fand, daß das Eiweißminimum, das zur Erhaltung 
des menschlichen Organismus notwendig ist, durch Zugabe einer entsprechenden 
Menge von Kohlehydraten noch reduzierbar ist, ohne daß der Organismus einen 
Stickstoffverlust erleiden würde. Genannter Autor fand auch, daß Fett in der- 

*) Rubner, Die Gesetze des Energieverbrauches bei der Ernährung. 

*) Abderhalden, Lehrbuch der physiologischen Chemie. 

*) Tallquist, Zur Frage des Einflusses von Fett und Kohlehydrat auf den Eiweißumsatz 
des Menschen. Archiv für Hygiene 1912. 


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156 


S. A. Arany 


selben Weise wirkte wie Kohlehydrate, weshalb man die zwei Nahrungsstoffe in 
ihrer eiweißsparenden Wirkung als isodynam auffassen kann. 

Es folgt daher aus dem Besprochenen, daß das Eiweiß das einzige Nahrungs¬ 
mittel ist, welches der Organismus für seine Erhaltung unbedingt benötigt und 
mit dessen Hilfe er nicht nur den durch den fortwährend vor sich gehenden 
Abbau bedingten Aufbau bewerkstelligen, sondern auch alle sonstigen vitalen 
Funktionen, die Lieferung von Energie auch nicht ausgenommen, besorgen kann. 
— Wir können auch folgern aus dem Umstande, daß der Stick Stoff bedarf des 
Organismus durch eine entsprechende Zugabe von Kohlehydraten oder Fett eine 
Verminderung erfährt, daß Albumin der einzige Nahrungsstoff ist, der sämtliche 
Bedürfnisse des Organismus zu decken imstande ist, wohingegen die Kohlehydrate und 
das Fett die Aufgabe des Albumins durch Lieferung von Energie nur erleichtern. 

Wir wollen nun versuchen, die soeben gewonnenen Erfahrungen als thera¬ 
peutischen Faktor in der Behandlung des Diabetes zu verwenden. 

Jeder Autor wird es wohl zugeben, daß Diabetes kein einheitliches Leiden 
ist, besitzt es doch so viele Formen und Stadien, die alle nur ein gemeinschaft¬ 
liches Symptom, nämlich das der Glykosurie aufweisen können. In allen Formen 
merken wir bloß, daß in der Kette der Stoffwechselprozesse eine Kontinuitäts¬ 
unterbrechung stattgefunden hat und der Grad der letzteren bedingt die Schwere 
des Falles. So finden wir, daß in der Assimilationsstörung, Glycosuria e saccharo 
genannt, nur dann Zucker im Harn auftritt, wenn der Patient Zucker als solchen 
genossen hat, und zeigt der Urin nach Genuß von stärkehaltigen Speisen keine 
Spur von Glukose. Es wäre deshalb ein großer Fehler, falls wir solchen Kranken 
sämtliche Kohlehydrate entziehen würden, da die Entziehung letzterer, wie wir 
dies später sehen werden, nicht immer von derselben Wirkung begleitet wird, 
weshalb wir uns damit begnügen werden, daß wir Zucker als solchen aus der 
Diät des Patienten ausschalten und aus Vorsorge auch die anderen Kohlehydrate 
einschränken. Obzwar die an Glycosuria e saccharo leidenden Patienten eine 
normale Menge von stärkehaltigen Speisen assimilieren können, ist es doch an¬ 
gezeigt, selbe einzuschränken, da Diabetes als eine an Intensität immer zunehmende 
Erkrankung des Stoffwechsels aufzufassen ist, und die Patienten büßen früher 
oder später auch die Fähigkeit ein, stärkehaltige Nahrung zu assimilieren, wodurch 
die Erkrankung das Stadium erreicht, das man als Glycosuria ex amylo kennt. — 
In diesen Fällen hat der Patient entweder teilweise oder gänzlich die Fähigkeit, 
Stärke zu assimilieren, eingebüßt. In ersterem Falle muß vor allem die Toleranz 
für Kohlehydrate bestimmt werden, und nachdem dies erfolgt ist, werden wir dem 
Patienten nicht das ganze Quantum von Kohlehydraten, das er tolerieren kann, 
sondern bloß 2 / 3 dessen empfehlen, da die Erfahrung zeigt, daß die Toleranz sehr 
bald eine Verkleinerung erfährt, wenn der Patient sein volles Assimilations¬ 
vermögen in Anspruch nimmt. 

Die Höhe der Toleranzgrenze wird es bestimmen, wie viel Fett wir zur 
Nahrung zufügen sollen, da wir doch gesehen haben, daß letzteres dem Orga¬ 
nismus den durch Entziehung oder Reduktion der Kohlehydrate abgehenden Zu¬ 
schuß von Energie ersetzen kann. 

Hat der Patient die Fähigkeit, Stärke zu assimilieren, gänzlich eingebüßt, 
werden wir seine Diät nach dem Prinzip der Isodynamie regulieren müssen. Wir 


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Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate ? 


157 


haben gesehen, daß der Organismus seine vitalen Funktionen bei einer aus¬ 
schließlich ans Eiweiß bestehenden Nahrung verrichten kann, falls wir ihm in 
letzterer die erforderliche Menge von Kalorien verabreichen, doch darf es nicht 
übersehen werden, daß Eiweiß derjenige Nahrungsstoff ist, der am wenigsten zur 
Bildung von Reservematerial beiträgt, da unter normalen Verhältnissen die Menge 
des aufgenommenen und ausgeschiedenen Stickstoffs gleich ist. Dieser Umstand 
zieht die Folgerung nach sich, daß das aufgenommene Eiweiß nur zum Ersatz 
des abgebauten Eiweißes dient, was unter normalen Verhältnissen bei gemischter 
Kost auch zutrifft, da der Organismus außer Eiweiß auch Kohlehydrate und Fett 
zu Gebote hat, welche Nahrungsstoffe wegen ihrer leichten Assimilierbarkeit vom 
Organismus mit größerer Bereitwilligkeit zur Bildung von Energie und Reserve¬ 
stoff herangezogen werden. Wir haben auch gesehen, daß der Eiweißbedarf 
des Organismus eine Verminderung erfährt, sobald ihm außer Eiweiß auch Fett 
znr Verfügung steht, was unzweifelhaft dafür spricht, daß die Assimilation und 
die Verwendung des Eiweißes für die vitalen Funktionen des Organismus ein viel 
komplizierterer Prozeß sein muß, als die Utilisierung von Kohlehydraten und Fett. 
Wir werden auch sehen, daß Diabetes, als progressive Erkrankung des Stoff¬ 
wechsels, nicht nur den Ausfall des Kohlehydratstoffwechsels bedingt, sondern in 
späteren Stadien auch den Stoffwechsel des Eiweißes 1 ) angreift, weshalb es an¬ 
gezeigt ist, in solchen Fällen von alimentärer Glykosurie, in welchen der Patient 
die Fähigkeit, Kohlehydrate zu assimilieren, gänzlich eingebüßt hat, den Patienten 
vor Exzessen in Eiweißnahrung ebenfalls zu schützen, da das progressive Leiden 
früher oder später auch den Eiweißstoffwechsel angreift, aus welchem Grunde es 
angezeigt ist, die Diät ans Eiweiß und Fett zusammenzustellen. — Eine vorteil¬ 
hafte Kombination dieser beiden Nährmittel wird nicht nur das Verschwinden der 
Glykosurie, sondern auch das Stickstoffgleichgewicht des Patienten erzielen, d. h. 
eine Disintegrierung von Körpereiweiß verhüten. 

Wie logisch auch das soeben angegebene Vorgehen von wissenschaftlichem 
Standpunkte sein mag, wird es doch wahrgenommen werden, daß ein Teil der 
Patienten mit dieser Diät unzufrieden sein wird, da der Diabetiker ein ganz be¬ 
sonderes Begehren, das der Engländer so trefflich „craving“ nennt, nach Kohle¬ 
hydraten hat. In solchen Fällen werden wir bemüßigt sein, dem Patienten das 
kleinste Quantum von Kohlehydraten, das das Begehren des Patienten zu stillen 
und die Glykosurie am wenigsten zu steigern vermag, ausfindig zu machen, welches 
Vorgehen es uns auch ermöglicht, das Quantum des zur Diät zugefügten Fettes 
zu reduzieren, denn es ist doch eine wohlbekannte Tatsache, daß das Fett nicht 
zu den Lieblingsgerichten des Diabetikers gehört. 

Es ist eine viel umstrittene Frage, ob man in Fällen von schwerem Diabetes 
die Kohlehydrate dem Patienten gänzlich entziehen soll, denn wir wissen, daß in 
diesen Fällen die Glykosurie selbst bei reiner Eiweißnahrung persistiert. 

Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage schreiten, erscheint es unerlä߬ 
lich, den Ursprung der Glukose in diesen Fällen festzustellen. Ich habe es in 
dieser Zeitschrift bei einer anderen Gelegenheit ’) auseinandergesetzt, daß, obzwar 


') S. A. Arany, Beiträge zur Physiologie und Pathologie des Stoffwechsels des Eiweißes. 
Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie 1911. 


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S. A. Arany 


die Eliminierung von Zucker bei Eiweißnahrung ein pathologisches Symptom ist, 
die Bildung von Zucker aus Eiweiß nicht als pathologischer Prozeß angesehen 
werden kann. Wir könnten vielmehr annehmen, daß ein Teil des aufgenommeneu 
Albumins, oder besser gesagt, gewisse Komponenten des Albumins auch unter 
normalen Verhältnissen in Glukose umgewandelt und vom Organismus als Energie 
oder als Reservematerial verwendet werden, und wir können es bloß diesem Um¬ 
stande zuschreiben, daß der normale Organismus und der an alimentärer Glykosurie 
leidende Diabetiker alle vitalen Funktionen bei reiner Eiweißnahrung verrichten 
können. Es steht uns auch gar nichts im Wege anzunehmen, daß gewisse 
Komponenten des Eiweißes auch unter normalen Verhältnissen in Zucker zerlegt 
werden, welch letztere dann mit den stickstoffhaltigen Komponenten des Eiweißes 
in Neutraleiweiß zusammengefügt werden, um vom Organismus in Körpereiweiß um¬ 
gewandelt zu werden. 

In den mittelschweren und schweren Fällen von Diabetes haben wir es mit 
einer Abweichung vom normalen Prozeß zu tun, d. h. die aus Eiweiß gebildete 
Glukose wird weder in Glykogen umgewandelt, noch geht sie mit den stickstoff¬ 
haltigen Komponenten in Neutraleiweiß über, womit die progressive Stoffwechsel¬ 
störung ihr Klimax erreicht hat, da der Organismus seine letzte Energiequelle ein¬ 
gebüßt hat und zu seinem eigenen Gewebe Zuflucht nimmt, um sich Glukose zu 
verschaffen, was nicht nur zur Verarmung von Körpergewebe, sondern auch zur 
größten Gefahr des Diabetikers, zur Azidosis führt. 

In mittelschweren Fällen büßt der Patient nur teilweise die Fähigkeit ein, 
aus der vom Eiweiß gewonnenen Glukose Glykogen und Neutraleiweiß zu bilden, 
und ist dieser partielle Verlust sehr oft auf eine exzessive Einverleibung von Ei¬ 
weiß zurückzuführen, und sobald letztere auf das normale Quantum reduziert wird, 
schwindet auch die Glykosurie. 

In den schweren Fällen von Diabetes haben die Reduktion des einverleibten 
Eiweißes und die Zugabe von Fett keine Reduktion der Glykosurie zur Folge, 
wir finden vielmehr, daß die reichliche Verabreichung von Fett sehr oft die Dimen¬ 
sionen der Glykosurie und Azidosis noch vergrößert, was uns zur Annahme be¬ 
rechtigt, daß in diesem Stadium der Krankheit auch der Fettstoffwechsel in Mit¬ 
leidenschaft gezogen ist, d. h. der Organismus hat auch die Fähigkeit, Fett zu 
assimilieren, eingebüßt und bildet aus letzterem Zucker, der mit dem Urin abgeht. 
— Dieser Prozeß ist um so mehr wahrscheinlich, als wir es gesehen haben, daß 
unter normalen Verhältnissen Kohlehydrate in Fett übergehen, und es ist doch 
ein Hauptcharakterzug des diabetischen Organismus, daß er dort zerstört, wo der 
normale Organismus aufbaut. 

Unter den geschilderten Umständen stehen wir dem Dilemma gegenüber, die 
größte Gefahr des Diabetikers, die Azidosis zu verringern und damit die Glyko¬ 
surie zu steigern, oder dem Patienten auch fernerhin bei derselben Diät zu lassen. 
Da wir von zwei Gefahren die kleinere wählen müssen, wird es angezeigt sein, 
dem Patienten kleine Mengen von Kohlehydraten zu geben. Es ist von keiner 
Bedeutung, ob wir uns zu diesem Zwecke des von Noorden 1 ) empfohlenen Hafer¬ 
mehls oder eines anderen stärkehaltigen Nahrungsmittels bedienen, da es allgemein 


') v. Noorden, Handbuch der Stoffwechselkrankheiten. 


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Benötigt der Diabetiker Kohlehydrate? 


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gefunden wird, daß eine einzige Sorte von Kohlehydraten besser toleriert wird, 
als ein Gemisch von mehreren Sorten. 1 ) — Die Verabreichung von kleinen 
Mengen von Kohlehydraten hat gewöhnlich eine Verminderung, manchmal sogar 
das Aufhören der Azidosis zur Folge, und es kann auch beobachtet werden, daß 
selbst die Glykosurie nicht besonders erhöht wird. Diese Beobachtungen lassen 
sich auf folgende Art und Weise erklären: 

Der schwere Diabetiker, der nicht nur die Fähigkeit, Kohlehydrate, sondern 
auch Eiweiß und Fett zu assimilieren, eingebüßt hat, hat ein beständiges Verlangen 
nach Zucker, welches er dadurch zu befriedigen sucht, daß er sein eigenes Ge¬ 
webe zerstört, wodurch er Anlaß zur Azidosis gibt. Werden ihm hingegen kleine 
Mengen von Kohlehydraten gegeben, wird der Organismus den Kampf mit dem 
eigenen Gewebe aufgeben, und die Gefahr der Azidosis auf kürzere oder längere 
Zeit verschoben werden. 

Fassen wir nun das Besprochene kurz zusammen, so gelangen wir zu 
folgenden Konklusionen: In der Glycosuria e saccharo genannten Stoffwechselstörung 
sistiert die Entziehung des Zuckers als solchem die Glykosurie und vermag eine 
zweckmäßige Einschränkung der stärkehaltigen Nahrungsmittel es auch verhüten, 
daß das Leiden in eine Glycosuris ex amylo übergehe. In letzterer benötigt der 
Patient, nebst einer nicht exzessiven Eiweißkost, Kohlehydrate bis zu 2 / 3 seines 
Assimilationsvermögens und eine reichliche Zugabe von Fett, welche Diät bei 
entsprechender Regelung den Patienten nicht nur bei guter Gesundheit erhält, 
sondern auch dazu beitragen kann, daß das Leiden nicht in die schwere Form 
übergehe. — In mittelschweren Fällen ist die Glykosurie in der überwiegenden 
Mehrzahl der Fälle auf eine Überfütterung von Eiweiß zurückzuführen und wird 
sobald sistiert, als die Regulierung der Eiweißaufnahme vorgenommen wird. Die 
Verabreichung von Kohlehydraten ist in diesen Fällen nur dann statthaft, wenn 
Azetonkörper im Harn auftreten, oder wenn die Kohlehydrataufnahme nur eine 
unbedeutende Glykosurie zur Folge hat, was schon auch aus dem Grunde empfehlens¬ 
wert erscheint, weil die Kohlehydrate eine eiweißsparende Wirkung ausüben, 
welcher Umstand bei mittelschweren Fällen um so eher zu berücksichtigen ist, da 
doch diese früher oder später die schwere Form annehmen. In den schweren 
Fällen ist die Administration von Kohlehydraten geboten, da dies doch das 
einzige Mittel ist, die Azidosis zu verhüten oder wenigstens zu schwächen und 
aufzuschieben. 

*) S. A. Arany, The Individual Treatment of Diabetes- The Lancet 1913. 


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Thedering 


IV. 

Zur Methodik der Röntgen-Härtebestimmung. 

Von 

Dr. Thedering 

in Oldenburg. 

Die Strahlenqualitätsbestimmung ist neben der Quantitätsmessung in der 
Röntgendosimetrie neuerdings zu einem Faktor von gleichbedeutender Wichtigkeit 
geworden. Mit Recht; denn seit wir durch Kienboecks grundlegende Forschungen 
darüber aufgeklärt sind, daß nur die im Gewebe absorbierte Röntgenenergie 
biologisch wirksam ist! —, nach dem Satze von der Erhaltung der Energie eigentlich 
eine selbstverständliche Sache — ergibt sich aus diesem Satze für unser praktisches 
Handeln die logische Folgerung, daß wir bestrebt sein müssen, in dem zu 
behandelnden Krankheitsherde ein ausreichendes Maß strahlender Röntgenenergie 
durch Absorption zu deponieren. Da aber zwischen Strahlenqualität und Absorption 
feste Beziehungen nach Maßgabe physikalischer Gesetzmäßigkeiten bestehen, so 
zwar, daß bei gleicher spezifischer Dichte ein Körper um so mehr Strahlen absorbiert, 
je weicher die betreffende Strahlung, bzw. um so weniger, je härter dieselbe ist, 
so erhellt aufs klarste, daß die Wahl einer geeigneten Strahlenqualität für den 
Erfolg einer Röntgenbestrahlung von ausschlaggebender Wichtigkeit ist. 

Aber noch ein anderer Gesichtspunkt kommt hier in Betracht. In der 
Stufenleiter biologischer Einwirkung strahlender Energie auf die lebendige Zelle 
sind bekanntlich drei Grade zu unterscheiden: Zellreiz, Zellähmung, Zelltod. So 
wissen wir z. B. aus Erfahrung, daß ein torpides Geschwür, das mit weicher 
Röntgenstrahlung behandelt wird, sich zunächst mit einem graugrünen Belag, dem 
„Röntgenschleim“, bedeckt, nach dessen Abstoßung gesunde Wundwucherung zutage 
tritt. Bei mittelharter und harter Strahlung sehen wir diesen Effekt nicht eintreten. 

Sodann: Bei Belichtung eines behaarten Hautbezirks mit mittelharter bis harter 
Strahlung erfolgt Epilation, bevor auf der Haut die Spur eines Erythems zutage 
tritt. Mit weicher Strahlung hingegen kann man sogar eine recht beträchtliche 
Röntgenröte erzeugen, ohne gleichzeitige Lockerung der Haare. Offenbar wird 
die Haarpapille, welche in ziemlich bedeutender Tiefe der Kutis ihren Sitz hat, 
von der weichen Strahlung nicht mit ausreichender, lähmender Wucht getroffen. 

Zur Abtötung bösartiger Geschwulstkeime endlich bedürfen wir in der Regel 
großer Dosen harter Strahlung. Gelegentlich kann sich aber auch eine Geschwulst 
gegen harte Strahlen refraktär verhalten und auf weiche prompt verschwinden. 
Offenbar handelt es sich in solchen Fällen um pathologische Objekte von abnorm 
geringer spezifischer Dichte. 

So besteht also zwischen der Stufenfolge biologischer Wirksamkeit und der 


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Zur Methodik der Röntgen-Härtebestimmung. 


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Härteskala strahlender Röntgenenergie im ganzen ein gerades, proportional an¬ 
steigendes Verhältnis. 

Die spezielle Röntgentherapie wird also neben der „Dosierung“ und be¬ 
sonderen Bestrahlungsmethode immer auch den Härtegrad der Strahlung be¬ 
rücksichtigen müssen, auf welchen die betreffende Krankheit erfahrungsgemäß am 
günstigsten reagiert. Leider wird in der Praxis auf diesen Punkt nicht immer 
das wünschenswerte Gewicht gelegt. Erschwert wird die exakte Härte¬ 
bestimmung durch den Mangel eines einheitlichen Härtemaßes. An Härte¬ 
meßmethoden freilich ist Überfluß vorhanden; ich nenne die Verfahren von 
Wehnelt, Walter Benoist, Bauer, Christen. Da alle auf ein verschiedenes 
Grundmaß geaicht sind, und der Praktiker im allgemeinen wohl kaum mehr als 
eines derselben beherrschen dürfte, so erfordern Literaturangaben, welche sich 
auf eine andere Methode beziehen, immer zunächst lästiges und zeitraubendes Um¬ 
rechnen. Zudem werden alle Verfahren, welche auf dem diaskopischen Prinzip 
beruhen, immer der strengen objektiven Exaktheit ermangeln, da die Ablesung 
der Vergleichsplättchen der subjektiven Willkür zu weiten Spielraum offen läßt. 
Also Einheit des Härtemaßes, objektive Exaktheit, daneben Einfach¬ 
heit und praktische Handlichkeit sind zum mindesten höchst wünschenswerte 
Grunderfordernisse korrekter Härtemessung. 

Da ein von mir konstruierter, an anderer Stelle 1 ) bereits beschriebener 
Röntgen-Härtemesser diesen verschiedenen Anforderungen in ausreichendem Maße 
zu entsprechen scheint, so mag ein erneuter kurzer Hinweis auf das einfache 
Instrument gestattet sein. Dasselbe besteht aus einer Treppe von schmalen 
Stanniolstreifen. An der untersten Stufe liegen fünf Stanniolblättchen über¬ 
einander; jede folgende Stufe wird um fünf Blättchen dicker, also: 1 . 5, 2 . 5, 
3 . 5 usw. bis 15 . 5 = 75 Stanniolblättchen an der obersten Stufe. Das In¬ 
strument besitzt also 15 Härtegrade; die Härteeinheit entspricht einer Lage von 
fünf Stanniolstreifen. Die Härtebreite des Instrumentes umfaßt die für 
dermatologische Radiologie erfahrungsgemäß in Betracht kommenden Grenzen. 
Strahlen, deren Penetrationskraft unterhalb 5 und oberhalb 75 Stanniolblättern 
ä 0,04 mm liegen, müssen für dermatolog-radiologische Zwecke als überweich 
bzw. überhart bezeichnet werden, kommen also praktisch nicht in Frage. — Da 
der Härtecharakter einer Röhre sich in ihrem Ampöre-Milliamp6re-Verhältnis aus¬ 
spricht, d. h. eine Röhre um so härter ist, je höher sie primär-Ampere belastet 
werden muß, um einem Strom von bestimmter Stärke — Milliampere — den 
Durchtritt zu erzwingen, so habe ich zunächst wiederholt mehrere Röhren mittels 
des Regenerierverfahrens auf das gleiche Ampere-Milliampere-Verhältnis ab¬ 
gestimmt und dann eine photographische Platte mit aufgelegtem Instrument den 
betreffenden Röhren unter durchaus gleichen Verhältnissen — Röhrenabstand, Be- 
lichtungsdauer, primäre und sekundäre Belastung, Unterbrecherstand — exponiert. 
Hierbei ergab sich, daß alle Röhren auf der entwickelten Platte stets genau die 
gleiche Stufenzahl abbildeten. Auch ergab eine und dieselbe Röhre, nachdem 
sich ihr Gasgehalt durch Gebrauch verändert hatte, nach Regenerierung auf den 
früheren Stand immer den gleichen Härtecharakter, d. h. die gleiche Pene- 

! ) Ein einfacher Röntgen-Härtemesser von Dr. The de ring. Zentralblatt für Röntgen¬ 
etrahlen, Bd. 4. Heft 1 and 2. 

Zeitechr. I pbytik. a. difit Therapie Bd. XVIII. Heft 3. 11 


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162 


Thedering 


trationskraft, gemessen an der Zahl der auf der entwickelten Platte abgebildeten 
Treppenstufen. Hierdurch scheint mir zunächst der Beweis geliefert zu sein, daß 
Böhren von gleichem Ampere-Milliampere-Verhältnis immer Strahlen von der 
gleichen Penetrationskraft, also gleichharte Strahlen aussenden. Das Ampöre- 
Milliampfere-Verhältnis einer Röhre bildet also für den Härtecharakter derselben 
einen objektiven Maßstab. Auch der Ersatz des individuellen Empfindlichkeits¬ 
schwankungen unterworfenen menschlichen Auges durch die konstant empfindliche 
photographische Platte verbürgt eine weitgehende Objektivität der Härte¬ 
bestimmung, da über die Zahl der auf der entwickelten Platte vorhandenen 
Treppenstufen unter normalsichtigen Personen eine Meinungsverschiedenheit nicht 
bestehen kann. Das Einheitsmaß — Stanniol — ist sodann ein überall leicht zu 
beschaffendes Material; den Apparat kann sich jeder Praktiker in kürzester Zeit 
mit geringer Mühe selbst hersteilen. Das Verfahren ist ferner denkbar einfach: 
für jede neue Röhre genügt die einmalige Härtebestimmung. Solange eine Röhre 
alsdann ihr Ampöre-Milliampfere-Verhältnis konstant bewahrt oder bei Änderung 
ihres Gasgehaltes auf den früheren Stand zurückregeneriert werden kann, darf 
man einer Konstanz ihrer Härte absolut gewiß sein. Nur wenn die Röhre 
dauernd härter geworden ist durch längeren Gebrauch, muß eine neue Härte¬ 
bestimmung vorgenommen werden. Ein Blick auf die Stromanzeiger, also 
Ampere- nnd Milliampfere-Meter, gibt über das Härteverhältnis der betreffenden 
Röhre und Änderungen desselben sofort objektiv zuverlässig Aufschluß. Das 
Ampöre-Milliampfere-Verhältnis scheint mir daher für die Härtemessung in der 
alltäglichen Praxis die brauchbarste, d. h. einfachste, objektivste Grundlage zu 
sein. Aus praktischen Rücksichten empfiehlt es sich endlich noch, die Skala von 
15 Stufen in 4 Härtecharaktere einzuteilen, nämlich: „sehr weich“ (1—3°), 
„weich“ (3—7°), „mittelhart“ (7-12°), „hart“, „sehr hart“ (12—15°). Man 
weiß dann sofort, daß z. B. unter „weicher Strahlung“ Röntgenstrahlen zu ver¬ 
stehen sind, deren Penetrationskraft von 15—35 Stanniolblättchen reicht, usw. 
Für die praktischen Zwecke der Dermatologie scheint mir die Einteilung der hier 
in Betracht kommenden Härtebreite in die genannten vier Härtecharaktere voll¬ 
kommen ausreichend zu sein, da geringe Härteschwankungen innerhalb der hier 
für die einzelnen Härtecharaktere fixierten Grenzen praktisch belanglos sind. So 
bedarf man zur Epilation einer mittelharten bis harten Strahlung, entsprechend 
einer Penetrationskraft von mindestens 35—40 Stanniollagen. Dabei ist es aber 
gleichgültig, ob die Strahlung über 8 0 hinaus einige Härtegrade mehr oder minder 
zählt. Nur pflegt die härtere Strahlung die Epilationsdosis in kürzerer Zeit zu 
liefern als die weichere, ein Punkt, der bei Abmessung der Dosis nicht übersehen 
werden darf. Für Ekzemtherapie z. B. eignet sich im allgemeinen weiche bis 
mittelharte Strahlung, also Strahlen von etwa 25—50 Stanniollagen Penetrations¬ 
kraft. Geringe Unterschiede des Härtecharakters um einige Grade mehr oder 
minder innerhalb der hier gesteckten Grenzen sind praktisch wiederum ohne Be¬ 
deutung; nur ist zu beachten, daß bei stärkerer Hautinfiltration die härtere 
Strahlung zu wählen ist. Ein Nachteil des Instrumentes in -exakt-wissenschaft¬ 
licher Hinsicht besteht darin, daß die Penetrationskraft einer Strahlung, gemessen 
an Stanniol, über die Tiefenwirkung und das Maß der Strahlenabsorption im Ge¬ 
webe keinen Aufschluß gibt. Es ist bekanntlich ein unvergleichlicher Vorzug des 


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Zur Methodik der Röntgen-Härtebestimmung. 


163 


Christenschen absoluten Härtemessers, daß derselbe für Strahlen jeden Härte¬ 
grades gleichzeitig die Halbwertschicht angibt, d. h. die Dicke der Gewebsschicht, 
welche 50 °/o der betreffenden Strahlung absorbiert. Aber man darf nicht ver¬ 
gessen, daß die exakte Messung der Strahlenabsorption für Hautbestrahlung nicht 
entfernt die gleiche Bedeutung besitzt wie für Tiefentherapie. Für die dermato¬ 
logische Radiologie ist der hier vertretene Standpunkt der rein praktischen Er¬ 
fahrung vollkommen ausreichend, d. h. die Angabe, welche Strahlenhärte für diese 
oder jene radiologisch zu behandelnde Hautkrankheit in therapeutischer Hinsicht 
erfahrungsgemäß am meisten geeignet ist. Hierzu erforderlich aber ist vor allem 
ein einheitliches, objektives, einfaches Härtemaß. 

Zum Schluß noch einige spezielle Gebrauchsvorschriften für das geschilderte 
Instrument. Ein Bleiblech von 1 mm Stärke wird mit einem länglichen Ausschnitt 
versehen, in den das Instrument gerade hineinpaßt. So braucht man nicht für 
jede Röhre eine neue Platte, sondern kann mit einer Platte die Härtebestimmung 
mehrerer, bis zu vier Röhren gleichzeitig vornehmen. Die photographische Platte 
wird mit dem Bleiblech überdeckt; unter den Ausschnitt legt man das Instrument. 
Nun wird die Röhre mit dem Fokus bei 2 r + 4 cm Abstand eingestellt und bis 
zu 1 Milliampere belastet. Die Belichtungsdauer beträgt eine Minute (besser als 
V* Minute, wie in obiger Arbeit angegeben). Man notiert nun den Stand der 
primären Belastung, ünterbrecherzahl ev. Funkenweite, und entwickelt die Platte. 
Die Zahl der abgebildeten Treppenstufen entspricht dem Härtegrad der Röhre. 
Wohl zu beachten ist der genaue Abstand (Fokus — Platte) von 2r + 4 cm! 
Die Penetrationskraft der Röntgenstrahlung ist nämlich in verschiedener Ent¬ 
fernung von der Röhre durchaus verschieden. Sie wächst mit geringerer, sinkt 
mit größerer Entfernung. Die Intensität der Strahlung verhält sich umgekehrt 
wie die Entfernung. Dies mag durch folgenden Versuch anschaulich illustriert 
werden. Man prüft die Härte einer Röhre aus verschiedener Entfernung von der 
Platte. Zunächst wird die Röhre auf 2 r + 4 cm Abstand eingestellt, dann auf % 
dann auf l x / 2 dieser Entfernung. Nachstehend das Resultat einiger dieser Versuche. 

I. n. 

Abstand 2 r -f 4 cm Härte 5 0 Abstand 2 r + 4 cm Härte 9—10° 

» Vs (2 r -f 4 cm) „ 7° „ V 2 (2r + 4cm) „ 11° 

„ iy 2 (2 r + 4 cm) „ 3-4 o „ l»/ 2 (2r + 4cm) „ 8-9* 

Aus vorstehendem ist klar ersichtlich, daß der Härtegrad einer Röhre immer 
nur für eine ganz bestimmte Entfernung Geltung hat. Da nun das gebräuchlichste 
Dosimeter (Sabouraud-Noir6) auf einen Haut-Fokusabstand von 2 r + 4 cm geaicht 
ist, so empfiehlt es sich, die Penetrationskraft der Strahlung gleichfalls in dieser 
Entfernung zu messen. 

Ob bei den auf diaskopischem Prinzip beruhenden Härtemessem dieser 
wichtige Punkt bei Ablesung des Härtegrades wohl immer beachtet wird, d. h. ob 
wohl immer aus der gleichen Entfernung von der Röhre der Härtegrad gemessen 
wird? Ob sich nicht die „individuellen“ Differenzen bei Härtebestimmung einer 
und derselben Strahlung durch mehrere Personen einfach aus dieser Quelle 
erklären? Und wenn die Entfernung, aus welcher die Härte der Strahlung ab¬ 
gelesen wird, nicht genau dem Haut-Fokusabstand entspricht, aus welchem be¬ 
strahlt wird, mit welcher Strahlenhärte mag man dann in der Tat wohl arbeiten?! 

- . n* 


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Erich Ebstein 


y. 

Zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit. 

Von 


Dr. Erich Ebstein 

in Elbing. 

Die großen Erfolge, die die chemische Industrie in der Herstellung starker, 
sicherer und von Nebenwirkungen fast freier Schlafmittel zu verzeichnen hat, 
bergen auch eine nicht zu unterschätzende Gefahr in sich. Denn gerade der fast 
gänzliche Fortfall von Nebenwirkungen ist es, der dem Publikum das Einnehmen, 
einem großen Teile der Ärzte die Verordnung von Schlafmitteln so leicht macht! 
Die „Sucht“ nach Schlafmitteln scheint also immer häufiger zu werden, konnte 
doch eine berühmte Entziehungsanstalt die Befreiung von der Sucht nach dem 
vortrefflichen, aber noch recht jungen Schlafmittel Luminal in ihr Programm auf¬ 
nehmen und in ihren Annoncen ausdrücklich ankündigen! 

Gerade also die Vervollkommnung der chemischen Schlafmittel läßt den 
Wunsch nach einer sicher wirkenden und bequem anwendbaren Methode der 
Bekämpfung der Schlaflosigkeit, die eines chemischen Agens nicht bedarf, nur um 
so berechtigter und dringlicher erscheinen! Dieser Methoden, die auf physikalisch¬ 
diätetischer Basis beruhen, gibt es zwar schon eine Menge. Wenn sie trotzdem 
selten angewendet werden und den Verbrauch an chemischen Mitteln nicht ent¬ 
behrlich zu machen vermögen, so liegt das daran, daß sie in ihrer Wirkung sehr 
unsicher, in ihrer Anwendung aber meistens sehr umständlich sind. Die meisten 
erfordern sogar die Anwendung von Wasser und sind ohne die Hilfe einer zweiten 
Person nicht oder nur schwer durchführbar. 

Seit mehr denn einem halben Jahrzehnt nun verwende ich eine Methode zur 
Bekämpfung der Schlaflosigkeit, die an Einfachheit unübertrefflich erscheint, mich 
selbst so gut wie niemals, meine Patienten nur sehr selten im Stiche gelassen 
hat, und die ich deshalb wage, nunmehr zu veröffentlichen, zumal ich glaube, sie 
auch wissenschaftlich genau begründen zu können. 

Ein Zufall ließ sie mich finden: Als ich mich einmal stundenlang schlaflos 
in meinem Bette gewälzt hatte, ergriff ich zufällig mit der einen Hand eine der 
senkrechten Stangen, die die Eopfwand meiner Eisenbettstelle bilden. Nach 
wenigen Minuten legte sich der Aufruhr, der in meinem Innern tobte, ich brachte 
nun auch den anderen Arm in die gleiche, von hinten oben nach vorn unten 
laufende Stellung, indem ich auch mit der anderen Hand eine der Stangen ergriff. 
Nach ganz kurzer Zeit, in der meine Beruhigung weitere Fortschritte machte, 
verspürte ich in der Muskulatur der Arme und des Schultergürtels eine Ermüdung, 


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Zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit. 


165 


die immer deutlicher sich geltend machte. Schließlich stellte sich eine psychische 
Ermüdung ein, nnd als ich dann die Stangen los ließ und in meine gewohnte 
Schlafstellnng hinüberglitt, entschlummerte ich bald ganz! 

Ich wandte diese Methode zunächst mehrere Male bei mir selbst, dann bei 
meinen Patienten an, immer mit gutem Erfolge! 

Nun suchte ich nach einer wissenschaftlichen Erklärung dieser Wirkung, und 
ich glaube sie folgendermaßen begründen zu können: 

Die Schlaflosigkeit wird letzten Endes stets durch abnorme Blutzirkulation 
im Gehirn, sei es im Sinne der Anämie, sei es im Sinne der Hyperämie, ver¬ 
ursacht, mag diese Störung auf organischer oder funktioneller Erkrankung des 
Herzens und der Gefäße, mag sie auf psychischen Insulten beruhen. Meistens 
handelt es sich darum, daß die Patienten sich auch noch im Bette nicht von den 
Sorgen und Spekulationen des Tages frei machen können. Hat sich dann der 
Eintritt des Schlafes erst einige Male verzögert, dann tritt bald, als sehr wichtiger 
Faktor, die Autosuggestion der Schlaflosigkeit in die Erscheinung: die Patienten 
legen sich schon in der sicheren Erwartung zu Bett, nicht schlafen zu können, 
und diese Erwartung täuscht sie dann auch nur sehr selten. Der Circulus vitiosus 
ist geschlossen: die gelegentlich aufgetretene Schlaflosigkeit erzeugt die Auto¬ 
suggestion, und die Autosuggestion verstärkt die Schlaflosigkeit, aus der dann 
eines der modernen Schlafmittel eine leichte Hilfe bringt! Ein sehr großer Nach¬ 
teil ist mit der Anwendung der Chemikalien aber deshalb verbunden, weil sie die 
Autosuggestion nicht nur nicht beseitigen, sondern im Gegenteil sogar noch ver¬ 
tiefen. Daher kommen jene Unglücklichen so schwer nur von den chemischen 
Schlafmitteln los, sie akquirieren eine Sucht. 

Eine physikalische Methode zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit mnß also 
folgenden Indikationen genügen: 1. sie muß die Zirkulation regeln, meistens also 
eine Hyperämie des Gehirnes beseitigen; 2. sie mnß die Gedanken von den Sorgen 
des Tages ablenken, ihnen eine auf das Einschlafen zielende Richtung geben; 
3. sie muß eine Ermüdung herbeiführen und 4. möglichst die heilsame Auto¬ 
suggestion des Schlafenkönnens hervorrufen nnd bei längerer Anwendung ver¬ 
stärken. 

Inwiefern nnn genügt die einfache, von mir empfohlene Lageänderung der 
Arme diesen Indikationen? 

Zunächst handelt es sich ja nur scheinbar um eine bloße Lageänderung der 
Arme. Tatsächlich bedeutet sie ja eine Änderung der Lage des ganzen Körpers. 
Denn wohl niemand schläft in gerader Lage auf dem Rücken. Wohl alle Menschen 
liegen beim Schlafen auf der Seite, die Oberarme meistens in annähernd rechtem 
Winkel gegen den Brustkasten gestellt, das Haupt etwas nach unten gebeugt. 
Die unbewußte Zweckmäßigkeit dieser Schlafstellung erhellt auch aus den folgenden 
Ausführungen. 

Die Regelung der Zirkulation kommt folgendermaßen zustande: Der Blut¬ 
abfluß aus dem Schädelinneren ist bei aufrechter Haltung des Körpers durch die 
annähernd senkrechte Richtung der Kopfvenen gewährleistet. Bei horizontaler 
Lage ist der Blutabfluß schon bedeutend erschwert dadurch, daß der Höhenunter¬ 
schied zwischen Kopf und Herz fast vollkommen aufgehoben ist. Durch die 
Haltung der Arme in der von mir vorgeschriebenen Richtung wird aber der Blut- 


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Erich Ebstein 


abfluß aas dem Schädelinneren sehr gefördert Denn die Armvenen und die Kopf¬ 
venen haben dann dieselbe Richtung, and, da beide Blutströme in der Vena 
anonyma Zusammentreffen resp. ein gemeinsames Bett haben, so wirkt der stärkere 
von ihnen, also der Armstrom, durch Aspiration verstärkend auf den schwächeren. 
Durch die erhobene, von hinten oben nach vorn unten laufende Haltung der Arme 
erhält der Armstrom beiderseits ein sehr starkes Gefälle und die Fähigkeit, den 
Kopfstrom durch Aspiration zu fördern. Daher fühlt man sofort eine bedeutende 
Erleichterung im Kopfe, wenn man die Arme in diese Stellung gebracht hat. 

Diese Erleichterung des Blutabflusses wirkt aber nicht nur regelnd auf die 
Zirkulation im Kopfe, wenn vorher eine Hyperämie bestanden hat, sondern auch 
dann, wenn eine Blutleere, eine Anämie bestand. Die Folgen der ungenügenden 
Blutfüllung des Gehirns bewirken dann eine Störung im Stoffwechsel, also auch 
in der Funktion dieses Organes, wenn das zirkulierende Blut nicht imstande ist, 
in genügendem Maße die Abbauprodukte des Organes fortzuführen, Nährstoffe 
heranzuschaflfen und abzugeben. Beide Momente werden nicht allein von der 
absoluten Menge des Blutes beeinflußt, sondern auch von der Art, der Schnellig¬ 
keit der Zirkulation. Eine quantitativ geringe Menge des Blutes kann die nor¬ 
male Funktion des Organes noch gewährleisten, wenn sie schnell genug erneuert, 
gewechselt wird. Daß aber eine energische Entleerung des Blutes aus dem Gehirn 
den Nachschub neuen Blutes gerade einem schwachen Herzen sehr erleichtert, 
bedarf wohl keines weiteren Beweises. 

Somit glaube ich bewiesen zu haben, daß die von mir beschriebene Stellung 
der ersten Indikation, der Regelung der Blutzirkulation im Gehirn, genügt. 

Das Ungewohnte der Haltung der Arme, das Bestreben, die richtige, von 
mir geforderte Stellung einzunehmen und zu bewahren, hat regelmäßig zur Folge, 
daß sich die Gedanken des Patienten diesem Gegenstände zuwenden und die 
Gedankenkreise, die ihn vorher beschäftigten und nicht zur Ruhe kommen ließen, 
in kurzer Zeit verdrängt werden, verschwinden, ohne wiederzukehren. Merk¬ 
würdigerweise wirkt jenes Bestreben nie erregend auf das Gemüt des Schlaf- 
suchenden. 

Der dritten Indikation wird dadurch genügt, daß die obengenannten Muskel¬ 
gruppen tatsächlich schon nach wenigen Minuten zu ermüden beginnen. Die 
Patienten, die ich vorher darauf aufmerksam gemacht und denen ich diese 
Ermüdung als Vorboten des nahenden Schlafes dargestellt hatte, gewinnen alsbald 
Vertrauen, und so ist der Autosuggestion, daß der natürliche Schlaf bald und ohne 
Schlafmittel eintreten werde, der Weg geebnet, und gleichzeitig der letzten 
Indikation genügt. Ich lege übrigens einen großen Wert darauf, daß der Patient 
nicht sofort die Arme herunternimmt, wenn sich jene Ermüdung eben erst zu 
zeigen beginnt. Vielmehr soll die erste Attacke in der Einschläferungsstellung 
erst überwunden werden. Erst dann, wenn sich der Patient sagt, daß es eben 
nicht mehr anders geht, dann soll er vorsichtig und unter Vermeidung aller über¬ 
flüssigen Bewegungen in seine gewohnte Schlaf Stellung hinübergleiten. Dann stellt 
sich bald der ersehnte Schlaf ein. 

Wie eingangs schon erwähnt, hat die eben geschilderte Methode mich 
eigentlich nie im Stiche gelassen, und zwar weder mich selbst, noch meine 
Klientel. Bei der großen Einfachheit dieses Modus erscheint es mir manchmal 


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Zur Bekämpfung der Schlaflosigkeit 


167 


notwendig, auf den Mechanismus hinzuweisen. Denn besonders tüchtige Patienten 
sahen mich schon mit verschmitztem Lächeln an und sagten, oder schienen sagen 
zu wollen: „Aber, Herr Doktor, das soll helfen?“ Dann genügte der Hinweis auf 
die doch "bald sich einstellende Ermüdung der Armmuskulatur, um die Zweifel zu 
zerstreuen. Meine Methode ist gewiß die denkbar einfachste. Sie läßt sich unter 
allen Umständen und überall ausführen. Sie ist auch absolut unschädlich. Manchmal 
kommt es vor, daß man mit erhobenen Armen einschläft. Man erwacht dann nach 
kurzer Zeit mit einem gewissen geringen Schmerz in den genannten Muskelgebieten. 
Das ist kein großes Unglück: um so schneller schläft man wieder ein, wenn man 
sich dann ordentlich zurechtgelegt hat. Eigentlich genügt es schon, die Arme 
über den Kopf hinzulegen, doch wirkt es besser, wenn man den Händen einen 
etwas erhabenen Stützpunkt gibt, so daß das Gefälle der Armströme ein stärkeres 
ist und die Suggestion einen realen Zielpunkt hat. 

Bei eisernen Bettgestellen, deren Eopfwaud aus Stäben besteht, ist dieser 
Stützpunkt ohne weiteres vorhanden. Bei Betten, die anders gebaut sind, muß 
man sich zu helfen wissen. Bei Holzbetten lasse ich ein Handtuch von einem 
der Knäufe, die die Bettpfosten krönen, zum andern binden. Doch sieht das nicht 
schön aus. Außerdem lassen gerade die modernen Betten diese Knäufe meistens 
vermissen. 

Aus diesem Grunde habe ich eine kleine Konstruktion angegeben, welche die 
Ausführung meiner Methode unter allen Umständen gewährleistet. Sie besteht 
aus drei Teilen: einem Reiter, einem Handgriff und einer kurzen Kette, die beide 
miteinander verbindet. Der Haken des Handgriffes ermöglicht es, den Abstand 
des letzteren von dem Reiter je nach der Größe des Bettes und des Patienten 
zu variieren. Der Reiter wird an einer geeigneten Stelle auf die Kopfwand des 
Bettes gesetzt, der Handgriff hängt in das Bett hinein. Man legt sich im Bette 
auf den Rücken und ergreift mit beiden Händen den Griff, der so nahe am Reiter 
befestigt wird, daß die Arme die gewünschte Stellung erhalten. So kann man 
die Vorrichtung jeden Morgen abnehmen und eine Entstellung des Zimmers ver¬ 
meiden. Das Ganze kann in einer kleinen Tasche aus Leder im Rocke mitgeführt 
werden, so daß man auch auf Reisen den Apparat benützen, die Methode durch¬ 
führen kann. 

Den Apparat habe ich mir unter der Bezeichnung „Hypnophor“ schützen 
lassen. Bis auf weiteres kann er von mir direkt bezogen werden. 


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Adolf Veith, Bemerkungen zu der Arbeit von Schnee usw. 


VI. 

Bemerkungen zu der Arbeit von Schnee: Einiges Aber 
meinen „Degrassator“ und seine praktische Anwendung. 1 ) 

Von 

Dr. Adolf Yeith 

in Nürnberg. 

Als einer der ersten, die in Deutschland die Methode Bergoniüs nachgeprüft und 
angewandt haben, möchte ich zu obiger Arbeit Schnöes einiges sagen: Sehnde stellt 
in dieser, wie auch in einigen früheren Veröffentlichungen, die stets in denselben Wieder¬ 
holungen sich ergehen, es so dar, als ob er, unabhängig von Bergonid, seinen 
Degrassator allmählich herauskonstruiert hätte. Dem halte ich folgendes entgegen: Das 
langjährige Bestreben Bergonids war es, energische Muskelarbeit durch möglichst 
kräftige Muskelkontraktionen, möglichst schmerzlos und lange auf elektrischem Wege zu 
erzeugen und die von ihm angegebene Methode basiert also: 

1. Auf Anwendung eines besonders fein abgestimmten Stromes. 

2. Auf ganz breiten Eintrittspforten für diesen Strom. 

3. Auf absolut rhythmisch gleichmäßigen Strom-Unterbrechungen. 

4. Auf automatisch rhythmischen Strom Wendungen. 

5. Auf der guten ReguÜerbarkeit der Stromstärke für die einzelnen Körperpartien. 

6. Auf der Belastung durch Sandsäcke als Arbeitswiderstand und um das elek¬ 
trische Gefühl zu vermindern. 

7. Auf der dadurch erst bedingten Möglichkeit, den größten Teil der Körper¬ 
muskulatur ohne Beschwerden lange Zeit arbeiten zu lassen. 

ln den hier und anderen Orts zitierten früheren Arbeiten von Schnee findet sich 
auch nicht ein Wort, das direkt oder indirekt irgendeine Ähnlichkeit mit dem hier 
präzisierten Verfahren Bergonids hätte. Denn daß man Muskeln auf elektrischem Wege 
zur Kontraktion bringen kann, weiß man schon seit dem Froschschenkelversuch Galvanis. 

Mit seinem Degrassator ist Schnöe aber erst hervorgetreten, lange nachdem die 
Publikationen von Nagelschmidt und mir die Methode in Deutschland bekannt gemacht 
hatten. Der Degrassator ist eine absolute Nacherfindung (mit einigen Verböserungen) 
und fühlt das Schnöe wohl selbst; denn merkwürdigerweise bringt er in seinem Artikel 
kein Wort von Bergoniö, führt aber nachher im Literaturverzeichnis die diesbezüglichen 
Arbeiten Bergoniös und seiner Schüler an, während er in liebenswürdiger Weise die 
einschlägigen Arbeiten von Nagelschmidt, Brommer, Römheld, mir usw. totschweigt. 

Nun zum Apparat selbst. Die von Schnee benützten Kondensatorentladungen 
hat Bergoniö auch bereits ausgeprobt und nicht für so zweckentsprechend gefunden; 
denn die so ausgelösten Muskelzuckungen sind kurz, schnellend und entsprechen der will¬ 
kürlichen Muskelarbeit am wenigsten. Weiter kann Schnöe an seinem Apparat die 
einzelnen Körperpartien nicht durch regulierbare Vorschaltwiderstände verschieden stark 
mit Strom beschicken, was unbedingt nötig ist. Warum dies nötig ist, hier anzufnhren, 


! ) in Nr. 2, 1914 dieser Zeitschrift. 


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Adolf Schnöe, Schlußwort zu vorstehenden Bemerkungen Veiths usw. 


169 


würde zu weit gehen; siehe darüber die von Sehnde zitierte Arbeit Bergonids usw. 
und meine in der „Deutschen medizinischen Wochenschrift 1913, Nr. 29“. 

Auf eine größere Anzahl anderer Mängel und Einwände bei dem von Sehnde an¬ 
gewandten Instrumentarium will ich aus Mangel an Platz nicht näher eingehen; nur eines 
will ich noch herausgreifen. Sehnde stellt das Metronom auf die genaue Pulszahl des 
Patienten ein. Demnach gibt er einem Patienten, der infolge nervöser oder organischer 
Herzerkrankungen eine starke Pulsbeschleunigung hat, unweit mehr zu arbeiten in der 
Zeiteinheit, als einem Herzgesunden; ob das mit den einfachsten medizinischen Über¬ 
legungen in Einklang zu bringen ist, erscheint mir recht fraglich. 

Die physikalische Therapie fuhrt auch heute noch einen schweren Kampf um ihre 
volle Anerkennung in weiteren ärztlichen Kreisen; die Ursachen dafür sind gar mannig¬ 
fache; eine der wesentlichsten ist der Umstand, daß hier Wissenschaft und Industrie viel 
Hand in Hand gehen müssen. Dadurch wird leicht in fernerstehenden Kreisen eine 
große Dosis Skepsis neuen, wirklich guten Apparaten entgegengebracht, weil man dem 
Autor allzugerne innige Beziehungen zur fabrizierenden Firma unterschiebt. Es sollten 
daher alle Physikotherapeuten im Interesse unserer jungen, aber dafür um so wertvolleren 
Disziplin es ängstlich vermeiden, irgendwie in den Verdacht einer Abhängigkeit zu einer 
Firma zu kommen. 


vn. 

Schlußwort zu vorstehenden Bemerkungen Veiths 
zu meiner Arbeit: Einiges über meinen „Degrassator“ 
und seine praktische Anwendung. 

Von 

Dr, med. Adolf Schnäe 

in Frankfurt a. M. 

Wenn Veith auch in keiner von mir im Zusammenhang mit meinen früheren Ver¬ 
suchen zitierten Arbeit eine Andeutung über das Ziel zu finden glaubt, dem ich in ganz 
ähnlichem Sinne wie B ergo nid zustrebte, so brauche ich doch nur auf meinen in der 
Sektion 22 a der 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Wien im 
September 1913 gehaltenen Vortrag, den ich auch in Nr. 20 des VI. Jahrganges der 
Zeitschrift für Balneologie usw. veröffentlicht habe, zu verweisen, um dem Leser dieser 
Zeilen den Weg anzugeben, auf dem er sich über alles Wünschenswerte orientieren 
kann. Es würde zu weit fuhren, hier nochmals alle dort erwähnten Einzelheiten auf¬ 
zuzählen. 

Daß ich mit meinem Degrassator erst lange Zeit nach den Publikationen Nagel- 
schmidts und Veiths aufgetreten bin, hat seinen guten Grund darin, daß ich zu jener 
Zeit meine Versuche mit sekundär unterbrochenen Quantitäts- und Spannungsströmen noch 
nicht abgeschlossen hatte — es war dies im Herbst 1912 — und überdies parallel 
damit einhergehende Experimente mit Kondensatorentladungen machte. 

Hält Veith meinen Degrassator für eine Nacherfindung des Bergoni^schen 
Apparates, ja sogar für eine „Verböserung“ desselben, so beruht dies eben ganz auf 
subjektiver Beurteilung, denn Bömheld z. B. teilt diese Meinung in seiner letzten 
Publikation absolut nicht, beurteilt er doch meinen Apparat sogar sehr günstig und ich 
selbst kann ihn von meinem Standpunkt aus schlimmstenfalls als eine „Verbesserung“ 
bezeichnen. 


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Berichte über Kongresse und Vereine. 


Kollegen sowohl wie Patienten, die beide Apparate benutzten, stimmten in ihrem 
Urteil darin tiberein, daß die durch meine Kondensatorentladungen hervorgerufenen Muskel¬ 
kontraktionen sehr angenehm empfunden würden, wogegen die Ströme beim Bergonieschen 
Apparat schmerzhafte Sensationen hervorriefen, Ich selbst habe dies in Übereinstimmung 
mit Zanietowski und anderen Autoren damit erklärt, daß die sensible Reizung mit 
wachsender Kapazität der Kondensatoren abnehme. 

Vorschaltwiderstände zur Beschickung der einzelnen Körperpartien mit verschieden 
starken Strömen benötige ich bei meinem Degrassator nicht, da man bekanntlich auch 
-durch die Wahl verschieden großer aktiver Elektroden die Stromdichte und damit die 
Intensität des ausgeübten Reizes variieren kann. Dazu ist bei 15 Elektroden, die in 
beliebiger Kombination geschaltet werden können, reichlich Gelegenheit. Die Vorschalt¬ 
widerstände würden den Apparat nur unnötigerweise komplizieren. 

Da ich beobachtet habe, daß die Pulsfrequenz einige Zeit nach der Applikation 
auch bei nervösen oder organischen Herzerkrankungen bedeutend sinkt, um schließlich 
sogar normal zu werden, sehe ich keine Veranlassung dazu, mein Metronom in solchen 
Fällen fürs erste langsamer einzustellen. Die geleistete Arbeit ist ja das Produkt der 
Kraft in den Weg. Deshalb belaste ich eben einen Herzkranken anfangs nur mit ganz 
geringen Gewichten und rege mit schwachen Strömen bzw. Entladungen die Muskulatur 
nur zu mäßigen Kontraktionen an. 

Wen Veith mit dem Schlußsatz seiner Ausführungen treffen will, leuchtet mir 
nicht ein. Ich kann ihm aber nur darin zustimmen, daß es im Interesse der physikalischen 
Therapie gelegen ist, wenn man sich nicht um eines Apparates willen eine Überzeugung 
zusammenschweißt, sondern auf Grund reichlich gesammelter Erfahrungen einen Apparat 
schafft. 


Berichte über Kongresse und Vereine. 


42. Schlesischer Bädertag am 5. und 6. Dezember 1913 in Breslau. 

Berichterstatter: Siebe 11-Flinsberg. 

Unter Vorsitz von Baddirektor Dr. phil. Büttner-Bad Salzbrunn fand am 6. und 6. De¬ 
zember in Breslau der 42. Schlesische Bädertag statt, welcher von Badeärzten und Verwaltungs¬ 
beamten sämtlicher dem Verbände angeschlossener Bäder besucht war. Die Tagesordnung 
umfaßte, wie gewöhnlich, eine Anzahl hygienischer, balneologischer und wirtschaftlicher Themata. 

Zunächst legte San.-Rat Dr. Siebelt-Bad Flinsberg die Bedeutung der Bazillen¬ 
träger und Dauerausscheider für die Verbreitung der übertragbaren Krankheiten 
in den Kurorten dar. Er geht ausführlich auf die fraglichen Begriffe ein und erläutert an 
den einzelnen Krankheiten als Cholera, Pest, Typhus, Paratyphus, Diphtherie, Ruhr, Genick¬ 
starre die bezüglichen Verhältnisse. Die gesetzlichen Bestimmungen, welche der Bekämpfung 
dienen können, sind lückenhaft, weil sowohl das Reicbsseuchengesetz wie das preußische Gesetz 
zur Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten noch aus der Zeit vor genauerer Kenntnis des 
Vorkommens der Bazillenträger stammt. Ergänzung dieser beiden Gesetze am besten durch 
ein Reichsgesetz ist daher erwünscht, vor allem müßte es die Möglichkeit einer Beobachtung, 
Untersuchung und Absonderung der Bazillenträger festlegen und weiter müßte der Staat den 
Gemeinden durch Übernahme der Kosten für Desinfektion und bakteriologische Untersuchung 
Entgegenkommen. Den Kurorten droht eine besondere Gefahr durch Bazillenträger und Dauer¬ 
ausscheider nicht, darum entfallen auch besondere Maßregeln. Freilich sollten Ärzte und Laien, 
welche Kenntnis von der bezüglichen Eigenschaft einer Person haben, es für Gewissenspflicht 
erachten, sie von einem Kurorte fernzuhalten. Erfahrungen, wie man sie z. B. mit dem Keuch¬ 
husten machte, lassen diese Hoffnung allerdings trügerisch erscheinen. Weiterer Ausbau der 


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Berichte über Kongresse und Vereine. 


171 


Hygiene im Kurort, gewissenhafte Übung von Eigenhygiene seitens der Besucher werden dazu 
beitragen, daß man die Bazillen und ihre Träger nicht zu fürchten braucht. 

Über Sauerstoffürsorge für Kranke und bei Unglücksfällen sprach dann 
Dr. Jahn-Landeck. Leyden und seine Schüler erkannten den Wert der O-Einatmung, welche 
bei Kohlenoxyd- und Morphiumvergiftung unmittelbar als Heilmittel anzusehen ist, bei anderen 
Erkrankungen symptomatisch wirkt, so bei einigen Lungen- und Herzerkrankungen, Blut¬ 
verlusten, Erstickung usw. Die Aufstellung von O-Apparaten in den Kurorten wird als 
Forderung der Verantwortlichkeit für das Wohl der Gäste bezeichnet. Im Anschluß hieran 
wurde seitens der Drägerwerke (Lübeck) ein „Pulmotor“ im Betriebe vorgeführt. Verwandt 
war der folgende Vortrag: Plötzliche Unfälle und ihre Bekämpfung, von Dr. phil. 
Wagner-Bad Salzbruntt. Das Personal ist entsprechend zu unterrichten; auf der Promenade, 
in der Wandelhalle und den Badehäusern sind die erforderlichen Geräte aufzustellen. Ein vom 
Bedner zusammengestellter zweckmäßiger Verband- und Arzneikasten wird erläutert. 

Weiter schilderte Dr. Lachmann-Landeck die Stellung der Balneologie inner¬ 
halb der Gesamtmedizin. Sie dürfte das älteste, aber auch am meisten umstrittene ärztliche 
Sondergebiet darstellen. Bald erfreute sie sich höchster Verehrung, dann wieder tiefster Ver¬ 
achtung. Dies ist in der außerordentlichen Schwierigkeit balneologischer Forschung begründet, 
zumal die Zusammensetzung der Quellen verwickelt und auch heute noch nicht genügend klar 
ist. Untersuchungen an Ort und Stelle, wie sie heute von der Zentralstelle für Balneologie 
gefördert werden, können allein Wandel schaffen und zur Erklärung der altbekannten Heil¬ 
erfolge führen. 

Ein großes und zeitgemäßes Thema brachten San.-Rat Dr. Landsberg-Bad Landeck 
und San.-Rat Dr. Determeyer-Bad Salzbrunn zur Sprache: Forderungen der modernen 
Diätbehandlung und ihre Durchführung in den schlesischen Kurorten. Der großen 
Bedeutung, welche die moderne Medizin der diätetischen Behandlung zumißt, muß auch in den 
Bädern, zumal den schlesischen, näher getreten werden. Die Mehrzahl der Besucher wird mit 
allgemeinen Grundregeln auskommen, deren wichtigste Einschränkung des Übermaßes an 
Fleischnahrung und milde Zubereitung unter Ausschluß scharfer Gewürze sind. Für einzelne 
Krankheiten müssen freilich besondere Diätformen durchgeführt werden. Schonungsdiät, Gicht¬ 
diät, Diät für Zuckerkranke müssen erreichbar sein. Landsberg hat zweckmäßige Diätblätter 
zusammengestellt, welche näher erläutert werden. Die Durchführbarkeit ist gegeben durch den 
bei den Wirten vorhandenen guten Willen dazu. Soweit die Kurgäste nicht der Sanatoriums¬ 
behandlung bedürfen, wird ihre diätetische Versorgung durch die vorgeschlagenen Maßregeln 
sichergestellt. Weitere Ausführungen gab der Mitberichterstatter im Sinne der Zustimmung zu 
den Darlegungen des Vorredners. Noch besonders wies er auf das notwendige Zusammengehen 
von Arzt, Kranken und Kostgeber hin, die Hand in Hand zu arbeiten hätten. Er empfiehlt 
die Einrichtung von Kochkursen, wie sie z. B. in Salzbrunn schon stattfanden, Belehrung für 
die Kostgeber; beides dürfte dazu helfen, den Zweck einer entsprechenden Ernährung für die 
Kranken zu erreichen. Der Schlesische Bädertag beschloß, die von den Berichterstattern aus¬ 
gearbeiteten Grundsätze zu den seinigen zu machen und in den Bädern zur Geltung zu bringen. 

Weitere Punkte der Tagesordnung betrafen wirtschaftliche Angelegenheiten, so die 
Mittel gegen das Bestechungsunwesen im Baugewerbe, worüber Dr.jur. Pohle-Berlin 
sprach, und weiter die Stellungnahme der Kurorte und Heilanstalten zur neueren 
Ausgestaltung der sozialen Gesetzgebung, worüber Dr. Büttner-Bad Salzbrunn und 
Dr. Weicker-Görbersdorf ausführliche Berichte erstatteten. Die Versammlung kam indessen 
infolge verschiedener Unstimmigkeiten zur Vertagung, um im engeren Kreise weitere Ver¬ 
handlungen zu pflegen. 


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Referate Ober Bücher und Aufsätze. 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


A. Diätetisches (Ernährnngstherapie). 

Wilhelm Croner, Diätetik der Stoff¬ 
wechselkrankheiten. Berlin 1913. Verlag 
von Julias Springer. 

Der Inhalt hält nicht ganz, was Titel und 
Vorwort versprechen. Gerade die praktische 
Diätetik kommt in wichtigen Kapiteln, wie 
z. B. beim Diabetes mellitus, wo die Be¬ 
schränkung der Eiweißkost, die Wichtigkeit 
derGemüsetage nicht in der ihnen znkommenden 
Bedeutung hervorgehoben werden, zu kurz. 
Ebenso steht es beim Diabetes insipidus, wo 
man die praktische Gestaltung der eiweißarmen 
Ernährung vermißt. Bei der Diätetik der Gicht 
ist die purinfreie Ernährung objektiv zu hoch 
bewertet. Bei der Entfettung würde es sehr 
interessiert haben, über die Verwendung der 
einzelnen Methoden, ihre Kombination u. dgl. 
die praktischen Erfahrungen des Verfassers zu 
hören, als ihre schon mehr historische Auf¬ 
zählung zu erblicken. Alles in allem vermißt 
man häufig die versprochene Betonung dessen, 
„was sich dem Verfasser in langjähriger eigener 
Praxis als nützlich erwiesen hat“, und infolge¬ 
dessen bietet auch das Werkchen wenig Per¬ 
sönliches und nichts Neues. 

van Oordt (Rippoldsau). 


Max Kassowitz (Wien), Weitere Beiträge 
zur ßacbitlsfrage. Deutsche medizinische 
Wochenschrift 1913. Nr. 34 und 36. 

In den vorliegenden Aufsätzen hat der 
verdiente Kinderarzt kurz vor seinem Tode 
noch einmal seine Ansichten in der Rachitis¬ 
frage in der gewohnten temperamentvollen 
Weise vertreten. Das Primäre ist ihm bei der 
Rachitis: „Die krankhafte Gefäßbildung und 
Blutfülle der Gewebe, die dadurch bedingte 
Einschmelzung des Knochens und Knorpels 
und ihr Ersatz durch blutreiches Markgewebe.“ 
Die Ernährungstheorien, die ja immer in der 
Kalkentziehung gipfeln, sind nach seiner 
Meinung falsch, an den Kalkstoffwechsel- 
versuchen übt er scharfe Kritik. Auch für die 
Übererregbarkeits-Erscheinungen, denen er mit 


Recht einen engen Zusammenhang mit der 
Rachitis vindiziert, lehnt er alimentäre Ein¬ 
flüsse ziemlich schroff ab und proklamiert da» 
Fiasko der Emährungstherapie beim Stimm¬ 
ritzenkrampf und den damit verbundenen 
Phänomenen. In dieser Hinsicht kann sich 
der Referent und mit ihm sicher die Mehrzahl 
der Kinderärzte nicht einverstanden mit dem 
Verfasser erklären, und die Lebenswichtigkeit 
des Kalks gibt er ja auch unumwunden zu. 
Dagegen wird Kassowitz nach der Meinung 
des Referenten insoweit Recht behalten, als 
für die Entstehung der Rachitis und der 
spasmophilen Erscheinungen sicher nicht immer 
primär-alimentäre Ursachen in Frage kommen. 
Disposition (eventuell Drüsen mit # innerer 
Sekretion) und klimatische Schädigungen spielen 
eine sehr große Rolle. Jap ha (Berlin). 

G. S c h m o rl (Dresden), Uber die Beeinflussung 
des Knochenwachstums durch phosphor» 
arme Ernährung. Archiv für experimentelle 
Pathologie und Pharmakologie Bd. 73. Heft 4. 

Von vier jungen Hunden desselben Wurfes 
wurde einer 5 Wochen alt getötet, die andern 
drei bekamen phosphorarme Fütterung. Nach 
4 Wochen wurde ein weiterer Hund getötet, 
die beiden anderen gingen unter zunehmender 
Gewichtsabnahme in kurzer Zeit an Entkräftung 
zugrunde. Die Skelette wurden makroskopisch 
und mikroskopisch untersucht. Das Längen¬ 
wachstum der langen Röhrenknochen war etwas 
beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben. An den 
Knorpelknochengrenzen der Rippen fanden sieb 
Auftreibungen, die Rippen waren weich und 
biegsam. Mikroskopisch war besonders bei den 
spontan verendeten Tieren eine ausgesprochene 
Steigerung der Osteoporose und mangelhafte 
enchondrale Ossifikation nachweisbar. Bei der 
mangelhaften Apposition von Knochensubstanz 
hat zweifellos eine Schädigung der Osteoblasten 
durch die phosphorarme Ernährung stattge¬ 
funden. Andererseits fand sich die Knorpel¬ 
wucherungszone meist verbreitert und hier ohne 
Verkalkungszone eine bindegewebige Über¬ 
gangsschicht zu einem Netz dünner und kurzer 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


173 


Knochenbälkchen, so daß ein der Barlowschen 
Krankheit ähnliches Bild entstand, nur das die 
zahlreichen punktförmigen Blutungen fehlten. 
Auch das lymphoide Mark war häufig durch das 
bei der Barlowschen Krankheit bekannte 
Gittermark ersetzt. Bis auf die hämorrhagische 
Diathese ist es somit gelungen, ein dem kind¬ 
lichen Skorbut ähnliches mikroskopisches 
Koochenwachstumsbild zu erzeugen, wenn 
Verfasser sich auch nicht für berechtigt hält, 
•die phosphorarme Ernährung als die alleinige 
und ausschlaggebende Ursache der beschriebenen 
Wachstumsstörungen anzusehen. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 


E« Wieland (Basel), Über schwere Ver¬ 
dauungsinsuffizienz jenseits des Säuglings- 
alters« Korrespondenzblatt für Schweizer 
Ärzte 1913. Nr. 40. 

Das von Heubner im Jahre 1909 be¬ 
schriebene und richtig als funktioneller Anlage- 
Defekt des Magendarmkanals charakterisierte 
Krankheitsbild findet jetzt von vielen Seiten 
Anerkennung. Eine ähnliche Erklärung für 
die Krankheitserscheinungen hatte der Ameri¬ 
kaner Herter gegeben, während Schütz 
zwar gleiche Zustände beschrieben hat, doch 
die Erklärung als chronischer Darmkatarrh 
nicht so ganz zutrifft. Verfasser teilt zwei 
solche Fälle mit, betreffend ein 2 l / a - und ein 
5jährige8 Kind von dem Entwicklungszustand 
eines Säuglings, wie das immer der Fall ist. 
In beiden Fällen wurde gemischte Kost nicht 
vertragen, in dem ersten Fall führte vor¬ 
sichtige Darreichung von Eiweißmilch all¬ 
mählich zur Heilung, bei dem anderen (älteren) 
Kind trat unter derselben Ernährung an einem 
heißen Tage plötzlich der Exitus ein. Die 
Beseitigung dieser Zustände stellt überhaupt 
hohe Anforderungen an den Arzt, auch ältere 
Kinder müssen wie Säuglinge behandelt werden. 
Da Fett und Kohlehydrate gewöhnlich schlecht 
vertragen werden, ist eiweißreiche Kost not¬ 
wendig (abgerahmte und verdünnte Milch, 
feingehacktes Fleisch, Quark, eventuell Breie 
von Reis und Mehle in geringen Mengen, dazu 
Eiweißpräparate wie Plasmon, Larosan). Eiwei߬ 
milch ist oft sehr zweckmäßig, in schweren 
Fällen muß man auch bei älteren Kindern zu 
ausschließlicher Frauenmilch-Ernährung über¬ 
gehen. Wegen des aufgetriebenen Leibes sieht 
man die Fälle oft mit Peritonitis tuberculosa 
verwechseln. Japha (Berlin). 


S« Kohn (Berlin-Schöneberg), Der Natrium- 
und Kalziumstoffwechsel beim Diabetes 
mellitus« Deutsche medizinische Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 40. 

In einer früheren Arbeit hat Verfasser sich 
zu beweisen bemüht, daß es sich bei der Gicht 
höchstwahrscheinlich um eine Störung des 
Na- und K-Stoffwechsels in der Richtung handle, 
daß bei dieser Affektion der Na-Gehalt des 
Organismus vermehrt, der K-Gehalt verringert 
sein muß. 

Verfasser hat nun über das Verhältnis der 
beiden Substanzen beim Diabetes Unter¬ 
suchungen angestellt und kommt zu folgenden 
Schlüssen: 

1. Bei dem Diabetes mellitus ist das Na 
vermindert, das K vermehrt. 

2. Die Ursache dieser Störung scheint eine 
mangelhafte Funktion von Drüsen, besonders 
des Pankreas zu sein, das als ein K-Speicher 
anzusehen ist 

3. Die Therapie muß diese Störung des 
Na- und K-Stoffwechsels berücksichtigen, wie 
sie cs rein empirisch schon in einer Bevorzugung 
des Hafermehls getan hat. Eine auf Grund 
dieser Theorie aufgebaute Therapie hat bisher 
ermutigende Resultate ergeben. 

Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 

t. Kern und Wiener (Budapest), Beiträge 
zur Diagnose und Therapie der funktionellen 
Pankreasachylie« Deutsche medizinische 
Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

In einem Falle von Achylia gastrica et 
pancreatica haben die Verfasser zur Sicher¬ 
stellung der Diagnose und zur therapeutischen 
Beeinflussung subkutane Pilokarpin-Injektionen 
mit gutem Erfolge gegeben; daneben Acidol- 
Pepsin-Tabletten. Das Pilokarpin regt die 
Sekretion der Bauchspeicheldrüse an; dem¬ 
entsprechend wurde nach jeder Injektion das 
vorher fehlende Trypsin im Stuhle nachgewiesen. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

E. Frank, Die Theorie der menschlichen 
Zuckerkrankheit. Deutsche medizinische 
Wochenschrift 1913. Nr. 40. 

In den Mittelpunkt der Betrachtung wird 
die Pathologie des Glykogens gerückt Das 
Glykogen darf nicht als ein toter Reservestoff 
betrachtet werden, der in die Zelle eingelagert 
ist, sondern es ist an eine Trägersubstanz 
gebunden und wird in den eigenen Stoffwechsel 
der Leberzelle hineingerissen. Es ist möglich, 
daß das Glykogen mit einem phosphorsäure¬ 
haltigen Komplex verbunden ist. Das Pankreas 


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174 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


liefert nach der Auffassung des Verfassers ein 
Etwas, das imstande wär, das Glykogen in 
Leber und Verbrauchsorganen in den Chemismus 
der lebenden Substanz einzufügen. Fällt dieses 
Zwischenglied fort, dann fällt das nicht mehr 
fixierbare Glykogen den diastatischen Kräften 
der Zelle anheim, die es rasch in Traubenzucker 
überführen. Dieser geht nun auB Leber und 
Muskel ins Blut über und erzeugt so das Bild des 
Diabetes. Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 

E. A. Willebrand (Helsingfors), Om be- 
handling af diabetes med sockerlavemang. 

Finska läkaresällskapets Handlingur 1913. 
Oktober. 

In fünf Fällen von Diabetes wurden ver¬ 
gleichsweise bald Kohlehydrate per os, bald 
Traubenzuckerklistiere per rectum gegeben; 
letztere in der von Lüthje vorgeschlagenen 
Form des Tropfklistieres. Die Patienten er¬ 
hielten 50—100 g Traubenzucker pro Tag in 
öproz. Lösung, d. h. Klistiere von 1000 bis 
2000 kcm. Ein solches von 2000 kcm nahm 
etwa 5—6 Stunden in Anspruch. Es zeigte 
sich, daß der per rectum verabfolgte Zucker 
weit besser ausgenutzt wurde als die äquiva¬ 
lenten per os aufgenommenen Kohlehydrat¬ 
mengen. Die Erklärung hierfür wird teils ge¬ 
sucht in der Langsamkeit der Resorption, vor 
allem aber in der Vermeidung einer Zucker¬ 
mobilisierung in der Leber, da der Zucker vom 
Mastdarm aus unter Umgehung des Pfortader¬ 
kreislaufes direkt in den allgemeinen Kreislauf 
gelangt. Böttcher (Wiesbaden). 

Novak, Porges und Strisower (Wien), 
Uber eine besondere Form der Glykosnrie 
in der Gravidität nnd ihre Beziehungen 
zum echten Diabetes. Zeitschrift für klin. 
Medizin 1913. Bd. 78. Heft 5 und 6. 

Aus den mitgeteilten 15Krankengeschichten 
ergibt sich die Tatsache, daß die Schwanger- 
schaftsglykosurie in der Regel auf einer Über¬ 
empfindlichkeit der Niere gegen den Blutzucker 
beruht, ohne daß sich bei den meisten Fällen 
eine Störung in der Regulierung des Kohle¬ 
hydratstoffwechsels nachweisen ließe. Nur in 
relativ wenigen Fällen kann neben der renalen 
Genese eine dem echten Diabetes analoge 
Störung des Kohlehydratstoffwechsels festge¬ 
stellt werden. Man kann demnach die Gravi- 
ditätsglykosurie keineswegs als Ausdruck einer 
besonderen Schwäche des Kohlehydratstoff¬ 
wechsels in der Schwangerschaft ansehen. 
Weder die spontane noch die alimentär er¬ 
zeugte Zuckerausscheidung in der Gravidität 


können als Beweis für das Vorhandensein einer 
Schwangerschaftsleber mit anatomisch und 
funktionell nachweisbarer Störung herangezogen 
werden. Ob es anderweitige typische Ver¬ 
änderungen der Leber in der Schwangerschaft 
gibt, läßt sich weder bejahen, noch in Abrede 
stellen. Während die Schwangerschaftsglyko- 
surie in der Regel nach Ablauf der Gravidität 
verschwindet und den normalen Geburts- und 
Wochenbettverlauf nicht stört, trat in zwei von 
drei Fällen bei Schwangerschaft und Diabetes 
der Tod ein. Die Anschauungen über die Pro¬ 
gnose und die Therapie des Schwangerschafts« 
diabetes sind verschieden. Jedenfalls muß auf 
eine sachgemäße diätetische Behandlung ein 
besonderer Nachdruck gelegt und der Abortus 
in möglichst frühen Stadien eingeleitet werden. 

Roubitschek (Karlsbad). 

H. Schirokaner, Zar Fanktlonsprüfang 
der Leber. Zeitschrift für klin. Medizin 1913. 
Bd. 78. Heft 5 und 6. 

Die bisherigen Untersuchungsmethoden zur 
Funktionsprüfung der Leber scheinen nicht 
zweckentsprechend zu sein. War schon die 
Ansicht von der Spezifität der Toleranzschädi¬ 
gung für Lävolose durch genauere Blutzucker¬ 
untersuchungen bei Dextrosedarreichung er¬ 
schüttert, so glaubt Autor durch seine Lävu- 
lose-Blutzuckerbestimmungen die Frage ange¬ 
regt zu haben, ob der Lävulose überhaupt für 
die Funktionsprüfung der Leber ein besonderer 
Wert zukomme. Vielleicht eröffnet die vom 
Autor begonnene gleichzeitige Untersuchung 
der Glukose und Lävulosetoleranz durch Blut¬ 
zuckerbestimmungen neue Wege für einen Ein¬ 
blick in diese schwierigen Verhältnisse. Dio 
über die Galaktose vorliegenden Untersuchungen 
scheinen deshalb nicht richtig zu sein, weil die 
Untersuchungen nur im Ham und nicht im 
Blute vorgenommen wurden, und Autor hofft, 
durch eine auf sicherer Basis angestellte Unter¬ 
suchungsreihe zu genaueren Ergebnissen ge¬ 
langen zu können. Roubitschek (Karlsbad). 

H. Epplnger and J. Gutmann (Wien), Zar 
Frage der vom Darm aasgebenden Intoxi¬ 
kationen. (1. Mitteilung.) Zeitschrift für klin. 
Medizin 1913. Bd. 78. Heft 5 und 6. 

Die Autoren sind von der Frage ausge¬ 
gangen, ob vom Darm aus Substanzen gegen 
den Organismus geschickt werden, die nach 
Analogie von Hormonen das vegetative Nerven¬ 
system beeinflussen können. Die experimen¬ 
telle Pathologie hat bereits das Histamin als 
Antagonisten des Adrenalins verwendet. Es ist 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


175 


anzunehmen, daß im Darmkanal nicht bloß die 
eine Base gebildet wird, sondern zahlreiche 
ähnliche Substanzen gebildet werden können. Es 
ist naheliegend, die Bildung resp. Resorption die¬ 
ser Körper mit allgemeinen Intoxikationen bei 
Darmaffektionen in Zusammenhang zu bringen. 
Die Verfasser haben diese Basen unter physio¬ 
logischen und pathologischen Verhältnissen 
nachzuweisen versucht. Falls tatsächlich auch 
unter normalen Bedingungen diese Basen im 
menschlichen Körper eine Rolle spielen, so 
würde der Darmkanal eine ähnliche Bedeutung 
im allgemeinen Kreisläufe besitzen wie eine 
Drüse mit innerer Sekretion. Jedenfalls besteht 
die Tatsache zu Recht, daß Basen im untersten 
Darmabschnitt Vorkommen und durch den Stuhl 
aus dem Körper geschafft werden. 

Roubitschek (Karlsbad). 


E. t. Knaffl-Lenz (Wien), Uber die Bedeu¬ 
tung des Tryptophangebaltes für die Pep¬ 
tonwirkung. Archiv für experimentelle Pa¬ 
thologie und Pharmakologie Bd. 73. Heft 4. 

Die Peptone rufen bei intravenöser Ein¬ 
verleibung eine ausgesprochene Blutdruck¬ 
senkung und eine starke Verzögerung oder 
sogar Aufhebung der Blutgerinnung hervor. 
Verfasser fand nun in Versuchen mit Peptonen 
pflanzlicher Proteine, die er Hunden und Katzen 
einspritzte, daß die Peptonwirkung bei Ver¬ 
wendung von Eiweißspaltprodukten, die den 
Tryptophankomplex nicht enthalten, sowohl in 
bezug auf die Blutdrucksenkung wie die Ge¬ 
rinnungshemmung vollständig ausbleibt (näm¬ 
lich bei Gelatine- und ZeYnpepton). Bei ge¬ 
ringem Tryptophangehalt (Gliadinpepton [1 %]) 
wird sie erst in großen Dosen deutlich und kommt 
erst bei den sehr tryptophanreichen Peptonen 
des Kukurbitins und Laktalbumins (allerdings 
tierisch) der Wirkung des Wittepeptons gleich, 
auch in bezug auf die Peptonimmunität bei 
wiederholter Injektion. Die Peptonwirkung ist 
somit an den Tryptophankomplex innerhalb der 
verschiedenen Peptone gebunden. Zugleich er¬ 
gab sich, daß die Leichtigkeit und Fähigkeit 
der PlasteYnbildung an den Gehalt aromatischer 
Körper gebunden ist, an denen ZeYn besonders 
reich ist. Während das Bild des anaphylak¬ 
tischen Shocks mit dem der Peptonvergiftung 
nahezu identisch ist, und mit Wittepepton leicht 
Anaphylaxie erzeugt werden kann, gelang dies 
mit PlasteYnen weder bei Hunden noch Meer¬ 
schweinchen. Verschiedene Plast eine wurden 
schließlich auf antigene Eigenschaften geprüft, 
und diese besonders bei dem PlasteYn des Ku¬ 


kurbitins gefunden. Vielleicht spricht dies für 
die Bedeutung der aromatischen Gruppen für 
den Immiwisierungsprozeß 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

H. Freund und F. Marchand (Heidelberg)^ 
Uber Blutzucker und Wärmeregulation» 

Archiv für experimentelle Pathologie und 
Pharmakologie Bd. 73. Heft 4. 

Die Verfasser untersuchen an Kaninchen, 
ob Blutzucker und Wärmeregulation in einem 
gewissen Abhängigkeitsverhältnis zueinander 
stehen. Aus ihren Versuchen ergibt sich, daß 
gewöhnlich die Wärmeregulation von Verände¬ 
rungen des Blutzuckers begleitet ist. Bei 
tiefer Außentemperatur ist der Blutzuckergehalt 
höher wie bei hoher Außentemperatur, bei 
Überhitzung zeigte sich kein konstantes Ver¬ 
halten, bei starker Unterkühlung mit Sinken 
der Körpertemperatur unter 30° fand ein er¬ 
hebliches Ansteigen des Blutzuckers statt Im 
toxischen Fieber fanden sich keine Beziehungen, 
beim aseptischen geringe besonders anfängliche 
Steigerung des Blutzuckers. Dabei erfolgt der 
Blutzuckeranstieg bei tiefer Außentemperatur 
nicht durch gesteigerte Kohlehydratverbrennung, 
da er auch bei starker Unterkühlung eintritt,. 
bei der die Stoffwechselvorgänge stark beein¬ 
trächtigt sind. Nach Brustmarkdurchschneidung* 
bei stärkster Inanspruchnahme der chemischen 
Wärmeregulation fehlen die typischen Blut- 
Zuckerveränderungen; bei Tieren, die durch Ein¬ 
griffe am Nervensystem (z. B. Durchschneiden 
der Vagi und des vierten Dorsalsegments) ihr 
Wärmeregulationsvermögen verloren haben, ist 
keine konstante Änderung gegenüber dem 
normalen Verhalten des Blutzuckers nachweisbar. 
Die Verfasser nehmen an, daß hier die Blut¬ 
zuckerveränderungen bei Abkühlung und Über¬ 
hitzung durch direkte Temperatureinwirkung 
auf die Leber zustande kommen Andererseits 
kann nach Versuchen an Eckschen Fistelhunden 
die Wärmeregulation ungestört sein, auch wenn 
der Blutzucker nach Phloridzininjektionen voll¬ 
ständig geschwunden ist Auch aus der 
Phloridzinglykosurie dieser hungernden Hunde 
ergibt sich, daß die Höhe des Blutzuckers in 
keinem direkten Verhältnis zur Zuckermobili¬ 
sierung oder zum Zuckerverbrauch steht. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

K. t. Körösy (Budapest), Uber Zucker¬ 
resorption. Hoppe-Seylers Zeitschrift für 
Physiologische Chemie Bd.86. 1913. Seite 356. 

Das Hauptergebnis der Versuche ist, daß 
bei operativer Beschränkung des Blutkreisläufe* 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


auf Darm, Lungen und Herz der resorbierte 
Zucker nicht als solcher in das Blut gelangt. 
Hierbei darf aber nicht vergessen werden, daß 
der Darm unter normalen Verhältnissen mit 
dem ganzen Organismus in Gegenwirkung steht, 
was durch die gebrauchte Versuchsanordnung 
ganz eliminiert wird. — Es können sowohl das 
Nervensystem, als auch die Produkte der inneren 
Sekretion von Einfluß sein. Von den letzteren 
kann das für den Kohlenhydratstoffwechsel 
sehr bedeutungsvolle Adrenalin nicht in den 
verkürzten Kreislauf gelangen, während die 
Produkte des Pankreas hineingelangen können, 
sogar eventuell in dem engen Kreisläufe eine 
stärkere Wirkung entfalten. Es ist auch möglich, 
daß den Phosphaten bei der Zuckerresorption 
eine bedeutende Rolle zukommt, da ja dieselben 
bei der alkoholischen Gärung mit dem Zucker 
in enge Verbindung treten. Die Versuche be¬ 
weisen jedenfalls, daß die Resorption des 
Zuckers sicher nicht der einfache Prozeß ist, 
für den er bisher gehalten wurde. 

Grosser (Frankfurt a. M.). 


L. Blum (Straßburg), Zur Klinik und The¬ 
rapie des Coma diabeticnm. Berliner klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 46. 

Verfasser wendet sich gegen die von 
Ehrmann erhobenen Prioritätsansprüche in 
bezug auf das Versagen des kardio-vaskulären 
Apparats als Symptom des Coma. Für die 
Kreislaufschwäche kommen verschiedene Mo¬ 
mente, namentlich das einer Vergiftung des 
Vasomotorenzentrums in Frage. Doch ist weder 
Kreislaufschwäche noch große Atmung, noch 
die Hypotonie der Bulbi ein im präkomatösen 
Stadium sicher anzutreffendes Symptom. Sehr 
häufig ist im Beginn und sogar im Verlaufe 
des Comas der Blutdruck noch normal (110 bis 
125 mm Hg). Die Hypotonie der Bulbi ist nach 
Messungen mit dem Tonometer an eigenen 
Fällen eine Folge der Wasser Verarmung des 
Körpers und hängt mit isotonischen Vorgängen 
zusammen. Da sie auch bei einem Falle 
schwerer Gastroenteritis ohne Coma beobachtet 
wurde, kann sie nicht für ein spezifisches 
Symptom des diabetischen Comas angesehen 
werden. Für die Therapie des Coma kommt 
in erster Linie die Neutralisation und Aus¬ 
schwemmung der abnormen Säuremengen, dann 
erst die Bekämpfung der Kreislaufschwäche in 
Frage. Hierzu eignet sich neben Kampfer 
und Koffein besonders die intravenöse In¬ 
fusion mit Adrenalinznsatz. Eine Besserung 
tritt jedoch nur ein, wenn es gelingt, genügende 


Mengen Natr. bicarbonic zuzuführen. Am zweck¬ 
mäßigsten werden 5—10 g alle halbe Stunde 
per ob so lange gegeben, bis der Urin alkalisch 
reagiert. Bei empfindlichen Leuten kann man 
Natr. citric. auch effervescens, oder Natr. bi¬ 
carbonic in Geloduratkapseln anwenden; bei 
Neigung zu Durchfall empfiehlt sich Kombina¬ 
tion mit Kalziumkarbonat. Die schädlichen 
Folgen der intravenösen Zufuhr werden bei An¬ 
wendung 6proz. Natronbikarbonatlösungen ver¬ 
mieden, die durch Kochen in Sesquikarbonat 
verwandelt worden ist. Ist die alkalische Re¬ 
aktion erreicht, so hat die Darreichung aufzu¬ 
hören, Mengen von 30—50 g genügen meist 
nicht, auch im präkomatösen Stadium. . Be¬ 
stehende Verstopfung ist zu bekämpfen. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

I. Boas (Berlin), Über Wandlungen in der 
Lehre von den MagenausspUlungen. Deutsche 
medizinische Wochenschrift 1913. Nr. 44. 

Magenausspülungen werden nicht mehr im 
ganzen Verlauf der Behandlung, sondern nur 
im Beginn derselben angewandt und in der 
Folgezeit mit gleichem Erfolge durch die 
trockene Expression ersetzt. Die Magen¬ 
spülungen dienen jetzt nur noch als Hilfsmittel 
bei der Behandlung der Magenkrankheiten und 
müssen sobald als möglich durch wohlabge¬ 
wogene, im wesentlichen diätetische Ma߬ 
nahmen abgclöst werden. 

v. Rutkowski (Berlin). 

R. Mas sini (Basel), Radiologische Stadien 
über Beziehungen des Nervensystems 
zar motorischen Fonktlon des Magens. 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 44. 

Wenn Eisler und Lenk meinen, daß 
weder chemische Beschaffenheit des Magen¬ 
saftes noch Anomalien im vegetativen Nerven¬ 
system für sich allein, noch eine Kombination 
beider vermögen, beim Tier eine radiologisch 
konstatierte Störung in der motorischen Funktion 
des Magens hervorzurufen und glauben daraus 
Vergleiche zu den Befunden am Menschen 
ziehen zu dürfen, so ist es nach Ansicht des 
Verfassers nicht statthaft, Versuche an der 
Katze auf den kranken Menschen zu über¬ 
tragen. Schon das längere Verweilen des 
Wismutbreies im Magen nach Atropineinver¬ 
leibung ist sehr auffällig. Er neigt deshalb, 
wie auch andere Autoren, der Ansicht zu, daß 
Atropin sowohl wie Pilokarpin beim Menschen 
infolge ihrer Wirkung auf die Magensekretion 
einen Einfluß auch auf die Motilität des Magens 
haben. van Oordt (Rippoldsau). 


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Keferate über Bücher und Aufsätze. 


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G. t. Bergmann (Altona), Über Beziehungen 
des Nervensystems zur motorischen Funktion 
des Magens« Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 44. 

Eisler und Lenk bezeichnen als das 
wichtigste Resultat ihrer Atropinversuche den 
Nachweis der Unabhängigkeit der motorischen 
Funktion des Magens von der Vaguslähmung. 
Gibt man aber nach 1—2 cg Pilokarpin als 
Einzeldosis, dann Atropin in Dosen, welche die 
Pilokarpinwirkung wirklich überkompensieren, 
so sieht man eine Sprengung des Pylorus- 
krampfes. Verfasser ist deshalb der Ansicht, 
daß diejenigen Pylorospasmen und Sanduhr¬ 
formen, die ohne organische Veränderungen am 
Magen Vorkommen (ihr Vorkommen wird von 
allen Chirurgen und auch von pathologischen 
Anatomen bestätigt), der Ausdruck sind ge¬ 
änderter sekretorischer oder motorischer Inner¬ 
vation am Magen. vanOordt (Rippoldsau). 

Ludwig von Szöllösy, Kardfaspasmus und 
Hypnose« Deutsche medizinische Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 46. 

Bei einer Patientin, bei der die Röntgen¬ 
untersuchung das Bild des beinahe totalen 
PassagehindernisseB an der Kardia ergab, wobei 
die Speiseröhre ad maximum erweitert und 
den Wismutbrei bis zum Jugulum angefüllt 
war, wurde durch Hypnose für eine Reihe von 
Wochen Besserung erzielt, nachdem alle anderen 
Mittel auch Atropininjektionen versagt hatten. 
Doch konnte die Operation auf die Dauer da¬ 
durch nicht aufgebalten werden, welche einen 
einfachen Kardiaspasmus ohne Veränderungen 
an der Kardia mit konsekutiver Speiseröhren¬ 
erweiterung ergab. 

Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 

Carl Wegelin (Bern), Über alimentäre Herz- 
muskelverfettung» Berliner klin. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 46. 

Veranlaßt durch den Befund reichlicher 
mikroskopischer Fetttröpfchen sowohl in dem 
Myokard eines gesunden, tödlich verunglückten 
Mannes, bei dem Alkoholismus mit Sicherheit 
auszuschließen war, wie in dem Herzmuskel 
verschiedener gesunder Schlacht- und frei- 
lebender Tiere, studierte Verfasser den Einfluß 
verschiedener Art der Ernährung auf den Fett¬ 
gehalt des Herzmuskels experimentell bei 
weißen Ratten. Nach längerem Hungern fand 
sich der Herzmuskel fettfrei bis auf einzelne 
feine Tröpfchen, die zu den Abnutzungs¬ 
pigmenten zu rechnen und bei Inanitions- 
zuständen regelmäßig anzutreffen sind. Der 

Zeitschr. f. phyuik. u. di*t Therapie Bd. XVIU. Heft 3. 


Einfluß fettreicher Nahrung, die in Form von 
Butter, Milch, Speck und in öl getauchtem Brot 
verabreicht wurde, zeigte sich in allen Fällen 
in einem großen Fettgehalt des Herzmuskels. 
Die höchsten Grade fanden sich bei den mit 
Butter gefütterten Tieren, ebenso bei Olivenöl¬ 
fütterung, bei den übrigen war er etwas ge¬ 
ringer. Alle Fasern waren mit feinen und 
mittelgroßen Fetttröpfchen vollgepfropft, die 
Verteilung war eine diffuse, doch enthielten 
einzelne Fasern größere Tropfen wie die 
übrigen. Die Verfettung des Herzmuskels 
zweier mit Phosphor vergifteter Tiere war sehr 
stark, aber nicht stärker wie die der mit reiner 
Butter gefütterten. Bei Fütterung einer fett¬ 
armen, aus von Fett befreitem Ochsenfleisch 
oder Weißbrot und Hafer bestehenden Nahrung 
kann das Myokard ebenfalls Fett enthalten, 
aber nur in geringem Grade. Das abgelagerte 
Fett ist chemisch ein Neutralfett (eine Glyzerin- 
estersteatose), morphologisch sind die Fett¬ 
tröpfchen sehr fein (meist 0,5—1 je, selten 2 (i 
groß) und sind meist in parallel verlaufenden 
Längsreihen, oft aber auch in parallelen Quer¬ 
reihen angeordnet und liegen im interfibrillären 
Sarkoplasma. Die Tröpfchen entsprechen in 
ihrer Lagerung den Retziueschen I-Granula 
oder Sarkosomen. Die Verteilung ist also die¬ 
selbe, wie bei der Verfettung des menschlichen 
Myokards. (Schluß folgt.) 

E. Mayerle (Karlsruhe). 


Georg Eigner (Berlin), Über die Beein¬ 
flussung der Nierenfunktionen des Menschen 
durch Kalksalze« Deutsches Archiv für 
klin. Medizin 1913. Heft 5 und 6. 

An der Hand der modernen Nierenfunktions¬ 
prüfungen (Jod- und MilchzuckerausBcheidung, 
Ausscheidung bei NaCl, N und Wasserzulage, 
Phenolsulfonphthaleinprobe, Kalkausscheidung) 
wurde in Versuchen von 5—6 Wochen Dauer 
der Einfluß von Calcium lacticum, per os ge¬ 
reicht, auf gesunde und kranke Nieren geprüft 
Abgesehen von einem einzigen Fall, in dem 
eine Steigerung der Nierenfunktion nachweis¬ 
bar war, fanden sich stets deutliche Herab¬ 
setzungen, so daß nach Ansicht des Autors ein 
Mittel, welches funktionshemmend auf die 
Niere wirkt, nicht ohne weiteres als Heilmittel 
empfohlen werden kann. Konstant fand sich 
Verminderung der Kalkausscheidung der Niere 
nach Kalkzufuhr, während in der Kalkperiode 
selbst meist erhöhte Kalkwerte im Urin ge¬ 
funden wurden. Welche Teile des Nieren¬ 
sekretionsapparates von der Kalkwirkung be- 

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178 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


troffen sind, geht aus den Untersuchungen des 
Autors nicht mit Sicherheit hervor. 

Anhangsweise wird dann noch über einen 
Fall berichtet, in dem die Wirkung von Atophan 
auf die Nierenfunktionen geprüft wurden. Es 
ergab sich dabei, im Gegensatz zu den Be¬ 
obachtungen bei Kalkdarreichung, Verbesserung 
einiger Funktionen (Harnstoff- und NaCl-Aus- 
scheidung bei Zulage). Da der Fall durch 
akute Gichtanfälle kompliziert war, ist die Be¬ 
obachtung nicht ganz eindeutig. Es wäre 
interessant, festzustellen, ob auch einfache 
Nephritiden, ohne Gicht, durch Atophan eben¬ 
falls im Sinne einer Funktionsverbesserung be¬ 
einflußt werden. R o e m h e 1 d (Hornegg a. N.). 

B* Hydro-, Balneo- und Klimato- 
therapie. 

Dalmady (Budapest), Bemerkungen zur 
Kenntnis der hydrotherapeutischen Haut¬ 
reaktion« Pester raedizin.- Chirurg. Presse 
1913. Nr. 40 und 41. 

Seit Matthes’ Kritik der Winternitz- 
schen Theorie ist das Wesen der hydriatischen 
Hautreaktion bekanntlich vielfach untersucht 
worden. Verfasser schließt sich infolge seiner 
Untersuchungen der Ansicht an, daß es sich 
dabei um eine Lähmung der Kapillaren handelt. 
Das betr. Experiment ist im wesentlichen fol¬ 
gendes: Auf der Haut, die durch Adrenalin- 
Jontophorese — elfenbeinweiß gemacht wurde, 
entsteht infolge Kältewirkung eine Rötung; die 
vorsichtige Erwärmung der von der Kälte ge¬ 
röteten Fläche führt wiederum zum Erblassen. 
Die Schlußfolgerung einer Lähmung der Ka¬ 
pillaren durch die Kälte ist m. E. nicht zwin¬ 
gend. Entstand die Rötung sofort bei der Ein¬ 
wirkung der Kälte, dann handelt es sich aller¬ 
dings um eine Lähmung, aber nicht durchaus 
infolge der Kälte, sondern man kann auch an- 
nehroen, daß die Kapillaren der Summation des 
Adrenalin- und des Kältereizes nicht gewachsen 
waren und mit Ermüdungslähmung reagier¬ 
ten. Entstand die Rötung später, dann handelt 
es sich um die gewöhnliche hydriatische Re¬ 
aktion, die ebensogut die Folge eines Reizes 
sein kann, der die Adrenalinwirkung überwunden 
hat, als diejenige einer Lähmung; nachdem die 
Kältewirkung durch die Erwärmung beseitigt 
war, kam die Adrenalinwirkung wieder zum 
Vorschein. Außerdem ist dabei nicht bloß die 
absolute Größe der Erwärmung, sondern auch 
die Differenz gegenüber der Temperatur bei 
der Kältewirkung zu beachten. 


Verfasser untersuchte auch die Geschwin¬ 
digkeit der Kapillarblutströmung während der 
Phase der Reaktion, und zwar mittels einer 
von James Barr empfohlenen Methode (Brit. 
med. Journal 1906, Bd. II). Es wird dabei 
geprüft, wie rasch ein im Durchmesser ca. 1 cm 
großer, auf der Haut durch Fingerdruck oder 
auf andere Weise hervorgerufener weißer Fleck 
verschwindet. Mit dieser Methode fand der 
Verfasser, daß die Blutgeschwindigkeit während 
der reaktiven Phase in dem betreffenden Gebiet 
beschleunigt ist; nur, wenn die Reaktion noch 
während der Kälteeinwirkung auftritt, ist sie 
verlangsamt Die Ursache der Differenz sucht 
er in dem Verhalten der zuführenden Arterien,, 
die bei dem Bestehen der Kälteeinwirkung 
stets kontrahiert bleiben, während sie nach 
Aufhören der Kältewirkung ihren ursprünglichen 
Durchmesser wieder erlangen. 

Bei Wiederholung der Kälteeinwirkungen 
fand Verfasser ein beschleunigtes Auftreten der 
reaktiven Hautrötung. Er schreibt diese Er¬ 
scheinung der Ermüdung, der verminderten 
Widerstandsfähigkeit der Kapillaren zu, nicht 
aber einer etwaigen Steigerung der Aktions¬ 
fähigkeit der Gefäße. In diesen Fällen ist auch, 
eine Verschiebung der Reflex-Reizschwelle vor¬ 
handen, insofern als die Reflexe bei Kälteein¬ 
wirkung weniger stark auftreten, besonders die- 
auch durch den Willen beeinflußbaren Reflexe,, 
wie Atmungsstörungen und Zittern. Dement¬ 
sprechend schließt sich der Verfasser denjenigen 
Autoren an, welche das Wesen der Abhärtung 
und der Abhärtungskuren nicht in der Übung 
der Hautgefäße, sondern in der Gewöhnung an 
Kältereize sehen. „Wenn es eine Abhärtung 
und Abhärtungskuren gibt“, sagt er, ,,so kann 
deren Wesen nur die Gewöhnung der Haut an 
Kälte und die Steigerung der Wärmeproduk¬ 
tionsfähigkeit bilden.“ 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 


Josef H. Pratt, Die Vernachlässigung der 
Hydrotherapie ln Amerika« Wiener klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 48. 

In einem Vortrage, gehalten vor einer Ver¬ 
sammlung des medizinischen Lehrkörpers des 
Clifton Springs Sanatoriums in New York, be¬ 
klagt sich Dr. Pratt über die mangelnde Aus¬ 
bildung der amerikanischen Ärzte in den phy¬ 
sikalischen Heilmethoden. Wilh. Winternitz 
hat diesen Vortrag ins Deutsche übersetzt und 
mit einer Einleitung versehen. In derselben 
betont er, daß Pratts Klagen auch für nicht¬ 
amerikanische Verhältnisse zutreffen. Mit Pratt 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


179 


verlangt er die obligatorische Einbeziehung der 
physikalischen Heilmethoden in den Lehrplan 
der medizinischen Fakultäten. Ide (Amrum). 


H. Philipp! (Davos), Die Therapie der 
Lungentuberkulose im Hochgebirge. Korre¬ 
spondenzblatt für Sch weizer Ärzte 1918. Nr. 38. 

Ganz abgesehen von dem Stadium der Er¬ 
krankung richtet sich die Behandlung wesent¬ 
lich nach dem Umstande, ob Fieber vorliegt 
oder nicht. In fieberhaften Fällen ist absolute 
Bettruhe bei weitgeöffneten Fenstern notwendig. 
Temperaturherabsetzend wirken auch Ab¬ 
reibungen mit Franzbranntwein 1—2mal täglich 
und Brustumschläge. Bei akut höheren Fiebern 
über 38° gibt Philippi Aspirin in Dosen von 
0,5—1,0 3— 4 mal pro die, bei Fieber von mehr 
chronischem Charakter Pyramidon in Lösung von 
2—4X0,15 oder die Ten Kate Hodemaker- 
sehen Pillen (Natrium salicylic. oder Aspirin 0,1, 
Acidums arsenicosum 0,0001 3mal 1 bis höchstens 
3mal 10 Pillen nach den Mahlzeiten; die Pillen¬ 
zahl wird nur so lange gesteigert, bis die 
Temperatur normal wird. Tritt auf diese Weise 
in 2—3Wochen keine Entfieberung ein, gebraucht 
Philippi mit sehr gutem Erfolge Tuberkulin 
in kleinsten Dosen von Va Zehnmillionstel 
Milligramm an aufwärts. Voraussetzung für die 
Tuberkulinbehandlung bei fiebernden Lungen¬ 
kranken ist ordentliches Allgemeinbefinden mit 
verhältnismäßig guter Herzaktion (Puls in der 
Ruhe unter 120). Leichte Darm- und Kehlkopf¬ 
tuberkulose, kompensierte Herzfehler, leichter 
Diabetes, residivierende Hämoptoe bilden keine 
Kontraindikation der Tuberkulinbehandlung. 
Philippi empfiehlt noch besonders die gleich¬ 
zeitige Anwendung von Antipyreticis und Tuber¬ 
kulin. Von den Tuberkulinpräparaten benutzt 
er ausschließlich die Bazillenemulsion. Die 
wichtigste Grundlage für die Dosensteigerung 
bildet die Beobachtung allfälliger Herdreaktionen 
24 Stunden nach der Injektion. In schwer 
fieberhaften Fällen, in denen die Entfieberung 
nicht bei 38 0 mit Antipyreticis gelingt, verzichtet 
Philippi auf die Tuberkulinbehandlung; hier 
erzielt die Kampferkur nach Alexander oft 
noch überraschende Besserungen. Fieberhafte 
Lungentuberkulöse dürfen das Bett erst ver¬ 
lassen, wenn die Temperatur 3—5 Tage nicht 
über 37,2 0 gegangen ist. Bei der Behandlung 
der fieberlosen Lungentuberkulose ist die An¬ 
wendung des Tuberkulins an erster Stelle zu 
setzen. Beginn mit Va Millionstel Milligramm 
(meist nur langsames Ansteigen der Dosen 
unter Vermeidung von Herdreaktionen, all- 


| mähliches Heruntergehen der Dosierung). Gegen 
die Serumtherapie, die Anwendung von Dioradin 
und Mesbö verhält sich Philippi ablehnend: 
Bezüglich der hygienisch-diätetischen Behand¬ 
lung der fieberlosen Lungenkranken legt 
Philippi großen Wert auf die Liegekur, lange 
dauernde Spaziergänge sind zu vermeiden. Die 
Tuberkulinpatienten dürfen im Maximum nur 
2 mal D/a Stunden gehen. Bei der Ernährung 
schränkt er die Fleischkost zugunsten größerer 
Zufuhr von Gemüsen und Mehlspeisen ein. In 
einzelnen fieberlosen, torpiden Fällen von 
Lungentuberkulose des ersten und zweiten 
Stadiums hat Philippi gute Erfolge von der 
Heliotherapie gesehen. Bei stärkeren Lungen¬ 
blutungen gibt Philippi, wenn der Puls kleiner 
wird, Adrenalin subkutan (7a—1 mg). Von 
Narkoticis macht er einen sehr sparsamen Ge¬ 
brauch. Bei kleinen anhaltenden Blutungen 
erwies sich Atropin 3 mal x j A — x U m S» ev * 
Verbindung mit Orgotin und Chinin, als wirk¬ 
sam. Häufig verwendet er Gelatine innerlich. 
Bei chronischer Begleitbronchitis leistete der 
Inhalationsapparat (Pulmosanator) mit dem 
Inhalationsmittel Pulmopurgin gute Dienste. 
Bei der sehr häufigen Komplikation der Tuber¬ 
kulose mit der Lues gibt Philippi in fieber¬ 
haften Fällen Jod, nach Verschwinden desselben 
oder bei von vornherein fieberlosen Fällen Sal- 
varsan in kleinen Dosen 0,1—0,2. 

Leopold (Berlin). 

F. Egger (Basel), Hochgebirgslndlkationen 
für Lungentuberkulose. Korrespondenzblatt 
für Schweizer Ärzte 1913. Nr. 39. 

Indiziert ist der Aufenthalt im Hochgebirge 
zur Prophylaxe der Lungentuberkulose bei Per¬ 
sonen mit hereditärer Belastung, schwächlicher 
Konstitution, phthisischem Habitus, bei lar- 
vierter, unter dem Bilde der Anämie erscheinen¬ 
der Tuberkulose. Die ausgesprochenen Fälle 
von Lungentuberkulose eignen sich zu einer 
Kur im Hochgebirge, wenn die Pulsfrequenz 
in der Ruhe 100 Schläge nicht übersteigt. 
Fiebernde des 1. und 2. Stadiums, besonders 
mit geringen Temperatursteigerungen, sind 
durchaus geeignet. Guten Erfolg können auch 
die Fälle des 3. Stadiums erwarten, bei denen 
weniger als drei Lappen von der Erkrankung 
ergriffen sind, noch nicht lange bestehendes 
geringes Fieber und gute Zirkulationsverhält¬ 
nisse vorhanden sind, sowie schwere Kompli¬ 
kationen fehlen. Kontraindiziert ist der Aufent¬ 
halt im Hochgebirge bei den Fällen von Lungen¬ 
tuberkulose, in denen ausgesprochene Neigung 
zum Fortschreiten des Leidens besteht, oder 

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180 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


solche mit Kavernenbildung, hektischem Fieber 
und starker Abmagerung. Bei Komplikation 
der Tuberkulose mit hochgradigem Emphysem, 
stärkerer Beteiligung des Larynx, chronischer 
Nephritis, Amyloid und Tuberkulose der Nieren, 
unkompensierten Herzfehlern, Myodegeneratio 
cordis, Arterioklerose, Darm - Peritonealtuber¬ 
kulose, psychischen Abnormitäten ist eine Höhen¬ 
kur nicht angebracht. Sehr günstige Erfolge 
sah Egger bei tuberkulösen Mittelohrerkran¬ 
kungen. Im Anschluß an die allgemeinen Er¬ 
örterungen über die Hochgebirgsindikationen 
für Lungentuberkulose bespricht Egger noch 
kurz die besonderen Indikationen der Volks- 
heilstätten: Fälle des 1. Stadiums mit aktiver 
Tuberkulose sollen unbedenklich in die Heil¬ 
stätten geschickt werden; von diesen sowie 
den Fällen des 2. Stadiums bilden hierbei nur die 
eine Ausnahme, bei denen infolge einer schweren 
oder mehrerer leichter Komplikationen eine 
Heilung bei dem zeitlich beschränkten Aufenthalt 
von der Kur nicht erwartet werden darf; aus¬ 
geschlossen sind auch diejenigen, bei denen der 
Puls nach Frequenz und Qualität einen günstigen 
Erfolg nicht erhoffen läßt. Bei dem Verschicken 
von Patienten des 3. Stadiums ist die Aus¬ 
dehnung des Prozesses, das Vorhandensein von 
Komplikationen und der Zustand des Herzens 
maßgebend. Leopold (Berlin). 

C. Gymnastik, Massage, Orthopädie 
and Apparatbehandlnng. 

W. Arnold!, Eine Leibbinde für magere 
Enteroptotlker. Berliner klin. Wochenschrift 
1913. Nr. 43. 

Magere Personen mit Enteroptose, die meist 
den Typus der Asthenia universalis congenita 
Stiller darbieten, sind sehr häufig einer ganzen 
Reihe von Magen-Darmbeschwerden ausgesetzt, 
die ihren Grund in einer ungenügenden Gas¬ 
resorption und dadurch vermehrten Gasauf¬ 
treibung und Flatulenz haben. Die Beschwerden 
entstehen nicht nur durch die Senkung, sondern 
auch durch die vermehrte Beweglichkeit der 
Organe. Die guten Erfolge, die Verfasser durch 
Bettruhe in Beckenhochlagerung, Wärme¬ 
applikation und Massage erreichte, gelang es 
ihm nun durch Anwendung einer Leibbinde zu 
dauernden zu machen, die im wesentlichen aus 
einer großen Pelotte besteht, die dicht über 
der Symphyse durch eine Wickelbinde gut 
fixiert wird. Der Vorteil der Binde besteht in 
einer guten Fixation der unteren Bauchorgane, 
wodurch ein stärkeres Herabtreten der oberen, 


besonders auch des Magens verhindert wird, 
ferner schränkt sie auch die abnorme Beweg¬ 
lichkeit der Bauchorgane ein, da die Binden : 
touren bis zum Rippenbogen reichen. Ist die 
normale Funktion des Magendarmkanals er¬ 
reicht, können die übrigen diätetischen und 
therapeutischen Maßnahmen mit größerer Aus¬ 
sicht auf Erfolg angewendet werden. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 

A. Keil (Prag), Die Bewegung des Brust¬ 
korbes bei der Atmung. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 44. 

Richter kam durch gleichzeitige Auf¬ 
nahmen der bei der Atmung vor sich gehenden 
Bewegungen beider Brusthälften zu dem Er¬ 
gebnis, daß bei gewissen Erkrankungen der 
Lunge und Pleuren (Phthisis, Pleuritis acuta 
tuberculosa, Chylothorax, Empyem) die Inter¬ 
kostalräume der kranken Seite die entgegen¬ 
gesetzten Bewegungen ausführen als die der 
gesunden Seite. Zur Aufschreibung der Atem¬ 
bewegungen jeder Seite benützte Verfasser nun 
KnolIsche Atmungsflaschen, die an jene Stelle 
gebracht wurden, deren Bewegung verzeichnet 
werden sollte. Seine bisherigen Untersuchungen 
scheinen jedenfalls den Angaben Richters 
nicht zu entsprechen, sie bringen vielmehr eine 
Bestätigung der in dieser Richtung gemachten 
Angaben der älteren Autoren und lassen sich 
dahin zusammenfassen: 1. Beide Brusthälften 
bewegen sich unter normalen Verhältnissen 
gleichsinnig. 2. Ist eine Lunge oder das Rippen¬ 
fell einer Lunge stärker erkrankt, dann werden 
die Bewegungen des Brustkorbes dieser Seite 
(besonders über der kranken Stelle) entweder 
ganz eingestellt oder vermindert, bzw. die er¬ 
krankte Seite hinkt nach; aber die Bewegungen 
sind nicht ungleichsinnig. 

van Oordt (Rippoldsau). 

Lonhard (StraßburgI. Eis.),Zur Behandlung 
der Herzschwäche bei Pneumonie mit 
Aderlaß und Kochsalzsuprareninlösung. 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 
Nr. 40. 

Bei einem an Wanderpneumonie moribunden 
Patienten mit 140 Puls, 58 Atmung und Tracheal- 
rasseln wurde am siebenten Tag im Anschluß 
an einen Aderlaß von 300 ccm subkutan 
500 ccm Kochsalzlösung plus 0,5 Suprarenin 
(1:1000) injiziert Die Medikation wurde am 
nächsten Tage zweimal wiederholt: Lytische 
Entfieberung, Genesung. 

Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


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R. Ottenberg und J.Kallski, Die Gefahren 
der Transfusionen und deren Verhütung. 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 
Nr. 46. 

Auf Grund von 125 Fällen verlangen die 
Verfasser, daß vor der Transfusion Unter¬ 
suchungen der Blutmischung der beiden in 
Betracht kommenden Personen in vitro auf 
Hämolyse oder Agglutination ausgeführt werden. 
In allen Fällen von Hämolyse in vitro kommt 
wahrscheinlich auch intravaskuläre Hämolyse 
vor. Wenn diese eine gewisse Grenze über¬ 
schreitet, ist das Resultat Hämoglobinurie. 
Agglutination braucht nicht als absolute 
Kontraindikation zur Transfusion angesehen 
werden, obwohl Phagozytose der roten Blut¬ 
zellen durch Leukozyten in dem zirkulierenden 
Blut des Patienten als Folge der Interaggluti¬ 
nation des Blutes beider zu betrachten ist. 
Febrile Reaktionen oder Urtikaria und andere 
Formen von Hautausschlag kommen nach un¬ 
gefähr 10% von Transfusionen ohne Rücksicht 
auf Hämolyse oder Agglutination vor und sind 
keine Folge der Transfusion des Fibrinfermentes 
oder des Zerfalls der Blutblättchen. Auch sind 
diese Reaktionen niemals ernst 

Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 


H. Roger, Les Solutions hypertoniques de 
cblorure de sodium en injection intra- 
▼eineuse; leur action sur la sdcrdtlonränale. 

Archives de mödecine experimentale 1913. 
Nr. 6. 

Es ist möglich, beim Kaninchen durch 
intravenöse Einverleibung hypertonischer Koch¬ 
salzlösungen je nach Konzentration und Menge 
ganz fundamental verschiedene Beeinflussungen 
der Nierenfunktion zu erzielen. Je nach der 
Konzentration, der Schnelligkeit der Infusion, 
der individuellen Nierenleistung kann dieselbe 
Salzmenge unschädlich oder sofort tödlich sein. 
Bei einer Salzgabe von mehr als 5—6 g findet 
Chlorretention statt, die dann, wenn sie 0,781 g 
pro kg Tier überschreitet, zum Tode führt, 
unter 0,525 g pro kg immer günstig verläuft. 
Mäßig hypertonische Lösungen führen zu 
mäßiger Wasserdiurese, aber zu ziemlich 
beträchtlicher einer hypertonischen Lösung 
entsprechenden Salzdiurese, während umgekehrt 
die Injektion einer isotonischen Lösung eine 
Deshydratation des Körpers bis zu 5,4% des 
Körpergewichtes hervorruft 

van Oordt (Rippoldsau). 


0. Amrein und F. Licbtenbabn (Arosa), 
Kllnisehe Erfahrungen mit Pneumothörax- 
behandlung bei Lungentuberkulose. Korre¬ 
spondenzblatt für Schweizer Ärzte 1913. Nr. 42. 

Die Verfasser berichten unter Mitteilung 
ausführlicher Krankengeschichten über die Re¬ 
sultate der von ihnen mittels Pneumothorax be¬ 
handelten 20 Fälle von Lungentuberkulose; sie 
kommen zu folgenden Ergebnissen: bei nicht 
allzuweit vorgeschrittenen Fällen, in denen totale 
Kompression der Lunge gelang, ist in der Regel 
eine sofortige Entfieberung, baldiges erhebliches 
Zurückgehen des Auswurfs und Besserung 
des Allgemeinbefindens eingetreten. Bei nega¬ 
tivem oder nur teilweisem Erfolg des Verfahrens 
lag die Schuld an der Unmöglichkeit der Her¬ 
stellung eines kompletten Pneumothorax. Die 
Emboliegefahr kann bei gehöriger Vorsicht mit 
fast völliger Sicherheit vermieden werden. Für 
die Anlegung des Pneumothorax bedienen sich 
die Verfasser im Gegensatz zu der früher von 
ihnen angewandten Schnittmethode der Stich¬ 
methode; sie empfehlen für die ersten 200 ccm 
Gas Sauerstoff zu nehmen, da derselbe bei ein¬ 
tretender Gehirnembolie weniger bedenklich 
wirkt als Stickstoff, und dann erst Stickstoff 
einzufüllen; die Mengen des bei der Erstpunktion 
einzuführenden Gases richtet sich hauptsächlich 
nach dem subjektiven Befinden des Kranken. 
Für unerläßlich halten die Autoren die vor und 
nach den Punktionen vorzunehmenden Durch¬ 
leuchtungen mit Röntgenstrahlen, da sich nur 
auf diese Weise die genauen Grenzen des 
Pneumothorax mit Sicherheit bestimmen lassen. 
Über die Dauer der Behandlung muß in jedem 
Falle besonders entschieden werden; doch em¬ 
pfiehlt es sich, einen bei größeren Kavernen an¬ 
gelegten Pneumothorax nicht weniger als zwei 
Jahre zu unterhalten. Eine fatale Komplikation be-. 
deutet es, wenn die häufig auftretenden Exsudate 
im Pneumothoraxraum vereitern; peinliche 
Aseptik ist deshalb zu ihrer eventuellen Ver¬ 
hütung erforderlich. Bei der Indikationsstellung 
zur Anlegung des Pneumothorax ist das Ver¬ 
halten der andern Lunge bezüglich einer etwaigen 
Erkrankung zu berücksichtigen. 

Leopold (Berlin). 


II. Pater, Chirurgische Eingriffe und künst¬ 
licher Pneumothorax für die Behandlung 
der Lungentuberkulose. Bulletin Gön6ral 
de Th^rapeutique 1913. 15. September. 

Von den bei ulzeröser Lungentuberkulose 
auBgeführten rein chirurgischen Eingriffen 
haben die Pneumektomie und die Pneu- 

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182 


Referate Über Bücher und Aufsätze. 


motomie sehr wenig befriedigende Resultate 
ergeben, auch die Ausführung der Freund- 
ßchen Operation wird von der Mehrzahl der 
Autoren für die Therapie der Lungentuber¬ 
kulose verworfen. Von anderen operativen Ein¬ 
griffen bei ulzeröser Phthise ist die extrapleurale 
Thorakoplastik zu erwähnen; sie kommt für die 
Fälle in Betracht, in denen sich wegen aus¬ 
gedehnter Pleuraverwachsungen ein künstlicher 
Pneumothorax nicht anlegen läßt. Pater be¬ 
schreibt die Technik der Anlegung der Pneu¬ 
mothorax und bespricht kurz unter Berücksich¬ 
tigung der von zahlreichen Autoren veröffent¬ 
lichten Beobachtungen die Indikationen und 
Kontraindikationen desselben, sowie die mit 
dieser Methode gewonnenen Resultate. 

Leopold (Berlin). 

D. Elektro-, Licht- u. Röntgentherapie. 

Fritz Eisler und Robert Lenk (Wien), 
Radiologische Studien über Beziehungen 
desNerreusystems zurmotorischen Funktion 
des Magens. Münchener med. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 37. 

Vagusreizung (durch Injektion von Pilo¬ 
karpin bei Katzen) bedingt keine sich radiologisch 
dokumentierende Mobilitätsstörung des Magens. 
Ebenso zeigt Vaguslähmung durch Atropin 
keine Abhängigkeit der motorischen Magen¬ 
funktion. Sympathikusreizung (durch Adrenalin) 
bewirkt weder Form- noch Funktionsver¬ 
änderungen am Magen. Die Verfasser kommen 
auf Grund der Tierexperimente, die sie unter 
Reserve den menschlichen Verhältnissen an¬ 
passen, zu dem Resultate: Weder chemische 
Beschaffenheit des Magensaftes, noch Anomalien 
im vegetativen Nervensystem für sich allein, 
noch eine Kombination beider vermögen eine 
radiologisch konstatiorbare Störung in der 
motorischen Funktion des Magens hervorzurufen. 

J. Ruhcmann (Berlin-Wilmersdorf). 

Sellheim (Tübingen), Neue Wege zur Stei¬ 
gerung der zerstörenden Wirkung der 
Röntgenstrahlen auf tiefliegende Ge¬ 
schwülste. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 41. 

Möglichst harte Primärstrahlung, Erzeugung 
einer Sekundärstrahlung am oder im Tumor 
durch Einverleibung von Metallen in irgend- | 
einer Form, möglichst intensive Kühlung der 
Antikathode (Amrheinsche Röhre), maximale j 
Annäherung der Antikathode an das Geschwulst¬ 
gewebe — das sind die Forderungen, die der 


Verfasser stellt. Die maximale Annäherung der 
Strahlungsquelle ist allerdings nach Ansicht 
des Referenten nur dann statthaft — ob zweck¬ 
mäßig, ist noch eine andere Frage —, wenn 
man am oder im Tumor selbst arbeitet Wenn 
sich aber Haut oder Schleimhaut zwischen 
Tumor und Strahlungsquelle befindet, ist die 
maximale Annäherung direkt ein Fehler, weil 
dadurch das Verhältnis zwischen Oberflächen- 
und Tiefendosis so ungünstig wie möglich wird. 

Der Verfasser schildert ferner eine Röhre, 
die er gemeinsam mit Edgar Meyer zum 
Zwecke der möglichst großen Annäherung der 
Antikathode an den Tumor konstruiert hat 
H. E. Schmidt (Berlin). 

Dessauer, Fortschritte in der Erzeugung 
harter Röntgeustrahlen. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Kurze Schilderung der Sellheim-Meyer- 
schen Röhre für Nahbestrahlungen (Abbildung) 
und der vorzüglichen Leistungen, welche die 
neue Amrheinsche Röhre am Reformapparat 
gibt. II. E. Schmidt (Berlin). 

Haendly (Berlin), Die Verwendung der 
strahlenden Energie In der Gynäkologie. 

Therapeut. Monatshefte 1913. Heft 11. 

Kurze Schilderung der Technik und der 
Erfolge der Röntgen- und Mesothoriumbehand- 
lung bei Myomen, klimakterischen Blutungen 
und den Karzinomen der Vulva, Urethra, Vagina, 
Cervix und des Rektums. Bei den Karzinomen 
wurde meist die Röntgenbehandlung mit der 
Mesothoriumbehandlung kombiniert Von den 
großen Mesothoriumdosen ist man wieder zu 
kleineren zurückgekehrt wegen der beobachteten 
Spätschädigungen (Schleimhautnekrosen und 
Strikturen des Rektums, Fistelbildungen nach 
Blase und Rektum). 

H. E. Schmidt (Berlin). 

Fritz Kraus (Prag), Erfahrung über Radium¬ 
therapie bei inneren Krankheiten. Deutsche 
medizinische Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Vor allen anderen Krankheitsformen reagiert 
am besten die Ischias auf die Radiumtherapie. 
Ihr zunächst stehen die subakuten und 
chronischen Gelenkrheumatismen, die Gicht, 
einzelne Zustandsbilder der Arteriosklerose, 
Claudicatio intermittens, Angina pectoris; auch 
einige Erfolgeerscheinungen Gehirnhämorrhagie 
zeigen auffallende Besserung. In Anwendung 
wurden gezogen sechs Arten der Emanations¬ 
therapie: 1. die Inhalation, 2. Emanationsbäder, 
3. Emanationstrinkkuren, 4. Injektionen lös- 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


183 


lieber Radiumsalze, 5. Auflegepräparate und 
Kompressen, in den meisten Fällen wurden 
diese Methoden zwecks intensiverer Wirksamkeit 
kombiniert. 6. Bei geeigneten Fällen (akute 
ilicht) wurde die Emanationsbehandlung mit 
Thermopenetration in sehr wirksamer Weise 
kombiniert. Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 


Fritz Dautwitz (St« Joachimsthal), Radl- 
umbehandlang in der Chirurgie und Der¬ 
matologie. Wiener klin. Wochenschrift 1913. 
Nr. 41. 

Dautwitz faßt seine bei der Behandlung 
meist desolater Fälle gesammelten Erfahrungen 
folgendermaßen zusammen: 

a) Selbst in desolaten Fällen sind durch 
Radiumbestrahlung trotz Versagens anderer 
therapeutischer Maßnahmen noch Erfolge zu 
erzielen, die das Leiden der Kranken doch 
wenigstens zeitweise erträglicher machen. 

b) Die der Behandlung selbst großer in¬ 
operabler bösartiger Geschwülste mit ultrapene¬ 
trierenden Strahlen folgende Latenzzeit muß 
mit wenigen Ausnahmen als eine sehr kurze 
angenommen werden. Daraus folgt, daß die 
Radiumwirkung ihren ersten Einfluß der spe¬ 
zifischen Geschwulstzelle gegenüber geltend 
macht 

c) Es ist deshalb von der Radiumbehand- 
lung inoperabler, bösartiger Tumoren ein um 
oo besserer Erfolg zu erhoffen, je früher die 
Bestrahlungen nach Erkennen des Inoperabel¬ 
eeins der Geschwulst einsetzen. 

d) Da entsprechend der kurzen Latenzzeit 
sehr bald die Schädigung der Geschwulstzelle 
nach Radiumbestrahlung eintritt, so ist es zur 
Vermeidung eines Rezidivs und daraus ent¬ 
stehender Metastasenbildung angezeigt, der 
Operation einer bösartigen Neubildung Radium¬ 
bestrahlungen folgen zu lassen. 

e) Die bei inoperablen malignen Tumoren 
zum Erreichen eines Erfolges nötige, manch¬ 
mal sehr hohe Strahlenmenge bringt zuweilen 
vorübergehende, unangenehme Nebenerschei¬ 
nungen mit sich, die in Berücksichtigung des 
Orundleidens doch eine untergeordnete Rolle 
spielen dürften, auf deren eventuelles Eintreten 
aber der Kranke am Beginne der Behandlung 
aufmerksam zu machen ist. 

f) Nur unter Ermangelung der Zustimmung 
des Patienten zum chirurgischen Eingriff ist 
bisher die Radiumbehandlung eines operablen 
malignen Neoplasmas angezeigt. 

E. Sach8 (Königsberg). 


Wertheim (Wien), Radiambehandlang des 
Gebärmutterkrebses. Wiener klin. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 41. 

We rt h e i m berichtet über seine Erfahrungen 
an 19 mit Radium und 3 mit Mesothorium 
behandelten Patienten. Von den 19 waren 
9 als operabel zu bezeichnen, 9 mal handelte 
es sich um unzweifelhafte Inoperabilität. Bei 
2 der operablen Fälle konnte infolge schwerer 
Verschorfungen später die Operation nicht aus- 
geführt werden. Einmal entwickelte sich trotz 
starker Filterung eine Rektovaginalfistel, in dem 
anderen Fall entstand eine Rektalstriktur. 

Eine Beeinflussung des Karzinoms war in 
allen Fällen zu konstatieren, und zwar sowohl 
makroskopisch wie mikroskopisch. Eine Beein¬ 
flussung bis zum völligen Verschwinden ergab 
sich aber nur in den oberflächlich wuchernden 
Karzinomen. Wertheim hat aber den Eindruck, 
daß er in diesen Fällen dasselbe Resultat 
durch eine verhältnismäßig kleine Operation, 
wie Exkochleation und Kauterisation, erreicht 
hätte. 

Eine Tiefenwirkung ist wohl in den meisten 
Fällen vorhanden, aber fast stets unzulänglich. 
Bei inoperablen Fällen hat er zwar ebenso wie 
andere Schwinden von parametranen Schwarten 
beobachtet und damit auch ein Beweglicher¬ 
werden des Karzinoms; er glaubt aber, daß 
dies nur der Effekt der Reinigung des Karzinoms 
ist, und daß man dasselbe auch durch andere 
Maßnahmen erreichen kann. 

Wenn Wertheim also einerseits eine 
genügende Tiefenwirkung leugnen muß, so hat 
er dazu noch in einer Reihe von Fällen 
Schädigungen beträchtlicher Art auftreten sehen. 
Diese betrafen entweder den Gesamtorganismus 
oder waren lokaler Natur. Auch starke 
Filterung ist nicht immer imstande, diese 
Schädigungen auszuschalten. Es geht nicht 
an, schon jetzt die operative Behandlung vor¬ 
eilig zu diskreditieren. 

E. Sachs (Königsberg). 

E. Ranzi, H« Schüller und R. Sparmann 
(Wien), Erfahrungen über Radiambehand- 
lang der malignen Tumoren« Wiener klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Die Autoren haben nur inoperabele Fälle 
behandelt, da sie zurzeit die Berechtigung 
opcrabele Fälle zu bestrahlen, nicht anerkennen 
können. Sie arbeiteten mit großen Dosen Ra¬ 
dium und Mesothorium unter Verwendung stark 
filternder Röhrchen. Ihre 53 Fälle lassen sich 
einteilen in 6 präventiv und 47 kurativ be- 


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184 


Referate über Bücher und Aufsätze. 


strahlte Fälle. In der ersten Gruppe handelte 
es sich um Nachbestrahlung nach Operationen, 
in der zweiten um die Bestrahlung noch nach¬ 
weisbaren Karzinoms. In drei Fällen der ersten 
Gruppe kam es nach relativ kurzer Zeit zu 
Rezidiven. Die Bestrahlung war allerdings 
nicht mit ausreichenden Dosen vorgenommen 
worden. Von den 47 Fällen der anderen Gruppe 
kommen 86 als verwertbar in Betracht 7 schie¬ 
den davon sehr bald als aussichtslos aus, teils 
weil die Tumoren während der Bestrahlung 
stark weiter wuchsen, teils weil sie Metastasen 
setzten, und teils weil die Gefahr der Arrosion 
eines großen Gefäßes zum Abbrechen der Be¬ 
handlung nötigte. 

Ein Verschwinden eines Karzinomknotens 
beobachteten sie in drei Fällen. Diesen Fällen 
stehen andere gegenüber, in denen entweder 
gar kein Erfolg oder sogar eine Schädigung 
beobachtet wurde. In drei Fällen trat ein auf¬ 
fälliges Wachstum des Tumors zutage. 

In 11 noch nicht abgeschlossenen Fällen 
konnte eine deutlich günstige Beeinflussung des 
Tumors konstatiert werden. Die Autoren konn¬ 
ten sich in keinem einzigen Falle von der 
elektiven Wirkung deB Radiums auf die Krebs¬ 
zellen überzeugen. Vermutlich, weil bei den 
zur Verwendung gekommenen großen Dosen 
der Schwellenwert der Radiumwirkung zu leicht 
überschritten wird, so daß auch das normale 
Gewebe geschädigt wird. Sicher erliegt das 
Epithel eher der Wirkung als das Bindegewebe. 
Die Tumorzelle geht nicht deshalb früher als 
anderes Gewebe zugrunde, weil das Radium 
spezifisch wirkt, sondern weil sie als degene¬ 
rierte Zelle jedem Trauma früher erliegt 

Die Gefahren der Bestrahlung bestehen 
darin, daß man bei Verbrennungen u. U. aus 
einem geschlossenen Tumor einen oberflächlich 
ulzerierten macht. Eine Perforation eines Or¬ 
ganes mit nachfolgender Infektion ist auch be¬ 
denklich. Nicht zu unterschätzen ist auch die 
Gefahr der Blutung, die von den Autoren ebenso 
wie die vorher erwähnten Gefahren in mehreren 
Fällen erlebt wurde. Auch das stärkere Wachs¬ 
tum der Karzinome unter der Bestrahlung wurde 
in mehreren Fällen beobachtet. Es schien, als 
ob durch die Zerstörung des Tumors im Zen¬ 
trum das Weiterwachstum in der Peripherie 
befördert wurde. Vielleicht wirkt dort das 
Radium infolge der größeren Entfernung reizend. 

Zusammenfassend kommen die Autoren zu 
dem Schluß, daß das Ergebnis ihrer Unter¬ 
suchungen bisher ein recht unbefriedigendes 
ist Dauerheilungen sahen sie in keinem Fall, 


wenn auch in manchen Fällen eine günstige 
Beeinflussung. E. Sachs (Königsberg). 

H. Peham (Wien), Zur Radiumbehandlung 
ln der Gjnäkologie« Wiener klin. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 41. 

Die der direkten Bestrahlung zugängigen 
Fälle von Karzinom am weiblichen Genitale 
werden günstig durch das Radium beeinflußt, 
wie wir das schon länger von den Hautkarzinomen 
wissen. 

Es ist auf Grund der bisherigen Erfahrungen 
nicht möglich, vom Radium als einem spezifischen 
Heilmittel bei Karzinom zu sprechen, und man 
ist vorläufig nicht berechtigt an Stelle der 
bisherigen operativen Behandlung die Behand¬ 
lung mit Radium zu empfehlen. Ein beginnendes 
Karzinom einer längerdauernden Behandlung 
mit Radium zu unterziehen, ist bedenklich, 
weil durch das Hinausschieben der Operation 
die Chancen für die operative Heilung ver¬ 
schlechtert werden. 

Empfehlenswert ist die Anwendung bei 
inoperablen Fällen und bei Rezidiven. 

E. Sachs (Königsberg). 

6. Rlebl (Wien), Karzinom und Radium» 

Wiener klin. Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Riehl bespricht die Wiener Einrichtungen 
für Radiumtherapie, die im Juni 1912 im all¬ 
gemeinen Krankenhause gegründet wurden. 
Hier stehen jetzt l 1 /* g Radiumelement zur Ver¬ 
fügung. Die Radiumstation ist nicht als eigent¬ 
liches klinisches Institut gedacht, sondern bildet 
eine Zentrale für das ganze Krankenhaus. Ein 
Ambulatorium dient zur Behandlung von au3 
der Stadt zuströmenden Kranken. Auch prak¬ 
tische Ärzte sind instand gesetzt, an der Be¬ 
handlung teilzunehmen dadurch, daß Radium¬ 
emanation und Träger ihnen abgegeben werden 
dürfen. Das Institut besitzt jetzt eine große 
Zahl von Trägern mit genauen Angaben über 
das verwendete Radiumsalz und den Gehalt an 
Radiumelement im Träger und pro Kubikzenti¬ 
meter Strahlnngsfläche, wodurch ein Maß für 
die Gamma Strahlung gegeben ist. Durch diese 
Angaben und den Gebrauch entsprechender 
Filter erhält der Arzt die Möglichkeit, die 
Strahlenart und Stärke, die er zu verwenden 
wünscht, beliebig dosieren zu können. 

Riehl weist darauf hin, daß es anzustreben 
ist, um Vergleiche der verschiedenen Heilerfolge 
zu ermöglichen, eine einheitliche physikalische 
Charakterisierung der Radiumpräparate zu nor¬ 
mieren. 

Das Radium wirkt vor allem lokal. Selbst 

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Referate aber Bücher and Aufsätze. 


185 


bei langdauernder Bestrahlung treten die Ver¬ 
änderungen, die zur Rückbildung des Karzinoms 
führen, nur im Bereich der Bestrahlung auf. 

Eine rein selektive Einwirkung auf das 
karzinomatöse Gewebe findet nur bei mäßiger 
Strahlendosis statt Bei lang andauernder Be¬ 
strahlung leidet auch das normale Gewebe. 

Für oberflächlich liegende Karzinome hat 
starke Filterung keinen Wert, weil dann die 
Radiummenge bedeutend vergrößert werden 
muß. Eine indirekte Radiumwirkung auf Me¬ 
tastasen war nicht nachweisbar. In allen 
Fällen, wo es auf Schonung der Haut ankommt, 
ist zu filtern, um die weichen Primärstrahlen 
auszuschalten und auch um die sekundär vom 
Metallfilter ausgehenden Sekundärstrahlen zu 
eliminieren, noch Watte- oder Papiereinlagen 
anzuwenden. 

Bei sehr langandauernder Strahlung und 
starker Filterung tritt Nekrose ein, die Blut¬ 
gefäße bleiben längere Zeit intakt. 

Bei langdauernder Verwendung großer 
Radiumdosen ist auf die Schädigung des All¬ 
gemeinbefindens Bedacht zu nehmen. 

Ungenügende Bestrahlung einerseits bei 
Anwendung zu kleiner Mengen Radiums, an¬ 
dererseits bei zu kurz dauernder Einwirkung 
können zu vermehrtem Wachstum des Krebses 
Veranlassung geben. E. Sachs (Königsberg). 

HugoSchüller (Wien), Über die Erfahrungen 
mit Rademanit bei Karzinom. Wiener klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 41. 

Rademanit ist ein Kohlepräparat, das die 
Fähigkeit hat, große Mengen Emanation zu 
akkumulieren. In 10 g dieses Kohlepulvers 
gelingt es z. B., eine Aktivität anzusammeln, 
welche der von 150 g Radiumelement oder 
260 g Radiumbromid entspricht. Die Vorteile 
bestehen u. a. darin, daß das kostbare Material 
nicht aus der Hand gegeben zu werden braucht 
und nicht verloren gehen kann. Man kann die 
strahlende Materie direkt in den Tumor ein- 
bringen. 

Die erzielten Resultate decken sich voll¬ 
ständig mit den durch Radium erzielten. Zum 
Unterschied gegenüber den Elementen behält 
das Rademanit seine Aktivität aber nicht bei. 
Es verliert 24 Stunden nach seiner Herstellung 
rund 16% und nach 48 Stunden rund 70%. 
Jedenfalls scheint hier ein Weg gefunden zu 
sein, das teure Radium durch ein billigeres 
Präparat zu ersetzen. 

E. Sachs (Königsberg). 


Falta (Wien), Radium als Heilmittel« Wiener 
klin. Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

Man muß bei der Radiumtherapie sorgfältig 
individualisieren und dosieren. Falta tritt für 
höhere Emanationsdosen im Emanatorium ein» 
A. Fürstenberg (Berlin). 

Freund (Wien), Die Bestrahlung»« und chi¬ 
rurgische Behandlung maligner Neubildun¬ 
gen« Deutsche medizinische Wochenschrift 
1913. Nr. 43. 

Aus den Schlüssen, die der Verfasser au* 
seinen Erfahrungen zieht, ist hervorzuheben r 
daß auch für die Radiotherapie der Neoplasmen 
dasselbe Gesetz gilt, wie für die chirurgisch* 
Behandlung, nämlich: diebetreffende Affektion 
soll möglichst frühzeitig, solange der Prozeff 
der Wahrscheinlichkeit nach noch nicht auf 
Lymph- und Blutbahnen übergegriffen, und so* 
lange er noch keine langen Ausläufer ausge¬ 
sendet hat, der Bestrahlung zu geführt werden. 
Für die vorbehandelnde chirurgische Abtragung 
des pathologischen Gewebes muß gefordert 
werden, daß ein Verfahren gewählt werde, 
welches nicht zur Ausbildung strammer Narben, 
zur Vorlagerung voluminöser, derber Gewebs- 
massen vor die ursprüngliche Affektion führt, 
ein Umstand, der die Chancen der Radiothera¬ 
pie verschlechtern und das Hineinwuchem von 
Geschwulstkeimen nach innen begünstigen 
würde. Im übrigen warnt der Verfasser vor zu 
großem Optimismus selbst bei zufriedenstellen¬ 
dem Erfolge, da noch nach vier Jahren Rezi¬ 
dive auch an scheinbar vollständig geheilten 
Stellen auftreten können. 

Gotthelf Marcuse (Kudowa). 

Cb« Müller (Immenstadt), Physikalische und 
biologische Grundlagen der Strahlen¬ 
wirkung radioaktiver Substanzen, besonder* 
des Mesothoriums und der Ersatz derselben 
durch Röntgenstrahlen. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 44. 

Schon die Übereinstimmung des Aus¬ 
dehnungsgebietes der Mesothorium-und Röntgen¬ 
strahlenwirkung dürfte genügend Beweis dafür 
sein, daß nicht die /-Strahlung, sondern die 
sekundäre ^-Strahlung eigentliche Ursache der 
Mesothoriumwirkung ist. Beabsichtigt war ja 
ursprünglich mit der Filterkapsel der Meso¬ 
thoriumeinlage nicht eine sekundäre Strahlung 
hervorzurufen, sondern die primären g- und 
^-Strahlen wegen der Verbrennungsgefahr ab¬ 
zufiltrieren. Dies wurde auch erreicht, aber 
ohne daß es zum Bewußtsein kam, wurde eben 
die Filterkapsel durch ihre Sekundärstrahlen- 


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186 


Referate aber Bacher und Aufsätze. 


bildung zura ursächlichen Hauptmoment der j 
erzielten Mesothoriumwirkung. 

Verfasser kommt so zum Schluß, daß nicht 
die primäre /-Strahlung, sondern die sekundäre 
^-Strahlung durch ihr starkes Ionisierungs¬ 
vermögen bei der Tiefentherapie überhaupt, 
nicht nur bei der Mesothoriumbehandlung einen 
großen Teil, wenn nicht fast alles im Effekt 
ausmacht. Es handelt sich demnach lediglich 
darum, mit der heute schon zur Verfügung 
stehenden Röntgenapparatur, die noch ver- 
besserungsfähig ist, eine möglichst harte, stark 
abfiltrierte Strahlung zu erzeugen. Es läge 
dann in unserem therapeutischen Können, wirk¬ 
same sekundäre /9-Strahlung im Erkrankungs¬ 
gebiete zur Absorption zu bringen. Eine Anzahl 
von Erfolgen, die Verfasser mit Ausnützung 
der sekundären ^-Strahlen in diesem Sinne 
erreicht hat, und die den bekannt gewordenen 
Erfolgen mit Mesothoriumbehandlung in keiner 
Weise nachstehen, sollen die Richtigkeit dieser j 
Annahme bestätigen. 

van Oordt (Rippoldsau). 

Huismans (Köln), Der Telekardiograph, 
ein Ersatz des Ortbodiagraphen. Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

Der Telekardiograph vermag den Ortho- 
diagraphen zu ersetzen; das Herz kann mittels 
des Telekardiographen in einer beliebigen 
vorausberechneten Phase aufgenommen und die 
Funktion des Herzmuskels geprüft werden. 
Es kann die Beeinflussung des Herzens durch 
eine Kur durch Aufnahme des Herzens jedes¬ 
mal am Ende der Diastole geprüft werden. Be¬ 
schreibung des Apparates. 

Naumann (Meran-Reinerz). 

A. Luzenberger (Neapel), Sul trattamento 
deila psoriasi coi raggi x e coll’alta 
frequenza. Annali di elettr. med. e terap. 
fis. 1913. XII. Nr. 6. 

Der Unklarheit über die Pathogenese der 
Psoriasis entspricht die Unfruchtbarkeit der 
bisherigen Behandlungsmethoden. Teer und 
Chrysarobin helfen zwar vorübergehend, ver¬ 
mögen aber Rückfälle nicht zu verhindern. 
Demgegenüber werden die Röntgenstrahlen zur 
Behandlung umschriebener Psoriasis, die Hoch¬ 
frequenzströme bei allgemeiner Verbreitung des 
Leidens empfohlen. Diese Behandlung wirkt 
nicht auf die lokalen Hautveränderungen direkt 
ein, sondern indirekt durch vollständige Um¬ 
stimmung des Zellenlebens und Anregung 
sämtlicher Funktionen des Organismus. 

Sobotta (Schmiedeberg i. R.). 


P. Unna jun. (Hamburg), Über Diathermie¬ 
behandlung bei Lepra. Berliner klin.Wochen- 
schrift 1913. Nr. 46. 

Bei der Behandlung der reinen Nerven- 
lepra, bei der neben anästhetischen Pigment¬ 
knoten harte, tiefe, teilweise sehr schmerzhafte 
Stränge an den peripheren Nerven existieren, 
brachte die Diathermiebehandlung sehr schöne 
Erfolge in sieben damit behandelten Fällen. 
Die Sitzungen wurden in einer Dauer von 
3—6 Minuten bis zu einer Viertelstunde in 
einer Stärke von 0,3—0,5 Milliampere meist in 
einer Zahl von 6—10 angewendet und hatten 
allerdings neben der Allgemeinbehandlung mit 
Thermophor, Faradisation, Massage, heißen 
Teilbädern, Strychnin und Chaulmoograöl jedes¬ 
mal eine erhebliche Besserung zur Folge. Die 
Schmerzen ließen nach, Reizungen (Parästhesien, 
motorische Zuckungen) verschwanden, die 
Nervenstränge wurden nach jeder Sitzung 
I weicher und dünner, die Druckempfindlichkeit 
ging zurück. Waren die Erfolge anfänglich 
vorübergehend, so blieben sie später konstant. 
In einem besonders günstigen Falle gelang es 
in 42 Sitzungen von 15 Minuten Dauer und 
0,6—0,8 Milliampere Stärke, einen ganz ekla¬ 
tanten Erfolg zu erzielen, zuerst verschwanden 
die quälenden langdauernden Schmerzen, aber 
auch die Nerveninfiltrate und demzufolge die 
Muskelatrophie bildeten sich vollständig zurück. 
Zur schnellen Entfernung kutaner und sub¬ 
kutaner Knoten und Papeln eignet sich eben¬ 
falls der Hochfrequenzstrom sehr gut in Form 
der de Fo re stachen kalten Nadel. Sie ist 
weniger schmerzhaft und zerstört radikaler wie 
der Paquelin. Die Diathermie wirkt voraus¬ 
sichtlich in der Weise, daß bei der großen 
Tiefenwirkung der angewendeten Wärme die 
Wachshüllen der Leprabazillen sich auflösen. 

E. Mayerle (Karlsruhe). 


€• Delacbaux (Cbateau-d’Oeux); Le tralte- 
ment des maladies Internes par la care de 
soleil (Höliothörapie). Schweizerische Rund¬ 
schau für Medizin 1913. Nr. 25. 

Die Technik geht wie sie bereits Rolli er 
angegeben zu Werk. Erst Akklimatisation, 
dann Sonnenexposition von wenigen Sekunden 
bis zu 5 Minuten, täglich mehr, nachdem man 
am ersten Tag 2—3 Sitzungen vorgenommen hat. 
Man fängt distal mit den Extremitäten an. 
Verfasser beobachtete eine Vermehrung der 
Muskelsubstanz trotz absoluter Ruhe und selbst 
bei Gewichtsabnahme. Die Muskelzunahme be¬ 
ginnt gewöhnlich erst in der 3. Woche, häufig 

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Referate über Bücher und Aufsätze. 


187 


noch später. Die Kurdauer ist von 4—6 Wochen 
bis zu 2—3 Jahren. Nur chronische Er¬ 
krankungen eignen sich. Erfolge sah Verfasser 
bei Erkrankungen des Magendarmkanales, ins 
besondere deren spastischer Forin T ferner bei 
tuberkulösen Peritonitiden, wobei die völlige 
Heilung durch die gelegentliche Laparotomie 
wegen gynäkologischer Affektionen bestätigt 
wurde; ferner bei Pleuritisrekonvaleszenten, 
bei Personen, welche zu katarrhalischen Er¬ 
krankungen der Atmungsorgane und Anginen 
neigen. Die Heliotherapie ist die Abhärtungs¬ 
kur par excellence. 4 Wochen genügen dazu 
im allgemeinen. Bemerkenswert sind die Re¬ 
sultate bei Erkrankungen des Zirkulations¬ 
systems, wohl infolge von peripherer Gefäß- 
Erweiterung. Es gibt überhaupt nur wenige j 
Gebiete chronischen Siechtums, die nicht günstig I 
beeinflußt werden bei richtiger Dosierung. 

van Oordt (Rippoldsau). I 

Busse (Hanau), Die künstliche Höhensonne. 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 1 
Nr. 42. 

Beschreibung und Abbildung des neuen 
Modells der künstlichen Höhensonne, einer 
sehr wirksamen Quarzlampe ohne Wasser¬ 
kühlung des Brenners. Details müssen im 
Original nachgelesen werden. 

H. E. Schmidt (Berlin). 

L. Piucussohn (Berlin), Über die Wirkung 
des Lichtes auf den tierischen Organismus. 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 
Nr. 44. 

Die Versuche des Verfassers ergaben, daß 
die Wirkung des Lichtes (elektrisches Bogen¬ 
licht, Quecksilberdampflicht) auf den tierischen 
Organismus durch die Mitwirkung von Sensi¬ 
bilisatoren (Farbstoffe wie Eosin, Erythrosin u. a.) 
außerordentlich stark modifiziert wird. Ob die 
Ergebnisse dieser Stoffwechselversuche, wie 
Ansteigen der Harnsäure, des Harnstickstoffes, 
einmal für die therapeutische Anwendung nutz¬ 
bar gemacht werden können, läßt sich zurzeit 
nicht übersehen. v. Rutkowski (Berlin). 


E. Serum- und Organotherapie. 

R. Keller (Straßburg 1. E.), Über Funktlous- | 
Prüfungen der Ofarialt&tlgkeit. Münchener | 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 39. 

Auf Grund seiner Versuche kommt Ver¬ 
fasser zu dem Schluß, daß der von Cristo- 1 
foletti und Adler angenommene erhöhte 


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Sympathikustonus — nachgewiesen durch den 
positiven Ausfall (Glykosurie) der Adrenalin¬ 
reaktion — nach Ausfall der Ovarialtätigkeit 
oder Hypofunktion derselben nicht in so aus¬ 
gedehntem Maße sich vorfindet, wie diese beiden 
Autoren anzunehmen geneigt sind. Denn aus 
der verschiedenen Reaktion der verschiedenen 
Individuen auf die angewendeten Substanzen 
Adrenalin einerseits und Atropin-Pilokarpin 
andererseits in ihren kleinsten wirksamen 
Dosen darf kein Schluß gezogen werden auf 
eine mit der Ovarialtätigkeit in Zusammenhang 
zu bringende erhöhte Reizbarkeit im vegetativen 
resp. autonomen System, da eine Gesetzmäßig¬ 
keit in der Wirkung dieser Mittel bei gleich¬ 
gearteten Fällen nicht festzustellen war. 

v. Rutkowski (Berlin). 

E. Poggle (Turin), Insufflclenza paratiro- 
Idea cronlca ed innesto di tirolde. Riv. 
crit. di clin. med. 1913. XIV. Nr. 49. 

Um die Tetanie zu beseitigen, die sich als 
Ausfallserscheinung nach Exstirpation der 
Nebenschilddrüsen zeigt, ist außer der Behand¬ 
lung mit Kalksalzen die Opotherapie (Verab¬ 
reichung von Nebenschilddrüsen per os) und 
die Überpflanzung von Schilddrüsen erprobt 
worden. In zwei Fällen von chronischer Tetanie 
versagte nach erfolgreicher Behandlung mit 
Schilddrüsenextrakt die Behandlung mit Neben¬ 
schilddrüsenpräparaten. Es wurde daher zur 
Überpflanzung von Nebenschilddrüsen geschrit¬ 
ten, die fünf Stunden vorher von Basedow- 
Kranken entnommen waren. In dem einen Fall 
(Tetanie mit Menstruationsstörungen und Poly- 
sarzie) wurde kein Erfolg erzielt, während im 
andern Falle (myxödematöse Kachexie mit den 
gewöhnlichen physischen und psychischen Stö¬ 
rungen) erhebliche Besserung erreicht wurde. 

Sobotta (Schmiedeberg i. R.). 

Charlton Wall&ce (New York) und Frank 
S. Child (Port Jefferson, N. Y.), Extract 
of the Pitnitary Body of the Ox In the 
Treatment of Rheumatic Arthritis. Medical 
Record 1913. 4. Oktober. 

Im „St. Charles Hospital“ zu Port Jeffer¬ 
son wurden bei fünf Kindern, die an verschie¬ 
denen Formen von Gelenkrheumatismus litten, 
therapeutische Versuche mit der Injektion von 
Schilddrüsenextrakten gemacht. Eine kräftigere 
Wirkung bei kleinerer Dosis als mit Pituitrin, 
das nur im ersten Falle verwandt wurde, ließ 
sich mit einem frisch hergestellten Präparat 
erzielen. Von getrockneter frischer Ochsen- 
hvpophysis wurden 0,3 g in 30 ccm sterile phy- 


Qriginal fro-m 

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Referate Aber Bücher und Aufsätze. 


Biologische Salzlösung gebracht und dazu 0,3 g 
Chloretonkristalle hinzugefügt Nach drei¬ 
stündigem Stehen wurde die Mischung filtriert 
und das Filtrat aufgekocht. Die Verwendung 
soll nicht später als innerhalb drei Wochen er¬ 
folgen, da das Präparat sich nicht lange hält 
ln allen Fällen trat unter der Behandlung 
mit intramuskulären Injektionen von Hypo¬ 
physisextrakt eine Besserung des Allgemein¬ 
befindens ein, desgleichen ein Schwinden der 
Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken. 
Der Blutdruck stieg. In den ersten 8—10 Tagen 
fanden sich leichte, unregelmäßige Temperatur¬ 
steigerungen. Die Untersuchung von Blut und 
Urin ergab nichts Bemerkenswertes. Ähnliche 
Resultate konnten bei fünf erwachsenen Pa¬ 
tienten mit Gelenk- bzw. Muskelrheumatismus 
in der Privatpraxis konstatiert werden. Hier 
wurde teilweise über Übelkeit, Schwindel und 
Kopfschmerz geklagt. 

Böttcher (Wiesbaden). 


Johan NIcolaijsen (Kristiania), Trans¬ 
plantation av paratbyreoldea ved post- 
operativ tetani. Nord. Tidsskr. for Terapi 
1913. Heft 2. 

Einer Übersicht über die 10 Fälle, die seit 
den ersten Mitteilungen von Pool und v. Ei¬ 
seisberg über Transplantationen von mensch¬ 
licher Parathyreoidea publiziert worden sind, 
wird die Krankengeschichte eines eigenen 
Falles angeschlossen. Es handelte sich um ein 
16jährige8 Mädchen, bei dem eine große Kropf¬ 
geschwulst entfernt worden war. 3—4 Tage 
nach der Strumektomie traten Symptome von 
Tetanie auf, die sich am 8. Tage plötzlich 
heftig steigerten. Tonische Krämpfe in allen 
Extremitäten folgten einander unaufhörlich. 
Das Trous8eausche und das Chvosteksche 
Symptom waren positiv. Es wurde Kalzium¬ 
laktat gegeben, das wirkungslos zu sein schien. 
Ferner wurden am Abend des 8. Tages drei 
Nebenschilddrüsen, die aus der Leiche 
einer eben plötzlich^ verstorbenen Frau ent¬ 
nommen waren, in die Metaphyse eines 
Femur transplantiert. Am nächsten Tage 
trat ein heftiger Anfall von Tetanie auf, am 
zweiten Tage aber besserte sich der Zustand 
entschieden. Später kamen dann noch andeu¬ 
tungsweise leichte Symptome vor. Fünf Wochen 
nach der Transplantation konnten die für Hy- 
poparathyreose charakteristischen Nagelver¬ 
änderungen nebst Haarausfall konstatiert werden. 
Die elektrische Erregbarkeit war dabei nicht 
erhöht, das Trousseausche Symptom fehlte 


jetzt, das Chvosteksche war vorhanden. Ein» 
Untersuchung nach fast l 1 /* Jahren ergab voll¬ 
kommenes Wohlbefinden. Das Haar war wieder 
gewachsen, die Nägel normal. Der Isthmua 
der Schilddrüse konnte als eine V» hüh nere i' 
große Prominenz in der Mittellinie gefühlt 
werden. — Da eine baldige regressive Meta¬ 
morphose der transplantierten Nebenschild¬ 
drüsen wahrscheinlich ist, beruht die anhaltende 
Besserung in den günstig verlaufenden Fällen 
wohl auf der Herstellung der Funktion vorüber¬ 
gehend außer Tätigkeit gesetzter tibriggeblie- 
bener Parathyreoideae. 

Böttcher (Wiesbaden). 

A. W e b e r (Halle), Über den Wert der Serum» 
therapie bei Tetanus. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr. 40. 

Die Semmtherapie bei Tetanus ist von um 
so größerem Erfolge begleitet, je früher man 
damit beginnt. Einige wenige Einspritzungen 
genügen nicht, sondern dieselben sind solange 
fortzusetzen (pro Injektion bis 100 A. E.), bis 
die Krampfanfälle an Häufigkeit und Intensität 
nachlassen. v. Rutkowski (Berlin). 

G. Deycke und £• Altstaedt (Lübeck), 
Ander!halb Jahre Tuberkulosetherapie nach 
Dejcke-Much. Münchener med. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 40. 

Zum erfolgreichen Kampfe gegen den 
Tuberkelbazillus ist das gleichzeitige Vor¬ 
handensein von Reaktionskörpem gegen jeden 
einzelnen chemischen Bestandteil des kom¬ 
pliziert zusammengesetzten Erregers nötig. Die 
chemisch durch voraufgehende Milchsäureauf- 
schließung (H. Tb.) leicht von einander zu 
trennende Substanzen sind die Eiweißgruppe 
(A.) und die Fettgruppe (F. und N.). Diese 
Stoffe sind im Rückstand (H. Tb. R.) enthalten. 
Man erreicht in den meisten Fällen mit H. Tb. R. 
allein schon gute Resultate. Kommt man hier¬ 
mit nicht weiter, so muß man mit Partial¬ 
antigenen behandeln, und zwar am zweck¬ 
mäßigsten von vornherein mit allen dreien 
gleichzeitig (A. + F. + N.), jedoch unter quanti¬ 
tativ intensiverer Behandlung mit dem Antigen, 
zu dem die Antikörper fehlen. 

v. Rutkowski (Berlin). 

Kleinschmidt und Viereck, Vierte Mit¬ 
teilung über Behrings Diphtherie-Vakzin. 

Deutsche medizinische Wochenschrift 1913. 
Nr. 41. 

Auch durch diese Mitteilung wird die 
Unschädlichkeit, sowie die immunisierende Wirk¬ 
te rigi na I from 

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Referate über Bücher und Aufsätze. 


189 


samkeit des Diphtherievakzins bei geeigneter 
Dosierung und Applikation bestätigt. Die 
Intrakutanmethode hat sich der Subkutan- 
methode als mindestens gleichwertig erwiesen. 
Das sicherste Kriterium für den Immünisierungs- 
erfolg ist der Blutantitoxingehalt, welcher 
durch Blutprüfung ermittelt wird. Zur Erreichung 
eines solchen Antitoxingehalts, der auch gegen¬ 
über schwereren Infektionen ausreichenden 
Schutz gewährt, wird voraussichtlich eine zwei¬ 
malige Vakzininjektion genügen. 

Fritz Rosenfeld (Stuttgart). 

Paul Kroki (Kiew), Die ImmunlsieruDg 
des Blutes gegen septische Erkrankung« 

Berliner klin. Wochenschrift 1913. Nr. 42. 

Auf Grund von Tierversuchen und von 
kasuistischem Material aus der geburtshilflichen 
PraxiB erblickt Verfasser in intramuskulären 
Injektionen des benzoösauren Quecksilbers ein 
prophylaktisches Verfahren gegen septische 
Erkrankungen. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

Hartmann (Pfaffenhofen a« Ilm), Zur am¬ 
bulanten Tnberkulinbehandlung« Münchener 
med. Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

Polemik. Die physikalisch-diätetische Be¬ 
handlung in Verbindung mit Tuberkulin- | 
behandlung, die auch ambulant durchgeführt 
werden kann, ist bisher die wirksamste. 

Naumann (Meran-Reinerz). 

Lennl (Magdeburg-Sudenburg), Zur Behand¬ 
lung der Pneumonie mit Aethylhjdrocuprein 
und Pneumokokkenserum. Berliner klin. 
Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

Veranlaßt durch die im Tierversuch bei 
Pneumokokkeninfektionen mit dem Chinin¬ 
derivat Aethylhydrocuprein erzielten günstigen 
Resultate wurde bei 17 Pneumoniefällen, die 
alle sehr schwer verliefen, zunächst diese Be¬ 
handlung allein angewendet. Die Patienten 
erhielten je nach dem Alter 0,1—0,4 oder 0,5 
in Pulverform mehrmals täglich per os. die 
Gesamtdosis betrug durchschnittlich 4—7 g. 
Eine direkte Einwirkung auf den Fieberverlauf, 
wie auf den lokalen Prozeß, Puls- oder Atmungs¬ 
frequenz war nicht nachweisbar, auch nicht zu 
erwarten, da das Präparat nur auf die Pneumo¬ 
kokken, nicht aber auf ihre Toxine wirkt Die 
Mortalität war eine günstige und betrug unter 
17 Fällen nur 2, gleich 11,8 %. Von schäd¬ 
lichen Nebenwirkungen wurden einmal vorüber¬ 
gehende Seh- und einmal Gehörstörungen be¬ 
obachtet. Bei einer zweiten Gruppe von 


18 Fällen wurde nun, um auch auf die Toxine 
zu wirken, neben dem Chininpräparat noch 
Pneumokokkenserum, meist in Dosen von 
2 X 20 ccm, intravenös gegeben. Auch hier 
war die Mortalität günstig and betrug unter 
18 Fällen 3 = 16,5 %. Nach den Serum Injek¬ 
tionen wurde das Allgemeinbefinden günstig 
beeinflußt, auch in einer Gruppe von 6 Fällen, 
die nur mit Serum behandelt wurden. Hiervon 
starben allerdings 2 = 33 % Mortalität. Dieser 
Reihe von 41 spezifisch behandelten Fällen mit 
einer Mortalität von 7 = 16,8 % steht nun eine 
Gruppe von 40 Fällen, die mit allen zu Gebote 
stehenden symptomatischen Mitteln behandelt 
wurden, gegenüber. Und da hier die Mortalität 
12 = 30 % betrug, dürfte sich hieraus doch 
eine Überlegenheit der spezifischen Therapie 
ergeben, wenn auch die Versuchsreihen noch 
zu klein sind, um daraus definitive Schlüsse 
zu ziehen. E. Mayerle (Karlsruhe). 

G. Paul (Wien), Über Aufschließung, Iso¬ 
lierung und Einengung von reinem vakzi- 
nalen Virus (Paschens Körperchen) aus 
tierischen Schutzblatlern (Schutzpocken) 
auf mechanischem Wege« Deutsche medi¬ 
zinische Wochenschrift 1913. Nr. 44. 

Die vom Verfasser gefundene Methode 
ermöglicht es, den Vakzineerreger aus frischem 
oder konserviertem Schutzpockenmaterial auf 
mechanischem Wege durch kombinierte Zentri¬ 
fugierung und Filtration sicher zu isolieren, 
nach Belieben zu konzentrieren und in halt¬ 
barer, von Fremdkörpern freier Form in großem 
Maßstabe zu gewinnen. 

v. Rutkowski (Berlin). 

Alvah H. Doty (New York), Antltjphoid 
Vaccination« Medical Record 1913. 4. Oktober. 

Im Gegensatz zu der von mancher Seite 
vertretenen Ansicht, als Bei die Vakzination 
gegen Typhus berufen, eine der Pockenimpfung 
ähnliche allgemeine Bedeutung zu erlangen, 
weist Doty darauf hin, daß man infolge des 
ganz anderen Infektionsmodus sich vor An¬ 
steckung mit Typhus in viel wirksamerer Weise 
durch hygienische Maßnahmen schützen kann, 
wie gegen die Pocken, daß andererseits die 
Antityphusimpfung viel umständlicher, weniger 
gefahrlos und von viel kurzfristigerer Immunitäts¬ 
wirkung ist, als die Pockenimpfung. Sehr 
bedenklich wäre auch eine laxere Handhabung 
der hygienischen Prophylaxe seitens des 
Pflegepersonals im Vertrauen auf die Schutz¬ 
kraft der Vakzine. Der Verfasser will die 
Vakzinition gegen Typhus nur auf ganz besondere 


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190 


Referate über Bücher and Aufsätze. 


Verhältnisse beschränkt wissen. So kann sie 
vor allem am Platze sein, um Truppen und 
Seeleute zu schützen, wo dieselben zum 
Aufenthalte in durchseuchten Gebieten unter 
gleichzeitig schlechten sanitären Bedingungen 
gezwungen sind. Böttcher ^Wiesbaden). 

Berger (Köln), Weitere statistische und 
klinische Beobachtungen In der Salrarsan* 
therapie der Syphilis. Münchener med. 
Wochenschrift 1913. Nr 43. 

Bericht über die ausgezeichneten Erfolge, 
welche die kombinierte Salvarsan-Hg-Behand- 
lung hatte. Bei einer Beobacbtungszeit 
von 16—22 Monaten traten bei den kom¬ 
biniert behandelten Primäraffekten Sekundär¬ 
erscheinungen in keinem Falle auf; auch 
verhielten sich diese Fälle serologisch dauernd 
negativ. Von 36 behandelten Sekundärsyphi¬ 
litischen wurde nur ein einziger rückfällig. 
Durchschnittlich 6 /io a ^ er Kranken dürfen auf 
eine auch serologische Dauerheilung hoffen. 
Trotz der günstigen Resultate mit der ein¬ 
maligen kombinierten Behandlung, hält der 
Verfasser daran fest, die einmal erworbene 
Lues während der folgenden 5 Jahre noch 
chronisch-intermittierend zu behandeln, und zwar 
auch dann, wenn keinerlei Zeichen für eine 
Latenz sprechen. Er will das aus Gründen 
der Vorsicht und der Prophylaxe getan wissen. 

Naumann (Meran-Reinerz). 

Herrn. Freund (Heidelberg), Über Kochsalz- 
Heber und „Wasserfehler u . Archiv für 
experimentelle Pathologie und Pharmakologie 
1913. Bd. 74. Heft 5. 

Aus den Tierversuchen geht mit Sicherheit 
hervor, daß das Kochsalz die Körpertemperatur 
beeinflußt. Nähme man bei den Injektionen 
den Wasserfehler — also einen bakteriellen 
Stoff — als Ursache des Fiebers an. so wären 
die vielen Möglichkeiten, das Kochsalzfieber 
zu unterdrücken, völlig unverständlich. Für 
das Fieber nach Kochsalzdarreichung per os 
kann natürlich der Wasserfehler nicht in Betracht 
kommen. 

Die Verhütung des Kochsalzfiebers durch 
Kalzium (Ringersehe Flüssigkeit) gelingt nur 
in einwandfreiem Wasser mit Sicherheit; der 
„Wasserfehler“ kann auch in Ringer scher 
Lösung Fieber machen. 

Ringersche Flüssigkeit in einwandfreiem 
Wasser ist daher als indifferentes Vehikel für 
Fieberversuche durchaus brauchbar. 

W. Alexander (Berlin). 


F. Verschiedenes. 


Friedrich Kraus und Theodor Brugscb 
(Berlin), Spezielle Pathologie und Therapie 
innerer Krankheiten In 10 Bänden. Berlin 
und Wien 1913. Verlag von Urban und 
Schwarzenberg. 

Die Herausgeber wollen in diesem gro߬ 
zügig angelegten Sammelwerk den derzeitigen 
Standpunkt unseres Wissens in der inneren 
Medizin zum Ausdruck bringen. Und zwar 
nicht, wie sie in der Einführung sagen, durch 
dickleibige Bände, sondern in scharf gefaßten, 
kritisch sichtenden Abhandlungen aus der Feder 
jener, die ihr Gebiet beherrschen. Für dio 
klinische Weiterbildung des Arztes bestimmt, 
beschränken sich die einzelnen Bearbeitungen 
auf das tatsächlich Wichtigste: sie geben eine 
abgerundete klinische Darstellung mit beson¬ 
derer Berücksichtigung der Therapie. In die¬ 
sem Sinne ist auch die Literaturauswahl dem 
einzelnen Bearbeiter überlassen: nicht lückenlos, 
aber eingehend und modern sollen die Literatur¬ 
angaben sein, sodaß auch der Spezialforscher 
befriedigt sein wird. 

Bei der Auswahl der zahlreichen Mit¬ 
arbeiter fällt es auf, daß überwiegend jüngere 
Kräfte herangezogen wurden. 

Die Anordnung des Stoffes in den ein¬ 
zelnen Bänden ist folgende: 


I. Band: 


II. Band: 

III. Band: 

IV. Band: 
V. und VI. 

VII. Band: 

VIII. Band; 
IX. Band: 


X. Band: 


Erkrankungen des Stoffwechsels 
und der Drüsen mit innerer Se¬ 
kretion. 

Infektionskrankheiten. 

Lungenkrankheiten. 

Herzkrankheiten. 

Band: Erkrankungen des Ver¬ 
dauungsapparates. 

Erkrankungen des Harn- und Ge¬ 
schlechtsapparates. 
Bluterkrankungen. 

Erkrankungen der Knochen, Ge¬ 
lenke und Haut, Frauenkrank¬ 
heiten, Kinderkrankheiten, Physi¬ 
kalische Behandlungsmethoden und 
Verschiedenes. 

Nervenkrankheiten. 


Die bisher erschienenen 12 Lieferungen 
zeigen nach Ausstattung, Druck und Abbildun¬ 
gen den Geschmack und die Großzügigkeit, 
die man bei dem bekannten Verlage gewohnt ist. 

Inhaltlich steht das von Magnus Levy 
geschriebene Kapitel: Diabetes mellitus und 
die Arbeit von Umber über intermediäre 
Stoffwechselstörungen auf der Höhe der 


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Referate über Bücher und Aufsätze. 


191 


Zeit. Bei aller Wissenschaftlichkeit ist hier 
ebenso wie in der Bearbeitung der Gicht von 
Brugsch der praktisch-klinische Gesichtspunkt 
in den Vordergrund gerückt Das letztgenannte 
Kapitel zeichnet sich durch besonders zahl¬ 
reiche und schöne Illustrationen aus. — In¬ 
fektion, Immunität, Immundiagnostik 
und -therapie haben in R. Kraus einen 
kompetenten Bearbeiter gefunden, die Dar¬ 
stellung des Typhus und Paratyphus durch 
G. Jürgens ist durchaus gelungen. — 
v. Stenitzer hat den Tetanus, E. Peiper 
die einheimischen Helminthiasen be¬ 
arbeitet. Die Abhandlungen von W. Knöpfel¬ 
mache r über Meningitis cerebro-spinalis 
epidemica und von Weintraud über den 
akuten Gelenkrheumatismus sind als klassisch 
zu bezeichnen. 

Nach dem bisher Gebotenen kann man 
sagen, daß alle Autoren sich dem Programm 
der Herausgeber vorzüglich anzupassen gewußt 
haben. Man darf mit Spannung den weiteren 
Bänden dieses wahrhaft modernen Werkes 
entgegensehen. W Alexander (Berlin). 


L. Jacobsohn (Berlin), Klinik der Nerven¬ 
krankheiten. Ein Lehrbuch für Ärzte und 
Studierende. Mit einem Vorwort von Prof. 
G. Klemperer. Mit 367 Abbildungen im 
Text und 4 Tafeln im Farbendruck. Berlin 
1913. Verlag von A. Hirschwald. 488 S. 

Schon wieder ein neues kurzes Lehrbuch 
der Nervenkrankheiten! Und doch ein anderes, 
als alle vorhandenen Fußend auf dem großen 
neurologischen Material des Krankenhauses 
Moabit-Berlin war es dem Verfasser möglich, 
außer den typischen Krankheitsbildern auch 
einen großen Teil seltener Affektionen klinisch 
zu beobachten, mit allen Mitteln einer modernen 
Krankenanstalt zu untersuchen und — worauf 
der Hauptwert gelegt wurde — im Bilde 
(Röntgen, Blitzlicht, Zeichnung) festzuhalten. 
Der kurze Text ist nicht ohne Geschick abgefaßt 
Die Stellungnahme des Verfassers zu schweben¬ 
den Fragen wird fast durchgehend genügend 
begründet und mit Erfahrungen durch Biopsie, 
Sektion und Laboratoriumsuntersuchung belegt. 
Alles Theoretische ist dabei nach Möglichkeit 
vermieden und auch die Pathologie nur kurz 
berücksichtigt. Die Abbildungen, größenteils 
eigene Photographien, verleihen dem Buch sein 
Gepräge und seinen Wert: sie sind in der Tat 
äußerst instruktiv und gut ausgewählt. Die 
Reproduktion sowie die ganze Ausstattung des 
Werkes ist hervorragend. 


Eignen tut sich das Buch zur Einführung* 
in die Neurologie für den Studenten, für den 
jungen Arzt, der noch nicht viel gesehen hat, 
und für den älteren Praktiker, der sich in be¬ 
quemer und angenehmer Weise den gegen¬ 
wärtigen Stand der Neurologie zugängig machen 
will. Für den Neurologen ist das Buch nicht, 
da es im ganzen — was ja z. T. schon durch 
seine Kürze bedingt ist — an der Oberfläche 
bleibt W. Alexander (Berlin). 

J. Fischer (Nauheim), Seekrankheit und 
Yagotonle. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 37. 

Fast alle Erscheinungen der Seekrankheit 
lassen sich analog der Wirkung des Physostig¬ 
mins aus einem Reiz im autonomen System 
erklären, nur wenige müssen auf einen Reiz 
im sympathischen System. bezogen werden. 
Die daraufhin bei 52 meist sehr schweren See¬ 
kranken gemachten Atropininjektionen zeigten 
überraschend gute Resultate. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 


J. Ho ff mann (Breslau), Seekrankheit und 
Hypnose. Münchener med. Wochenschrift 
1913. Nr. 37. 

Verfasser skizziert zwei verschiedene, 
jeder anderen Behandlung trotzende Formen 
von Seekrankheit, welche auf Hypnose prompt 
reagierten. 

J. Ruhemann (Berlin-Wilmersdorf). 

Adolf Baglnsky, Zur Kenntnis der ncpbrl« 
tiscben Herzanomalien bei Scharlach und 
ihre Behandlung. Berliner klin. Wochen¬ 
schrift 1913. Nr. 42. 

Verfasser empfiehlt als geradezu lebens¬ 
rettende Prozedur bei Urämie verbunden mit 
anhaltendem hohen Fieber und Verfall der 
Herzkraft die „kalte Schwitzpackung“. Bei 
urämischen Erscheinungen und Herzdilatation 
ohne Fieber wirken Venäsektion und konsequent 
durchgeführte Schwitzprozeduren günstig. In 
beiden Fällen stehen die Herzmittel und die 
Diuretika hilfreich zur Seite. 

J. Ruhe mann (Berlin-Wilmersdorf). 

C. Cantlerl (Siena), Ipertensione e coleste» 
rinemia. Riv. crit. di clin. med. 1913. Nr 42. 

Die Untersuchungen an Arteriosklerotikern 
und Nephritikern ergaben: bei Arteriosklerose 
mit erhöhtem Blutdruck läßt sich kein Zu¬ 
sammenhang zwischen Cholesterinämie und 
Blutdrucksteigerung nachweisen. Ebensowenig 
besteht ein Zusammenhang zwischen Verkalkung 


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192 


Tagesgeschichtliche Notizen. 


der Arterienwände und Cholesterinämie. Schwan¬ 
kungen des Blutdrucks bei demselben Indivi¬ 
duum sind ohne Einfluß auf den Cholesterin¬ 
gehalt des Blutes bzw. unabhängig davon. Bei 
Arteriosklerose ohne Blutdrucksteigerung be¬ 
obachtet man bald hohen, bald niedrigen Cho¬ 
lesteringehalt des Blutes. Auch die verschie¬ 
denen Stadien der Arteriosklerose sind ohne 
Beziehungen zum Cholesteringehalt des Blutes. 

Bei Nephritikern erweist sich die Ver¬ 
mehrung des Cholesterins unabhängig von Blut¬ 
druck, da sie auch bei Verminderung des Blut¬ 
drucks auftreten kann. 

Ein Zusammenhang zwischen Hyperchole- 
sterinämie und Blutdrucksteigerung ist daher 
nicht anzunehmen. Der Gehalt des Blutes an 
Cholesterin ist abhängig von der Nahrung. 

Sobotta (Schmiedeberg i. R.). 

Ferpöre (du Mont-Dore), Physiotherapie 
de l’asthme« Archives gänörales de mädecine 
1913. Aoüt. 

Besprechung der einzelnen physikalischen 
Heilfaktoren bei der Asthmabehandlung. 
Atmungsgymnastik, pneumatische Kammer, die 
Hydrotherapie, der klimatische Faktor, endlich 
auch die Trinkkuren werden im einzelnen 
gewürdigt. Während des Anfalls bzw. für die 
Zeit, wo ein Anfall droht oder nur leichte 
Beschwerden bestehen, empfiehlt Verfasser 


warme Fußbäder bzw. Duschen von 38—40°; 
für die anfallsfreien Zeiten zieht er kalte 
Anwendungen vor. Die Trinkkuren richten 
sich weniger gegen das Asthma selbst, als 
gegen das konstitutionelle Element, auf dem 
das Asthma zustande gekommen ist. 

Naumann (Meran-Reinerz). 

Abderhalden (Halle), Gedanken über den 
spezifischen Bau der Zellen der einzelnen 
Organe und ein neues biologisches Gesetz. 

Münchener med. Wochenschrift 1913. Nr. 43. 

Es kann die Annahme nicht von der Hand 
gewiesen werden, daß in der Organismenwelt 
jede Zellart einen besonderen für sie charak¬ 
teristischen Bau bat. Es scheint sich weiterhin 
das wichtige Gesetz zu ergeben, daß innerhalb 
der ganzen Tierreihe die mit gleichen Auf¬ 
gaben ausgestatteten Organe in ihren Zellen 
einander ähnliche Eiweißstoffe haben. Dieser 
Schluß scheint wohl berechtigt, da ein Serum, 
das auf ein bestimmtes Organ eingestellte 
Abwehrfermente besitzt, nicht nur das einem 
bestimmten Organismus angehörende Gewebe, 
sondern auch die Zellproteine ganz anderer 
Tierarten abbaut. Vielleicht wird es möglich 
sein, mit Hilfe der Zellfermente Ähnlichkeiten 
in der ganzen Tierreihe nachzusptiren und auf 
diese Weise onto- und phylogenetischen Fragen 
nachzugehen. Naumann (Meran Reinerz). 


Tagesgeschichtliche Notizen. 

Fünfonddreissigste öffentliche Versammlung der Balneologischen Gesellschaft in 
Hamburg, 11. bis 16. März 1914. Tagesordnung: Mittwoch, den 11. März 1914, 
abends 6 Uhr: Sitzung des Vorstandes, des Ausschusses und der Preisrichter im Hotel Esplanade. 
Abends 8 Uhr: Begrüßung der Mitglieder und deren Damen im Hotel Esplanade. Abends 9 Uhr: 
Lichtbildervortrag über Österreichische Reisegebiete im Hotel Esplanade. — Donnerstag, den 
12. März, vormittags 9 Uhr und nachmittags 3 Uhr: Sitzungen. Abends: Kleinere Veranstal¬ 
tungen. — Freitag, den 13. März, vormittags 9 Uhr und nachmittags 3 Uhr: Sitzungen im 
Eppendorfer Krankenhaus. Während der Pause von 1 bis 3 Uhr Frühstück im Eppendorfer 
Krankenhaus auf Einladung von Herrn Professor Dr. Brauer, Direktor des Krankenhauses. 
Abends: Theater. — Sonnabend, den 14. März, vormittags 9 Uhr und nachmittags 3 Uhr: 
Sitzungen. Abends: Festessen. — Sonntag, den 15. März, vormittags 10 Uhr: Sitzung. 
Abends: Empfang auf einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie. — Montag, den 16. März, 
vormittags 9 Uhr und nachmittags 3 Uhr: Sitzungen. 

Die Sitzungen finden außer am Freitag im Vorlesungsgebäude an der Edmund 
Siemers-Allee statt. 

Der Vorstand: 

Brieger, Schliep, Thilenius, Kisch, Laqueur, Weizsäcker, 
Fellner, Bickel, Strauß. 

Brock, Generalsekretär, Berlin NW. 52, Thomasiusstraße 24. 

Ein Damenkomitee ist gebildet. 

Wegen Wohnungen wende man sich an Herrn Dunk er, Sekretär im Direktionsbureau 
des Krankenhauses Hamburg-Eppendorf. 

Berlin, Druck ron W. BQxenstein. 


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Original - Arbeiten, 


i. 

Die Heilerfolge der konservativen Behandlung 
der Spontangangrän und ihr verwandter Erkrankungen 
im Lichte der Theorie und Praxis. 

Von 

Dr. Joseph Deutsch 

in Kiew (Rußland). 

„Nur der, wer es vermag, die Wege eu ver¬ 
folgen, die die Natur Eur Heilung von Krankheiten 
einschlägt, nur der wird am Ende in der An¬ 
wendung des gefundenen Mittels am geschicktesten 
sein . 11 Karl Eduard Kirmsse. 

Auf dem XVI. internationalen medizinischen Kongreß in Budapest setzte ich 
znm erstenmal die Grundprinzipien einer methodischen Behandlung der Endarteriitis 
obliterans (resp. der Spontangangrän) der Extremitäten auseinander, und kurz 
darauf berichtete ich in einem Vortrag in der Gesellschaft der Kiewer Ärzte (mit 
Demonstration der Kranken) über die mittels der von mir vorgeschlagenen neuen 
konservativen Behandlungsmethode bei Spontangangrän erzielten Resultate. 

1910 widmete ich dieser Frage einen ausführlichen Artikel in dieser Zeit¬ 
schrift 1 ) und veröffentlichte einen anderen in russischer Sprache in der „Thera¬ 
peutischen Rundschau“. 2 ) 

Dessenungeachtet ist meine Methode bisher nicht über die Grenzen meiner 
Vaterstadt hinausgedrungen und hat — so weit mir aus einer allerdings nur 
flüchtigen Durchsicht der einschlägigen Literatur der letzten vier Jahre bekannt 
ist — offenbar nirgends weiter Anwendung gefunden. 

Einzig und allein in Kiew, wo ich praktiziere, hat sich meine Methode — dem 
Sprichwort „niemand ist Prophet in seinem Vaterlande“ zum Trotz — gewisser¬ 
maßen das Bürgerrecht erworben. So schenkte ein Kiewer Philanthrop, Herr 
Rabbinersohn, mit Approbation des Medizinalinspektors dem hiesigen Jüdischen 


') J. Deutsch, „über eine neue Behandlungsmethode der spontanen Gangrän mittels 
Heißluft and Rotlicht“. Zeitschrift fOr physikalische und diätetische Therapie 1910. Bd. 14. 

*) Derselbe, „Zur Frage der konservativen Behandlung der spontanen Gangrän“. 
„Terapewtitscheskoje Obosrjenie“ 1910. Nr. 4. (Russisch.) 

Z.lUchr. t pbyiüc. o. dilt Therapie Bd. XVIIL Heft 4. 13 


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194 


Joseph Deutsch 


Krankenhause die zur konservativen Behandlung Gangränkranker erforderlichen 
Apparate. Aach danke ich es allein dem Vertrauen, das viele angesehene Kiewer 
Chirurgen und innere Ärzte meiner Methode entgegenbringen, wenn ich gegenwärtig 
über ein umfangreiches klinisches Material verfüge, das mich zu weiteren 
Folgerungen und umfassenderen Verallgemeinerungen berechtigt. 

Dieses Material umfaßt etwa 100 Fälle (inkl. Rezidive) von Endarteriitis 
obliterans der Extremitäten, die sich klinisch entweder in einem Symptomen- 
komplex des intermittierenden Hinkens — dem anerkannten Vorboten der Gangrän — 
oder in einer nekrobiotischen Form der Gangrän selbst äußert. 

Natürlich gibt es zwischen der Initialform der Claudicatio intermittens, 
die häufig leider selbst von erfahrenen Ärzten übersehen wird, und der exquisit 
ausgesprochenen Gangrän noch eine Reihe von Übergängen, die aber alle — wie 
ich ausdrücklich hervorhebe — nur klinische Modifikationen ein und desselben 
langsam verlaufenden und stetig progressierenden pathologischen Prozesses in den 
Gefäßen der Extremitäten, allerdings in verschiedenen Stadien der Entwicklung, 
darstellen. 

Die direkte Aufgabe der pathogenetischen Therapie besteht bei derartigen 
Erkrankungen darin, die gestörte Blutzirkulation in den durch Endarteriitis 
affizierten Extremitäten entweder durch Erweiterung der verengten und zum Teil 
obliterierten Gefäße, oder aber durch Anbahnung eines genügenden kollateralen 
Blutstroms wiederherzustellen. 

Die von mir ausgebildete konservative Behandlungsmethode bei Gangrän 
entspricht dieser Grundforderung vollkommen. 

Wie aus meinen veröffentlichten Arbeiten bereits bekannt ist, besteht die 
von mir vorgeschlagene Behandlungsmethode im wesentlichen in einer methodischen 
Anwendung von Wärme, Licht und Elektrizität, d. h. jenen biologischen 
Faktoren, die gegenwärtig den unentbehrlichen Teil unseres therapeutischen 
Arsenals bilden. 

A. Unter den mannigfachen Wärmeträgern, zu denen man heutzutage für 
thermotherapeutische Zwecke allgemein Zuflucht nimmt, habe ich zur Erzeugung 1 
einer aktiven Hyperämie in den Extremitäten den elektrischen Thermophoren, die 
leicht dosierbare trockne Kontaktwärme erzeugen, den Vorzug gegeben. Diese 
Thermophore, die ich der Bequemlichkeit halber in Form von Binden anwende, 
sind imstande, bei gleichmäßiger und allmählicher Erwärmung — je nach 
dem Stande der drei Wärmestufen ermöglichenden Reguliervorrichtung — eine 
Temperatur bis zu etwa 70° C zu erzeugen. 

Was die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen hohe Temperaturen anbetrifft, 
so ist die Toleranzgrenze bei an Claudicatio intermittens und namentlich an 
Gangrän Leidenden bekanntlich zwar individuell verschieden, im allgemeinen aber 
sehr niedrig. Nach meinen Beobachtungen sinkt diese Grenze überdies in distaler 
Richtung. Das Anlegen solcher Thermophore auf die affizierten Extremitäten 
erfordert demnach gewisse Vorsichtsmaßregeln: 

1. wird die affizierte Extremität von mir nicht in toto der Erwärmung¬ 
ausgesetzt, sondern die gegen Temperaturreiz empfindlicheren peripheren 
Teile bleiben, namentlich an der Grenze des Gangränherdes, außerhalb 
der Einwirkung des elektrischen Thermophors. So wird der Thermophor 


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Die Heilerfolge der konservativen Behandlung der Spontangangrän usw. 195 


z. B. bei Affektionen des Fußes nnr auf Ober- und Unterschenkel, bei 
Affektionen der Hand nur auf Ober- und Unterarm appliziert; 

2. wird der der Erwärmung auszusetzende Teil der Extremität zur Erzielung 
einer schonenderen Wirkung zunächst mit einer Binde, die aus einer 
mit Mull überzogenen lockeren Wattenschicht besteht, umhüllt, und erst 
über diese Wattenbinde wird dann in regelmäßigen und nicht zu festen 
Windungen die Thermophorbinde angelegt. 

Zur Feststellung des Temperaturoptimums, das in den affizierten Extremitäten 
die gewünschte Gefäßreaktion hervorzurufen imstande ist, nahm ich eine Reihe 
von Temperaturmessungen in der schmalen Luftschicht vor, welche zwischen dem 
elektrischen Thermophor und dem Körper des Patienten gebildet wird. Zu diesem 
Zwecke führte ich unter die Wattenbinde Maximalthermometer ein, die fest auf 
der Haut des Patienten auflagen, welche zur Ausschaltung des Einflusses der 
Schweißabsonderung anf die Angaben des Thermometers nur mit einem dünnen 
Baumwollgewebe bedeckt war. Hierbei erwies sich, daß die Thermometer in allen 
Fällen, in denen über Verlauf und Ausgang der Behandlung die günstigsten 
Resultate zu verzeichnen waren, nach halbstündiger Sitzung nur eine Temperatur 
von etwa 40° bis 45° C angaben. Nach Entfernung des Thermophors erschien 
die Extremität nur leicht gerötet und fast völlig trocken. Dazu hatten wir bei 
unsern Kranken während der sich täglich wiederholenden halbstündigen Sitzungen 
niemals irgendeine jener unwillkommenen, bei gewöhnlicher forcierter Thermo- 
therapie aber unausbleiblichen Allgemeinerscheinungen, wie Herzklopfen, Schwäche, 
Schweißabsonderung, Kopfschmerzen usw., zu konstatieren. Die von uns auf solche 
Weise bei Claudicatio intermittens und Gangrän gewonnenen therapeutischen 
Resultate führen uns also unweigerlich zu dem Schlüsse, daß wir durch relativ 
niedrige Temperaturen, bei denen eine lokale Hyperämie der Haut kaum aus¬ 
gesprochen war, in allen Fällen eine aktive Hyperämie in den tiefen Schichten der 
affizierten Extremitäten erzielten. Bekannte Kiewer Chirurgen (Prof. Malinowsky, 
DDr. Tscheremuchin, Bychowsky und Solkower) hatten aber auch Gelegenheit, 
diesen Effekt der Hyperämisierung bei meinen Patienten unmittelbar — ad oculos — 
zu beobachten. Bei Amputation der Extremitäten solcher Kranken, die sich zur 
Erzielung einer Demarkation vor der Operation der Thermophorbehandlung unter¬ 
zogen hatten, konnten sie nämlich in den affizierten Extremitäten, selbst bei 
vollständiger Obliteration bestimmter größerer Arterienstämme, die Entwicklung 
einer genügenden kollateralen Blutzirkulation konstatieren. Besonderes Interesse 
bietet in dieser Beziehung eine von Dr. Solkower während der an dem 
Patienten E. vorgenommenen Amputation gemachte Beobachtung. Als dieser 
Patient zu mir in die Klinik eintrat, war der größte Teil des Fußes von 
Gangrän affiziert, ohne die geringste Spur einer Demarkation aufzuweisen. 
Unsere Aufgabe hatte nur darin bestehen können, bei dem Kranken so schnell 
wie möglich eine Demarkation herbeizuführen und ihn in Anbetracht seines äußerst 
schweren Allgemeinzustandes dem Chirurgen zur Amputation zu überweisen. 
Im Laufe von 10 Tagen war es uns denn auch fast gelungen, die Gangrän 
abzugrenzen. Bei der im untern Drittel des Unterschenkels vorgenommenen 
Amputation konstatierte Dr. Solkower eine fast genügende Blut Versorgung in 
den zentralen Teilen des Stumpfes, bei völliger Obliteration der Art. tibialis 

13* 


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196 


Joseph Deutsch 


posticae and relativer Anämie der in der Sichtung nach der Hautoberfläche 
gelegenen Teile. Als Folge dieser ungenügenden Blutversorgung des Stumpfes 
war die in einem Teile des oberen Lappens desselben entstandene Gangräneszenz 
zu betrachten. Die wohltätige Wirkung der Thermophorbehandlung äußerte sich 
in diesem Falle besonders frappant: zweiwöchige Thermophorapplikationen am 
Oberschenkel der amputierten Extremität kurz nach der Operation führten sowohl 
zu einer ausgiebigen Hyperämie an den peripheren Teilen, als auch zu einer 
allmählichen Abstoßung der nekrotischen Teile unter üppigen Granulationen. 

Allerdings stehen die therapeutischen Resultate, die wir durch verhältnismäßig 
niedrige Temperaturen zwischen 40—45° C erzielten, zu der in der Thermotherapie 
verbreiteten Tendenz, aktive Hyperämie durch übermäßig hohe Temperaturen 
herbeizuführen, in direktem Widerspruch. So sagt eine so unbestrittene Autorität 
auf diesem Gebiete wie Prof. Bier 1 ): „Ich habe deshalb stets angenommen, daß 
die Hyperämie, welche die Hitze erzeugt, sich nicht auf die Haut beschränkt und 
die tieferen Teile entlastet, sondern im Gegenteil die sämtlichen Gewebe durch 
die große Dicke eines Gliedes, welches ihr ausgesetzt ist, hyperämisiert, voraus¬ 
gesetzt, daß sie nur stark genug angewandt wird.“ Dieses „stark genug“ 
bedeutet bei Bier, in Zahlen ausgedrückt, eine Heißluft von 100, 110, 115° C 
und darüber. Allerdings beklagt sich Bier an einer andern Stelle darüber, daß 
die durch hochtemperierte Heißluft erzeugte aktive Hyperämie keine so glänzenden 
Resultate zutage fördere, wie sie durch künstliche passive Hyperämie erzielt zu 
werden pflegen und führt die Verschiedenheit des therapeutischen Effekts auf die 
zu stark hyperämisierende Wirkung der Heißluft zurück. Andrerseits steht aber 
das von uns zu dem genannten Zweck festgestellte relativ niedrige Temperatur¬ 
optimum sowohl mit dem R. Arndtschen biologischen Gesetze, als auch den 
experimentellen Arbeiten der neueren Zeit völlig im Einklang. Das Arndtsche 
Gesetz lautet bekanntlich: „Schwache Reize fachen die Lebenstätigkeit an, mittlere 
fördern sie, starke hemmen sie.“ In Übereinstimmung damit kam der bekannte 
Chirurg Carl v. Schiller, 2 ) welcher die pathologische Wirkung der Hitze auf 
die Lebenstätigkeit der Gewebe studierte, zu dem Schlüsse, daß eine heilsame 
aktive Hyperämie durch Erwärmung mittleren Grades erzeugt wird, während 
übermäßig hohe Temperaturen innerhalb der noch lange nicht erforschten und 
für die verschiedenen Gewebe jedenfalls verschiedenen „Toleranzgrenzen“ gerade 
im Gegenteil die aktive Hyperämie aufheben und Gefäßkrampf und Stauung ver¬ 
ursachen. 

Ferner veröffentlichte Dr. Pissemsky 8 ) vor kurzem eine sehr interessante 
experimentelle Arbeit über den Einfluß der Temperatur auf die peripheren Gefäße. 
Die Temperaturreize wurden intravaskulär und durch die Haut erforscht, 
wobei das isolierte Ohr des Kaninchens als Objekt diente. Indem der Autor die 
Ansicht früherer Forscher (Lewaschow u. a.) über die gefäßerweiternde Wirkung 


') Bier, Hyperämie als Heilmittel. Leipzig 1907. S. 22. — Derselbe, Münchener med. 
Wochenschrift 1905. Nr. 7. 

*) Carl v. Schiller, „Die pathologische Wirkung der Hitze auf die Gewebe“. Zeitschrift 
für physikalische und diätetische Therapie Bd. 15. S. 546. 

*) Pissemsky, „Ober den Einfluß der Wärme auf die peripheren Gefäße“. Russky 
Wratsch 1913. Nr. 41 (russisch). 


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Die Heilerfolge der konservativen Behandlung der Spontangangrän usw. 197 

der Temperatursteigerung und die gefäßverengende der Temperaturherab¬ 
setzung bestätigt, stellt er für die peripheren Gefäße des Kaninchens bei Wärme¬ 
einwirkung durch die Haut eine „kritische“ Temperatur von 62° C fest, bei der 
Gefäßkrampf einzutreten pflegt. Aber schon eine Temperatur gegen 55° C übt 
nach den Beobachtungen des Autors nur bei kurzer Dauer eine gefäßerweiternde 
Wirkung aus; bei längerer Dauer folgt unmittelbar auf rasche Erweiterung eine 
allmähliche Verengung der Gefäße. Letztere bringt der Autor mit der „ver¬ 
derblichen Wirkung hoher Temperaturen auf die Gefäßwand“ in Zusammenhang. 

Aber abgesehen von der absoluten Höhe des von uns bestimmten Temperatur- 
Optimums“ wird die Erzeugung einer heilsam wirkenden aktiven Hyperämie in 
unseren Fällen zweifellos noch durch einen anderen wichtigen Faktor, nämlich 
den von uns empfohlenen Mechanismus der Erwärmung gefördert, der in einer 
sehr allmählichen und gleichmäßigen Temperatursteigerung bis zum ge¬ 
wünschten Optimum besteht. Für diese Ansicht sprechen auch die plethysmo¬ 
graphischen Untersuchungen Sarah Amitins, 1 ) die bei allmählicher Temperatur¬ 
steigerung stets Gefäßerweiterung und umgekehrt bei plötzlichen und jähen 
Temperatursteigerungen starke Gefäßverengerung beobachtete. In dieser Arbeit 
Frau Amitins fand ich auch eine vollkommen befriedigende Erklärung für die 
von mir beobachtete Tatsache, daß die zu gleichem Zweck zur Anwendung ge¬ 
langende Kontaktwärme in Form von Kataplasmen aus Hafer, Kleie, Sand usw. 
bei absolut gleicher Temperatur durchaus nicht die gleichen therapeutischen Erfolge 
zeitigt. Die erwähnte Forscherin machte nämlich die interessante Beobachtung, 
daß die plötzliche Einwirkung einer Temperatur von 40 0 C eine starke Verengerung 
des Blutstrombettes herbeiführte, welche sogar beim Sinken der Temperatur bis 
auf 35° anhielt, während eine Temperatur von 35° sonst immer eine Gefä߬ 
erweiterung bewirkt hatte. 

Wir können demnach die Vorzüge, die die elektrischen Thermophore bei 
der von uns beschriebenen Anwendungsmethode zur Erzeugung einer aktiven 
Hyperämie bieten, folgendermaßen formulieren: 

1. ermöglichen diese Thermophore eine leichte und zuverlässige Dosierung 
des thermischen Reizes; 

2. bietet die allmähliche und gleichmäßige Erwärmung, die durch diese 
Thermophore mittels elektrischen Stroms ermöglicht wird, den Vorteil, daß sich 
die Wärme bis zu dem gewünschten Temperaturoptimum einschleichen und auf 
diesem beliebig lange verharren kann; und 

3. gestatten die Thermophorbinden den Gangränkranken, die affizierten Ex¬ 
tremitäten während der Sitzungen in beliebiger Lage zu halten, was ein Moment 
von wesentlicher Bedeutung bildet. 

B. Was die Lichtbehandlung anbetrifft, so bediente ich mich dabei entweder 
der strahlenden Wärme der Glühlämpcben oder des Bogenlichts. Lichtbäder mit 
Glühlämpchen meiner Konstruktion „Universal“ wandte ich im Verein mit anderen 
Prozeduren ausschließlich in den Initialstadien des intermittierenden Hinkens an; 
in dem Maße, in dem sich die Claudicatio intermittens der Gangrän nähert, werden 

Sarah Amitin, „Über den Tonus der Blutgefäße bei Einwirkung der Wärme und 
Kälte“. Zeitschrift fQr Biologie Bd. 85. Neue Folge Bd. 17. S. 13. 


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198 Joseph Deutsch 

die Lichtbäder immer schlechter und schlechter vertragen and können bei aus¬ 
gesprochener Gangrän überhaupt nicht mehr zur Anwendung gelangen. Diese 
Empfindlichkeit der Patienten gegen Lichtbäder habe ich mit solcher Regelmäßig¬ 
keit beobachten können, daß ich diese Erscheinung zur Diagnose und Prognose 
verwerte. Bogenlicht, und zwar vorwiegend in Form monochromatischen Rotlichts, 
benutze ich jetzt ausschließlich bei Gangrän, um eine raschere Vernarbung und 
Verheilung der gangränösen Geschwüre und Wunden nach Abstoßung der nekroti¬ 
schen Teile zu erzielen. Wenn ich eine Anregung der Assimilationsprozesse in 
den dem Gangränherde naheliegenden Abschnitten der Extremität erstrebe, so 
verlasse ich mich hierbei jetzt weniger auf das Rotlicht, mit dem ich mich in 
meiner früheren Arbeit eingehender befaßt habe, und nehme lieber zu den d’Arson- 
vakchen Strömen und der Diathermie meine Zuflucht. Überhaupt bilden Hoch¬ 
frequenzströme die einzige Form von Elektrizität, die ich gegenwärtig statt der 
früheren Galvanisation nach Erb bei Endarteriitis an wende. 1 ) 

Gehen wir nun zur Analyse unseres klinischen Materials über. 

Von 88 Erkrankungen an Endarteriitis obliterans der Extremitäten entfallen 
nur 33 Fälle auf intermittierendes Hinken und die übrigen 55 Fälle sämtlich auf 
Spontangangrän — die gangränösen Geschwüre endarteriitischen Ursprungs mit 
eingerechnet. Dieses Überwiegen der Gangränkranken ist zweifellos darauf zurück¬ 
zuführen, daß die Patienten bereits mit Erscheinungen einer ausgesprochenen 
Gangrän zu spät in unsere Behandlung kamen. Nach der Anamnese zu urteilen, 
hatten sämtliche Kranken lange vor Auftreten der Gangrän in höherem oder 
geringerem Grade an intermittierendem Hinken gelitten, welches aber nicht richtig 
erkannt, bald als Gicht, bald als Rheumatismus oder Neuritis diagnostiziert und 
dementsprechend erfolglos behandelt worden war. Zweifellos hätten diese Kranken 
durch eine frühzeitige richtige Diagnose und eine rechtzeitig unternommene ent¬ 
sprechende Behandlung vor einem so furchtbaren Leiden, wie es die Gangrän der 
Extremitäten darstellt, bewahrt werden können. 

Nach dem Alter verteilen sich die Kranken wie folgt: 


von 

74-60 

Jahren 

ca. 

19°/„, 

?? 

60-50 

77 

77 

25 °/ 0 , 

V 

50—40 

77 

77 

25%, 

7» 

40—30 

75 

77 

22 %, 

»5 

30—20 

77 

77 

9 °/ 0 * 


Der höchste Prozentsatz der Gefäßerkrankungen in den Extremitäten gilt 
also für das Alter zwischen 40—60 Jahren. 

Auf Verlauf und Ausgang der Krankheit übt das Alter bei meiner Behand¬ 
lungsmethode wider Erwarten keinen merklichen Einfluß aus. 

Die Berufsart ist für das Auftreten funktioneller Störungen in den Extremitäten 
bis hinauf zur Gangrän insofern von Bedeutung, als Personen, die ihrer Beschäftigung 
bei jedem Wetter im Freien oder in kalten, feuchten Räumen nachgehen müssen, 
der Erkrankung leichter ausgesetzt sind, sobald nur andere allgemein als solche 
geltende ätiologische Momente mitwirken. Das bezieht sich z. B. auf Holzhändler, 

') Der Technik und Methodik dieses neuen Gebiets der Elektrotherapie will ich in aller¬ 
nächster Zeit einen speziellen Artikel widmen. 


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Die Heilerfolge der konservativen Behandlung der Spontangangrän usw. 


199 


die gezwungen sind, im Herbst und Winter beim Fällen and Sägen der Bäume 
lange Zeit nnter freiem Himmel im Walde zaznbringen, Eieinkrämer, die sich zu 
jeder Jahreszeit in ungeheizten Räumen aufhalten, Aufseher von Erdarbeiten, 
Müller, Militärpersonen, Landärzte usw. 

Von ätiologischen Momenten spielt chronische Nikotinvergiftung bei der Ent¬ 
wicklung der Endarteriitis der Extremitäten in unserem Material eine vorherrschende 
Rolle. So entfallen auf 85 Kranke — lauter enragierte Raucher —, von denen 
die „mäßigen“ 1 Pfund, die „leidenschaftlichen“ bis zu 2 und 3 Pfund Tabak im 
Monat verrauchen, nur 3 Personen, die sich des Rauchens enthalten. Nach dem 
Rauchen kommen also nur ca. 3,5 °/o andere ätiologische Momente in Betracht. 
Auf den engen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Endarteriitis obliterans 
der Gefäße und dem Mißbrauch von Tabak weisen mit Sicherheit folgende Tat¬ 
sachen hin: 

1. ist der Tabak (das Nikotin?) durch eine Reihe klinischer Beobachtungen 
und experimenteller Arbeiten zu einem schädigenden Herz- und Gefäßgift gestempelt 
worden (Huchard, 1 ) v. Schrötter, 2 ) Erb, 8 )Wladytschko, 4 )Shebrowsky 5 ) u. a.); 

2 kommt in unserem Material auf 85 männliche Patienten keine einzige an 
intermittierendem Hinken leidende Frau, und Mißbrauch von Tabak ist doch 
bekanntlich unter Frauen eine große Seltenheit; 

3. sind Rezidive fast ausschließlich bei solchen Kranken beobachtet worden, 
die — dem ärztlichen Verbot zuwider — das Rauchen nicht aufgeben wollten; und 

4. läßt sich bei tabakrauchenden Kranken nach Abstoßung der nekrotischen 
Teile ein sehr träger Verheilungs- und Vernarbungsprozeß der gangränösen 
Geschwüre und Wunden und umgekehrt eine auffallend rasche Heilung beim Auf- 
geben des Rauchens konstatieren. 

Völliges Aufgeben des Rauchens ohne entsprechende Behandlung führt jedoch 
bei Endarteriitis der Extremitäten offenbar zu keiner merklichen Besserung in den 
Symptomen des intermittierenden Hinkens, geschweige denn der Gangrän. Im 
Gegenteil ist unter die Erkrankung begünstigenden Umständen — wie z. B. bei 
großen Temperaturschwankungen der Umgebung — zeitweise ein langsames Fort¬ 
schreiten des einmal begonnenen Prozesses in den Gefäßen der Extremitäten zu 
beobachten. 

In dieser Beziehung ist folgender Fall von Interesse. Patient D., ein leiden¬ 
schaftlicher Raucher, hatte das Rauchen vor 10 Jahren infolge einer Lungen¬ 
erkrankung aufgegeben; erst 8 Jahre später stellten sich bei ihm deutliche Zeichen 
des intermittierenden Hinkens ein, nachdem Patient allerdings lange vorher schon 
Schwere und Unbehagen in den Extremitäten empfunden hatte. Es ist anzunehmen, 
daß der endarteriitische Prozeß in den Gefäßen der linken Extremität, der sich 
damals im Anfangsstadium befunden hatte, infolge der Berufsart des Patienten 

') Huchard, Traitö clin. des maladies du cceur et des vaisseaux 1893. S. 696. 

*) Schrötter, Die deutsche Klinik. Berlin 1907. 

*) Erb, MQnchener med. Wochenschrift 1904. S. 907. 

4 ) Wladytschko, Über den Einfluß des Tabakrauches auf das Nervensystem sowie den 
gesamten Organismus. St. Petersburg 1909 (russisch). 

*) Shebrowsky, Zur Frage des Einflusses des Tabakrauches auf die Blutgefäße der 
Tiere. Russky Wratsch 1907. Nr. 6, und 1908. Nr. 13. 


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200 


Joseph Deutsch 


(Aufenthalt in einem kalten Laden mit Zementfußboden) langsam weiter fort¬ 
geschritten war und erst viele Jahre später eine entsprechende Behandlung 
erfordert hatte. 

Nach unsern Beobachtungen übt also das Anfgeben des Ranchens anf die 
Symptome des intermittierenden Hinkens keinen so nnmittelbaren Einfluß ans, wie 
wir dies auf Grund des mit Sicherheit festgestellten ursächlichen Zusammenhangs 
zwischen dem Anfgeben des Rauchens und dem bisweilen darauffolgenden gänzlichen 
Verschwinden einiger bei Ranchern beobachteter schwerer Symptome erwarten 
sollten. So verschwinden z. B. oft mit dem Anfgeben des Ranchens spurlos 
Symptome wie Herzklopfen, Schwindel, Tabakamblyopie und Tabakamaurose, Gehör-, 
Geschmack- und Geruchstörnngen nsw. 

Meines Erachtens liegt der Schlüssel zur Lösung dieses scheinbaren Wider- 
sprnchs darin, daß obige bei Ranchern beobachteten Symptome zweifellos nnr 
durch einen kurze Zeit dauernden und mit dem Anfgeben des Ranchens leicht 
verschwindenden Krampf der entsprechenden Arterie bedingt werden, während 
den Erscheinungen des Hinkens, resp. der Gangrän, durch chronische Nikotin¬ 
vergiftung hervorgerufene Gefäßveränderungen, wie z. B. Bildung sklerotischer 
Herde auf der Innenfläche der Gefäßwände oder Wucherungen der Intima bis za 
völliger Obliteration der Arterienstämme u. a., zugrunde liegen. In letzterem 
Falle ist neben Ausschaltung des Eindringens von Tabakrauch in den Organismus 
natürlich auch eine rationelle Behandlung notwendig. 

Die Endarteriitis obliterans lokalisiert sich auf Grund unserer Statistik häufiger 
in den unteren als in den oberen Extremitäten: auf 85 Kranke entfallen bei uns 
im ganzen nur zwei mit Gangrän der Finger. 

Gehen wir nun zur Analyse der von uns mittels unserer Methode gewonnenen 
therapeutischen Resultate über. 

In dieser Beziehung teile ich das Material in zwei Gruppen. 

Die erste Gruppe umfaßt die Fälle von Claudicatio intermittens (von den 
leichtesten bis zu den in Gangrän übergehenden Formen). 

Zur zweiten Gruppe zählen die Fälle ausgesprochener Spontangangrän in 
verschiedenen Stadien der Entwicklung. 

I. Bei sämtlichen Kranken mit Claudicatio intermittens erzielten wir in relativ 
kurzer Zeit (durchschnittlich im Laufe eines Monats) einen mehr oder minder 
vollständigen therapeutischen Effekt. So konnten Patienten, die sich vor der 
Behandlung vor Schmerzen nicht bewegen konnten oder im besten Falle 
20—50—100 Schritte zu machen imstande gewesen waren, wonach sie ein heftiger 
Schmerz — zumeist in der Wadenmuskulatur und im Fuße — zum Stehenbleiben 
oder Niedersetzen genötigt hatte, nach der Behandlung in solchem Zustande 
entlassen werden, daß sie ohne die geringsten Schmerzempfindungen auf ebenem 
Wege bequem 500—1000—1500 und mehr Schritte machen konnten, wobei ein 
Bedürfnis nach Ausruhen entweder gar nicht verspürt wurde oder höchstens 
periodische Ruhepausen von wenigen Sekunden erforderlich waren. 

Als Hlustration dazu, mit welcher Schnelligkeit die Blutzirkulation in den 
Extremitäten derartiger Kranken in Fluß gebracht werden kann, mögen die eigenen 
Notizen der Patienten über die Zahl der Schritte dienen, die sie während der 


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Dia Heilerfolge der konaervauvon Behandlung der -SjmntanßftKjrrif-n usw. 


täglichen Spaziergänge auf ebenem Wege bi? zürn Auftreten der ersten typischen 
SchmerzeinpÖndußgeR in des Extremitäten machen könoies, 

1. Notizen des Patienten ft. ' " • • ; 

Aro 12. April 1913 rrafc ich io die Bcilanatult ein. Rauche seit S Monaten nicht 
niebr. Käni) anf efeeneat W«ga flicht mehr afc 30—100 Schritte nmvhen, wonach heftiger 
Schmers Ir» 4er Wadenniuskuktur and im linken Piiüe Eintritt. Am 17. April erst» 
Sitzung, Auweodaug von Thermoptioräpplikäti»» und Ä'Arsonvaischeh Strömen. A:. " . 

19. April. . . 200 Schritte 2. Mai ... 780 Schritte 

24. April. . . 360 7. Mai . . . 1000 „ 

% Notizen des Patienten General K. 

Habe das Haschen 6 Monate vor Eintritt in die Heilanstalt anfgegebmi — Besserung 
nicht verspürt. Ruhepausen während des flehen« waren im letzten Jahre häufig mt4 4h-? 


haftend. Schmerzen in den Waden, Eüßen und sogar in beiden Oberschenkeln nötigten 
mich bisweilen, mich-hiflKasefzen. Ich begann meine Kor bei Dr.Deutsch am 6. Mai. 

11. Mai ... t20.„Schritte 22. Mai . . . GOO Schritte 

12. Mi ... »§•§ ., 23. Mai . . . 700 ., 

14. Mai . . 430 „ 24, Mai . . . 800 „ 

15. Mai . . bOO-dOO „ ') 30. Mai . . . 1000 „ 

Leichten Schmerz, empfinde ich jedoch unr noch im miiten großen Zeit. Ich kou- 
statiexs, daß di# Rnhepansen mit jedem Tage selteheV und erheblich kfirger werden. 

II. 3m SpöRt&ngaögrä», wblehe «iift PhajAnge eines der Finger od«r hielte: 
(s, Big. 24) oder alle Phalangen. aämtl&liftr Zehe elfter Extwniüil 

(e. Fig„ 25) ergrifiert hat, erweist sich die konserv'aiive öehääälüag stets atewirkssro. 

Zur vollständigen Terbeiicng ist ein Zeitraum von 6 Wochen bis zu 3 Monaten 
erforderlich. Demarkation tritt je nach der Größe des affizierten Abschnitts 
zwischen der zweiten und dritten Woche der BebacdlnTtg eia. Die nekrotischen 
Teile werden fasch mumifiziert und entweder von selbst abgestoßen oder mit Eliife 
des Arztes entfernt. Nach Abstoßung der nekrotischen Teile verheilen die Wunden 


fl Schmertba nur iiu rechten Kein. 




Jöaepl» Deptscb 


mir festen Karben, so daß sie in kosmetischer Beziehung' nichts zu wünschen 
übrig lassen» Eine solche Wirkung wurde in 49 Fällen erzielt, und nur in 6 Fällen, 
in 'denen die Patienten mit Affektionen des ganzen Fnßes oder eines großen Teils 
■desselben zu mir gekommen waren, endete unsere Behandlung mit Amputationen 
am Fuß oder Unterschenkel (nicht höher als bis zum oberen Drittel). 

Meine Methode aber dafür verantwortlich zu machen, daß sie nicht imstande war, 
die vis medicatrii naturae in solchem Maße zu wecken, daß eine Mumifikation, 
und selbständige Abstoßung so großer Teile dev affizierten .Extremität wie in den 
Angeführten f* Fällen iierbeigefiihrt werden konnte, ist meines Erachtens ebenso 
Angängig, wie das Diphtkerieseriinj äüf Grund der bloßen Tatsache, daß es sich 

Fig. 25. 


bei später Anwendung wenn das Diphtheriegift dem Organismus bereits irrer 
parableß Schaden zugefügt hat — häufig als machtlos erweist, als unzweckmäßig 
erklären zu wollen. Wir sehen, daß zwei der amputierten Kranken, L. und G, 
bei der ersten auf die Phalange eines Zehs begrenzten Erkrankung an Gangrän 
sehr rasch — im Laufe einiger Wochen —. genasen. ■ Als diese Patienten infolge 
Bauchen« und anderer schädlichen Einflüsse (wie B. irrationelle Themotherapie 
zu Banse vor Eintritt in unsere Heilanstalt) zum zweite« Male erkrankten, nahm 
■der"•gangränöse■■'Prozeß bei ihnen eine»’.so rapiden Verlauf, daß sie schon mit 
befrächüidieti Aifektioneu der Estremitäteu unter schwerenAllgemeinersehemtingen 
(wie hohe: Temperatur,.Herzschwäche, allgemeine Erschöpfung; «. ft.) in meine Be* 
handlang kamen. Bei diesen wie bei den übrigen 4 Patienfei), die in äußeret 
schwerem Zustande zu uns kamen, konnte unsere fberspeutische Aufgabe lediglich 
darin bestehen, eine möglichst rasche, mehr odei minderVollständige Demarkation 
herbeizuftihren, um die Krank*«,. danach dem Chirargeti mc entsprechenden Ampu¬ 
tation zu überweisen. In dieser Beziehung erfüllt e mmre Methode, wie wir 
bereits früher andentfeten, als wir uns auf das Urteil bekannter Chirurgen beriefen, 
■die diese Operationen auszufUhren Gelegenheit batten, Ihre Aufgabe zur völligen 

C.O glC ' UN^ERSITrSSchllGASl 



Die Heilerfolge der konservativen Behandlung der Spontangangrän usw. 


203 


Genüge. Alle Kranken dieser Grnppe waren entweder leidenschaftliche Rancher 
oder Alkoholiker and Luetiker. Fälle von diabetischer Gangrän waren in meinem 
Material nur spärlich vertreten. Bis 1912 war der diabetischen Gangrän mit 
meiner Methode nicht beiznkommen und erst, als ich bei derartigen Patienten 
neben der Thermo- und Phototherapie auch noch die d’Arsonvalschen Ströme and 
die Diathermie anwandte, begann ich recht ermutigende Resultate zu erzielen. 
Zur Illustration führe ich folgende Krankengeschichte an: 

Nikolaus J., 62 J. alt, Büffetier. Begann (ambulatorisch) mit der Kur am 23. No¬ 
vember 1912. Diagnose: Gangr. spont. digiti quinti pedis sin. Patient erfreute sich 
bis 1906 einer guten Gesundheit. Mit 20 Jahren Beginn von Exzessen in Venere et 
in Baccho. 

Lues negiert; von venerischen Krankheiten nur Gonorrhoe (im 50. Lebensjahre) 
durchgemacht. Niemals geraucht. Vor 6 Jahren spürte Patient allgemeine Mattigkeit; 
eine Harnanalyse ergab Vorhandensein von Zucker, in Menge von 4°/ 0 . 

Anfang Oktober 1912 begann Patient in der linken Extremität, namentlich an der 
Plantarseite des linken kleinen Zehs, heftigen Schmerz zu verspüren; bald darauf zeigte 
sich an diesem Zeh ein Biß, der |ich rasch in ein mit dickflüssigem putriden Sekret bedecktes 
rundes Geschwür verwandelte. Nach einmonatiger ergebnisloser Behandlung mit Salben, 
Pulvern, Kompressen und anderen Mitteln trat Patient auf Anraten Dr. Tscheremuchins 
in meine Anstalt ein. 

Patient ist gut ernährt, etwas fettleibig. Atmungsorgane normal, Herz etwas nach 
rechts erweitert. Akzent auf dem zweiten Aortenton. In beiden untern Extremitäten 
pulsieren nur die Aa feinorales. Die Art. tibial. postica und die Art. dors. pedis sind 
gar nicht palpabel. Patient fiebert etwas, Temperatur 37,8 und darüber. Im Harn 
Eiweißspuren, 0,16 %, Zucker 3,6%, in geringer Menge Azeton. 

Linker Fuß etwas ödematös, zyanotisch und fühlt sich kalt an. An der Plantar- 
fläche des kleinen Zehs ist ein rundes, etwa pfenniggroßes Geschwür Bichtbar. Das 
Geschwür ist mit einem zähen, putriden und übelriechenden Sekret bedeckt. Es fällt 
dem Patienten schwer, auf die affizierte Extremität aufzutreten. 

Therapie: 1. Diät; 2. Thermotherapie (elektrische Thermophorbinden, die täglich 
25—30 Minuten auf die affizierte Extremität appliziert wurden); 3. Phototherapie (Be¬ 
strahlung des Fußes und kleinen Zehs mit monochromatischem Rotlicht; 4. Elektro¬ 
therapie in Form der d’Arsonvalschen Ströme. 

Gegen Ende der zweiten Woche begann sich das Geschwür zu reinigen und zu 
vernarben, und zu Ende des Monats verheilte es, so daß Patient die Anstalt in gutem 
Zustande verlassen konnte. 

Aber schon am 19. Januar 1913 trat Patient abermals, und zwar diesmal mit aus¬ 
gesprochener Gangrän des rechten Fußes in unsere Anstalt ein. 

Diagnose: Gangraena spontanes pedis dextri. 

Status praesens: Der rechte Fuß und die Zehe stark ödematös, zyanotisch. Am 
Fußrücken sind sechs typische nekrotische Herde von runder Form und verschiedener 
Größe sichtbar. Diese Geschwüre sind spontan, namentlich aber bei Druck sehr schmerz¬ 
haft. Ihre Oberfläche ist mit einem zähen, talgigen, übelriechenden Sekret bedeckt.- 

Bei dem Patienten wurde die gewöhnliche Behandlung angewandt. Trotzdem 
ging der Zerfall der Gewebe weiter, die nekrotischen Herde schritten unaufhaltsam 
fort, ohne die geringste Tendenz zur Verheilung zu zeigen. Dem Patienten wurde 
daher nach Ablauf einer dreiwöchigen konservativen Behandlung in Anbetracht seines 
schweren Allgemeinbefindens zur Operation geraten. Allein Dr. Tscheremuchin, 
an den Patient sich wandte, lehnte im Hinblick auf den Diabetes und die Herz¬ 
schwäche des Patienten einen operativen Eingriff rundweg ab und empfahl dringend 
die Fortsetzung der begonnenen konservativen Behandlung. Darauf wurde bei 


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;$0t 


JOTBjih Dient scU 


dem PaÜenten mdmn den genannte«: therapeutischen Maßregel?» «ueh «beb jeden, 
fjbejtag Diathermie angewandt. Die gi.in{tf.igen-"Hesoltate dieser Behandlung traten 
sehr bald zutage, und nach dreimonatiger -.fCto konnte Patient mit vortrefflichem 
thflrapetKiscfen Erfolg aus der Anstalt entlassen werden, wie- die hier' folgenden 
Afebilduageh ‘* es Fnflf» itp Beginn- und gegen Ende 

der Behattdinng. fleüGicb vöranschsäfiöftsn (Fig. $&, naß ST). 

Eine gewisse Eigenttjt»llphkeit bieten sowohl iö bezug auf den Verlauf als 
auch in bezng auf das Verhalten; gegenüber meiner BebaitdlütipmeUtöde die 
jFIg, ; j(j, gangränösen Geschwüre. end- 

arterutisclie« Gcaprungs. wek 
che zumeist an den unteren 
Extremitäten, auf der Itücfcen- 
flftche oder der Piantarseite 
des Fußes oder auf der vor- 
d^&rDtttdrsehenheUäcihe (am 
Tibiäkftmm) gelegen sind. 
Diese Geschwüre von ver¬ 
schiedener Größe und Form 
äußern sehr schwache Tendenz 
zur Heilung und verursachen 
de« Kranken unsägliche: Qualen. 
1« ? Fällen entwickelten sich 
solche Geschwüre bei leiden¬ 
schaftlichen Tabakrauchern, in 
einem Fall, auf dem Boden 
des Diabetes und in einem 
anderen als Folge übermäßigen 
Genusses von Kognak mit 
ChJbtalUjdrat. Bei diesen 
ulzerösen Prozessen kann in 
Anbetracht dessen, daß. bei 
manchen Kranken dieser Kate¬ 
gorie die großen Arterien- 
sfäuime noch leidlich p&lpabel 
waren, mit größter Wahr¬ 
scheinlichkeit eine örtliche Erkrankung der enteptechonde« kleinsten Arterien 
und Kapillaren angenommen ■■werden. 

Die Verheitsftg und Veipafbang der Wunden hält htti Jerartige» Kranken 
mit der Besserung der Blatzifkülatiö« in dea F.xtrenjiitäte^ bff«t»bar ßicht immer 
gleichen Schritt, Namentlich die großen Geschwüre setzen infolge ihrer außer- 
orileiitiichen Emplindlichkeit gegen alle möglichen, selbst minimalsten schädlichen 
Einflüsse der Heihing hariulckigen Widerstund entgegen. Eine besondere Bolle 


fällen von Herzschwäche und Arhythmie jedesmal von neuem auf. Ein Aufenthalt 
auf dem Baude, wohin sich Patient nach zweimonatiger Kur in meiner Anstalt 




Pie Heilerfolge. der konservativen : B 




Fig. 27. 


gab, bewirkte ä&life einer allgemeinen Kräftigung des Oi;gSAiAjpäs, dall das 
Geschwür auf dem Fußrüdken bald verheilte und flat vernarbte-. 

Ein anderer Patient 11, der sieh hartnäckig feweigerl hatte, das Rauchen 
aufzugeben, verließ die Anstalt nach sechswtiehiger Kur, nachdem nur ein mehr 
proximal gelegenes Geschwür verheilt war, währen« aiideies itih aviU-ren Drittel 
des Unterschenkel» befindliches Geschwür nur schwache Reichen der Resserwag 
auf wies. 

An dieser Stelle möchte ich noch ein bei «ns leider wenig ge&rfiucbtiehes' 
pharmazeutisches Präparat erwähnen, das ich bei Behandlung gangränöser Ge¬ 
schwüre, gleichviel welche« Ur¬ 
sprungs, parallel mit den physi¬ 
kalischen Heilmethßdan häutig mit 
Erfolg an wende. |eb meine das 
Sc hl eie fische Präparat öfiitpl und 
verweise diejeuigeö, die sich für 
die wertvollen Kige «schäften des- 
selben iöferessieren, auf das Ori¬ 
ginal werk Dr. Schleichsl) (Siehe 
ebenfalls meinen Artikel „Zur Be¬ 
handlung der chronischen Röntgen- 

ulzeratjonen“. 2 ) 

Ztun Schlosse gestatte ich 
mir, folgende Thesen awfzusteUen: 

1. Das inteymittieFende Hin¬ 
ken und die nekrohiotiache Form 
der Spoiitangangräu an den Extre¬ 
mitäten stellen in pathogene tischer 
Beziehung identische Erk rankäugen 
und in klinischer nur verschiedene 
Entwlclcittngsstadien eines und des¬ 
selben krankhaften vaskulären Pro¬ 
zesses (der Endartertitis oblite- 
rans) dar. 

2. Es ist wünschenswert, daß 
die praktischen Arzte bei der Statusaufuahtne der syatematischeu Untersuchung 
der peripheren Gefäße in den Extremitäten weit größere Aufmerksamkeit zti- 
wendeten, als das gegenwärtig zu geschehen pflegt. ' ■ 

3. Gründliche Vertrautheit der Arzte mir dem SymptomenkoSiplex,. der 
Pathogenese und der Therapie des iiuennütjeremten .Hinkens kann, wenn nicht 
völlige....Aasrottqng, so doch ejüb^erhebiiehe vDezimierung der nekiobiotisclien 
Form der Spchfahgaugrän tiö tShsfölg? 

4. In der Ätiologie des jiitfemittietünde» Hinkens, und der Spontangangrä 


ran 


j« 


’i Schleich. Nene Methoden d$r WuiKlbehandlung. ...... 

s > Joseph Deutsch, Zur Bebacdlmig der tkrontsclicB Eöntgijnüixcmioneii 
physik. Medizin und mediz. Technik Bit 7. Heft 3. 


Archiv für 





206 


M. Kretschmer 


spielt chronische Nikotin Vergiftung wohl die erste Rolle; andere Momente sind 
von untergeordneter Bedeutung. 

5. Die günstigste Prognose bieten bei meiner Methode diejenigen Formen 
von Claudicatio intermittens und Spontangangrän, in deren Pathogenese Tabak¬ 
rauchen oder Lues eine Rolle spielt. 

6. Unverzügliches und absolutes Aufgeben des Rauchens ist zur Erzielung 
eines raschen und dauernden therapeutischen Effekts ebenso notwendig wie 
energische spezifische Behandlung bei Lues. 

7. Methodische Anwendung von Kontaktwärme zwischen 40 und 45° C (auf 
die Hautoberfläche) mittels auf besondere Weise applizierter Elektrodauerwärmer 
(System Hilzinger) bewirkt im Verein mit Hochfrequenzströmen eine rasche und 
dauernde Herstellung der Blutzirkulation in den durch die Endarteriitis affizierten 
Extremitäten. 

8. In sämtlichen Fällen von Claudicatio intermittens und in früheren Stadien 
der Spontangangrän übt meine Methode eine mehr oder minder rasche therapeutische 
Wirkung ans; in vernachlässigten Fällen von Gangrän mit ausgebreiteten Affektionen 
verhilft sie zu einer sicheren nnd schnellen Demarkation, wodurch ein rascherer 
und erfolgreicherer chirurgischer Eingriff mit möglichst geringem Verlust für die 
affizierte Extremität ermöglicht wird. 


H. 

Zur Neuropathie des kindlichen Alters. 

Aus dem medizinisch-poliklinischen Institut der Universität Berlin. 

(Direktor: Geheimrat Goldscbeider). 

Von 

Dr. M. Kretschmer. 

Einen sehr großen Prozentsatz der Klientel von Polikliniken für kranke 
Kinder, sowie in der Sprechstunde des praktischen Arztes, bilden die nervösen 
Kinder. Nur allzu häufig kann man die Beobachtung machen, daß diese Kinder 
schon längere Zeit in ärztlicher Behandlung, ja sogar in Behandlung von Schul¬ 
ärzten gewesen sind, ohne daß die Natur ihrer Beschwerden richtig erkannt wurde. 
Eine Besprechung der am häufigsten vorkommenden, auf nervöser Grundlage be¬ 
ruhenden Klagen und Beschwerden scheint wegen dieser zahlreichen Fehldiagnosen 
nicht überflüssig zu sein. Ich will mich hier im wesentlichen anf die Neuropathie 
älterer, insbesondere der schulpflichtigen Kinder beschränken. 

Viele Kinder werden zum Arzt gebracht wegen ihrer Blässe, daneben wird 
über Appetitlosigkeit, Mattigkeit, mangelnde Körpergewichtszunahme, unlustiges 
Wesen nnd andere allgemeine Beschwerden geklagt. Auch bei genauer körper¬ 
licher Untersuchung läßt sich meist kein pathologischer Befund an den inneren 


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Zur Neuropathie des kindlichen Alters. 


207 


Organen erheben. Die Kinder sind zwar blaß, jedoch kann die Blässe gerade bei 
Stadtkindern nicht za den auffallenden Symptomen gerechnet werden. Der Er¬ 
nährungszustand ist ein mittlerer, eine längere Beobachtung des Körpergewichtes 
zeigt keine Abnahme, eher eine langsame Zunahme. Die Untersuchung des Blutes 
ergibt normale Blutkörperchenwerte, mikroskopisch ein normales Blutbild und 
vielleicht eine geringe Herabsetzung des Hämoglobins. Alles in allem kein Er¬ 
gebnis, das die Diagnose „Anämie“ rechtfertigen würde. Wir hören oft, daß 
diese Diagnose schon vorher gestellt wurde, und daß eine Wochen und Monate 
dauernde Behandlung keine Besserung erzielt hat, weil eben keine Anämie vorlag. 
Die Ursache des Leidens dieser Kinder wird man meist erst ergründen können, 
wenn man sich nicht nur auf eine körperliche Untersuchung beschränkt, sondern 
auch auf das genaueste die Anamnese der Kinder, besonders aber auch die der 
Eltern erhebt, und sich ein Bild über die häuslichen Verhältnisse, das Fortkommen 
in der Schule, die Dauer der Schularbeiten usw. zu machen sucht. In vielen 
Fällen wird man schon während der Aufnahme der Vorgeschichte bei der Mutter, 
welche ja meist die Kinder bringt, Symptome von Nervosität feststellen können; 
die Anamnese fördert dann weitere Daten für eine neuropathische Veranlagung 
zutage. Ferner wird man feststellen können, daß die Mattigkeit und Appetit¬ 
losigkeit erst seit einem bestimmten Zeitpunkt besteht, z. B. seit der Einschulung 
oder seit der Versetzung in eine neue Klasse. Man wird in dieser Hinsicht eine 
bestimmte Angabe häufig erst bei direktem Befragen erhalten, da diese äußeren 
Vorgänge fast nie von den Eltern, oft auch nicht von Ärzten in Beziehung zu den 
Beschwerden der kleinen Patienten gebracht werden. Ein Beweis dafür, daß die 
Schule meist im Zusammenhang mit den Beschwerden steht, und daß ein ernsteres 
organisches Leiden nicht vorliegt, ist der schnelle Wechsel, der sich in kurzer 
Zeit bei solchen Kindern vollzieht, wenn sie in den Ferien aufs Land, an die 
See oder überhaupt in eine andere Umgebung gebracht werden. Ohne alle Arznei 
stellt sich plötzlich ein guter gesunder Appetit ein, die Farben werden frischer, 
die Mattigkeit verschwindet. Voraussetzung ist dabei allerdings das Fortfallen 
von Nachhilfeunterricht, größeren Ferienaufgaben usw. Fast stets handelt es sich 
in diesen Fällen um Kinder, denen das Lernen schwer fällt. Dazu kommt die 
neuropathische Veranlagung, welche die Kinder alles, was mit der Schule zusammen¬ 
hängt, mit Unlust empfinden läßt. Die Mehrzahl der schlechten Schüler, bei denen 
eine solche Veranlagung fehlt, pflegt im Gegensatz dazu sich des besten Wohl¬ 
seins zu erfreuen. Schläge, die zur Unterstützung der Leistungen in der Schule 
beitragen sollen, sind gerade bei neuropathisch veranlagten Kindern wenig an¬ 
gebracht und wirken meist verschlimmernd auf den ganzen Zustand ein. Da die 
Leistungen der Kinder den Anforderungen der Schule nicht genügen, so wird ein 
Wechsel der Anstalt und die Unterbringung in eine Schule mit geringeren An¬ 
forderungen oft ohne weiteres die Erscheinungen zum Schwinden bringen. Eine 
solche Maßnahme wird man selbstverständlich erst nach Prüfung der Intelligenz 
der Kinder, gegebenenfalls nach Rücksprache mit dem Klassenlehrer in Vorschlag 
bringen. In den besseren Kreisen wird man dabei oft auf erheblichen Widerstand 
stoßen, da die Eltern es als eine unerhörte Zumutung betrachten, sie sollten ihr 
Kind nicht in eine höhere Schule schicken, weil es dann nicht einen „standes¬ 
gemäßen“ Beruf ergreifen kann. Ein Behelf wird in solchen Fällen die Unter- 


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208 


M. Kretschmer 


bringung in einer gleichstehenden Lehranstalt der Provinz oder in einem Schul¬ 
sanatorium sein, in denen die Anforderungen meist geringer zu sein pflegen. 
Gleichzeitig wird dadurch einer zweiten Indikation genügt: das Kind wird aus 
der neuropathischen Umgebung im Elternhause entfernt. Wenn man eine der¬ 
artige Versetzung des Kindes vorschlägt, wird häufig, besonders bei einzigen 
Kindern, der Einwand gemacht werden, das Kind könne ohne die Eltern nicht 
leben, es werde vor Sehnsucht sterben u. dgl. Man muß bei der Verordnung 
eines solchen Milieuwechsels die Forderung stellen, daß für einige Zeit, d. h. bis 
das Kind sich in die neue Umgebung eingewöhnt hat, keine Besuche der Eltern 
stattfinden und auch möglichst kein brieflicher Verkehr stattfindet. Sonst werden 
die Eltern mit ihren Befürchtungen Recht behalten; das Kind wird durch das 
Heimweh in seinem körperlichen und geistigen Wohlbefinden eher geschädigt als 
gebessert werden. Hat man aber diese verschiedenen Hemmnisse, welche sich 
einer Versetzung der Neuropathen in eine zweckentsprechende Umgebung ent¬ 
gegensetzen, überwunden, so wird man in den meisten Fällen gnte Erfolge er¬ 
zielen. Allerdings muß der Aufenthalt eine genügende Zeit und nicht nur ein paar 
Wochen dauern. 

Weitaus schwieriger sind diese Fragen bei den unteren Volksschichten zu 
lösen. Außer der Hilfsschule gibt es keine Lehranstalten mit geringeren An¬ 
forderungen als die Volksschulen; die geistigen Kräfte der neuropathischen Kinder 
sind aber meist nicht so gering, daß die Aufnahme in eine Hilfsschule erforderlich 
ist. Die Unterbringung in einer anderen Umgebung stößt gleichfalls meist auf 
große Schwierigkeiten, da die Eltern selten Verwandte oder Freunde auf dem 
Lande haben, welche sich auf Monate mit einem Kinde belasten können, das 
noch dazu einer gewissen Aufsicht und Erziehung bedarf. Ein Behelf läßt sich in 
den Sommermonaten wenigstens durch die Unterbringung der Kinder in einer 
Erholungsstätte an der See, in einer Waldschule oder ähnlichen Wohltätigkeits¬ 
einrichtungen schaffen. Leider ist der Aufenthalt in diesen Anstalten fast immer 
zu kurz bemessen, um wirklich durchgreifende Erfolge zu erzielen. 

Oft ist bei den ärmeren Volksklassen nicht die Schule mit ihren Ansprüchen 
schuld an der Blässe und den sonstigen Beschwerden, sondern die Anforderungen, 
welche an die körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder außerhalb der Schulzeit 
gestellt werden, indem sie regelmäßig znm Unterhalt der Familie mitarbeiten müssen. 
Trotzdem durch die Gesetzgebung die Beschäftigung von Kindern in gewerblichen 
Betrieben erheblich eingeschränkt ist, gibt es doch noch viele Hilfeleistungen, 
zu denen Eltern ihre Kinder heranziehen können, die einer regelrechten Erwerbs¬ 
tätigkeit sehr nahekommen. Das ärztliche Vorgehen ergibt sich in solchen 
Fällen von selbst. 

Manche Kinder zeigen die gleichen Beschwerden, Blässe, Appetitlosigkeit, 
Mattigkeit nach geringen Anstrengungen, sie machen aber in der Schule gute 
Fortschritte. Fast immer handelt es sich in solchen Fällen um sehr ehrgeizige, 
nervös belastete Kinder. Die körperliche Untersuchung ergibt bei ihnen einen 
lebhaften Farbenwechsel, gesteigerte Reflexe, Lidtremor. Hier wird der Symptomen- 
komplex durch das Bestreben, in der Schule das Beste zu leisten, durch die Furcht, 
von einem guten Platz herunterzukommen, hervorgerufen. Die Erziehung der 
Eltern stachelt oft in unzweckmäßiger Weise den Ehrgeiz der Kinder noch an. 


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Zur Neuropathie des kindlichen Alters. 


209 


Der Arzt wird liier für die nötigen Hemmungen in der Erziehung zn sorgen 
haben, in manchen Fällen wird ein Milieuwechsel gleichfalls am Platze sein. 

Viele Kinder werden wegen Schmerzen verschiedener Art zum Arzt gebracht. 
Vor allem sind es Kopfschmerzen, die in der Stirn, in den Schläfen, oft nur un¬ 
bestimmt lokalisiert werden. Wenn man nach genauer Untersuchung und längerer 
Beobachtung eine organische Erkrankung ausschließen kann und aus der Anamnese 
«ine neuropathische Belastung erfährt, so darf man die Kopfschmerzen auf diese 
nervöse Veranlagung zurückführen. Das zeitliche Auftreten der Kopfschmerzen ist 
sehr verschieden: bald in der Schule, bald bei den Schularbeiten, oft auch schon 
morgens beim Aufstehen. Man wird in vielen Fällen hören, daß die Kopfschmerzen 
an den Sonntagen und in den Ferien nicht auftreten, ein Beweis, daß die Schule 
damit in Zusammenhang steht. Bei der Behandlung wird man auf regelmäßige 
Erholungspausen zwischen dem Schulunterricht und den häuslichen Arbeiten, reich¬ 
lichem Aufenthalt im Freien achten lassen. Verkehrterweise werden die Kinder 
«ft von den Eltern, wenn die Kopfschmerzen vor der Schule auftreten, vom Unter¬ 
richt zurückbehalten. Trotzdem treten die Kopfschmerzen immer schlimmer und 
häufiger auf. Es soll damit nicht gesagt sein, daß die Kinder die Kopfschmerzen 
simulieren, wenn dies auch ab und zu vorkommt. Diesen neuropathischen Kindern 
wird aber durch das Herannahen des Schulbeginns und durch die Gedanken an 
manche unangenehme Unterrichtsstunde ein Angst- oder Unlustgefühl erweckt, 
welches sich bei dem einen Kinde in Kopfschmerzen, bei anderen in Erbrechen usw. 
äußert. Hat das Auftreten der Kopfschmerzen mehreremal den Erfolg gehabt, dem 
Schulunterricht für den ganzen Tag oder einige Stunden zu entgehen, so werden 
sich die Beschwerden immer regelmäßiger einstellen, und das Kind wird die Kopf¬ 
schmerzen nie verlieren. Das gleiche gilt, wenn das Kind vom Lehrer früher 
aus der Schule wegen seiner Kopfschmerzen entlassen wird. Dazu kommt das 
Mitleid, welches die Eltern mit dem kranken Kinde haben, und welches sie meist 
in angenehmer Weise durch kleine Geschenke, Leckerbissen usw. betätigen. Eine 
Mutter, welche selbst an Migräne leidet, ist manchmal ein Vorbild für das Kind. 
In solchen Fällen wird ein zeitweiliger Wechsel der Umgebung nur gutes wirken. 
Außerdem wird man darauf dringen, daß die Kinder trotz der Kopfschmerzen in 
die Schule geschickt werden. Diese Maßregel wird den Eltern zwar oft hart und 
grausam erscheinen, aber der Erfolg wird die Zweckmäßigkeit der Anordnung 
beweisen. 

Viele Kinder klagen über unbestimmte Schmerzen im Bauch oder in der 
Brust, oft geben sie aber stets eine ganz bestimmte Stelle, z. B. die Herzgegend, 
den Nabel oder auch die Blinddarmgegend an. Selbst bei genauester und wieder¬ 
holter Untersuchung kann man selten eine Ursache für diese Schmerzen entdecken. 
Da die Schmerzen häufig und unvermittelt, z. B. beim Spielen auftreten, ist die 
Besorgnis der Eltern wohl zu verstehen. Gegen eine organische Erkrankung 
spricht aber einmal das rasche Verschwinden des Schmerzes und ferner der Um¬ 
stand, daß die Schmerzen nur selten bei der ärztlichen Untersuchung noch vor¬ 
handen sind, selbst wenn sie kurz vorher zu Hause in heftiger Weise bestanden 
haben. Ich habe mehrfach den Eltern aufgegeben, die Kinder sofort beim Auf¬ 
treten der Schmerzanfälle in die Poliklinik zu bringen, und hörte bei der nächsten 
Vorstellung, daß das Kind beim Fortgehen von Hause vor Schmerzen kaum gehen 

Ztltachr. f. phjraik. u. ditt Therapie Bd. XVIII. Heft 4 . 14 


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M. Kretschmer 


konnte, daß es sich vor Schmerzen znsammenkrümmte, so daß die Lente auf der 
Straße ihnen nachsahen, und nach kaum einer halben Stunde in der Poliklinik ist 
alles verschwunden, anch wenn die Schmerzen sonst mehrere Standen anzadaaem 
pflegten. Auf die Angaben von Kindern Aber Schmerzen beim Abtasten des Leibes 
kann man im allgemeinen wenig Wert legen. Manche Kinder sind das häufige 
Befragen der Eltern nach ihren Schmerzen schon gewohnt nnd geben meist be¬ 
stimmte Stellen als schmerzhaft an. Weiter fällt auf, daß die Angaben Aber 
Schmerzen fast immer mit einer gewissen GleichgAltigkeit gemacht werden, nnd 
nicht ängstlich, wie man es bei Kindern beim Vorhandensein einigermaßen erheb¬ 
licher Schmerzen erwartet. Das Fehlen von jeder Maskelspannang, Headschen 
Zonen, von Fieber spricht weiter gegen eine organische Erkrankung. Häufig 
fragen Eltern in Fällen, wo mehreremal Schmerzen in der Blinddarmgegend auf¬ 
traten, ob es sich nicht um eine chronische Blinddarmentzfindung handele und ob 
nicht eine Operation angebracht sei. Trotz des Fehlens objektiver Symptome, 
da meist der akute Schmerzanfall bei der Vorstellung schon vorfiber ist, wird es 
beim häufigen Wiederkehren solcher Schmerzanfälle oft Chirurgen geben, die 
schließlich eine chronische Blinddarmentzfindung annehmen und sich zur Operation 
entschließen. Nach Czernys 1 ) Erfahrungen ließen sich in solchen Fällen an dem 
herausgenommenen Wurmfortsatz nie Zeichen einer Entzfindung nachweisen. 

In den meisten Fällen, wo Kinder mit ihren Schmerzen von den Eltern oder 
dem Arzt als krank behandelt werden, wird das Leiden nicht besser, sondern 
immer schlimmer. Wenn die eingeschlagene Kur nicht hilft, so wird ein neuer 
Arzt zugezogen, und auf diese Weise dem Kinde mehr und mehr das Krankheits- 
geffihl suggeriert. Das beste Mittel zur Behandlung der Schmerzen solcher neuro- 
pathischen Kinder ist eine zweckbewußte Vernachlässigung derselben und die 
Suggestion. Wenn den Kindern nach einer eingehenden Untersuchung bestimmt 
gesagt wird, sie seien nicht krank oder die Schmerzen wfirden auf eine Einreibung 
(z. B. mit Jodtinktur) oder auf die Tropfen, welche verordnet werden, verschwinden, 
so wird man meist einen raschen Erfolg erzielen. So erlebte ich kfirzlich den Fall, 
daß ein siebenjähriges Kind, welches vorher schon längere Zeit Aber Brust¬ 
schmerzen geklagt hatte, ohne jede Behandlung geheilt wurde. Bei der Unter¬ 
suchung hatte sich kein pathologischer Befund ergeben, außer einigen neuro- 
pathischen Symptomen. Ich sagte dem Kinde, daß ihm nichts mehr fehle und 
daß es völlig gesund sei. Es wurde nach einiger Zeit wieder vorgestellt und 
gab spontan an, daß nach dem Beklopfen beim letztenmal die Schmerzen ganz 
fortgeblieben seien. Das Kind ist seitdem beschwerdefrei. 

Ich erwähnte schon das Erbrechen der Kinder, welches bei regelmäßigem 
Auftreten ein sehr beunruhigendes Krankheitssymptom ffir die Eltern zu sein 
pflegt. Ich habe nicht selten Fälle gesehen, die lange Zeit vom Arzt und selbst 
vom Schularzt als magenkrank angesehen und in entsprechenderWeise behandelt 
wurden. Die Diagnose einer Magenerkrankung im Kindesalter dfirfte in seltenen 
Fällen richtig sein. Man braucht nur eines der bekannten Lehrbficher der Kinder¬ 
krankheiten von Henoch, Heubner u. a. durchzusehen und wird aus der neben¬ 
sächlichen Behandlung auf wenigen Seiten ersehen, eine wie geringe Rolle Magen¬ 
erkrankungen im kindlichen Alter spielen. 

l ) u. a. Das sensible Kind. Zeitschrift für ärztliche Fortbildung 1911, Nr. 12. 


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Zur Neuropathie des kindlichen Alters. 


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Das Erbrechen tritt ähnlich wie die Kopfschmerzen frühmorgens beim Auf¬ 
stehen, oder gleich nach dem Frühstück, während des Schulunterrichts, seltener 
bei den häuslichen Arbeiten auf. Es fehlt fast stets an den Sonntagen und in 
den Ferien. Allerdings kann die Regelmäßigkeit des Erbrechens verwischt werden, 
wenn durch die verkehrte Behandlung, die Verzärtelung von seiten der Eltern 
der Brechakt zu einer Gewohnheit geworden ist. Dann können die geringsten 
Erregungen das Erbrechen auslösen. Bemerkenswert ist, daß das Erbrechen meist 
ohne jedes Ekelgefühl vor sich geht und die Kinder oft völlig gleichgültig läßt, 
ln manchen Fällen kann das Erbrechen zuerst durch den Widerwillen gegen ge¬ 
wisse Speisen ausgelöst werden. Oft trägt die Kritik der Eltern über das Essen 
in Gegenwart der Kinder zur weiteren Ausbildung des Erbrechens bei. Meist 
wird in solchen Fällen den Kindern von den Eltern eine Kost verabreicht, bei 
der auf die Geschmacksrichtung ängstlich Rücksicht genommen wird, mit dem 
Erfolg, daß die Kinder immer wählerischer werden und ihre Umgebung förmlich 
tyrannisieren können. Eine große Schwierigkeit bei der Behandlung des Erbrechens 
der Kinder liegt in der neuropathischen Belastung von seiten der Eltern. Man 
wird energisch auf einen vorübergehenden Milieuwechsel, in schweren Fällen auch 
auf Aufnahme in eine Klinik dringen müssen. Der Erfolg ist fast immer über¬ 
raschend. In der neuen Umgebung hört das Erbrechen meist sofort auf, und es 
werden auch alle Speisen ohne Ausnahme genommen, selbst solche, die noch vor 
wenigen Tagen zu Hause unfehlbar Erbrechen bervorgerufen hätten. Ich lasse hier 
einige Beispiele folgen, die ich in kurzer Zeit zu beobachten Gelegenheit hatte. 

E. K., 13 Jahre alt. Vater Epileptiker. Matter angeblich gesund, macht ziemlich 
aufgeregten Eindruck. Seit 2 Jahren soll das Kind abmagern, da es alles erbricht. 
Wurde vom Schularzt für magenkrank erklärt. Das Erbrechen tritt auf, sobald eine 
größere Mahlzeit genommen wird, besonders feste Speisen. Er bekommt deshalb haupt¬ 
sächlich breiige Kost in kleinen Mengen, ohne daß dadurch bisher eine Besserung 
eingetreten ist. 

Status: Knabe in mittlerem Ernährungszustand. Innere Organe o. B. Zunge nicht 
belegt. Lidtremor. Dermographie. Lebhafter Farbenwechsel. Der Knabe ist bei der 
Untersuchung ziemlich unruhig und aufgeregt. 

Diagnose: Neuropathie. Habituelles Erbrechen. Es wurde ein mehrwöchentlicher 
Aufenthalt auf dem Lande bei Verwandten vorgeschlagen. Dem Knaben wurde gesagt, 
daß er ganz gesund sei und alles essen könne. Nach 4 Wochen wurde der Knabe 
wieder vorgestellt. Er hat 7 Pfund zugenommen, kein Erbrechen mehr. Er bekam bei 
den Verwandten sofort die allgemeine Kost, hat dort nie gebrochen und gleich gut gegessen. 

W. K., 12 Jahre alt. Seit längerer Zeit alle 8—9 Wochen Anfälle von Erbrechen, 
Durchfall, Kopfschmerzen. Vorher ab und zu Aufregung. Schrickt nachts oft auf. 

Status: Blasses, schwächliches Kind. Verbreiterter Spitzenstoß. Leicht erregbare 
Herztätigkeit. Dermographie. Würgreflex herabgesetzt. Druckpunkt im Hypogastrium. 

Diagnose: Neuropathie. Es wurden morgens und abends kühle Abreibungen 
verordnet. Dem Kinde wurde gesagt, daß sein Magen in Ordnung sei. Nach 2 Monaten 
wurde das Kind wieder vorgestellt, seitdem kein Erbrechen und Durchfälle mehr, guter 
Appetit, schrickt nachts nicht mehr auf. Nach einer kürzlich erfolgten Auskunft sind 
die Beschwerden auch nicht wieder aufgetreten. 

G. E., 12 Jahre alt. Mutter nervös. Seit mehreren Monaten Erbrechen nach jeder 
Mahlzeit. Das Erbrechen soll im Anschluß an eine Narkose aufgetreten sein. Keine 
Übelkeit beim Erbrechen. 

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M. Kretschmer 


Status: Kräftiger Knabe. Innere Organe o. B. Lebhafte Reflexe. Lidtremor. 
Magenausheberung suggestionis causa. Der Mageninhalt zeigt nichts Besonderes. 

Diagnose: Nervöses Erbrechen. Dem Knaben wird ebenfalls mitgeteilt, daß sein 
Magen gesund sei. Er soll gewöhnliche Kost bekommen. Bei der zweiten Vorstellung, 
6 Wochen später, wird mitgeteilt, daß er nur noch ein- oder zweimal in der auf die 
erste Untersuchung folgenden Woche gebrochen habe. Ißt jetzt alles, ohne zu erbrechen. 

K. H., 3 Jahre alt. Vater leidet an Pavor nocturnns. Das Kind soll immer 
gesund gewesen sein. Seit April 1913 ständig Erbrechen nach jeder Mahlzeit. War 
im Mai 4 Wochen in der Kinderklinik in Heidelberg, hat dort nie erbrochen. 3 Tage 
nach der Entlassung soll das Erbrechen wieder aufgetreten sein und seitdem nicht auf¬ 
gehört haben. Sofort nach jeder Mahlzeit, häufig auch nachts Erbrechen. 22. November. 
Erste Vorstellung in der hiesigen Poliklinik. Blasses, nicht abgemagertes Kind. Innere 
Organe o. B. Lebhafter Farbenwechsel. Es soll nachts oft aufschreien. 25. November. 
Röntgendurchleuchtung. Der Wismutbrei sammelt sich beim Schlucken in der Mitte der 
Speiseröhre und sinkt erst nach einer Weile in d&nnem Strahl in den Magen. Magen o. B. 

Diagnose: Neuropathie. Habituelles Erbrechen. Ösophago-spasmus. Es wird dem 
Kind suggeriert, daß es jetzt gesund sei und nicht mehr zu erbrechen brauche. Es soll 
gewöhnliche Kost gegeben werden. 29. November. Seit dem letzten Mal bei gewöhnlicher 
Kost nur 2—3mal Erbrechen. Nochmalige Röntgendurchleuchtung suggestionis causa. 
6. Dezember. Kein Erbrechen mehr. 13. Dezember. Das Erbrechen ist nicht wieder auf¬ 
getreten. Das Kind ißt jetzt alles. 

In allen diesen Fällen trat die Heilung ohne jede innere oder diätetische 
Therapie und sofort ein, ein Beweis, daß es sich nicht um eine organische Magen¬ 
erkrankung gehandelt haben kann, sondern daß eine pathologische Steigerung des 
Brechmechanismus vorlag. Bei allen Kindern wnrde eine neuropathische Ver¬ 
anlagung von den Eltern her festgestellt. Die auslösende Ursache war in einem 
Falle eine Narkose, bei der wohl Erbrechen anftrat, in den andern Fällen war 
nichts über die Ursache des ersten Erbrechens zu ermitteln. Meist wird die 
Ursache dem Kinde selbst gar nicht zum Bewußtsein kommen. Erst durch die 
Besorgnis der Eltern, häufiges Fragen beim Essen, die besondere Pflege und 
Diät wird die Aufmerksamkeit des Kindes unbewußt auf die Umstände gelenkt, 
welche das erstemal mit dem Erbrechen znsammenfielen. Der Würg- und Brech¬ 
reflex wird dadurch von Mal zu Mal immer leichter gebahnt. Die mehr oder 
weniger große nenropathische Veranlagung des Kindes ermöglicht durch die 
Labilität des Nervensystems die Bahnung solcher Reflexe. Zur Auslösung des 
Erbrechens trägt allmählich mehr und mehr das Bewußtsein bei, durch das Er¬ 
brechen mit Sicherheit etwas Unangenehmem, z. B. der Schule, zu entgehen bzw. 
etwas Angenehmes zu erlangen, wie bestimmte Speisen zu bekommen, gut gepflegt 
zu werden usw. In den meisten Fällen läßt sich daher der Brechreflex prompt 
unterdrücken dadurch, daß das Kind trotz des Erbrechens zur Schule geschickt 
wird und gewöhnliche Kost bekommt. Vor allem muß das Krankheitsbewußtsein 
beseitigt werden, welches durch die bisherige Behandlung von seiten der Eltern, 
vielleicht auch des Arztes, genährt wurde. Da die Eltern des neuropathischen 
Kindes in den meisten Fällen nicht die Energie haben werden, solche Maßregeln 
wirklich streng durchzuführen, so ist die Versetzung des Kindes in eine andere Um¬ 
gebung meist von Vorteil und anzuempfehlen. 

Oft fragen Eltern wegen des auffallenden Schwitzens, besonders auch nachts, 
ob ihr Kind nicht tuberkulös sei. Auch beim Erwachsenen haben die Schweiße 


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Zur Neuropathie des kindlichen Alters. 


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nicht die Bedeutung eines sicheren Zeichens von Tuberkulose, vielmehr finden wir 
bei verschiedenen anderen Eraukheiten, besonders nervöser Natur (z. B. Basedow) 
häufig Schweiße. Durch populäre aufklärende Schriften ist aber die Bedeutung 
der Schweiße als eines Fröhsymptoms der Schwindsucht derart bei den Laien 
verbreitet, daß die beiden Begriffe fast unzertrennlich geworden sind. Bei Kindern 
lassen sich Schweiße allein nicht für den Hinweis auf eine Tuberkulose verwerten. 
Man wird mit den Hilfsmitteln der modernen Diagnostik, wie Röntgendurchleuchtung 
und Tuberkulinreaktion, nnd den feinsten physikalischen Untersuchungsmethoden 
in manchen Fällen vielleicht Anhaltspunkte dafür finden, daß bei einem Kinde, 
welches wegen der Schweiße gebracht wird, eine latente Tuberkulose besteht, in 
den meisten anderen Fällen wird man dagegen nur nervöse Symptome finden, 
welche darauf schließen lassen, daß auch die Schweiße auf nervöser Basis beruhen. 
Bei Neuropathen ist es zweifellos besser, wenn nicht die auf die Schweiße und 
eine vielleicht positive Pirquetsche Reaktion gestützte Diagnose „latente Tuber¬ 
kulose“ gestellt wird, da sie die Ursache dauernder Beunruhigung und Sorge für 
die Eltern wird. Die Maßnahmen, welche beim Vorhandensein einer latenten 
Tuberkulose am Platze sind, lassen sich jedenfalls auch treffen, ohne die Diagnose 
bekanntzugeben. Czerny 1 ) warnt sogar davor, die Pirquetsche Kutanreaktion 
ohne zwingenden Grund anzustellen, da die Bedeutung derselben in Laienkreisen 
schon sehr bekannt ist, und da infolgedessen ein positiver Ausfall auch trotz einer 
gegenteiligen Mitteilung des Arztes die Eltern von dem Bestehen einer Tuber¬ 
kulose überzeugt. Jedenfalls kann in den meisten Fällen bei Kindern das Schwitzen 
als eine Äußerung der Neuropathie angesehen werden. 

Zum Schluß möchte ich nochmals betonen, daß die Diagnose Neuropathie nur 
nach genauer körperlicher Untersuchung gestellt werden darf. Die Behandlung kann 
in den meisten Fällen von dem Grundsatz einer zweckbewußten Vernachlässigung 
ausgehen, da vorher fast stets ein Zuviel an Pflege und Besorgnis um den 
Patienten eine Verschlimmerung der Symptome herbeigeführt hat, in Verbindung 
mit Suggestion zur Beseitigung des Krankheitsbewußtseins. Die Entfernung der 
Kinder aus dem nervösen Milieu des elterlichen Hauses, bei einzigen Kindern die 
Versetzung unter gleichaltrige Kameraden, ist meist das beste Mittel zur Be¬ 
kämpfung der neuropathischen Erscheinungen. 

•) l. c. 


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Alois Strasser 


III. 

Ober den Schweift und das Schwitzen. 

f Von 

Prof. Dr. Alois Strasser 

in Wien. 

(Schlnß.) 

Ich übergehe nun zum zweiten Punkte, dem Einflüsse der Venosität des 
Blutes auf die Schweißsekretion, die aber nur teilweise als von zentralem Beiz 
hervorgerufen betrachtet werden kann. Experimentell läßt sich die Sache leicht 
und deutlich beweisen, wenn man einem normalen Tiere Erstickungsblut intravenös 
injiziert. Da kommt es neben den bekannten Symptomen zu profuser Schwei߬ 
sekretion, die an der Extremität, deren Ischiadicus vorher durchschnitten war, 
zwar viel geringer ist als auf der anderen Seite, aber immerhin da ist. (Biedl.) 
Wir sehen diese Erscheinung, abgesehen von einer direkten Erstickungsvergiftung, 
bei einigen Krankheiten, nämlich bei schweren inkompensierten Herzfehlern, die 
zu Zyanose führen, und besonders bei vorgeschrittener Tuberkulose. Über die 
ersteren Fälle ist nicht viel zu sprechen, bei Tuberkulose aber zeigt sich dieses 
dyspnoetische Schwitzen ganz eigenartig. Manche schwere Phthysiker, bei denen 
große Teile der Lunge ausgeschaltet oder in ihrer Fnnktion herabgesetzt sind, 
haben eine allgemeine dyspnoetische Schweißneigung, die zur Steigerung ihrer 
Nachtschweiße auch beitragen dürfte. Wir sehen aber, daß dieselben nicht nur 
morgens schwitzen, sondern auch zu jeder Tageszeit, sobald sie mehr oder weniger 
tief einschlafen. Sie erwachen in Schweiß gebadet. Dieser Schweiß ist natürlich 
nicht derselbe, wie der regulatorische Nachtschweiß, sondern ein dyspnoetischer 
Schweiß, der zustande kommt, sobald die Patienten ihre Atmung ohne Aufwand 
aller Auxiliarkräfte im Schlafe nur ganz oberflächlich erledigen. 

Es wäre naheliegend, diesen Schweiß als einen mehr kalten Schweiß anzu¬ 
sehen, um so mehr, als die Asphyxie mit einem zentral ausgelösten Gefäßkrampf 
und mit Kühle der Peripherie einhergeht, und ich habe schon einmal Gelegenheit 
gehabt, diese Schweiße ähnlich zu klassifizieren, aber so genau kann die Ein¬ 
teilung nicht sein, dafür ist der Schweiß zu profus und gelegentlich auch zu 
extensiv. Es dürfte der Reiz auf die Drüsen selbst hier das profuse Schwitzen 
veranlassen, trotzdem sonst die Bedingungen für einen unausgiebigen kalten 
Schweiß vorhanden sind. Da die C0 2 -Ausscheidung mit dem Schweiß steigt, so 
konnte man auch wieder teologisch annehmen, daß sich der Organismus durch die 
Eröffnung vikariirender Bahnen hilft. Wir wissen zwar, daß diese Steigerung der 
mit dem Schweiß abgehenden Kohlensäure bei Überhitzung vorhanden ist, ob auch 
beim dyspnoetischen Schweiß, das steht dahin. 


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Über den Schweiß and das Schwitzen. 


215 


Durch das Blut werden dem Zentrum und der Peripherie schwei߬ 
erregende Reize zugeföhrt, wenn Vergiftungen vorliegen. 

Biedl bat die Klassifikation dieser Gifte je nach dem Orte, wo sie ihre 
Wirkung entfalten, sehr präzise durchgefflhrt. Ich folge genau seinen Aus¬ 
führungen. 

Es gibt Gifte, die auf die Schweißsekretion zentral wirken, nämlich die¬ 
jenigen, die die Erregbarkeit der grauen Zentren erhöhen, das Strychnin und 
Pikrotoxin. Daß sie nur zentral wirken, zeigt sich darin, daß die Extremität, 
deren Schweißnerven durchschnitten sind, nicht schwitzt. 

Bei Strychnintetanus kann allerdings nach meiner Ansicht bei längerer 
Dauer eine kombinierte Schweißwirknng eintreten, indem die Bluttemperatur steigen 
und einen Wärmeschweiß auslösen kann (Muskelkrämpfe). 

Dann gibt es Gifte, denen eine zentrale und periphere Wirkung zukommt: 
das Nikotin, das Coniin und das Eserin. Die Schweißsekretion bleibt bei diesen 
Vergiftungen auch an der Hinterpfote mit durchschnittenem Ischiadicus bestehen, 
ist aber wesentlich verringert. 

Endlich gibt es Gifte, die peripher erregend wirken: das Physostigmin, das 
Muskarin und hauptsächlich das Pilokarpin. Dieses letztere Mittel spielt in der 
experimentellen Toxikologie des Schweißes die größte Rolle, und Biedl nimmt in 
Übereinstimmung mit Roßbach an, daß „das Pilokarpin in kleineren Dosen die 
Nervenendigungen, in größeren auch die Drüsenzellen selbst beeinflusse“. 

Klare Beweise für die Wirkungsart bietet der von Biedl zitierte Versuch 
von Robillard. Dieser isolierte bei einer Katze eine Hinterpfote vollkommen 
vom übrigen Körper und ließ sie nur durch den Nervus tibialis mit dem übrigen 
Tiere in Verbindung. Die Gefäße waren also auch durchtrennt, daher in der 
Pfote keine Zirkulation. Pilokarpin rief Schweiß hervor, die isolierte Extremität 
blieb trocken, sie schwitzte aber auf elektrischen Reiz der Nerven und schwitzte 
noch mehr, wenn eine wirklich zentrale Erregung durch Erstickung gegeben war. 

Übrigens ändert normalerweise die Durchschneidung der Schweißnerven an 
der Intensität des durch Pilokarpin erzeugten Schweißes nichts, und wenn der 
Ischiadicus durchschnitten ist, so ruft Pilokarpin selbst nach langer Zeit, wenn 
also sämtliche Nervenfasern schon degeneriert sind, noch intensiven Schweiß 
hervor. 

Der Antagonismus zwischen Atropin und Pilokarpin ist bekannt. Nun 
glaubte Luchsinger zu beweisen, daß dieses letztere nach einer Atropindosis in¬ 
jiziert dessen Wirkung aufhebe und auf dem Wege der peripheren Nerven den 
Schweiß hervorrufe, doch bewies Roßbach, daß der Schweiß unter diesen Um¬ 
ständen wohl auftritt, die Nerven aber unerregbar sind, also noch unter der Wir¬ 
kung von Atropin stehen. Ganz ähnlich verhält es sich mit der antagonistischen 
Wirkung dieser beiden Gifte auf die Speicheldrüsen, und es erhellt hieraus die 
unbestreitbare Wirkung des Pilokarpins auf die Drüsen selbst. 

Wir kennen eine Reihe von chronischen Vergiftungen, bei denen eine 
Hyperidrose zu den hervorragenden Symptomen gehört, so: der chronische 
Morphinismus, einigermaßen der Alkoholismus und meiner Erfahrung nach auch 
die chronische Arsenvergiftung, doch möchte ich diese nicht in diesem Abschnitte 
erledigen, da es sich hier nicht um direkte Auslösung der Schweißsekretion durch 


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Alois Strasser 


Gifte handelt, sondern nm toxische Veränderungen der Kreislanfsapparate and 
hauptsächlich der nervösen Zentra, oder auch der peripheren Nerven. Ähnlich 
ist’s mit der großen Neigung zum Schweiß bei Krankheiten, wie die Basedowsche 
Krankheit, wo es sich um toxische Wirkung des Schilddrüsenhormons handelt, und 
wahrscheinlich auch um ähnliche Prozesse bei der bekannten klimakterischen 
Schweißneignng. 

Die nervösen Störungen der Schweißsekretion sind sehr mannigfaltig,, 
ihre Analyse aber oft mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die sorgfältige 
klinische Beobachtung ist natürlich hier wesentlich wertvoller als das Tier¬ 
experiment, und wie Schwenkenbecher ganz treffend hervorhebt, ist der Rück¬ 
schluß auf Art und Lokalisation nervöser Erkrankungen aus einer bestehenden 
Hyperidrose viel schwieriger, als aus einer allerdings viel seltener vorkommenden. 
Anidrose, weil die Ursachen der ersteren viel mannigfaltiger sind als die der 
letzteren. 

Wir beobachten allgemeine symptomatische Hyperidrose bei verschiedenen 
zerebrospinalen Erkrankungen, wie bei Tumoren, bei Dementia paralytica, bei 
posthemiplegischer Hirnatrophie und, wie ich wiederholt beobachtet habe, bei 
zerebrospinaler Arteriosklerose. 

Welche Art von Störung hier vorliegt, ist nicht leicht zu sagen, aber ea 
scheint mir, daß es sich durchaus um eine Störung der höheren wärme¬ 
regulatorischen Zentren handelt, da der starke Schweiß dieser Leute sich meist 
dann zeigt, wenn sie stark umhüllt sind oder stärkere (relativ) Muskelarbeit 
leisten. Man hätte es also mit einer besonderen Erregbarkeit des Kühlzentrums 
zu tun. Die Fälle sind bei gleicher Diagnose aber symptomatisch so wechselnd, 
daß eine einheitliche Auffassung nicht möglich ist. 

Zentraler Natur sind die sogenannten Schreck- und Angstschweiße und 
jedenfalls auch der agonale Schweiß (sofern er nicht etwa dyspnoetisch aus¬ 
gelöst wird), und ich glaube, daß wir berechtigt sind, diese als ganz typisch» 
„kalte“ Schweiße anzusehen, die, mit starker Anämie der Peripherie verbunden, 
sich in einem kurzen Auspressen des präformierten Schweißes erschöpfen so, daß> 
ein Nachrücken neuer Schweißmengen nicht stattfindet. Die Schweiß- und vaso¬ 
motorische Innervation gehen hier vollständig parallel. 

Allgemeine Schweiße nervöser Natur kommen nach verschiedenen Berichten 
sowohl bei Polyneuritis vor, als auch bei nicht näher zu bezeichnenden Er¬ 
krankungen des sympathischen Nervensystems, wenn auch bei letzteren viel auf¬ 
fallender und häufiger, also sowohl bei Störung in den Bahnen der spezifischen 
Innervation, als auch bei degenerativen Vorgängen peripherer Natur in der 
motorischen und sensiblen Sphäre. Wohl spielt die meist bedeutende Störung der 
vasomotorischen Innervation in diesen Fällen eine gewisse Rolle. 

Die vorhin erwähnten chronischen Intoxikationen lassen sich hier anreihen; 
sie zeichnen sich aber durch manche spezielle Eigenschaften aus, die eine Be¬ 
teiligung höherer Zentren sehr wahrscheinlich machen. Bei der Basedowschen 
Krankheit sehen wir neben der großen Schweißneigung auch eine ausgesprochene 
Neigung zu Temperatursteigerungen, was wohl auch eine toxisch gesteigerte Er¬ 
regbarkeit des Wärmezentrums anzeigen würde, und bei chronischem Morphinismua 
sah ich wieder in zwei Fällen paradoxe allgemeine Schweißreaktion. In dem be- 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


217 


rQbmten Falle, den Kaposi unter dem Namen „Hyperidrosis spinalis superior“ 
beschrieb, wnrde beobachtet, daß durch Kälte ein profaser Schweiß hervorgerufen 
and aufrechterhalten werden konnte. Kälte hat sonst eine hemmende Wirkung 
auf das den Schweiß auslösende thermolytische Zentrum, und die Erscheinung bei 
dem genannten Falle ist auch von Biedl als rätselhaft bezeichnet worden. So- 
klar, wie in dem Falle von Kaposi, tritt die Erscheinung bei schweren 
Morphinisten nicht hervor, aber meine beiden Fälle hatten anschließend an jeden 
Kältereiz an Stelle einer gewöhnlichen Hautreaktion eine mehr zyanotische 
Färbung mit profusem Schweißausbruch, der gar nicht den Eindruck von der Art 
der Angstschweiße hervorrief. Die Erscheinung war allerdings mit leichtem Frost 
verbunden. 

Die Schädigung durch die chronische Intoxikation dürfte hier gleichsam die 
nervösen Zentren, die Peripherie und die Vasomotoren betroffen haben, und da 
bei dieser Vergiftung die Wärmeregulation sicherlich geschädigt, auf ein 
niedrigeres Niveau eingestellt ist, so genügt ein kurzer, durch Kälte gesetzter 
Reiz des Wärmezentrums, um sofort eine exzessive Gegenbewegung in Form von 
Schweiß hervorzurufen. 

Andeutungsweise sehen wir bei hydrotherapeutischen Kuren mehrfach, daß- 
die nach Kälte eintretende Hautreaktion nicht nur mit Hyperämie, sondern mit 
etwas Schweiß einhergeht. Am häufigsten sehe ich dies, wenn die Kuren in 
warmen Lokalen vorgenommen werden. Da nun bei diesen Prozeduren die Haut 
vielfach gerieben wird, kann es sich auch um einen Erregungszustand der Haut- 
drüsen handeln. 

Regionäre Abnormitäten des Schwitzens hängen stets mit Erkrankungen der 
Nerven zusammen, doch sind oft die größten Schwierigkeiten vorhanden, um aus 
dem Schweißsymptom einen Rückschluß auf die Lokalisation und auch die Natur 
der nervösen Erkrankung zu machen. Bei demselben nervösen Symptomenkomplex 
finden wir einmal Hyperidrose, ein anderes Mal nicht und sogar Anidrosis (Török). 
Obwohl der innige Zusammenhang und der gemeinsame periphere Verlauf von- 
Schweißfasern und sensiblen Nerven erwiesen sind (Schwenkenbecher), kann 
es doch bei reinen motorischen Nerven, wie dem Facialis, zu Störungen der 
Schweißsekretion kommen, da dieser Nerv in seinem peripheren Verlaufe Fasern- 
von dem Sympathicus erhält. Man kann bei Facialis-Erkrankungen allerdings 
sagen, daß zentrale Lähmungen dieses Nerven nicht zu Störungen der Schwei߬ 
sekretion führen. 

Sonst kann man allgemein sagen, daß bei Leitungsunterbrechungen der 
Nerven, die Schweißfasern führen, ein Ausfall der auf nervösem Wege ausgelösten 
Schweißsekretion erscheinen muß. Die neuritischen Erkrankungen dieser Nerven 
zeigen in verschiedenen Stadien eine ganz ungleichmäßige Störung des Schwitzens,. 
einmal Steigerung, ein andermal Verminderung oder auch Anidrose. Das deckt 
sich mit ähnlichen Erscheinungen in der Pathologie der Erkrankungen anderer 
Nerven, z. B. des Vagus, bei dessen supponierter Erkrankung wir einmal Tachy¬ 
kardie, ein anderesmal Bradykardie sehen, ohne selbst nur annähernd über die intime 
Natur der Veränderung in den Herzästen dieses Nerven Aufschluß geben zu können. 

Deutlich und erklärlich ist das halbseitige Schwitzen bei sympatiko-paraly- 
tischer Hemikranie (Török), aber auch da haben wir über die Art der Verände- 


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Alois 8trasser 


rang im Sympathikus and im Trigeminus keine genaue Vorstellung und wissen 
auch nicht, welche Impulse bei diesen Anfällen vom Zentrum (kortikal) herrühren. 

Daß bei solchen Erkrankungen auch die höheren Zentren mitbeteiligt sind, 
belehrte mich ein Fall, dem ich bei meinen Versuchen Ober Wärmeregulation be¬ 
gegnete. Es handelte sich nm einen Fall von halbseitigem Schwitzen, das sich 
auf das Gesicht und die obere Brusthälfte erstreckte, also die Lokalisation in 
zwei Schlesingerschen Regionen hatte. Wenn ich diesen Patienten im Wasser¬ 
bade langsam erwärmte, so zeigte sich, wie man selbstverständlich erwartete, daß 
er an der kranken Seite wesentlich schneller and mehr schwitzte. Beim Versuche 
des Abkflhlens aber sah man, daß auch an der kranken Seite früher Gänsehaut 
und selbst Mnskelzittern auftrat. Es war also die Empfindlichkeit in beiden 
Bichtangen erhöht nnd dies läßt sich ans der lokalisierten pathologischen Schweiß- 
neignng nicht erklären. Man kann vielmehr vermuten, daß die der Regulation 
dienende Innervation überhaupt geschädigt war. Wie weit hierbei die schwei߬ 
erregende oder die vasomotorische Funktion und wie weit die Zentren derselben 
an der Sache beteiligt waren, läßt sich nicht entscheiden. Es ist möglich, daß 
man es dabei am reflektorische Einflüsse handelte, wie denn auch diese eine be¬ 
kannte Rolle spielen. 

Es sind genügend Fälle bekannt, daß Leute auf Genuß scharfer Speisen 
Schweißausbruch bekamen (Schwenkenbecher, Török, Biedl u. a.), auf Genuß 
kalter kohlensaurer Getränke, auf Geruchsreize (Ammoniak), ja ich sah Schwei߬ 
ausbruch auf akustische Reize hin (Schuß), was möglicherweise ein Schreckschweiß 
ist. Wie wenig nun diese Reflexschweiße einheitlich sind und wie wenig sie selbst 
bei lokalisierter Erscheinung erklärlich sind, beweist der berühmte Fall von 
Török, der bei Genuß von Senf und Pfeffer links, bei Erwärmung dagegen bloß 
rechts schwitzte. 

Die psychischen Schweiße scheinen manchmal eine typische Lokalisation zu 
haben. Schwenkenbecher berichtet, daß der Angstschweiß meist auf Stirne und 
Händen, der Schweiß beim Schamgefühl mehr in den Achselhöhlen erscheint. 

Eine Differenz zwischen diesen beiden Formen kann man im Sinne einiger 
früheren Bemerkungen auch insofern sehen, als der Angstschweiß ein vasotonischer 
kalter, der Schamschweiß ein vasodilatatorischer warmer Schweiß zu sein scheint. 

Zum Schluß muß ich über den künstlichen Schweiß und seinen therapeuti¬ 
schen Wert sprechen, und dabei einiges nachtragen, was ich über die qualitativen 
Veränderungen des Schweißes za sagen vorhin unterlassen habe. 

Vor allem möchte ich sagen, daß der künstliche Schweiß einen Aufwand an 
organischer Arbeit involviert, den man nicht unterschätzen soll. Einstens hat man 
die Schwitzkuren sehr viel gebraucht, die Vorstellungen über die Entgiftung des 
Organismus durch den Schweiß waren vorherrschend. 

Es ist am besten, wenn ich die Bedeutung der künstlichen Schweiße für ein¬ 
zelne Krankheitsgruppen gesondert bespreche. 

Bei Infektionskrankheiten war es naheliegend, den kritischen Schweiß 
zu imitieren, zumal man jeden Fiebernden zum Schweiß bringen kann, wenn man 
ihn mehr erwärmt, als es der pyrogene Reizznstand des Wärmezentrums erfordert. 

Es gibt tatsächlich gewisse Infektionen, meist ephemeren Charakters (Grippe, 
Schnupfen), die man anscheinend durch Schweißprozeduren kupieren kann, und es 


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Über den Schweiß und das Schwitzen. 


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scheint in Einzelfällen, daß ein dnrch Muskelarbeit erzeugter Schweißausbruch 
sogar besser wirkt (Winternitz). Abgesehen davon, daß die Möglichkeit, starke 
Muskelarbeit zu leisten, gerade bei Fiebernden nicht oft vorliegt, wissen wir nicht, 
welchem Faktor die Wirkung zugeschrieben werden sollte, zumal die verschiedenen 
Schwitzmethoden auch nicht ganz gleichmäßig wirken. Beim Schwitzen, das 
z. B. durch Aspirin hervorgerufen wird, handelt es sich um eine Art Narkose des 
Wärmezentrums, bei forcierter Muskelarbeit um ganz komplizierte mehrfache 
Wirkungen. Es muß die empirische Tatsache festgehalten werden, daß auf solche 
Prozeduren hin die Körpertemperatur meist herabgeht und ab und zu sich dann 
nicht mehr Ober das normale erhebt. Es kann also die Infektion erledigt worden 
sein. Ob die Überhitzung nicht die antitoxische Bestrebung des Organismus unter¬ 
stützt, ist nicht festgestellt, aber immerhin möglich. 

Eine vorhandene manifeste Infektionskrankheit ernsteren Charakters durch 
Schwitzprozeduren heilen oder auch nur das Fieber herabdrücken zu wollen, ist 
eine zweischneidige Sache, da, wie gesagt, wiederholte Schweißprozeduren sehr 
anstrengend sein können. Ich denke hierbei durchaus nicht an die durch Salizyl¬ 
säure provozierten Schweiße bei Polyarthritis rheumatica. Da ist der Schweiß 
sicher nichts anderes, als der Ausdruck der spezifischen Wirkung des Mittels auf 
den Infekt, also um eine Art antiseptischer Therapie, bei der Teile der pyro¬ 
genen Substanz vernichtet werden. Diese Schweiße sind also vielfach eine 
Art von Pseudokrise. 

Eine wahre Entgiftung des Organismus durch den Schweiß als solchen ist 
eine mehr oder minder fragliche Sache. Es ist zwar sicher, daß durch den Schweiß 
verschiedene Bakterien ausgeschieden werden, wenn auch unvergleichlich weniger, 
als durch den Harn; es ist wahr, daß der Schweiß fieberkranken Menschen toxischer 
wirkt, als der von Gesunden, aber all diese Ausscheidungen sind so unsicher, 
daß man eine Therapie, die sich auf sie basiert, nicht inaugurieren kann. 

In der kritischen Zeit, bei Fieberabfall, hat der Schweiß oft einen pene¬ 
tranten Geruch, und es ist denkbar, daß, sowie im Harn bei endlichem Abklingen 
der Infektion toxische Substanzen (Diamine und Toxine) abgehen, sie auch im 
Schweiße erscheinen, dies aber wohl darum, weil sie im Organismus nicht mehr 
verankert, sondern durch massiges Zugrundegehen resp. Umwandlungen von Bak¬ 
terienprodukten freigeworden und so ausgeschieden wurden. 

Interessant ist die Beobachtung von Salter, daß im Nachtschweiße von 
Phthisikern Tuberkulin vorhanden sei, der Schweiß der Luetiker gibt aber keine 
Komplementablenkung und auch Agglutinine fanden sich im Schweiße von Typhus¬ 
kranken nicht vor (Vidal negativ). Z. n. Schwenkenbecher. 

Es wird möglich sein, fallweise durch Schwitzprozeduren den Schüttelfrost 
eines Malariakranken abzukürzen, aber hier handelt es sich nicht um den zu pro¬ 
vozierenden Schweiß, sondern um die Erwärmung als solche. 

Bei Pneumonie der Erwachsenen wird vereinzelt gute Wirkung milder 
Schwitzprozeduren berichtet (Heermann z. n. Schwenkenbecher) und die 
Wirkung heißer Bäder bei Kapillarbronchitis und Bronchopneumonie der Kinder 
ist bekannt; doch wird es sich auch hier nicht um die Provokation des Schweißes 
handeln, sondern um-die Hitzewirkung vielleicht auf den Prozeß an sich, jeden¬ 
falls aber auf das Herz und den Kreislauf. Es werden noch vielfach die Schwitz- 


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Alois Straaser 


bäder bei Malariainfektion in anfallsfreier Zeit gerühmt, von einer manifesten 
Wirkung habe ich keine Vorstellung. 

Prinzipiell kann man doch sagen, daß die Imitation einer kritischen Reaktion 
des Organismus gegen die Infektion, trotzdem etwas Bakterien und mit großer 
Wahrscheinlichkeit auch giftige Substanzen den Körper mit dem Schweiß verlassen, 
wenig begründet ist und wohl auch in der Praxis schwer durchführbar, weil bei 
einigem Forcieren der Prozeduren eine Kollapsgefahr unvermeidlich ist. 

Von chronischen Infektionskrankheiten ist vorwiegend die Syphilis, 
bei der die Schwitzprozeduren seit sehr langer Zeit eine große Rolle spielen. Ich 
glaube sogar, daß die moderne antiluetische Therapie die genannten Prozeduren 
zum Schaden der Kranken in den Hintergrund gedrängt hat. Es handelt sich 
aber auch hier nicht um die Schweißsekretion als Ausscheidungsweg, denn es ist 
von einer Elimination luetischer Gifte durch den Schweiß nichts bekannt, aber 
es ist mehr als wahrscheinlich, daß die durch den Sch weiß Verlust in Gang 
gebrachte Lymph- und Saftströmung für die intime Wirkung der beigebrachten 
spezifischen Medikamente von großer Bedeutung ist. Wenn man einerseits dies, 
dann die Wirkung der erhitzenden Prozeduren auf den Kreislauf bedenkt und 
andererseits sieht, wie die luetische Infektion in Organen mit eigenartigem Kreislauf 
(Gehirn) trotz sorgfältigster Therapie sich erhalten kann, müßte man annehmen, 
daß den die medikamentöse Therapie in hohem Grade unterstützenden Schwei߬ 
methoden die Würdigung nicht versagt werden kann. Was diese Prozeduren bei 
schweren Tertiärformen leisten, ist wohl genügend bekannt, man muß nur die 
Berichte aus den Jod- und Schwefelbädern lesen. 

Von chronischen Intoxikationen ist die Polyneuritis einerseits, die chro¬ 
nischen metallischen Vergiftungen andererseits (Blei, Quecksilber, Arsen) der 
Behandlung mit Schwitzkuren zugänglich. Bei Polyneuritis handelt es sich meist 
um Gifte, die durch Schweiß nicht gut entfernt werden, die Wirkung der Proze¬ 
duren unterstützt vielmehr die regenerativen Bestrebungen des Organismus. Das¬ 
selbe kann man wohl auch von den metallischen Giften sagen, sofern sie schon 
degenerative Prozesse der Nerven verursacht haben. Diese Gifte sind aber in 
Depots lange vorhanden und schädigen eben die Nerven fortwährend, indem sie 
langsam in den Kreislauf gelangen. 

Es ist nun sicher, daß die metallischen Gifte durch den Schweiß auch zur 
Ausscheidung gelangen. Mir ist gelungen, bei einem Manne, der gehäufte Queck¬ 
silberkuren aller Art (Inunktionen und Injektionen) gemacht hat, drei Jahre nach 
der letzten Kur ansehnliche (meßbare) Mengen von Hg durch den Schweiß zu 
entfernen. Außerdem ist zweifellos, daß die Prozeduren die Ausscheidungstätigkeit 
anderer Organe für diese Stoffe unterstützen (Niere, Darm), weil eben die Gifte 
besser in den Kreislauf gelangen. 

Wenn medikamentöse Stoffe sich im Organismus anhäufen, ist eine Chance, 
sie durch den Schweiß rascher zu eliminieren, auch vorhanden. Ich meine das Jod, 
vorwiegend aber das Brom, beide lipoidlösliche Stoffe, die ebenso durch die Talg- 
wie durch die Schweißdrüsen austreten. 

Ich muß bemerken, daß bei all den genannten Vergiftungen mehr die durch 
Überhitzung erzeugten Schweiße gemeint sind, als die zum Beispiel durch Aspirin 


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Ober den Schweiß und das Schwitzen. 


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oder Pilokarpin erzengten, weil es wohl auf die gleichzeitige Kreislanfswirknng 
auch ankommt. 

Die manifeste Wirkung der Schwitzprozeduren bei reinem Bronchialasthma 
und bei chronischem oft mit Krampfneigung einhergehendem Bronchialkatarrh ist 
bekannt. Ich selbst hatte bei diesem Einfluß mehr die antispasmodische Wirkung 
der Überhitznngsprozeduren im Ange, doch mag Strümpell auch Recht haben, 
wenn er auf die Schweißproduktion und auf eine gleichzeitig stattfindende reich¬ 
liche Sekretion in die Bronchien Gewicht legt, sicher ist, daß die Erleichterung 
dieser Kranken erst dann zu bemerken ist, wenn sie stark in Schweiß geraten sind. 

Die Resorption von Exsudaten in der Pleura und in Gelenken geht 
nach reichlichem Schweißausbruch sicher besser vonstatten, doch kann man einer¬ 
seits akute exsudative Pleuritiden nicht gut mit solchen Prozeduren behandeln, da 
wirken schon die Diuretin- und die interne Schweißmedikation besser, nnd anderer¬ 
seits ist bei subkutanen und chronischen Gelenksprozessen mehr die Überhitznng, 
die Hyperämisierung ausschlaggebend, als die Schweißproduktion. 

Bei der echten Gicht ist wohl auch die Wirkung der Prozeduren auf den 
Stoffwechsel die wichtigste und wohl auch die durch sie vermehrte Ausscheidung 
von Harnsäure durch den Harn. Die Menge von Harnsäure, die durch den 
Schweiß ansgetrieben werden kann, ist verschwindend klein und kommt thera¬ 
peutisch gar nicht in Betracht 

Die Schwitzprozeduren haben bei der Fettsucht, und zwar mehr bei den 
anämischen, als bei den plethorischen Formen derselben, praktisch eine große Be¬ 
deutung. Wenn so ein Patient 1000 g oder mehr Schweiß verliert, so ist das 
kein manifester Verlust an Körpergewicht, aber die Möglichkeit, Muskelarbeit zu 
leisten, wird sicherlich gesteigert. Bei den sehr anämischen Formen wirkt der 
Schweißverlust auch einer Hydrämie entgegen, und bei plethorischen, bei denen 
meist Veränderungen der Kreislaufsorgane auch vorliegen, wird die Herz- und 
Gefäßarbeit entschieden erleichtert. 

Damit hätte ich auch teilweise die Bedeutung der Schwitzprozeduren bei 
Chlorose gestreift. Noorden sieht sie allein in der Entwässerung, während ein 
Einfluß dieser Kuren anf die Blutbildung auch sehr wahrscheinlich ist. 

Die wichtigste Rolle spielen die Schwitzkuren bei den Herz- und Nieren¬ 
krankheiten. 

Eine Entwässerung ödematöser Patienten auf diese Weise ist möglich selbst 
bei sehr fortgeschrittener Myokardinsuffizienz und Degeneration, weil es nur Sache 
der therapeutischen Technik ist, die Prozeduren so einzurichten, daß das Herz 
nicht überlastet werde. 

Die ödematöse Haut schwitzt nicht mehr als die normale, sondern vielfach 
weniger, doch sind profuse Schweiße unschwer hervorzurufen. Nebst der direkt 
entwässernden Wirkung der Prozeduren sehe ich ihren großen Einfluß bei Ödemen 
darin, daß das Unterhautzellgewebe erweicht, von der übermäßigen Spannung be¬ 
freit wird und so für das geschwächte Herz auch die Möglichkeit besteht, die 
Kapillarzirkulation zu beherrschen, wozu noch eine Erleichterung der Gewebssaft- 
und Lymphströmung das ihrige beiträgt. Es pflegt sich nicht selten nach Schwitz¬ 
kuren eine bessere Diurese einzustellen. Von Atherosklereotikern werden 


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Alois Strasser, Über den Schweiß und das Schwitzen. 


Schwitzkuren meist gut vertragen nnd sie wirken auch gut, teils als entwässernde, 
teils als kreislanfansgleicbende Methoden. 

In der Frage der Schwitzkuren bei Nierenkranken muß man etwas weiter 
ausholen. Der Antagonismus der Haut- nnd Nierenfunktion ist nur mit Ein¬ 
schränkungen als richtig anzusehen. Ist die Diurese sehr groß, so ist allerdings 
die Haut meist trocken, ist sie aber vermindert, so gibt die Haut von selbst 
niemals eine kompensatorisch vermehrte Menge von Wasser ab. Was nun die 
vikariierende Ausscheidung der Harnprodukte durch die Haut anbelangt, so scheint 
dieselbe allgemein wesentlich überschätzt worden zu sein. Nehmen wir den Fall, 
daß man mit einer einzigen Schwitzkur 2,0 g NaCl. und 1,0 g N. zur Aus¬ 
scheidung bringen kann, wie daß auch von Kövesi und Roth-Schulz angegeben 
wird, so ist das bei normalem Nahrungsgleichgewicht immerhin eine ansehnliche 
Menge. Die Kranken befinden sich bei Niereninsuffizienz aber in einem Zustand 
der Aufhäufung der genannten Substanzen durch Retention, und zum Ausgleiche 
dieser Störung sind die obigen Mengen viel zu klein. Wenn man sich also die 
Schwitzkuren als eine Art katarrhtische Therapie vorstellt, so ist das ein Irrtum. 

Eine Entwässerung ist wohl hier auch möglich, und zwar am besten bei 
den Formen von mehr glomerulärer Nephritis, wo es sich vorwiegend um Wasser¬ 
retention handelt nnd die Salzausscheidung noch ziemlich suffizient ist, also bei 
den Formen, die der experimentell erzeugten Cantharidin oder Sublimatnephritis 
ähnlich sind. Den Hauptnutzen der Überhitzungsprozeduren sehe ich stets darin, 
daß man durch sie, wenn sie nicht übermäßig forciert werden, den Nierenkreis¬ 
lauf entschieden bessern kann und eine Besserung der Diurese um 200—300 g 
ist meiner Ansicht nach viel mehr wert, als wenn der Patient einen Liter Schweiß 
verliert. 

In den sogenannten Harnschweißen schwerer Nephritiker findet man oft er¬ 
hebliche Mengen von Harnstoff. Diese Harnschweiße erscheinen aber meist in 
der Agone und sind wohl ein Ausdruck einer durch lange Zeit bestandenen 
Retention der harnfähigen Substanzen, wodurch alle Gewebe von denselben durch¬ 
setzt sind nnd nicht ein Zeichen einer vikariierenden Tätigkeit der Schweißdrüsen 
(Schwenkenbecher). Bei Schrumpfnieren sind übrigens die Schwitzprozeduren 
erst dann nötig, wenn durch Herzinsuffizienz Ödeme erscheinen. 

Trotz all dieser gutbegründeten Erklärungen muß man auch hervorheben, 
daß die Schwitzprozeduren im urämischen Anfall und selbst im chronisch-urämischen 
Stadium Gutes leisten, ob durch die Schweißausscheidung oder durch den Einfluß 
auf Herz, Kreislauf und Nervensystem, das steht dahin, und ich möchte nicht un¬ 
erwähnt lassen, daß sehr starke und gehäufte Überhitzungen, selbst wenn sie viel 
Schweiß erzeugt haben, Anurie und direkt urämieähnliche Erscheinungen hervor- 
rufen können. Das dürfte teilweise davon herkommen, daß das stark überhitzte 
Blnt vom vasomotorischen Zentrum ans Gefäßkrämpfe in der Niere auslösen kann. 

Ich möchte aus meiner praktischen Erfahrung noch erwähnen, daß Schwitz¬ 
kuren bei gewissen Krankheiten der Haut, nämlich bei Furunkulose und bei 
Pruritus hervorragend zu wirken scheinen. Ob dabei das Schwitzen oder die 
Hyperämisierung der Haut die Hauptrolle spielt, weiß ich nicht. Bei der ersteren 
Krankheit kann man an einen antitoxischen Vorgang denken, der durch die 
Prozeduren begünstigt wird. 


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Felix Taran, Über periphere Ursachen des neuralgischen Zustandes. 


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Wie Sie gesehen haben, ist die Lehre vom Schweiß nnd dem Schwitzen in 
manchen Teilen lückenhaft, aber doch soweit ausgebaut, daß das meiste für unser 
physiologisches Verständnis ganz gut zugänglich ist und anch für die Anwendung 
in der Therapie Handhaben bietet. 

Was früher zur Überschätzung Veranlassung gegeben hat, ist wohl in den 
meisten Punkten aufgeklärt und es bleibt uns die Lehre, die uns zeigt, wie wir 
eine physiologische Begnlations- und Abwehrvorrichtung bewundernd zu betrachten 
nnd sie in geeigneten Fällen für therapeutische Zwecke zu verwerten haben. 


IV. 

Ober periphere Ursachen des neuralgischen Zustandes. 1 ) 

Von 

Dr. Felix Taran 

in Franzensbad. 

Die Anzahl der Kranken, die an fast dauernden neuralgischen Schmerzen in 
verschiedenen Körperteilen leiden, ist eine sehr große. Man kann in solchen 
Fällen im Gegensätze zur echten Neuralgie, bei welcher die Schmerzen anfallsweise 
auftreten, mit Berechtigung von einem neuralgischen Zustande sprechen. Die 
Ätiologie dieses Zustandes ist noch nicht nach allen Richtungen hin aufgeklärt, 
weil ihm bisher keine seiner Bedeutung entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt 
wurde. Es werden im allgemeinen infektiöse, toxische oder entzündliche Momente 
beschuldigt, die sich in den Nervenstämmen resp. in ihren Ästen oder in den 
Wurzeln abspielen sollen, ohne daß hierfür die zwingenden pathologisch-anatomischen 
Beweise sich immer erbringen ließen, in welchem Falle dann funktionelle Ver¬ 
änderungen des Zentralnervensystems verantwortlich gemacht werden. Immerhin 
wird aber die Peripherie als ätiologischer Faktor recht stiefmütterlich behandelt, 
wiewohl dieselbe das einzige große Gebiet bildet, wo sich die bewußte Schmerz¬